[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Einrichtung zur Reduktion bzw. Dämpfung von
Schwingungen einer an Schienen geführter Aufzugskabine sowie ein entsprechendes Verfahren
zur Schwingungsdämpfung.
[0002] Während der Fahrt einer Aufzugskabine in einem Aufzugsschacht können verschiedene
Kräfte auf die aus dem Kabinenkörper und einen den Kabinenkörper haltenden Kabinenrahmen
bestehende Kabine einwirken und das System zu Schwingungen anregen. Ursache für die
Schwingungen können dabei insbesondere Unebenheiten in den Führungsschienen sowie
durch den Fahrtwind hervorgerufene Kräfte sein. Darüber hinaus können auch seitliche
Zugkräfte, die durch die Zugseile übertragen werden, oder plötzliche Lageveränderungen
der Last während der Fahrt Querschwingungen hervorrufen.
[0003] Um den Fahrkomfort für den Aufzug benutzende Personen zu erhöhen, werden Regelsysteme
verwendet, welche dazu ausgelegt sind, die auf die Aufzugskabine wirkenden Kräfte
auszugleichen. Aus der EP 0 731 051 B1 der Anmelderin ist beispielsweise ein System
bekannt, welches mehrere zwischen zwei Endstellungen bewegbar mit der Aufzugskabine
verbundene Führungselemente aufweist. Quer zur Fahrtrichtung auftretende Schwingungen
oder Beschleunigungen werden von mehreren an der Kabine angebrachten Sensoren gemessen,
deren Singale zur Steuerung mehrerer Aktuatoren verwendet werden, die zwischen der
Kabine und den Führungselementen angeordnet sind. Die Aktuatoren werden dabei von
einer mit den Sensoren verbunden Regeleinrichtung derart angesteuert, dass sie entgegengesetzt
zu den auftretenden Schwingungen arbeiten und diese damit möglichst effektiv unterdrücken.
[0004] Eine typische Eigenschaft des aus der EP 0 731 051 B1 bekannten Verfahrens sowie
anderer Verfahren zur Schwingungsreduktion von Aufzugskabinen gemäß dem Stand der
Technik ist, dass diese mit linearen und zeitlich unveränderlichen Reglern arbeiten.
Der Grund hierfür liegt darin, dass beim Entwerfen der Regler nicht-lineare Vorgänge
nur schwer berücksichtigt werden können und deshalb zur Vereinfachung der Konzipierung
des Reglers davon ausgegangen wird, dass die auftretenden Störungen linear sind. Eine
Folge hiervon ist allerdings, dass beim Einschalten des Reglers und bei Beginn bzw.
Ende der Fahrt des Aufzugs ungewollte Vibrationen auftreten können. Die Ursache hierfür
ist, dass es sich hierbei um nicht-lineare Zustandsänderungen des Systems handelt,
welche durch das lineare und zeitinvariante Verhalten des Reglers nicht beherrscht
werden können.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es dementsprechend, eine Möglichkeit anzugeben,
Vibrationen oder sogar Stöße der Aufzugskabine beim Anfahren und Anhalten des Aufzugs
sowie beim Be- und Entladen der Kabine zu vermeiden.
[0006] Die Aufgabe wird durch eine Einrichtung zur Reduktion von Schwingungen einer an Schienen
geführten Aufzugskabine bzw. durch Verfahren gemäß den unabhängigen Ansprüchen gelöst.
[0007] Kerngedanke der vorliegenden Erfindung ist, die Verstärkung der für die Schwingungsunterdrückung
verantwortlichen Regeleinrichtung geschwindigkeitsund/oder zeitvariabel auszugestalten.
Dabei ist gemäß einem ersten Aspekt der vorliegenden Erfindung vorgesehen, die Verstärkung
der Regeleinrichtung abhängig von der Vertikalgeschwindigkeit der Aufzugskabine auszugestalten,
wodurch auf die nichtlinearen Vorgänge beim Anfahren und beim Abbremsen der Aufzugskabine
besser reagiert werden kann. Gemäß einem zweiten Aspekt der vorliegenden Erfindung
ist vorgesehen, die Verstärkung nach einem Einschalten der Regeleinrichtung kontinuierlich
anzuheben bzw. nach einem Ausschalten kontinuierlich abzusenken.
