[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine außenstruktur-konforme Antenne und insbesondere
eine flache Breitbandantenne in einer Trägerstruktur eines Fahrzeugs und insbesondere
eines Fluggeräts, wobei die Trägerstruktur insbesondere eine Trägersystem-Primärstruktur
ist.
[0002] Der Begriff "Fluggeräte" betrifft alle nur denkbaren Geräte, die mit beliebigen Antrieben
durch die Luft bewegt werden können, wie Flugzeuge, Hubschrauber, Luftschiffe, Drohnen,
Raketen und dergleichen. Die Raketen sind ein Beispiel dafür, dass die Erfindung auch
Fluggeräte bzw. Flugkörper betreffen kann, die geeignet sind, sowohl in der Luft als
auch im luftleeren Raum zu fliegen.
[0003] Die zunehmende Anzahl von Avionikfunktionen bei Fluggeräten, im besonderen bei Flugzeugen
lässt auch die erforderliche Anzahl von Antennen entsprechend ansteigen; bis zu sechzig
Antennensysteme und mehr sind bereits heute keine Seltenheit mehr. Diese Problematik
erfordert neue Wege für den Einbau bzw. die Unterbringung von Antennen beispielsweise
bei Flugzeugen. Eine mögliche Lösung dieses Problems ist die Integration der Antennen
in die Trägerstrukturen von Fahrzeugen und/oder Fluggeräten.
[0004] Bei der Lösung der aufgezeigten Problematik ist auch zu bedenken, dass der Einsatz
künftiger luftgestützter Datenübertragungssysteme wegen immenser Datenmengen eine
große HF-Bandbreite erfordert. Aus diesem Grund kommen immer höhere Frequenzen zur
Anwendung. Der Markt bietet derzeit überwiegend Systeme im X- oder Ku-Band an.
[0005] Neben der Forderung nach einer großen Bandbreite wird naturgemäß eine große Reichweite
für die Datenübertragung gefordert. Dies kann nur durch Antennen mit entsprechend
großer Apertur oder mit Arrays erreicht werden, die aus mehreren Einzelstrahlern bestehen.
Luftgestützte schwenkbare Reflektorantennen sind derzeit als kommerzielle Produkte
erhältlich. Deren Unterbringung ist jedoch meistens ein Problem. Es wurde daher auch
schon überlegt, anstatt einer relativ großen Reflektorantenne Teile der beispielsweise
Flugzeugoberfläche als strahlende Apertur zu nutzen.
[0006] Bislang hatte zum Beispiel eine Flugzeugstruktur ausschließlich die Funktion, lasttragende
und aerodynamische Aufgaben zu übernehmen. Die strukturelle Oberfläche musste dementsprechend
verschiedene mechanische Belastungen aushalten.
[0007] Mit der Funktionserweiterung der Strukturoberfläche von Fluggeräten auch als Antenne
wirksam zu werden ergeben sich zusätzliche Probleme hinsichtlich der Stabilität der
Strukturen. Elektronisch bedingt müssen für die Antennen geeignete Materialien eingesetzt
werden; dabei darf aber die lasttragende Funktion der Struktur nicht negativ beeinflusst
werden.
[0008] Aus den eingangs genannten Gründen geht die Fachwelt mehr und mehr davon ab, Antennen
zu bauen bzw. anzuwenden, die sich in Form von Stäben, Spiralen, Hornteilen oder anderen
Gebilden von der Struktur bzw. der Außenhaut von Fahrzeugen und/oder Fluggeräten abheben.
Dadurch können Strömungswiderstände verringert und die Gefahr von rein mechanischen
Beschädigungen der Antennen zumindest das reduziert werden.
[0009] Die zitierte Problematik hat dazu geführt, außenstruktur-konforme Antennen zu entwickeln
und diese weitmöglich bzw. optimal, das heißt identisch der vorgegebenen Form von
Strukturen bei Fahrzeugen und/oder Fluggeräten anzupassen.
