[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Inbetriebnahme eines Streckwerks
gemäss dem Oberbegriff des unabhängigen Patentanspruches 1 und 3, sowie eine Steuerung
für Streckwerke einer Textilmaschine nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 11,
und eine Textilmaschine mit einer genannten Steuerung gemäss Patentanspruch 12.
Stand der Technik
[0002] Verfahren zur Inbetriebnahme von Streckwerken sind in der Textiltechnik bekannt.
Die Schriften EP 121 97 37, EP 807 700, und EP 137 57 09 beschreiben derartige Verfahren.
Die vorliegende Erfindung eignet sich aber insbesondere, wie aus den erwähnten Schriften
ersichtlich ist, für die Inbetriebnahme von Streckwerken, welche zu Luftspinnmaschinen
gehören. Bei Luftspinnmaschinen wird ein Faserverband mittels einer oder mehrerer
Luftströmungen zu einem Garn versponnen.
[0003] Die bekannten Verfahren zur Inbetriebnahme eines Streckwerks weisen jedoch Nachteile
auf. Dies gilt insbesondere für Streckwerke, welche zu Luftspinnmaschinen gehören
bzw. zu Streckwerken, die den verzogenen Faserverband an eine Spinneinheit weiterleiten,
die nach einem Luftspinnverfahren arbeiten. Nachteilig an den bekannten Verfahren
zur Inbetriebnahme eines Streckwerks ist, dass die Ansetzerqualität nicht immer befriedigend
ist. Unter dem Ansetzer versteht man eine "Nahtstelle" innerhalb eines Garnes, an
welcher das Garn zum Beispiel nach einem Produktionsunterbruch wieder "angesetzt"
oder "angehängt" wurde. Üblicherweise wird ein Ansetzer dadurch hergestellt, dass
an oder um ein bestehendes Garnende weitere Fasern versponnen werden. Der Ansetzer
stellt einen eigentlichen Überlappungsbereich dar zwischen einem Garnende und zusätzlich
daran angesponnenen neuen Fasern. Oftmals stellt er somit eine Dickstelle dar, welche
eigentlich unerwünscht ist. Idealerweise sollte sich ein Ansetzer oder eine Ansetzstelle
nicht vom restlichen Garn unterscheiden, dies gilt insbesondere in Bezug auf Festigkeit
und Fasermasse. Im Bestreben, diesen Idealzustand zu erreichen, werden in den oben
erwähnten Schriften verschiedene Möglichkeiten offenbart. Zum Beispiel kann das Faserende,
an welchem angesetzt werden soll, verjüngt werden und / oder das Streckwerk liefert
im Überlappungsbereich weniger Fasern ab als im anschliessenden stationären Betriebszustand.
Ungeachtet dessen, besteht bei den bekannten Vorrichtungen aber noch ein weiteres
Problem, welches die vorliegende Erfindung nun zu lösen beabsichtigt.
[0004] Es ist nämlich festgestellt worden, dass bei Inbetriebnahme eines Streckwerkes und
somit bei Inbetriebnahme bzw. beim Beschleunigen der zugehörigen Walzenpaare ein Einschwingvorgang
des Drehzahlverlaufes auf die entsprechenden Ansetzgeschwindigkeiten stattfindet.
Dieser Einschwingvorgang (Über- und Unterschwingungen), welcher durch das Hochfahren
der Walzenpaare vom Stillstand auf deren entsprechende Ansetzgeschwindigkeit bzw.
