[0001] Die Erfindung betrifft eine Reinigungsvorrichtung für ein rotationssymmetrisches
Bauteil in einer Verarbeitungsmaschine, vorzugsweise einer Druck-, Beschichtungs-
bzw. Lackiermaschine. Die Reinigungsvorrichtung weist eine mit einem Bürstenbesatz
versehene Waschwalze (Bürstenwalze) auf und ist bevorzugt zum Reinigen der Mantelfläche
eines Zylinders oder zum Reinigen einer Druckform in einer derartigen Verarbeitungsmaschine
einsetzbar.
[0002] Eine Reinigungsvorrichtung dieser Art ist aus DE 200 08 043 U1 bekannt. Die Vorrichtung
ist mit einem ein drehbeweglich antreibbares Reinigungselement aufnehmenden Gehäuse
mit einem Ablauf ausgebildet, welches eine einem Zylinder zugekehrte Öffnung aufweist.
Das Gehäuse weist weiterhin mindestens zwei voneinander getrennte Zuführleitungen
für unterschiedliche Reinigungsfluide auf, wobei jede Zuführleitung leitungsseitig
mit einem eigenen Vorratsbehälter und mit separaten Sprührohren im Gehäuse gekoppelt
ist. Das Reinigungselement ist bevorzugt eine antreibbare, mit einem Bürstenbesatz
versehene Waschwalze (Bürstenwalze), welche mit einem Rakelelement ständig in Eingriff
ist.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Reinigungsvorrichtung der eingangs
genannten Art zu schaffen, die insbesondere bei der Reinigung eines rotationssymmetrischen
Bauteils einen gesteigerten Reinigungseffekt erzielt und eine schonende Reinigung
der Oberfläche des rotationssymmetrischen Bauteils gewährleistet.
[0004] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch die Ausbildungsmerkmale von Anspruch 1 gelöst.
Weiterbildungen ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0005] Ein erster Vorteil ist dadurch gegeben, dass die Reinigungsvorrichtung, speziell
die Bürstenwalze, universell an rotationssymmetrischen Bauteilen mit unterschiedlichen
Oberflächen einsetzbar ist. Insbesondere sind dies bedruckstoffführende Zylindermantelflächen
bzw. auf dem rotationssymmetrischen Bauteil lösbar fixierte zylinderförmige Aufzüge,
einschließlich metallische bzw. keramische Platten, sowie auf Zylindermantelflächen
anordenbare Druckformen. Derartige Zylindermantelflächen (einschließlich Aufzüge)
weisen insbesondere eine strukturierte oder relativ glatte Oberfläche oder eine mittels
Siegelstoff versiegelte Oberfläche auf.
Derartige Druckformen sind bevorzugt Flexodruckformen (Hochdruckformen) oder Gummitücher
(vollflächig oder ausgespart), welche auf einem Formzylinder (einschließlich Gummituchzylinder)
lösbar anordenbar sind..
[0006] Ein zweiter Vorteil ergibt sich dadurch, indem durch die spezielle Ausbildung des
Bürstenbesatzes der Bürstenwalze ein spürbar gesteigerter Reinigungseffekt am zu reinigenden
rotationssymmetrischen Bauteil, vorzugsweise einem Zylinder, einschließlich einem
Aufzug, einem Gummituch bzw. einer Flexodruckform, erzielbar ist.
[0007] Ein dritter Vorteil besteht darin, dass die Bürstenwalze durch die spezielle Ausbildung
des Bürstenbesatzes die betreffende Oberfläche schonend reinigt, so dass die zu reinigende
Oberfläche einem spürbar verringerten Verschleiß unterliegt. Die Bürstenwalze eignet
sich insbesondere für versiegelte Oberflächen aber auch für Flexodruckformen bzw.
ausgesparte Gummitücher, bei denen in schonender Weise die Relieftiefen und Flanken
der Druckform reinigbar sind.
[0008] Vorteilhaft ist ebenso, dass bei rotationssymmetrischen Bauteilen, insbesondere Zylindern
mit wenigstens einem Zylinderkanal, die Reinigungsvorrichtung bzw. die Bürstenwalze
beim Zylinderkanaldurchgang bevorzugt von der Zylindermantelfläche abstellbar und
anschließend wieder an diese anstellbar ist. Damit ist ein Transport von Reinigungsflüssigkeit
in den Zylinderkanal vermeidbar.
