Gebiet der Erfindung
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Früherkennung und Eingrenzung
des Risikos für Brustkrebs bei einem Testindividuum durch den Mikronukleustest an
induzierten zweikernigen Zellen ohne Induktion durch Mutagen-Behandlung der kultivieren
Zellen des Testindividuums.
Hintergrund der Erfindung
[0002] Die Früherkennung von Brustkrebs stellt trotz der jüngsten Entwicklung von Vorhersageverfahren
(
't Veer et al. 2002, Nature 415:530-536) noch immer ein Problem der Diagnostik und Prognostik dar.
[0004] Jedoch ist aufgrund der vielfältigen Ursachen, die zur Ausbildung von Brustkrebs
führen können, eine sichere Abschätzung des Risikos einer Erkrankung bisher nur für
kleinere Untergruppen möglich (
Scott et al. 1998, Br. J. Cancer 77:614-620;
Scott et al. 1999, Int. J. Radiat. Biol. 75:1-10). Als Ursachen einer Brustkrebserkrankung sind genetische Faktoren (wie z. B. Mutationen
im BRCA1 bzw. BRCA2-Gen) bekannt oder es werden Umweltfaktoren (wie Exposition gegenüber
mutagenen Substanzen oder Strahlung) vermutet.
[0005] Mutationen in den BRCA-Genen, BRCA1 und BRCA2, sind die Hauptursache bei erblichem
oder familiärem Brustkrebs, d.h. bei gehäuft auftretenden Erkrankungen innerhalb einer
Familie. Bei Frauen, die nicht einer Risikofamilie angehören, tragen diese Mutationen
aber nur zu etwa 2 % zu den Ursachen einer Brustkrebserkrankung bei (
Peto et al. 1999, J. Natl. Cancer Inst. 91:943-949). Etwa 10% aller Fälle von Brustkrebs sind erblich, d.h. dem familären Brustkrebs
zuzurechnen. Für andere Betroffene, die nicht zu einer bestimmten Brustkrebs-Risikofamilie
gehören (nichtfamiliäre, sporadische Brustkrebsfälle) ist selbst mit den modernen
Verfahren, z. B. durch Bestimmung von Expressionsprofilen durch Mikroarray-Analyse,
keine Risikoabschätzung vor Erkennung des Tumors möglich, da die auslösenden Gene
nicht bekannt sind und ihr Expressionsprofil erst im Tumor selbst messbar wäre.
[0006] Etwa 90% aller Brustkrebsfälle stellen Einzelfälle innerhalb der Familie dar (sporadische
Brustkrebsfälle), deren Ursache bislang noch nicht bekannt sind. Vermutet wird ein
Zusammenwirken vieler verschiedene Faktoren, von der Ernährung über Geburtenzahl und
Stillzeiten, bis hin zu einem Zusammenwirken von Effekten verschiedener noch unbekannter
Gene.
[0007] Der Bestimmung des Brustkrebsrisikos, das auf einer Mutation in BRCA1 oder BRCA2
basiert, ist mit den modernen Verfahren sehr verlässlich möglich. Im Gegensatz dazu
ist die Früherkennung oder die Bestimmung des Brustkrebsrisikos aus Niedrigrisikofamilien,
d. h. aus Familien, deren Brustkrebs nicht auf eine BRCA-Mutation zurückzuführen ist,
oder aus Familien mit sporadischem Auftreten von Brustkrebs mit den bekannten Verfahren
nur sehr ungenau möglich.
[0009] BRCA1 und BRCA2 sind, neben anderen Funktionen, auch an der Aufrechterhaltung der
genomischen Integrität beteiligt (Trenz et al. 2002,
supra;
Venkitaraman 2001, J. Cell Sci. 114:3591-3598;
Welcsh et al. 2000, Trends Genet. 16:69-74). Beide Proteine sind Teil eines Multiproteinkomplexes, der an der Doppelstrangbruch-Reparatur
und der homologen Rekombination beteiligt ist. Daneben finden sich in diesem Komplex
weitere Proteine, die aus anderen Reparaturwegen bekannt sind (
Venkitaraman 2002, Cell 108: 171-182). Gene, die diese Komponenten kodieren, scheinen zum Teil auch als Risikofaktor für
Krebs in Frage zu kommen, z. B.LIG4 (
O'Driscoll et al. 2001, Mol. Cell 8:1175-1185).
[0010] Die Messung des Effektes von Mutagenen wurde bisher verwendet, um z. B. die Kanzerogenität
von neuen Pharmazeutika oder kanzerogene Umwelteinflüsse zu untersuchen (
WO 02/14859). Einer der hierfür geeigneten Tests ist der sogenannte Mikronukleustest (MNT). Er
misst induzierte Chromosomenaherrationen in einer Zellkultur von proliferierenden
Zellen, die auch aufgrund einer gestörten DNA-Doppelstrangreparatur nur unvollständig
behoben werden können (
Berwick und Vineis 2000, J. Natl. Cancer Inst. 92:1536-1537). Der MNT (Mikronukleustest) ist ein Standardverfahren des Biomonitoring bzw. der
Mutagenitätstestung (z.B.
Kirsch-Volders et al. 2000, Environ. Mol. Mutagen. 35:167-172).
[0011] Rothfuss Andreas et. al., Cancer Research, Bd 60. Nr. 2, 15. Januar 2000,1 Seiten
390-394 und
Trenz Kristina et. al., Mutation Research, Bd. 500, Nr. 1-2, 20. März 2002, Seiten
89-96, offenbaren die Verwendung der Messung der induzierten Mikronuklei-Rate für die Ermittlung
des Brustkrebsrisikos von familiären Brustkrebspatienten.
Fenech M. et al., Mutation Research, Bd. 147, Nr- 1-2, 1985, Seiten 29-36 offenbart die Anwendung des Mikronuleus - Tests auf Lymphozyten zur Bestimmung von
mutagenen Agenzien.
[0012] Hinsichtlich der Ermittlung des Brustkrebsrisikos wurde die Sensitivität gegenüber
Mutagenen für Mutationsträger in BRCA1 und BRCA2 (Rothfuss ct al. 2000,
supra; Trenz et al. 2002,
supra) genutzt. Hinsichtlich des sporadischen Brustkrebses oder von Brustkrebs in Niedrigrisikofamilien
wurden zwei Studien durchgeführt. Hier konnte jedoch in den untersuchten Fällen nicht
generell ein Unterschied zwischen Betroffenen und Kontrollen festgestellt werden (Scott
et al. 1998,
supra; Scott et al. 1999,
supra). Vielmehr wurde je nach Ausführung des MNT nur für verschiedene Untergruppen (entsprechend
etwa 30% der Betroffenen) eine signifikant erhöhte Mikronukleusrate nachgewiesen.
[0013] Es existiert somit kein Verfahren zur Bestimmung und Eingrenzung des Risikos für
Brustkrebs bei Frauen, die keine Träger einer BRCA-Mutation sind, d. h. in Niedrigrisikofamilien
bzw. für sporadische Brustkrebsfälle.
[0014] Sporadischer Brustkrebs tritt unabhängig von der genetischen Prädisposition als Einzelfall
innerhalb der Familie auf und ist unabhängig von der Zugehörigkeit der Probandin zu
einer bestimmten Brustkrebs-Risikofamilie .(wie z.B. eine Mutation im BRCA1- oder
BRCA2-Gen).
[0015] Somit ist es eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren bereitzustellen,
mit dessen Hilfe das Brustkrebsrisiko in allen Fällen genau und sicher bestimmt werden
kann. Bevorzugt soll mit dem erfindungsgemäßen Verfahren das Hrustkrebsrisiko für
sporadische Brustkrebsfälle bestimmt werden. Die Verwendung des Verfahrens für sporadische
Brustkrebsfälle ermöglicht es, das Brustkrebsrisiko in den Fällen genau und sicher
zu bestimmen, in denen die Frau nicht aus einer Risikofamilie stammt.
Zusammenfassung der Erfindung
[0016] Das Problem der Bestimmung und Eingrenzung des Risikos für Brustkrebs in Niedrigrisikofamilien
oder für sporadischen Brustkrebs wird mit dem erfindungsgemäßen Verfahren gelöst.
Die Lösung ergibt sich aus den Patentansprüchen, der nachfolgenden Beschreibung und
den Abbildungen.
