[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Recyclen von Gaseinschlüsse bzw. nicht-metallische
Partikel aufweisenden Leichtmetallteilen.
[0002] Weiter hat die Erfindung eine Verwendung von Druckgussschrottmaterial sowie eine
Verwendung von Spänen passivierender Metalle zum Gegenstand.
[0003] Eine effiziente Ausnutzung von Ressourcen wird heutzutage nicht nur aus Sicht eines
Umweltschutzes propagiert, sondern ist auch aus betrieblich-wirtschaftlicher Sicht
verstärkt geboten. Hohe Rohstoffpreise und Entsorgungskosten zwingen Produkterzeuger
in vielen Bereichen dazu, im Rahmen einer Produktion anfallenden Abfall selbst weiterzuverwenden
oder einem Recycling zuzuführen. Beispielsweise sehen sich Hersteller von Leichtmetallkomponenten
der Anforderung gegenüber, große Abfallmengen aus Gießverfahren und spanabhebenden
Formgebungsverfahren zweckmäßig zu nützen.
[0004] In optimaler Weise liefert eine rohstoff- und energiesparende Verwertung von Abfällen
möglichst hochwertige Produkte in wenigen Verfahrensschritten. Dies gilt selbstverständlich
auch in der Aufbereitung und Wiederverwertung bzw. im Recycling von Leichtmetallabfällen.
Je nach Ursprung des Abfalls können Leichtmetallabfälle allerdings Gaseinschlüsse
und/oder nicht-metallische Partikel aufweisen, was es erschwert, allenfalls unmöglich
macht, derartige Abfälle ohne weiteres in einen Produktionsprozess zu integrieren.
[0005] Gaseinschlüsse aufweisende Leichtmetallteile bzw. -abfälle, welche beispielsweise
bei Gießverfahren, insbesondere beim Druckgießen, in großen Mengen anfallen, sind
auf Grund der genannten Gaseinschlüsse zur unmittelbaren Herstellung von hochwertigen
Leichtmetallkomponenten nicht geeignet. Deswegen werden, um eine Wiederverwendung
auch für Leichtmetallkomponenten hoher Güte zu ermöglichen, derartige Leichtmetallteile
aufgeschmolzen und die Schmelze unter Überhitzung entgast, so dass nach Erstarrung
der Schmelze dichtes Leichtmetall vorliegt, welches im Anschluss z.B. in einem Gießverfahren
eingesetzt werden kann.
[0006] Ebenso wie bei Gaseinschlüssen aufweisenden Leichtmetallteilen ist auch bei nicht-metallische
Partikel aufweisenden Leichtmetallteilen wie Magnesiumspäne ein aufwändiges Reinigen
des Materials erforderlich, ehe das Leichtmetallmaterial zur Herstellung von hochwertigen
Bauteilen eingesetzt werden kann. Hier verfährt man so, dass das verunreinigte Material
geschmolzen wird, die störenden Partikel aus der Schmelze entfernt werden und die
Schmelze anschließend erstarren gelassen wird.
Bei hoher Reinheit kann ein so efialtenes Vormaterial nachfolgend zur Herstellung
von Leichtmetallteilen hoher Güte eingesetzt werden.
[0007] Es ist nun zwar möglich, aus Gaseinschlüsse bzw. nicht-metallische Verunreinigungen
aufweisenden Leichtmetallteilen hochwertige Vormaterialien für Leichtmetallteile herzustellen,
jedoch sind hiefür aufwändige Reinigungsoperationen erforderlich.
[0008] Auf Grundlage dieser Gegebenheiten ist es ein Ziel der Erfindung, ein Verfahren zur
Aufbereitung von Gaseinschlüsse bzw. nicht-metallische Partikel aufweisenden Leichtmetallteilen
anzugeben, mit dem derartige Abfallprodukte in verfahrenstechnisch einfacher Weise
in hochwertige Produkte überführt werden können, ohne dass es einer Reinigung des
eingesetzten Materials bedarf.
[0009] Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art dadurch gelöst,
dass aus mindestens einem Gaseinschlüsse aufweisenden Leichtmetallteil und mindestens
einem im Wesentlichen dichten, nicht-metallische Partikel aufweisenden Leichtmetallteil
eine gashältige Metallschmelze erstellt wird und die Metallschmelze bei zumindest
zeitweiligen Unterdruck unter Ausbildung eines Leichtmetallschaumkörpers erstarren
gelassen wird.
