[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Kantenverleimaggregat gemäß dem Oberbegriff des
Patentanspruchs 1.
[0002] Kantenverleimaggregate dieser Art sind aus dem Dokument EP 0 728 561 A1 bekannt und
werden an CNC-gesteuerten Holzbearbeitungsmaschinen eingesetzt, mittels deren Programm
das Kantenverleimaggregat entlang der zu beschichtenden Schmalseiten der Werkstücke
geführt wird. Solche Kantenverleimaggregate weisen Führungs- und ggf. Kappvorrichtungen
für das bandförmige Kantenmaterial auf, und es befindet sich daran eine Beleimvorrichtung,
um auf die an die zu beschichtende Werkstückschmalseite anzulegende Seite des Kantenmaterials
den für die Verbindung mit dem Werkstück erforderlichen Klebstoff aufzutragen. Mittels
einer zylindrischen Andrückrolle wird das beleimte Kantenmaterial an die Werkstückschmalseiten
angepreßt, erforderlichenfalls können hinter der Andrückrolle noch Nachdrückrollen
vorgesehen sein, um eine besonders intensive Verpressung des Kantenmaterials mit den
zu beschichtenden Werkstückschmalseiten zu erzielen.
[0003] Mit den zylindrischen Andrückrollen der bekannten Kantenverleimaggregate kann nur
entlang solcher Werkstückschmalseiten das Anfahren des bandförmigen Kantenmaterials
vorgenommen werden, die geradlinig verlaufen, in einem konvexen Bogen geschweift sind
oder eine solche konkave Bogenform aufweisen, deren Krümmungsradius größer als der
der Andruckrolle des Kantenverleimaggregates ist.
[0004] Um plattenförmige Werkstücke auch über Schmalseiten hinweg mit dem bandförmigen Kantenmaterial
beschichten zu können, die unter Bildung einer Innenecke winklig zueinander verlaufen,
ist ein manueller Einsatz unter Verwendung von der Inneneckform entsprechenden Schablonen
erforderlich. Der Zeitbedarf und der personelle Aufwand für diese Arbeit ist erheblich,
außerdem verlangt diese Art der Schmalseitenbeschichtung Übung und Kraftaufwand.
[0005] Man hat deshalb auch schon Werkstücke, die mit einer beschichteten Innenecke zwischen
aneinander angrenzenden Schmalseiten versehen werden sollen, aufgeteilt, um die an
der Innenecke zusammenlaufenden Werkstückschmalseiten zunächst voneinander zu trennen
und je für sich zu beschichten. Danach müssen unter Bildung der Innenecke die Werkstückteile
wieder zusammengefügt werden, was durch Kleben und/oder Dübeln geschieht, auch das
ist eine aufwendige Maßnahme.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Kantenverleimaggregat der eingangs
genannten Art zu schaffen, mit dem Schmalseiten an den Werkstücken, die über eine
Innenecke hinweg aneinander anschließen, maschinell mit dem bandförmigen Kantenmaterial
beschichtet werden können, wobei das Andruckwerkzeug ein Verpressen des Kantenmaterials
auch im Bereich der Innenecke ermöglicht.
[0007] Diese Aufgabe wird bei einem Kantenverleimaggregat der vorgenannten Art durch die
kennzeichnenden Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0008] Für die Erfindung ist wesentlich, daß das Kantenverleimaggregat mit dem im Grundriß
dreieckförmigen Druckelement in gleicher Weise in einer programmgesteuerten Holzbearbeitungsmaschine
zum Einsatz kommen kann, wie ein Kantenverleimaggregat mit einer herkömmlichen Andruckrolle.
Das Druckelement als Gleitkörper legt sich an die üblichen Werkstück-Umrißkonturen
mit zwei seiner Druckkanten und/oder der dazwischenliegenden Seitenfläche unter Zwischenfügen
des Kantenmaterials an und übt den notwendigen Preßdruck auf das Kantenmaterial aus.
Erreicht das Druckelement mit der in Vorschubrichtung vornliegenden Druckkante eine
Innenecke zwischen zwei winklig aneinander anschließenden Schmalseiten an dem betreffenden
Werkstück, dann fährt diese Druckkante bis in die Innenecke hinein, und mit dem Auflaufen
der Druckkante auf die abgewinkelte Schmalseite schwenkt das Druckelement soweit um,
bis es mit der der abgewinkelten Werkstück-Schmalseite benachbarten Druckkante und/oder
Seitenfläche an dieser abgewinkelten Schmalseite wiederum unter Zwischenfügung des
mitgeführten Kantenmaterials zur Anlage kommt. Das Kantenverleimaggregat insgesamt
wird programmgesteuert dem Inneneckverlauf des Werkstücks unter Berücksichtigung der
Schwenkbewegung/des Druckelements nachgeführt. Dies geschieht in der Weise, daß auch
im Inneneckbereich bis zum Eckscheitel hin der notwendige Anpreßdruck auf das bandförmige
Kantenmaterial ausgeübt wird.
