Stand der Technik
[0001] Die Erfindung betrifft ein mehrschichtiges Panzerschutzmaterial beinhaltend eine
einoder vielstückige keramische oder metallische Schicht, welcher in Beschussrichtung
gesehen eine hintere Stützschicht aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und/oder
aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) nachgeordnet ist, gemäß dem Oberbegriff
von Anspruch 1 sowie ein Verfahren zu seiner Herstellung gemäß dem Oberbegriff von
Anspruch 14.
[0002] Durch Panzerschutzmaterial können terrestrische und flugfähige Fahrzeuge wie beispielsweise
Flugzeuge, Helikopter und Satelliten sowie potentiell gefährdete Personen gegen Impact
bzw. ballistische Bedrohungen geschützt werden. Im Bereich der Luft- und Raumfahrt
sind vor allem Panzerschutzmaterialien mit einem günstigen Masse-Schutz-Verhältnis
von Vorteil. Zur Zerstörung der Projektile sind im Bereich des zivilen terrestrischen
Fahrzeugschutzes insbesondere auf speziellen Stahlsorten basierende Schichten im Einsatz,
während im militärischen, wie auch im Bereich des Personenschutzes keramische Schichten
verwendet werden.
[0003] Auf Keramik basierendes Panzerschutzmaterial weist gegenüber Stahllösungen ein geringeres
Flächengewicht bei gleicher Schutzleistung auf. Dem steht das bessere Multi-Hit-Verhalten
des Stahls entgegen. Darunter versteht man den Erhalt der projektilstoppenden Eigenschaften
bei mehrfachem Impact in geringen Trefferabständen. Bei Panzerschutzmaterial mit Stahlschicht
liegen diese Abstände typischerweise im Bereich von Abständen, die dem dreifachen
Durchmesser des Geschosses entsprechen. Bei Verwendung einer keramischen Schicht liegt
der tolerierbare Trefferabstand etwa im Bereich des 8- bis 10-fachen des Durchmessers
des Geschosses.
[0004] Allen Lösungen, bei denen das Geschoss bzw. der Geschosskern zunächst gebrochen werden
muss, ist gemein, dass Sie aus mindestens zwei Schichten mit unterschiedlichen Funktionen
bestehen. Dabei hat eine vordere, der Beschussbeanspruchung zugewandte Schicht, welche
beispielsweise aus Stahl oder Keramik besteht, die Aufgabe, das Geschoss weitestgehend
zu zersplittern. Eine weitere Schicht, das sogenannte Backing übernimmt die Funktion
des Auffangens von Geschosssplittern, sowie die Absorption der restlichen kinetischen
Energie. Die Schichten können einander unmittelbar kontaktieren und sind miteinander
verklebt oder sie stehen in einem geschotteten System in definiertem Abstand zueinander.
[0005] In der gattungsbildenden DE 41 14 809 A1 ist ein geschoßfestes Plattenmaterial beschrieben,
mit einer Frontschicht aus sechseckförmigen Keramikplatten, welcher in Beschussrichtung
gesehen eine erste harte Laminatlage aus verdichtetem GFK-Material nachgeordnet ist.
Unter Zwischenfügung einer Klebefolie wird eine zweite Laminatlage aus GFK-Material
vorgesehen, die gegenüber der ersten Laminatlage weicher ist. Durch die hintere, als
Stützschicht wirkende harte Laminatlage soll die Keramikschicht abgestützt werden,
wenn diese von einem Geschoss bzw. von beim Aufschlag entstehenden Geschosssplittern
durchschlagen wird. Die nachgeordnete, weichere Laminatlage soll als Fangschicht das
Geschoss bzw. die Geschosssplitter auffangen, ohne dabei zu zerreißen.