[0008] Die erfindungsgemäßen Maßnahmen gestatten es, das Verhalten der grundsätzlich linear
und zeitinvariant ausgelegten Regeleinrichtung an die oben genannten nichtlinearen
Vorgänge anzupassen. Insbesondere können durch verhältnismäßig einfach durchzuführende
Maßnahmen die beim Anfahren und Anhalten des Aufzugs, beim Be- und Entladen der Kabine
sowie beim Ein- und Ausschalten der Regeleinrichtung auftretenden Vibrationen oder
sogar Stöße, die auf eine ungeeignete Reaktion eines linearen Reglers auf nicht-lineare
Systemveränderungen zurückzuführen sind, unterdrückt werden.
[0009] Gemäß einem bevorzugten Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung wird die geschwindigkeits-
bzw. zeitvariable Verhaltensweise der Regeleinrichtung dadurch realisiert, dass die
dem Regler zugeführten Fehlersignale bzw. Regelabweichungen und/oder die von dem Regler
erzeugten Stellsignale für die Aktuatoren mit zeit- bzw. geschwindigkeitsabhängigen
Parametern gewichtet werden. Hierzu können innerhalb der Regeleinrichtung mehrere
Verstärkungsblöcke vorgesehen sein, mit deren Ausgangssignale die Fehler- bzw. die
Stellsignale gewichtet werden. Ein Teil dieser Blöcke ist dabei für die Realisierung
des geschwindigkeitsabhängigen Verhaltens der Regeleinrichtung verantwortlich, während
hingegen sogenannte Zeitverzögerungsblöcke für die Reaktion auf das Einund Ausschalten
der Regeleinrichtung verantwortlich sind. Diese Lösung zeichnet sich dadurch aus,
dass sie verhältnismäßig einfach zu realisieren ist. Insbesondere ist es nicht erforderlich,
auf den eigentlichen Regler, der die ihm zugeführten Fehlersignale in Stellsignale
für die Aktuatoren umsetzt, Einfluß zu nehmen. Es kann also wie bislang ein linearer
und zeitinvarianter Regler verwendet werden.
[0010] Gemäß einem besonders bevorzugten Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung
weist die Regeleinrichtung zwei interne Regler auf, nämlich einen Positionsregler
und einen Beschleunigungsregler. Der Positionsregler ist dabei dafür verantwortlich,
die Einstellung der Führungselemente in Bezug auf die Führungsschienen so zu regeln,
dass jederzeit ein ausreichend hoher Dämpfungsweg zur Verfügung steht. Dies bedeutet
nichts anderes, als dass die Aufzugskabine bzw. der den Kabinenkörper haltende Rahmen
den Führungsschienen, insbesondere auch den entsprechenden Unebenheiten der Schienen
folgen soll. Die Aufgabe des Beschleunigungsreglers ist es hingegen, die an dem Kabinenrahmen
auftretenden Schwingungen, die auch durch die Unebenheiten hervorgerufen werden können,
zu unterdrücken. Die Sollwerte der Kräfte, die beide Regler von den Aktuatoren verlangen,
werden dann entsprechend addiert und den Aktuatoren als ein gemeinsames Stellsignal
zugeführt. Diese bereits aus der EP 0 731 051 B1 bekannte Lösung ermöglicht es, beide
oben genannten Ziele, die eigentlich entgegengesetzt zueinander sind, möglichst optimal
zu verfolgen.
[0011] Bei der Verwendung der beiden getrennten Regler ist vorzugsweise vorgesehen, dass
nach einem Einschalten der Regeleinrichtung zunächst die Verstärkung des Positionsreglers
linear angehoben wird, während hingegen der Beschleunigungsregler erst mit einer gewissen
zeitlichen Verzögerung - ebenfalls mit einem linearen Anstieg - aktiviert wird. Nach
dem Ausschalten der Regeleinrichtung hingegen wird zunächst die Verstärkung des Beschleunigungsreglers
linear auf Null abgesenkt und erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung auch
der Positionsregler abgeschaltet.
[0012] Nachfolgend soll die Erfindung anhand der beiliegenden Zeichnungen näher erläutert
werden. Es zeigen:
- Figur 1
- eine schematische Darstellung einer an Schienen geführten Aufzugskabine;
- Figur 2
- ein Signalflussschema eines Systems zur aktiven Schwingungsdämpfung; und
- Figur 3
- das Signalflussschema der erfindungsgemäßen ausgestalteten Regeleinrichtung.