[0010] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile sind im Wesentlichen darin zu sehen, dass
verunreinigte bzw. kontaminierte Leichtmetallteile in einem einfachen Prozess unmittelbar
in leichtgewichtige Metallschaumkörper überführbar sind, ohne dass eine vorherige
Reinigung der eingesetzten Leichtmetallteile erforderlich ist. Günstigerweise werden
beim erfindungsgemäßen Verfahren sowohl Gaseinschlüsse aufweisende Leichtmetallteile
als auch im Wesentlichen dichte, nicht-metallische Partikel eingesetzt, so dass gleichzeitig
verschieden kontaminierte Leichtmetallteile bzw. Sorten von Leichtmetallabfällen wiederverwertet
bzw. recyclet werden können. Die erhaltenen Metallschaumkörper eignen sich als energie-
und schallabsorbierende Komponenten, zur Wärmedämmung oder als Verstärkungselemente
im Automobilbau. Somit sind minderwertige Abfallprodukte erfindungsgemäß unmittelbar
in vielseitig einsetzbare hochwertige Metallschaumkörper umwandelbar.
[0011] Hinsichtlich des Mechanismus einer Metallschaumbildung spielen, so wird vermutet,
die durch die jeweiligen Leichtmetallteile in die Metallschmelze eingebrachten Gaseinschlüsse
bzw. nicht-metallischen Partikel zusammen: Über die Gaseinschlüsse eines ersten Leichtmetallteils
wird das für eine Metallschaumbildung notwendige Gas eingebracht, wobei beim Aufschmelzen
des Leichtmetallteils die Gaseinschlüsse in ihrer Form erhalten bleiben; die in der
Metallschmelze ebenfalls vorliegenden nicht-metallischen Partikel lagern sich aus
energetischen Gründen an den Oberfläche der Gaseinschlüsse bzw. Gasblasen an, wodurch
diese stabilisiert werden und ein Zusammenwachsen derselben unterbunden ist. Die nicht-metallischen
Partikel erhöhen überdies die Viskosität der Metallschmelze und verringern dadurch
eine Beweglichkeit der Gaseinschlüsse bzw. Gasblasen in der Metallschmelze. Damit
verringert sich auch die Tendenz der Gaseinschlüsse an die Oberfläche der Schmelze
aufzusteigen und dort aus dieser auszutreten. Anlegen von Unterdruck schließlich bewirkt
ein Aufschäumen der gashältigen Metallschmelze unter Ausbildung eines Leichtmetallschaumkörpers.
[0012] Soweit ein Vergleich zu herkömmlichen Verfahren zur Herstellung von Metallschaumkörpern
gezogen werden kann, zeichnet sich ein erfindungsgemäßes Verfahren dadurch aus, dass
weder besondere Maßnahmen zum Einbringen eines Gases noch eine aufwändige getrennte
Herstellung von Treibmittel- und Leichtmetall-Pulverkomponenten zwingend erforderlich
sind, wie dies bei schmelzmetallurgischen bzw. pulvermetallurgischen Verfahren der
Fall ist.
[0013] Grundsätzlich können bei einem Verfahren nach der Erfindung Leichtmetallteile aus
verschiedenen Leichtmetallen eingesetzt werden. Günstig ist es jedoch, wenn Leichtmetallteile
aus dem gleichen Metall bzw. der gleichen Legierung eingesetzt werden. Die Leichtmetalle
schmelzen dann innerhalb eines engen Temperaturintervalls, was eine Verfahrensführung
und - kontrolle vereinfacht.
[0014] Weiter ist es vorteilhaft, wenn als Gaseinschlüsse aufweisender Leichtmetallteil
ein Druckgussschrottteil eingesetzt wird. Druckgussschrott, beispielsweise in Form
so genannter Überläufe wie sie bei Druckgussverfahren anfallen, kann einen Anteil
an Gaseinschlüssen von mehr als etwa 10 Volumsprozent aufweisen, was sich bezüglich
einer hohen Einbringung von Gas in die Metallschmelze bewährt.
