[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Uriniervorrichtung zur gegebenenfalls nachträglichen
Anbringung an einer eine Toilettenbrille und/oder einen Toilettendeckel aufweisenden
Toilettenschüssel gemäß dem Oberbegriff des Anspruches 1.
[0002] Es ist hinlänglich bekannt, dass Männer am Liebsten im Stehen urinieren, was leider
zur Folge hat, dass mitunter die dabei benutzten Sitztoiletten über gebühr verschmutzt
werden.
[0003] Aus der DE 100 29 910 A1, der US 5,564,135, der DE 100 48 667 A1 und der US 4,348,776
sind Uriniervorrichtungen bekannt, die nachträglich an der Toilette anbringbar sind,
und bei denen mit Anheben der Toilettenbrille ein Uriniereinsatz herausgefahren wird.
[0004] Der Uriniereinsatz gemäß der DE 100 29 910 A1 setzt sich aus einer Anzahl teleskopartig
ineinander verschachtelter ovalzylindrischer Einsätze zusammen, wobei der oberste
Einsatz an einem umklappbaren Hebelarm gehalten ist. Dieser Hebelarm wiederum wird
an zwei nach außen abstehenden Auskragungen der Toilettenbrille angeschraubt, so dass
der Hebelarm rechts und links neben der eigentlichen Toilettenschüssel angeordnet
ist, wenn die Toilettenbrille geschlossen ist. Dabei ist es problematisch, den Uriniereinsatz
gemäß der DE 100 29 910 A1 sauber zu halten, weil die teleskopartig ineinanderverschachtelten
Einsätze schwer zugänglich sind. Darüber hinaus ist die Hebeanlage gemäß DE 100 29
910 A1 aufwendig in der Herstellung und Montage, weil zur Befestigung des Schwenkarmes
eine spezielle Toilettenbrille erforderlich ist, die die notwendigen Auskragungen
nach rechts und links aufweist.
[0005] Der Uriniereinsatz gemäß der US 5,564,135 ist ähnlich einem Faltenbalg ausgebildet
und kann zierharmonikaähnlich zusammengefaltet werden. Dabei ist der obere Rand dieses
Uriniereinsatzes an einer aus mehreren beweglichen Hebelarmen zusammengesetzten Hebeanlage
angebracht, welche sich wiederum einerseits auf der Toilettenschüssel abstützt und
welche andererseits an der Toilettenbrille angeschraubt ist. Die oben genannten Nachteile
gelten hier in analoger Weise, denn auch hier ist der Uriniereinsatz nur schwer sauber
zu halten, weil sich der Uriniereinsatz faltenartig zusammenlegt und in den jeweiligen
Falten schwer zugänglich ist.
[0006] Des Weiteren ist die Hebeanlage gemäß der US 5,564,135 sehr aufwendig in der Herstellung
und sehr anfällig gegen Beschädigungen, so dass ein zuverlässiger Betrieb dieser Uriniervorrichtung
nicht dauerhaft gewährleistet werden kann.
[0007] Aus der DE 100 46 667 A1 ist ein Uriniereinsatz bekannt, der eine starre Hebeanlage
und einen aus textilem Material gefertigten Uriniereinsatz aufweist. Dabei wird der
Uriniereinsatz zwischen der Toilettenbrille und dem Toilettendeckel angeordnet und
kann bei Bedarf vollständig nach oben weggeklappt werden. Dabei faltet sich der Uriniereinsatz
auf engstem Raum zusammen und wird an dem Toilettendeckel angeordnet. Das zuvor gesagte
gilt hier in analoger Weise, denn auch dieser textile Uriniereinsatz ist schwer sauber
zu halten und das hier erforderliche Gestänge ist sehr aufwendig in der Herstellung
und anfällig gegen Beschädigungen.
[0008] Aus der US 4,348,776 ist ein Uriniereinsatz bekannt, der sich ebenfalls teleskopartig
auseinanderziehen lässt. Allerdings ist dieser Einsatz nach vorne hin offen. Auch
dieser Uriniereinsatz gemäß US 4,348,776 ist schwer zu reinigen und aufwendig in der
Herstellung und Montage.
[0009] Davon ausgehend liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zu Grunde, eine Uriniervorrichtung
zu schaffen, die leicht zu reinigen ist und die ohne großen Aufwand hergestellt und
montiert werden kann.
[0010] Als technische Lösung dieser Aufgabe wird erfindungsgemäß eine Uriniervorrichtung
gemäß den Merkmalen des Anspruches 1 vorgeschlagen. Vorteilhafte Weiterbildungen dieser
Vorrichtung sind den Unteransprüchen zu entnehmen.
[0011] Eine nach dieser technischen Lehre ausgebildete Uriniervorrichtung hat den Vorteil,
dass der Uriniereinsatz in einfacher Weise in vorhandene Toilettenschüsseln einsetzbar
ist, so dass die in den Haushalten vorhandenen Toiletten in einfacher Weise nachgerüstet
werden können.
