TECHNISCHES GEBIET
[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf das Gebiet der Turbomaschinen. Sie betrifft
einen Rotor gemäss dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
STAND DER TECHNIK
[0002] Rotoren für den Hochtemperatureinsatz bei Gas- oder Dampfturbinen werden wegen der
niedrigeren Materialkosten, der besseren Schweissbarkeit und Ultraschall-Testbarkeit
und wegen der günstigeren bruchmechanischen Eigenschaften vorzugsweise aus ferritischen
Stählen hergestellt. Oberhalb von 450°C fallen jedoch die mechanischen Eigenschaften
von ferritischen Stählen so stark ab, dass der Einsatz von austenitischen Stählen
notwendig wird.
[0003] Seit langer Zeit wird der in Gasturbinen unterhalb des Heissgaskanals liegende Rotor
durch separate Schaufeln und Hitzeschilde aus Hochtemperaturmaterialien abgeschirmt.
Diese Abschirmung hat jedoch eine hochgradig segmentierte Struktur und die einzelnen
Elemente sind nur durch Haken verschiedener Art am Rotor befestigt. Wenn ein ferritisches
Material für den Rotor eingesetzt wird, werden relativ grosse Mengen Kühlluft von
maximal 450°C zur Spülung der Zwischenräume zwischen dem Rotor und den Abschirmelementen
benötigt.
[0004] Kompressoren sind, selbst wenn sie Auslasstemperaturen von mehr als etwa 450°C hatten,
bisher meist ohne irgendeine Abschirmung und Kühlung ausgelegt worden, weil die reine
Abschirmung nur wenig Hilfe gegen zu hohe Spitzenlasten bringt und die Kühlung mit
einer Rückführung von Kühlluft in den Kompressorkanal den Wirkungsgrad verschlechtert.
[0005] Gleichwohl ist auch bei Kompressoren bereits der Einsatz von Hitzeschilden zur Abschirmung
des Rotors vom Heissgaskanal vorgeschlagen worden (siehe die US-A-5,842,831 und die
US-B1-6,416,276). Die Hitzeschilde sind bei diesen bekannten Abschirmungen formschlüssig
am Rotor befestigt. Sie weisen daher dieselben Nachteile auf, die weiter oben bereits
für die Gasturbinen mit segmentierter Abschirmung angeführt worden sind.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0006] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, einen Rotor für den Betrieb bei erhöhten Temperaturen
zu schaffen, der die Nachteile bekannter Rotoren vermeidet und insbesondere die Verwendung
eines günstigeren Materials für den Rotor ermöglicht, ohne wesentliche Abstriche bei
der Betriebstemperatur und dem Wirkungsgrad der Maschine machen zu müssen.
[0007] Die Aufgabe wird durch die Gesamtheit der Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Der Kern
der Erfindung besteht darin, einen Rotorkern aus einem ersten günstigen Material zu
fertigen, das für die höheren Temperaturen im Heissgaskanal bzw. Kühlluftkanal nicht
ausreicht, und dann den Rotorkern konzentrisch mit Abschirmringen aus einem zweiten
Material zu umgeben, welche den Rotorkern gegen die höhere Temperatur im Heissgaskanal
bzw. Kühlluftkanal abschirmen, wobei das zweite Material gegenüber dem ersten Material
eine höhere Wärmefestigkeit aufweist. Die Abschirmringe werden dabei mit dem Rotorkern
stoffschlüssig verbunden.
[0008] Bevorzugt ist das erste Material ein ferritischer Stahl und zweite Material ein austenitischer
Stahl.
[0009] Es hat sich besonders bewährt, die Abschirmringe mit dem Rotorkern durch Löten oder
Schweissen zu verbinden.
[0010] Die Abschirmwirkung lässt sich weiter verbessern, wenn auf der Innenseite der Abschirmringe
zusätzlich Kühlkanäle für das Durchströmen von Kühlluft vorgesehen sind.