[0015] Dabei ist es besonders vorteilhaft, wenn der Druckgussschrottteil aus Magnesium oder
einer Magnesiumlegierung besteht. Teile aus diesen Materialien passivieren an der
Oberfläche, wobei sich Magnesiumpartikel bzw. -häute ausbilden. Werden solche Teile
in der Folge in einem erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt, so können zusätzlich
stabilisierende Magnesiumoxidpartikel eingebracht werden. Außerdem sind auch Gaseinschlüsse
im Inneren gleichsam passiviert; dies trägt positiv zur Stabilität der Gaseinschlüsse
bzw. Gasblasen in der Schmelze bei.
[0016] Als dichter Leichtmetallteil kann ebenfalls ein Teil aus Magnesium oder einer Magnesiumlegierung
eingesetzt werden, so dass eine Stabilisierung von Gasblasen in der Metallschmelze
vornehmlich über Magnesiumoxid-Partikel bewirkt wird.
[0017] Es ist von Vorteil, wenn die nicht-metallischen Partikel im Wesentlichen Oxid-Partikel
sind, weil sich diese Partikel im Hinblick auf Reaktionen mit Leichtmetallschmelzen
regelmäßig inert verhalten. Im Gegensatz zu beispielsweise Carbiden kann daher bei
Vorliegen solcher Partikel in einem Einsatzmaterial davon ausgegangen werden, dass
diese Partikel im gebildeten Metallschaumkörper nahezu unverändert vorliegen. Dadurch
lassen sich auch Eigenschaften des gebildeten Leichtmetallschaumkörpers zuverlässig
beeinflussen. So lässt sich auf dieser Grundlage ein Gehalt an nicht-metallischen
Partikeln im erstellten Metallschaumkörper steuern: Ist ein Partikelgehalt im Einsatzmaterial
bekannt, so braucht lediglich ein Gewichtsverhältnis von Gaseinschlüsse aufweisenden
Leichtmetallteilen zu oxidische Partikel aufweisenden Leichtmetallteilen entsprechend
dem gewünschten Partikelgehalt im Metallschaumkörper gewählt werden.
[0018] Im Zusammenhang mit den nicht-metallischen Partikeln hat es sich als vorteilhaft
gezeigt, wenn diese eine durchschnittliche Größe von weniger als 200 µm aufweisen.
[0019] Bevorzugt wird eine Metallschmelze mit einem Volumsanteil an nicht-metallischen Partikeln
von 2 bis 10 % erstellt. Ab Partikelgehalten von 2 % wird eine gute Stabilisierung
von Gaseinschlüssen/Gasblasen in der Schmelze erreicht; bis zu Partikelgehalten von
10 % lässt sich die gashältige Metallschmelze durch Anlegen eines Unterdrucks leicht
aufschäumen. Darüber hinaus erschwert eine zunehmende Viskosität ein Aufschäumen der
Metallschmelze.
[0020] Die Metallschmelze wird bevorzugt aufgeschäumt und in einen Leichtmetallschaumkörper
überführt, indem sie bei einem Unterdruck von 10 bis 400 mbar, insbesondere 50 bis
200 mbar, erstarren gelassen wird.
[0021] Es ist auch möglich, über die Schmelzenoberfläche durch Gasdruckbeaufschlagung zusätzlich
Gas in die Metallschmelze einzubringen, um ein nachfolgendes Aufschäumen zu unterstützen.
Verfahrenstechnisch und apparativ besonders einfach ist es jedoch, wenn die Metallschmelze
bei Atmosphärendruck erstellt wird. In diesem Fall wird während des gesamten Verfahrens
ein Atmosphärendruck nicht überschritten.
[0022] Nach Erstellung soll die Metallschmelze nicht mehr als 20°C überhitzt werden. Mit
zunehmender Temperatur sinkt die Viskosität einer Metallschmelze, was auch eine Beweglichkeit
von Gasblasen und daher ein Ausgasen grundsätzlich begünstigt. Es ist deshalb zweckmäßig,
eine Überhitzung der Metallschmelze kontrolliert gering zu halten.
[0023] Bevorzugt ist es, wenn der Unterdruck bei Erreichen einer Temperatur im Bereich von
5°C oberhalb bis 5°C unterhalb der Erstarrungstemperatur bzw. des Erstarrungsintervalls
der Metallschmelze angelegt wird. In diesem Temperaturbereich weist die Flüssigphase
des Metalls eine hohe Viskosität auf, was sich im Hinblick auf eine strukturelle Stabilität
des gebildeten Metallschaums als günstig erweist.
