[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs
1.
[0002] Beim Betrieb einer Papiermaschine wird eine große Menge von Wasser durch die Papiermaschinensiebe
hindurch entweder abgeschleudert oder mit Hilfe von Foils abgeschabt. Das als erstes,
also in der Nähe des Papiermaschinen-Stoffauflaufes, anfallende Siebwasser kann direkt
in einer unterhalb des Papiermaschinen-Siebes angeordneten offenen Wanne o.ä. gesammelt
werden. Es wird oft Siebwasser I oder wegen des sichtbaren Füll- und Faserstoffgehaltes
auch Weißwasser genannt. Bekanntlich ist die zuerst anfallende Menge des Siebwassers
bezogen auf die Sieblänge besonders hoch. Außerdem hat es unmittelbar nach Verlassen
des Papiermaschinensiebes eine hohe Geschwindigkeit in Sieblaufrichtung und wird dann
mindestens einmal seitlich umgelenkt. Die Strömung ist sehr unruhig, voller Wirbel
und pulsierend. Außerdem bilden sich Sprühströmungen, welche Teile der Umgebungsluft
mitreissen und einbinden. Verfahren der hier betrachteten Art sind insbesondere geeignet,
um das aus dem Formierbereich des Papiermaschinensiebes herausgeleitete Siebwasser
weiter zu führen und dabei eine Beruhigung der Strömung zu erreichen. Zumeist wird
dabei auch der Gasgehalt des Siebwassers reduziert.
[0003] Die WO 01/81676 A1 zeigt eine Anlage, mit der das Siebwasser einer Papiermaschine
aufbereitet und entlüftet werden soll. Dabei wird ein kurzer Kreislauf für das zuerst
anfallende und ein langer Kreislauf für das später anfallende Siebwasser gebildet.
In den langen Kreislauf wird außerdem das nicht offen sondern in Saugkästen anfallende
Siebwasser durch spezielle Steigrohre ("barometric pipes") eingeführt. Für den kurzen
Kreislauf ist die Verwendung einer Entgasungspumpe vorgesehen, ohne dass Angaben gemacht
werden, ob und wie die Siebwasserströmung beruhigt werden soll.
[0004] Es ist bekannt, das in der Regel quer zur Sieblaufrichtung aus dem unmittelbaren
Papiermaschinenbereich herausgeleitete Siebwasser in offenen Rinnen weiter zu führen,
wobei eine Verweilzeit angestrebt wird, die in Abhängigkeit von Blasensteiggeschwindigkeit
und Rinnenhöhe ausreicht, dass die Blasen an die Oberfläche gelangen können. In diesen
Rinnen soll eine erste Beruhigung der Strömung erzielt werden sowie ein Teil der mitgeschleppten
Luft entweichen. Am Ende der Rinne fließt das Siebwasser in ein geschlossenes Leitungssystem
ab, um dann z.B. in einen Tank oder zu einer Pumpe zu gelangen, welche das Siebwasser
der weiteren Aufbereitung, z.B. Reinigung und Entlüftung, zuführt.
[0005] Es hat sich zwar gezeigt, dass die oben genannten offenen Rinnen ihren Zweck erfüllen,
ihre Installation ist aber mit einem beträchtlichen Aufwand verbunden. So muss z.B.
eine größere Stützkonstruktion vorgesehen werden, da oben offene Rinnen nur wenig
zur Abstützung des Gewichtes der geführten Wassermassen beitragen können. Es ist auch
leicht einzusehen, dass an den Stellen der offenen Rinne, an denen sich der Wasserspiegel
befindet, die Gefahr des Absetzens von Fasern und Füllstoffen besteht. Um dem vorzubeugen,
werden daher an einigen Stellen Sprührohre eingesetzt.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, die bestehenden Verfahren so zu verbessern,
dass es gelingt, das offen anfallende Siebwasser problemlos aus dem Formierbereich
der Papiermaschine abzuführen und dabei eine Beruhigung der Strömung zu erreichen.
Dabei soll möglichst auch der Gasgehalt signifikant vermindert werden.
[0007] Diese Aufgabe wird durch die im Kennzeichen des Anspruchs 1 genannten Merkmale gelöst.
[0008] Die Erfindung und ihre Vorteile werden beschrieben an Hand von Zeichnungen. Dabei
zeigen:
- Fig. 1
- schematisch: Eine Anlage zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens in Seitenansicht;
- Fig. 2
- schematisch: Eine ähnliche Anlage mit Blickrichtung entgegen Sieblaufrichtung auf
den Stoffauflauf;
- Fig. 3
- Teil einer erfindungsgemäß verwendeten Rohrleitung mit Entgasungseinrichtung;
- Fig. 4 -8
- je eine Variante der Querschnittsform der Rohrleitung, jeweils in Gebrauchslage dargestellt.