[0013] Bevor die erfindungsgemäße Regeleinrichtung näher erläutert wird, soll zunächst anhand
von Figur 1 die Realisierung eines Gesamtsystems zur aktiven Dämpfung von Vibrationen
bzw. Schwingungen einer Aufzugskabine erläutert werden.
[0014] Die in Figur 1 dargestellte und allgemein mit dem Bezugszeichen 1 versehene Kabine
ist dabei in einen Kabinenkörper 2 sowie einen Kabinenrahmen 3 unterteilt. Der Kabinenkörper
2 ist in dem Rahmen 3 mit Hilfe mehrerer Gummifedern 4 gelagert, die zur Isolation
von Körperschall vorgesehen sind. Diese Gummifedern 4 sind verhältnismäßig steif ausgelegt,
um das Auftreten niederfrequenter Schwingungen zu unterdrücken.
[0015] Die Kabine 1 wird mit Hilfe von vier Rollenführungen 5 an den beiden Führungsschienen
15 geführt, die in einem (nicht gezeigten) Aufzugsschacht angeordnet sind. Die vier
Rollenführungen 5 sind üblicherweise identisch aufgebaut und seitlich unten und oben
an dem Kabinenrahmen 3 angebracht. Sie weisen jeweils einen Ständer auf, an dem jeweils
drei Führungsrollen 6 gelagert sind, zwei seitliche und eine mittlere Rolle. Die Führungsrollen
6 sind dabei jeweils mit Hilfe eines Hebels 7 beweglich gelagert und werden über eine
Feder 8 auf die Führungsschienen 15 gedrückt. Die Hebel 7 der beiden seitlichen Führungsrollen
6 sind ferner über eine Zugstange 9 miteinander verbunden, so dass sie sich synchron
miteinander bewegen.
[0016] Pro Rollenführung 5 sind zwei elektrische Aktuatoren 10 vorgesehen, die jeweils eine
Kraft auf die Hebel 7 ausüben, die parallel zu den zugehörigen Federn 8 wirkt. Ein
erster Aktuator 10 bewegt dabei den mittleren Hebel 7 mit der zugehörigen mittleren
Führungsrolle 6, während hingegen der zweite Aktuator 10 die beiden seitlichen Hebel
7 mit den zugehörigen seitlichen Führungsrollen 6 bewegt. Über die Aktuatoren 10 wird
somit die Stellung der Hebel 7 bzw. der Rollen 6 und damit die Position der Aufzugskabine
1 bezüglich der Führungsschienen 15 beeinflusst.
[0017] Die Kabinenschwingungen oder Vibrationen, die von der Einrichtung gemäß der vorliegenden
Erfindung zu dämpfen sind, treten in den folgenden fünf Freiheitsgraden auf:
- Verschiebungen in X-Richtung
- Verschiebungen in Y-Richtung
- Drehungen um die X-Achse
- Drehungen um die Y-Achse
- Drehungen um die Z-Achse
[0018] Die verschiedenen Verschiebungen bzw. Drehungen in den fünf Freiheitsgraden sind
dabei jeweils auf eine unterschiedliche Lagerung der Aufzugskabine 1 an den vier Rollenführungen
5 in X- und/oder in Y-Richtung zurückzuführen.
[0019] Um Schwingungen der Kabine 1 in allen fünf oben genannten Freiheitsgraden erfassen
zu können, sind pro Rollenführung 5 zunächst zwei Positionssensoren 11 vorgesehen,
ein erster Sensor zur Erfassung der Lage des mittleren Hebels 7 mit der zugehörigen
Führungsrolle 6 und ein zweiter Sensor zum Erfassen der Lage der beiden seitlichen
Hebel 7 mit den zugehörigen seitlichen Führungsrollen 6. Darüber hinaus ist jede Rollenführung
5 mit zwei horizontal ausgerichteten Beschleunigungssensoren 12 ausgestattet, von
denen einer Beschleunigungen in Verschiebungsrichtung der mittleren Führungsrolle
6 und der zweite Beschleunigungen senkrecht dazu in Verschiebungsrichtung der beiden
seitlichen Führungsrollen 6 erfasst. Die Messsignale der Sensoren 11 und 12 geben
Auskunft über die aktuelle Lage der Aufzugskabine 1 in Bezug auf die beiden Führungsschienen
15 und informieren ferner darüber, ob der Kabinenkörper 1 aktuellen Beschleunigungen
ausgesetzt ist, die zu Schwingungen führen können.
