[0001] Die Erfindung betrifft eine Falzeinrichtung für Druckmaschinen oder Falzapparate
gemäß Anspruch 1.
[0002] Aus der DE 196 42 124 A1 ist eine Falzeinrichtung bestehend aus einem angetriebenen
Falzwalzenpaar, einem taktweise auf- und abgehenden Falzmesser und einem Falztisch
bekannt. Ein Druckprodukt oder ein einzelner Bogen wird von mehreren Transportbändern
erfasst und in Produktionsrichtung gegen Anschläge gefahren und nachfolgend mit einem
Längsfalz, beispielsweise einem dritten Falz versehen. Das Druckprodukt kann mittels
Andrückfedern oder Andrückrollen zur besseren Fixierung während des Falzvorganges
gegen den Falztisch angedrückt werden. Nachteil ist, dass Andrückfedern und Andrückrollen
zusätzliche Bauteile sind, welche die Zugänglichkeit im Falztischbereich für Wartung
und Bedienung erschweren.
[0003] Davon ausgehend ist es die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Falzvorrichtung
für Druckmaschinen oder Falzapparate zu schaffen, bei der zum Fixieren des Druckproduktes
auf dem Falztisch keine Andrückrollen oder Andrückfedern erforderlich sind.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Maßnahmen des Anspruchs 1 gelöst.
[0005] Die Erfindung besteht insbesondere darin, am Anschlag für das zu falzende Druckprodukt
und/oder knapp hinter dem Druckproduktende in einem Bereich von 2 bis 15 mm, d.h.
knapp vor und/oder knapp hinter dem Produkt, Kontaktzonen zur Produktfixierung zu
schaffen, welche mittels den lageveränderbaren Transportbändern in Verbindung mit
Einlauf- und/oder Auslauf-Abschnitten des Falztisches ausgebildet werden. Diese Einlauf-
und Auslauf-Abschnitte liegen etwas tiefer und laufen gerundet und/oder stufenartig,
Absätze aufweisend, auf die Falztischebene. Die Einlauf- und/oder Auslauf-Abschnitte
liegen vorzugsweise in Bereichen des vorlaufenden und/oder nachlaufenden Produktendes
und werden von Transportbändern umschlungen, wobei deren Andruckwirkung auf das Druckprodukt
durch in ihrer Lage veränderliche Bänderführungselemente, vorzugsweise Bandwalzen,
Bandrollen, deren Lageveränderung eine Umschlingungsänderung in den Kontaktzonen bewirkt.
Unter der Umschlingungsänderung versteht man eine Änderung bzw. Einstellung der Länge
des Kontaktes zwischen Transportbändern und dem Falztisch bzw. den Abschnitten.
[0006] Im Gegensatz zu bekannten Lösungen, die auf Grund der Linienberührung der Federn
oder Bandrollen relativ kleine Kontaktzonen ausbilden, lässt sich die Größe der Kontaktzone
durch die Veränderung der Umschlingung in weit größerem Maße beeinflussen, und eine
bessere Fixierung erzielen. Zusätzlich wird das Druckprodukt durch seine leichte Verwölbung
beim Einlauf auf den Falztisch stabiler geführt. Somit können keine Schwingungen auftreten,
welche die Lage des einlaufenden Druckproduktes beeinflussen können. Der Falztisch
ist dazu im Bereich des Produkteinlaufes mit einer Verwölbung bzw. verwölbten Formgebung
ausgestaltet.
[0007] Mit dieser Anordnung kann eine hohe Stabilität der Falzqualität in Verbindung mit
einer Vereinfachung der Bedienung erzielt werden. Die straffere Führung des Druckproduktes
während des Falzvorganges kann die Falzabweichungen erheblich senken. Es kann eine
Senkung des Makulaturanteils durch schnelleres Erreichen von guten Produkten erreicht
werden, wobei höhere Geschwindigkeiten bei gleich guten Falzabweichungen erreicht
werden können. Das System ist weniger störanfällig und die Bedienbarkeit der Falzeinrichtung
kann stark verbessert werden. Die in der Falzeinrichtung bereits vorhandenen Transportbänder
können mit der Funktion der Umschlingungseinstellung ausgeführt werden, so dass eine
Integration dieser Funktion in bestehende Bauteile realisierbar ist und somit keine
weiteren Bauteile erforderlich werden, die den Arbeitsraum einschränken und Zugänglichkeiten
behindern könnten.
