[0001] Die Erfindung betrifft einen Rotor für eine Strömungsmaschine, der im freigelegten
Zustand einen von außen sichtbaren Kontrollbereich aufweist, in dem beim Betrieb der
Strömungsmaschine eine vergleichsweise unkritische Beanspruchung auftritt und der
im freigelegten Zustand einen von außen nicht sichtbaren Überwachungsbereich aufweist,
in dem beim Betrieb der Strömungsmaschine eine vergleichsweise kritische Beanspruchung
auftritt. Ferner betrifft die Erfindung eine Strömungsmaschine nach dem Oberbegriff
des Anspruchs 11 und ein Verfahren zum Erkennen des Zustands des Rotors einer Strömungsmaschine
nach dem Oberbegriff des Anspruchs 13.
[0002] Es ist bekannt, dass die Komponenten des Rotors einer Gasturbine bereits vor ihrem
Zusammenbau auf Fehlstellen untersucht werden, um Beschädigungen zu vermeiden, die
bei dem Betrieb der Gasturbine auftreten können. Der Rotor ist aus mehreren aneinanderliegenden
Rotorscheiben und einem Zuganker aufgebaut. Neben den thermischen Beanspruchungen
ist er besonders den durch die Fliehkraft entstehenden mechanischen Beanspruchungen
ausgesetzt, so dass dessen Komponenten auf Fehlstellen untersucht werden.
[0003] Insbesondere die Rotorscheiben werden durch die bekannten Materialprüfungen wie z.
B. Ultraschall auf Fehlstellen, die als Anzeigen erscheinen, untersucht, welche nach
der Herstellung der Rotorscheiben vorhanden sein können. Die Anzeigen deuten dabei
auf Fehlstellen, Fremdmaterialeinschlüsse, Inhomogenitäten in der Materialstruktur
oder auch Risse hin. Die nach dieser Erstprüfung als anzeigefrei erkannten Rotorscheiben
werden dann für den Bau des Rotors verwendet. Anzeigefrei bedeutet, dass tatsächlich
keine Fehlstellen vorhanden sind oder dass in der Komponente vorhandene Fehlstellen
derart klein sind, dass theoretisch gemäß einer bruchmechanischen Berechnung während
des Betriebs der Gasturbine von ihnen aus keine kritischen Risse entstehen und wachsen
können.
[0004] Trotz der Erstprüfung der Rotorscheiben können diese unerkannte oder in ihrer Auswirkung
unterschätzte Fehlstellen aufweisen, so dass aus Gründen der Betriebssicherheit die
Gasturbine nach einer vorgegebenen Anzahl von Starts zu Servicezwecken geöffnet und
der Rotor in einer Wiederholungsprüfung untersucht wird.
[0005] Die Rotoren müssen zur Prüfung entstapelt, das heißt in ihre Rotorkomponenten zerlegt
werden, um die im Inneren des Rotors von außen nicht sichtbaren und somit nicht untersuchbaren
Bereiche der Rotorscheiben auf Risse zu untersuchen.
[0006] Zur Überprüfung der einzelnen Rotorscheiben auf Risse werden die bereits bekannten
Verfahren zum wiederholten Male eingesetzt.
[0007] Ferner ist bekannt, dass mittels einer deterministischen Analyse die zulässige Startzahl
der Gasturbine ermittelt werden kann, nach der eine Überprüfung der Rotorkomponenten
auf Defekte vorzunehmen ist. Dabei sind die bruchmechanischen Randbedingungen und
die angenommenen Betriebsbeanspruchungen so gewählt, dass die zulässige Startzahl
konservativ ausgelegt ist, d.h. dass die zulässige Startzahl zu niedrig geschätzt
wird.
[0008] Dazu zeigt Figur 5 ein Startzahl-Risslänge-Diagramm nach dem Stand der Technik.
[0009] Dargestellt ist das Wachstumsverhalten eines Risses in einer Rotorscheibe. Die Kennlinie
51 wird dabei gemäß der o.g. Analyse ermittelt. Mit zunehmender Startzahl nimmt die
Risslänge a überproportional zu. Während des Betriebs darf jedoch ein Riss die berechnete
maximal zulässige Risslänge
azul nicht überschreiten.