-drehzahl verursacht wird (siehe Fig. 2 und spätere Beschreibung), verursacht beim
ersten Erreichen der Ansetzdrehzahl einen nicht konstanten Drehzahlverlauf der Walzenpaare
und somit ein nicht konstantes Drehzahlverhältnis zwischen den Walzenpaaren eines
Streckwerkes. Normalerweise beginnt der Ansetzvorgang in einem Streckwerk während
der Beschleunigung der Walzenpaare auf eine Betriebsgeschwindigkeit oder unmittelbar
nach Erreichen einer festgesetzten Ansetzgeschwindigkeit. Anders ausgedrückt, wurde
bei der Herstellung eines Ansetzers der Einschwingvorgang der Walzenpaare bei deren
Beschleunigung auf die Ansetzgeschwindigkeit bisher nie berücksichtigt. Dadurch entstand
bisher ein Ansetzer bei nicht konstanten Drehzahlen bzw. einem nicht konstanten Drehzahlverhältnis
zwischen den beiden Walzenpaaren eines Streckwerkes, welche den Verzug verursachen.
Durch das Über- und Unterschwingen der Walzenpaare entsteht nämlich ein ungenauer
bzw. variierender Verzug im Faserverband. Wird dieser variierend verzogene Faserverband
mit einem Garnende zusammengeführt, wodurch ein Ansetzer entsteht, so weist auch dieser
Ansetzer Massenschwankungen auf. Dies hat zur Folge, dass im Überlappungsbereich des
Ansetzers meist eine unzulässige Dickstelle entsteht, oftmals gefolgt von einer unzulässigen
Dünnstelle. Im umgekehrten Fall entsteht eine Dünnstelle im Überlappungsbereich bzw.
das Ansetzen misslingt vollständig.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Inbetriebnahme
eines Streckwerks zum Verziehen eines Faserverbandes vorzusehen, mit welchem Massenschwankungen
im Ansetzer vermieden bzw. minimiert werden. Als Aufgabe kann auch angesehen werden,
ein Verfahren zur Inbetriebnahme eines Streckwerkes zu schaffen, bei welchem ein Faserverband
von Beginn an mit dem richtigen Verzugsverhältnis verzogen werden soll.
[0006] Diese Aufgabe bzw. diese Aufgaben werden durch die Merkmale in den unabhängigen Patentansprüchen
1 und 3 gelöst.
[0007] Die vorteilhafte Wirkung des erfindungsgemässen Verfahrens wird nun im Folgenden
anhand der Figuren 1 und 2 erklärt.
[0008] Die Figur 1 zeigt ein typisches Streckwerk 1, an welchem das erfindungsgemässe Verfahren
Anwendung finden kann. Das Streckwerk 1 weist dazu ein vorderes Walzenpaar 3 und ein
hinteres, eine Klemmlinie 5 aufweisendes Walzenpaar 4 auf. Das Streckwerk 1 kann ein
weiteres Walzenpaar 7 aufweisen. Das Streckwerk 1 dient dem Verziehen des Faserverbandes
2. Dazu drehen die Walzenpaare 3 und 4 mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bzw.
Umfangsgeschwindigkeiten. Das vordere Walzenpaar 3 und das hintere Walzenpaar 4 bilden
damit das sogenannte Hauptverzugsfeld 8 des Streckwerkes 1. Zwischen den Walzenpaaren
7 und 3 kann auch ein Verzug stattfinden (sogenannter Vorverzug). In der Regel weist
ein Streckwerk, wie es in der Figur 1 dargestellt ist, am vorderen Walzenpaar 3 Riemchen
20 auf, welche der Führung des zu verziehenden Faserverbandes 2 dienen. Das Vorhandensein
der Riemchen 20 ist aber nicht erfindungswesentlich bzw. nicht unbedingt erforderlich.