[0008] Durch Kanten und/oder Radien am Produktanschlag oder im Bereich des Produktanschlages
und unmittelbar hinter dem Druckproduktende, d.h. am Falztisch im Bereich des Produkteinlaufes,
kann eine Kontaktzone zwecks Ausbildung einer Produktfixierung in Verbindung mit einstellbaren
Bandleitelementen realisiert werden. Die Kanten und/oder Radien, die vorzugsweise
als Ausfräsungen und Schrägen ausgestaltet sind, dienen zur Veränderung der Umschlingung
in den Kontaktzonen und somit einer Einstellbarkeit der Anpresskraft.
[0009] Nachfolgend ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der Zeichnungen erklärt.
Es zeigen stark schematisiert:
Fig. 1 eine Seitenansicht der Falzeinrichtung mit Falztisch und
Fig. 2 Varianten der Gestaltung des Falztisches für dessen Produkteinlaufbereich nach
Fig. 1.
[0010] Fig. 1 zeigt eine Falzeinrichtung 11 eines nicht dargestellten Falzapparates oder
einer Druckmaschine bestehend aus einem angetriebenen Falzwalzenpaar 7, einem taktweise
auf- und abgehenden Falzmesser 2 und einem Falztisch 4. Ein Druckprodukt 3 wird von
mehreren Transportbändern 5 erfasst und in Produkteinlaufrichtung A gegen mindestens
einen Anschlag 8 gefahren. Mittels dem Falzmesser 2 wird das Druckprodukt 3 mit einem
Längsfalz, beispielsweise einem dritten Falz versehen. Das Druckprodukt 3 ist zwischen
Transportbändern 5 geführt und wird mittels dieser gegen den Falztisch 4 angedrückt.
Am Anschlag 8 für das Druckprodukt 3 und/oder knapp hinter dem Druckproduktende in
einem Bereich α1, α2 von 2 bis 15 mm, d.h. knapp vor und knapp hinter dem Druckprodukt,
sind Einlauf- und Auslauf-Abschnitte 9, 10 vorhanden. Diese Abschnitte 9, 10 können
von den Transportbändern 5 umschlungen werden, so dass Kontaktzonen entstehen, wobei
deren Andruckwirkung auf das Druckprodukt 3 durch in ihrer vertikalen Lage veränderliche
Bandführungselemente 1, 6 beeinflusst werden kann. Die Bandführungselemente 1, 6 sind
vorzugsweise Bandwalzen oder Bandrollen. Die Abschnitte 9, 10 sind vorteilhafterweise
gerundet, d.h. nicht scharfkantig ausgestaltet, und/oder mit Ausfräsungen ausgeführt
(siehe Fig. 2 Varianten a bis c). Die Abschnitte 9, 10 können alternativ mit einem
Radius R (Variante d) oder einen Ersatzradius E nachbilden Einlaufwalzen oder Einlaufrollen
12 ausgestaltet sein (Variante e), wobei diese sich bereits vom Einlaufbereich des
Falztisches 4 erstrecken können. Die Lageveränderung der Bandführungselemente 1, 6
bewirkt eine Änderung der Umschlingung, d.h. eine Änderung bzw. Einstellungder Länge
des Kontaktes zwischen Transportbändern 5 und dem Falztisch 4, in den Abschnitten
9, 10. Alle Gestaltungsmaßnahmen - Lageveränderung des Transportbandes 5 in Verbindung
mit der Formgebung der Abschnitte 9, 10 - haben das Ziel, Freiheit für eine Umschlingsänderung
des Transportbandes 5 zu schaffen, und so eine ausreichende und einstellbare Umschlingung
des Transportbandes 5 und eine Anpassung an unterschiedliche Abschnittslängen Al,
Druckformate und Papiereigenschaften zu ermöglichen. Durch diese Umschlingungsänderung
kann eine einstellbare Fixierkraft für das Druckprodukt 3 auf dem Falztisch 4 realisiert
werden.
[0011] Der Falztisch 4 ist zur Reduzierung von Verschleiß hartverchromt ausgestaltet. Alternativ
können im Bereich der Abschnitte 9, 10 nicht dargestellte gehärtete, austauschbare
Elemente, beispielsweise Bolzen, Schienen, etc., eingesetzt werden. Die Bandführungselemente
1, 6 sind vorteilhafterweise als exzentrisch gelagerte Walzen ausgeführt. Es besteht
die Möglichkeit der Schieflagkorrektur, wenn die exzentrisch gelagerten Bandführungselemente
6 nicht dargestellt auf Seite SI und Seite SII (Bedienseite und Antriebsseite) im
Einlaufbereich des Falztisches 4 getrennt einstellbar sind.