[0017] Die vorliegende Erfindung stellt ein Verfahren zur Früherkennung und Eingrenzung
des Risikos von Brustkrebs, bei einem Testindividuum durch die Verwendung einer modifizierten
Variante des Miloronukleustests zur Verfügung. Hierbei wird die spontane Bildung von
Mikronuklei in zweikernigen (binukleären) Zellen bestimmt. Die Risikoabschätzung erfolgt
durch den. Vergleich der ermittelten Mikronukleusraten mit Kontrollgruppen gesunder
und erkrankter Testindividuen. Der Vergleich erfolgt durch allgemein übliche statistische
Verfahren und liefert ein Maß, um wie viel höher das Risiko einer Brustkrebserkrankung
im Vergleich zu einer Kontrollgruppe gesunder Individuen liegt.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
[0018] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bestimmung und Eingrenzung des
Risikos für Brustkrebs durch den Milaonukleustest an binukleären Zellen. Das Verfahren
zur Risikobestimmung für sporadischen Brustkrebs bietet gegenüber der bisherigen Situation
den Vorteil, dass jedem Testindividuum unabhängig von der Familienvorgeschichte eine
Untersuchung angeboten werden kann, die eine genauere Bestimmung des Brustkrebsnsikos
ermöglicht.
[0019] In der vorliegenden Erfindung wurde überraschend festgestellt, dass Probanden mit
sporadischem Brustkrebs sich durch eine erhöhte Sensitivität gegenüber Röntgenstrahlung
und anderen bekannten Mutagenen regelmäßig charakterisieren lassen: Eine solche Sensitivität
war wissenschaftlich nicht zu erwarten. Mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens
lassen sich das nicht familiäre sporadische Brustkrebsrisiko bei Probanden ermitteln.
[0020] Das erfindungsgemäße Verfahren umfasst in einer Ausführungsform die folgenden Schritte:
(1) Aus Heparin-behandeltem Blut werden Lymphozyten gewonnen und kultiviert, (2) die
Lymphozytenkultur wird mit einem Mitogen zur Induktion des Zellzyklus stimuliert,
und (3) die Zellteilung wird 40-50 Stunden nach Anlegen der Kultur mit einem Zytokinese-Inhibitor
unterbunden, nicht jedoch die Kernteilung. Schließlich wird (4) die Kultur ca. 12-24
Stunden nach Zugabe des Zytokinese-Inhibitors abgebrochen und fixiert, (5) zytologische
Präparate hieraus hergestellt und (6) die Mikronukleusrate bestimmt Aus der Mikronukleusrate
wird (7) das Risiko der Erkrankung an Brustkrebs im Vergleich zu Kontrollgruppen ermttelt.
Definitionen
[0021] Unter "Brustkrebs" ist das Auftreten eines bösartigen Tumors in der Brustdrüse zu
verstehen. Bei Frauen ist dies mit etwa 31 % eine der häufigsten malignen Erkrankungen
überhaupt (Greenlee et al. 2001,
supra) und sehr viel häufiger als bei Männern, die meist Träger einer Mutation im BRCA2
Gen sind und einer Hochrisikofamilie angehören.
[0022] Unter "Brustkrebsrisiko" ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Brustkrebs
zu verstehen.
[0023] Unter "sporadischem Brustkrebsrisiko" ist das Risiko zur Brustkrebserkrankung unabhängig
von der Zugehörigkeit der Probanden zu einer Brustkrebs-Risikofamilie zu verstehen.
Als Beispiel ist das Auftreten einer Brustkrebserkrankung als Einzelfall bei mehreren
blutsverwandten Personen innerhalb einer Familie zu verstehen.
[0024] Unter "familiärem Brustkrebs" ist das Auftreten von Brustkrebs bei mehreren blutsverwandten
Personen innerhalb einer Familie zu verstehen. Eine solche familiäre Häufung der Erkrankung
kann durch zufälliges zusammentreffen mehrerer Einzelfälle ohne gemeinsame Ursache
zustande kommen, oder auf eine gemeinsame (genetische) Ursache zurückzuführen sein.
Diese genetischen Ursachen werden allgemein als zwei Kategorien zugehörig angesehen:
- (1) genetische Risikofaktoren mit geringer Wirksamkeit (Penetranz) und vergleichsweise
großer Häufigkeit in der Bevölkerung, die in Familien mit wenigen (zwei Betroffene
Verwandte ersten Grades) Erkrankten angenommen werden.
- (2) Viele (≥ 2) Betroffene und/oder ein früher Erkrankungsbeginn (bei Frauen vor der
Menopause) machen eine genetische Ursache mit hoher Wirksamkeit (Penetranz) wahrscheinlich
(siehe zum Beispiel die Empfehlungen der Deutschen Krebshilfe). Diese Familien werden
als "Hochrisikofamilien" bezeichnet. In etwa zwei Drittel dieser Familien lassen sich
Mutationen (funktionszerstörende Veränderung der Basensequenz des Gens) in den BRCA1
bzw. BRCA2 Genen als Ursache der Erkrankung nachweisen. In den anderen Hochrisikofamilien
werden Mutationen in bislang unbekannten Genen als Ursache angenommen. Genetisch bedingter
Brustkrebs kann nur dann mit Sicherheit angenommen werden, wenn eine Mutation in einem
der BRCA Gene nachgewiesen ist.
[0025] Ein "Mitogen" im Sinne der Erfindung ist eine chemische Substanz, die die Fähigkeit
besitzt, Zellen aus Zellkulturen zur Kernteilung anzuregen.
[0026] Ein "Mutagen" ist eine chemische Substanz oder eine physikalische Strahlung, die
in der Lage ist, genetisches Material in seiner Struktur zu verändern. Die Veränderung
des genetischen Materials kann die Erzeugung von chromosomalen Aberrationen, z. B.
von Mikronuklei, sein.
[0027] Unter einem "Zytokinese-Inhibitor" wird eine chemische Substanz verstanden; die den
Prozess der Zellteilung, d. h. der Segregation der Zytoplasmas einer Zelle auf die
beiden Tochterzellen hemmt.
[0028] "Induziert" wird im erfindungsgemäßen Sinn so verstanden, als durch die Einwirkung
von einem Mutagen gebildet.
[0029] Ein "Mikronukleus" wird als genetisches Material, das aufgrund von Chromosomendefekten
außerhalb der Zellkerns existiert, verstanden.
[0030] "Mikronukleusrate" bedeutet die Anzahl zweikerniger (binukleärer) Zellen, in denen
spontan oder durch die Einwirkung eines Mutagens ein Mikronukleus gebildet wird. Die
Mikronukleusrate wird im erfindungsgemäßen Sinn als Anzahl von Zellen mit Mikronuklei
bezogen auf 1000 binukleäre Zellen dargestellt.
[0031] Die "Spontanrate" oder "spontane Mikronukleusrate" ist die Anzahl zweikerniger (binukleärer)
Zellen, in denen spontan, d. h. ohne Einwirkung eines Mutagens, ein Mikronukleus gebildet
wird. Die Mikronukleusrate wird im erfindungsgemäßen Sinn als Anzahl von Zellen mit
Mikronuklei bezogen auf 1000 binukleäre Zellen dargestellt.
[0032] Die "induzierte Mikronukleusrate" bedeutet die Anzahl von zweikernigen (binukleären)
Zellen, in denen aufgrund der Behandlung mit einem Mutagen ein Mikronukleus gebildet
wird. Die induzierte Mikronukleusrate wird im erfindungsgemäßen Sinn als Anzahl von
Zellen mit durch ein Mutagen induzierten Mikronuklei bezogen auf 1000 binukleäre Zellen
dargestellt.
[0033] Unter "peripherem. Blut" wird ein biphasisches Flüssigkeitssystem verstanden, das
aus zellulären Bestandteilen in einem flüssigen Plasma besteht. Die zellulären Bestandteile
umfassen Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten, die flüssige Plasmaphase besteht
aus Wasser, in dem Proteine gelöst sind.
[0034] Unter "Lymphozyten" wird ein bestimmter Zelltyp der Leukozyten verstanden, der im
Lichtmikroskop keine granuläre Struktur des Zytplasmas aufweist Lymphozyten besitzen
eine Größe zwischen 7 und 18 µm. Der Zellkern läßt sich mit Giemsalösung stark blauviolett
färben.
[0035] In einer Ausführungsform umfasst der Mikronukleustest die folgenden Schritte: (1)
Aus Heparin-behandeltem peripherem Blut werden Lymphozyten gewonnen und kultiviert,
(2) die Lymphozytenkultur wird mit einem Mitogen zur Induktion des Zellzyklus stimuliert,
und (3) die Zellteilung wird mit Zytokinese-Inhibitoren unterbunden, nicht jedoch
die Kernteilung. Schließlich wird (4) die Kultur abgebrochen und fixiert, (5) zytologische
Präparate hieraus hergestellt und (6) die Mikronukleusrate bestimmt Aus der spontanen
Mikronukleusrate wird (7) das Risiko der Erkrankung an Brustkrebs im Vergleich zu
Kontrollgruppen ermittelt
[0036] Zusammen mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann ein Test verwendet werden, in welchem
eine Mutagen-Behandlung der Lymphozytenkultur sofort bis eine Stunde nach Anlage der
Kultur durchgeführt wird. Das Verfahren umfasst die folgenden Schritte: (1) Aus Heparin-behandeltem
peripherem Blut werden Lymphozyten gewonnen und kultiviert, und (2) mit einem Mutagen
behandelt (3) Die Lymphozytenkultur wird mit einem Mitogen zur Induktion des Zellzyklus
stimuliert, und (4) die Zellteilung wird mit einem Zytokinese-Inhibitor unterbunden,
nicht jedoch die Kernteilung. Schließlich wird (5) die Kultur abgebrochen und fixiert,
(6) zytologische Präparate hieraus hergestellt und (7) die Mikronukleusrate bestimmt.