[0010] Um den sicheren Betrieb der Gasturbine zu gewährleisten, wird eine Fehlstelle angenommen,
die theoretisch ein Risswachstum gemäß der Kennlinie 51 auslöst. Da die maximal zulässige
Risslänge
azul nicht überschritten werden darf, kann somit mittels der Kennlinie 51 die Anzahl an
zulässigen Starts
Nzul bestimmt werden. Spätestens bei Erreichen der zulässigen Startzahl
Nzul wird der Rotor zerlegt und die Rotorscheiben auf Defekte untersucht.
[0011] Die Zerlegung und Überprüfung des Rotors vergrößert jedoch die Zeitdauer der Revision
und vermindert so die Verfügbarkeit der Gasturbine.
[0012] Demgemäß ist es die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen Rotor einer Strömungsmaschine
anzugeben, mit dem eine Erhöhung der Verfügbarkeit der Strömungsmaschine erreicht
wird. Ferner ist es Aufgabe der Erfindung hierzu eine Strömungsmaschine und ein Verfahren
zum Erkennen des Zustandes eines Rotors anzugeben.
[0013] Die auf den Rotor gerichtete Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1, die
auf die Strömungsmaschine gerichtete Aufgabe durch die Merkmale des Anspruchs 11 und
die auf das Verfahren gerichtete Aufgabe durch die Merkmale des Anspruchs 13 gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0014] Die Lösung der auf den Rotor gerichteten Aufgabe sieht vor, dass im Kontrollbereich
des Rotors eine Schwachstelle nach Art einer Sollbruchstelle vorgesehen ist und dass
eine beim Betrieb der Strömungsmaschine im Überwachungsbereich möglicherweise auftretende
Beschädigung des Rotors durch einen zwangsweise im Bereich der Schwachstelle auftretenden
und von dieser Stelle aus wachsenden für die Rotorscheibe unkritischen Defekt erkennbar
ist.
[0015] Mit der Erfindung ist es erstmals möglich, das Risswachstum unter der bisher tatsächlichen
aufgetretenen Beanspruchung, die durch die Betriebsweise hervorgerufen worden ist,
zu beobachten. Dazu wird in dem für die Integrität der Rotorscheibe vergleichsweise
unkritischen Kontrollbereich eine Schwachstelle angeordnet, von der aus ein von dem
bisher tatsächlichen Beanspruchungskollektiv hervorgerufener unkritischer Defekt wachsen
kann. Auf der Basis des unkritischen Defekts werden Rückschlüsse auf eine mögliche
Beschädigung des Rotors gezogen, die im von außen nicht einsehbaren Überwachungsbereich
liegen.
[0016] Der Erfindung liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass die bei der Erstprüfung nicht
erfassten oder tolerierten Fehlstellen während des Betriebs der Strömungsmaschine
ein Risswachstum auslösen können. Mit der erfindungsgemäß vorgesehenen Schwachstelle
wird gezielt eine Fehlstelle in den von außen sichtbaren Kontrollbereich eingebracht.
Von der Schwachstelle aus kann dann ein von dem Beanspruchungskollektiv hervorgerufener
unkritischer Defekt wachsen. Nur wenn bei geöffneter Strömungsmaschine und bei weiterhin
zusammengebautem Rotor ein im Kontrollbereich angeordneter unkritischer Defekt entdeckt
wird, dessen Länge einen Grenzwert überschreitet, so ist der Zustand des Rotors als
,zu überprüfen' erkannt. Erst dann ist die Zerlegung des Rotors und eine eingehende
Überprüfung der Rotorkomponenten notwendig.
[0017] Folglich wurde sich von dem bisherigen Verfahren abgewendet, bei dem die Kriterien
zur Entscheidung über das Zerlegen des Rotors von einer deterministischen Analyse
unter Anwendung einer konservativen Randbedingung abgeleitet wurde. Stellte sich nämlich
bei einer Überprüfung der zerlegten Rotorkomponenten heraus, dass kein Defekt im Innern
des Rotors vorlag, so wurde bisher der Rotor unnötigerweise zerlegt und die Rotorkomponenten
wurden damit unnötigerweise überprüft. Überschreitet keiner der Defekte der Kontrollbereiche
den Grenzwert, so kann die Zerlegung des Rotors und die Überprüfung der Rotorkomponenten
zeitlich gesehen nach hinten verlagert werden, was zu einer Steigerung der Verfügbarkeitsdauer
der Strömungsmaschine führt und zu einer Reduzierung der Revisionskosten.