Im stationären Betrieb durchläuft der Faserverband 2 das Walzenpaar 7 (sofern vorhanden)
und vor allem die Walzenpaare 3 und 4. Dabei wird der Faserverband 2 verzogen und
verlässt das Streckwerk 1 an bzw. nach der Klemmlinie 5 des hinteren Walzenpaares
4. Der verzogene Faserverband wird im Anschluss meist gleich weiterverarbeitet (z.B.
an einer Spinneinheit, siehe dazu die folgende Figur 4). Findet nun aus irgendwelchen
Gründen ein Produktionsunterbruch statt bzw. muss das Streckwerk 1 allgemein wieder
in Betrieb genommen werden, so muss der Faserverband 2 wieder in das Streckwerk 1
eingeführt oder zumindest richtig positioniert werden. Der Position des Faserverband-Endes
6 kommt daher eine besonders wichtige Rolle zu. Für die Erfindung ist es unwesentlich,
ob das Streckwerk 1 dabei das zusätzliche Walzenpaar 7 oder gar noch ein weiteres
Walzenpaar aufweist. Normalerweise ist es so, dass bei einem Produktionsunterbruch
die Walzenpaare des Streckwerkes 1 in einer Reihenfolge abgestellt werden, dass der
Faserverband 2 an der Klemmlinie 5 abgerissen wird. Dazu wird das vordere Walzenpaar
3 vor dem hinteren Walzenpaar 4 abgestellt. Dadurch befindet sich das Faserverband-Ende
6 unmittelbar vor der Klemmlinie 5. Siehe dazu beispielsweise die vorher genannte
EP 137 57 09.
[0009] Wird das Streckwerk 1 nun wieder in Betrieb genommen, so beginnt in der Regel zuerst
das hintere Walzenpaar 4 zu drehen, bevor das vordere Walzenpaar 3 seinerseits wieder
den Betrieb aufnimmt. Es mag durchaus sein, dass der Zeitraum zwischen der Inbetriebnahme
des hinteren Walzenpaares 4 und des vorderen Walzenpaares 3 gross genug ist, damit
im Drehzahlverlauf des Walzenpaares 4 der Einschwingungsvorgang aus der Beschleunigung
beendet ist, bevor das vordere Walzenpaar 3 in Bewegung gesetzt wird. Da sich das
Faserband-Ende 6 aber unmittelbar vor der Klemmlinie 5 des hinteren Walzenpaares 4
befindet, findet ein Verzug des Faserverbandes 2 unmittelbar nach Inbetriebnahme des
vorderen Walzenpaares 3 statt. Da das vordere Walzenpaar 3 nach dessen Inbetriebnahme
noch auf die Ansetzgeschwindigkeit oder Betriebsgeschwindigkeit beschleunigen muss,
findet auch hier ein Einschwingen auf die gewünschte Ansetzdrehzahl statt. Dadurch
wird der unmittelbar am Faserband-Ende 6 folgende Bereich des Faserverbandes 2 schwankend
verzogen und weist damit unerwünschte Massenschwankungen auf. Wird dieser "Anfangsbereich"
des Faserverbandes 2 dazu verwendet, um einen Ansetzer zu erzeugen, so weist naturgemäss
auch dieser Ansetzer unerwünschte Massenschwankungen auf.
[0010] Dass diese Massenschwankungen entstehen, lässt sich auch sehr gut anhand der Figur
2 erkennen. Die Figur zeigt unter anderem den Drehzahlverlauf U
4(t) des hinteren Walzenpaares 4 und den Drehzahlverlauf U
3(t) des vorderen Walzenpaares 3. Zu einem Zeitpunkt t = 0 wird das hintere Walzenpaar
4 in Betrieb genommen. Dazu beschleunigt das genannte Walzenpaar 4 während eines Zeitraumes
t
h,4 bis das Walzenpaar 4 die Ansetzdrehzahl U
A,4 (z.B. ∼ 5 mm/msec) erreicht hat. Die Beschleunigung der Walzen ist sehr hoch, da
dass Garnende 10 ansonsten unerträglich lang gewählt werden muss. Das Hochfahren geschieht
daher während weniger Millisekunden. Da es den Walzenpaaren aus physikalischen Gründen
nicht möglich ist, bei den konstanten, aber sehr hohen Beschleunigungen bei Erreichen
der gewünschten Drehzahl abrupt die Beschleunigung abzubrechen, entsteht ein Einschwingungsvorgang
während eines bestimmten Zeitraumes t
EV,4. Das gleiche gilt entsprechend auch für das vordere Walzenpaar 3 (Einschwingungsvorgang
während des Zeitraumes t
EV,3). Wie lange dieser Einschwingungsvorgang dauert und wie gross die Über- bzw. Unterschwingungen
sind, hängt von den physikalischen Eigenschaften der angetriebenen Walzenpaare, sowie
von deren Antrieb, Regelung, und Steuerung ab. Durch Verwendung geeigneter Regelungen
und Antriebe lässt sich der Zeitraum t
EV auf ein Minimum reduzieren. Aufgrund der hohen Beschleunigungen der Walzenpaare aber
nicht vollständig verhindern.