[0006] Häufig basieren bei gewichtsoptimierten Ansätzen die Lösungen auf einer Kombination
einer Keramikschicht und einem Backing auf Gewebebasis beispielsweise aus Aramid oder
Dyneema. Der minimal mögliche Trefferabstand solcher Systeme liegt jedoch über dem
angestrebten und mit Stahl realisierbaren. Grund ist zum einem die begrenzte Scherfestigkeit
des Klebers zwischen Keramik und dem Gewebe und zum anderen die Schädigung der Keramik
und die damit verbundene Abnahme der Steifigkeit des Gesamtsystems bei wiederholtem
Auftreffen von Geschossen. Weiterhin reicht auch bei Verwendung von Stahlschichten
die Steifigkeit gegenüber Geschossen mit hoher kinetischer Energie und hoher Härte
oft nicht mehr aus.
Aufgabe der Erfindung
[0007] Der Erfindung liegt demgegenüber die Aufgabe zugrunde, ein mehrschichtiges Panzerschutzmaterial
der eingangs erwähnten Art derart weiter zu entwickeln, dass es bei möglichst geringem
Gewicht eine höhere Schutzleistung insbesondere bei Mehrfachbeschuss gewährleistet.
Außerdem soll ein kostengünstiges Verfahren zu seiner Herstellung bereitgestellt werden.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die kennzeichnenden Merkmale von Anspruch
1 und die kennzeichnenden Merkmale von Anspruch 14 gelöst.
Vorteile der Erfindung
[0009] Indem gemäß Anspruch 1 der keramischen oder metallischen Schicht in Beschussrichtung
gesehen eine vordere Stützschicht aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und/oder
kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) vorgeordnet ist, wird die Stahl- oder
Keramikschicht zwischen der vorderen und der hinteren Stützschicht optimal in einen
Verbund eingebettet und abgestützt. Dies schützt insbesondere das Keramik- oder Stahlmaterial
vor schädlichen, durch einen wiederholten Impact von Geschossen hervorgerufenen Schwingungen,
indem die höhere Steifigkeit der Struktur die Schwingungsamplituden reduziert. Ein
besonderer Vorteil der aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und/oder kohlenstofffaserverstärktem
Kunststoff (CFK) bestehenden Stützschichten liegt außerdem in deren Anpassungsfähigkeit
an gekrümmte oder abgewinkelte Flächen, so dass das erfindungsgemäße Panzermaterial
universell, zum Schutz beliebig geformter Oberflächen einsetzbar ist.
[0010] Gemäß dem Herstellungsverfahren von Anspruch 14 wird auf die der Beschussbeanspruchung
zugewandte Oberfläche der keramischen oder metallischen Schicht die vordere Stützschicht
aus glasfaserverstärktem Kunststoff und/oder aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff
und/oder auf die von der Beschussbeanspruchung abgewandte Oberfläche der keramischen
oder metallischen Schicht die hintere Stützschicht aus glasfaserverstärktem Kunststoff
und/oder kohlenstoff-faserverstärktem Kunststoff aufgebracht, indem Glasfasergewebe
und/oder Kohlenstofffasergewebe zur Ausbildung mit Binder imprägnierter Faserstoffmatten
(Prepregs bzw. Nasslaminate) mit einem Binder, insbesondere mit einem Binderharz imprägniert
werden, und die imprägnierten Prepregs bzw. Nasslaminate während eines Aushärtezeitraums
thermisch und/oder durch elektromagnetische Strahlung ausgehärtet und zumindest während
eines Teils des Aushärtezeitraums gegen eine oder beide Oberflächen der keramischen
oder metallischen Schicht gepresst werden. Hierdurch wird ein Heißpressprozess verwirklicht,
bei welchem der aushärtende Binder der beidseitig angeordneten Faserstoffmatten für
einen Stoffschluss mit der Oberfläche der Keramik- bzw. der Stahlschicht sorgen, ohne
dass zusätzlich ein Klebstoff verwendet werden müsste. Durch das beidseitige Pressen
können außerdem in vorteilhafter Weise während eines einzigen Verfahrensschritts beide
Stützschichten, die vordere und die hintere Stützschicht auf die Keramik- bzw. Stahlschicht
aufgebracht werden.
[0011] Durch die in den Unteransprüchen aufgeführten Maßnahmen sind vorteilhafte Weiterbildungen
und Verbesserungen der in den Patentansprüchen 1 und 14 angegebenen Erfindung möglich.