[0018] In einer vorteilhaften Ausgestaltung ist die Schwachstelle durch eine Materialschwächung
gebildet, welche einfach und preiswert herstellbar ist.
[0019] Wenn die Schwachstelle als Kerbe ausgebildet ist, kann von dieser Kerbe aus im Kontrollbereich
als Defekt ein Riss wachsen.
[0020] Besonders vorteilhaft ist zur Begrenzung der Schwachstelle eine Ausnehmung, insbesondere
eine Entlastungsbohrung vorgesehen, in die der unkritische Defekt auslaufen kann.
Ein Anwachsen des Defektes auf eine überkritische Länge und/oder aus dem Kontrollbereich
hinaus wird somit verhindert.
[0021] Gemäss einer vorteilhaften Ausgestaltung ist die Schwachstelle so ausgebildet, dass
beim Betrieb der Strömungsmaschine an dieser Stelle ein unkritischer Defekt hervorgerufen
wird, der mit einem weiteren, im Überwachungsbereich durch eine Fehlstelle ausgelösten
Defekt proportional vergleichbar ist. Dadurch wird gewährleistet, dass im unkritischen
Kontrollbereich Defekte entstehen können, die einen Rückschluss auf im kritischen
Überwachungsbereich möglicherweise auftretende Defekte zulassen. Dabei ist die Schwachstelle
in Größe und Form so gewählt, dass sie einer nicht erkannten bzw. einer tolerierten
Fehlstelle im Überwachungsbereich entspricht.
[0022] Nach einer Ausgestaltung umfasst der Rotor mehrere Rotorscheiben und zumindest einen
die Rotorscheiben einspannenden Zuganker. Weist zumindest eine der Rotorscheiben im
Kontrollbereich bei der Revision einen kritischen Defekt auf, so ist der Rotor zu
zerlegen und zumindest die betreffende Komponente auf Defekte zu überprüfen.
[0023] Besonders Vorteilhaft ist die Erfindung auf geschweißte oder einstücke Rotoren anwendbar,
da bei diesen ein Zerlegen zwar nicht möglich ist, aber der Zustand des Rotors bestimmbar
ist in Bezug auf innere kritische Defekte, welche ggf. zum Versagen des Rotors führen
könnten.
[0024] Zweckmäßigerweise ist zumindest an einer der Rotorscheiben eine Schwachstelle vorgesehen.
Besonders vorteilhaft ist die Ausgestaltung, bei der jede Rotorscheibe eine Schwachstelle
aufweist. Ein Teil der Kontrollbereiche deckt ein erstes Revisionsintervall ab, nach
der rechnerisch ein Entstapeln des Rotors und eine Überprüfung der Rotorscheiben erforderlich
sein sollte. Für jedes weitere Revisionsintervall können weitere Kontrollbereiche
mit weiteren Schwachstellen und zugehörigen Ausnehmungen vorgesehen sein, die für
die bisherige Betriebsweise ein Risswachstum bewirken. Somit kann das gesamte Beanspruchungskollektiv
an der zugehörigen Schwachstelle wirken, um dann bei der Überprüfung des Kontrollbereichs
für den gesamten Rotor Rückschlüsse ziehen zu können.
[0025] Alternativ dazu könnte Kontrollbereich derart ausgebildet sein, dass der die Schwachstelle
mit ihrer zugehörigen Entlastungsöffnung alle Revisionsintervalle abdeckt. Folglich
muss bei jeder Revision die tatsächliche Risslänge erfasst und mit einer der jeweiligen
Revision zugeordneten vorgegebenen zulässigen Risslänge verglichen werden, um den
Zustand des Rotors zu bestimmen.
[0026] In einer vorteilhaften Weiterbildung grenzt der Überwachungsbereich an einer Nabe
der Rotorscheibe an, da an dieser Stelle beim Betrieb der Strömungsmaschine höhere
Beanspruchungen auftreten können. Beschädigungen können somit vergleichsweise früh
in diesem Bereich auftreten, so dass dessen Überwachung sinnvoll ist.
[0027] Die Lösung der auf die Strömungsmaschine gerichteten Aufgabe schlägt vor, den Rotor
dieser Strömungsmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 9 auszubilden.
