[0001] Die Erfindung bezieht sich auf Abbaugeräte mit elektropneumatischem Antrieb, insbesondere
auf elektropneumatische Bohr- und/oder Meisselhämmer. Sie betrifft insbesondere ein
Verfahren und eine Einrichtung zur Verbesserung des Abschaltverhaltens solcher Abbaugeräte.
[0002] Bei Geräten der genannten Art wird durch einen Elektromotor ein Erregerkolben angetrieben,
welcher einen über ein Druck-Stoßpolster (im Folgenden "Luftfeder") gekoppelten Flugkolben
periodisch hin- und hergehend anregt. Durch den Aufprall des Flugkolbens auf ein in
einem Werkzeughalter gehaltenes Abbauwerkzeug oder über einen dazwischengeschalteten
Döpper wird im Werkzeug eine Stoßwelle generiert, welche den Abbau des Untergrunds
bewirkt.
[0003] Wird das Abbauwerkzeug im Meissel- oder auch im Hammer-Bohrbetrieb vom Untergrund
abgehoben, so sollte das elektropneumatische Schlagwerk möglichst schnell deaktiviert
werden, da nach dem Abheben die durch den Flugkolben erzeugte und im Werkzeug entlanglaufende
Stoßwelle nicht mehr durch den Untergrund absorbiert werden kann; sie wird vollständig
reflektiert. Die gesamte Stoßwellenenergie muss in diesem Fall durch die Struktur
des Abbaugeräts und den Anwender aufgenommen werden. Nicht nur die rücklaufende Welle,
sondern vor allem die erste Stoßwelle nach dem Abheben muss durch das Wiederlager
der Werkzeugaufnahme aufgenommen werden. In der Regel sorgen spezielle Dämpfungselemente
dafür, dass durch mehrfaches Nachschlagen des Flugkolbens keine Schäden an der Struktur
entstehen. Jedoch sind auch diese Dämpfungs- und Strukturelemente des Geräts nicht
so ausgelegt oder auslegbar, dass die gesamte Meisselleistung über längere Zeit ohne
bleibende Schäden aufgenommen werden könnte. Die Folgen eines zu langsamen Abschaltens
des Schlagwerks nach dem Abheben vom Untergrund sind ein relativ hoher Materialverschleiß
und natürlich auch unangenehme und schädliche Vibrationen auf die Arme, Gelenke und
insgesamt den Körper des Anwenders.
[0004] Grundsätzlich bekannt sind folgende Methoden, um ein elektropneumatisches Schlagwerk
bei Unterbrechung oder Beendigung eines Arbeitsvorgangs und Abheben des Geräts vom
Untergrund zu deaktivieren:
(a) Das aktive Schlagwerk: Luftablassöffnungen in der Luftfeder werden geöffnet.
(b) Das passive Schlagwerk: Die Luftfeder wird beim Abheben des Geräts verlängert
und dadurch weich.
(c) Das schnelle Abschalten des Antriebs, eventuell unterstützt durch schnelles, aktives
Abbremsen des Antriebs.
[0005] Die Methode (a) wird in der Praxis so realisiert, dass beim Abheben des Geräts vom
Untergrund das Werkzeug und der Döpper sich um einige Millimeter bis Zentimeter vom
Anwender aus gesehen nach vorne bewegen. Diese Axialbewegung wird auf eine Steuerhülse
übertragen, welche
[0006] Luftablassöffnungen am Führungsrohr öffnet. Dies bewirkt eine große Leckage in der
Luftfeder und somit einen Druckausgleich zum Atmosphärendruck. Der Erregerkolben ist
jetzt beim Rückhub nicht mehr in der Lage einen Unterdruck zu erzeugen und den Flugkolben
erneut anzusaugen. Das Schlagwerk ist deaktiviert.
[0007] Auch bei der Methode (b) wird der Weg des Döppers oder Werkzeugs beim Abheben des
Geräts vom Untergrund ausgenutzt, jedoch nicht um eine Hülse zu steuern, sondern um
das Schlagwerk bzw. dessen Luftfeder zu verlängern. Die Verlängerung der effektiven
Schlagwerkslänge um den Döpperweg bewirkt, dass die Luftfeder so weich wird, dass
der Flugkolben beim Rückhub des Erregerkolbens nicht erneut angesaugt wird.
[0008] Die Methode (c) bedingt einen dynamischen Antrieb. Der häufigste Antriebstyp in Elektrowerkzeugen
der genannten Art ist heutzutage der Universalmotor. Diese Motorart lässt sich nicht
aktiv bremsen - es sei denn durch eine sehr aufwändige Anordnung durch Drehen der
Stromrichtung im Statorpaket. Sobald das Abbaugerät vom Untergrund abgehoben wird,
wird der Motor ausgeschaltet. Beim erneuten Anpressen des Werkzeugs an den Untergrund
wird die Drehzahl wieder hoch gefahren.
[0009] Allen drei genannten Methoden ist gemeinsam, dass ein Nachschlagen nach wie vor auftritt
oder zumindest vorkommen kann. Je nach den Reibungsverhältnissen an der Wand des Führungsrohrs
im Schlagwerk und an den Dichtelementen des Flugkolbens kann es bei allen bekannten
Methoden vorkommen, dass der Flugkolben, nachdem er deaktiviert wurde, noch mehrmals
auf den Döpper auftrifft. Die im Flugkolben steckende kinetische Energie kann nur
durch die Reibung mit den Mantelflächen des Führungsrohrs, durch Zusammenstöße mit
dem Döpper oder durch Kompression des Restgehalts an Luft aufgenommen und abgebaut
werden. Insofern sind dies rein passive Verfahren. Der Flugkolben verliert seine kinetische
Energie durch Stöße oder Reibung.
[0010] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, das Abschalt- und insbesondere Nachschlagverhalten
von elektropneumatisch betriebenen Abbaugeräten, insbesondere von Bohr- und/oder Meisselhämmern,
zu verbessern.
[0011] Das erfindungsgemäße Verfahren zur Verbesserung des Nachschlagverhaltens eines elektropneumatischen
Abbaugeräts, insbesondere eines Bohr- und/oder Meisselhammers, bei dem innerhalb eines
Führungsrohrs ein über eine Luftfeder durch einen elektrisch angetriebenen Erregerkolben
beschleunigter Flugkolben auf ein Abbauwerkzeug wirkt, ist erfindungsgemäß dadurch
gekennzeichnet, dass zur Reduzierung des Nachschlagens des Flugkolbens beim Abheben
des Abbaugeräts vom bearbeiteten Untergrund der Druck zwischen dem Flugkolben und