[0011] Damit bei Inbetriebnahme eines Streckwerks durch die genannten Effekte im Anfangsbereich
des verzogenen Faserverbandes keine Massenschwankungen entstehen, wird erfindungsgemäss
das Faserverband-Ende (also die vorderste Spitze des Faserverbandes) erst dann der
Klemmlinie des zweiten Walzenpaares zugeführt, wenn beide Walzenpaare ihre entsprechende
Einschwingungsvorgänge aus der Beschleunigung beendet haben. Dieser Zeitpunkt ist
in der Figur 2 mit t
EVE bezeichnet: zu diesem Zeitpunkt haben beide Walzenpaare eine konstante Ansetzdrehzahl
erreicht (wie in der Figur dargestellt) oder sie haben zumindest den Einschwingungsvorgang
beendet. Erfindungsgemäss wird nun frühestens zum Zeitpunkt t
EVE mit dem Verziehen des Faserverbandes wieder begonnen oder anders ausgedrückt, frühestens
zum Zeitpunkt t
EVE darf das Faserverband-Ende in die Klemmlinie des hinteren zweiten Walzenpaares eintreten
und damit verzogen werden. Beinhaltet die Inbetriebnahme des Streckwerks nebst diesem
abgestimmten Verzug auch einen Ansetzvorgang mit einem Garnende, so darf der Zeitpunkt
für den Beginn des Ansetzvorganges t
K nicht vor dem Zeitpunkt t
EVE liegen. Der Zeitpunkt t
EVE ist somit der früheste Zeitpunkt, um mit dem Ansetzvorgang zu beginnen. Wird ein
Ansetzvorgang durchgeführt, so dauert dieser ein paar wenige Millisekunden (siehe
Zeitraum t
AE, z.B. - 8 msec) und ist zu einem Zeitpunkt t
E abgeschlossen. Mit dem Abschluss des Ansetzvorganges zum Zeitpunkt t
E ist das Streckwerk wieder stationär betreibbar. Vorzugsweise findet der Ansetzvorgang
bei einer konstanten Ansetzdrehzahl U
A,4 bzw. U
A,3 statt, wobei nach erfolgtem Ansetzen beide Walzenpaare synchron und langsamer, d.h.
ohne Überschwinger, auf ihre jeweilige Betriebsdrehzahl U
B,3 und U
B,4 hochfahren können. Es ist aber durchaus denkbar, dass das Ansetzen quasi bei Betriebsdrehzahl
erfolgt, sodass die Ansetzdrehzahlen U
A,3 und U
A,4 bereits die Betriebszahlen für den stationären Betrieb des Streckwerkes darstellen.
Das synchrone Hochfahren der Walzen auf eine von der Ansetzdrehzahl unterschiedliche
Betriebsdrehzahl ist in der Figur 2 gestrichelt dargestellt.
[0012] Für das erfindungsgemässe Verfahren gibt es verschiedene vorteilhafte Ausgestaltungen
und Ausführungsformen, welche in den abhängigen Ansprüchen zu finden sind.
[0013] Im Folgenden wird die Erfindung und der Erfindungsgedanke bzw. ihre Wirkungsweise
anhand von weiteren Figuren erläutert. Es soll aber ausdrücklich darauf hingewiesen
werden, dass sich die Erfindung bzw. der Erfindungsgedanke nicht auf die in den Figuren
und Beispielen gezeigten Ausführungsformen beschränkt.