[0012] Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der aus einem Stück hergestellte Uriniereinsatz
keinerlei unzugängliche Flächen aufweist und somit einfach gereinigt werden kann.
In der Regel wird die Außenseite des Uriniereinsatzes beim regulären Spülen der Toilette
gereinigt und die Innenseite des Uriniereinsatzes ist in einfacher Weise zum Beispiel
mit einer Toilettenbürste erreichbar, so dass auch hier die Reinigung in einfacher
Weise erfolgen kann.
[0013] Noch ein weiterer Vorteil besteht darin, dass dieser aus einem einzigen, zylindrischen
oder ovalzylindrischen Korpus bestehende Uriniereinsatz kostengünstig hergestellt
und in einfacher Weise montiert werden kann.
[0014] Dabei hat es sich als vorteilhaft erwiesen, den Uriniereinsatz aus einem formstabilen
Material, insbesondere aus Hartkunststoff, herzustellen, da der Uriniereinsatz hierdurch
eine eigene Steifigkeit aufweist und somit die von der Hebeanlage angreifenden Kräfte
selbstständig aufnehmen kann, ohne dass hierfür weitere Bauteile notwendig sind.
[0015] Des Weiteren hat es sich als vorteilhaft erwiesen, den Uriniereinsatz in seinem angehobenen
Zustand um einen Winkel zwischen 15° und 50°, vorzugsweise 30° zu neigen. Dies kommt
dem natürlichen Uriniervorgang entgegen.
[0016] In einer bevorzugten Ausführungsform ist am Uriniereinsatz ein umlaufender Kragen
angesetzt, mit dem der Uriniereinsatz in der Toilettenschüssel gehalten wird.
[0017] In einer weiteren, bevorzugten Ausführungsform umfasst die Hebeanlage einen gekröpften
Umlenkhebel, der einerseits mit dem Uriniereinsatz und andererseits mit der Toilettenbrille
beziehungsweise dem Toilettendeckel verbunden ist, so dass der Uriniereinsatz beim
Öffnen des Toilettendeckels beziehungsweise der Toilettenbrille angehoben wird. Dabei
hat es sich als vorteilhaft erwiesen, dass der gekröpfte Umlenkhebel an der Rückseite
der Toilette unter den Toilettendeckel beziehungsweise unter die Toilettenbrille greift
und somit beim Bewegen der Toilettenbrille beziehungsweise des Toilettendeckels mit
bewegt wird. Dabei stützt sich der Umlenkhebel auf der Toilettenschüssel ab, so dass
die hier entstehende Hebelwirkung zum Anheben des Uriniereinsatzes genutzt werden
kann. Hierdurch ist es möglich, die erfindungsgemäße Uriniervorrichtung an bestehende
Toiletten anzubringen, ohne dass hierzu Löcher gebohrt werden müssen oder andere irreversible
Veränderungen vorgenommen werden brauchen. Gleichzeitig umfasst die Uriniervorrichtung
nur wenig bewegliche Teile, so dass deren Herstellung und Montage in kostengünstiger
Weise erfolgen kann.
[0018] In einer besonders bevorzugten Weiterbildung umfasst die Hebeanlage eine Anschlagstelle,
die an der Toilettenbrille angebracht und an der der Umlenkhebel zur Anlage kommt.
Hierdurch wird erreicht, dass der Umlenkhebel stets in seiner definierten Position
gehalten wird, wobei ein Verrutschen des Umlenkhebels während der Betätigung der Toilettenbrille
vermieden wird. Hierdurch wird die Funktionssicherheit der Hebeanlage deutlich verbessert,
ohne hierdurch die Kosten für die Herstellung und Montage der Hebeanlage über gebühr
zu erhöhen.
[0019] Weitere Vorteile der erfindungsgemäßen Uriniervorrichtung ergeben sich aus der beigefügten
Zeichnung und den nachstehend beschriebenen Ausführungsformen. Ebenso können die vorstehend
genannten und die noch weiter ausgeführten Merkmale erfindungsgemäß jeweils einzeln
oder in beliebigen Kombinationen miteinander verwendet werden. Die erwähnten Ausführungsformen
sind nicht als abschließende Aufzählung zu verstehen, sondern haben vielmehr beispielhaften
Charakter. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Seitenansicht einer handelsüblichen Sitztoilette mit einem erfindungsgemäßen
Uriniereinsatz in explosionsartiger Darstellung;
- Fig. 2
- die Toilette gemäß Fig. 1 in Benutzerposition;
- Fig. 3
- die Toilette gemäß Fig. 1 in geschlossener Position;
- Fig. 4
- eine Draufsicht auf die Toilette gemäß Fig. 1;
- Fig. 5
- eine Detailansicht der Toilette gemäß Fig. 1.