[0009] In Fig. 1 ist in stark vereinfachter Form der Formierbereich einer Papiermaschine
PM in Seitenansicht dargestellt. Eine solche Papiermaschine hat beispielsweise eine
in der Stuhlung 9 gelagerte Formierwalze 7, auf der ein endloses Sieb 3 umläuft. Die
zur Papiererzeugung benötigte Suspension wird durch einen Stoffauflauf 2 und eine
Breitstrahldüse 5 von oben auf das umlaufende Sieb 3 aufgegeben. Da diese Suspension
in der Regel einen Wassergehalt zwischen 98 und 99 % hat, tritt eine große Menge Siebwasser
unmittelbar nach Zugabe der Suspension durch das Sieb 3 hindurch und wird als Siebwasser
SW in der Siebwasserwanne 8 gesammelt. Auch nachdem das Sieb 3 den Bereich der Siebwasserwanne
8 verlassen hat, wird weiteres Siebwasser abgeführt, was hier aber nicht von direktem
Interesse ist. Wie bereits beschrieben, hat das Siebwasser SW in der Siebwasserwanne
8 eine große Strömungsgeschwindigkeit und beträchtliche Turbulenzen. Es wird dann
z.B. seitlich aus der Papiermaschine heraus und in die seitlich liegende Rohrleitung
1 eingeleitet. Dabei erstreckt sich die Rohrleitung in ihrer Längsrichtung horizontal.
Länge und Querschnitt der Rohrleitung 1 sind mit Vorteil so ausgelegt, dass die Verweilzeit
zwischen 20 und 30 sec beträgt, was erfahrungsgemäß zu einer ausreichenden Beruhigung
der Strömungsturbulenzen und Vorentgasung führt. In der Praxis bedeutet das dann bei
einer typischen Strömungsgeschwindigkeit von ca. 0,5 m/s eine Länge der Rohrleitung
1 von 10 bis 15 m. Das sich im oberen Teil der Rohrleitung 1 ansammelnde Gas kann
durch eine oder mehrere oben angebaute Entgasungseinrichtungen 4 entfernt werden,
auf die noch etwas näher eingegangen wird. Bei dem hier dargestellten Beispiel mündet
die Rohrleitung 1 in einen oben offenen Siebwassertank 6. Das Niveau 11 dieses Siebwassertanks
6 kann so eingestellt werden, dass es oberhalb der Rohrleitung 1 liegt, wobei z.B.
eine Differenzhöhe D von etwa 100 - 200 mm sinnvoll ist.
[0010] Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt darin, dass mit einfachen
Mitteln der Siebwassermengenstrom frühzeitig gemessen werden kann, da bereits am Ende
der Rohleitung 1 die physikalischen Voraussetzungen zu einer solchen Messung gegeben
sein können. Für diesen Zweck ist hier ein induktiver Durchflussmesser 10 eingezeichnet.
[0011] Die in den Figuren 1 und 2 dargestellte Papiermaschine PM ist hier nur als Beispiel
zu verstehen. Selbstverständlich können auch Papiermaschinen, die mit anderen Formern
oder Stoffaufläufen versehen sind, das offen anfallende Siebwasser in der beschriebenen
Weise durch die erfindungsgemäß verwendete Rohrleitung ableiten. Auch wenn in den
Fig. 1 und 2 die Hauptrichtung der Rohrleitung 1 parallel zur Sieblaufrichtung der
Papiermaschine dargestellt ist, kann je nach den vorliegenden Platzverhältnissen auch
eine andere Anordnung der Rohrleitung erfolgen. Sie kann auch eine oder mehrere Umlenkungen
aufweisen.
[0012] In Fig. 3 sind die Verhältnisse in der Nähe einer auf die Rohrleitung 1 aufgesetzten
Entgasungseinrichtung 4 dargestellt. Diese Abbildung zeigt das Entgasungsrohr 12,
welches sinnvollerweise im obersten Teil des Rohrquerschnitts der Rohrleitung 1 angebracht
und hier im Betrieb teilweise mit Siebwasser gefüllt ist. Daher bildet sich in diesem
Entgasungsrohr 12 eine freie Oberfläche, an der das Gas aus dem Siebwasser austreten
kann. Zusätzlich kann sich auch innerhalb der Rohrleitung 1, insbesondere zwischen
den Entgasungseinrichtungen 4 eine Phasengrenze einstellen. Gezeigt ist auch das Niveau
11 des Siebwassertanks (oder eines anderen Gegenniveaus am Auslauf der Rohrleitung
1). Das Niveau 11 kann auf Grund der Strömungsgeschwindigkeit in der Rohrleitung 1
von dem der freien Oberfläche im Entgasungsrohr 12 abweichen. Eine einfachste Entgasungsmöglichkeit
ergibt sich, wenn das Gas durch das darüber liegende Anschlussrohr 13 in die Umgebung
gelangen kann, was in der Wirkung den eingangs erwähnten offenen Rinnen nahe kommen
würde, ohne deren Nachteile zu haben. Es ist aber meistens zweckmäßig, eventuell gebildeten
Schaum und die stark mit Feuchtigkeit beladenen Gase, also die Schwaden 16, abzusaugen,
wobei ein Unterdruck von ca. 1,5 bis 2 bar zweckmäßig ist. Eine solche Schwadenabsaugung
14 ist hier nur angedeutet. Eventuell ist es zweckmäßig, die freie Oberfläche, die
sich im Entgasungsrohr 12 ausbildet, mit Wasser, insbesondere Siebwasser zu besprühen,
um das Ansetzen von Ablagerungen zu vermeiden.