[0014] Die Figur 3 zeigt ein Streckwerk an dem ein Ansetzvorgang durchgeführt werden soll,
wobei dabei für deren Inbetriebnahme das erfindungsgemässe Verfahren Anwendung findet.
Zur Durchführung des Ansetzvorganges wird zuerst ein bestehendes Garnende 10 entgegen
der eigentlichen Spinnrichtung durch die Spinneinheit 12 gezogen, welche nach dem
Streckwerk angeordnet ist. Das Garnende 10 wird ebenfalls durch die Klemmlinie 5 des
hinteren Walzenpaares 4 geführt und - auf eine bestimmte Länge abgelängt ― für die
Inbetriebnahme entsprechend positioniert. Bei Inbetriebnahme des Streckwerkes beginnt
wie in der Figur 2 dargestellt, zuerst das hintere Walzenpaar 4 zu rotieren. Erst
anschliessend wird das vordere Walzenpaar 3 in Betrieb genommen. Möglicherweise werden
auch beide Walzenpaare gleichzeitig in Betrieb genommen (entspricht einer möglichen
Variante des erfindungsgemässen Verfahrens). Vor Inbetriebnahme des Streckwerkes wird
jedoch das Faserband-Ende 6 wie dargestellt in einem bestimmten Abstand zur Klemmlinie
5 des hinteren Walzenpaares 4 gebracht. Dieser Abstand ist mindestens so gross, dass
wenn das Faserband-Ende 6 die Klemmlinie 5 erreicht, beide Walzenpaare 3 und 4 im
Drehzahlverlauf den Einschwingungsvorgang aus der Beschleunigung beendet haben. Wird
wie weiter vorne beschrieben angesetzt, so überlappen sich ein Teile des Garnendes
10 und des vorderen Bereiches des dargestellten Faserverbandes 2. Dieser Überlappungsbereich
wird in der nachfolgenden Spinneinheit 12 zum eigentlichen Ansetzer versponnen.
[0015] Die Figur 4 zeigt ein Streckwerk, welches mit dem erfindungsgemässen Verfahren in
Betrieb genommen wurde und deren nachfolgende Spinneinheit 12. Die Figur zeigt das
Streckwerk 1 und die Spinneinheit 12 in stationärem Betriebszustand. Die einzelnen
Elemente entsprechen den vorangehenden Figuren und sind mit entsprechend gleichen
Bezugszeichen versehen. Die Walzen 16 des hinteren Walzenpaares 4 liefern den verzogenen
Faserverband 11 der Spinneinheit 12. Die Spinneinheit 12 kann den verzogenen Faserverband
11 nach verschiedenen Spinnverfahren verspinnen. In dieser Figur ist eine Spinneinheit
12 dargestellt, welche nach einem Luftspinnverfahren arbeitet (sogenanntes Vortex-Luftspinnverfahren).
Die Spinneinheit 12 weist dazu eine Wirbelkammer 14 und eine darin enthaltene Spindel
15 auf. Bei der Spindel 15 handelt es sich genau genommen um eine vorzugsweise sich
nicht drehende Spinndüse. In der Wirbelkammer 14 wird durch Düsen eine Luftwirbelströmung
erzeugt, welche ein Verspinnen der Fasern des verzogenen Faserverbandes 11 an der
Mündung der Spindel 15 verursacht. Das dadurch hergestellte Garn 13 wird entsprechend
abgezogen und auf eine Aufspulvorrichtung aufgespult (nicht gezeigt). Wie man der
Figur entnehmen kann, weist das Streckwerk 1 auch das Walzenpaar 7 auf, welches mit
dem Walzenpaar 3 ein Vorverzugsfeld 9 bildet. Es soll explizit nochmals darauf hingewiesen
werden, dass das erfindungsgemässe Verfahren für die Inbetriebnahme eines Streckwerkes
nicht auf ein bestimmtes Spinnverfahren, wie das hier gezeigte Luftspinnverfahren,
eingeschränkt ist, noch auf das Vorhandensein des weiteren Walzenpaares 7.