dem Erregerkolben erhöht wird.
[0012] Die Erfindung bezieht sich also auf ein aktives Verfahren zum Stoppen des Flugkolbens,
sobald das Werkzeug bzw. das Abbaugerät vom Untergrund abgehoben wird. Dabei wird
im elektropneumatischen Schlagwerk ein Überdruck erzeugt, der den Flugkolben nach
vorne in Richtung zum Döpper bzw. Werkzeug beschleunigt. Erst beim erneuten Ansetzen
des Geräts wird der Überdruck abgebaut und das Schlagwerk beginnt wieder normal zu
arbeiten.
[0013] Erfindungsgemäß ist ein Abbaugerät mit elektropneumatischem Schlagwerk, insbesondere
ein Bohr- und/oder Meisselhammer, dessen Schlagwerk einen elektrisch innerhalb eines
Führungsrohrs vor- und zurückfahrend angetriebenen Erregerkolben aufweist, der über
eine von diesem komprimierte Luftfeder einen Flugkolben beschleunigt, der seinerseits
ein in einem Werkzeughalter gehaltenes Werkzeug schlagend antreibt, gekennzeichnet
durch eine beim Abheben des Abbaugeräts vom abzubauenden Untergrund aktivierbare Ventileinrichtung,
über die der zwischen dem Flug- und dem Erregerkolben wirkende Druck im Schlagwerk
erhöht wird.
[0014] Gemäß einer ersten vorteilhaften Ausführungsvariante weist die Ventileinrichtung
ein Rückschlagventil auf, über das beim Abheben des Werkzeugs vom Untergrund der beim
Rückhub des Erregerkolbens zwischen diesem und dem Flugkolben entstehende Unterdruck
auf einen höheren Druck, insbesondere Umgebungsdruck, angehoben wird. Vorzugsweise
weist das Führungsrohr im Bereich der Luftfeder wenigstens eine Bohrung auf, hier
auch als "Schnaufloch" bezeichnet, und das Rückschlagventil ist relativ zum Führungsrohr
verschiebbar und so angeordnet, dass es beim Abheben des Abbaugeräts vom Untergrund
durch eine Verstelleinrichtung auf die Bohrung ausgerichtet wird.
[0015] Bei einer vorteilhaften Ausführungsvariante der Erfindung ist das Rückschlagventil
in eine das Führungsrohr umgebende Steuerhülse integriert, die durch die Verstelleinrichtung
verschiebbar ist. Sofern - wie bei einer bevorzugten Ausführungsform vorgesehen -
der über die Luftfeder angetriebene Flugkolben schlagend auf einen dem Werkzeughalter
zugeordneten Döpper wirkt, wird die Verstelleinrichtung für das Rückschlagventil vorzugsweise
durch den sich beim Abheben nach vorn bewegenden Döpper betätigt. Dabei kann die Steuerhülse
durch die Verstelleinrichtung relativ zum Führungsrohr entweder axial verschiebbar
oder relativ zum Führungsrohr verdrehbar ausgebildet sein. Eine räumlich günstige,
weil platzsparend bauende Ausführungsform lässt sich dann realisieren, wenn das vorzugsweise
in die Steuerhülse integrierte Rückschlagventil ein Klappenventil oder ein Kugelventil
ist. Ein in die Steuerhülse integriertes Klappenventil kann beispielsweise durch eine
einseitig eingespannte, quer zu einem Durchlasskanal in der Steuerhülse sich erstreckende
Blattfeder gebildet sein. Die Lösung mit in die Steuerhülse integriertem Kugelventil
hat den Vorteil, dass sich die Vorspannung und damit der Auslösedruck des Rückschlagventils
über eine auf eine Druckfeder wirkende Stellschraube gut einstellen lässt.
[0016] Eine weitere grundsätzliche Ausführungsvariante der Erfindung zur Verhinderung des
Nachschlagens des Flugkolbens sieht die Verwendung einer Druckspeichervorrichtung
vor, durch die bei Aktivierung der Ventileinrichtung zum Zeitpunkt der Arbeitsunterbrechung
und Anheben des Werkzeugs der Druck im Schlagwerk erhöht wird. Der Druckspeicher kann
eine über den Erregerkolbenantrieb betätigbare Pumpe, beispielsweise eine vom Pleuelantrieb
des Erregerkolbens betätigte Hubkolbenpumpe sein. Eine elegante und raumsparende Lösung
ergibt sich dann, wenn die Pumpe als eine durch den Antrieb des Erregerkolbens betätigte
Exzenterpumpe realisiert ist, wobei eine Exzenterscheibe des Pleuelantriebs als Kolben
und das umgebende Gehäuse als Pumpengehäuse wirken.
[0017] Eine weitere grundsätzliche Ausführungsvariante der Erfindung sieht vor, die Ventileinrichtung
mittels mindestens eines aktiv geschalteten Ventils, beispielsweise eines elektromagnetisch
betätigbaren Ventils, etwa in Form eines dynamischen Schieberhülsenventils zu realisieren.
Das Ventil wird dabei insbesondere durch eine elektromagnetisch betätigbare Steuerhülse
gebildet, die in einer Schaltposition wenigstens ein das Führungsrohr durchsetzendes
Schnaufloch zur Luftfeder verschließt und in einer anderen Schaltposition freigibt.
Eine weitere erprobte und vorteilhafte Lösung für ein dynamisches Schieberhülsenventil
besteht darin, die Steuerhülse relativ zum Führungsrohr des Schlagwerks axial durch
einen Voice-Coil-Aktor zu verschieben, dessen verschieblicher Kern durch die Steuerhülse
gebildet ist.
[0018] Die Erfindung und vorteilhafte Einzelheiten derselben werden nachfolgend unter Bezug
auf die Zeichnungen in beispielsweisen Ausführungsvarianten näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- die Prinzipdarstellung eines Bohr- und/ oder Meisselhammers mit elektropneumatischem
Schlagwerk, das erfindungsgemäß mit einer pneumatischen Flugkolbenbremse ausgestattet
ist;
- Fig. 2 mit Teilfiguren 2A und 2B
- die Prinzipdarstellung eines elektropneumatischen Schlagwerks für Geräte der genannten
Art mit einer aktiven Flugkolbenbremse, realisiert mittels durch eine Steuerhülse
axial verschiebbarer Klappenventile, wobei
Fig. 2A die Position des Klappenventils in der Arbeitsposition des Geräts, also beim Abbau
von Untergrund zeigt, während
Fig. 2B das Klappenventil bei vom Untergrund abgehobenem Werkzeug, und damit aktivierter