[0009] Von Vorteil ist es ebenso, dass die Bürstenwalze in Bezug zur Drehrichtung des zu
reinigenden Zylinders mit alternierenden Drehrichtungen pro Waschfolge antreibbar
ist. Bevorzugt ist die Bürstenwalze zusätzlich in Achsrichtung changierbar antreibbar.
[0010] Zur eindeutigen Identifizierung der erfindungsgemäßen Bürstenwalze und zur besseren
Unterscheidung zu herkömmlichen Bürstenwalzen ist es vorteilhaft , wenn der gesamte
Bürstenbesatz eine zur bekannten Farbgebung unterschiedliche, bevorzugt einheitliche
Farbgebung aufweist. Dadurch kann der Bediener/Drucker bereits optisch die spezielle
Ausbildung der Bürstenwalze erkennen und mögliche Verwechselungen sind mit einfachen
Mitteln vermeidbar.
[0011] Die Erfindung soll an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert werden. Dabei zeigen
schematisch:
- Fig. 1
- eine Reinigungsvorrichtung mit einer Bürstenwalze als Reinigungselement und Zuführleitungen
für Reinigungsflüssigkeiten (Seitenansicht),
- Fig. 2
- die erfindungsgemäße Bürstenwalze im Detail.
[0012] Die in Figur 1 gezeigte Reinigungsvorrichtung ist an einem rotationssymmetrischen
Bauteil 1, vorzugsweise einem Zylinder, einer Druckmaschine angeordnet. Die Reinigungsvorrichtung
besitzt ein Gehäuse 2 von annähernd rechteckigem Querschnitt, das sich über die gesamte
Breite des rotationssymmetrischen Bauteils 1 erstreckt. Das Gehäuse 2 besteht aus
einem Gehäuseoberteil und einem daran lösbar angebrachten Gehäuseunterteil mit einem
daran angeordneten Ablauf 11. Ferner weist das Gehäuse 2 eine der zu reinigenden Mantelfläche
des rotationssymmetrischen Bauteils 1 zugewandte Öffnung auf, durch welche eine in
dem Gehäuse 2 drehbar gelagerte Bürstenwalze 3 als Reinigungselement soweit herausragt,
daß sie in der in Figur 1 gezeigten Anstellposition mit dem rotationssymmetrischen
Bauteil 1 in Kontakt ist.
[0013] Parallel zur Bürstenwalze 3 erstrecken sich in dem Gehäuse 2 ein erstes Sprührohr
4 mit einer vorgeordneten ersten Zuführleitung 5 für eine erste Reinigungsflüssigkeit,
ein zweites Sprührohr 6 mit einer vorgeordneten zweiten Zuführleitung 7 für eine zweite
Reinigungsflüssigkeit und ein drittes Sprührohr 8 mit einer vorgeordneten dritten
Zuführleitung 9 für eine dritte Reinigungsflüssigkeit, insbesondere für Wasser. Die
Sprührohre 4, 6, 8 weisen eine Vielzahl kleiner Öffnungen bzw. Düsen auf, die in regelmäßigen
Abständen voneinander über die gesamte Länge der Sprührohre 4, 6, 8 verteilt sind.
Die Sprührohre 4, 6, 8 sind dem oberen Bereich der Bürstenwalze 3 benachbart und befinden
sich in einem Abstand von dieser.
Alternativ sind zu den Sprührohren 4, 6, 8 auch einzelne Düsen anordenbar, welche
mit der entsprechenden Zuführleitung 5, 7, 9 leitungsseitig gekoppelt sind.
Am Gehäuse 2 ist ferner ein aus einem zylindrischen Stab bestehendes Rakel 10 angeordnet,
das bevorzugt mit einem Bürstenbesatz 13 der Bürstenwalze 3 in ständigem Eingriff
ist.
[0014] Vom ersten Sprührohr 4 führt eine erste Zuführleitung 5, vom zweiten Sprührohr 6
führt eine zweite Zuführleitung 7 und vom dritten Sprührohr 8 führt eine dritte Zuführleitung
9 zu einem als 3/3-Wege-Ventil ausgebildeten, mit der
Maschinensteuerung gekoppelten Ventilblock, dem aus drei voneinander getrennten Vorratsbehältern
über drei separate Pumpen die Reinigungsflüssigkeiten wahlweise zugeführt werden.