[0020] In den Figuren 1 bis 5 ist eine handelsübliche Sitztoilette dargestellt, die mit
einer erfindungsgemäßen Uriniervorrichtung nachgerüstet wurde. Diese Uriniervorrichtung
umfasst einen Uriniereinsatz 10, eine Hebeanlage 12 zum Herausheben des Uriniereinsatzes
aus einer Toilettenschüssel 14 sowie Wasserauslassdüsen 16 zum Spülen des Uriniereinsatzes
10. Der aus einem Hartkunststoff hergestellte Uriniereinsatz 10 besitzt an seiner
Oberseite einen umlaufenden Kragen 18, der einstückig mit dem Uriniereinsatz 10 verbunden
sein kann. In der hier dargestellten Ausführungsform ist der Kragen 18 als eigenständiges
Bauteil gehalten, der den Uriniereinsatz 10 trägt.
[0021] Der im Wesentlichen ovalzylindrisch ausgebildete Uriniereinsatz 10 weist an seiner
hinteren Seite Wasserauslassdüsen 16 auf, die über einen Schlauch 20 an die Wasserspülung
angeschlossen sind, so dass beim Spülen der Toilette auch die Uriniervorrichtung gespült
wird.
[0022] Die Hebeanlage 12 umfasst einen gekröpften Umlenkhebel 22 und eine Anschlagstange
24. Dabei ist der Umlenkhebel 22 mit dem Kragen 18 schwenkbar verbunden und reicht
bis an die Hinterkante der Toilettenbrille 26, wobei das gekröpfte Ende des Umlenkhebels
22 die Toilettenbrille 26 hintergreift. An der Unterseite der Toilettenbrille 26 ist
die Anschlagstange 24 derart angebracht, dass sie unter den Umlenkhebel 22 greift.
Dies bewirkt, dass beim Hochheben der Toilettenbrille 26 der Umlenkhebel 22 gegen
die Anschlagstange 24 gedrückt und beides zusammen mit der Toilettenbrille 26 nach
oben verschwenkt wird, so dass hierdurch der am Umlenkhebel 22 angebrachte Kragen
18 ebenfalls nach oben gehoben wird, und somit den Uriniereinsatz 10 aus der Toilettenschüssel
14 heraushebt. Durch die Anbringung des Umlenkhebels 22 nicht in der Mitte des Kragens
18, sondern im hinteren Bereich des Kragens wird erreicht, dass der Kragen unter einem
bestimmten Winkel angehoben wird. Dabei liegt das vordere Ende des Kragens auf der
Toilettenschüssel 14 auf, während das hintere Ende sich deutlich von der Toilettenschüssel
14 abhebt.
Bezugszeichenliste:
[0023]
- 10
- Uriniereinsatz
- 12
- Hebeanlage
- 14
- Toilettenschüssel
- 16
- Wasserauslassdüse
- 18
- Kragen
- 20
- Schlauch
- 22
- Umlenkhebel
- 24
- Anschlagstange
- 26
- Toilettenbrille
1. Uriniervorrichtung zur Anbringung an einer eine Toilettenbrille (26) und/oder einen
Toilettendeckel aufweisenden Toilettenschüssel (14), mit einem ins Innere der Toilettenschüssel
(14) einsetzbaren Uriniereinsatz (10) und mit einer an der Toilettenbrille (26) und/oder
dem Toilettendeckel anbringbaren Hebeanlage (12), so dass die Hebeanlage (12) den
Uriniereinsatz (10) beim Öffnen des Toilettendeckels und/oder beim Anheben der Toilettenbrille
(26) aus der Toilettenschüssel (14) zumindest teilweise heraushebt,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Uriniereinsatz (10) einen einzigen zylindrischen oder ovalzylindrischen Korpus
aus einem formstabilen Material umfasst, an dessen Oberseite ein umlaufender Kragen
(18) angesetzt ist.
2. Uriniervorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Uriniereinsatz (10) in angehobenem Zustand gegenüber der Toilettenschüssel (14)
um einen Winkel zwischen 15° und 50°, vorzugsweise 30° geneigt ist.
3. Uriniervorrichtung nach wenigstens einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Uriniereinsatz (10) in seinem Ruhezustand mittels dem Kragen (18) an der Toilettenschüssel
(14) gehalten ist.
4. Uriniervorrichtung nach wenigstens einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Hebeanlage (12) einen gekröpften Umlenkhebel (22) umfasst, der einerseits mit
dem Uriniereinsatz (10), insbesondere mit dem Kragen (18) wirkverbunden ist, und der
andererseits derart an der Toilettenbrille (26) bzw. an dem Toilettendeckel angreift,
dass der Uriniereinsatz (10) beim Öffnen des Toilettendeckels bzw. der Toilettenbrille
(26) angehoben wird.
5. Uriniervorrichtung nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Hebeanlage (12) eine Anschlagstange (24) umfasst, die an der Toilettenbrille
(26) gehalten ist und an der der Umlenkhebel (22) zur Anlage kommt, sobald die Toilettenbrille
(26) angehoben wird.
6. Uriniervorrichtung nach wenigstens einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass an einer Innenseite des Uriniereinsatzes (10) mit einem Wasserreservoir verbundene
Wasserauslassdüsen (16) vorgesehen sind.