[0012] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist die keramische oder metallische Schicht
von der vorderen Stützschicht und der hinteren Stützschicht vollständig ummantelt,
insbesondere an den Stirnflächen. Hierdurch ist in vorteilhafter Weise ein besonders
steifer und fester Zusammenhalt des Verbundes gegeben.
[0013] Von Vorteil ist die Verwendung von glasfaserverstärktem Kunststoff und/oder kohlenstoff-faserverstärktem
Kunststoff für die vordere und/oder die hintere Stützschicht auch, wenn die keramische
oder metallische Schicht mindestens lokal von einer ebenen Platte abweicht und eine
Krümmung und/oder eine Abwinkelung aufweist und/oder wenn die Schichtdicke der keramischen
oder metallischen Schicht variabel ist. Denn die meist auf der Basis von Gelegen,
Geweben, Gewirken oder Gestricken vorhandenen Faserkunststoffe lassen sich vor dem
Aushärten leicht an unebene Formen anpassen. Besonders bevorzugt beinhaltet der glasfaserverstärkte
Kunststoff und/oder der kohlenstofffaserverstärkte Kunststoff ein unidirektionales
Gelege aus um 90 Grad zueinander versetzt angeordneten Schichten paralleler Fasern.
[0014] Gemäß einer Weiterbildung weist die vordere Stützschicht und/oder die hintere Stützschicht
einen auf das Volumen bezogenen Kohlenstoff- und/oder Glasfaseranteil von mindestens
10 % auf.
[0015] Gemäß einer weiterbildenden Maßnahme besteht die Matrix der vorderen Stützschicht
und/oder der hinteren Stützschicht aus einem thermisch und/oder durch elektromagnetische
Strahlung aushärtbaren Polymer, beispielsweise aus einem Phenolharz.
[0016] Bei Verwendung einer keramischen Schicht kann diese eine monolithische Keramik beispielweise
aus Aluminiumoxid oder Siliziumcarbid aufweisen. Alternativ kann auch eine faserverstärkte
Keramik verwendet werden. Insbesondere wird eine gesinterte, oder durch Infiltration
mit flüssigem Silizium hergestellte Keramik verwendet.
[0017] Faserverstärkte Keramiken können bevorzugt sog. C/SiC-Werkstoffe sein, bei denen
vorzugsweise kohlenstoffbasierte Fasern, insbesondere Kohlenstoffasern oder Graphitfasern
in einer überwiegend aus SiC, Si und C gebildeten Matrix gebunden sind. Die C/SiC-Verbundkeramiken
können auch andere hochtemperaturbeständige Fasern umfassen, die neben Kohlenstoff
noch weitere Elemente, wie beispielsweise Si, B, N, O oder Ti enthalten. Die Vorgehensweise
zur Herstellung von C/SiC-Werkstoff ist dadurch gekennzeichnet, dass zunächst ein
CFC-Werkstoff gebildet wird. Besonders bevorzugt ist die Herstellung von kurzfaserbündelverstärktem
CFK (Kohlenstoffaserverstärkte Kunststoffe), bestehend aus mit einer carbonisierbaren
Substanz und/oder mit Kohlenstoff beschichteten Kohlenstofffasern oder Faserbündeln
und Füllstoffen und Bindern, der mit einem Kern zur gewünschten Form gepresst und
ausgehärtet und hierauf carbonisiert und/oder graphitiert wird, so daß ein CFC- oder
C/C- Formkörper als Zwischenprodukt entsteht. Dieser Formkörper wird im vorliegenden
Fall als dünne Platte mit der gewünschten Dicke gefertigt. Das Basismaterial ist indessen
nicht auf CFC-Werkstoffe beschränkt. Als Fasermaterial können ebenso auch weitere
temperaturstabile Keramikfasern, insbesondere auf der Basis von SiO
2, Al
2O
3, ZrO
2, oder SiC, verwendet werden, die mit Kohlenstoff oder Graphit beschichtet wurden.