[0010] Zum diesbezüglich bekannten Stand der Technik sei verwiesen auf eine Publikation
von Dipl.-Ing. Robert Sekora u.a. unter dem Titel: "Conformal Airborne Array Antenna
for Broad Band Data Link Applications in the X-Band". Diese Abhandlung zeigt im wesentlichen
die Unterschiede auf zwischen herkömmlichen und aktuelleren außenstruktur-konformen
Antennensystemen, die eng an die Struktur - in diesem Falle von Flugzeugen - angepasst
sind.
[0011] Eine weitere einschlägige Vorveröffentlichung ist ein Aufsatz, ebenfalls von Dipl.-Ing.
Robert Sekora, unter dem Titel: "Strukturintegrierte Flugzeugantenne für Breitbandanwendungen
im X-Band". Der Autor erklärt in dieser Publikation die strukturelle Integrierbarkeit
einer Array-Antenne. Des weiteren wird der strukturelle Aufbau hinsichtlich seiner
elektromagnetischen Funktion bestätigt.
[0012] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, außenstruktur-konforme Antennen derart
in die Trägerstrukturen und insbesondere in Trägersystem-Primärstrukturen von Fahrzeugen
und/oder Fluggeräten zu integrieren, dass jegliche aerodynamischen Nachteile vermieden
werden und die Strukturfestigkeit in den Integrationsbereichen weitestgehend erhalten
bleibt, bei gleichzeitiger Gewährleistung der Antennen-Funktionalität.
[0013] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst.
Weitere Ausführungsformen sind in den auf diese rückbezogenen Unteransprüchen angegeben.
[0014] Erfindungsgemäß ist eine außenstruktur-konforme Antenne in Form eines flach ausgebildeten
EM-Funktionskerns in eine entsprechende Einbuchtung einer Trägersystemprimärstruktur
form- und/oder kraftschlüssig derart eingebettet, dass die obere bzw. äußere Abdeckung
der Antenne außenstruktur-konform durch eine Abdeckplatte realisiert ist, welche ihrerseits
in ihren Randbereichen ebenfalls form-und/oder kraftschlüssig mit der Trägersystemprimärstruktur
verbunden ist.
[0015] Die kraftschlüssige Verbindung kann durch eine Kleberschicht realisiert sein. Eine
formschlüssige Verbindung kann erfindungsgemäß durch Schrauben oder auch durch Nieten
realisiert werden.
[0016] Die oben erwähnte Abdeckplatte ist aus antennen-technischen Gründen vorteilhaft als
sogenanntes Frontdielektrikum ausgebildet.
[0017] Die Erfindung bietet damit gegenüber konventionellen Antennenkonstruktionen signifikante
Gewichts- und Volumeneinsparungen, die sich besonders vorteilhaft bei Flugzeugen auswirken.
Aerodynamische Nachteile können im Rahmen der Erfindung überhaupt nicht auftreten,
da die Form der Außenhaut der Strukturen vollends unverändert erhalten bleibt. Praktische
Untersuchungen haben inzwischen ergeben, dass die Strukturfestigkeit durch die Erfindung
allenfalls in vernachlässigbar geringem Umfang beeinflusst wird.
[0018] Des weiteren bieten strukturintegrierte Antennen gemäss der Erfindung vor allem bei
Fluggeräten die Möglichkeit der Anordnung in Bereichen, die bislang für herkömmliche
Antennen nicht vertretbar oder gar ungeeignet waren. Darüber hinaus können durch die
Erfindung beim Flugzeug in Ruder- oder Klappenstrukturen Antennen eingebaut werden
und auch in betankte Strukturen, wenn hinsichtlich der Hochfrequenzleitungen entsprechende
Vorsichtsmassnahmen getroffen werden.
[0019] In elektronischer Hinsicht führt die erfindungsgemäße Strukturintegration der Antenne
zu einem beachtlichen Potential hinsichtlich der Reduktion der Radarsignatur gegenüber
herkömmlichen Antennenbauweisen. Hierdurch bieten sich die erfindungsgemäßen Antennen
auch für den Einsatz bei Tarnkappenflugzeugen (Stealth-Fluggeräte) an.
[0020] Grundsätzlich kann nicht zuletzt auch festgestellt werden, dass die elektronischen
respektive die elektromagnetischen Eigenschaften der erfindungsgemäßen Antennenkonstruktion
den an sie gestellten Erwartungen bzw. Anforderungen vollends gerecht werden.