[0028] Die Lösung der auf das Verfahren gerichteten Aufgabe schlägt zum Erkennen des Zustandes
des freigelegten Rotors einer Strömungsmaschine vor, dass zuerst der Kontrollbereich
des Rotors auf einen unkritischen Defekt hin untersucht wird und bei Nichtvorliegen
eines Defekts im Kontrollbereich der Zustand als ,nicht zu überprüfen' ermittelt wird
oder bei Vorliegen eines Defektes auf einen weiteren im Überwachungsbereich angeordneten
Defekt zurückgeschlossen wird, aus dem anschließend der Zustand des Rotors ermittelt
wird.
[0029] Die für den Rotor beschriebenen Vorteile gelten dabei sinngemäß auch für die Strömungsmaschine
und das Verfahren.
[0030] Die Erfindung wird anhand einer Zeichnung erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- einen Schnitt durch eine Rotorscheibe mit einer Schwachstelle,
- Figur 2
- die Seitenansicht der Rotorscheibe gemäss Figur 1,
- Figur 3
- die Draufsicht auf den Umfang der Rotorscheibe gemäss Figur 1,
- Figur 4
- ein Startzahl-Risslänge-Diagramm gemäß der Erfindung,
- Figur 5
- ein Startzahl-Risslänge-Diagramm gemäß dem Stand der Technik und
- Figur 6
- einen Längsteilschnitt durch eine Gasturbine.
[0031] Eine Gasturbine und deren Arbeitsweise ist allgemein bekannt. Dazu weist Figur 6
eine Gasturbine 1 einen Verdichter 5 für Verbrennungsluft, eine Brennkammer 6 sowie
eine Turbine 8 zum Antrieb sowohl des Verdichters 5 wie auch einer Arbeitsmaschine,
z. B. eines Generators, auf. Die Turbine 8 und der Verdichter 5 sind auf einem gemeinsamen,
auch als Turbinenläufer bezeichneten Rotor 3 angeordnet, mit der auch die Arbeitsmaschine
verbunden ist, und die um ihre Längsachse drehbar gelagert ist. Die Brennkammer 6
ist mit Brennern 7 zur Verbrennung eines flüssigen oder gasförmigen Brennstoffs bestückt.
[0032] Die Gasturbine 1 weist eine drehfeste untere Gehäusehälfte 12 auf, in der bei der
Montage der Gasturbine 1 der zusammengebaute Rotor 3 hineingelegt wird. Anschließend
wird eine obere Gehäusehälfte 13 montiert, um die Gasturbine 1 zu schließen.
[0033] Der Rotor 3 weist einen zentralen Zuganker 10 auf, welcher mehrere aneinanderliegende
Rotorscheiben 19 miteinander verspannt.
[0034] Im Innern weisen der Verdichter 5 wie auch die Turbine 8 jeweils eine Anzahl von
mit der Rotor 3 verbundenen, rotierbaren Laufschaufeln 16 auf. Die Laufschaufeln 16
sind kranzförmig an den ringförmigen Rotorscheiben 19 angeordnet und bilden somit
eine Anzahl von Laufschaufelreihen 15. Weiterhin umfasst sowohl der Verdichter 5 als
auch die Turbine 8 eine Anzahl von feststehenden Leitschaufeln 14, die ebenfalls kranzförmig
unter der Bildung von Leitschaufelreihen 17 an einer Innenwand des Gehäuses von Verdichter
5 bzw. Turbine 8 befestigt sind.
[0035] Figur 1 zeigt den Schnitt durch die Rotorscheibe 19 einer Gasturbine 1 entlang ihres
Radius. Durch den Mittelpunkt der ringförmigen Rotorscheibe 19, welche als Verdichterscheibe
oder auch als Turbinenscheibe ausgebildet sein kann, verläuft die Drehachse 2 des
Rotors 3. Die Rotorscheibe 19 weist Laufschaufelhaltenuten 23 zur Aufnahme von Laufschaufeln
16 an ihrem radial äußeren Ende 21 auf. An einer Stirnseite 25 der Rotorscheibe 19
ist ein frei auskragender Balkon 27 vorgesehen. Der Balkon 27 weist einen Kontrollbereich
29 auf, welcher im freigelegtem Zustand des zusammengebauten Rotors 3 von außen sichtbar
ist. Der Rotor 3 liegt dann in der unteren Gehäusehälfte 12 der Gasturbine 1 und die
obere Gehäusehälfte 13 ist abgenommen.