[0024] Im Hinblick auf eine strukturelle Stabilität des gebildeten Metallschaums ist es
ebenfalls bevorzugt, wenn der Unterdruck, der ein Aufschäumen der Metallschmelze bewirkt,
bis zur vollständigen Erstarrung der Metallschmelze aufrecht erhalten wird. Gleichzeitig
kann die Metallschmelze während der Erstarrung gekühlt werden, um freiwerdende Erstarrungswärme
abzuführen und eine innere Struktur des gebildeten Leichtmetallschaumkörpers gleichsam
einzufrieren.
[0025] Um einen Leichtmetallschaumkörper mit einer bestimmten Form auszubilden, kann vor
Anlegen von Unterdruck die Metallschmelze in ein dem Leichtmetallschaumkörper formgebendes
Gefäß überführt werden.
[0026] In einer weiteren Variante der Erfindung können während der Bildung des Leichtmetallschaumkörpers
Teile desselben bzw. Metallschaum mit einem metallischen Körper in Berührung gebracht
werden. In diesem Fall wird der gebildete Metallschaum in einem Verfahrensschritt
sogleich mit einem metallischen Körper durch eine metallische Bindung verbunden. Dies
ermöglicht eine außerordentlich einfache Herstellung von Verbundteilen.
[0027] In einer weiteren Variante der Erfindung wird die Metallschmelze in einem im Wesentlichen
geschlossenen und eine räumliche Ausdehnung des sich bildenden Leichtmetallschaumkörpers
begrenzenden Behältnis erstarren gelassen. In diesem Fall ist einerseits das Volumen
des fertigen Leichtmetallschaumkörpers vorgegeben; da andererseits auch die in das
Behältnis eingebrachte Masse gewählt werden kann bzw. feststeht, ist folglich auch
die Dichte festgelegt. Anders ausgedrückt: Diese Variante der Erfindung ermöglicht
eine gezielte Einstellung der Dichte des erstellten Leichtmetallschaumkörpers.
[0028] Ein erfindungsgemäßes Verfahren kann zur Herstellung mehrerer gleicher Leichtmetallschaumkörper
eingesetzt werden, wenn die Metallschmelze portionenweise in das Behältnis eingebracht
und in diesem erstarren gelassen wird.
[0029] Besonders bewährt hat es sich, Druckgussschrott zur Herstellung von Metallschaumkörpern
einzusetzen. Als zweite Leichtmetallkomponente können Späne passivierender Metalle
herangezogen werden. Solche Späne, welche beispielsweise bei Drehbearbeitungen von
Aluminium- oder Magnesiumwerkstücken in großen Mengen als Abfallprodukt anfallen,
sind insofern von besonderem Vorteil, als dass sie sich aufgrund einer passivierten,
oxidische Partikel aufweisenden Oberfläche bestens zur Einbringung von stabilisierenden
Partikel eignen. Außerdem weisen diese Spänen bei geringem Volumen eine große Oberfläche
auf, so dass bereits eine geringe Beimengung an derartigen Spänen ausreichend ist,
um ein Aufschäumen einer Metallschmelze aus Druckgussschrott und eine Ausbildung eines
stabilien Metallschaums zu ermöglichen.
[0030] Im Folgenden ist die Erfindung anhand von Beispielen noch weitergehend dargelegt.
[0031] Es zeigen
Figur 1: Einen aufgeschnittenen Magnesiumschaumkörper;
Figur 2: Ein Schliffbild des Magnesiumschaumkörpers aus Figur 1 mit etwa 25-facher
Vergrößerung;
Figur 3: Ein Schliffbild des Magnesiumschaumkörpers aus Figur 1 mit etwa 90-facher
Vergrößerung;
Figur 4: Spannungs-/Stauchungsdiagramme von Metallschaumkörpern mit einer Dichte von
a) 0.56 gcm-3, b) 0.41 gcm-3, c) 0.36 gcm-3 und d) 0.23 gcm-3;
Figur 5a: Metallschaumkörper aus Legierung AZ91, wobei Unterdruck bei Erreichen von
580°C angelegt wurde;
Figur 5b: Metallschaumkörper aus Legierung AZ91, wobei Unterdruck bei Erreichen von
600°C angelegt wurde;
Figur 5c: Metallschaumkörper aus Legierung AZ91, wobei Unterdruck bei Erreichen von
620°C angelegt wurde;
Figur 6a: Einen Magnesiumschaumkörper, der in einem offenen Gefäß hergestellt wurde;
Figur 6b: Einen Magnesiumschaumkörper, der in einem geschlossenen Gefäß hergestellt
wurde;
Figur 7: Eine Vorrichtung zum Ausschäumen von Hohlkörpern;
Figur 8: Einen Verbundteil bestehend aus einem Aluminiumrohr mit einem Magnesiumschaumkern.