[0021] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den weiteren
Ansprüchen sowie aus der Abbildungsbeschreibung.
[0022] In den Abbildungen ist die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels zeichnerisch
erläutert.
[0023] Es zeigen:
- Figur 1a eine Draufsicht auf eine strukturintegrierte, außenstruktur-konforme Antenne;
- Figur 1b ein Beispiel für ausschließlich kommerziell verfügbare, unförmige, mechanisch
schwenkbare, zentralgespeiste Reflektor-Antenne;
- Figur 2 ein Struktur-Design für eine außenstruktur-konforme Antenne, wie sie erfindungsgemäß
verwendet kann;
- Figur 3 die erfindungsgemäße Integration einer außenstruktur-konformen Antenne gemäss
Figur 2 in eine Flugzeugträgersystem-Primärstruktur.
[0024] Figur 1a verdeutlicht sehr anschaulich die Vorteile einer Antenne nach der Erfindung
gegenüber einer herkömmlichen Antenne gemäss der Abbildung 1 b. In der Figur 1a ist
ein vollends außenstruktur-konformes Antennensubsystem, beispielsweise für einen Breitband-Datenlink
im Mikrowellenbereich, dargestellt. Die erfindungsgemäße Integration der Antenne in
die Flugzeugstruktur vermeidet jegliche aerodynamischen Nachteile, die durch eine
Antenne entstehen könnten bei weitestgehender Erhaltung der Strukturfestigkeit.
[0025] Elektronisch gesehen verfügt die erfindungsgemäße Antenne, bezogen auf einen geringen
Reflexionsfaktor, über eine große relative Hochfrequenzbandbreite.
[0026] Die Erfindung bietet damit eine echte Alternative zu den herkömmlichen Antennen,
vor allem auch zu den in Abbildung 1b gezeigten Reflektorantennen, zumal im Rahmen
der Erfindung vergleichbare elektronische Eigenschaften erreicht werden bei gleichzeitig
erheblich geringerem Einbauvolumen und geringeren Massen. Darüber hinaus bietet die
Erfindung vor allem bei Flugzeugstrukturen zusätzliche Anordnungsbereiche für Antennen,
die für herkömmliche Antennen aus verschiedenen Gründen unzugänglich sind.
[0027] Figur 2 zeigt ein Beispiel für den Aufbau einer Antenne, beispielsweise in planarer
Bauform nach der Erfindung in ihren wesentlichen Einzelteilen. Die Basis für die Befestigung
der Antenne bildet hier eine Trägersystem-Primärstruktur 1 eines Fluggeräts, die in
vielen Anwendungsfällen aus CFK besteht. Der eigentliche elektromagnetische (im folgenden
kurz mit EM bezeichnet) Funktionskern 2 der Antenne wird über eine geeignete Kleberschicht
3 mit der Trägersystem-Primärstruktur 1 verbunden. Den wesentlichen oberen respektive
äußeren strukturangepassten Abschluss der Antenne bildet eine Abdeckplatte in Form
eines sogenannten Frontdielektrikums 4, welches ebenfalls über eine Kleberschicht
3 mit dem elektromagnetischen Funktionskern 2 verbunden wird. Die oberen Flächenstrahler
der Antenne, die auf dem Frontdielektrikum 4 befestigt sind, tragen das Bezugszeichen
5.
[0028] Die Abdeckplatte ist vorzugsweise aus Quarzglas/Epoxy, aus E-Glas/Epoxy oder aus
Q-Glas/Polyester gebildet.
[0029] Bei den deckungsgleichen Bohrungsreihen 6 und 7 handelt es sich um Durchbrüche für
die elektrische Verkabelung der erfindungsgemäßen außenstruktur-konformen Antenne.
[0030] Die Gesamtdicke der erfindungsgemäßen Antenne beträgt vorzugsweise einige Millimeter,
so dass deren Integration in eine Flugzeugstruktur keine oder allenfalls nur eine
vernachlässigbar geringe Strukturbeeinflussung bedeutet.