[0011] Je nach Position innerhalb des Rotors können die Abschirmringe ausschliesslich zur
Abschirmung des Rotorkerns ausgebildet sein und jeweils einen flachen rechteckigen
oder keilförmigen Querschnitt aufweisen, oder sie können, wenn sie den Rotorkern gegen
die Temperaturen im Heissgaskanal abschirmen, zur Aufnahme von Laufschaufeln ausgebildet
sein. Sie können aber auch jeweils ein Querschnittsprofil in Form eines doppelten
T aufweisen, um eine grössere radiale Flexibilität und Wärmeisolierung zu erreichen.
KURZE ERLÄUTERUNG DER FIGUREN
[0012] Die Erfindung soll nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen im Zusammenhang mit
der Zeichnung näher erläutert werden. Die einzige Figur zeigt in einem längsgeschnittenen
Ausschnitt den Rotor eines Kompressors gemäss einem bevorzugten Ausführungsbeispiel
der Erfindung
WEGE ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
[0013] In der Figur ist der Ausschnitt eines Rotors 11 eines Kompressors 10 im Längsschnitt
wiedergegeben. Der Kompressor 10 ist Teil einer Gasturbine. Der Ausschnitt umfasst
die Hochdruck- und Ausgangsstufen des mehrstufigen Kompressors 10. Der Rotor 11 ist
innerhalb des Kompressors 10 um eine Rotorachse 21 drehbar gelagert. Der Rotor 11
besteht aus mehreren in axialer Richtung hintereinander angeordneten Rotorringen 16a,
16b, 16c, die durch Schweissnähte 15, 17 miteinander verbunden sind. Der Rotor 11
ist konzentrisch von einem Heissgaskanal 12 umgeben, durch den in Richtung der eingezeichneten
Pfeile das komprimierte Gas (Luft) strömt.
[0014] Im Heissgaskanal 12 sind in alternierenden Reihen in axialer Richtung hintereinander
Laufschaufeln 13 und Leitschaufeln 14 angeordnet. Die Leitschaufeln 14 sind am den
Heissgaskanal 12 umschliessenden Gehäuse angebracht. Die Laufschaufeln 13 sind am
Rotor 11 befestigt und drehen sich mit dem Rotor 11 um die Rotorachse 21.
[0015] Der mittlere Rotorring 16b, in dessen Abschnitt sich die Hochdruck- und Ausgangsstufen
des Kompressors 10 befinden, und der entsprechend den höchsten Temperaturen im Heissgaskanal
12 (oder im Kühlluftkanal) ausgesetzt ist, ist aus zwei unterschiedlichen Materialien
aufgebaut: Hauptbestandteil ist ein massiver, zentraler Rotorkern 22 aus einem ferritischen
Stahl. Auf diesen Rotorkern sind in axialer Richtung hintereinander mehrere Abschirmringe
18 aus austenitischem Stahl mit Doppel-T-förmigem Querschnittsprofil aufgeschoben
und an der Ringinnenfläche mit dem Rotorkern 22 verschweisst (Schweissverbindung 19).
In einem anderen Ausführungsbeispiel sind sie verlötet. Zwischen benachbarten Abschirmringen
18 sind am äusseren Umfang Aussparungen vorgesehen, die zur Aufnahme und Halterung
der Laufschaufeln 13 dienen. Unterhalb der Laufschaufeln 13 befinden sich zwischen
den Abschirmringen 18 Hohlräume. Durch den T-förmigen Fussbereich der Abschirmringe
18 verlaufen kurz oberhalb der Schweissverbindungen 19 in axialer Richtung zusätzliche
Kühlkanäle 20, welche die thermische Entkopplung zwischen Rotorkern 22 und Heissgaskanal
12 bzw. Kühlluftkanal weiter verbessern.
