[0001] Die Erfindung betrifft ein Gussbauteil aus einer Aluminiumlegierung mit guter Warmfestigkeit.
[0002] Für thermisch beanspruchte Bauteile werden heute üblicherweise AlSi-Legierungen eingesetzt,
wobei die Warmfestigkeit durch Zulegieren von Cu erreicht wird. Kupfer erhöht allerdings
auch die Warmrissneigung und wirkt sich negativ auf die Giessbarkeit aus. Anwendungen,
bei denen insbesondere Warmfestigkeit gefordert wird, findet man Hauptsächlich im
Bereich der Zylinderköpfe im Automobilbau, siehe z.B. F. J. Feikus, "Optimierung von
Aluminium-Silicium-Gusslegierungen für Zylinderköpfe", Giesserei-Praxis, 1999, Heft
2, S. 50-57.
[0003] Aus der WO-A-0043560 ist eine Aluminiumlegierung mit 2,5 - 7,0 Gew.-% Mg, 1,0 - 3,0
Gew.-% Si, 0,3 - 0,49 Gew.-% Mn, 0,1 - 0,3 Gew.-% Cr, max. 0,15 Gew.-% Ti, max. 0,15
Gew.-% Ti, max. 0,15 Gew.-% Fe, max. 0,00005 Gew.-% Ca, max. 0,00005 Gew.-% Na, max.
0,0002 Gew.-% P, sonstige Verunreinigungen einzeln max. 0,02 Gew.-% und Aluminium
als Rest zur Herstellung von Sicherheitsbauteilen im Druckguss-, Squeezecasting-,
Thixoforming- oder Thixoforging-Verfahren bekannt.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine zur Herstellung thermisch beanspruchter
Bauteile geeignete Aluminiumlegierung mit guter Warmfestigkeit bereitzustellen. Die
Legierung soll sich vor allem für den Schwerkraft-Kokillenguss, den Niederdruck-Kokillenguss
und den Sandguss eignen.
[0005] Die aus der Legierung gegossenen Bauteile sollen eine hohe Festigkeit in Verbindung
mit hoher Duktilität aufweisen. Die im Bauteil angestrebten mechanischen Eigenschaften
sind wie folgt definiert:
| Dehngrenze |
Rp0.2 > 170 MPa |
| Zugfestigkeit |
Rm > 230 MPa |
| Bruchdehnung |
A5 > 6% |
[0006] Bedingt durch die Anwendungen soll die Korrosionsneigung der Legierung möglichst
tief gehalten werden, und die Legierung muss auch eine entsprechend gute Dauerfestigkeit
aufweisen. Die Giessbarkeit der Legierung sollte besser sein, als die der derzeit
angewendeten AlSiCu-Gusslegierungen, und die Legierung sollte keine Tendenz zu Warmrissen
zeigen.
[0007] Unter den Begriff Gussbauteil fallen neben den reinen, nur durch Giessen hergestellten
Bauteilen auch solche, die als Vorform gegossen und nachfolgend durch Kneten kalt
oder warm auf Endmass geformt werden.
[0008] Beispiele für reine Gussbauteile sind solche, die ausschliesslich durch Sandgiessen,
Schwerkraft-Kokillengiessen, Niederdruck-Kokillengiessen, Druckgiessen, Thixogiessen
oder Squeezecasting hergestellt werden.
[0009] Umformoperationen, die an einer gegossenen Vorform durch Kneten durchgeführt werden,
sind beispielsweise Schmieden und Thixoschmieden.
[0010] Zur erfindungsgemässen Lösung der Aufgabe führt eine Aluminiumlegierung mit
2 bis 4 Gew.-% Magnesium
0,9 bis 1,5 Gew.-% Silizium
0,1 bis 0,4 Gew.-% Mangan
0,1 bis 0,4 Gew.-% Chrom
max. 0,2 Gew.-% Eisen
max. 0,1 Gew.-% Kupfer
max. 0,2 Gew.-% Zink
max. 0,2 Gew.-% Titan
max. 0.3 Gew.-% Zirkonium
max. 0,008 Gew.-% Beryllium
max. 0,5 Gew.-% Vanadium
sowie Aluminium als Rest mit weiteren Elementen und herstellungsbedingten Verunreinigungen
einzeln max. 0,02 Gew.-%, insgesamt max. 0,2 Gew.-%.