[0031] Die Abbildung 3 zeigt eine Möglichkeit der optimalen Einbringung bzw. Integration
einer Antenne in die Trägersystemprimärstruktur 1, beispielsweise bei einem Flugzeug.
Hierzu besitzt die Trägersystem-Primärstruktur 1 eine Mulde 8 oder eine bereichsweise
Vertiefung, die durch spitzwinkliges Einbiegen der Bereiche 9 und 10 der Trägersystem-Primärstruktur
1 herbeigeführt wird. Alternativ dazu sind gegebenenfalls auch stumpfwinklige bzw.
stufenweise Übergänge realisierbar; so könnte bei einem Winkel β = 90° der Bereich
9 der Trägersystem-Primärstruktur 1 im Extremfall vertikal nach unten abgebogen sein,
so dass der EM-Funktionskern 2 in seinen Kantenbereichen ebenfalls rechteckig ausgebildet
sein könnte.
[0032] Demgegenüber sollte im Rahmen der Erfindung der Winkel α spitzwinklig bleiben, da
von seiner Bemessung die Größe der Klebefläche im Bereich 10 der Trägersystem-Primärstruktur
1 für den entsprechend abgeschrägten Teil 11 des Frontdielektrikums 4 abhängt; je
kleiner, das heißt je spitzwinkliger der Winkel α ist, umso größer wird die Klebefläche
im Bereich 10 der Trägersystem-Primärstruktur 1.
[0033] Der Bereich 9 liefert in radialer Sicht Raum für die Unterbringung des EM-Funktionskerns
2, während das Einbiegen der Trägersystem-Primärstruktur 1 im Bereich 10 das lasttragende,
außenkontur-erhaltende Einkleben einer Abdeckplatte in Form eines Frontdielektrikums
4 ermöglicht.
1. Außenstruktur-konforme Antenne in einer Trägerstruktur eines Fahrzeugs und insbesondere
eines Fluggeräts, dadurch gekennzeichnet, dass die Antenne in Form eines flach ausgebildeten EM-Funktionskernes (2) in eine Mulde
(8) einer Trägersystem-Primärstruktur (1) form- und/oder kraftschlüssig eingebettet
ist, derart, dass die obere bzw. äußere Abdeckung des EM-Funktionskernes (2) außenstruktur-konform
durch eine Abdeckplatte (4) realisiert ist, welche ihrerseits in ihren Randbereichen
(11) ebenfalls form- und/oder kraftschlüssig mit der Trägersystem-Primärstruktur (1)
verbunden ist.
2. Außenstruktur-konforme Antenne in einer Trägerstruktur eines Fahrzeugs nach dem Anspruch
1, dadurch gekennzeichnet, dass die Abdeckplatte (4) aus einem dielektrischen Material gebildet ist.
3. Außenstruktur-konforme Antenne in einer Trägerstruktur eines Fahrzeugs nach dem Anspruch
2, dadurch gekennzeichnet, dass die Abdeckplatte (4) aus Quarzglas/Epoxy, aus E-Glas/Epoxy oder aus Q-Glas/Polyester
gebildet ist.
4. Außenstruktur-konforme Antenne in einer Trägerstruktur eines Fahrzeugs nach einem
der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der EM-Funktionskern (2) wie auch die Abdeckplatte bzw. das Frontdielektrikum (4)
über eine Kleberschicht (3) mit der Trägersystem-Primärstruktur (1) verbunden sind.
5. Außenstruktur-konforme Antenne in einer Trägerstruktur eines Fahrzeugs nach Anspruch
4, dadurch gekennzeichnet, dass die miteinander zu verbindenden Flächen zwischen der Trägersystem-Primärstruktur
(1) und der Abdeckplatte (4) parallel zueinander verlaufen, so dass Anlageflächen
zur Verklebung von Trägersystem-Primärstruktur (1) und Abdeckplatte (4) gebildet werden.
6. Außenstruktur-konforme Antenne in einer Trägerstruktur eines Fahrzeugs nach einem
oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Mulde (8) der Trägersystem-Primärstruktur (1) durch Einwinkeln der Randbereiche (9 und 10) entsprechend den Winkeln (α und β) gebildet ist.