[0036] Fig.3 zeigt den Kontrollbereich 29 mit einer Schwachstelle 31, welche als Kerbe 32
mit einer Kerblänge
aKerbe0ausgebildet ist. Die Kerbe 32 ist dabei an einem axialen Rand 33 des Balkons 27 vorgesehen,
wobei gegenüberliegend eine Ausnehmung 34 als Entlastungsöffnung 35 angeordnet ist.
Die Entlastungsöffnung 35 ist zum Rand 33 derart beabstandet, dass der Betrag des
Abstands einer später erläuterten maximal zulässigen Risslänge
aKerberzul entspricht.
[0037] Radial innen ist ein an der Nabe 36 der Rotorscheibe 19 angrenzender Überwachungsbereich
37 angeordnet, in dem beim Betrieb der Gasturbine 1 kritische Beanspruchungen auftreten
können.
[0038] Die Schwachstelle 31, die im für die Funktion des Rotors 3 unkritischen Kontrollbereich
29 angeordnet ist, ist mit einer im Überwachungsbereich 37 anzunehmenden Fehlstelle
41 in Größe und Wirkung proportional vergleichbar. Ferner sind die im Kontrollbereich
29 auftretenden Beanspruchungen mit den im Überwachungsbereich 37 auftretenden Beanspruchungen
proportional vergleichbar.
[0039] Während des Betriebs der Gasturbine 1 können an der Schwachstelle 31, und ggf. bei
Vorhandensein einer Fehlstelle 41, Beanspruchungen und Beanspruchungskollektive auftreten,
die an diesen Stellen jeweils zu einem Risswachstum führen können.
[0040] Aus Gründen der Betriebssicherheit muss die Schwachstelle 31 so dimensioniert sein,
dass dort eher ein Riss 40 wächst als von einer unentdeckten Fehlstelle 41 aus.
[0041] Weist bei der Revision zumindest ein Kontrollbereich 29 einer der Rotorscheiben 19
als Defekt 39 einen Riss 40 auf, der von der Schwachstelle 31 ausgehend in der Entlastungsöffnung
35 endet, so ist davon auszugehen, dass im Überwachungsbereich 37 bei Vorhandensein
einer Fehlstelle 41 ein vergleichbarer Riss 45 entstanden ist, so dass der Zustand
des Rotors 3 bzw. der Rotorscheibe 19 als ,zu Überprüfen' einzustufen ist. Dann ist
die den unkritischen Defekt 39 aufweisende Turbinenscheibe 19 durch eine genauere
Untersuchung zu überprüfen, wozu der Rotor 3 zu zerlegen ist.
[0042] Alternativ könnte die Entlastungöffnung derart weit von der Kerbe entfernt sein,
dass ein Risswachstum ermöglicht, welches sich über mehrere Revisionsintervalle erstreckt.
Die einem Revisionsintervall jeweils zugeordnete zulässige Risslänge, welche auf den
Zustand 'zu überprüfen' hindeutet, muss dann immer mit der tatsächlich vorhandenen,
gemessenen Risslänge verglichen werden. Dem gemäß ist eine Bewertung des Risswachstums
möglich, welcher durch den Betrieb der Gasturbine zwischen zwei folgenden Revisionen
auftritt.
[0043] Zeigt die Überprüfung der Rotorscheibe 19 im Überwachungsbereich 37 keinen Defekt
43 auf, so kann aufgrund des unkritischen Defektes 39 im Kontrollbereich 29 davon
ausgegangen werden, dass im Überwachungsbereich 37 auch keine signifikante Fehlstelle
41 vorhanden ist. Sonst wäre dort ein Defekt 43 erkennbar. Somit kann die betrachtete
Rotorscheibe 19 weiter verwendet werden.
[0044] Figur 4 zeigt ein Startzahl-Risslänge-Diagramm, welches bei der Erfindung angewendet
wird. Auf der Abszisse wird die Startzahl N der Gasturbine 1 aufgetragen und auf der
Ordinate die Risslänge a von Rissen 40 von Rotorscheiben 19.