Durch den Vergleich der induzierten Mikronukleusrate mit der induzierten Mikronukleusrate
in Kontrollgruppen wird (8) das Risiko der Erkrankung an Brustkrebs ermittelt.
[0037] Aush verwendet werden kann ein Test, in welchem eine Mutagen-Behandlung sofort bis
eine Stunde nach Anlage der Kultur durchgeführt wird. Das Verfahren wird wie vorstehend
beschrieben durchgeführt, jedoch wird die Mikronukleusrate von binukleären Zellen
mit zwei oder mehr Mikronuklei bestimmt Durch den Vergleich der Rate des Auftretens
von zwei oder mehr Mikronuklei in binukleären Zellen mit der Rate des Auftretens von
zwei oder mehr Mikronuklei in binukleären Zellen in Kontrollgruppen wird schließlich
das Risiko einer Erkrankung an Brustkrebs ermittelt.
[0038] In einer bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Verfahrens, wie vorstehend
beschrieben, werden die ermittelten Mikronukleusraten miteinander kombiniert, um die
Sicherheit der Eingrenzung des Risikos, an Brustkrebs zu erkranken, weiter zu erhöhen.
[0039] Als Kontrollgruppen werden Probanden ohne Brustkrebs sowie Patienten mit nachgewiesener
Brustkrebserkrankung herangezogen. Die Kontrollgruppe der Brustkrebserkrankten setzt
sich sowohl aus BRCA-Mutationstcägern sowie aus Patienten mit sporadischem Brustkrebs
zusammen. Nach Möglichkeit wird der Anteil der BRCA-Mutationsträger, d. h. der Erkrankten
aus Hochrisikofamilien, möglichst gering gehalten.
[0040] Gegenüber der bisher verwendeten Verfahren besitzt das erfindungsgemäße Verfahren
entscheidende Vorteile. Die Ermittlung des Bruatkrebsrisikos beschränkt sich nicht
nur auf die Hochrisikogruppen BRCA1- und BRCA2-Mutationsträger, sondern ist für alle
Patientinnen ohne Einschränkung anwendbar.
[0041] Außerdem wird gemäß dem Verfahren der vorliegenden Erfindung erstmals die Spontanrate
der Mikronukleusbildung und die Rate von zwei oder mehr Mikronuklei in binukleären
Zellen zur Ermittlung des Risikos einer Brustkrebserkrankung verwendet Darüber hinaus
ist die Ermittlung des Brustkrebsrisikos durch die Kombination der verschiedenen Mikronukleusraten
im Vergleich zu bisherigen Verfahren mit erhöhter Sicherheit möglich.
[0042] Die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens erfolgt in einer bevorzugten Ausführungsform
wie nachstehend beschrieben: Es wird eine Lymphozyten-Zellkultur aus heparinisiertem
peripheren Blut angelegt Methoden zur Anlage von Lymphozyten-Zellkulturen sind dem
Fachmann bekannt.
[0043] Gemäß der vorliegenden Erfindung werden die Lymphozyten des peripheren Blutes in
Chromosommedium 1A (Gibco-BRL) bei 37 °C inkubiert.
[0044] Innerhalb der ersten 6 Stunden nach Anlage der Zellkultur wird zur Stimulation der
Kernteilung der kultivierten Zellen ein Mitogen zugesetzt. Vorzugsweise erfolgt die
mitogene Stimulation bereits innerhalb der ersten 30 Minuten nach Anlage der Kultur.
Besonders bevorzugt ist die Zugabe des Mitogens bei der Anlage der Kultur. Bevorzugte
Mitogene sind Leukoagglutinin (PHA-L), Phytohämagglutinin M, Lipopolysaccharid (LPS),
Concanavalin A (ConA) oder
Phytolacca americana-Mitogene (Pokeweed-Mitogen, PWM). Als besonders bevorzugte Mitogene werden Phytohämagglutinin
M und Leukoagglutinin (PHA-L) verwendet. Insbesondere bevorzugt ist Phytohämagglutinin
M.
[0045] Nach 40-50 Stunden nach Anlegen der Kultur erfolgt die Zugabe eines Zytokinese-Inhibitors,
bevor die kultivierten Zellen die erste Mitose durchlaufen. Die Zugabe eines Zytokinese-Inhibitors,
einer Substanz, die, ohne die Kernteilung zu beeinträchtigen, die Zellteilung verhindert,
bewirkt die Entstehung von binukleären Zellen.
[0046] Vorzugsweise werden Cytochalasine als Zytokinese-Inhibitoren verwendet. Besonders
bevorzugt bei Lymphozytenkulturen ist die Verwendung von Cytochalasin B. Die Zugabe
des Zytokinese-Inhibitors erfolgt vorzugsweise nach 44-55 Stunden nach Anlage der
Zellkultur. Besonders bevorzugt ist die Zugabe von Cytochalasin B nach 44 Stunden
nach der Anlage der Zellkultur in einer Konzentration von 6 µg/ml. Die Kultur wird
vorzugsweise für weitere 12-24 Stunden bei 37 °C weiter kultiviert. Besonders bevorzugt
ist die weitere Kultivierung der Lymphozytenkultur für 20-24 Stunden.
[0047] Nach 12-24 Stunden nach der Zugabe des Zytokinese-Inhibitors wird die Zellkultur
vorzugsweise durch Zentrifugation bei 1000 Umdrehungen pro Minute (UpM) für 10 Minuten
und milder hypotoner Behandlung mit 0,56 % KCl abgebrochen und fixiert. Die Fixierung
erfolgt vorzugsweise durch Waschen der Zellen mit einer Fixierlösung aus Methanol/Eisessig
(5:1) und einem gleichen Anteil 0,9 % NaCl. Anschließend werden die Zellen vorzugsweise
dreimal mit einer weiteren Fixierlösung bestehend aus Methanol/Eisessig (5:1) gewaschen.
Eine fixierte Zellsuspension wird erhalten.
[0048] Aus dieser fixierten Zellsuspension werden zytologische Präparate hergestellt. Hierzu
werden vorzugsweise Zellen aus der fixierten Suspension auf Objektträger aufgetropft
und luftgetrocknet.
[0049] Nachfolgend erfolgt die Bestimmung der Mikronukleusrate. Vorzugsweise werden dazu
die zytologischen Präparate vor der Auszählung der Zellen gefärbt. Als Farbstoff bevorzugt
ist ein Farbstoff, der entweder selektiv den Nukleus oder Nukleus und Zytoplasma differentiell
anfärbt. Besonders bevorzugt ist ein Farbstoff ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus Giemsa, Acridinorange, 4',6'-Diamino-2-phenylindol (DAPI) oder Hoechst 33258.
[0050] Die Giemsafärbung wird mit einer 3%igen-10%igen, vorzugsweise mit einer 5%igen, gepufferten
Giemsalösung durchgeführt. Acridinorange wird vorzugsweise in einer Konzentration
von 10 µg/ml eingesetzt, DAPI in einer Konzentration von 1 µg/ml. Anschließend wird
im Mikroskop, je nach Färbung im Durchlicht oder bei Fluoreszenzbeleuchtung, typischerweise
die Anzahl Mikronuklei bezogen auf 1000 zweikernige Zellen durch Beobachtung und Auszählen
bestimmt. Mit Giemsa gefärbte Zellen können im Durchlichtmikroskop ausgewertet, d.
h. ausgezählt werden. Mit DAPI, Acridinorange oder Hoechst 33258 gefärbte Zellen können
in einem Fluoreszenzmikroskop ausgewertet werden. Die Auszählung erfolgt manuell,
mit Hilfe von automatischer Bildanalyse am Mikroskop oder mit Hilfe von Durchflußzytometrie.
Bevorzugt ist die Auszählung mit Hilfe von automatischer Bildanalyse.
[0051] Die Bestimmung von mikronukleus-enthaltenden Erythrozyten mittels Durchflußzytometrie
ist im
US Patent 6,100,038 beschrieben.
[0052] Die Risikoermittlung erfolgt durch den Vergleich der spontanen Mikronukleusrate der
Probandin mit der spontanen Mikronukleusrate in Kontrollgruppen. Der Vergleich erfolgt
durch allgemein übliche statistische Verfahren und liefert ein Maß, um wieviel höher
das Risiko einer Brustkrebserkrankung im Vergleich zu einer Kontrollgruppe gesunder
Individuen liegt.
