[0001] Die Erfindung betrifft den Wagenkasten eines Schienenfahrzeuges mit einer Vorrichtung
zur gezielten Absorption von Kollisionsenergie, die vor der Rohbaustruktur des Wagenkastens
angeordnete und für einen Austausch lösbar an der Rohbaustruktur befestigte Absorptionselemente
aufweist, deren Frontfläche zumindest teilweise in Form und Lage zur Lasteinleitung
durch Puffer oder diesen in der Festigkeit entsprechende Bereiche von Kollisionsgegnern
auf Höhe des Untergestells ausgebildet ist.
[0002] Zum Schutz der Insassen und zur Reduktion der Reparaturkosten bei Kollisionen ist
es zunehmend üblich, Schienenfahrzeuge mit Systemen zur gezielten Aufnahme von Energie
auszustatten. Dabei hat es sich als sinnvoll erwiesen, wenigstens die erste Stufe
eines solchen Systems zur Energieabsorption in Form von leicht austauschbaren Elementen
auszuführen, die vor der eigentlichen Rohbaustruktur angesetzt werden. Die Befestigung
dieser Elemente erfolgt durch lösbare Verbindungen, in der Regel durch Schrauben.
Um die Übertragung der Kräfte von den anzunehmenden Kollisionsgegnern zu gewährleisten,
sind die Absorptionselemente geeignet anzuordnen, bei den europäischen Vollbahnen
also meist in der Position der dort vorherrschenden Seitenpuffer (z. B. SNCF TER 73500;
Bombardier ITINO; DB ICE 3). Es sind auch Ausführungen bekannt, die reversibel federnde
betriebliche Seitenpuffer mit dahinter geschalteten, irreversibel verformbaren Absorptionselementen
kombinieren (z. B. ÖBB 1016, 1116, 2016; DB 189). Zusätzlich zu den Absorptionselementen
auf Pufferhöhe können auch weitere Elemente an der Frontwand unterhalb des Fensters
angeordnet werden (z. B. SNCF TER 73500; DB ICE 3).
[0003] Nachteilig bei den bisher ausgeführten Konstruktionen ist die geringe Biegebelastbarkeit
der Absorptionselemente um die Querachse aufgrund der geringen Höhe am lösbaren Anschluss
zur Rohbaustruktur. Damit ist abhängig von der Baulänge des Elements die Möglichkeit
zur Aufnahme von Vertikalkräften begrenzt. Solche Kräfte können auftreten durch Nickbewegungen
der Fahrzeuge zueinander oder beim Anheben des Fahrzeugs am Ende. Auch die Befestigung
eines Unterfahrschutzes an den austauschbaren Elementen ist aufgrund der aus der tiefen
Lasteinleitung resultierenden Momente problematisch. Deshalb wird der Unterfahrschutz
meistens weiter hinten direkt am Wagenkastenrohbau befestigt, was für seine Funktion
nicht optimal ist, da kleinere Objekte damit weit unter das Fahrzeug rutschen können
und es anheben und zur Entgleisung bringen können.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, einen Wagenkasten mit den gattungsgemäßen
Merkmalen im Sinne einer stabileren Anbindung der Absorptionselemente und besserer
Krafteinleitungen zu gestalten.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die Absorptionselemente durch
eine zusätzliche, über die Höhe ihrer Frontfläche hinausreichende Abstützstruktur
stabilisiert sind, die in ihrem oberen Bereich eine zug- und druckfeste Anbindung
an die Rohbaubaustruktur des Wagenkastens aufweist.
[0006] Die eingangs beschriebenen Nachteile der existierenden Ausführungen sind durch die
Erfindung vermieden, und zwar insbesondere durch die Vergrößerung der hinteren Abstützbasis
der Absorptionselemente an ihrem lösbaren Anschluss zur Rohbaustruktur des Wagenkastens.
[0007] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0008] Im weiteren wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher beschrieben,
das in der Zeichnung prinzipartig dargestellt ist. Es zeigen
- Fig. 1
- den Kopfbereich eines Schienenfahrzeuges (ohne äußere Verkleidung) mit einer Vorrichtung
zur Absorption von Kollisionsenergie in Seitenansicht,
- Fig. 2
- eine die Fig. 1 ergänzende Seitenansicht in vergrößertem Maßstab.
[0009] Die in Fig. 1 gezeigte grundsätzliche Anordnung von einem oder mehreren zur Fahrzeuglängsebene
symmetrischen Absorptionselementen 3 entspricht den bekannten Ausführungen, die sich
auf das Untergestell 2 des Wagenkastens abstützen. Gemäß der Erfindung werden die
Absorptionselemente 3 durch eine zusätzliche, über die Höhe ihrer Frontfläche 11 hinausreichende
Abstützstruktur 4 stabilisiert, die an ihrem oberen Ende eine zug- und druckfeste
Anbindung 5 an die Rohbaustruktur 1 des Wagenkastens besitzt. Zweckmäßigerweise kann
die bei vielen Fahrzeugen ohnehin vorhandene, verstärkte Brüstung 6 des Frontfensters
zur Realisierung dieser oberen Anbindung 5 genutzt werden.
[0010] Die Abstützstruktur 4 lässt sich entsprechend den relevanten Kollisionsszenarien
so ausformen, dass sich zusätzliche Krafteinleitungsflächen 12 oberhalb der Höhe von
Puffern oder des Untergestelles 2 ergeben.