[0045] Eine in Volllinie gezeichnete Kennlinie 53 zeigt den konservativ berechneten Verlauf
der Risslänge a des Risses 40 im Kontrollbereich 29 in Abhängigkeit von der Startzahl
N der Gasturbine 1. Mit einer als Grenzwert maximal zulässigen Risslänge
aKerbezul ist die maximale Risslänge a des Risses 40 inklusive der Länge
aKerbe0der Kerbe 32 vorgegeben, mit der die Rotorscheibe 29 betrieben werden kann, ohne dass
deren Zustand und der des Rotors 3 als ,zu überprüfen' einzustufen ist. Die Kennlinie
53 schneidet die maximal zulässige Risslänge
aKerbezul im Punkt 55. Hieraus lässt sich dann die unter konservativer Annahme berechnete zulässige
Startzahl
NBerzul bestimmen.
[0046] Spätestens bei Erreichen der berechneten zulässigen Startzahl
NBerzul wird die Gasturbine 1 zu Revisionszwecken zerlegt. Der von außen sichtbare Kontrollbereich
29 zeigt dann ggf. einen von der Kerbe 32 ausgehenden Riss 40 mit der tatsächlichen
Länge
atat , der als Punkt 63
P(
NBerzul ,
atat) in das Diagramm eingetragen wird. Mit der Koordinate
P(
0,aKerbe0) ist ein zweiter Punkt 61 als Ursprung einer weiteren Kennlinie 57 festgelegt, so
dass im Abszissen-Intervall von [0,
NBerzul] die Kennlinie 57 auf Grund der bruchmechanischen Eigenschaften des Materials der
Rotorscheibe 19 bestimmt werden kann. Die strichpunktiert dargestellte Kennlinie 57
zeigt folglich das Risswachstum, welches durch das tatsächliche Beanspruchungskollektiv
aufgetreten ist. Der weitere Verlauf 65 der Kennlinie 57 wird anschließend durch Extrapolation
ermittelt, um dann einen Schnittpunkt 59 mit der maximal zulässigen Risslänge a
Kerbezul zu bestimmen. Hierdurch wird die tatsächlich zulässige Startzahl
Ntatzul ermittelt, nach welcher der Rotor 3 zu zerlegen und im kritischen Überwachungsbereich
37 auf Defekte 43 zu überprüfen ist. Somit erfolgt eine vergleichsweise genaue Bestimmung
der Restlebensdauer der Rotorscheiben 19.
[0047] Die Differenz Δ
n zwischen der tatsächlich zulässigen Startzahl
Ntatzul und der berechneten zulässigen Startzahl
NBerzulist der durch die Erfindung erzielte Gewinn an Starts N der Gasturbine 1. Erst nach
dem Erreichen der tatsächlich zulässigen Startzahl
Ntatzul ist der Rotor 3 zu zerlegen und die Rotorscheiben 19 und andere Rotorkomponenten
auf Defekte 43 im kritischen Überwachungsbereich 37 zu untersuchen.
[0048] Für jedes Revisionsintervall wird mit der Schwachstelle 31 ein bis zu diesem Zeitpunkt
dem tatsächlichen Beanspruchungskollektiv ausgesetzter Risswachstumsindikator nach
Art einer Sollbruchstelle geschaffen, mit dem Rückschlüsse bezüglich Defekte 43 auf
von außen nicht sichtbare Bereiche der Rotorscheiben 19 ermöglicht werden.
1. Rotor (3) einer Strömungsmaschine,
der im freigelegten Zustand einen von außen sichtbaren Kontrollbereich (29) aufweist,
in dem beim Betrieb der Strömungsmaschine eine vergleichsweise unkritische Beanspruchung
auftritt und
der im freigelegten Zustand einen von außen nicht sichtbaren Überwachungsbereich (37)
aufweist, in dem beim Betrieb der Strömungsmaschine eine vergleichsweise kritische
Beanspruchung auftritt,
dadurch gekennzeichnet,
dass im Kontrollbereich (29) eine Schwachstelle (31) nach Art einer Sollbruchstelle vorgesehen
ist und
dass eine beim Betrieb der Strömungsmaschine im Überwachungsbereich (37) möglicherweise
auftretende Beschädigung des Rotors (3) durch einen im Bereich der Schwachstelle (31)
auftretenden und von dieser Stelle aus wachsenden unkritischen Defekt (39) erkennbar
ist.