[0053] Auch kann ein Verfahren zur Erkennung von Brustkrebs verwendet werden (nicht beansprucht),
bei dem unmittelbar bis eine Stunde nach Anlegen der Zellkultur eine Mutagenbehandlung
erfolgt: (1) Anlage einer Zellkultur, (2) Behandlung der Zellkultur mit einem Mutagen,
(3) mitogene Stimulation der Zellkultur, (4) Zugabe eines Zytokinese-Inhibitors, (5)
Abbruch der Kultur, (6) Herstellung eines zytologischen Präparates, (7) Bestimmung
der Mikroaukleusrate und (8) Risikoermittlung für das Auftreten von Brustkrebs durch
Ermittlung der Mikronukleusrate in binukleären Zellen.
[0054] Vorzugsweise wird das Verfahren wie folgt durchgeführt:
Eine Lymphozyten-Zellkultur aus heparinisiertem peripheren Blut wird angelegt. Methoden
zur Anlage von Lymphozyten-Zellkulturen sind dem Fachmann bekannt.
[0055] Die Lymphozyten des peripheren Blutes werden vorzugsweise in Chromosommedium 1A (Gibco-BRL)
bei 37 °C inkubiert.
[0056] Sofort bis eine Stunde nach Anlegen der Lymphozytenkultur wird diese mit einem Mutagen
behandelt. Vorzugsweise erfolgt die Mutagen-Behandlung mit dem Anlegen der Kultur.
[0057] Durch die Verwendung eines Mutagens kann die Rate der gebildeten Mikronuklei erhöht
werden. Das Verfahren basiert auf der Beobachtung, dass mit einem erhöhten Krebsrisiko
die Mikronukleusrate, die durch eine Mutagen-Behandlung induziert wird, ebenfalls
ansteigt. Als Mutagen können chemische Substanzen oder physikalische Strahlung verwendet
werden. Als chemische Mutagene können alle Substanzen verwendet werden, die dem Fachmann
als mutagenisierende Substanzen bekannt sind. Bevorzugte ist die Verwendung von Wasserstoffperoxid.
Wasserstoffperoxid wird bevorzugt in einer Konzentration von 1-5 mM verwendet, insbesondere
bevorzugt ist eine Konzentration von 2 mM.
[0058] Mutagenisierende physikalische Strahlungen sind vorzugsweise energiereiche Strahlungen.
Bevorzugt sind Strahlungen wie Röntgenstrahlung oder Gammastrahlung. Insbesondere
bevorzugt ist die Verwendung von Gammastrahlung. Gammastrahlung wird in einer Dosis
von 0,5-4 J/kg (Gy), bevorzugt von 2 J/kg (Gy) verwendet.
[0059] Als Strahlenquelle kann jede beliebige Strahlenquelle verwendet werden, die Strahlung
der erforderlichen Dosis erzeugt. Bevorzugt ist die Verwendung einer Co-60-Strahlenquelle.
Besonders bevorzugt ist eine Cs-137-Strahlenquelle.
[0060] Innerhalb von 0-6 Stunden nach Anlage der Zellkultur wird zur Stimulation der Kernteilung
der kultivierten Zellen ein Mitogen zugesetzt. Vorzugsweise erfolgt die mitogene Stimulation
bereits innerhalb der ersten 30 Minuten nach Anlage der Kultur. Besonders bevorzugt
ist die Zugabe des Mitogens bei der Anlage der Kultur.
[0061] Bevorzugte Mitogene sind Leukoagglutinin (PHA-L), Phytohämagglutinin M. Lipopolysaccharid
(LPS), Concanavalin A (ConA) oder
Phytolacca americana-Mitogene (Pokeweed-Mitogen, PWM). Als besonders bevorzugte Mitogene werden Phytohämagglutinin
M und Leukoagglutinin (PHA-L) verwendet. Insbesondere bevorzugt ist Phytohänaagglutinin
M.
[0062] Nach 40-50 Stunden nach Anlegen der Kultur erfolgt die Zugabe eines Zytokinese-Inhibitors,
bevor die kultivierten Zellen die erste Mitose durchlaufen. Die Zugabe eines Zytokinese-Inhibitors
bewirkt die Entstehung von binukleären Zellen.
[0063] Vorzuasweise werden Cytochalasine als Zytokinese-Inhibitoren verwendet. Besonders
bevorzugt bei Lymphozytenkulturen ist die Verwendung von Cytochalasin B. Die Zugabe
des Zytokinese-Inhibitors erfolgt vorzugsweise nach 40-55 Stunden nach Anlage der
Zellkultur. Besonders bevorzugt ist die Zugabe von Cytochalasin B nach 44 Stunden
nach der Anlage der Zellkultur in einer Konzentration von 6 µg/ml. Die Kultur wird
vorzugsweise für weitere 12-24 Stunden bei 37 °C weiter kultiviert. Besonders bevorzugt
ist die weitere Kultivierung der Lymphozytenkultur für 20-24 Stunden.
[0064] Nach 12-24 Stunden nach der Zugabe des Zytokinese-Inhibitors wird die Zellkultur
vorzugsweise durch Zentrifugation bei 1000 Umdrehungen pro Minute (UpM) für 10 Minuten
und milder hypotoner Behandlung mit 0,56 % KCl abgebrochen und fixiert. Die Fixierung
erfolgt vorzugsweise durch Waschen der Zellen mit einer Fixierlösung aus Methanol/Eisessig
(5:1) und einem gleichen Anteil 0,9 % NaCl. Anschließend werden die Zellen vorzugsweise
dreimal mit einer weiteren Fixierlösung bestehend aus Methanol/Eisessig (5:1) gewaschen.
Eine fixierte Zellsuspension wird erhalten.
[0065] Aus dieser fixierten Zellsuspension werden zytologische Präparate hergestellt. Hierzu
werden vorzugsweise Zellen aus der fixierten Suspension auf Objektträger aufgetropft
und luftgetrocknet.
[0066] Nachfolgend erfolgt die Bestimmung der Mikronukleusrate. Vorzugsweise werden dazu
die zytologischen Präparate vor der Auszählung der Zellen gefärbt. Als Farbstoff bevorzugt
ist ein Farbstoff, der entweder selektiv den Nukleus oder Nukleus und Zytoplasma differentiell
anfärbt. Besonders bevorzugt ist ein Farbstoff ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus Giemsa, Acridinorange, 4',6'-Diamino-2-phenylindol (DAPI) oder Hoechst 33258.
[0067] Die Giemsafärbung wird mit einer 3%igen-10%igen, vorzugsweise mit einer 5%igen, gepufferten
Giemsalösung durchgeführt. Acridinorange wird vorzugsweise in einer Konzentration
von 10 µg/ml eingesetzt, DAPI in einer Konzentration von 1 µg/ml.
[0068] Anschließend wird im Mikroskop, je nach Färbung im Durchlicht oder bei Fluoreszenzbeleuchtung,
die induzierte Mikronukleusrate durch Beobachtung und Auszählen bestimmt. Mit Giemsa
gefärbte Zellen können im Durchlichtmikroskop ausgewertet, d. h. ausgezählt werden.
Mit DAPI, Acridinorange oder Hoechst 33258 gefärbte Zellen können in einem Fluoreszenzmikroskop
ausgewertet werden. Die Auszählung erfolgt manuell, mit Hilfe von automatischer Bildanalyse
am Mikroskop oder mit Hilfe von Durchflusszytometrie. Bevorzugt ist die Auszählung
mit Hilfe von automatischer Bildanalyse.
[0069] Die Bestimmung von mikronukleus-enthaltenden Erythrozyten mittels Durchflusszytometrie
ist im
US Patent 6,100,038 beschrieben.
[0070] Die induzierten Mikronukleusrate wird bestimmt und für die Risikoermittlung einer
Brustkrebserkrankung herangezogen. Die Risikoermittlung für Brustkrebs erfolgt durch
den Vergleich der induzierten Mikronukleusrate in binukleären Zellen einer Probandin
mit der induzierten Mikronukleusrate in binukleären Zellen in Kontrollgruppen.
[0071] Auch verwendet wird ein Verfahren das die Rate des Auftretens von zwei bzw. zwei
und mehr Mikronuklei in binukleären Zellen ermittelt Daraus wird das Risiko einer
Brustkrebserkrankung im Vergleich zur Rate des Auftretens von zwei bzw. zwei und mehr
Mikronuklei in binukleären Zellen in Kontrollgruppen ermittelt.
[0072] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden zur
Ermittlung des Risikos für Brustkrebs die induzierte Mikronukleusrate in binukleären
Zellen, die Spontanrate von Mikronuklei in binukleären Zellen und der Anzahl von binukleären
Zellen mit zwei oder zwei und mehr Mikronuklei kombiniert. Daraus kann das Risiko
für die Erkrankung an Brustkrebs für eine größere Zahl von Individuen mit höhere Sicherheit
vorherbestimmt werden.