[0016] Die Figur 5 zeigt eine erfindungsgemässe Steuerung 19, welche nach dem erfindungsgemässen
Verfahren das Streckwerk 1 in Betrieb nimmt. Dazu weist das hintere Walzenpaar 4 einen
eigenen Antrieb 18 auf, ebenso das vordere Walzenpaar 3, welches den Antrieb 17 aufweist.
Besteht das Streckwerk 1 wie hier dargestellt noch aus einem weiteren Walzenpaar 7,
welches mit dem Walzenpaar 3 ein Vorverzugsfeld bildet, so kann auch das Walzenpaar
7 über den Antrieb 17 des Walzenpaares 3 angetrieben sein (oder über einen zusätzlichen
eigenen Antrieb verfügen). Die erfindungsgemässe Steuerung 19 steuert die Antriebe
17 und 18 bei der Inbetriebnahme des Streckwerkes entsprechend dem erfindungsgemässen
Verfahren. Die Steuerung 19 kann mit entsprechend weiteren Kontroll- und Steuervorrichtungen
einer Textilmaschine verbunden sein (gesamte Textilmaschine nicht dargestellt).
[0017] Zum erfindungsgemässen Verfahren kann auch gehören, je nachdem wie das Streckwerk
zuvor abgestellt wurde, dass vor der Inbetriebnahme des Streckwerkes das Faserband-Ende
6 von der Klemmlinie 5 des hinteren Walzenpaares 4 zurückbewegt wird. Dies kann auch
automatisch erfolgen, zum Beispiel mit der Steuerung 19 und dem Antrieb 17. Dies gilt
insbesondere dann, wenn das Faserband-Ende 6 nicht von Hand an einem vorbestimmten
Abstand von der Klemmlinie 5 des hinteren Walzenpaares 4 abgetrennt wird. Dies ist
vor allem bei vollautomatischen Ansetzverfahren und ―vorrichtungen wünschenswert,
bei welchen das Streckwerk zuerst so abgestellt wird, dass der Faserverband 2 an der
Klemmlinie 5 des hinteren Walzenpaares 4 abreisst. Dabei entsteht nämlich ein klar
definiertes Faserband-Ende 6, welches nur noch entsprechend positioniert werden muss,
bevor das Streckwerk wieder in Betrieb genommen werden kann.
[0018] Die Erfindung ist nicht auf die explizit genannten Möglichkeiten und Ausführungsformen
beschränkt. Diese Varianten sind vielmehr als Anregung für den Fachmann gedacht, um
die Erfindungsidee möglichst günstig umzusetzen. Von den beschriebenen Ausführungsformen
sind daher leicht weitere vorteilhafte Anwendungen und Kombinationen ableitbar, die
ebenfalls den Erfindungsgedanken wiedergeben und durch diese Anmeldung geschützt werden
sollen. Einige der offenbarten Merkmale wurden in dieser Beschreibung kombiniert beschrieben
und werden in den folgenden Ansprüchen kombiniert beansprucht. Es ist aber auch denkbar,
einzelne Merkmale dieser Beschreibung für sich alleine oder in einer andern Kombination
in Anwendung des Erfindungsgedankens zu beanspruchen. Die Anmelderin behält sich daher
ausdrücklich vor, allenfalls andere Kombinationen in Anwendung des Erfindungsgedankens
vorzusehen.