[0018] Das Plattenmaterial aus kohlenstoffaserverstärktem Kohlenstoffwerkstoff wird anschließend
bei Temperaturen um etwa 1600 °C im Vakuum oder unter Inertgas mit einer Siliziumschmelze
oder einer Siliziumlegierungsschmelze infiltriert, wodurch zumindest ein Teil des
Kohlenstoffs der Matrix und/oder der Fasern in SiC umgewandelt wird. Neben Silizium
können als weitere Bestandteile der Schmelze auch die Metalle der Nebengruppen I bis
VIII verwendet werden, insbesondere Ti, Cr, Fe, Mo, B und Ni. Durch die Flüssiginfiltration
des CFC-Formkörpers entsteht ein dichter, fester und sehr harter Formkörper aus C/SiC-Werkstoff
enthaltend Fasern, im allgemeinen Kohlenstoffasern, mit einer Matrix aus überwiegend
SiC, Si und C.
[0019] Alternativ kann die Matrix des Formkörpers ganz oder teilweise durch eine Gasphaseninfiltration
(CVD oder CVI) erzeugt werden. Dann weist die Matrix einen relativ hohen SiC-Gehalt
auf, typischerweise über 95%. Weiterhin kann die Herstellung der Matrix durch die
Pyrolyse von Si-haltigen, präkeramischen Polymeren erfolgen, wie sie zum Beispiel
durch die Pyrolyse von Polymeren entstehen, die eines oder mehrere der Elemente Si,
B, C, N, P oder Ti enthalten.
[0020] Bevorzugte Anwendungen des erfindungsgemäßen Panzerschutzmaterials betreffen den
ballistischen Schutz in Land-, Luft- und Wasserfahrzeugen, als Einlage oder integraler
Bestandteil von Schutzwesten sowie als Satelliten-Schutzschild. Bei allen diesen Anwendungen
ist besonders das geringe Gewicht von glasfaserverstärktem Kunststoff oder kohlenstofffaserverstärktem
Kunststoff von Vorteil. Für die letzt genannte Verwendung als Satelliten-Schutzschild
ist vor allem eine Keramik basierend auf C/SiC-Werkstoff wegen der hohen Temperaturbeständigkeit
von Vorteil.
[0021] Gemäß einer besonders zu bevorzugenden Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens
wird durch den Pressvorgang und das Aushärten gleichzeitig auf die von der Beschussbeanspruchung
weg weisende Oberfläche der hinteren Stützschicht eine insbesondere Aluminium, Aramid
oder Dyneema beinhaltende Auffangschicht aufgebracht. Dann können mit einem einzigen
Pressvorgang vier Schichten, nämlich die vordere Stützschicht, die Keramik- oder Stahlschicht,
die hintere Stützschicht sowie die Auffangschicht miteinander verbunden werden, wobei
jeweils durch den aushärtenden Binder der die vordere und hintere Stützschicht bildenden
Prepregs der Stoffschluss zwischen den einzelnen Schichten zustandekommt.
[0022] Alternativ können einzelne oder sämtliche der genannten Schichten auch mittels Flüssigkleber
oder Klebefolie miteinander verklebt werden.
Zeichnungen
[0023] Nachstehend ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung in den Zeichnungen dargestellt
und in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert. Die einzige Figur zeigt eine
Schnittdarstellung eines Panzermaterials gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der
Erfindung.
Beschreibung der Ausführungsbeispiele
[0024] Im Rahmen des Herstellungsverfahrens des in der Figur gezeigten bevorzugten Ausführungsbeispiels
eines erfindungsgemäßen Panzermaterials 1 wird eine ca. 12 mm dicke, mit Kohlenstofffasern
verstärkte Keramikplatte 2, insbesondere eine Platte aus einer C/SiC-Verbundkeramik
mit den Abmessungen 350 mm x 400 mm auf der von der Beschussbeanspruchung weg weisenden
Oberfläche mit 12 Lagen eines unidirektionales Gelege aus um 90 Grad zueinander versetzt
angeordneten Schichten paralleler Kohlenstofffasern unmittelbar belegt. Auf der gegenüberliegenden,
der Beschussbeanspruchung zugewandten Oberfläche der Keramikplatte werden 2 Lagen
des vorzugsweise gleichen unidirektionalen Geleges unmittelbar zur Anlage gebracht.
