[0001] Die Erfindung betrifft eine Webmaschine mit einer Greiferstange, welche mit einem
Antriebsrad in Eingriff steht und von diesem reversierend antreibbar ist, und mit
einer pneumatischen Führungseinrichtung zum Führen und Lagern der Greiferstange. Die
Erfindung betrifft weiterhin eine pneumatische Führungseinrichtung, mit einer Führungsfläche,
welche in der vorgenannten Webmaschine einsetzbar ist.
[0002] Eine Greiferstange in einer Webmaschine dient dem Eintrag des Schussfadens in das
Kettfadensystem. Überlicherweise sind zwei Greiferstangen in der Webmaschine vorgesehen,
welche beidseitig zu dem herzustellenden Gewebe angeordnet sind. Durch entsprechende
Greifeinrichtungen an der Spitze der Greiferstangen erfolgt ein Übergeben des Schussfadens.
Hierzu werden die Greiferstangen aufeinander abgestimmt reversierend in einer im Wesentlichen
horizontalen Richtung verfahren. Je höher die Geschwindigkeit der Greiferstange, desto
höher ist auch die Webleistung der Webmaschine.
[0003] Dem Führen und Lagern der Greiferstange kommt daher in einer Webmaschine eine maßgebliche
Bedeutung zu. Die Führungseinrichtung muss einerseits für ein präzises Eintragen und
Übergeben des Schussfadens eine exakte Führung gewährleisten und andererseits eine
hohe Bewegungsgeschwindigkeit der Greiferstange erlauben. Herkömmliche Rollenlagerungen
gewähren zwar eine exakte Führung. Jedoch bei höheren Bewegungsgeschwindigkeiten ergibt
sich aufgrund der bestehenden Reibung eine erhebliche Wärmeentwicklung und Reibungsverschleiß,
welche die Geschwindigkeit der Greiferstange begrenzen. Aus der DE-A-39 16 591 oder
der DE-A-19 07 622 ist bekannt, pneumatische Führungseinrichtungen zur Führung der
Greifersysteme zum Schussfadeneintrag vorzusehen. Eine gattungsgemäße Webmaschine
mit einer pneumatischen Führungseinrichtung geht aus der EP O 866 156 B1 hervor, bei
welcher ein Luftlager im Bereich der Eingriffsstelle des Antriebsrades diesem gegenüberliegend
angeordnet ist.
[0004] Im Gegensatz zu herkömmlichen Rollen- oder Gleitlagern haben pneumatische Lager den
Nachteil, dass diese zum Erzeugen des notwendigen Luftspaltes beständig mit Druckluft
versorgt werden müssen, was zu einem entsprechenden Energieverbrauch und erhöhten
Betriebskosten führt.
[0005] Der Erfindung liegt die
Aufgabe zugrunde, eine Webmaschine sowie eine hierzu geeignete pneumatische Führungseinrichtung
anzugeben, bei welchen sowohl eine gute Führungseigenschaft, insbesondere für eine
Greiferstange, als auch ein geringer Energieverbrauch gegeben sind.
[0006] Die Aufgabe wird nach der Erfindung zum einen durch eine Webmaschine mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 und zum anderen durch eine pneumatische Führungseinrichtung mit den
Merkmalen des Anspruchs 10 gelöst. Bevorzugte Ausführungsformen sind in den abhängigen
Ansprüchen angegeben.
[0007] Die erfindungsgemäße Webmaschine ist dadurch gekennzeichnet, dass die pneumatische
Führungseinrichtung mindestens zwei voneinander getrennt gelagerte Luftlager aufweist,
welche beabstandet von der Eingriffsstelle des Antriebsrades angeordnet sind.
[0008] Ein Grundgedanke der Erfindung basiert auf der Erkenntnis, dass die Greiferstange
gerade bei höheren Bewegungsgeschwindigkeiten erheblichen dynamischen Belastungen
ausgesetzt ist, welche einen Einfluss auf die pneumatische Führungseinrichtung haben.
So beträgt die übliche Länge einer Greiferstange zwischen 1m bis 3m, wobei für Sonderwebmaschinen
sogar noch größere Längen erzielt werden. Aufgrund dieser Länge sowie der sich bei
der Reversierbewegung ergebenden Ausladung der Greiferstange mal zur einen und mal
zu anderen Seite des Antriebsrades ergeben sich wechselnde Durchbiegungen der Greiferstange,
welche sich insbesondere im Bereich des Antriebrades bemerkbar machen. Diese Durchbiegungen
können bei einer pneumatischen Lagerung im Bereich der Eingriffsstelle, wie sie beispielsweise
in der gattungsbildenden Druckschrift gelehrt wird, periodische Änderungen des Luftspaltes
zwischen Greiferstange und dem Luftlager nach sich ziehen. Dies führt nicht nur zu
einem erhöhten Druckluft- und damit Energieverbrauch, sondern kann auch die exakte
Führung der Greiferstange beeinträchtigen.