[0020] Ein auf der Decke des Kabinenkörpers 2 befestigtes Steuergerät 14 verarbeitet die
von den Sensoren 11 und 12 übermittelten Signale und steuert nach Auswertung der Sensorsignale
mit Hilfe eines Leistungsteils die elektrischen Aktuatoren 10 der vier Rollenführungen
5 an, um den Beschleunigungen und Vibrationen in geeigneter Weise entgegenzuwirken.
[0021] Bevor die Ausgestaltung des Steuergerätes 14, insbesondere der darin angeordneten
Regeleinrichtung näher erläutert wird, ist noch darauf hinzuweisen, dass bei der in
Figur 1 dargestellten Aufzugskabine ein besonderes Merkmal darin besteht, dass an
einer Rollenführung 5 (hier bei der rechten oberen Rollenführung) ein Drehbewegungssensor
13 vorgesehen ist, der den Drehwinkel einer ihm zugeordneten Führungsrolle 6 misst.
Die über diesen Drehbewegungssensor 13 erhaltenen Messwerte geben Auskunft über den
Fahrweg der Kabine sowie über deren aktuelle Fahrgeschwindigkeit in vertikaler, also
in Z-Richtung. Hierdurch wird die nachfolgend beschriebene geschwindigkeitsvariable
Regelung gemäß der vorliegenden Erfindung ermöglicht.
[0022] Die Figuren 2 und 3 zeigen das Signalflussschema des erfindungsgemäßen Systems zur
aktiven Schwingungsdämpfung. Der grundsätzliche Aufbau gemäß Figur 2 entspricht dabei
dem Verfahren, wie es auch in der EP 0 731 051 B1 zum Einsatz kommt. Die dargestellten
Signale sind dabei als Vektorsignale zu verstehen, welche mehrere Signale gleicher
Art umfassen. Die Regeleinrichtung ist als sogenannter MIMO (Multi-Input Multi-Output)
Regler ausgestaltet, der anhand von mehreren Eingangssignalen mehrere Stellsignale
für die an den Rollenführungen befindlichen Aktuatoren ermittelt.
[0023] Bei dem in Figur 1 dargestellten System wirken auf die Kabine 1 äußere Störungen
ein, welche sich aus indirekten Störkräften von den Schienen 15 sowie aus direkt an
der Kabine 1 angreifenden Störkräften 16 in Form von Kabinenlast, Seil- und Windkräften
zusammensetzen. Mit Hilfe der Positionssensoren 11 und der Beschleunigungssensoren
12 wird der aktuelle Zustand der Kabine ermittelt, wobei zunächst die von den Positionssensoren
11 gemessenen Positionen in einem Summationsblock 17 mit Referenzwerten verglichen
werden, welche eine Referenzstellung der Kabine 1 in Bezug auf die Schienen 15 wiedergeben.
Resultat der Summenbildung ist das Fehlersignal oder die Regelabweichung ep, welche
die Abweichungen der Positionen der Rollenführungen hinsichtlich der Referenzstellung
beschreibt. Im Summationsblock 18 hingegen werden die Beschleunigungswerte der Beschleunigungssensoren
12 negiert, d.h. von dem Ideal- bzw. Referenzwert 0 (keine Beschleunigungen) abgezogen,
wodurch das zweite Fehlersignal e
a erzeugt wird.
[0024] Die Regeleinrichtung 19 setzt sich wie bereits erwähnt aus zwei Reglern zusammen,
einem Positionsregler (K
p) 20 sowie einem Beschleunigungsregler (K
a) 21. Der Grund für die Verwendung zweier getrennter Regler besteht darin, dass ein
Ziel der Regeleinrichtung 19 darin besteht, Kabinenschwingungen im hohen Frequenzbereich
(zwischen 0,9 und 15 Hz, und vorzugsweise zwischen 0,9 und 5 Hz) zu unterdrücken,
ohne dass der geregelte Aufzug außerhalb dieses Frequenzbereiches sich schlechter
verhält als der ungeregelte. Auf der anderen Seite muss die Regeleinrichtung 19 dafür
sorgen, dass die Einstellung des Kabinenrahmens 3 bezüglich der Führungsschienen 15
so geregelt wird, dass jederzeit ein ausreichender Dämpfungsweg an den Rollen zur
Verfügung steht. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn die Kabine 1 asymmetrisch
beladen wird.