2. Rotor (3) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Schwachstelle (31) durch eine Materialschwächung gebildet wird.
3. Rotor (3) nach Anspruch 1 bis 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Schwachstelle (31) als Kerbe (32) ausgebildet ist.
4. Rotor (3) nach Anspruch 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass zur Begrenzung der Schwachstelle (31) eine Ausnehmung (34), insbesondere eine Entlastungsbohrung
(35) vorgesehen ist, in die der unkritische Defekt (39) auslaufen kann.
5. Rotor (3) nach Anspruch 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Schwachstelle (31) so ausgebildet ist, dass beim Betrieb der Strömungsmaschine
an dieser Stelle ein unkritischer Defekt (39) hervorrufen wird, der mit einem weiteren,
im Überwachungsbereich (37) durch eine Fehlstelle (41) ausgelösten Defekt (43) proportional
vergleichbar ist.
6. Rotor (3) nach Anspruch 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rotor (3) mehrere Rotorscheiben (19) und zumindest einen die Rotorscheiben (19)
einspannenden Zuganker (10) umfasst.
7. Rotor (3) nach Anspruch 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rotor einstückig, insbesondere geschweißt, ist.
8. Rotor (3) nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die zumindest eine Schwachstelle (31) an zumindest einer der Rotorscheiben (19) vorgesehen
ist.
9. Rotor (3) nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rotor mehrere Schwachstellen an einer Rotorscheibe oder auf mehreren Rotorscheiben
verteilt aufweist und
dass zur Revisionsstaffelung die Schwachstellen mit ihren zugehörigen Ausnehmungen derart
unterschiedlich ausgebildet sind, dass für jede Revision das bis zum jeweiligen Revisionszeitpunkt
kumulierte Beanspruchungskollektiv im Kontrollbereich ein vergleichbares Risswachstum
bewirkt.
10. Rotor (3) nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Überwachungsbereich (37) an einer Nabe (36) der Rotorscheibe (19) angrenzt.
11. Strömungsmaschine mit einem Rotor (3),
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rotor (3) nach einem der Ansprüche 1 bis 10 ausgebildet ist.
12. Strömungsmaschine nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Strömungsmaschine als Verdichter (5), als Gasturbine (1) oder als Dampfturbine
ausgebildet ist.
13. Verfahren zum Erkennen des Zustands des freigelegten Rotors (3) einer Strömungsmaschine,
der im freigelegten Zustand einen von außen sichtbaren Kontrollbereich (29) aufweist,
in dem beim Betrieb der Strömungsmaschine eine vergleichsweise unkritische Beanspruchung
auftritt und
der im freigelegten Zustand einen von außen nicht sichtbaren Überwachungsbereich (37)
aufweist, in dem beim Betrieb der Strömungsmaschine eine vergleichsweise kritische
Beanspruchung auftritt,
dadurch gekennzeichnet,
dass zuerst der Kontrollbereich (29) des Rotors (3) auf einen unkritischen Defekt (39)
hin untersucht wird und bei Vorliegen eines unkritischen Defekts (39) auf einen weiteren
im Überwachungsbereich (37) angeordneten Defekt (43) zurückgeschlossen wird, aus dem
der Zustand des Rotors (3) ermittelt wird oder
bei Vorliegen einer Risslänge, welche einen Grenzwert unterschreitet, der Zustand
als ,zu überprüfen' ermittelt wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass zuvor der Kontrollbereich (29) so bestimmt wird, dass in diesem beim Betrieb der
Strömungsmaschine unkritischen Defekte (39) entstehen.
15. Verfahren nach Anspruch 13 oder 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass der unkritische Defekt (39) sich als Riss (40) ausbildet.
16. Verfahren nach Anspruch 15,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Zustand des Rotors (3) als ,zu überprüfen' erkannt wird, wenn der im Kontrollbereich
(29) entstandene Riss (40) eine Risslänge a aufweist, die einen Grenzwert überschreitet.
17. Verfahren nach Anspruch 16,
dadurch gekennzeichnet,
dass nach dem Erkennen des zu überprüfenden Zustands der Rotor (3) zerlegt wird.
18. Verfahren nach Anspruch 13 bis 17,
mit einen Rotor nach den Ansprüchen 1 bis 10.