[0073] Für die Familien, die den Kriterien einer Hochrisikofamilie nicht genügen und für
die nichtfamiliären (sporadischen) Fälle von Brustkrebs und deren Blutsverwandte gibt
es zur RisikoAbschätzung derzeit keine Verfahren, außer Risikoabscbätzungen auf der
Basis der Familienvorgeschichte (Anamnese) und von Bevölkerungsstatistiken.
[0074] Die Kombination verschiedener Mikronukleusraten erlaubt es nun, das Risiko für die
Erkrankung an sporadischem Brustkrebs oder aufgrund von genetischen Risikofaktoren
mit geringer Penetranz verhältnismäßig sicher zu bestimmen. Die Risikobestimmung ergibt
sich dann aus der relativen Lage der individuell ermittelten Mikronukleusraten bezogen
auf eine Kontrollgruppe. Typischerweise lässt sich diese relative Lage der individuellen
Mikronukleusrate als relatives Risiko ("Odds Radio") ausdrucken, daneben gibt es eine
große Zahl weiterer statistischer Verfahren, um den gleichen Sachverhalt auszudrücken,
die im Grunde alle gleichermaßen hierfür geeignet sind.
[0075] Der Schwellenwert, ab dem das Risiko einer Brustkrebserkrankungangenommen wird, wird
z.B. wie nachstehend beschrieben, ermittelt: Mikronukleustests werden an Zellen von
gesunden und an Brustkrebs erkrankten Personen durchgeführt. Für jede der beiden Gruppen
wird die Verteilung der Werte erstellt und Perzentilen (der Prozentsatz von Probanden
unterhalb des jeweiligen Wertes) ermittelt, bevorzugt bei einer Mikronukleusrate,
unterhalb der 75 % der Mikronukleuaraten gesunder Kontrollpersonen liegen, wird der
Schwellenwert für ein erhöhtes Brustkrebsrisiko definiert. Liegt die Mikronukleusrate
einer Testperson somit über dem 75 %-Schwellenwert, so bedeutet dies ein erhöhtes
Risiko einer Erkrankung, welches als "Odds ratio" ausgedrückt werden kann. Der Schwellenwert
kann auch höher oder niedriger gewählt werden. Bei einem niedrigeren Schwellenwert
erhöht sich die Sensitivität (Prozentsatz der Erkrankten, die als krank erkannt werden)
während sich die Spezifität (Prozentsatz der nicht Erkrankten, für die kein Risiko
erkannt wird) erniedrigt. Bei Wahl eines höheren Schwellenwertes sinkt die Sensitivität
und steigt die Spezifität entsprechend.
Beschreibung der Abbildungen und Tabellen
[0077] Abbildung 1: Mikronukleustest an Lymphozyten des peripheren Blutes. Gezeigt sind
Beispiele von zweikernigen Lymphozyten ohne, mit einem oder zwei Mikronuklei. Die
Aufnahmen erfolgten lichtmikroskopisch nach Giemsa-Färbung.
[0078] Abbildung 2A: Mikronukleus-Grundrate, induzierte Mikronukleusrate und induzierte
Rate von binukleären Zellen, die zwei Mikronuklei enthalten in Brustkrebspatienten
(grau) und Kontrollen (weiß). Die Darstellung erfolgt als sogenannter box-plot, wobei
sich 50% der Werte innerhalb der box (des Kastens) befinden, 25% unterhalb und 25%
oberhalb. Der Querstrich im Kasten entspricht dem Median. 75% der gesunden Kontrollen
(weißer Kasten) liegen unterhalb der Obergrenze jeweils des weißen Kastens, womit
diese dem bevorzugt gewählten Schwellenwert entspricht.
[0079] Abbildung 2B: Zahl von Patienten und Kontrollpersonen in den unterschiedlichen Risikogruppen,
nach der Kombination der drei Endpunkte, die jeweils mit einem Gewicht von 1 zum Ergebnis
beitrugen (Die Gruppe mit dem niedrigsten Risiko ist 0, die mit dem höchsten Risiko
3).
[0080] Tabelle 1: Beschreibende Statistik verschiedener Untergruppen von Krebspatienten
und Kontrollen, die mit dem MNT in Lymphozyten des peripheren Blutes untersucht wurden.
Wir bestimmten drei verschiedene Parameter: Die Rate aller MN pro 1000 Zellen nach
Bestrahlung (1), die Rate pro 1000 Zellen der Zellen, die nach Bestrahlung 2 MN enthalten
(2) und die MN-Rate in 1000 unbehandelten Zellen (3). Die Mittelwerte für jeden Parameter
sind in Patienten mit sporadischem Brustkrebs höher im Vergleich zu Kontrollen. Die
Werte bei Patienten, die eine Behandlung erhalten haben, sind höher im Vergleich zu
den unbehandelten Patienten. Die Gesamtzahl und die Zahl der Patienten in den einzelnen
Gruppen stimmt aufgrund fehlender Information für einige Patienten nicht immer überein
(*).
[0081] Tabelle 2: Unterschiede zwischen den Mittelwerten und ihre Signifikanz für die Hauptgruppen.
Die Signifikanz wurde unter Verwendung der Normal-Verteilung (t-Test) berechnet. Die
Gruppe, die alle sporadischen Brustkrebspatienten umfasst, und auch die Untergruppe
der nicht-behandelten sporadischen Brustkrebspatienten unterscheidet sich signifikant
von den weiblichen Kontrollen in allen drei gemessenen Parametern. Es gibt einen signifikanten
Unterschied in der spontanen MN-Rate zwischen behandelten und unbehandelten Brustkrebspatienten,
der eine Induktion von MN durch Radiotherapie anzeigt.
[0082] Tabelle 3: "Odds ratios" für hohe und niedrige MN-Zählungen bei sporadischem Brustkrebspatienten
und weiblichen Kontrollen. Es gibt fast keinen Unterschied zwischen den "Odds ratios",
die für die Gruppen behandelter und unbehandelter Patienten erhalten werden. Es stellte
sich heraus, dass alle "Odds ratios" größer als 5 sind, was eine hohe Wahrscheinlichkeit
anzeigt, Krebspatienten mit jeder der drei bestimmten MN-Raten nachzuweisen. Ein Ergebnis,
das die Information, die aus den drei MN-Raten erhalten wurde, kombiniert, kann berechnet
werden und ergibt vier Gruppen. Probanden mit den niedrigsten MN-Raten wurden als
Ergebnis 0 gruppiert und Probanden mit den höchsten MN-Raten als Ergebnis 3 (siehe
Methoden). Ein Vergleich der Gruppen mit den niedrigsten und den höchsten Ergebnissen
zeigt ein "Odds ratio" von 60, was eine hohe Sicherheit für die Kontrollen und Patienten
anzeigt, aufgrund der MN-Zählung richtig gruppiert worden zu sein. Daher ist das kombinierte
Ergebnis eine gute Grundlage für die Gruppierung von Probanden in Risikogruppen für
die Entstehung von Brustkrebs.
Beispiele
Beispiel 1:
[0083] Wie für Lymphozytenkulturen üblich wird in ein heparinisiertes Röhrchen (z. B. Monovette
4,5 ml LH der Firma Sarstedt mit Lithium Heparin) Blut entnommen und bis zum Kulturansatz
(maximal vier Tage) bei Zimmertemperatur aufbewahrt. Zum Ansatz der Lymphozytenkultur
werden 0,3 ml des Blutes mit 3 ml Chromosomenmedium 1A (Gibco-BRL) und zwei Prozent
PHA-M (Gibco BRL) zugesetzt Unmittelbar danach (innerhalb von 30 Minuten) wird die
Kultur mit Gammastrahlen einer Cs-137-Strahlenquelle bestrahlt und zwar mit einer
Gesamtdosis von 2 Gy. Anschließend wird die Kultur bei 37 Grad kultiviert. 44 Stunden
nach der PHA-Stimulation wird Cytochalasin B (Sigma) hinzugegeben, so dass in der
Kultur eine Endkonzentration von 6 µg/ml erreicht wird. Am darauffolgenden Tag wird
die Kultur durch Zentrifugation der Kulturen beendet, die Zellen in hypotoner Lösung
(0,56 % KCl) resuspendiert und nach nochmaliger Zentrifugation mit einer Fixierlösung
bestehend aus Methanol/Eisessig (5:1) und einem gleichen Anteil 0,9 % NaCl fixiert.
Die Fixierlösung wird anschließend zweimal gewechselt, wobei hier als Fixierlösung
nur noch Methanol/Eisessig (5: 1) verwendet wird. In dieser Form kann die Zellsuspension
längere Zeit (Wochen bis Monate) bis zur Herstellung von Präparaten aufbewahrt werden.