[0025] Für den ersten Regelungszweck ist eine Beschleunigungs- oder Geschwindigkeitsrückführung
mit Trägheitssensoren ausreichend, während hingegen für das zweite Regelungsziel eine
Positionsrückführung erforderlich ist. Beide Rückführungen haben zwei widersprüchliche
Ziele, welche durch die Verwendung der beiden getrennten Regler 20 und 21 verfolgt
werden. Wie in Figur 2 dargestellt ist, berücksichtigt der Positionsregler 20 ausschließlich
die Messwerte der Positionssensoren 11 und ist dementsprechend für die Aufrechterhaltung
der Führungsspiele der Kabine 1 verantwortlich. Der Beschleunigungsregler 21 hingegen
verarbeitet die Messwerte der Beschleunigungssensoren 12 und ist für die Unterdrückung
der Schwingungen erforderlich. Die Soll- bzw. Stellwerte beider Regler 20 und 21 werden
in dem Summationsblock 22 addiert und als ein gemeinsames Stellsignal den Aktuatoren
10 zugeführt.
[0026] Die Lösung zum Vermeiden des oben angesprochenen Konflikts zwischen den beiden Reglern
20 und 21 basiert auf dem Umstand, dass die für eine Schieflage der Kabine 1 verantwortlichen
Kräfte (eine nicht-symmetrische Beladung der Kabine, eine große seitliche Seilkraft
und dergleichen) sich wesentlich langsamer ändern als die anderen Störquellen, welche
die Kabinenschwingungen verursachen. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Schienenunebenheiten
oder Luftstörkräfte. Die Verstärkungsänderungen im Frequenzbereich sind immer kontinuierlich,
das heißt: es gibt keine festen Grenzen. Bei einer bestimmten Frequenz haben beide
Regler 20 und 21 gleich viel Einfluss. Darüber wirkt der Beschleunigungsregler 21
stärker, darunter wirkt der Positionsregler 20 stärker.
[0027] Durch die Unterteilung der Regeleinrichtung 19 in einen Positions-Regelkreis sowie
einen Beschleunigungs-Regelkreis können somit beide oben angesprochenen Regelziele
verfolgt werden. Ein weiterer Vorteil der Unterteilung besteht ferner darin, dass
die Regler 20 und 21 keine Nicht-Linearitäten enthalten. Anderenfalls wäre eine Stabilitätsanalyse
und somit eine entsprechende Konfigurierung der beiden Regler nur schwer möglich.
[0028] Die Ausgestaltung des Positions- und des Beschleunigungsreglers 20, 21 als lineare
Regler hat allerdings zur Folge, dass diese nicht in geeigneter Weise auf nicht-lineare
Vorgänge reagieren können, die beispielsweise beim Anfahren und beim Abbremsen der
Aufzugskabine oder beim Ein- und Ausschalten der Regeleinrichtung entstehen. Um auch
diese Vorgänge berücksichtigen zu können, wird das Verhalten der beiden Regler 20
und 21 nunmehr gemäß der vorliegenden Erfindung zeit- und geschwindigkeitsvariabel
gestaltet, was nachfolgend anhand von Figur 3 erläutert werden soll.
[0029] Figur 3 zeigt dabei das erweiterte Signalflussschema des erfindungsgemäßen Verfahrens,
wobei nur die erweiterte Regeleinrichtung 19 gezeigt ist, da die anderen Teile des
Systems - Kabine, Aktuatoren und Sensoren - unverändert bleiben.
[0030] Die erfindungsgemäße zeit- und geschwindigkeitsvariable Ausgestaltung der Regeleinrichtung
wird dadurch erzielt, dass die von dem Summationspunkt 17 gelieferten Fehlersignale
e
p für den Positionsregler 20 zunächst mit bestimmten Faktoren gewichtet bzw. multipliziert
werden, bevor sie dem Positionsregler 20 zugeführt werden. Das variable Verhalten
der Beschleunigungs-Regelungsschleife hingegen wird dadurch realisiert, dass die von
dem Beschleunigungsregler 21 anhand der ihm zugeführten Fehlersignale e
a ermittelten Stellsignale mit mehreren Verstärkungsfaktoren gewichtet werden. In beiden
Fällen wird hierdurch letztendlich die Verstärkung des Reglers 20 bzw. 21 variiert,
wobei dies im Hinblick auf den Zeitpunkt und die Vertikalgeschwindigkeit der Kabine
erfolgt.