[0025] Beide Gelege werden vor dem oder gleichzeitig mit dem Auflegen auf die Keramikschicht
2 mit einem thermisch und/oder durch elektromagnetische Strahlung aushärtbaren Polymer,
insbesondere mit einem Phenolharz als Binder imprägniert, um mit dem Binder imprägnierte
Faserstoffmatten, sog. Prepregs auszubilden, bei welchen die Matrix aus dem Polymer
besteht.
[0026] Die Aushärtung der Prepregs zu CFK (Kohlenstoffaserverstärkter Kunststoff) findet
vorzugsweise mittels eines üblichen Autoklavprozesses statt, bei welchem die die Keramikschicht
2 umschließenden, imprägnierten Prepregs beispielsweise unter einer Aushärtetemperatur
in einem Bereich zwischen 50 °C bis 180 °C und unter Pressen gegen die Keramikschicht
ausgehärtet werden. Während des Aushärtevorgangs entsteht eine Adhäsion bzw. ein Stoffschluss
der Prepregs mit den Oberflächen der Keramikschicht 2, indem der anfangs noch viskose
Binder in die raue Oberflächenstruktur der Keramikschicht eindringt und nach einiger
Zeit erstarrt bzw. aushärtet. Dabei bildet das der Keramikschicht in Beschussrichtung
vorgeordnete, ausgehärtete Prepreg eine vordere Stützschicht 4 und das der Keramikschicht
2 in Beschussrichtung nachgeordnete, ausgehärtete Prepreg eine hintere Stützschicht
6 aus. Besonders bevorzugt kann während des Herstellprozesses die Keramikschicht von
der vorderen Stützschicht und der hinteren Stützschicht vollständig ummantelt werden,
insbesondere an den Stirnflächen.
[0027] Vorzugsweise wird im Rahmen des Press- und Aushärtevorgangs gleichzeitig auf die
von der Beschussbeanspruchung weg weisenden Oberfläche der hinteren Stützschicht eine
insbesondere Aluminium, Aramid oder Dyneema beinhaltende Auffangschicht 8 mit einer
Dicke von ca. 10 mm aufgebracht. Dann können mit einem einzigen Pressvorgang vier
Schichten, nämlich die vordere Stützschicht 4, die Keramik- oder Stahlschicht 2, die
hintere Stützschicht 6 sowie die Auffangschicht 8 miteinander verbunden werden.
[0028] Alternativ wird der Press- und Aushärtevorgang auf die vordere Stützschicht 4, die
Keramikschicht 2 und die hintere Stützschicht 8 beschränkt. Die Auffangschicht 8 in
Form eines ca. 10 mm dicken Backings aus Aramidgewebe kann auch auf den derart vorbereiteten
Schichtkörper aufgeklebt werden.
[0029] Aufgrund der vor der Aushärtung flexiblen Materialeigenschaften der Prepregs können
die vordere Stützschicht 4 und/oder die hintere Stützschicht 6 und evtl. auch das
Backing 8 anstatt auf eine ebene Keramikschicht 2 auch auf eine mindestens lokal von
einer ebenen Platte abweichende und eine Krümmung und/oder eine Abwinkelung aufweisende
und/oder bezüglich der Schichtdicke variierende Keramikschicht 2 aufgebracht werden.
[0030] Das Panzermaterial wies ein Flächengewicht von weniger als 45 kg/m
2 auf und wurde in Beschussversuchen entsprechend der Beschussklasse FB 7 getestet.