Legende
[0019]
- 1
- Streckwerk
- 2
- Faserverband
- 3
- vorderes Walzenpaar
- 4
- hinteres Walzenpaar
- 5
- Klemmlinie
- 6
- Faserband-Ende
- 7
- Walzenpaar
- 8
- Hauptverzugsfeld
- 9
- Vorverzugsfeld
- 10
- Garnende
- 11
- verzogener Faserverband
- 12
- Spinneinheit
- 13
- Garn
- 14
- Wirbelkammer
- 15
- Spindel
- 16
- Walzen des hinteren Walzenpaares
- 17
- Antrieb Vorverzug
- 18
- Antrieb hinteres Walzenpaar
- 19
- Steuerung
- 20
- Riemchen
- U4(t)
- Drehzahlverlauf hinteres Walzenpaar 4
- U3(t)
- Drehzahlverlauf vorderes Walzenpaar 3
- UA,4
- Ansetzdrehzahl für das hintere Walzenpaar 4
- UA,3
- Ansetzdrehzahl für das vordere Walzenpaar 3
- tS,3
- Zeitpunkt für Inbetriebnahme des vorderen Walzenpaars 3
- th,3
- Zeitraum, bis das vordere Walzenpaar 3 die Ansetzdrehzahl UA,3 erreicht (Beschleunigung)
- th,4
- Zeitraum, bis das hintere Walzenpaar 4 die Ansetzdrehzahl UA,4 erreicht (Beschleunigung)
- tEV,3
- Zeitraum, bis das vordere Walzenpaar 3 den Einschwingungsvorgang aus der Beschleunigung
beendet hat
- tEV,4
- Zeitraum, bis das hintere Walzenpaar 4 den Einschwingungsvorgang aus der Beschleunigung
beendet hat
- tK
- Zeitpunkt Beginn Ansetzvorgang
- tE
- Zeitpunkt Ende Ansetzvorgang
- tAE
- Zeitraum Ansetzvorgang
- tEVE
- Zeitpunkt, bei welchem beide Walzenpaare den Einschwingungsvorgang beendet haben
- UB,4
- Betriebsdrehzahl des hinteren Walzenpaares 4
- UB,3
- Betriebsdrehzahl des vorderen Walzenpaares 3
1. Verfahren zur Inbetriebnahme eines Streckwerkes (1) zum Verziehen eines Faserverbandes
(2), wobei das Streckwerk (1) ein vorderes Walzenpaar (3) und ein hinteres, eine Klemmlinie
(5) aufweisendes Walzenpaar (4) enthält, und wobei zur Inbetriebnahme des Streckwerkes
(1) ein Faserverband-Ende (6) vorliegt, dadurch gekennzeichnet, dass
bei Inbetriebnahme des Streckwerkes (1) das Faserverband-Ende (6) erst dann in die
Klemmlinie (5) des hinteren Walzenpaares (4) eintritt, wenn im Drehzahlverlauf des
vorderen Walzenpaares (3) und im Drehzahlverlauf des hinteren Walzenpaares (4) der
Einschwingungsvorgang aus der Beschleunigung beendet ist, wobei das vordere und das
hintere Walzenpaar (3, 4) bei Eintritt des Faserverband-Endes (6) in die Klemmlinie
(5) des hinteren Walzenpaares (4) vorzugsweise konstante Drehzahlwerte aufweisen.
2. Verfahren nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, dass
dazu vor Inbetriebnahme des Streckwerkes (1), das Faserverband-Ende (6) zu der Klemmlinie
(5) des hinteren Walzenpaares (4) in einen vorbestimmten Abstand gebracht wird, vorzugsweise
beträgt dieser Abstand 0.1 mm bis 5 mm, bevorzugt 3 mm oder 4 mm.