[0031] Das zeitvariable Verhalten der beiden Regler 20 und 21 wird durch zwei sog. Zeitverzögerungsblöcke
23 und 24 bewirkt, die von einem gemeinsamen Ein- oder Aus-Signal mit dem Wert 1 oder
0 angesteuert werden. Nach einem Einschalten der Regeleinrichtung wird zuerst der
Verstärkungsfaktor k
Pt für den Positionsregler 20 kontinuierlich hochgefahren und zwar mit einem linearen
Anstieg von 0 auf 1. Der Verstärkungsfaktor k
at für den Beschleunigungsregler 21 hingegen folgt mit einer gewissen Zeitverzögerung
ebenfalls mit einem linearen Anstieg von 0 auf 1. Nach Ausschalten der Regeleinrichtung
wird zuerst die Verstärkung k
at für den Beschleunigungsregler 21 linear von 1 auf 0 reduziert, während hingegen die
Verstärkung k
Pt für den Positionsregler 20 zeitverzögert abgesenkt wird. Die auf diese Weise erzielte
gestaffelte Inbetriebnahme und Deaktivierung der beiden Regler 20, 21 gestattet es,
besonders gut auf die Vorgänge beim Ein- und Ausschalten der Regeleinrichtung zu reagieren.
[0032] Die von den Zeitverzögerungsblöcken 23 und 24 gelieferten Verstärkungsfaktoren k
Pt und k
at werden in den Blöcken 27 und 28 darüber hinaus auch jeweils mit einem geschwindigkeitsabhängigen
Faktor k
Pv und k
av multipliziert, so dass sich die Verstärkungsfaktoren k
Pvt für den Positionsregler 20 bzw. k
avt für den Beschleunigungsregler 21 ergeben. Die Geschwindigkeitsfaktoren k
Pv und k
av werden von zwei Blöcken 25 und 26 erzeugt, die in Abhängigkeit von dem von dem Drehbewegungssensor
13 ermittelten Geschwindigkeitswert v die beiden Gewichtungsfaktoren ermitteln, wobei
die geschwindigkeitsabhängigen Verstärkungswerte in Tabellen abgelegt sind und linear
interpoliert werden. Wichtig ist, dass die beiden vom absoluten Betrag der Geschwindigkeit
v abhängigen Verstärkungsfaktoren k
Pv und k
av selbst nie Null werden, wodurch sichergestellt ist, dass auch bei Stillstand der
Kabine noch eine Regelung erfolgt.
[0033] Der in der soeben beschriebenen Weise gebildete Verstärkungsfaktor k
avt für den Beschleunigungsregler 21 wird dann in Block 29 mit dem Ausgangs- oder Stellsignal
des Beschleunigungssensors 21 multipliziert. Der Verstärkungsfaktor k
Pvt für den Positionsregler 20 hingegen wird in dem Multiplikationsblock 38 mit einem
modifizierten Fehlersignal e
Plq multipliziert und dem Positionsregler 20 zugeführt.
[0034] Das von dem Summationsblock 17 gelieferte Fehlersignal e
P unterliegt selbst noch einmal einer Modifikation, die berücksichtigt, dass bei relativ
großen Abweichungen in der Position, wie sie im Stillstand der Kabine (beispielsweise
beim Beladen) vorkommen können, eine schnelle Korrektur zur Verfügung stehen muss.
Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wird in Block 30 das Quadrat des Positionsfehlers
e
P mit gleichem Vorzeichen gebildet, so dass zum einen der Positionsfehler e
P in linearer und zum anderen in quadratischer Form vorhanden ist. Bei relativ großen
Abweichungen soll das quadrierte Fehlersignal verwendet werden, um eine genügend schnelle
Positionskorrektur zu erzielen. Während der Fahrt der Kabine allerdings würde die
große Verstärkung zu Vibrationen und sogar zu Instabilitäten führen, weshalb es notwendig
ist, abhängig von der Fahrgeschwindigkeit vom quadratischen Positionsfehler auf den
linearen Positionsfehler umzuschalten.
