[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Induktions- bzw. Telefonspule für ein Hörgerät
mit einem zylinderförmigen Kern und mindestens einer Kernausweitung, die den Kern
an einem seiner Enden in radialer Richtung vergrößert. Darüber hinaus betrifft die
vorliegende Erfindung ein entsprechendes Verfahren zum Herstellen einer derartigen
Induktionsspule für Hörgeräte.
[0002] In Hörgeräten werden Induktionsspulen zum Empfang magnetischer Signale eingesetzt.
Typische Anwendungsbereiche, in denen Induktionsspulen ausgenutzt werden können, sind
neben dem Telefonieren die Versorgung von Schwerhörenden in Schulen, Kinos, Kirchen
und dergleichen.
[0003] Die Induktionsspulen, die zur Zeit in Hörgeräten eingesetzt werden, sind typischerweise
9 mm lang und 1,4 bis 1,9 mm dick. Durch die verhältnismäßig große Längenabmessung
kommt es zu Koppeleffekten beispielsweise mit dem Hörgerätehörer oder den Batteriekontakten.
Des Weiteren eröffnet diese große Länge nur einen geringen Spielraum zum Platzieren
oder Verschieben der Induktionsspule im Hörgerät.
[0004] Zur Vermeidung der Koppeleffekte wird die Induktionsspule in der Regel im Hörgerät
möglichst weit weg vom Hörer platziert. Da auf Grund ihrer Länge vielfach keine ausreichend
große Distanz zum Hörer erzielt werden kann, wird in diesen Fällen zwischen dem Hörgerätehörer
und der Induktionsspule ein Mu-Metallblech eingesetzt. Dieses Mu-Metallblech reduziert
zwar die Koppeleffekte, es vermindert aber auch die Empfindlichkeit der Induktionsspule.
[0005] Die oben genannte Induktionsspule ist aus der Druckschrift DE 81 05 651 U1 bekannt.
Dort wird ein Kern verwendet, bei dem an den seitlichen Enden die später darauf anzubringende
Wicklung begrenzende Verdickungen angebracht sind. Diese Verdickungen können aus dem
Werkstoff hergestellt sein, aus dem der Spulenkern selbst besteht, z.B. Mu-Metall.
Für die Verdickungen bzw. seitlichen Enden der Spule kann aber auch Kunststoff verwendet
werden. Die Form der Verdickungen an den Enden des Spulenkörpers besitzt die Form
angesetzter Scheiben, die konzentrisch zum Kern liegen. Somit definieren sie einen
zur Verfügung stehenden Wickelraum.
[0006] Eine weitere Induktionsspule zur Verwendung als elektromagnetischer Induktionswandler
in elektrischen Hörhilfegeräten ist aus der Druckschrift DE 43 26 358 bekannt. Der
Spulenkörper der Induktionsspule besteht in diesem Fall aus einem Stanzteil. An den
freien Endflächen des Spulenkörpers sind Anformungen mit Aufnahmemitteln für Isolierteile
angeordnet. Die Isolierteile weisen elektrisch leitende Anschlusselemente zur Kontaktierung
der Spulenwicklung auf.
[0007] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht somit darin, die Herstellungskosten
von Induktionsspulen für Hörgeräte zu reduzieren.
[0008] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch eine Induktionsspule für ein Hörgerät
mit einem zylinderförmigen Kern und mindestens einer ferromagnetischen Kernausweitung,
die den Kern an einem seiner Enden in radialer Richtung vergrößert, wobei die Kernausweitung
auf das eine Ende des Kerns montiert ist. Folglich ist der Kern mit der Kernausweitung
zweiteilig.
[0009] Ferner ist erfindungsgemäß vorgesehen ein Verfahren zum Herstellen einer Induktionsspule
für ein Hörgerät durch Bereitstellen eines zylinderförmigen Kerns und Montieren einer
Wicklung auf den Kern, sowie Montieren mindestens einer ferromagnetischen Kernausweitung,
die den Kern an einem seiner Enden in radialer Richtung vergrößert, auf den Kern.
[0010] Durch die Kernausweitung am Ende des Kerns in radialer Richtung kann die Induktionsspule
insgesamt verkürzt werden. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Induktivität der
Induktionsspule durch die ferromagnetische Kernausweitung steigt und somit die Antennenwirkung
der Induktionsspule erhöht wird.
[0011] In Folge der Verkürzung der Induktionsspule kann sie im Hörgerät besser platziert
werden. Unter anderem kann sie an einem Ort positioniert werden, an dem weniger Koppeleffekt
zu erwarten sind. Damit wiederum kann bei Geräten, die eine geringere Ausgangsleistung
besitzen, d.h. deren Hörer geringere Streufelder produzieren, auf ein Mu-Metallabschirmblech
zwischen Hörer und Induktionsspule verzichtet werden.