Flugkolbenbremse veranschau- licht;
- Fig. 3A
- die isometrische Darstellung einer erprobten Steuerhülse mit integrierten Klappenventilen
zur Deaktivierung und Aktivierung der Flugkolbenbremse;
- Fig. 3B
- die Schnittdarstellung der Steuerhülse nach Fig. 3A;
- Fig. 4
- die Schnittdarstellung einer Steuerhülse mit integrierten Kugelventilen als Rückschlagventile;
- Fig. 5
- die Prinzipdarstellung eines elektropneu- matischen Schlagwerks, ausgerüstet mit einer
Steuerhülse mit Kugelventilen gemäß Fig. 4;
- Fig. 6
- die Prinzipdarstellung eines elektropneu- matischen Schlagwerks mit aktiver Flug-
kolbenbremse gemäß der Erfindung zur Verdeutlichung des Begriffs "effektive Schlagwerkslänge";
- Fig. 7 mit Teilfiguren 7A, 7B und 7C
- die Prinzipdarstellung eines elektropneumatischen Schlagwerks mit aktiv steuerbarem
Rückschlagventil, dargestellt in drei unterschiedlichen Positionen zur Veranschaulichung
eines nachfolgend erläuterten Betriebsverhaltens;
- Fig. 8
- drei zeitkorreliert übereinander dargestell- te Signaldiagramme zur Veranschauli-
chung eines Stopp- und Startvorgangs eines elektropneumatischen Schlagwerks mit erfindungsgemäßen
Merkmalen bei kurzzeitiger Unterbrechung und Wieder- aufnahme eines Arbeitsvorgangs
mit dem Abbaugerät;
- Fig. 9
- eine zeitlich auseinandergezogene Darstellung der Messsignaldiagramme der Fig. 8 zur
Veranschaulichung des Abschalt- bzw. Nachschlagverhaltens eines elektropneumatischen
Schlagwerks mit erfindungsgemäßer Flugkolbenbremse;
- Fig. 10
- die ebenfalls zeitlich auseinandergezogene Darstellung eines Teilabschnitts der Messsignale
aus Fig. 8 zur Verdeutlichung des Anlaufverhaltens des Schlagwerks gemäß der Erfindung;
- Fig. 11
- eine der Fig. 8 entsprechende zeitkorrelierte Darstellung von drei Messsignalen zur
Verdeutlichung eines Stopp- und Startvorgangs eines elektropneumatischen Schlagwerks,
bei dem zusätzliche Maßnahmen getroffen sind, um einen beim raschen Abbremsen des
Flugkolbens erzeugten Überdruck im Schlagwerk rasch abzubauen;
- Fig. 12
- eine zeitlich gestreckte Detaildarstellung aus der Graphik der Fig. 11 zur besseren
Verdeutlichung des Anlaufverhaltens des Schlagwerks bei zusätzlichem Abblasen des
für den Abbremsvorgang aufgebauten Druckpolsters;
- Fig. 13
- eine Ausführungsform der Erfindung, bei der die Flugkolbenbremsung durch Aufbau eines
Zusatzdrucks über einen durch eine Hubkolbenpumpe aufladbaren Druckspeicher erfolgt;
- Fig. 14
- eine andere Ausführungsvariante, bei der ein Druckspeicher über eine vom Pleuel des
Erregerkolbens mitbetätigte Exzenterpumpe aufgeladen wird;
- Fig. 15
- eine Ausführungsvariante der Erfindung, bei der eine Druckerhöhung im Schlagwerk bei
Arbeitsunterbrechung über ein schaltbares Ventil, vorzugsweise Zweiwegeventil, erfolgt;
und
- Fig. 16
- eine Ausführungsvariante der Erfindung, bei der eine Steuerhülse zur aktiven Öffnung
von Schnauflöchern im Bereich der Luftfeder bei Arbeitsunterbrechung und Abheben des
Werkzeugs vom Untergrund durch einen Voice-Coil-Aktor axial hinund hergeschoben wird.
[0019] Einander entsprechende Bauteile oder Baugruppen sind in allen Figuren mit gleichen
Bezugshinweisen angegeben.
[0020] Die Fig. 1 zeigt in schematischer Seiten-Schnittdarstellung ein Abbaugerät mit erfindungsgemäßen
Merkmalen, im dargestellten Beispiel einen Bohr- und/oder Meisselhammer 1, dessen
Gehäuse durch zwei Teile gebildet ist, nämlich eine Griffschale 2 und eine Motorgehäuseschale
3. Diese Aufteilung des Gehäuses ist jedoch nicht zwingend; es gibt andere ein-, zwei-
oder mehrteilige Gehäuseumhüllungen für Geräte dieser Art. Im Griffbereich der Griff-Gehäuseschale
2 sieht man einen Drucktaster 4 für die EIN/AUS-Schaltung, der bei bestimmten Betriebsmodi
über einen Potentiometer-Schalter gleichzeitig zur Motordrehzahl- bzw. Drehmomentnachstellung
dienen kann. Die Stromversorgung erfolgt über ein Anschlusskabel 6. Verschiedene Betriebsmodi,
insbesondere die Vorwahl für reinen Bohrbetrieb, Bohr-Hammerbetrieb oder reinen Meisselbetrieb
sowie gegebenenfalls für Feinbohren, Feinmeisseln etc., sind an einem Wahlschalter
8 möglich, dessen Vorgabewerte einer nur schematisch angedeuteten Motor-Steuerung-
bzw. Regelung 7 zugeführt werden.
[0021] Der Antriebsmotor ist herkömmlicher Bauart und ist aus Gründen der Übersichtlichkeit
nicht dargestellt. Das Abbaugerät verfügt über ein elektropneumatisches Schlagwerk
10 mit einem Führungsrohr 11, in dessem hinterem Bereich ein Erregerkolben 12 durch
einen Pleuelantrieb 13 hin- und her- bzw. vor- und zurückgehend angetrieben wird.
Der Erregerkolben 12 wirkt über eine Luftfeder 19 auf einen Flugkolben 14, der seine
kinetische Energie über ein Druckpolster 21 an einen Döpper 15 weitergibt, der seinerseits
axial schlagend auf ein in einer Werkzeugaufnahme 9 gehaltenes Werkzeug, insbesondere
einen Meissel (nicht dargestellt), einwirkt. Im Rahmen der Erfindung ist das Druckpolster
21 nicht zwingend. Grundsätzlich ist es auch möglich, dass der Flugkolben 14 direkt
auf das Werkzeug bzw. direkt auf den Döpper 15 einwirkt.
[0022] Wesentlich für die Erfindung ist eine allgemein durch Bezugshinweis 30 angegebene
pneumatische Flugkolbenbremse zur Erzeugung eines Überdrucks zwischen dem Erregerkolben
12 und dem Flugkolben 14, die bewirkt, dass der Flugkolben 14 beim Absetzen des Abbaugeräts
vom Untergrund gegen den Döpper 15 gepresst wird. Dadurch wird beim Rückhub des Erregerkolbens