[0009] Diese Problematik wird nach der Erfindung überwunden, indem mindestens zwei voneinander
getrennte Luftlager beabstandet zur Eingriffsstelle des Antriebsrades angeordnet sind.
Diese von einander getrennt gelagerten Luftlager können sich den Ausbiegungen und
Schwingungen der Greiferstange besser anpassen und sogar dämpfend auf diese einwirken.
Hierdurch wird der Gefahr von starken Schwankungen der Luftspaltbreite und damit einem
übermäßigen Druckluft- und Energieverbrauch entgegengewirkt. Insgesamt wird in Kombination
mit der Anzahl mehrerer Luftlager, die beabstandet voneinander sind, eine besonders
hohe Führungsgenauigkeit der Greiferstange bei einem geringen Energieverbrauch erreicht.
[0010] Eine besonders gute Anpassung der Luftlager an die Ausbiegungen der Greiferstange
wird erfindungsgemäß dadurch erreicht, dass die Luftlager Gehäuse aufweisen, welche
schwenkbar, insbesondere sphärisch gelagert sind. Bei einer einfachen schwenkbaren
Lagerung sind die jeweiligen Gehäuse der Luftlager vorzugsweise um eine Achse auslenkbar,
welche quer zur Längsachse der Greiferstange gerichtet ist. Eine sphärische Lagerung,
bespielsweise mittels eines Kugelgelenkes, gegenüber dem Maschinengestell erlaubt
zusätzlich die Kompensation von Verdrehungen des Schusseintragungsorganes.
[0011] Ein Kompensation der Ausbiegungen der Greiferstange wird nach der Erfindung dadurch
verbessert, dass die Luftlager an der Seite der Greiferstange angeordnet sind, welche
von dem Antriebsrad abgewandt ist.
[0012] Dabei ist es besonders bevorzugt, dass die Luftlager symmetrisch zur Eintrittsstelle
angeordnet sind. Hierdurch kann der Abstand zwischen der Greiferstange und der Luftführung
sehr klein eingestellt werden. Insgesamt kann bei dieser Anordnung der Ausbiegung
der Greiferstange entgegengewirkt werden, wodurch sich die Führungsgenauigkeit verbessern
und damit die Bewegungsgeschwindigkeit weiter erhöhen lässt.
[0013] Eine weitere bevorzugte Ausführungsform der Erfindung besteht darin, dass die Luftlager
an gegenüberliegenden Flanken der Greiferstange angeordnet sind. Hierbei können sich
die Luftlager paarweise gegenüberliegen und entlang den sich etwa vertikal erstreckenden
Flanken der Greiferstange angeordnet sein. Bei dieser Ausführungsform ist also nur
eine seitliche Führung gegeben, während das Antriebsrad im Wesentlichen die Auflagerkräfte
aufnehmen würde. Die seitlichen Luftlager können aber nicht nur alleine, sondern auch
in Kombination zu der oben dargelegten Anordnung der Luftlager an der vom Antriebsrad
abgewandten Seite der Greiferstange vorgesehen sein, was zu einer besonders exakten
Führung beiträgt.
[0014] Bei einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung ist es vorteilhaft, dass das Luftlager
eine Führungsfläche aufweist, welche mit einem porösen luftdurchlässigen Material
versehen ist. An der Führungsfläche des Luftlagers sind also keine Lufttaschen oder
Luftaustrittsdüsen mehr ausgebildet. Vielmehr ist ein im Wesentlichen über der gesamten
Führungsfläche angeordnetes poröses luftdurchlässiges Element vorgesehen, welches
über diese Fläche einen gleichmäßigen Luftdurchtritt zulässt. Ein solches Element
kann beispielsweise eine luftdurchlässige Membran, ein poröser Kunststoff oder eine
poröse Keramik sein, die vorzugsweise auch noch ausreichende Notlaufeigenschaften
bei Unterbrechung der Druckluftversorgung sicherstellen.