3. Verfahren zur Inbetriebnahme eines Streckwerkes (1) zum Verziehen eines Faserverbandes
(2), wobei das Streckwerk (1) ein vorderes Walzenpaar (3) und ein hinteres, eine Klemmlinie
(5) aufweisendes Walzenpaar (4) enthält, und wobei zur Inbetriebnahme des Streckwerkes
(1) ein Faserverband-Ende (6) vorliegt, dadurch gekennzeichnet, dass
vor Inbetriebnahme des Streckwerkes (1), das Faserverband-Ende (6) zu der Klemmlinie
(5) des hinteren Walzenpaares (4) in einen vorbestimmten Abstand gebracht wird, vorzugsweise
beträgt dieser Abstand bis zu 6 mm, bevorzugt beträgt dieser Abstand 0.1 mm bis 5
mm, besonders bevorzugt beträgt dieser Abstand 3 mm oder 4 mm, vorzugsweise wird das
in Abstand bringen durch Zuschneiden des Faserverband-Endes (6) durchgeführt.
4. Verfahren zur Inbetriebnahme eines Streckwerkes (1) gemäss einem der vorangehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Streckwerk (1) mindestens ein weiteres Walzenpaar (7) aufweist, wobei das vordere
und das hintere Walzenpaar (3, 4) dabei vorzugsweise das Hauptverzugsfeld (8) des
Streckwerkes (1) bilden.
5. Verfahren zur Inbetriebnahme eines Streckwerkes (1) gemäss einem der vorangehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das hintere Walzenpaar (4) das Auslaufwalzenpaar des Streckwerkes (1) darstellt.
6. Verfahren zur Inbetriebnahme eines Streckwerkes (1) gemäss einem der vorangehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass nach oder bei Inbetriebnahme des Streckwerkes (1), ein Bereich des verzogenen Faserverbandes
(2) mit einem Garnende (10) überlappt wird, vorzugsweise durchläuft das Garnende (10)
dazu ebenfalls die Klemmlinie (5) des hinteren Walzenpaares (4).
7. Verfahren zur Inbetriebnahme eines Streckwerkes (1) gemäss einem der vorangehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Streckwerk (1) den verzogenen Faserverband (11) unmittelbar an eine Spinneinheit
(12) weiterleitet, welche den Faserverband (2,11) zu einem Garn (13) verspinnt, vorzugsweise
sind das Streckwerk (1) und die Spinneinheit (12) Elemente einer Spinnstelle einer
Textilmaschine.
8. Verfahren zur Inbetriebnahme eines Streckwerkes (1) gemäss Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Spinneinheit (12) den Faserverband (2, 11) mittels eines Luftspinnverfahrens
zu einem Garn (13) verspinnt, vorzugsweise weist die Spinneinheit (12) dazu eine Wirbelkammer
(14) und eine Spindel (15) auf.
9. Verfahren zur Inbetriebnahme eines Streckwerkes (1) gemäss einem der vorangehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass bei Eintritt des Faserverband-Endes (6) in die Klemmlinie (5) des hinteren Walzenpaares
(4), die Walzen (16) des hinteren Walzenpaares (4) eine Umfangsgeschwindigkeit von
mindestens 300 m/min aufweisen oder, dass der Faserverband (11) unmittelbar nach Verlassen
der Klemmlinie (5) des hinteren Walzenpaares (4) eine Geschwindigkeit von mindestens
300 m/min aufweist.
10. Verfahren zur Inbetriebnahme eines Streckwerkes (1) gemäss einem der vorangehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Eintritt des Faserverband-Endes in die Klemmlinie (5) des hinteren Walzenpaares
(4) bei tieferen Walzen-Drehzahlwerten als die Betriebsdrehzahlwerte stattfindet und
im Anschluss an den Eintritt des Faserverband-Endes (6) in die Klemmlinie (5) des
hinteren Walzenpaares (4), die Walzen (3, 4, 16) synchron auf ihre Betriebsdrehzahl
hochfahren.
11. Steuerung (19) für ein oder mehrere Streckwerke (1) einer Textilmaschine, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerung (19) zur Inbetriebnahme des oder der Streckwerke ein Verfahren gemäss
einem der vorangehenden Ansprüchen durchführt.
12. Textilmaschine mit einer oder mehreren Steuerungen (19) gemäss Anspruch 11.