[0013] Die Fig. 3 zeigt außerdem eine Möglichkeit, mögliche Absetzungen am Boden der Rohrleitung
1 zu verhindern. Dazu ist ein mit Öffnungen 17 versehenes Bodenspülrohr 18 in den
unteren Teil der Rohrleitung eingesetzt. Es kann mit unter Überdruck stehendem Siebwasser
betrieben werden.
[0014] Die typische Querschnittsform der Rohrleitung 1 (Fig. 2) zur Durchführung des Verfahrens
dürfte die eines Kreises sein, was sowohl herstellungsmäßig als auch festigkeitsmäßig
besonders günstig ist. Je nach Anforderungen können aber auch andere Querschnitte
als die günstigste Lösung angesehen werden. So ist z.B. in Fig. 4 ein aufrecht stehendes
Ovalprofil 19 und in Fig. 5 ein liegendes Ovalprofil 20 gezeigt. Auch eine Raute 21,
wie sie in Fig. 6 dargestellt ist, kombiniert eine hohe Festigkeit mit guten Strömungseigenschaften.
Etwas komplizierter ist da schon ein Fünfeckprofil 22 gemäß Fig. 7, bei dem eine Ecke
oben liegt und die Unterseite waagerecht. In anderen Fällen kann ein Sechseckprofil
23 gemäß Fig. 8 zweckmäßig sein. In den in Fig. 6 bis 8 gezeigten Fällen sind aus
strömungstechnischen (und herstellungstechnischen) Gründen die Ecken abgerundet. Es
ist selbstverständlich denkbar, auch weitere Profile für die Rohrleitung 1 zu verwenden,
um das Verfahren optimal durchzuführen.
1. Verfahren zum Führen von an einer Papiermaschine (PM) offen anfallendem Siebwasser
(SW), das zunächst in der Papiermaschine (PM) gesammelt und dann zur Weiterverarbeitung
geleitet wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Weiterleitung in einer geschlossenen Rohrleitung (1) erfolgt, die zur Horizontalen
einen Winkel (α) zwischen 0 und 15°, vorzugsweise 0°, hat und dass die mittlere Verweilzeit
des Siebwassers (SW) in dieser Rohrleitung (1) mindestens 5 sec, vorzugsweise 20-30
sec, beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Querschnitt der Rohrleitung (1) kreisförmig ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Querschnitt der Rohrleitung (1) oval ist.
4. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Querschnitt der Rohrleitung (1) die Form einer an den Ecken gerundeten Raute
(21) mit oben liegender Ecke hat.
5. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Querschnitt der Rohrleitung (1) die Form eines an den Ecken gerundeten breiten
Sechsecks (22) mit oben liegender Ecke hat.
6. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Querschnitt der Rohrleitung (1) die Form eines an den Ecken gerundeten Fünfecks
mit oben liegender Ecke hat.
7. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Siebwasser (SW) das zuerst anfallende Siebwasser der Papiermaschine ist.
8. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Siebwasser (SW) aus der Rohrleitung (1) in ein Flüssigkeitsvolumen geführt wird
mit einer freien Flüssigkeitsoberfläche, an der Atmosphärendruck herrscht.
9. Verfahren nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Siebwasser (SW) aus der Rohrleitung (1) in einen oben offenen
Siebwassertank (6) geführt wird.
10. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass aus dem Siebwasser (SW) Gas, insbesondere Luft, durch mindestens eine Öffnung in
der Wand der Rohrleitung (1) entfernt wird.
11. Verfahren nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Rohrleitung (1) mit mindestens einer, vorzugsweise zwei bis drei, oben angesetzten
Entgasungseinrichtungen (4, 4') versehen ist.
12. Verfahren nach Anspruch 10 oder 11 jeweils in Verbindung mit Anspruch 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Niveau (11) der Flüssigkeitsoberfläche des Flüssigkeitsvolumens geodätisch oberhalb
der inneren Oberkante der Rohrleitung (1) eingestellt wird.
13. Verfahren nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Niveau (11) auf maximal 200 mm oberhalb der inneren Oberkante der Rohrleitung
eingestellt wird.
14. Verfahren nach Anspruch 11, 12 oder 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Entgasungseinrichtung (4, 4') unter Unterdruck gesetzt wird.
15. Verfahren nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Unterdruck auf 1,5 bis 2 bar eingestellt wird.
16. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass in der Rohrleitung (1) der Mengenstrom des Siebwassers (SW) gemessen wird.
17. Verfahren nach Anspruch 16,
dadurch gekennzeichnet,
dass zur Messung ein am Ende der Rohrleitung (1) installierter induktiver Durchflussmesser
(10) verwendet wird.
18. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass in der Rohrleitung (1) eine mittlere Strömungsgeschwindigkeit des Siebwassers (SW)
von maximal 0,8 m/s, vorzugsweise 0,2 bis 0,6 m/s, eingestellt wird.