[0015] Dabei besteht eine bevorzugte Weiterbildung darin, dass durch das poröse luftdurchlässige
Material ein Luftverbrauch einstellbar ist, unabhängig von einer Spaltbreite zwischen
Luftlager und Greiferstange. Bei einer entsprechenden Auswahl einer feinen Porösität
spielt eine Änderung der Spaltbreite zwischen Greiferstange und Führungsfläche praktisch
keine Rolle mehr. Somit kann auch bei starken Ausbiegungen der Greiferstange ein übermäßiger
Luftverbrauch zuverlässig unterbunden werden. Im Weiteren zeichnet sich ein solches
Luftlager auch dadurch aus, dass keine konstante Kraft auf die Greiferstange ausgeübt
wird. Die Krafteinwirkung kommt vielmehr erst zustande, wenn die Greiferstange sich
der Führung unter ein Mindestmaß, beispielsweise 0,1mm, nähert. Hierdurch wird sichergestellt,
dass die angeordneten Führungen die Stangen nicht noch zusätzlich deformieren
[0016] Weiter ist es erfindungsgemäß, dass eine Druckluftquelle vorgesehen ist, welche zum
Liefern einer konstanten Luftmenge bei einem vorgegebenen Druck mit den Luftlagern
verbunden ist. Aufgrund der speziellen Ausgestaltung der Luftlager kann grundsätzlich
sogar auf eine aufwändige Regelung der Druckluftzufuhr verzichtet werden, ohne dass
es zu einem unwirtschaftlich hohen Druckluftverbrauch kommt.
[0017] Zur Erreichung besonders hoher Reversiergeschwindigkeiten bei einer gleichzeitig
hohen Stabilität der Greiferstangen ist es erfindungsgemäß, dass die Greiferstange
aus einem Karbonwerkstoff gebildet ist. Ein Karbonwerkstoff ist bei einer hohen Festigkeit
und Stabilität besonders leicht, was zu einer geringen Massenträgheit der Greiferstange
beiträgt.
[0018] Betreffend die pneumatische Führungseinrichtung ist die Erfindung dadurch gekennzeichnet,
dass an der Führungsfläche ein poröses luftdurchlässiges Material angeordnet ist.
Neben dem zuvor beschriebenen Einsatz in einer Webmaschine, kann eine solche pneumatische
Führungseinrichtung auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden.
[0019] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen weiter
erläutert, welche in den Zeichnungen schematisch dargestellt sind. In den Zeichnungen
zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Seitenansicht auf eine Greiferstange mit Antriebsrad und einer erfindungsgemäßen
Führungsanordnung;
- Fig. 2
- eine vergrößerte Querschnittsansicht durch ein Luftlager nach der Erfindung;
- Fig. 3
- eine schematische Draufsicht auf eine weitere Führungsanordnung gemäß der Erfindung;
- Fig. 4a und 4b
- schematische Seitenansichten zur Ausbiegung der Greiferstange in einer Webmaschine.
[0020] Bei dem Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 1 ist eine längliche Greiferstange 10 vorgesehen,
welche, wie in Fig. 2 gezeigt ist, im Querschnitt rechteckig und mit einer Verzahnung
11 an ihrer Unterseite ausgebildet ist. Diese lineare Verzahnung 11 steht in kämmender
Verbindung mit der Außenverzahnung eines Antriebsrades 16, welches von einem nicht
dargestellten Motor angetrieben ist. Entsprechend der Rotation des Antriebsrades 16
kann die Greiferstange 10 reversierend zu beiden Seiten bewegt werden, wobei in Fig.
1 eine etwa mittlere Position der Greiferstange 10 gezeigt ist.
[0021] An einem freien Ende der Greiferstange 10 ist ein nicht dargestelltes, hinlänglich
bekanntes Greifsystem zum Greifen und Eintragen eines Schussfadens angeordnet. Beabstandet
von der Eingriffstelle zwischen dem Antriebsrad 16 und der Verzahnung 11 der Greiferstange
10 sind zu beiden Seiten dieser Eingriffstelle Luftlager 22a, 22b angeordnet, welche
zusammen eine Führungseinrichtung 20 zum Führen und Lagern der Greiferstange 10 bilden.
Aufbau und Funktion der zwei gleichen Luftlager 22a und 22b werden nachfolgend im
Zusammenhang mit Fig. 2 näher erläutert.