[0011] Für die einzelnen Legierungselemente werden die folgenden Gehaltsbereiche bevorzugt:
| Mg |
2,5 bis 3,5 Gew.-%, insbesondere 2,7 bis 3,3 Gew.-% |
| Si |
0,9 bis 1,3 Gew.-% |
| Mn |
0,15 bis 0,3 Gew.-% |
| Cr |
0,15 bis 0,3 Gew.-% |
| Ti |
0,05 bis 0,15 Gew.-% |
| Fe |
max. 0,15 Gew.-% |
| Cu |
max. 0,05 Gew.-% |
| Be |
0,002 bis 0,005 Gew.-% |
| V |
0,01 bis 0,1 Gew.-% |
| Zr |
0,1 bis 0,2 Gew.-% |
[0012] Die Wirkung der Legierungselemente kann etwa wie folgt charakterisiert werden:
[0013] Silizium in Verbindung mit Magnesium führt zu einer entsprechenden Aushärtung, wobei
vor allem die Warmaushärtung interessiert. Bevorzugt wird eine Wärmebehandlung zum
Zustand T6, z.B. eine Lösungsglühung bei 550 °C während 12 h mit anschliessender Warmauslagerung
bei 160 -170 °C während 8 - 10 h.
[0014] Die Kombination von Mangan und Chrom führt zu einer guten Warmfestigkeit bei einer
Dauertemperatur bis zu 180 °C.
[0015] Titan und Zirkonium dienen der Kornfeinung. Eine gute Kornfeinung trägt wesentlich
zur Verbesserung der Giesseigenschaften bei.
[0016] Beryllium in Verbindung mit Vanadium vermindert die Krätzebildung.
[0017] Ein bevorzugter Anwendungsbereich der erfindungsgemässen Gussbauteile sind thermisch
beanspruchte Bauteile, insbesondere Druckbehälter, Kompressorengehäuse und Motorkomponenten
wie Zylinderköpfe im Automobilbau. Die Bauteile werden bevorzugt im Sand- oder Kokillengiessverfahren
hergestellt.
[0018] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele sowie anhand der Zeichnung; diese zeigt
in
- Fig. 1 - 3
- Zugfestigkeit, Dehngrenze und Bruchdehnung in Abhängigkeit von der Temperatur nach
500 h Dauertemperaturbeanspruchung für eine erfindungsgemässe Legierung und eine Vergleichslegierung
nach dem Stand der Technik.
[0019] Eine erfindungsgemässe Legierung mit der Bezeichnung AlMg3Si1MnCr und eine Vergleichslegierung
mit der Bezeichnung AlSi7MgCu1 aus F. J. Feikus, "Optimierung von Aluminium-Silicium-Gusslegierungen
für Zylinderköpfe", Giesserei-Praxis, 1999, Heft 2, S. 50-57 mit den in Tabelle 1
angegebenen Zusammensetzungen wurden hinsichtlich ihres Langzeitverhaltens unter Dauertemperaturbelastung
miteinander verglichen.
Tabelle 1:
| Chemische Zusammensetzung der Legierungen (in Gew.-%) |
| Legierung |
Si |
Fe |
Cu |
Mn |
Mg |
Cr |
Zn |
Ti |
Be |
V |
Zr |
| AlSi7MgCu1 |
6.97 |
0.11 |
0.94 |
0.005 |
0.38 |
|
0.008 |
0.03 |
|
|
|
| AlMg3Si1MnCr |
1.10 |
0.07 |
0.001 |
0.20 |
3.2 |
0.21 |
0.002 |
0.12 |
0.003 |
0.03 |
0.0005 |
[0020] Die erfindungsgemässe Legierung wurde in einer Probestabkokille nach Diez zu Rundstäben
von 16 mm Durchmesser vergossen. An den Probestäben wurden die mechanischen Eigenschaften
Dehngrenze (Rp0.2), Zugfestigkeit (Rm) und Bruchdehnung (A5) im Zustand T6 (165 °C
/ 6h) nach einer Dauertemperaturbelastung von 500 h bei verschiedenen Temperaturen
bestimmt. Die entsprechenden Werte für die Vergleichslegierung wurden dem obigen Artikel
von F. J. Feikus entnommen. Die Ergebnisse sind in Fig. 1 in Diagrammform dargestellt.