[0016] Durch die vorliegende Erfindung wird die thermische Belastbarkeit des Rotors 11 verbessert,
ohne dass der Rotor vollständig aus einem austenitischen Material hergestellt werden
muss. Durch die Anordnung der Abschirmringe 18 aus austenitischem Material zwischen
dem Heissgaskanal 13 des Kompressors oder dem Kühlluftkanal der Turbine und dem Rotorkern
22 aus ferritischem Material können die Temperaturen am Kompressorauslass bzw. der
Kühlluft im Kühlluftkanal um etwa 100°C angehoben werden. Gleichzeitig ist nur eine
geringe Menge an Kühlluft mit niedrigerer Temperatur zur Kühlung der Innenseite der
Abschirmringe 18 (mittels der Kühlkanäle 20) nötig. Hierdurch lassen sich deutliche
Verbesserungen im Wirkungsgrad erzielen, ohne dass der Rotor in seiner Gesamtheit
aus einem anderen Material gefertigt werden muss.
[0017] Insgesamt schlägt die vorliegende Erfindung vor, einen Rotor mit einem Rotorkern
aus ferritischem Material einzusetzen, der von relativ dünnen Abschirmringen aus austenitischem
Material umgeben ist, die mit dem Rotorkern durch Löten oder Schweissen fest verbunden
sind. Der Querschnitt der Abschirmringe kann je nach den lokalen Anforderungen unterschiedlich
sein: Breite und flache rechteckige Querschnitte mit einer zylindrischen oder konischen
Aussenfläche sind besonders für reine Abschirmzwecke geeignet. Einzelne Ringe können
mit Haken für die Halterung von Laufschaufeln versehen sein. Ringe mit Doppel-T-Profil
ermöglichen eine grössere radiale Flexibilität und Wärmeisolation. Um den ferritischen
Rotorkern vor zu hohen Temperaturen zu schützen, können Kanäle für ein Kühlmedium
am inneren Umfang der Abschirmringe integriert sein.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0018]
- 10
- Kompressor
- 11
- Rotor
- 12
- Heissgaskanal
- 13
- Laufschaufel
- 14
- Leitschaufel
- 15,17
- Schweissnaht
- 16a,b,c
- Rotorring
- 18
- Abschirmring
- 19
- Schweissverbindung
- 20
- Kühlkanal
- 21
- Rotorachse
- 22
- Rotorkern
1. Rotor (11) einer thermisch belasteten Turbomaschine, insbesondere eines Kompressors
(10) oder einer Gasturbine, welcher Rotor (11) um eine Rotorachse (21) drehbar gelagert
und konzentrisch von einem Heissgaskanal (12) oder Kühlluftkanal umgeben ist, dadurch gekennzeichnet, dass der Rotor (11) einen Rotorkern (22) aus einem ersten Material umfasst, dass der Rotorkern
(22) konzentrisch von Abschirmringen (18) aus einem zweiten Material umgeben ist,
welche den Rotorkern (22) gegen die Temperatur im Heissgaskanal (12) bzw. Kühlluftkanal
abschirmen, wobei das zweite Material gegenüber dem ersten Material eine höhere Wärmefestigkeit
aufweist, und dass die Abschirmringe (18) mit dem Rotorkern (22) stoffschlüssig verbunden
sind.
2. Rotor nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Material ein ferritischer Stahl ist, und dass das zweite Material ein austenitischer
Stahl ist.
3. Rotor nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Abschirmringe (18) mit dem Rotorkern (22) durch Löten oder Schweissen verbunden
sind.
4. Rotor nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass auf der Innenseite der Abschirmringe (18) Kühlkanäle (20) für das Durchströmen von
Kühlluft vorgesehen sind.
5. Rotor nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Abschirmringe (18) ausschliesslich zur Abschirmung des Rotorkerns (22) ausgebildet
sind, und dass die Abschirmringe (18) jeweils einen flachen rechteckigen oder keilförmigen
Querschnitt aufweisen.
6. Rotor nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Abschirmringe (18) den Rotorkern (22) gegen die Temperaturen im Heissgaskanal
(12) abschirmen, und dass die Abschirmringe (18) zur Aufnahme von Laufschaufeln (13)
ausgebildet sind.
7. Rotor nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Abschirmringe (18) jeweils ein Querschnittsprofil in Form eines doppelten T aufweisen.