[0084] Durch Auftropfen auf Objektträger und Lufttrocknung werden aus der fixierten Zellsuspension
Präparate für die Mikroskopie hergestellt. Diese Präparate werden mit 5 % (Variationsbreite
3 %-10 %) gepufferter Giemsalösung gefärbt Mit dem Mikroskop werden im Durchlicht
zweikernige Zellen (Abb. 1a) aufgesucht und gezählt. Finden sich in diesen Zellen
neben den beiden Zellkernen auch einer (Abb. 1b) oder mehrere (Abb. 1c) Mikronuklei
deutlich von den Zellkernen separiert, so werden diese ebenfalls gezählt. Das Ergebnis
lässt sich somit als Mikronukleusrate, also als die Anzahl. Mikronuklei bezogen auf
1000 zweikernige Zellen ausdrücken.
Rechenbeispiel 1:
[0085] Es wurden drei Präparate ausgewertet, auf denen sich insgesamt 539 zweikernige Zellen
gefunden haben. In diesen 539 zweikernigen Zellen wurden insgesamt 187 Mikronuklei
gezählt. Hieraus ergibt sich eine Mikronukleusrate N=(1000/539)* 187=347.
[0086] Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, für die die Mikronukleusraten in gleicher Weise
bestimmt worden waren, ergibt sich, dass die bestimmte individuelle Mikronukleusrate
innerhalb der obersten 10 % der Kontrollgruppe liegt. Aus einem Vergleich der Mikronukleusraten
in der Kontrollgruppe mit einer Gruppe von Probandinnen mit Brustkrebs ist bekannt,
dass das Brustkrebsrisiko bei einer Mikronukleusrate innerhalb der obersten 10 % der
Kontrollgruppe 8-mal höher ist (Odds Ratio = 8), als für Individuen mit Mikronukleusraten
innerhalb der unteren 75% der Kontrollen.
Beispiel 2:
[0087] Wie für Lymphozytenkulturen üblich wird in ein heparinisiertes Röhrchen (z. B. Monovette
4,5 ml LH der Firma Sarstedt mit Lithium Heparin) Blut entnommen und bis zum Kulturansatz
(maximal vier Tage) bei Zimmertemperatur aufbewahrt. Zum Ansatz der Lymphozytenkultur
werden 0,3 ml des Blutes mit 3 ml Chromosomenmedium 1A (Gibco-BRL) und zwei Prozent
PHA-M (Gibco BRL) zugesetzt. Anschließend wird die Kultur bei 37°C kultiviert. 44
Stunden nach PHA-Stimulation wird Cytochalasin B (Sigma) hinzugegeben, so dass in
der Kultur eine Endkonzentration von 6 µg/ml erreicht wird. Am darauffolgenden Tag
wird die Kultur durch Zentrifugation der Kulturen beendet, die Zellen in hypotoner
Lösung (0,56 % KCl) resuspendiert und nach nochmaliger Zentrifugation mit einer Fixierlösung
bestehend aus Methanol/Eisessig (5:1) und einem gleichen Anteil 0,9 %ige NaCl fixiert.
Die Fixierlösung wird anschließend zweimal gewechselt, wobei hier als Fixierlösung
nur noch Methanol/Eisessig (5:1) verwendet wird. In dieser Form kann die Zellsuspension
längere Zeit (Wochen bis Monate) bis zur Herstellung von Präparaten aufbewahrt werden.
[0088] Durch Auftropfen auf Objektträger und Lufttrocknung werden aus der fixierten Zellsuspension
Präparate für die Mikroskopie hergestellt. Diese Präparate werden mit 0,1 % Acridinorange
Lösung gefärbt, in zwei Küvetten mit Wasser durch kurzes Eintauchen und Schwenken
differenziert und mit Wasser eingedeckt. Mit dem Fluoreszenz-Mikroskop werden bei
einer Anregung von 490 nm zweikernige Zellen (Abb. 1a) aufgesucht und gezählt. Finden
sich in diesen Zellen neben den beiden Zellkernen auch einer (Abb. 1b) oder mehrere
(Abb. 1c) Mikronuklei deutlich von den Zellkernen separiert, so werden diese ebenfalls
gezählt. Das Ergebnis lässt sich somit als Mikronukleusrate, also als Anzahl Mikronuklei
bezogen auf 1000 zweikernige Zellen ausdrücken, wobei es sich in diesem Beispiel ohne
Mutagen-Behandlung um die sogenannte Spontanrate handelt.
Rechenbeispiel 2:
[0089] Es wurden zwei Präparate ausgewertet, auf denen sich insgesamt 641 binukleäre Zellen
gefunden haben. In diesen 641 zweikernige Zellen wurden insgesamt 35 Mikronuklei gezählt.
Hieraus ergibt sich eine Mikronukleusrate N=(1000/641)* 35 = 55.
[0090] Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, für die die Mikronukleusraten in gleicher Weise
bestimmt worden waren ergibt sich, dass die bestimmte individuelle Mikronukleusrate
innerhalb der obersten 10 % (oberhalb des Schwellenwertes) der Kontrollgruppe liegt.
Aus einem Vergleich der Mikronukleusraten in der Kontrollgruppe mit einer Gruppe von
Testpersonen mit Brustkrebs ist bekannt, dass das Brustkrebsrisiko bei einer Mikronukleusrate
innerhalb der obersten 10 % der Kontrollgruppe 11-mal höher ist (Odds Ratio = 11),
als für Patientinnen mit Mikronukleusraten innerhalb der unteren 75% der Kontrollen.
Beispiel 3:
[0091] Wie für Lymphozytenkulturen üblich wird in ein heparinisiertes Röhrchen (z. B. Monovette
4,5 ml LH der Firma Sarstedt mit Lithium Heparin) Blut entnommen und bis zum Kulturansatz
(maximal vier Tage) bei Zimmertemperatur aufbewahrt. Zum Ansatz der Lymphozytenkultur
werden 0,3 ml des Blutes mit 3 ml Chromosomenmedium 1A (Gibco-BRL) angesetzt und zwei
Prozent PHA-M (Gibco BRL) zugesetzt. Unmittelbar danach (innerhalb von 30 Minuten)
wird die Kultur mit Gammastrahlen einer Cs-137-Strahlenquelle bestrahlt und zwar mit
einer Gesamtdosis von 2 Gy. Anschließend wird die Kultur bei 37 Grad kultiviert. 44
Stunden nach PHA-Stimulation wird Cytochalasin B (Sigma) hinzugegeben, so dass in
der Kultur eine Endkonzentration von 6 µg/ml erreicht wird. Am darauffolgenden Tag
wird die Kultur durch Zentrifugation der Kulturen beendet, die Zellen in hypotoner
Lösung (0,56 % KCl) resuspendiert und nach nochmaliger Zentrifugation mit einer Fixierlösung
bestehend aus Methanol/Eisessig (5:1) und einem gleichen Anteil 0,9 % NaCl fixiert.
Die Fixierlösung wird anschließend zweimal gewechselt, wobei hier als Fixierlösung
nur noch Methanol/Eisessig (5:1) verwendet wird. In dieser Form kann die Zellsuspension
längere Zeit (Wochen bis Monate) bis zur Herstellung von Präparaten aufbewahrt werden.
[0092] Durch Auftropfen auf Objektträger und Lufttrocknung werden aus der fixierten Zellsuspension
Präparate für die Mikroskopie hergestellt. Diese Präparate werden mit 1 µg/ml DAPI
Lösung in 4x SSC für 15 Minuten gefärbt. Die Eindeckung erfolgt mit 40 µl Vektashield
(Fa. Vector Laboratories, Burlingame, CA) und einem Deckglas. Die Präparate werden
im Fluoreszenzmikroskop der Fa. Zeiss, Deutschland, (Fluoreszenzanregung bei 413 nm)
mit dem Analysesystem Metafer4 der Fa. Metasystems, Altlussheim, Deutschland, (ausgerüstet
mit dem "Mikronukleus-Modul") auf zweikernige Zellen automatisch abgesucht und die
Anzahl binukleärer Zellen, die Anzahl von binukleären Zellen mit 1, 2, usw. Mikronuklei
erfasst. Das Ergebnis lässt sich auch als Anzahl binukleäre Zellen mit zwei Mikronuklei
bezogen auf 1000 zweikernige Zellen ausdrücke.
Rechenbeispiel 3 :
[0093] Es wurden vier Präparate ausgewertet, auf denen das Programm insgesamt 1329 binukleäre
Zellen erkannt hat. Von diesen 1329 zweikernigen Zellen enthielten 78 je zwei Mikronuklei.
Hieraus ergibt sich eine Rate von N=(1000/1329)* 78=59.
[0094] Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, für die die Rate von zwei Mikronuklei in gleicher
Weise bestimmt worden war, ergibt sich, dass die beobachtete individuelle Rate von
zwei Mikronuklei innerhalb der obersten 10 % der Kontrollgruppe liegt. Aus einem Vergleich
der Rate von zwei Mikronuklei in der Kontrollgruppe mit einer Gruppe von Testpersonen
mit Brustkrebs ist bekannt, dass das Brustkrebsrisiko bei dieser Rate von zwei Mikronuklei
innerhalb der obersten 10 % der Kontrollgruppe 7-mal höher ist (Odds Ratio = 7), als
für Individuen mit einer Rate von zwei Mikronuklei in den unteren 75% der Kontrollen.