Die Ergebnisse zeigten eine deutliche Steigerung der Steifigkeit gegenüber Panzermaterial
ohne vordere, glas- oder kohlenstoffaserverstärkte Stützschicht 4. Die durch das Auftreffen
des Projektils entstandenen Primär-, aber vor allem die Sekundarschädigungen in der
Keramikplatte wurden demgegenüber stark reduziert. Bei der Ausführungsform mit aufgeklebtem
Backing 8 konnten die Belastungen auf die Klebeverbindung zwischen der hinteren Stützschicht
6 und dem Backing 8 derart verringert werden, dass die sonst zu beobachtenden teilweisen
oder ganzflächigen Ablösungen des Backings 8 ausblieben, wodurch das Panzermaterial
1 auch bei Mehrfachbeschuss intakt blieb und das Multihit-Verhalten stark verbessert
wurde. Insgesamt wurde durch die genannten Maßnahmen nicht nur die flächengewichtsbezogene
Schutzleistung erhöht, sondern es konnte auch die Haftung des Backings 8 am Rest des
ballistischen Systems wesentlich verbessert werden.
[0031] Bei den weiteren Ausführungsformen wurden jeweils nur die im folgenden explizit beschriebenen
Merkmale des Panzermaterials verändert, bei ansonsten gleichem Aufbau wie beim bevorzugten
Ausführungsbeispiel.
[0032] So wurde die kohlenstoffaserverstärkte Keramikplatte 2 der bevorzugten Ausführungsform
durch eine Platte aus monolithischer Keramik ersetzt, welche beispielsweise aus Aluminiumoxid
besteht. Die Abmessungen der Keramik betrugen ca. 250 mm x 350 mm, die Dicke 8 mm.
[0033] Eine Fortbildung der eingangs beschriebenen Ausführungsform sah vor, die kohlenstoffaserverstärkte
Keramikplatte 2 durch eine Platte aus ballistischen Stahl mit einer Dicke von ca.
8 mm zu ersetzen.
[0034] Gemäß einer Weiterbildung wurde die keramische Schicht 2 des Panzermaterials 1 aus
einzelnen Keramikkacheln mit den Abmessungen 20 mm x 20 mm x 8 mm aufgebaut, die in
für ballistische Systeme bekannter Weise aneinander gelegt wurden, um eine Keramikstruktur
mit den Abmessung von 300 mm x 300 mm zu bilden.
[0035] Bei einer weiteren Ausführungsform war die Keramikschicht 2 gekrümmt ausgebildet
und insbesondere in Ihrer Geometrie dem Radlauf eines Kraftfahrzeugs angeglichen,
wobei die aus flexiblen Faser-Gelegen bestehende vordere und hintere Stützschicht
4, 6 vor dem Aushärten leicht an diese gekrümmte Form anpassbar sind.
[0036] Weiterhin wurde auch gekrümmtes, auf einer Keramikschicht 2 basierendes Panzermaterial
1 als Einlage einer Schutz- oder Panzerweste hergestellt. Das Gesamtschutzsystem als
Kombination von Einlage und Westenliner wurde wie eingangs beschrieben getestet, wobei
das Resultat entsprechend positiv ausfiel.
[0037] Gemäß einer weiteren Fortbildung wurde als Backing 8 ein Dyneema-Gelege eingesetzt.
Denkbar ist auch eine vordere und/oder hintere Stützschicht 4, 6 aus einem mit Kohlenstoff-
und Aramidfasern bzw. mit Kohlenstoff- und Glasfasern aufgebauten Hybridgewebe.
1. Mehrschichtiges Panzerschutzmaterial (1) beinhaltend eine ein- oder vielstückige keramische
oder metallische Schicht (2), welcher in Beschussrichtung gesehen eine hintere Stützschicht
(6) aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und/oder aus kohlenstofffaserverstärktem
Kunststoff (CFK) nachgeordnet ist, dadurch gekennzeichnet, dass der keramischen oder metallischen Schicht (2) in Beschussrichtung gesehen eine vordere
Stützschicht (4) aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und/oder aus kohlenstofffaserverstärktem
Kunststoff (CFK) vorgeordnet ist.
2. Panzerschutzmaterial nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die keramische oder metallische Schicht (2) von der vorderen Stützschicht (4) und
der hinteren Stützschicht (6) vollständig ummantelt ist, insbesondere an den Stirnflächen.
3. Panzerschutzmaterial nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die keramische oder metallische Schicht (2) mindestens lokal von einer ebenen Platte
abweicht und eine Krümmung und/oder eine Abwinkelung aufweist.
4. Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Schichtdicke der keramischen oder metallischen Schicht (2) variabel ist.
5. Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die vordere Stützschicht (4) und/oder die hintere Stützschicht (6) einen auf das
Volumen bezogenen Kohlenstoff- und/oder Glasfaseranteil von mindestens 10 % aufweist.
6. Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kohlenstofffasern und/oder die Glasfasern in Form von Gelegen, Geweben, Gewirken
oder Gestricken vorhanden sind.
7. Panzerschutzmaterial nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der glasfaserverstärkte Kunststoff (GFK) und/oder der kohlenstofffaserverstärkte
Kunststoff (CFK) ein unidirektionales Gelege aus um 90 Grad zueinander versetzt angeordneten
Schichten paralleler Fasern beinhaltet.
8. Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Matrix der vorderen Stützschicht (4) und/oder der hinteren Stützschicht (6) aus
einem thermisch und/oder durch elektromagnetische Strahlung aushärtbaren Polymer besteht.
9. Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in Beschussrichtung gesehen der hinteren Stützschicht (6) eine Auffangschicht (8)
nachgeordnet ist, welche insbesondere Aluminium, Aramid oder Dyneema beinhaltet.
10. Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die keramische Schicht (2) eine monolithische Keramik oder eine faserverstärkte Keramik
(C/SiC), insbesondere eine gesinterte, oder durch Infiltration mit flüssigem Silizium
hergestellte Keramik beinhaltet.
11. Verwendung eines Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 10
als ballistischer Schutz in Land-, Luft- und Wasserfahrzeugen.
12. Verwendung eines Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 10
als Einlage oder integraler Bestandteil von Schutzwesten.
13. Verwendung eines Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 10
als Satteliten-Schutzschild.
14. Verfahren zur Herstellung eines mehrschichtigen Panzerschutzmaterials (1) beinhaltend
eine ein- oder vielstückige metallische oder keramische Schicht (2), insbesondere
eine von einer ebenen Platte abweichende, eine Krümmung und/oder eine Abwinkelung
aufweisende und/oder bezüglich der Schichtdicke variable metallische oder keramische
Schicht (2), dadurch gekennzeichnet, dass auf die der Beschussbeanspruchung zugewandte Oberfläche der keramischen oder metallischen
Schicht (2) eine vordere Stützschicht (4) aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK)
und/oder aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) und/oder auf die von der
Beschussbeanspruchung abgewandte Oberfläche der keramischen oder metallischen Schicht
(2) eine hintere Stützschicht (6) aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und/oder
kohlenstoff-faserverstärktem Kunststoff (CFK) aufgebracht wird, indem Glasfasergewebe
und/oder Kohlenstofffasergewebe zur Ausbildung mit Binder imprägnierter Faserstoffmatten
(Prepregs bzw. Nasslaminate) mit einem Binder, insbesondere mit einem Binderharz imprägniert
werden, und die imprägnierten Prepregs bzw. Nasslaminate während eines Aushärtezeitraums
thermisch und/oder durch elektromagnetische Strahlung ausgehärtet und zumindest während
eines Teils des Aushärtezeitraums gegen eine oder beide Oberflächen der keramischen
oder metallischen Schicht (2) gepresst werden.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die keramische oder metallische Schicht (2) von der vorderen Stützschicht (4) und
der hinteren Stützschicht (6) vollständig ummantelt wird, insbesondere an den Stirnflächen.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 14 oder 15, dadurch gekennzeichnet, dass durch den Pressvorgang und das Aushärten gleichzeitig auf die von der Beschussbeanspruchung
weg weisende Oberfläche der hinteren Stützschicht (6) eine insbesondere Aluminium,
Aramid oder Dyneema beinhaltende Auffangschicht (8) aufgebracht wird.
17. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 14 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass bei thermischer Aushärtung die Aushärtetemperatur in einem Bereich zwischen 50 °C
bis 180 °C liegt.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 86(2) EPÜ.