[0015] Die im Gehäuse 2 als Reinigungselement gelagerte Bürstenwalze 3 weist einen Walzenkern
12 auf, auf dem vorzugsweise konzentrisch fixiert der Bürstenbesatz 13 in Achsrichtung
angeordnet ist. Bevorzugt ist der Bürstenbesatz 13 von gleichem Durchmesser D und
geschliffen, so dass ein guter Rundlauf der Bürstenwalze 3 sowie ein gleichmäßiges
Reinigungsergebnis gewährleistet ist. In einer ersten Ausbildung ist dieser Bürstenbesatz
13 spiralförmig und in einer weiteren Ausbildung ist der Bürstenbesatz 13 büschelförmig
(s. Fig. 2) auf dem Walzenkern 12 angeordnet.
[0016] In Fig. 2 ist der Bürstenbesatz 13 beispielhaft durch einen Büschel von Borsten 14
dargestellt. Der Bürstenbesatz 13 ist durch eine Vielzahl einzelner Borsten 14 gebildet,
welche endseitig fest am Walzenkern 12 angeordnet sind und bevorzugt radial eine gleiche
Länge aufweisen. Am freien Ende ist jede einzelne Borste 14 fein gespaltet (gespleißt)
und weist somit mehrere Borstenspitzen 15 auf. Jede einzelne Borste 14 weist radial
endseitig ab einer Spaltstelle 16 zumindest zwei Borstenspitzen 15 auf, welche in
Bezug zur Stärke einer Borste 14 reduzierte Borstenspitzenstärken aufweisen. Je nach
eingesetztem Spleißwerkzeug sind alternativ mehr als zumindest zwei Borstenspitzen
15 erzeugbar. Durch das Aufspalten der einzelnen Borsten 14 an deren freien Ende im
Bereich einer Spaltstelle 16 in mehrere Borstenpitzen 15 wird die einzelne Borstenspitzenstärke
(Durchmesser) je nach Anzahl der Borstenspitzen 15 entsprechend reduziert. Dies ergibt
- im Vergleich zur einzelnen Borste 14 - einen weicheren Bürstenbesatz (geringerer
Elastizitätsmodul).
[0017] Die bevorzugte Spleißtiefe (Länge der Borstenspitzen 15 von der Spaltstelle 16 bis
zum freien Ende (Durchmesser D)) beträgt etwa 3 bis 6 mm bei jeder Borste 14. Die
bevorzugte einzelne Borstenspitzenstärke (Durchmesser) beträgt etwa 0,15 bis 0,30
mm pro Borste 14. Die bevorzugte Länge (vom Walzenkern 12 bis zum Durchmesser D) der
Borsten 14, einschließlich der Borstenspitzen 15, beträgt etwa 10 bis 35 mm pro Borste
14.
[0018] Der Bürstenbesatz 13 weist vorzugsweise Borsten 14 (mit Borstenspitzen 15) aus Polyamid
und/oder Polyester auf oder enthält zumindest derartige Materialien. Beispielsweise
ist ebenso eine Mischung aus Polyamid und Polyester, z.B. mit jeweils einem Anteil
von 50 %, als Bürstenbesatz 13 einsetzbar. Je einzelne Borste 14 ist glatt oder gewellt
ausführbar. Bevorzugt ist der Bürstenbesatz 13 aus einheiltlichen Borsten 14, beispielsweise
glatten Borsten 14 gebildet. Alternativ ist ebenso eine Mischung aus glatten und gewellten
Borsten 14 einsetzbar.
[0019] Zur Kennzeichnung der erfindungsgemäßen Bürstenwalze ist der gesamte Bürstenbesatz
13 zur bekannten schwarzen Farbgebung mit einer unterschiedlichen, vorzugsweise einheitlich
blauen, Farbgebung ausgebildet. Dadurch ist für den Bediener/Drucker bereits optisch
die spezielle Ausbildung der Borsten 14 mit Borstenspitzen 15 erkennbar. Die Borsten
14 und die Borstenspitzen 15 bestehen somit aus einem einheitlich eingefärbten, vorzugsweise
in blau gefärbten, Polyamid und/oder Polyester.
[0020] Die derart ausgebildete Bürstenwalze 3 ist rotativ bevorzugt alternierend antreibbar
und axial changierend antreibbar. Die Antriebe sind vorzugsweise mit der Maschinensteuerung
gekoppelt. Die bei einer Waschfolge an das rotationssymmetrische Bauteil 1 angestellte
Bürstenwalze 3 ist bevorzugt in Abhängigkeit des Durchganges eines Zylinderkanals
vom Zylinder 1 abstellbar und anschließend wieder anstellbar.