[0012] Die Verkürzung der Induktionsspule hat aber auch den Vorteil, dass im Hörgerät für
die Induktionsspule weniger Platz bereit gestellt werden muss. Somit lässt sich das
Hörgerät insgesamt kleiner gestalten, was als vornehmliches Ziel der Hörgerätehersteller
anzusehen ist.
[0013] Die radiale Kernausweitung im Endbereich des Induktionsspulenkerns führt ferner zu
einer besseren magnetischen Seitenempfindlichkeit. Dies ist darauf zurückzuführen,
dass die magnetischen Feldlinien am Ende des Kerns durch das ferromagnetische Material
der Kernausweitung auch in radialer Richtung nach außen gelenkt werden. Diese erhöhte
Seitenempfindlichkeit bringt Vorteile beim Telefonieren, da die Induktionsspulen im
Hörgerät in der Regel vertikal angeordnet sind und somit ihre höchste Empfindlichkeit
in vertikaler Richtung besitzen. Die Empfindlichkeit in seitlicher Richtung hin zu
einem ans Ohr gehaltenen Telefonhörer ist bei den Induktionsspulen mit einfach gestalteten
zylindrischen Kernen entsprechend niedrig. Durch die Kernausweitung wird die Richtungscharakteristik
jedoch abgeschwächt, so dass Änderungen der Position der Induktionsspule bzw. des
Kopfes des Schwerhörenden weniger kritisch sind. Durch eine unsymmetrische Kernausweitung
kann die Querempfindlichkeit beispielsweise speziell für das Telefonieren verbessert
werden.
[0014] Die Kernausweitung ist auf ein Ende des Kerns montierbar, d.h. zweiteilig mit diesem
ausgebildet. Dadurch kann eine sehr kostengünstige Lösung im Vergleich zu einer Hantelspule
realisiert werden, da der Kern der bekannten Hantelspule aus dem Vollen gedreht wird.
[0015] Bei einer bevorzugten Ausführungsform besteht die Kernausweitung aus einem ferromagnetischen
Ring oder einer ferromagnetischen Scheibe. Damit ist sie leicht herstellbar und montierbar.
Darüber hinaus ist durch den Ring bzw. die Scheibe eine bessere magnetische Quer-
bzw. Seitenempfindlichkeit in allen radialen Richtungen bezogen auf den Induktionsspulenkern
gegeben.
[0016] Vorzugsweise wird die Kernausweitung auf das eine Ende des Kerns aufgeklebt, aufgesteckt
oder aufgepresst. Hierdurch lässt sich eine kostengünstige Montage realisieren.
[0017] Darüber hinaus kann die Kernausweitung aus einem Mu-Metall bestehen. Die Permeabilität
dieses Metalls ist vorteilhafterweise den Anforderungen entsprechend einstellbar.
[0018] Besonders bevorzugt ist, wenn an jedem Ende des Kern jeweils eine Kernausweitung
angeordnet ist. Dadurch wird automatisch auch die Wicklung auf dem Kern fixiert. Spezielle
Fixierungen wie beispielsweise Kunststoffblättchen bzw. -ringe, müssen dann nicht
mehr auf den Kern aufgebracht werden.
[0019] Die vorliegende Erfindung wird nun anhand der beigefügten Zeichnungen näher erläutert,
in denen zeigen:
- FIG 1
- eine perspektivische Ansicht einer erfindungsgemäßen Induktionsspule;
- FIG 2
- eine Ansicht einer Einzelscheibe der Induktionsspule von FIG 1;
- FIG 3
- eine Draufsicht auf eine Induktionsspule mit Richtcharakteristik nach dem Stand der
Technik; und
- FIG 4
- eine Draufsicht auf eine erfindungsgemäße Induktionsspule mit Richtcharakteristik.
[0020] Das nachfolgend näher beschriebene Ausführungsbeispiel stellt eine bevorzugte Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung dar.
[0021] Eine erfindungsgemäße Induktionsspule besteht aus einem Kern 1, auf den eine Wicklung
2 gewickelt ist. An den beiden Enden des Kerns 1 werden Mu-Metallscheiben bzw. -ringe
3 und 4 aufgebracht. Das Montieren der Mu-Metallringe 3 und 4 erfolgt durch Aufkleben
bzw. Aufpressen auf den zylinderförmigen Kern 1, wie dies in FIG 1 mit den Pfeilen
angedeutet ist.
[0022] Ein Mu-Metallring 3 besitzt typischerweise die in FIG 2 dargestellten Abmessungen.
Demnach hat er einen Außendurchmesser von ca. 1,5 mm und eine Dicke von etwa 0,5 mm.