1. Mehrschichtiges Panzerschutzmaterial (1) beinhaltend eine ein- oder vielstückige
keramische oder metallische Schicht (2), welcher in Beschussrichtung gesehen eine
hintere Stützschicht (6) aus glasfaserverstärktem Kunststoff und/oder aus kohlenstofffaserverstärktem
Kunststoff nachgeordnet ist, dadurch gekennzeichnet, dass der keramischen oder metallischen Schicht (2) in Beschussrichtung gesehen eine vordere
Stützschicht (4) aus glasfaserverstärktem Kunststoff und/oder aus kohlenstofffaserverstärktem
Kunststoff vorgeordnet ist.
2. Panzerschutzmaterial nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die keramische oder metallische Schicht (2) von der vorderen Stützschicht (4) und
der hinteren Stützschicht (6) vollständig ummantelt ist, insbesondere an den Stirnflächen.
3. Panzerschutzmaterial nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die keramische oder metallische Schicht (2) mindestens lokal von einer ebenen Platte
abweicht und eine Krümmung und/oder eine Abwinkelung aufweist.
4. Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Schichtdicke der keramischen oder metallischen Schicht (2) variabel ist.
5. Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die vordere Stützschicht (4) und/oder die hintere Stützschicht (6) einen auf das
Volumen bezogenen Kohlenstoff- und/oder Glasfaseranteil von mindestens 10 % aufweist.
6. Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kohlenstofffasern und/oder die Glasfasern in Form von Gelegen, Geweben, Gewirken
oder Gestricken vorhanden sind.
7. Panzerschutzmaterial nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der glasfaserverstärkte Kunststoff und/oder der kohlenstofffaserverstärkte Kunststoff
ein unidirektionales Gelege aus um 90° zueinander versetzt angeordneten Schichten
paralleler Fasern beinhaltet.
8. Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Matrix der vorderen Stützschicht (4) und/oder der hinteren Stützschicht (6) aus
einem thermisch und/oder durch elektromagnetische Strahlung aushärtbaren Polymer besteht.
9. Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in Beschussrichtung gesehen der hinteren Stützschicht (6) eine Auffangschicht (8)
nachgeordnet ist, welche insbesondere Aluminium, Aramid oder Dyneema beinhaltet.
10. Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die keramische Schicht (2) eine monolithische Keramik oder eine faserverstärkte Keramik,
insbesondere eine gesinterte, oder durch Infiltration mit flüssigem Silizium hergestellte
Keramik beinhaltet.
11. Verwendung eines Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 10
als ballistischer Schutz in Land-, Luft- und Wasserfahrzeugen.
12. Verwendung eines Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 10
als Einlage oder integraler Bestandteil von Schutzwesten.
13. Verwendung eines Panzerschutzmaterial nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 10
als Satelliten-Schutzschild.
14. Verfahren zur Herstellung eines mehrschichtigen Panzerschutzmaterials (1) beinhaltend
eine ein- oder vielstückige metallische oder keramische Schicht (2), insbesondere
eine von einer ebenen Platte abweichende, eine Krümmung und/oder eine Abwinkelung
aufweisende und/oder bezüglich der Schichtdicke variable metallische oder keramische
Schicht (2), dadurch gekennzeichnet, dass auf die der Beschussbeanspruchung zugewandte Oberfläche der keramischen oder metallischen
Schicht (2) eine vordere Stützschicht (4) aus glasfaserverstärktem Kunststoff und/oder
aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff und/oder auf die von der Beschussbeanspruchung
abgewandte Oberfläche der keramischen oder metallischen Schicht (2) eine hintere Stützschicht
(6) aus glasfaserverstärktem Kunststoff und/oder kohlenstoff-faserverstärktem Kunststoff
aufgebracht wird, indem Glasfasergewebe und/oder Kohlenstofffasergewebe zur Ausbildung
mit Binder imprägnierter Faserstoffmatten mit einem Binder, insbesondere mit einem
Binderharz imprägniert werden, und die imprägnierten Faserstoffmatten während eines
Aushärtezeitraums thermisch und/oder durch elektromagnetische Strahlung ausgehärtet
und zumindest während eines Teils des Aushärtezeitraums gegen eine oder beide Oberflächen
der keramischen oder metallischen Schicht (2) gepresst werden.