Für die drei Beispiele gemeinsam:
[0095] Handelt es sich bei den drei Beispielen um die gleiche Testperson, so lassen sich
die drei Ergebnisse der Messungen zusammenfassen:
Die Testperson läge für alle drei Messungen im Bereich eines als "hoch" zu bewertenden
Risikos. Bezeichnet man dies mit "h, h, h" so ergibt sich gegenüber einer Testperson
mit "n, n, n" ein 60 fach höheres Risiko an Brustkrebs zu erkranken.
Beispiel 4:
[0096] Für verschiedene Untergruppen von Brustkrebspatientinnen und Kontrollen wurde ein
Mikronukleustest wie in Beispiel 1 zur Bestimmung der induzierten Mikronukleusrate
und der Rate des Auftretens von 2 Mikronuklei in binukleären Zellen durchgeführt.
[0097] Die Gruppe der Brustkrebspatientinnen umfasste insgesamt 85 Probandinnen, 33 davon
erhielten eine Krebstherapie, 47 nicht. In den Kontrollgruppen wurden 96 Frauen und
59 Männer untersucht.
[0098] Die Ergebnisse der Untersuchungen aus Beispiel 4 sind in den Tabellen 1 und 2 zusammengefasst.
Hierin sind die einzelnen Mikronukleusraten der verschiedenen untersuchten Gruppen
dargestellt. Das aus diesen Messergebnissen resultierende Brustkrebsrisiko ist in
Tabelle 3 dargestellt.
[0099] Ebenso zeigt Tabelle 3, dass durch die Kombination der individuellen Mikronukleusraten
die Risikoabschätzung deutlich verbessert werden kann. Die Mikronukleusraten wurden
bezüglich eines hohen ("h") oder niedrigen ("n") Risikos unter Verwendung des 75 %-Schwellenwertes
kodiert. Einem hohen Risiko wurde der Wert 1 zugewiesen, einem niedrigen Risiko der
Wert 0. Die Addition der Werte ergab ein kombiniertes Ergebnis, das in eine der vier
Risikogruppen 0, 1, 2 oder 3 eingestuft werden kann.
Beispiel 5:
[0100] Für verschiedene Untergruppen von Testpersonen mit Brustkrebs und Kontrollen wurde
ein Mikronukleustest wie in Beispiel 2 zur Bestimmung der Spontanrate für das Auftreten
von Mikronuklei durchgeführt.
[0101] Die Gruppe der Brustkrebspatientinnen umfasste insgesamt 84 Probandinnen, 32 davon
erhielten eine Krebstherapie, 46 nicht. In der Kontrollgruppe wurden 95 Frauen untersucht.
[0102] Die erhaltenen Mikronukleusraten der untersuchten Gruppen (Tabellen 1 und 2) wurden
für die Ermittlung des Brustkrebsrisikos (Tabelle 3) herangezogen.
Tabelle 1
| |
|
Mittel ± Standardabweichung |
|
| Gruppe |
Zahl der Probanden * |
induzierte MN (1) |
Zellen mit 2 induzierten MN (2) |
spontane MN (3) |
Durchschnittsalter [Bereich] (Jahre) |
| Frauen |
|
|
|
|
|
| Kontrollen |
96 |
175,4±3,9 |
32,6±1,5 |
26,8±2,2 |
43,3 [20-90] |
| BRCA1 Mutationsträger |
6 |
203,8±14,2 |
41,4±5,6 |
27,2±7,5 |
44,8 [32-56] |
| |
|
|
|
|
|
| Brustkrebs gesamt |
85 |
210,2±5,3 |
44,5±1,8 |
48,2±3,0 |
57,3 [35-80] |
| Brustkrebs ohne Therapie |
47 |
207,0±6,5 |
44,1±2,1 |
43,1±3,6 |
59,3 [37-80] |
| Brustkrebs mit Therapie |
33 |
216,1±9,7 |
46,3±3,2 |
58,9±5,1 |
55,5 [40-74] |
Tabelle 2
| Gruppen |
Zahl der Probanden |
Mittel ± Standardabweichung |
Differenz der Mittel |
P-Wert |
| |
|
induzierte MN-Rate |
|
|
| Brustkrebs gesamt/ weibliche Kontrollen |
85/96 |
210,2±5,3/ 175,4±3,9 |
34,8 |
< 0,0001 |
| Brustkrebs ohne Therapie/ weibliche Kontrollen |
47/ 96 |
207,0±6,5/ 175.4±3,9 |
31,5 |
< 0,0001 |
| Brustkrebs mit/ ohne Therapie |
33/47 |
216,1±9,7/ 207,0±6,5 |
9,1 |
0,42 |
| |
|
|
|
|
| |
|
Rate der Zellen mit 2 MN |
|
|
| Brustkrebs gesamt/ weibliche Kontrollen |
84/ 96 |
44,5±1,8/ 32,6±1,5 |
11,9 |
< 0,0001 |
| Brustkrebs ohne Therapie/ weibliche Kontrollen |
47/96 |
44,1±2,1/ 32,6±,1,5 |
11,5 |
< 0,0001 |
| Brustkrebs mit/ ohne Therapie |
32/ 47 |
46,3±3,2/ 44,1±2,1 |
2,2 |
0,56 |
| |
|
|
|
|
| |
|
spontane MN-Rate |
|
|
| Brustkrebs gesamt/ weibliche Kontrollen |
84/ 95 |
48,2±3,0/ 26,8±22 |
21,5 |
< 0,0001 |
| Brustkrebs ohne Therapie/ weibliche Kontrollen |
46/ 95 |
43,1±3,6/ 26,8±2,2 |
16,3 |
<0,0001 |
| Brustkrebs mit/ ohne Therapie |
32/ 46 |
58,9±5,1/ 43,1±3,6 |
15,8 |
0,01 |
Tabelle 3
| Art der Messung |
Zahl |
"Odds ratio" |
95% Vertrauensintervall |
P-Wert |
| induzierte MN-Rate |
|
|
|
|
| Brustkrebs gesamt/ Kontrollen |
85/ 96 |
4,9 |
2,5-9,3 |
< 0,0001 |
| Brustkrebs unbehandelt/ Kontrollen |
47/ 96 |
5,3 |
2,5-11,2 |
< 0,0001 |
| |
|
|
|
|
| Rate der Zellen mit 2 MN |
|
|
|
|
| Brustkrebs gesamt/ Kontrollen |
84/ 96 |
7,5 |
3,2-17,4 |
< 0,0001 |
| Brustkrebs unbehandelt/ Kontrollen |
47/ 96 |
8,1 |
3,2-20,6 |
< 0,0001 |
| |
|
|
|
|
| spontane MN-Rate |
|
|
|
|
| Brustkrebs gesamt/ Kontrollen |
84/ 95 |
10,3 |
4,3-24,7 |
< 0,0001 |
| Brustkrebs unbehandelt/ Kontrollen |
46/ 95 |
7,7 |
2,8-21,2 |
< 0,0001 |
| |
|
|
|
|
| kombiniertes Ergebnis |
|
|
|
|
| Brustkrebs unbehandelt/ Kontrollen |
|
|
|
|
| Ergebnis 0 |
42 |
|
|
|
| Ergebnis 1 |
51 |
10,0 |
2,2-46,4 |
0,003 |
| Ergebnis 2 |
21 |
15,0 |
2,8-79,1 |
0,001 |
| Ergebnis 3 |
24 |
60,0 |
11,0-326,6 |
< 0,0001 |
1. Verfahren zur Bestimmung des Brustkrebsrisikos, folgende Schritte umfassend :
(1) Anlage einer Lymphozyten-Zellkultur aus Heparin-behandeltem peripheren Blut,
(2) mitogene Stimulation der Zellkultur sofort bis innerhalb von 6 Stunden nach Anlegen
der Kultur,
(3) Zugabe eines Zytokinese-Inhibitors nach 40 bis 50 Stunden nach Anlegen der Kultur,
(4) Abbruch der Kultur nach 12 bis 24 Stunden nach Zugabe des Zytokinese-Inhibitors
durch Zentrifugation und nachfolgender hypotoner Behandlung und Herstellung einer
fixierten Zellsuspension,
(5) Herstellung eines zytologische Präparats,
(6) Bestimmung der Mikronukleusrate in binukleären Zellen und
(7) Risikoermittlung für das Auftreten von Brustkrebs, wobei die Risikoermittlung
durch den Vergleich der Spontanrate des Auftretens von Mikronuklei in binukleären
Zellen der Probandin mit der Spontanrate des Auftretens von Mikronuklei in Kontrollgruppen
erfolgt.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Lymphozyten bei 37 °C in Chromosommedium 1A
kultiviert werden.
3. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die mitogene Stimulation durch ein Mitogen ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Phytohämagglutinin, Lipopolysaccharid(LPS), Concanavalin
A (ConA) oder Pokeweed-Mitogen (PWM) erfolgt.
4. Verfahren gemäß Anspruch 3, wobei das Phytohämagglutinin Phytohämagglutinin M (PHA-M)
oder Leukoagglutinin (PHA-L) ist.
5. Verfahren gemäß Anspruch 3, wobei die mitogene Stimulation mit 2 % Phytohämagglutinin
M erfolgt.
6. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Zugabe des Zytokinese-Inhibitors nach 44 Stunden
und der Abbruch der Kultur nach 24 Stunden nach Zugabe des Zytokinese-Inhibitors erfolgt.
7. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei der Zytokinese-Inhibitor ein Cytochalasin ist.
8. Verfahren gemäß Anspruch 7, wobei das Cytochalasin Cytochalasin B ist.
9. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Herstellung des zytologischen Präparats durch
Auftropfen der fixierten Zellsuspension auf einen Objektträger mit anschließender
Lufttrocknung erfolgt.
10. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei das zytologische Präparat vor der Bestimmung der
Mikronukleusrate in binukleären Zellen mit einem Farbstoff behandelt wird.
11. Verfahren gemäß Anspruch 10, wobei der Farbstoff aus der Gruppe bestehend aus Giemsa,
Acridinorange, 4', 6'-Diamino-2-phenylindol (DAPI) oder Hoechst 33258 ausgewählt wird.
12. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Bestimmung der Mikronukleusrate in binukleären
Zellen durch manuelles Auszählen erfolgt.
13. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Bestimmung der Mikronukleusrate in binukleären
Zellen automatisch mittels Bildanalyse am Mikroskop erfolgt.
14. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Bestimmung der Mikronukleusrate in binukleären
Zellen automatisch mittels Durchllusszytometrie erfolgt.
15. Verfahren gemäß der Ansprüche 1, 13 und 14, wobei die Risikoermittlung durch die Kombination
der induzierten Mikronukleusrate in binukleären Zellen, der Spontanrate von Mikronuklei
in binukleären Zellen und der Rate des Auftretens von zwei oder mehr Mikronuklei in
binukleären Zellen der Probandin erfolgt.
1. A method for determining the risk of breast cancer, comprising the following steps:
(1) establishing a culture of lymphocyte cells from peripheral blood treated with
heparin,
(2) mitogenic stimulation of the cell culture at a time from immediately to 6 hours
after establishing the culture,
(3) addition of a cytokinesis inhibitor at 40 to 50 hours after establishing the culture,
(4) termination of the culture by centrifugation and subsequent hypotonic treatment
at 12 to 24 hours after addition of said cytokinesis inhibitor and preparation of
a fixed cell suspension,
(5) making of a cytological preparation,
(6) determination of the micronucleus rate in binuclear cells, and
(7) determination of the risk for the occurrence of breast cancer, wherein the risk
determination is carried out by comparing the rate of spontaneous occurrence of micronuclei
in binuclear cells of the subject with the rate of spontaneous occurrence of micronuclei
in control groups.
2. The method according to claim 1, wherein the lymphocytes are cultivated in chromosome
medium 1A at 37°C.
3. The method according to claim 1, wherein the mitogenic stimulation is effected by
a mitogen selected from the group consisting of phytohaemagglutinin, lipopolysaccharide
(LPS), concanavalin A (ConA), or pokeweed mitogen (PWM).
4. The method according to claim 3, wherein the phytohaemagglutinin is phytohaemagglutinin
M (PHA-M) or leukoagglutinin (PHA-L).
5. The method according to claim 3, wherein the mitogenic stimulation is effected by
2% phytohaemagglutinin M.
6. The method according to claim 1, wherein the addition of the cytokinesis inhibitor
takes place after 44 hours and the termination of the culture takes place 24 hours
after addition of the cytokinesis inhibitor.
7. The method according to claim 1, wherein the cytokinesis inhibitor is a cytochalasin.
8. The method according to claim 7, wherein the cytochalasin is cytochalasin B.
9. The method according to claim 1, wherein the making of said cytological preparation
occurs by dripping said fixed cell suspension onto a slide and subsequent air-drying.
10. The method according to claim 1, wherein said cytological preparation is treated with
a dye prior to determining the micronucleus rate in binuclear cells.
11. The method according to claim 10, wherein the dye is selected from the group consisting
of Giemsa, acridine orange, 4',6'-diamino-2-phenylindole (DAPI), and Hoechst 33258.
12. The method according to claim 1, wherein the determination of the micronucleus rate
in binuclear cells is carried out by manual counting.
13. The method according to claim 1, wherein the determination of the micronucleus rate
in binuclear cells is carried out automatically by image analysis at a microscope.
14. The method according to claim 1, wherein the determination of the micronucleus rate
in binuclear cells is carried out automatically by flow cytometry.
15. The method according to claims 1, 13, or 14, wherein the determination of the risk
is carried out by the combination of the induced micronucleus rate in binuclear cells,
the spontaneous rate of micronuclei in binuclear cells and the rate of the occurrence
of two or more micronuclei in binuclear cells of the subject.
1. Procédé pour la détermination du risque de cancer du sein, comportant les étapes suivantes:
(1) mise en place d'une culture de cellules de lymphocytes à partir de sang périphérique
traité à l'héparine,
(2) stimulation mitogène de la culture de cellules aussitôt et jusqu'à 6 heures après
la mise en place de la culture,
(3) addition d'un inhibiteur de cytokinèse après 40 à 50 heures après la mise en place
de la culture,
(4) arrêt de la culture après 12 à 24 heures après l'addition de l'inhibiteur de cytokinèse
par centrifugation et traitement hypotonique subséquent et préparation d'une suspension
de cellules fixées,
(5) élaboration d'une préparation cytologique,
(6) détermination du taux de micronucleus dans des cellules à deux noyaux et
(7) détermination du risque d'apparition de cancer du sein, tandis que la détermination
du risque est effectuée par comparaison du taux spontané d'apparition de micronuclei
dans les cellules à deux noyaux de la personne en test avec le taux spontané de l'apparition
de micronuclei dans des groupes témoins.
2. Procédé selon la revendication 1, dans lequel les lymphocytes sont cultivés à 37°C
dans un milieu chromosomique 1A.
3. Procédé selon la revendication 1, dans lequel la stimulation mitogène est effectuée
au moyen d'un mitogène choisi dans le groupe consistant en phytohémaglutinine, lipopolysaccharide
(LPS), concanavaline A (ConA) ou mitogène pokeweed (PWM).
4. Procédé selon la revendication 3, dans lequel la phytohémaglutinine est la phytohémagglutinine
M (PHA-M) ou la leucoagglutinine (PHA-L).
5. Procédé selon la revendication 3, dans lequel la stimulation mitogène est effectuée
avec 2% de phytohémagglutinine M.
6. Procédé selon la revendication 1, dans lequel l'addition de l'inhibiteur de cytokinèse
s'effectue après 44 heures et l'arrêt de la culture après 24 heures après l'addition
de l'inhibiteur de cytokinèse.
7. Procédé selon la revendication 1, dans lequel l'inhibiteur de cytokinèse est une cytochalasine.
8. Procédé selon la revendication 7, dans lequel la cytochalasine est la cytochalasine
B.
9. Procédé selon la revendication 1, dans lequel l'élaboration de la préparation cytologique
est effectuée par versage goutte à goutte de la suspension de cellules fixées sur
un porte-objet avec séchage subséquent de l'air.
10. Procédé selon la revendication 1, dans lequel la préparation cytologique est traitée
avec un colorant avant la détermination du taux de micronucléus dans les cellules
à deux noyaux.
11. Procédé selon la revendication 10, dans lequel le colorant est choisi dans le groupe
consistant en Giemsa, orange d'acridine, 4',6'-diamino-2-phénylindole (DAPI) ou Hoechst
33258.
12. Procédé selon la revendication 1, dans lequel la détermination du taux de micronucleus
dans les cellules à deux noyaux est effectuée par comptage manuel.
13. Procédé selon la revendication 1, dans lequel la détermination du taux de micronucleus
dans les cellules à deux noyaux est effectuée automatiquement au moyen d'une analyse
d'image sur le microscope.
14. Procédé selon la revendication 1, dans lequel la détermination du taux de micronucleus
dans les cellules à deux noyaux est effectuée automatiquement au moyen d'une cytométrie
en flux.
15. Procédé selon les revendications 1, 13 et 14, dans lequel la détermination du risque
s'effectue par la combinaison du taux de micronucléus induit dans les cellules à deux
noyaux, du taux spontané de micronuclei dans les cellules à deux noyaux et du taux
d'apparition de deux ou plus de deux micronucléi dans les cellules à deux noyaux de
la personne en test.