[0011] Durch die mit der hohen Abstützbasis erreichte Belastbarkeit kann neben einem effektiven
Kletterschutz und ggf. einer Möglichkeit zum Anheben auch eine vollständige Integration
eines Unterfahrschutzes 7 in die Vorrichtung realisiert werden. Neben der für die
Funktion günstigen Anordnung weit vorne am Fahrzeug ist dabei auch vorteilhaft, dass
die gesamte Aufhängung des Unterfahrschutzes 7 innerhalb von an den Wagenkasten 1
angesetzten Bauteilen liegt, die im Fall von Schäden leicht austauschbar sind. Weiterhin
kann es günstig sein, den Unterfahrschutz 7 selbst mit Energieabsorbern auszustatten
oder verformbar zu gestalten und so Beschädigungen lokal zu begrenzen.
[0012] Problematisch ist die Einleitung der tief angreifenden Kräfte aus dem Unterfahrschutz
7 in das Absorptionselement 3 ohne dessen Verformbarkeit in Längsrichtung zu behindern.
Als Lösung für dieses Problem bietet sich eine V-förmige Anordnung aus zwei relativ
dünnen Stützen 8 an (siehe Fig. 2), die durch ihren Abstand zwar Momente als Kräftepaar
übertragen können, aber durch ihre in Längsrichtung nur kurzen Anbindungen kaum zur
Aussteifung des Absorptionselementes 3 beitragen. Da die dünnen Stützen 8 kaum Biegemomente
aufnehmen können, dürfen sie nur mit Kräften durch ihren Schnittpunkt belastet werden.
Vorteilhaft lässt sich dies durch die Anordnung eines zumindest um die Querrichtung
beweglichen Gelenks im Schnittpunkt der Stützen 8 realisieren. Gleichzeitig kann die
Bolzenverbindung eines solchen Gelenks der einfachen Montage dienen.
[0013] Zur sicheren Führung des Unterfahrschutzes 7 auch bei größeren Verformungen kann
die in Fig. 2 dargestellte Aufhängung in Pendeln 9 vorteilhaft sein. Für die oberen
Aufhängepunkte der Pendel 9 kann bei paarweiser Anordnung der Absorptionselemente
3 und deren Abstützstrukturen 4 eine die vorgenannten Bauteile 3 und 4 verbindende
Quertraverse 10 verwendet werden.
1. Wagenkasten eines Schienenfahrzeuges mit einer Vorrichtung zur gezielten Absorption
von Kollisionsenergie, die vor der Rohbaustruktur (1) des Wagenkastens angeordnete
und für einen Austausch lösbar an der Rohbaustruktur (1) befestigte Absorptionselemente
(3) aufweist, deren Frontfläche (11) zumindest teilweise in Form und Lage zur Lasteinleitung
durch Puffer oder diesen in der Festigkeit entsprechende Bereiche von Kollisionsgegnern
auf Höhe des Untergestells (2) ausgebildet ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Absorptionselemente (3) durch eine zusätzliche, über die Höhe ihrer Frontfläche
(11) hinausreichende Abstützstruktur (4) stabilisiert sind, die in ihrem oberen Bereich
eine zug- und druckfeste Anbindung (5) an die Rohbaubaustruktur (1) des Wagenkastens
aufweist.
2. Wagenkasten nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die lösbare Verbindung zwischen dem Absorptionselement (3) und der Rohbaustruktur
(1) als Schraubverbindung ausgeführt ist.
3. Wagenkasten nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die zug- und druckfeste obere Anbindung (5) der Abstützstruktur (4) an der Rohbaustruktur
(1) des Wagenkastens über eine Brüstung (6) des Frontfensters erfolgt.
4. Wagenkasten nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass an der Abstützstruktur (4) oberhalb der Frontfläche (11) des Absorptionselementes
(3) befindliche zusätzliche Krafteinleitungsflächen (12) ausgebildet sind.
5. Wagenkasten nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass an der Vorrichtung zur Absorption von Kollisionsenergie ein Unterfahrschutz (7) befestigt
ist.
6. Wagenkasten nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Befestigung des Unterfahrschutzes ausschließlich über die Vorrichtung zur Absorption
von Kollisionsenergie erfolgt.
7. Wagenkasten nach Anspruch 5 oder 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Unterfahrschutz (7) an der Vorrichtung über mindestens eine Anordnung von Stützen
(8) befestigt ist, die an jeweils zwei in Fahrzeuglängsrichtung versetzten Positionen
angreifen und deren Schwerelinien sich in der Seitenansicht auf der Höhe der Lasteinleitung
durch den Unterfahrschutz (7) schneiden.
8. Wagenkasten nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Unterfahrschutz (7) mit den Stützen (8) zumindest um eine in Fahrzeugquerrichtung
durch den Schnittpunkt ihrer Schwerelinien verlaufende Achse gelenkig beweglich verbunden
ist.
9. Wagenkasten nach einem der Ansprüche 5 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Unterfahrschutz (7) über Pendel (9) aufgehängt ist.
10. Wagenkasten nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Pendel (9) an einer Quertraverse (10) angreifen, die zwei symmetrisch zur Fahrzeuglängsebene
angeordnete Absorptionselemente (3) verbindet.
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Unterfahrschutz (7) über Deformation seiner eigenen Struktur oder darin oder
in der Anbindung integrierte, absorbierende Elemente ohne Beschädigung der übrigen
Vorrichtung Kollisionsenergie aufnehmen kann.