In bevorzugter Ausbildung ist die Bürstenwalze 3 einem rotationssymmetrischen Bauteil
1 an- / abstellbar zugeordnet, welches ein eine Flexodruck-/ Flexolackform oder ein
Gummituch, einschließlich ein ausgespartes Gummituch, tragender Gummituch-/Formzylinder
ist.
In einer weiteren bevorzugten Ausbildung ist die Bürstenwalze 3 einem rotationssymmetrischen
Bauteil 1 an-/ abstellbar zugeordnet, welches ein bedruckstoffführender Zylinder,
beispielsweise ein Gegendruckzylinder, bzw. ein Aufzug (auf dem bedruckstoffführenden
Zylinder) mit einer Oberflächenstruktur, einschließlich einer mit einem Siegelstoff
versiegelten Oberflächenstruktur, ist. In einer bevorzugten Ausbildung ist die Oberflächenstruktur
aus Molybdän oder Wolframcarbid/Kobalt gebildet oder enthält zumindest diese Materialien.
Der Siegelstoff auf der Oberflächenstruktur ist bevorzugt aus der Gruppe der Polyorganosiloxane.
Bezugszeichenliste
[0021]
- 1 -
- rotationssymmetrisches Bauteil
- 2 -
- Gehäuse
- 3 -
- Bürstenwalze
- 4 -
- erstes Sprührohr
- 5 -
- erste Zuführleitung
- 6 -
- zweites Sprührohr
- 7 -
- zweite Zuführleitung
- 8 -
- drittes Sprührohr
- 9 -
- dritte Zuführleitung
- 10 -
- Rakel
- 11 -
- Ablauf
- 12 -
- Walzenkern
- 13
- Bürstenbesatz
- 14
- Borste
- 15
- Borstenspitze
- 16
- Spaltstelle
- D
- Durchmesser
1. Reinigungsvorrichtung für ein rotationssymmetrisches Bauteil in einer Verarbeitungsmaschine
mit einem eine dem rotationssymmetrischen Bauteil zugekehrte Öffnung aufweisenden
Gehäuse zur Aufnahme einer mit diesem Bauteil in Kontakt bringbaren, drehbeweglichen
Bürstenwalze mit einem Walzenkern und einem daran angeordneten Bürstenbesatz, mit
wenigstens einer Zuführleitung für eine Reinigungsflüssigkeit und mit einem Ablauf
zur Abführung der verschmutzten Reinigungsflüssigkeit,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Bürstenbesatz (13) eine Vielzahl einzelner Borsten (14) endseitig fixiert auf
dem Walzenkern (12) angeordnet sind und dass jede einzelne Borste (14) am freien Ende
in mehrere Borstenspitzen (15) aufgespaltet ist.
2. Reinigungsvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Bürstenbesatz (13) konzentrisch auf dem Walzenkern (12) angeordnet ist.
3. Reinigungsvorrichtung nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Bürstenbesatz (13) einen gleichen Durchmesser (D) aufweist.
4. Reinigungsvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass jede Borste (14) ab einer Spaltstelle (16) zumindest zwei Borstenspitzen (15) von
reduzierter Borstenspitzenstärke aufweist.
5. Reinigungsvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Spleißtiefe der Borstenspitzen (15) etwa 3 bis 6 mm beträgt.
6. Reinigungsvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass jede Borste (14) eine Borstenspitzenstärke von etwa 0,15 bis 0,30 mm aufweist.
7. Reinigungsvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Länge der Borsten (14), einschließlich der Borstenspitzen (15), etwa 10 bis 35
mm beträgt.
8. Reinigungsvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Borsten (14) einschließlich der Borstenspitzen (15) aus Polyamid und/oder Polyester
bestehen.
9. Reinigungsvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Borsten (14) und die Borstenspitzen (15) einheitlich eingefärbt sind.
10. Reinigungsvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bürstenwalze (3) einem rotationssymmetrischen Bauteil (1) an- / abstellbar zugeordnet
ist, welches ein eine Flexodruck-/ Flexolackform oder ein Gummituch, einschließlich
ausgespartes Gummituch, tragender Gummituch-/Formzylinder ist.
11. Reinigungsvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bürstenwalze (3) einem rotationssymmetrischen Bauteil (1) an- / abstellbar zugeordnet
ist, welches ein bedruckstoffführender Zylinder bzw. ein Aufzug mit einer Oberflächenstruktur
ist.
12. Reinigungsvorrichtung nach Anspruch 1 und 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Oberflächenstruktur auf dem Zylinder bzw. dem Aufzug mit einem Siegelstoff versiegelt
ist.