12 ein Unterdruck in der Luftfeder 19 und damit ein Nachschlagen des Flugkolbens 14
vermieden.
[0023] Bei der in Fig. 1 nur schematisch und in den Fig. 2A, 2B deutlicher dargestellten
Ausführungsvariante befindet sich eine Steuerhülse 17, auch als "Pump-Up-Hülse" bezeichnet,
beim Hammer- oder Meisselbetrieb des Abbaugeräts in der in Fig. 2A veranschaulichten
Position, bei der Schnauflöcher 18 durch einen ringförmigen geschlossenen Abschnitt
der Steuerhülse 17 verschlossen sind. Wird das Abbaugerät vom Untergrund abgesetzt,
so rutscht der Döpper 15 um ein Längenstück Δx von wenigen Millimetern bis zu einem
Zentimeter maximal um 2,5 cm nach vorn in Richtung des Werkzeugs. Über die mit dem
Döpper 15 gekoppelte Verstellvorrichtung wird die Steuerhülse 17 ebenfalls axial nach
vorn verschoben, so dass Rückschlagventile, hier ausgeführt als Klappenventile 20
auf die Schnauflöcher 18 ausgerichtet sind. Fährt der Erregerkolben 12 jetzt rückwärts,
so dass im Raum der Luftfeder 19 ein Unterdruck entstehen würde, so öffnen die Klappenventile
20. Dadurch kann der Druck in der Luftfeder 19 nicht oder nicht wesentlich unter Atmosphärendruck
absinken. Der Flugkolben 14 wird nicht mehr angesaugt und bleibt am oder vor dem Döpper
15 stehen.
[0024] Die isometrische Darstellung der Fig. 3A zeigt in vergrößerter Darstellung eine erprobte
Ausführungsform für die axial verschiebbare Steuerhülse 17. Diese Steuerhülse 17,
die vorzugsweise als Kunststoffformteil herstellbar ist, besteht - wie die Fig. 3B
erkennen lässt - aus einem Hülsenring 21 mit einer der Anzahl der Schnauflöcher 18
entsprechenden Mehrzahl von ausgesparten Axialkammern 24, in welche die Klappenventile
20 eingesetzt sind, und durch eine Schraubverbindung 26 abdichtend gehalten werden.
Die Axialkammern 24 stehen über jeweils eine Durchbrechung 25, deren Anzahl der Anzahl
der Schnauflöcher 18 entspricht, mit dem Innenraum der Steuerhülse in Verbindung.
Die Klappenventile 20 bestehen im Wesentlichen aus jeweils einem einseitig eingespannten
Blattfederelement 22, das eine Ein-/Auslassöffnung 27 je nach Druckverhältnissen auf
der einen oder anderen Seite des Blattfederelements 22 freigibt oder verschließt.
Die Härte des Blattfederelements 22 bestimmt das Ansprechverhalten des Klappenventils
20.
[0025] Die Fig. 4 zeigt eine andere erprobte Ausführungsform für die Steuerhülse 17. Anstelle
der Klappenventile 20 werden hier Kugelventile 28 vorgesehen, welche die Durchbrüche
25 freigeben oder verschließen. Das Ansprechverhalten dieser Ventilart lässt sich
feinfühlig über eine Stellschraube 31 verstellen, über die die Vorspannung einer auf
das Kugelventil wirkenden Druckfeder 29 bestimmt wird. Der Vorteil dieser Ausführung
mit Kugelventilen ist ein einfacheres Herstellungsverfahren, da die Steuerhülse 17
weitgehend vollständig als Spritzgussteil gefertigt werden kann, sowie eine gute Einstellbarkeit
der Ventilvorspannung und damit des Ansprechverhaltens der Rückschlagventile.
[0026] Die Fig. 5 zeigt eine Ausführungsform des elektropneumatischen Schlagwerks 10, ausgerüstet
mit der Kugelventilhülse gemäß Fig. 4 als Steuerhülse 17. Im Übrigen entspricht die
Ausführungsform nach Fig. 5 derjenigen der Fig. 2A bzw. 2B, so dass eine weitere Erläuterung
erübrigt werden kann.
[0027] Die Fig. 6, die wiederum das bereits erläuterte elektropneumatische Schlagwerk zeigt,
jedoch in diesem Fall nur mit schematisch angedeuteter Steuerhülse 17, dient zur Erläuterung
einer rechnerischen Abschätzung des maximal erreichbaren Drucks und der effektiv wirkenden
Kräfte, wobei in Fig. 6 der nachfolgend verwendete Begriff l
eff der "effektiven Schlagwerkslänge" eingetragen und veranschaulicht ist.
[0028] Bei dem der Erfindung zugrunde liegenden Verfahren, kurz auch als "Pump-Up-Verfahren"
bezeichnet, werden im Moment des Abschaltens des Schlagwerks - wie bereits erläutert
- Rückschlagventile zugeschaltet, die direkt mit der Luftfeder 19 des Schlagwerks
verbunden sind und dieses dadurch aufpumpen, dass bei der Rückwärtsbewegung des Erregerkolbens
12 ein Unterdruck in der Luftfeder 19 entsteht. Die nach innen gerichteten Rückschlagventile,
beispielsweise die Klappenventile 20 oder die Kugelventile 28, werden geöffnet und
es wird Luftmasse in den Innenraum der Luftfeder 19 angesaugt. Sobald der Erregerkolben
12 seine Bewegungsrichtung ändert, werden diese Rückschlagventile geschlossen und
die Luft wird komprimiert. Dadurch entsteht ein Überdruck im Schlagwerk, der den Flugkolben
14 nach vorne, in Richtung Döpper 15 drückt. Der Flugkolben 14 bleibt dadurch nach
kurzer Zeit in der vordersten Position stehen.
[0029] Im Folgenden soll der mittlere Druck abgeschätzt werden, der so im Schlagwerk erzeugt
wird, um zu veranschaulichen, dass die Kräfte ausreichen, den Flugkolben 14 innerhalb
kurzer Zeit nach vorne in Richtung Werkzeug zu beschleunigen.
[0030] Wird zulässigerweise angenommen, dass die Rückschlagventile zu dem Zeitpunkt schließen,
zu dem der Erregerkolben 12 seine Bewegungsrichtung ändert, d. h. an der hinteren
Totpunktposition, so lässt sich der Maximaldruck, der im Schlagwerk erzeugt wird,
abschätzen. Der Druck im Schlagwerk ist zu diesem Zeitpunkt gerade so groß, wie der
äußere Atmosphärendruck po. Der Hub des Erregerkolbens 12 betrage h
EK. Um diesen Hub wird die Luftmasse im Schlagwerk komprimiert. Es wird zulässigerweise
angenommen, dass sich das Gas (die Luft) im Schlagwerk ideal isentrop (adiabatisch)
verhält mit einem Koeffizienten κ = 1.4. Es gilt dann:

[0031] Der Maximaldruck ist somit gegeben durch:

[0032] Darin bedeuten:
leff: effektive Schlagwerkslänge; (vgl. Fig. 6)
po: äußerer Atmosphärendruck
hEK: Hub des Erregerkolbens
κ: Isentropen-Koeffizient; κ = 1.4 für Luft.
[0033] Nimmt man an, der Erregerkolbenhub entspreche in etwa der effektiven Schlagwerkslänge,
d. h. h
EK = l
eff, so ergibt sich ein Maximaldruck, der etwas mehr als zweimal so hoch ist wie der
äußere Atmosphärendruck p0:

[0034] Die Kraft, mit der der Flugkolben 14 nach vorne beschleunigt wird, ist gegeben durch:

[0035] Bezeichnet man mit x
EK(t) die zeitabhängige Momentanposition des Erregerkolbens, so gilt:

[0036] Daraus folgt mit Gl. (4)

[0037] Die mittlere Kraft ergibt sich aus einer Mittelwertbildung über eine Erregerkolbenperiode:

[0038] Darin bezeichnen A die Stirnfläche des Erregerkolbens und T die Periodendauer eines
Erregerkolbenzyklus.
[0039] Das Integral der Gleichung (7) lässt sich wegen des Exponenten κ nicht einfach analytisch
lösen. Es werden daher zwei Vereinfachungen betrachtet. Die erste besteht darin, den
Exponenten aus dem Integranden herauszunehmen. Man erhält dann:

[0040] Daraus ergibt sich eine mittlere Kraft von:

[0041] Wird angenommen, der Hub des Pleuels 13 entspreche wieder der effektiven Schlagwerkslänge,
d. h. h
EK = I
eff, so ergibt sich:

und eine mittlere Beschleunigung von

[0042] Bewegt sich der Flugkolben 14 aus der Ruhe von der hintersten Position bis zum Döpper
15, so dauert dies ungefähr:

[0044] Daraus folgt eine Zeitkonstante von etwa 14 ms, was ausreicht, um das Nachschlagen
des Flugkolbens 14 vollständig zu unterbinden.
[0045] Eine weiter zulässige Vereinfachungsmöglichkeit besteht darin, den Isentropen-Koeffizienten
κ in Gl. (7) festzulegen durch den nächstliegenden ganzzahligen Bruch, also:

[0046] Das Integral der Gl. (7) lässt sich in diesem Fall analytisch lösen:

[0047] Darin bezeichnet E das vollständige elliptische Integral zweiter Art. Wird angenommen,
dass der Pleuelhub wieder der effektiven Schlagwerkslänge entspricht, so ergibt sich:

[0048] Die in Gl. (15) enthaltene Funktion E(x) ist wie folgt definiert:

[0049] Darin bezeichnet θ ein allgemeines Argument für die Definition des vollständigen
elliptischen Integrals zweiter Art (Gl. 16). Es ist die Integrationsvariable, nach
der integriert wird. Das Argument von E(φ, m) ist damit einerseits die obere Grenze
des Integrals, andererseits das Modul m. In unserem Fall gilt:

[0050] Die Funktion E(x) lässt sich um Null herum in eine Taylor-Reihe entwickeln.

[0051] Werden zulässigerweise nur Terme erster Ordnung betrachtet, so ergibt sich als zuverlässige
Schätzung für die mittlere Kraft:

[0052] Daraus lässt sich schließen, dass der maximale Überdruck, der sich durch die Rückschlagventile
erzeugen lässt, bei etwa 3/4 des Außendrucks p
0 liegt, wenn angenommen wird, dass der Pleuelweg der Länge l
eff des Schlagwerks entspricht.
[0053] Versuche haben gezeigt, dass dabei die Rückschlagventile als fast ideal angenommen
werden können.
[0054] Die soweit dargestellte Modellrechnung, einschließlich des Verhaltens der Rückschlagventile
wird nachfolgend mittels einer realistischen Simulation verifiziert, bei der zusätzlich
noch eine für das Betriebsverhalten des Abbaugeräts deutliche Verbesserung hinsichtlich
der erforderlichen Anpresskraft durch den Bediener und für ein schnelles Startverhalten
zur Anwendung kommt.
[0055] Ein Abbaugerät der genannten Art, insbesondere ein Bohr- und/oder Meisselhammer,
ist umso anwenderfreundlicher, je geringer die Anpresskräfte sind, die der Anwender
aufbringen muss, damit das Gerät nach einer Betriebsunterbrechung z. B. beim Absetzen
von Untergrund, wieder rasch anläuft und stabil funktioniert. Durch die Erzeugung
eines höheren Drucks zwischen dem Erregerkolben 12 und dem Flugkolben 14 beim Absetzen
des Geräts wird die zum Wiederanlauf aufzuwendende Anpresskraft etwas erhöht.
[0056] Geht man beispielsweise von einem maximalen Überdruck von etwa 0.6 bar aus, so ergeben
sich bei einem angenommenen Durchmesser des Führungsrohrs 11 von d = 40 mm Druckkräfte
von etwa 24 N, die durch die Anpresskraft zu überwinden sind.
[0057] Um diese Gegenkräfte zu vermindern und ein schnelleres Wiederanlaufen des Schlagwerks
zu gewährleisten, ist gemäß einer vorteilhaften Ausführungsvariante vorgesehen, die
überschüssige Luftmasse im Führungszylinder 11 über einen Zwischenschritt abzublasen.
Diese Ausführungsvariante der Erfindung wird anhand der Fig. 7A bis 7C nachfolgend
beschrieben.
[0058] Die mit dem Rückschlagventil, z. B. dem Klappenventil 20, ausgerüstete axial verschiebbare
Steuerhülse 17 weist in einem gewissen axialen Abstand von dem Klappenventil 20 wenigstens
eine Bohrung als Ablassöffnung 32, vorzugsweise jedoch eine der Anzahl der Schnauflöcher
18 entsprechende Mehrzahl von Ablassöffnungen 32 auf.
[0059] Die Fig. 7A zeigt die Arbeitsstellung des Abbaugeräts, bei welcher die Schnauflöcher
18 durch den vorderen Bereich der Steuerhülse 17 verschlossen sind. Wird das Abbaugerät
vom Untergrund abgesetzt, so wird die Steuerhülse 17 durch den nach vorne rutschenden
Döpper 15 um den Wegabschnitt Δx
2 verschoben, so dass die Rückschlagventile, beispielsweise das Klappenventil 20, wie
in Fig. 7C gezeigt, auf die Schnauflöcher 18 ausgerichtet sind. Dies entspricht der
auch in Fig. 2B gezeigten Pump-Up-Stellung, in welcher der Flugkolben 14 kurzfristig
stillgesetzt wird. Beginnt der Bedienende einen weiteren Abbauvorgang, so wird beim
Ansetzen des Geräts eine Zwischenstellung des Döppers 6 bzw. der Steuerhülse 17 erreicht,
die gegenüber der in Fig. 7A gezeigten Arbeitsstellung um ein kleineres Wegstück Δx
1 verschoben ist, die so genannte Ablassstellung, in welcher die Ablassöffnung(en)
32 auf eines der oder die Schnauflöcher 18 ausgerichtet ist (sind). Dadurch wird die
überschüssige Luftmasse im Schlagwerk rasch abgeblasen, so dass das Schlagwerk innerhalb
kürzester Zeit neu zu arbeiten beginnt.
[0060] Die in Fig. 8 dargestellten zeitkorrelierten Teildiagramme (a) bis (c) veranschaulichen
Simulationsergebnisse, die mit dem Schlagwerk gemäß Fig. 2 A/B durchgeführt wurden.
[0061] Auf der Abszisse der drei übereinander dargestellten Diagramme ist jeweils die Zeit
in Sekunden (s) dargestellt. Auf den Ordinaten der drei Diagramme sind im oberen Diagramm
(a) in dessen oberem Teildiagramm 33 die Momentanposition bzw. der Weg-Zeitverlauf
des Erregerkolbens 12 und im unteren Teildiagramm 34 die Momentanposition bzw. der
Weg-Zeitverlauf des Flugkolbens 14 wiedergegeben.
[0062] Das mittlere Diagramm (b) zeigt einerseits in durchgezogener Linie 35 den Gesamtenergieverbrauch
und im unteren Bereich die Energie der Einzelschläge, die als Peaks 36 aufgetragen
sind.
[0063] Das unterste Teildiagramm (c) zeigt schließlich den zeitlichen Verlauf der im Schlagwerk
vorhandenen Luftmasse bei einem Stopp- und Startvorgang für ein erfindungsgemäßes
Schlagwerk.
[0064] Die Simulationsergebnisse der Fig. 8 sind wie folgt zu interpretieren:
[0065] Bei t = 0.6 s wird die Pump-Up- oder Steuerhülse 17 aktiviert, d. h. beim Absetzen
des Geräts in die in Fig. 2B gezeigte Position verschoben. Das Schlagwerk kommt innerhalb
von zwei Schlägen zum Stillstand, was gut aus dem Teildiagramm (b) der Fig. 8 ersichtlich
ist. Bei t = 1.2 s wird das Schlagwerk wieder aktiviert, es dauert, wie aus dem Teildiagramm
(c) der Fig. 8 ersichtlich ist, etwa 400 ms, bis die überschüssige Luft im Schlagwerk
über das Schnaufloch bzw. die Schnauflöcher 32 abgebaut ist, und das Schlagwerk erneut
voll zu arbeiten beginnt.
[0066] Die drei graphischen Darstellungen der Fig. 9 zeigen einen zeitgedehnten Teilausschnitt
der Simulationsergebnisse nach Fig. 8. Man erkennt hieraus deutlich, dass der Flugkolben
nach nur zwei Einzelschlägen bereits eine Ruheposition erreicht hat (Teildiagramm
(a)). Der Erregerkolben 12 läuft weiter und verändert dementsprechend die im Schlagwerk
vorhandene Luftmasse pulsierend, was sich gut aus den Teildiagrammen (c) der Fig.
8 und 9 ersehen lässt.
[0067] Die graphische Darstellung der Fig. 10 entspricht einer zeitgedehnten Detaildarstellung
der Graphik nach Fig. 8 ab dem Zeitpunkt t = 1.1 s. Aus den Teildiagrammen (b) und
(c) der Fig. 10 lässt sich besonders gut ablesen, dass ohne zusätzliches Ablassen,
wie anhand der Fig. 10 veranschaulicht, das Schlagwerk nach etwa 400 ms seine volle
Schlagleistung erreicht hat. Die überschüssige Luft wird über das bzw. die Schnauflöcher
zwar in einer für die Praxis tolerablen Zeitspanne, jedoch mit einer merkbaren Zeitverzögerung
abgebaut.
[0068] Die FiG. 11 und 12 zeigen den bereits erläuterten Figuren 8 bzw. 10 entsprechende
Graphiken bzw. Diagramme für ein Schlagwerk mit einer Pump-Up- bzw. Steuerhülse 17
gemäß Fig. 7 mit zusätzlicher (zusätzlichen) Ablassöffnung (Ablassöffnungen) 32.
[0069] Entsprechend der Fig. 8 zeigt Fig. 11 eine Übersicht über einen Stopp- und Startvorgang
eines Schlagwerks mittels einer erfindungsgemäßen Pump-Up- oder Steuerhülse 17, die