Ferner weist er in dem gewählten Beispiel eine Bohrung mit dem Innendurchmesser von
0,5 mm auf.
[0023] Alternativ zu den in den Figuren 1 und 2 dargestellten Mu-Metallringen 3 und 4 können
auch auf den Stirnseiten des Kerns 1 entsprechende Mu-Metallscheiben aufgeklebt werden.
[0024] Sowohl die Mu-Metallscheiben als auch die Mu-Metallringe 3 und 4 bewirken eine Hantelform
des Kerns bzw. der Induktionsspule. Damit wird nicht nur die Wicklung 2 auf dem Kern
1 fixiert, sondern es erfolgt am Ende des Kerns 1 auch eine Umlenkung der Magnetfeldlinien
in radialer Richtung. Des Weiteren wird durch die Mu-Metallscheiben bzw. Mu-Metallringe
3, 4 die Stirnfläche der Induktionsspule erhöht, so dass sich eine Kollektorwirkung
der Scheiben bzw. Ringe, d.h. der Kernausweitungen, ergibt.
[0025] Die Mu-Metallkollektorscheiben bzw. -ringe führen zu einer erhöhten Empfindlichkeit
der Induktionsspulen, so dass diese verkürzt werden können. An dem folgenden Zahlenbeispiel
können die Effekte besser verdeutlicht werden: Wird die Spule von 9 mm auf 7,5 mm
gekürzt, so reduziert sich ihre Empfindlichkeit im Mittel um 1 bis 2 dB. Diese Empfindlichkeitsreduktion
kann durch Aufschieben von Mu-Metallkollektorscheiben bzw. -ringen mit den in FIG
2 dargestellten Abmessungen auf die Enden des Kerns der Induktionsspule kompensiert
werden. Diese Verkürzung führt zu den genannten Vorteilen der besseren Platzierbarkeit
der Induktionsspule und der Reduzierung der Hörgerätegröße.
[0026] In FIG 3 ist eine übliche Induktionsspule nach dem Stand der Technik wiedergegeben.
Sie besitzt einfachen linearen Aufbau und eine verhältnismäßig hohe Richtungscharakteristik,
wie sie durch die Keulen 6 angedeutet ist. Die Richtungscharakteristik ergibt sich
in erster Linie dadurch, dass die magnetischen Feldlinien fast ausschließlich an den
kleinen Stirnfläche des Kerns der Induktionsspule 5 ein- bzw. austreten.
[0027] Demgegenüber ist in FIG 4 eine hantelförmige, erfindungsgemäße Induktionsspule 7
dargestellt. Durch die Mu-Metallscheiben bzw. -ringe an ihren beiden Enden wird die
Richtungscharakteristik der Induktionsspule 7 reduziert. Die höchste Empfindlichkeit
der Induktionsspule besteht zwar nach wie vor in Richtung der Spulenlängsachse, die
Seitenempfindlichkeit ist jedoch deutlich erhöht, was durch die rundlicheren Keulen
8 angedeutet ist. Diese erhöhte Seitenempfindlichkeit macht sich insbesondere beim
Telefonieren positiv bemerkbar.
1. Induktionsspule für ein Hörgerät mit
- einem zylinderförmigen Kern (1), und
- mindestens einer ferromagnetischen Kernausweitung (3), die den Kern (1) an einem
seiner Enden in radialer Richtung vergrößert,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Kernausweitung (3) auf das eine Ende des Kerns (1) montiert ist.
2. Induktionsspule nach Anspruch 1, wobei die Kernausweitung (3) aus einem ferromagnetischen
Ring oder einer ferromagnetischen Scheibe besteht.
3. Induktionsspule nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Kernausweitung (3) auf das eine
Ende des Kerns (1) aufgeklebt, aufgesteckt oder aufgepresst ist.
4. Induktionsspule nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Kernausweitung
(3) aus einem Mu-Metall besteht.
5. Induktionsspule nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei an jedem Ende des Kerns
(1) jeweils eine Kernausweitung (3) angeordnet ist.
6. Verfahren zum Herstellen einer Induktionsspule für ein Hörgerät durch
- Bereitstellen eines zylinderförmigen Kerns (1) und
- Montieren einer Wicklung (2) auf den Kern (1),
gekennzeichnet durch
- Montieren mindestens einer ferromagnetischen Kernausweitung (3), die den Kern (1)
an einem seiner Enden in radialer Richtung vergrößert, auf den Kern (1).
7. Verfahren nach Anspruch 6, wobei die Kernausweitung (3) auf das eine Ende des Kerns
(1) aufgeklebt, aufgesteckt oder aufgepresst wird.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, wobei an jedem Ende des Kerns (1) jeweils eine Kernausweitung
(3) aufmontiert wird.