[0035] Die Umschaltung selbst darf allerdings wiederum nicht sprunghaft erfolgen, um keine
weiteren Instabilitäten zu erzeugen. Der demzufolge angestrebte kontinuierliche Übergang
wird mit Hilfe einer durch die Blöcke 30 bis 37 gebildeten Fehlersignal-Modifikationseinrichtung
erzielt, wobei Block 31 zunächst ein Ausgangssignal von 0 auf 1 schaltet, wenn die
(richtungsunabhängige) Fahrgeschwindigkeit v einen Schwellenwert v
sw überschreitet. Block 32 ist ein Tiefpassfilter und bewirkt eine zeitlich verzögerte
kontinuierliche Änderung des Ausgangssignals bei sprunghafter Änderung des von Block
31 erhaltenen Eingangssignals. Der Ausgang des Tiefpassfilters wird mit dem linearen
Positionsfehler in Block 35 multipliziert, während hingegen in dem Summationsblock
34 eine Differenz zwischen dem Referenzwert 1 und dem von dem Tiefpassfilter 32 gelieferten
Ausgangswert erzeugt wird. Die Summe der dem Multiplikationsblock 35 für den linearen
Fehler einerseits und dem Multiplikationsblock 36 für den quadratischen Fehler andererseits
zugeführten Verstärkungswerte ist somit immer 1, d.h., der Anteil des quadratischen
Fehlers nimmt nach Überschreiten der Grenzgeschwindigkeit v
sw kontinuierlich ab während hingegen der Anteil des linearen Fehlers zunimmt. In dem
Summationsblock 37 werden die auf diese Weise gewichteten linearen und quadratischen
Positionsfehler überlagert und schließlich mit dem zeit- und geschwindigkeitsabhängigen
Verstärkungsfaktor k
Pvt in dem Block 38 multipliziert. Die auf diese Weise gewichteten Werte werden letztendlich
dem Positionsregler 20 als Eingangssignale zugeführt.
[0036] Die auf diese Weise realisierte Gewichtung und Verstärkung der Positions- und Beschleunigungs-Regelschleifen
ermöglicht die Anpassung des Verhaltens der Regeleinrichtung an nicht-lineare Vorgänge,
die beim Ein- und Ausschalten der Regler bzw. beim Anfahren und Abbremsen der Aufzugskabine
entstehen. Ein entscheidender Vorteil der erfindungsgemäßen Lösung besteht darin,
dass die Positions- und Beschleunigungs-Regler nach wie vor linear und zeitinvariant
ausgelegt werden können und sich somit der Aufwand zum Konfigurieren der Regeleinrichtung
insgesamt nur geringfügig erhöht. Die Berücksichtigung der zeitund geschwindigkeitsabhängigen
Faktoren kann dabei ohne größeren Aufwand erfolgen, so dass das gesamte Regelverhalten
der erfindungsgemäßen Einrichtung auf einfache Weise signifikant verbessert werden
kann. Das Umschalten zwischen dem linearen und dem quadratischen Fehlersignal für
die Position der Führungselemente gestattet es darüber hinaus auch, im Stillstand
der Aufzugskabine eine möglichst schnelle Regelung im Hinblick auf Positionsänderungen
zu erzielen.
1. Einrichtung zur Reduktion von Schwingungen einer an Schienen (15) geführten Aufzugskabine
(1), aufweisend:
- mehrere Führungselemente (5, 6, 7) zum Führen der Aufzugskabine (1) entlang der
Schienen (15),
- einen Sensor (11, 12) zum Erfassen von Positionsänderungen der Aufzugskabine (1)
und/oder von an der Aufzugskabine (1) auftretenden Beschleunigungen,
- einen zwischen der Aufzugskabine (1) und den Führungselementen (5, 6, 7) angeordneten
Aktuator (10) sowie
- eine Regeleinrichtung (19), welche auf Basis der von dem Sensor (11, 12) übermittelten
Werte den Aktuator (10) zur Veränderung der Lage der Kabine (1) gegenüber den Schienen
(15) ansteuert,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Regeleinrichtung (19) eine in Abhängigkeit von der Vertikalgeschwindigkeit (v)
der Aufzugskabine (1) veränderbare Verstärkung aufweist.
2. Einrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Regeleinrichtung (19) eine Zeitverzögerungseinrichtung (23, 24) aufweist, welche
die Verstärkung der Regeleinrichtung (19) nach einem Aktivieren der Regeleinrichtung
(19) kontinuierlich anhebt bzw. nach einem Ausschalten kontinuierlich absenkt.
3. Einrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein Signal, das die Vertikalgeschwindigkeit darstellt, ist an einem Aufzugsantrieb
erfassenden und zur Regeleinrichtung (19) über ein Hängekabel übertragen.
4. Einrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Aufzugskabine (1) einen die Vertikalgeschwindigkeit erfassenden Geschwindigkeitssensor
(13) aufweist, dessen Messwert von der Regeleinrichtung (19) in einen geschwindigkeitsabhängigen
Verstärkungsfaktor (kPv, kav) umgesetzt wird, der mit einem Eingangssignal für einen Regler (20, 21) und/oder
einem von dem Regler (20, 21) ermittelten Stellsignal zur Ansteuerung des Aktuators
(10) multipliziert wird.
5. Einrichtung nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Regeleinrichtung (19) eine Fehlersignal-Modifikationseinrichtung (31-37) aufweist,
über welche das von an der Aufzugskabine (1) angeordneten Positionssensoren (11) ermittelte
Fehlersignal (e
p)
- unterhalb einer vorgegebenen Grenzgeschwindigkeit (vsw) der Kabine (1) in quadratischer Form und
- oberhalb der Grenzgeschwindigkeit (vsw) der Kabine (1) in linearer Form als modifiziertes Fehlersignal einem Positionsregler
(20) zugeführt wird.
6. Einrichtung nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Wechsel von dem quadratischen zu dem linearen Fehlersignal und umgekehrt bei
einem Über- oder Unterschreiten der Grenzgeschwindigkeit (vsw) kontinuierlich erfolgt.
7. Einrichtung nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Regeleinrichtung (19) eine Zeitverzögerungseinrichtung (23, 24) aufweist, welche
die Verstärkung der Regeleinrichtung (19) nach einem Aktivieren der Regeleinrichtung
(19) kontinuierlich anhebt bzw. nach einem Ausschalten kontinuierlich absenkt.
8. Einrichtung nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Regeleinrichtung aufweist
• einen Positionsregler (20), welcher den Aktuator (10) in Abhängigkeit von Signalen
von an der Aufzugskabine (1) angeordneten Positionssensoren (11) derart ansteuert,
dass die Führungselemente (5, 6, 7) eine vorgegebene Position einnehmen, sowie
• einen Beschleunigungsregler (21), welcher den Aktuator (10) in Abhängigkeit von
Signalen von an der Aufzugskabine (1) angeordneten Beschleunigungssensoren (12) derart
ansteuert, dass an der Aufzugskabine (1) auftretenden Schwingungen unterdrückt werden,
wobei die Stellsignale des Positionsreglers (20) und des Beschleunigungsreglers (21)
addiert und dem Aktuator (10) als Summensignal zugeführt werden.
9. Einrichtung nach Anspruch 7 und Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein von einem ersten Zeitverzögerungsblock (23) gebildeter Verstärkungsfaktor (kpt) für den Positionsregler (20) nach einem Aktivieren der Regeleinrichtung (19) linear
ansteigt und nach einem Abschalten der Regeleinrichtung (19) linear auf 0 abfällt.
10. Einrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Abfall des Verstärkungsfaktor (kpt) für den Positionsregler (20) nach dem Abschalten der Regeleinrichtung (19) zeitlich
verzögert erfolgt.
11. Einrichtung nach Anspruch 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein von einem zweiten Zeitverzögerungsblock (24) gebildeter Verstärkungsfaktor (kat) für den Beschleunigungsregler (21) nach einem Aktivieren der Regeleinrichtung (19)
zeitverzögert linear ansteigt und nach einem Abschalten der Regeleinrichtung (19)
linear auf 0 abfällt.
12. Einrichtung nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Verstärkungsfaktor (kat) für den Beschleunigungsregler (21) nach einem Aktivieren der Regeleinrichtung (19)
im Vergleich zu dem Verstärkungsfaktor (kpt) für den Positionsregler (20) zeitverzögert ansteigt, und
dass die Absenkung des Verstärkungsfaktors (kat) für den Beschleunigungsregler (21) nach einem Abschalten der Regeleinrichtung (19)
unmittelbar beginnt, während die Absenkung des Verstärkungsfaktors (kpt) für den Positionsregler (20) zeitverzögert erfolgt.