[0021] Die erfindungsgemässe Legierung AlMg3Si1MnCr erreicht zwar hinsichtlich der Dehngrenze
und der Zugfestigkeit nicht die Spitzenwerte der Vergleichslegierung AlSi7MgCu1, ist
aber in ihrem Temperaturverhalten "weniger wechselhaft". Diese Wechselhaftigkeit drückt
sich im Betrieb insofern störend aus, als geringe Änderungen der Temperatur große
Veränderungen der mechanischen Eigenschaften verursachen können. Die Streckgrenze
der erfindungsgemässen Legierung bleibt bis etwa 180 °C auf einem nahezu gleichen
Niveau, fällt bis 200 °C allmählich ab und beginnt erst ab ca. 200 °C kontinuierlich
abzufallen. Der kontinuierliche Abfall geschieht im Vergleich zur Legierung AlSi7MgCu1
mit geringerer Neigung.
[0022] Hinsichtlich der Bruchdehnung zeichnet sich die erfindungsgemässe Legierung durch
einen nahezu konstanten Wert bis 180 °C aus. Hohe Dehnungswerte liefern ein günstiges
Bruch-/ Versagensverhalten. Dem Bruch des Bauteils geht eine sichtbare Verformung
voraus. Oberhalb 180 °C steigt die Dehnung kontinuierlich an. Bei der Vergleichslegierung
AlSi7MgCu1 erkennt man hier den deutlichen Aushärtungseffekt. Niedrige Dehnungswerte
bewirken ein ungünstiges Versagensverhalten, d.h. das Bauteil verformt sich nur geringfügig
oder gar nicht. Bei Belastungsspitzen bricht das Bauteil ohne Vorwarnung.
1. Gussbauteil aus einer Aluminiumlegierung mit guter Warmfestigkeit, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung
2 bis 4 Gew.-% Magnesium
0,9 bis 1,5 Gew.-% Silizium
0,1 bis 0,4 Gew.-% Mangan
0,1 bis 0,4 Gew.-% Chrom
max. 0,2 Gew.-% Eisen
max. 0,1 Gew.-% Kupfer
max. 0,2 Gew.-% Zink
max. 0,2 Gew.-% Titan
max. 0.3 Gew.-% Zirkonium
max. 0,008 Gew.-% Beryllium
max. 0,5 Gew.-% Vanadium
sowie Aluminium als Rest mit weiteren Elementen und herstellungsbedingten Verunreinigungen
einzeln max. 0,02 Gew.-%, insgesamt max. 0,2 Gew.-% enthält.
2. Gussbauteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung 2,5 bis 3,5 Gew.-% Mg, insbesondere 2,7 bis 3,3 Gew.-% Mg enthält.
3. Gussbauteil nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung 0,9 bis 1,3 Gew.-% Si enthält.
4. Gussbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung 0,15 bis 0,3 Gew.-% Mn enthält.
5. Gussbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung 0,15 bis 0,3 Gew.-% Cr enthält.
6. Gussbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung 0,05 bis 0,15 Gew.-% Ti enthält.
7. Gussbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung max. 0,15 Gew.-% Fe enthält.
8. Gussbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung max. 0,05 Gew.-% Cu enthält.
9. Gussbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung 0,002 bis 0,005 Gew.-% Be enthält.
10. Gussbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung 0,01 bis 0,1 Gew.-% V enthält.
11. Gussbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung 0,1 bis 0,2 Gew.-% Zr enthält.
12. Gussbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 11, hergestellt im Sand- oder Kokillengiessverfahren.
13. Verwendung eines Gussbauteils nach einem der Ansprüche 1 bis 12 für Druckbehälter,
Kompressorengehäuse und Motorkomponenten wie Zylinderköpfe im Automobilbau.