gemäß Fig. 7 zusätzliche Ablassöffnungen 32 aufweist. Wiederum wird bei t = 0.6 s
die Steuerhülse 17 in die in Fig. 7C gezeigte Stellung gebracht. Das Schlagwerk kommt
innerhalb von zwei Schlägen zum Stillstand. Bei t = 1.2 s wird das Schlagwerk wieder
aktiviert. Anders als bei Fig. 8 bzw. Fig. 10 ist aus den Fig. 11 und 12 gut ersichtlich,
dass das Schlagwerk praktisch sofort zu hämmern beginnt, was in beiden Fig. 11 und
12 die Teildiagramme (b) und (c) gut erkennen lassen. Dieses günstige Anlaufverhalten
des Schlagwerks wird durch das zusätzliche Abblasen über die Ablassöffnung 32 erreicht.
Dabei wird überschüssige Luft durch ein kurzes Entlüften des Schlagwerks rasch abgebaut.
[0070] Eine weitere grundsätzliche Ausführungsvariante der Erfindung unter Verwendung einer
Pumpe mit Druckspeicher wird nachfolgend anhand der Fig. 13 und 14 beschrieben.
[0071] Bei dieser durch zwei Ausführungsbeispiele veranschaulichten Variante der Erfindung
wird das elektropneumatische Schlagwerk selbst dazu verwendet, einen Zwischendruckspeicher
45 zu füllen, der über ein vorzugsweise steuerbares Ventil 46 in das Schlagwerk, insbesondere
in die Luftfeder 19 entleert wird, sobald die Anpresskraft nachlässt bzw. das Abbaugerät
vom Untergrund abgehoben wird.
[0072] Die Fig. 13 zeigt eine Ausführungsform mit einer vom Erregerkolbenantrieb betätigten
zusätzlichen Hubkolbenpumpe 40, die über Rückschlagventile 41, 42 mit dem Zwischendruckspeicher
45 verbunden ist. Die Ansaugseiten der Hubkolbenpumpe 40 weisen ebenfalls Rückschlagventile
43, 44 auf. Am Druckspeicher 45 kann ein Überdruckventil 47 vorgesehen sein.
[0073] Wie die Ausführungsform nach Fig. 14 zeigt, ist es auch möglich, das Volumen 50 des
Exzenterantriebs 42 für den Erregerkolben 12 direkt als Pumpenvolumen zu verwenden,
wobei das Kurbelgehäuse als Pumpengehäuse 51 dient. Die Rückschlagventile 53 bzw.
54 entsprechen in ihrer Funktion den Rückschlagventilen 41, 42 bzw. 43, 44 bei Fig.
13.
[0074] Der Vorteil dieser Ausführungsvariante der Erfindung gegenüber der Variante mit Pump-Up-
oder Steuerhülse liegt darin, dass der maximale Druck im Schlagwerk nicht durch die
Dimensionen des Flugkolbenwegs und/oder des Exzenterhubs gegeben sind und somit nicht
auf den Umgebungsdruck, also etwa 1 bar, limitiert sind. Es lassen sich deutliche
höhere Drücke erzeugen, was prinzipiell ein noch zuverlässigeres und schnelleres Abschalten
des Abbaugeräts beim Abheben vom Untergrund ermöglicht. Vorteilhaft ist auch, dass
der Druck zum Zeitpunkt des Abschaltens bereits zur Verfügung steht.
[0075] Eine dritte Ausführungsvariante der Erfindung geht von der Verwendung schnell schaltender
Ventile mit einer Untervariante einer dynamisch rasch verschiebbaren Schieberhülse
aus. Zwei Ausführungsbeispiele sind in den Fig. 15 und 16 gezeigt.
[0076] Bei der Ausführungsform nach Fig. 15 ist die Funktion eines Rückschlagventils gegenüber
bei den anhand der Fig. 1 bis 12 beschriebenen Ausführungsformen ersetzt durch ein
schnell schaltendes Ventil 60, das ein magnetisch betätigbares 2/2-Wegeventil sein
kann. Um im Schlagwerk einen Überdruck zu erzeugen, wird das Ventil 60 geschlossen,
sobald der Erregerkolben 12 seine Bewegungsrichtung am hinteren Totpunkt ändert. Die
Luft wird beim Vorlauf des Erregerkolbens 12 komprimiert und erzeugt einen Überdruck.
Das Ventil 60 wird dann jedes Mal wieder geöffnet kurz nachdem der Erregerkolben 12
den vorderen Tot- oder Umkehrpunkt erreicht hat.
[0077] Diese Ausführungsform der Erfindung hat den Vorteil, dass nach dem Abschalten des
Schlagwerks vor dem nächsten Anlaufen durch ein kurzes Öffnen des Ventils 60 der Druckausgleich
sofort hergestellt werden kann. Die Anforderungen an das Ventil 60 sind allerdings
relativ hoch; es sind Schaltfrequenzen von mehr als 50 Hz notwendig. Auch die Nennweiten
einer Durchführungsbohrung am Führungsrohr 11 (in FiG. 15 nicht gezeigt) bzw. am Ventil
selbst, müssen für einen schnellen Gasaustausch relativ groß bemessen werden, z. B.
sind Durchmesser von 3 bis 4 mm erforderlich. Für diese Ausführungsform kommen vor
allem elektrisch zu betätigende Schieberventile oder Drehschieberventile in Frage.
[0078] Eine Ausführungsform der Erfindung bei der eine Steuerhülse selbst direkt als Schieberventil
zum Einsatz kommt, ist in Fig. 16 gezeigt. Eine Steuerhülse 61, welche die Schnauflöcher
18 in einer Endstellung verschließt und in einer zweiten Endstellung freigibt, bildet
dabei gleichzeitig einen Spulenkörper und bildet den Anker eines Voice-Coil-Aktors
62, der zentrisch um das Führungsrohr 11 plaziert ist.
1. Verfahren zur Verbesserung des Abschaltverhaltens eines elektropneumatischen Abbaugeräts,
insbesondere Bohr- und/oder Meisselhammers, bei dem innerhalb eines Führungsrohrs
(11) ein über eine Luftfeder (19) durch einen elektrisch angetriebenen Erregerkolben
(12) beschleunigter Flugkolben (14) auf ein Abbauwerkzeug wirkt, dadurch gekennzeichnet, dass zur Reduzierung des Nachschlagens des Flugkolbens beim Abheben des Abbaugeräts vom
bearbeiteten Untergrund der Druck zwischen dem Flugkolben und dem Erregerkolben erhöht
wird.
2. Abbaugerät mit elektropneumatischem Schlagwerk, insbesondere Bohr- und/oder Meisselhammer,
dessen Schlagwerk einen elektrisch innerhalb eines Führungsrohrs (11) vor- und zurückfahrend
antreibbaren Erregerkolben (12) aufweist, der über eine von diesem komprimierte Luftfeder
(19) einen Flugkolben (14) beschleunigt, der seinerseits ein in einer Werkzeugaufnahme
(9) gehaltenes Abbauwerkzeug schlagend antreibt, gekennzeichnet durch eine beim Abheben des Abbaugeräts vom abzubauenden Untergrund aktivierbare Ventileinrichtung
(30), über die der zwischen dem Flug- und dem Erregerkolben wirkende Druck im Schlagwerk
erhöht wird.
3. Abbaugerät nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Ventileinrichtung wenigstens ein Rückschlagventil (20; 28) aufweist, über das
beim Abheben des Abbaugeräts vom Untergrund der beim Rückhub des Erregerkolbens zwischen
diesem und dem Flugkolben entstehende Unterdruck auf einen höheren Druck, vorzugsweise
annähernd Umgebungsdruck, angehoben wird.
4. Abbaugerät nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Führungsrohr im Bereich der Luftfeder wenigstens eine Bohrung (Schnaufloch 18)
aufweist, und dass das Rückschlagventil relativ zum Führungsrohr verschiebbar und