[0032] In einem erfindungsgemäßen Recyclingverfahren wurden Druckgussschrottteile aus Magnesiumlegierungen
AZ91 und AM50 zur Herstellung von Leichtmetallschaumkörpern eingesetzt. Die Druckgussschrottteile
wiesen Poreneinschlüsse mit einem Volumenanteil von jeweils ungefähr 20 % auf. Die
chemische Zusammensetzung der eingesetzten Schrottteile ist in Tabelle 1 angegeben.
Tabelle 1:
| Chemische Zusammensetzung von Legierungen AZ91 und AM50 |
| Legierung |
Al [%] |
Be [%] |
Cu [%] |
Fe [%] |
Mn [%] |
Ni [%] |
Si [%] |
Zn [%] |
| AZ91 |
9,2 |
< 0,001 |
< 0,005 |
0,007 |
0,19 |
< 0,001 |
0,03 |
0,75 |
| AM50 |
4,7 |
< 0,001 |
< 0,005 |
0,002 |
0,29 |
< 0,001 |
0,02 |
< 0,01 |
[0033] Druckgussschrottteile aus AZ91 bzw. AM50 wurden zusammen mit Magnesiumspänen aus
der jeweils gleichen Legierung im Gewichtsverhältnis
Druckgussschrottteile : Späne = 7 : 1 in einem offenen Tiegel unter Atmosphärendruck
aufgeschmolzen. Die so erstellten Metallschmelzen wurden jeweils in Stahlformen überführt.
Anschließend wurden die befüllten Stahltiegel in eine Unterdruckkammer gestellt und
bei einer Temperatur von 600°C (AZ91) bzw. 630°C (AM50) einem Unterdruck von 80 mbar
ausgesetzt, wodurch die Metallschmelzen aufschäumten und sich Leichtmetallschaumkörper
ausbildeten.
[0034] Ein so erstellter Leichtmetallschaumkörper ist im Querschnitt in Figur 1 gezeigt.
Wie ersichtlich, weist der Leichtmetallschaumkörper eine Vielzahl von Poren und eine
dichte, äußere Oberfläche auf. Neben den aus Figur 1 offensichtlichen Poren, welche
einen Durchmesser von einigen Millimeter haben, sind weitere Poren mit geringerem
Durchmesser vorhanden, wie aus den Schliffbildem Figur 2 und Figur 3 ersichtlich.
Die nicht-metallischen Partikel wiesen eine durchschnittliche Größe von weniger als
200 µm auf.
[0035] Die in den Figuren 1 bis 3 näher gezeigte Porenstruktur resultiert in einem Energieabsorptionsverhalten,
welches die aus Recyclingmaterial erstellten Leichtmetallschaumkörper für viele Applikationen
im Fahrzeugbau einsetzbar macht.
[0036] In Figur 4 sind Spannungs-/Stauchungsdiagramme im Druckversuch an Quadern (5 × 5×3
cm
3) für Leichtmetallschaumkörper aus Legierung AZ91 und verschiedene Dichten dargestellt.
Diese Stauchkurven für Quader mit einer Dichte von a) 0.56 gcm
-3, b) 0.41 gcm
-3, c) 0.36 gcm
-3 und d) 0.23 gcm
-3 belegen, dass Recycling-Leichtmetallschaumkörper im Stauchversuch nach einem kurzen
linearen Anstieg ein ausgeprägtes Plateau zeigen. In diesem Plateaubereichen, der
sogenannten Umformspannung, sind die Leichtmetallschaumkörper als Energieabsorber
wirksam. Die bei Recycling-Leichtmetallschaumkörpern erzielten Umformspannungen liegen
im Bereich jener Leichtmetallschaumkörper, die auf herkömmlichen Weg, z.B. pulvermetallurgisch
oder schmelzmetallurgisch, hergestellt sind.