[0012] Zur Schaffung der Abschnitte 9, 10 gibt es verschiedene Möglichkeiten der Gestaltung
des Falztisches 4 (siehe Fig. 2). Variante a zeigt eine Falztischkürzung, Variante
b zeigt einen Falztisch 4 mit stufenartigen Absätzen, Variante c zeigt einen Falztisch
4 mit Schrägen, Variante d zeigt einen Falztisch 4 mit großem Einlaufradius R und
Variante e zeigt einen Falztisch 4 mit Einlaufwalzen oder Einlaufrollen 12, die einen
Ersatzradius E nachbilden. Der Falztisch 4 ist vorzugsweise in Produkteilaufrichtung
A gewölbt ausgestaltet, wobei das Druckprodukt 3 beim Einlaufen verwölbt wird. An
den Abschnitten 9, 10 und zwischen diesen ist der Einlauf des Druckproduktes flach
ausgeführt. Dies bewirkt eine lagestabile Führung des Druckproduktes 3 auf den Falztisch
4. Durch die Einstellbarkeit der Lage der Bandführungselemente 1, 6 können diese bzw.
die Transportbänder 5 auf unterschiedliche Produktdicken eingestellt werden.
Bezugszeichen:
[0013]
- 1
- Bandführungselement
- 2
- Falzmesser
- 3
- Druckprodukt
- 4
- Falztisch
- 5
- Transportband
- 6
- Bandführungselement
- 7
- Falzwalzenpaar
- 8
- Anschlag
- 9
- Einlauf-Abschnitt
- 10
- Auslauf-Abschnitt
- 11
- Falzeinrichtung
- 12
- Einlaufrollen / Einlaufwalzen
- A
- Produkteinlaufrichtung
- Al
- Abschnittslänge
- E
- Ersatzradius
- R
- Radius
- α1
- Bereich der Kontaktzone
- α2
- Bereich der Kontaktzone
1. Falzeinrichtung (11) für Druckmaschinen oder Falzapparate, bestehend aus einem angetriebenen
Falzwalzenpaar (7), einem taktweise auf- und abgehenden Falzmesser (2) und einem,
Falztisch (4), wobei mindestens ein Druckprodukt (3) von mehreren Transportbändern
(5) erfasst und an mindestens einen Anschlag (8) gefahren wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Transportbänder (5) unter Ausbildung eines flächigen Kontaktes zu einer Fixierung
des Druckproduktes (3) an den Falztisch (4) absenkbar oder von diesem anhebbar sind.
2. Falzeinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Transportbänder (5) zu einer Fixierung des Druckproduktes (3) an Auslauf-und/oder
Einlauf-Abschnitte (9, 10) des Falztisches (4) anschmiegbar sind und sich diese Auslauf-
und/oder Einlauf-Abschnitte (9, 10) kurz vor und kurz hinter dem Druckprodukt (3)
befinden.
3. Falzeinrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass zum Einstellen einer Anpresskraft des Druckproduktes (3) auf den Falztisch (4) und/oder
Anpassen an unterschiedliche Druckproduktdicken eine Länge des Kontaktes an den Auslauf-
und/oder Einlauf-Abschnitten (9, 10) mittels der anhebbaren und absenkbaren Transportbänder
einstellbar ist.
4. Falzeinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Falztisch (4) mindestens einen Einlauf-Abschnitt (9) aufweist, der tiefer als
die Falztischebene liegt und in Produkteinlaufrichtung (A) auf die Falztischebene
ansteigt.
5. Falzeinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Falztisch (4) im Bereich des Anschlags (8) mindestens einen Auslauf-Abschnitt
(10) aufweist, der tiefer als die Falztischebene liegt und sich in Produktauslaufrichtung
unter die Falztischebene absenkt.
6. Falzeinrichtung nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Anstieg und/oder die Absenkung in mindestens einer Stufe und/oder in mindestens
einer Schräge und/oder in mindestens einem Radius erfolgt.
7. Falzeinrichtung nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Transportband (5) zum Anschmiegen an den Falztisch (4) an den Auslauf-Abschnitt
(10) absenkbar oder von diesem anhebbar ist.
8. Falzeinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Falztisch (4) hartverchromt ist.
9. Falzeinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die das Transportband (5) führenden Bandführungselemente (1, 6) exzentrisch gelagert
sind.
10. Falzeinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass im Bereich der Auslauf- und Einlauf-Abschnitte (9, 10) austauschbare gehärtete Elemente
einsetzbar sind.
11. Falzeinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Auslauf- und Einlauf-Abschnitte nicht scharfkantig sind.
12. Falzeinrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die exzentrisch gelagerten Bandführungselemente (1, 6) auf Bedienseite und Antriebsseite
getrennt einstellbar sind, wobei eine Korrektur einer Schieflage des Druckprodukts
(3) beim Einlaufen auf den Falztisch (4) durchführbar ist.
13. Falzeinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen den Auslauf- und Einlauf-Abschnitten (9, 10) die Führung des Druckproduktes
(3) entlang einer nichtgekrümmten Bahn erfolgt.