[0022] Das Luftlager 22 weist ein Gehäuse 24 auf, welches einstellbar an einem Maschinenrahmen
5 gelagert ist. In den Maschinenrahmen ist ein Schraubbolzen 7 eingeschraubt, welcher
das Gehäuse 24 durchdringt. Am Schaft des Schraubbolzens 7 ist eine Kugelhülse 25
angeordnet, welche mittels einer Distanzhülse 9 zwischen dem Kopf des Schraubbolzens
7 und dem Grundrahmen 5 verspannt ist. Die Kugelhülse 9 bildet mit einem korrespondierend
dazu ausgeformten Lagerring 26, welcher in einer Aufnahmebohrung im Gehäuse 24 befestigt
ist, ein sphärisches Lager. Weiterhin sind Justierschrauben 3 im Maschinenrahmen 5
vorgesehen, mit welchem eine Seitenneigung des Gehäuses 24 eingestellt werden kann.
[0023] Innerhalb des Gehäuses 24 verläuft ein von einer Druckluftquelle gespeister Druckluftkanal
27, welcher in eine Austrittsöffnung 28 mündet. Diese erstreckt sich nahezu entlang
der gesamten Unterseite des Gehäuses 24. Die Austrittsöffnung 28 ist von einem nicht
näher dargestellten porösen luftdurchlässigen Material abgedeckt, welches eine ebene
Führungsfläche 30 bildet, welche parallel zur Oberseite der Greiferstange 10 unter
Bildung einer Luftspalte oder Luftkissens verläuft.
[0024] Fig. 3 zeigt eine alternative Ausführungsform, bei welcher die Luftlager 22a, 22b
an den seitlichen Flanken 14 der Greiferstange 10 angeordnet sind. Bei dieser Anordnung
dient das Antriebsrad 16 auch als eine Art Auflager, um die Gewichtskraft der Greiferstange
10 aufzunehmen.
[0025] In den Fig. 4a und 4b wird nochmals die Problematik der Ausbiegung der Greiferstange
10 im Betriebsverlauf anschaulich dargestellt. Aufgrund der erheblichen Länge der
Greiferstange 10 ergibt sich in der Betriebsposition gemäß Fig. 4a eine entsprechende
freie Ausladung, welche zu einer Biegung der Greiferstange 10 um das Antriebsrad 16
herum führt. Beim Einfahren der Greiferstange 10 mit dem Greifersystem in das Webfach,
wie es in Fig. 4b dargestellt ist, ändert sich diese Ausbiegung, so dass es bei starren
Luftführungen zu erheblichen Luftspaltänderungen kommen kann. Dies wird durch die
Erfindung weitgehend verhindert.
1. Webmaschine mit einer Greiferstange (10), welche mit einem Antriebsrad (16) in Eingriff
steht und von diesem reversierend antreibbar ist, und mit einer pneumatischen Führungseinrichtung
(20) zum Führen und Lagern der Greiferstange (10),
dadurch gekennzeichnet,
dass die pneumatische Führungseinrichtung (20) mindestens zwei von einander getrennt gelagerte
Luftlager (22a, 22b) aufweist, welche beabstandet von der Eingriffstelle des Antriebsrades
(16) angeordnet sind.
2. Webmaschine nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Luftlager (22a, 22b) Gehäuse (24) aufweisen, welche schwenkbar, insbesondere
sphärisch, gelagert sind.
3. Webmaschine nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Luftlager (22a, 22b) an der Seite der Greiferstange (10) angeordnet sind, welche
von dem Antriebsrad (20) abgewandt ist.
4. Webmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Luftlager (22a, 22b) symmetrisch zur Eingriffsstelle angeordnet sind.
5. Webmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Luftlager (22a, 22b) an gegenüberliegenden Flanken (14) der Greiferstange (10)
angeordnet sind.
6. Webmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Luftlager (22a, 22b) eine Führungsfläche (30) aufweist, welche mit einem porösen
luftdurchlässigen Material versehen ist.
7. Webmaschine nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass durch das poröse luftdurchlässige Material ein Luftverbrauch einstellbar ist, unabhängig
von einer Spaltbreite zwischen Luftlager (22a, 22b) und Greiferstange (10).
8. Webmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Druckluftquelle vorgesehen ist, welche zum Liefern einer konstanten Luftmenge
bei einem vorgegebenen Druck mit den Luftlagern (22a, 22b) verbunden ist.
9. Webmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Greiferstange (10) aus einem Karbonwerkstoff gebildet ist.
10. Pneumatische Führungseinrichtung, insbesondere zum Führen und Lagern einer Greiferstange
(10) einer Webmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 9, mit einer Führungsfläche
(30),
dadurch gekennzeichnet,
dass an der Führungsfläche (30) ein poröses luftdurchlässiges Material angeordnet ist.