[0037] In den Figuren 5a bis 5c sind Auswirkungen einer Temperatur beim Beginn des Unterdrucks
auf die Form eines Leichtmetallschaumkörpers aus AZ91 Legierung gezeigt. Figur 5a
und 5b zeigen im Vergleich, dass bei 580°C die Schaumbildung teilweise unterdrückt
ist, was auf eine zu hohe Viskosität des aufzuschäumenden Materials bei dieser Temperatur
zurückzuführen ist. Bei 600°C, was in etwa dem Schmelzpunkt von AZ91 entspricht, ist
ein Schaumbildungsprozess in Bezug auf eine vollständige Expansion des Schaumkörpers
optimiert. Höhere Temperaturen wie 620°C (Figur 5c) resultieren in einer Abnahme der
Viskosität der Metallschmelze. In der Folge kann der gebildete Metallschaumkörper
teilweise kollabieren, weil eine Wandstruktur des Metallschaums nicht genügend stabil
ist.
[0038] Neben einer der Wahl einer Aufschäumtemperatur bzw. einer Temperatur, bei welcher
Unterdruck erstmalig angelegt wird, fördern auch gezielte Abkühlbedingungen eine homogene
Ausbildung von Leichtmetallschaumkörpern: Vorteilhaft ist eine allseitig gleichmäßige
Kühlung, welche durch Isolation des Behältnisses, in welchem ein Aufschäumen durchgeführt
wird, erreichbar ist.
[0039] Figuren 6a und 6b stellen Ausbildungen von Leichtschaumkörpem bei gleichen Bedingungen,
insbesondere gleichen Temperaturen, Unterdrücken und gleicher eingesetzter Masse der
Metallschmelzen, in einem offen Behältnis (Figur 6a) und in einem abgeschlossenen
Behältnis (Figur 6b) gegenüber. Ist ein Behältnis offen, so kann sich gebildeter Metallschaum
ungehindert ausdehnen und es entsteht ein Leichtmetallschaumkörper wie in Figur 6a
gezeigt. Ist hingegen ein Behältnis derart abgeschlossen, dass zwar ein Unterdruck
in diesem erzeugt werden kann, eine Ausdehnung des gebildeten Metallschaumkörpers
aber begrenzt ist, so bestimmt eine Form des Behältnisses jene des Metallschaumkörpers.
Solchenfalls kann ein poröser Leichtmetallschaumkörper gewünschter Form und mit einer
im Wesentlichen dichten Oberfläche erhalten werden.
[0040] Anhand der Figuren 7 und 8 ist näher erläutert, wie ein erfindungsgemäßes Verfahren
zur Herstellung von Verbundteilen eingesetzt werden kann. Figur 7 zeigt eine Unterdruckkammer
1 mit einem Gaseinlass 6 und einem Gasauslass 7, welche auf einem Deckel 8 der Unterdruckkammer
1 angebracht sind. Deckel 8 ist von einer Seitenwand 5 des Unterdruckkammer 1 abnehmbar,
so dass eine Stahlform 2 in die Unterdruckkammer 1 einbringbar ist. Nach Einbringen
der Stahlform 2 dient diese der Aufnahme einer gashältigen Metallschmelze 4. Es versteht
sich, dass es ebenso möglich ist, zuerst die Metallschmelze 4 in den Stahlform 2 und
anschließend die Stahlform 2 in die Unterdruckkammer 1 zu stellen.
[0041] Neben der Stahlform 2 wird in die Unterdruckkammer 1 ein Hohlkörper 3 eingebracht.
Der Hohlkörper
3 wird dabei so platziert, dass der aus der Metallschmelze 4 gebildete Metallschaum
diesen kontaktieren kann. Dies kann gemäß dem im Figur 7 dargestellten Beispiel in
der Weise erfolgen, dass ein Hohlkörper 3 in Form eines Rohres in eine konisch geformte
Stahlform 2 knapp oberhalb einer Schmelzenoberfläche angestellt wird.