so angeordnet ist, dass es beim Abheben des Abbaugeräts vom Untergrund durch eine
Verstelleinrichtung (16) auf diese Bohrung (18) ausrichtbar ist.
5. Abbaugerät nach Anspruch 3. dadurch gekennzeichnet, dass das Rückschlagventil in eine das Führungsrohr umgebende Steuerhülse (17) integriert
ist, die durch die Verstelleinrichtung verschiebbar ist.
6. Abbaugerät nach Anspruch 3 oder 4, bei dem der über die Luftfeder angetriebene Flugkolben
schlagend auf einen dem Werkzeughalter zugeordneten Döpper (15) wirkt, dadurch gekennzeichnet, dass die Verstelleinrichtung für das Rückschlagventil durch den Döpper betätigbar ist.
7. Abbaugerät nach Anspruch 6 in Verbindung mit Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerhülse durch die Verstelleinrichtung relativ zum Führungsrohr axial verschiebbar
ist.
8. Abbaugerät nach Anspruch 6 in Verbindung mit Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerhülse durch die Verstelleinrichtung relativ zum Führungsrohr verdrehbar
ist.
9. Abbaugerät nach wenigstens einem der vorstehenden Ansprüche 3 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Rückschlagventil ein Klappenventil (20) ist.
10. Abbaugerät nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Rückschlagventil ein in die Umfangswand der Steuerhülse (17) integriertes Klappenventil
(20) ist.
11. Abbaugerät nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Klappenventil (20) durch eine einseitig eingespannte quer zu einem Durchlasskanal
sich erstreckende Blattfeder (22) gebildet ist.
12. Abbaugerät nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Rückschlagventil ein in die Steuerhülse (17) integriertes Kugelventil (28) ist.
13. Abbaugerät nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorspannung des Kugelventils über eine auf eine Druckfeder (29) wirkende Einstellschraube
(31) einstellbar ist.
14. Abbaugerät nach Anspruch 2, gekennzeichnet durch eine Druckspeichervorrichtung (45), durch die bei Aktivierung der Ventileinrichtung der Druck im Schlagwerk erhöht wird.
15. Abbaugerät nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass der Druckspeicher durch eine über den Erregerkolbenantrieb betätigte Pumpe (40; 50)
voraufladbar ist.
16. Abbaugerät nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Pumpe eine vom Pleuelantrieb des Erregerkolbens betätigte Hubkolbenpumpe (40)
ist.
17. Abbaugerät nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Pumpe eine durch den Antrieb des Erregerkolbens betätigte Exzenterpumpe ist.
18. Abbaugerät nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Ventileinrichtung ein elektromagnetisch betätigbares Ventil ist.
19. Abbaugerät nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet, dass das Ventil durch eine elektromagnetisch betätigbare Steuerhülse (61) gebildet ist,
die in einer Schaltposition wenigstens ein das Führungsrohr durchsetzendes Schnaufloch
zur Luftfeder verschließt und in einer anderen Schaltposition freigibt.
20. Abbaugerät nach Anspruch 19, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerhülse axial durch einen Voice-Coil-Aktor verschiebbar ist.
21. Abbaugerät nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerhülse den verschieblichen Kern des Voice-Coil-Aktors bildet.
22. Abbaugerät nach einem der vorstehenden Ansprüche 2 bis 20, gekennzeichnet durch wenigstens eine die Steuerhülse (17; 61) durchsetzende Ablassöffnung (32) zum raschen
Abbau eines Überdrucks im Schlagwerk bei Aufnahme/Wiederaufnahme des Hammer- oder
Meisselbetriebs.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 86(2) EPÜ.
1. Abbaugerät, insbesondere Bohr- und/oder Meisselhammer, dessen elektropneumatisches
Schlagwerk, Schlagwerk einen elektrisch innerhalb eines Führungsrohrs (11) vor- und
zurückfahrend antreibbaren Erregerkolben (12) aufweist, der über eine von diesem komprimierte
Luftfeder (19) einen Flugkolben (14) beschleunigt, der seinerseits ein in einer Werkzeugaufnahme
(9) gehaltenes Abbauwerkzeug schlagend antreibt, wobei das Führungsrohr im Bereich
der Luftfeder wenigstens eine Bohrung (Schnaufloch 18) aufweist, und eine das Führungsrohr
umgebende Steuerhülse (17) vorhanden ist, die durch eine beim Abheben des Abbaugeräts
vom Untergrund betätigbare Verstelleinrichtung (16) verschiebbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass in die Steuerhülse (17) ein Rückschlagventil (20; 28) integriert ist, über das beim
Abheben des Abbaugeräts vom Untergrund der beim Rückhub des Erregerkolbens (12) zwischen
diesem und dem Flugkolben (14) entstehende Unterdruck auf einen höheren Druck angehoben
wird und das so angeordnet ist, dass es beim Abheben des Abbaugeräts vom Untergrund
durch die Verstelleinrichtung (16) auf das Schnaufloch (18) ausgerichtet wird.
2. Abbaugerät nach Anspruch 1, bei dem der über die Luftfeder angetriebene Flugkolben
schlagend auf einen dem Werkzeughalter zugeordneten Döpper (15) wirkt, dadurch gekennzeichnet, dass die Ventileinrichtung (16) für das Rückschlagventil durch den Döpper betätigbar ist.
3. Abbaugerät nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerhülse durch die Verstelleinrichtung relativ zum Führungsrohr axial verschiebbar
ist.
4. Abbaugerät nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerhülse durch die Verstelleinrichtung relativ zum Führungsrohr verdrehbar
ist.
5. Abbaugerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Rückschlagventil ein Klappenventil (20) ist.
6. Abbaugerät nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Klappenventil (20) in die Umfangswand der Steuerhülse (17) integriert ist.
7. Abbaugerät nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Klappenventil (20) durch eine einseitig eingespannte quer zu einem Durchlasskanal
sich erstreckende Blattfeder (22) gebildet ist.
8. Abbaugerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Rückschlagventil ein in die Steuerhülse (17) integriertes Kugelventil (28) ist.
9. Abbaugerät nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorspannung des Kugelventils über eine auf eine Druckfeder (29) wirkende Einstellschraube
(31) einstellbar ist.
10. Abbaugerät nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch wenigstens eine die Steuerhülse (17) durchsetzende Ablassöffnung (32) zum raschen
Abbau eines Überdrucks im Schlagwerk bei Aufnahme/Wiederaufnahme des Hammer- oder
Meißelbetriebs.