[0042] Der Hohlkörper 3 kann aus einem beliebigen Metall bzw. Legierung bestehen. Beispielsweise
eigenen sich in Kombination mit Leichtmetallschaumkörpern aus Magnesium oder Magnesiumlegierungen
Stahl- oder Aluminiumprofile. Besonders günstig ist, wenn der auszuschäumende Hohlkörper
3 aus einem Metall oder einer Legierung besteht, welche einen Schmelzpunkt/ein Schmelzintervall
aufweist, welcher/welches in etwa im Bereich der Metallschmelze liegt. Dann bewirkt
Kontakt mit dem auf bzw. knapp unterhalb der Schmelztemperatur befindlichen Metallschaum
ein Anschmelzen des Hohlkörpers 3 an der Kontaktfläche, was eine feste metallische
Bindung von Leichtmetallschaum und Hohlkörper 3 fördert. Von Vorteil ist es auch,
die Oberfläche des eingesetzten Hohlkörpers 3 im gewünschten Kontaktbereich vorzubehandeln,
beispielsweise passivierende Schichten zu entfemen, um eine möglichst vollflächige
metallische Bindung zu erreichen.
[0043] Figur 8 zeigt einen Schnitt durch ein gemäß der Anordnung nach Figur 7 erstelltes
Verbundteil. Ein äußerer Bereich des Verbundteiles wird durch das eingesetzte Hohlprofil
3 gebildet und innerer Bereich aus Leichtmetallschaum.
[0044] Es versteht sich für den Fachmann, dass nicht nur eine Ausschäumen von Hohlprofilen
möglich ist, sondern ebenso und mit gleicher Güte erstellter Verbundteile auch ein
Umschäumen von metallischen Körpern und Kombinationen Ausschäumen/Umschäumen möglich
sind.
1. Verfahren zum Recyclen von Gaseinschlüsse bzw. nicht-metallische Partikel aufweisenden
Leichtmetallteilen, dadurch gekennzeichnet, dass aus mindestens einem Gaseinschlüsse aufweisenden Leichtmetallteil und mindestens
einem im Wesentlichen dichten, nicht-metallische Partikel aufweisenden Leichtmetallteil
eine gashältige Metallschmelze erstellt wird und die Metallschmelze bei zumindest
zeitweiligen Unterdruck unter Ausbildung eines Leichtmetallschaumkörpers erstarren
gelassen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass Leichtmetallteile aus dem gleichen Metall bzw. der gleichen Legierung eingesetzt
werden.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass als Gaseinschlüsse aufweisender Leichtmetallteil ein Druckgussschrottteil eingesetzt
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Druckgussschrottteil aus Magnesium oder einer Magnesiumlegierung besteht.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass als im Wesentlichen dichter Leichtmetallteil ein Teil aus Magnesium oder einer Magnesiumlegierung
eingesetzt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die nicht-metallischen Partikel im Wesentlichen Oxid-Partikel sind.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die nicht-metallischen Partikel eine durchschnittliche Größe von weniger als 200
µm aufweisen.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass eine Metallschmelze mit einem Volumsanteil an nicht-metallischen Partikeln von 2
bis 10 % erstellt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Metallschmelze bei einem Unterdruck von 10 bis 400 mbar, insbesondere 50 bis
200 mbar, erstarren gelassen wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Metallschmelze bei Atmosphärendruck erstellt wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Metallschmelze nicht mehr als 20°C überhitzt wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Unterdruck bei Erreichen einer Temperatur im Bereich von 5°C oberhalb bis 5°C
unterhalb der Erstarrungstemperatur bzw. des Erstarrungsintervalls der Metallschmelze
angelegt wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass der Unterdruck bis zur vollständigen Erstarrung der Metallschmelze aufrecht erhalten
wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Metallschmelze während der Erstarrung gekühlt wird.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass vor Anlegen von Unterdruck die Metallschmelze in ein dem Leichtmetallschaumkörper
formgebendes Gefäß überführt wird.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass während der Bildung des Leichtmetallschaumkörpers ein Teil desselben bzw. Metallschaum
mit einem metallischen Körper in Berührung gebracht wird.
17. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass die Metallschmelze in einem im Wesentlichen geschlossenen und eine räumliche Ausdehnung
des sich bildenden Leichtmetallschaumkörpers begrenzenden Behältnis erstarren gelassen
wird.
18. Verfahren nach einem der Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Metallschmelze portionenweise in das Behältnis eingebracht und in diesem erstarren
gelassen wird.
19. Verwendung von Druckgussschrott zur Herstellung von Metallschaumkörpern.
20. Verwendung von Spänen passivierender Metalle zur Herstellung von Metallschaumkörpern.