[0009] Mit dem im Grundriß dreickeckförmigen Druckelement läßt sich in ähnlicher Weise auch
eine Außenecke an dem Werkstück umfahren. Dies kann entsprechend in der Programmsteuerung
der Maschine für das Kantenverleimaggregat berücksichtigt werden. Der Schwenk des
Druckelementes an der Außenecke erfolgt in der Weise, daß eine der Seitenflächen des
Druckelementes mit dem zwischengefügten Kantenmaterial sich an die Werkstückaußenecke
anlegt und etwa bei Erreichen des mittleren Abschnitts dieser Seitenfläche das Druckelement
umklappt. Hiernach kommt die über die Werkstückecke hinausgelaufene Druckkante des
Druckelementes in Anlage an der hinter der Außenecke liegenden Werkstückschmalseite
und es hebt sich die in Vorschubrichtung hintenliegende Druckkante des Druckelementes
von der zuvor beschichteten Werkstückschmalseite ab.
[0010] Die Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnung an einem Ausführungsbeispiel
noch näher erläutert. Dabei zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Draufsicht auf ein Kantenverleimaggregat beim Anfahren einer Innenecke
eines an den Schmalseiten mittels eines Kantenmaterials zu beschichtenden Werkstücks,
- Fig. 2
- eine schematische perspektivische Ansicht des Andruckwerkzeugs des Kantenverleimaggregates
nach Fig. 1 und
- Fig. 3
- eine der Fig. 1 entsprechende Darstellung des Kantenverleimaggregates jedoch beim
Durchfahren der Werkstück-Innenecke.
[0011] Fig. 1 zeigt im einzelnen den Abschnitt eines plattenförmigen Werkstücks 1, welches
zwei Schmalseiten 2 aufweist, die im Bereich einer 90°-Innenecke aneinander angrenzen.
Auf diese Schmalseiten 2 über die Innenecke 3 hinweg wird ein bandförmiges Kantenmaterial
4 aufgetragen, was mit Hilfe eines Kantenverleimaggregates 5 erfolgt.
[0012] Das Kantenverleimaggregat 5 ist Teil einer CNC-gesteuerten Holzbearbeitungsmaschine,
mit der weitere Schritte der Kantenbearbeitung an dem Werkstück 1 vorgenommen werden
können. Unter anderem kann die Holzbearbeitungsmaschine für das Formatieren des Werkstücks
1 vorgesehen sein, und für diese Bearbeitung sowie für andere Bearbeitungsvorgänge
entlang der Schmalseiten 2 des Werkstücks 1 ist eine Programmsteuerung vorgesehen,
die das jeweilige Bearbeitungsaggregat, so auch das Kantenverleimaggregat 5, entlang
der Kontur der Werkstückschmalseiten 2 verfährt. Umgekehrt kann auch das Werkstück
1 relativ zu den Bearbeitungsaggregaten verfahren werden, es kommt also auf die Relativbewegung
zwischen den Werkstückschmalseiten 2 und dem jeweiligen Bearbeitungsaggregat an.
[0013] Wenn die das Kantenverleimaggregat 5 aufweisende Maschine als Holzbearbeitungsmaschine
bezeichnet ist, ist die damit mögliche Bearbeitung nicht auf aus Holz bestehende Werkstücke
beschränkt. Vielmehr kann die vorgesehene Kantenbeschichtung auch an Platten anderer
Materialien, wie Gips oder Verbundwerkstoffen, vorgenommen werden.
[0014] Das Kantenverleimaggregat 5 weist Vorrichtungen und Einrichtungen 6 auf, um das bandförmige
Kantenmaterial 4 zu führen, gegebenenfalls von einem Magazin abzuziehen und abzulängen.
Auf der Seite des Kantenmaterials 4, die zur Anlage an den Schmalseiten 2 des Werkstücks
1 kommen soll, wird ein Leim oder Kleber aufgetragen, und dazu weist das Kantenverleimaggregat
5 eine Leimwalze 7 auf, an der das Kantenmaterial 4 entlanggeführt wird.
[0015] Das mit Klebstoff versehene Kantenmaterial 4 wird an die zu beschichtenden Schmalseiten
2 des Werkstücks 1 angefahren, wozu ein Druckelement 8 dient, das am Kantenverleimaggregat
5 angeordnet ist. Das Druckelement 8 lenkt das Kantenmaterial 4 aus der Zuführrichtung
auf die Ausrichtung der jeweilig zu beschichtenden Werkstückschmalseite 2 um und preßt
das Kantenmaterial 4 an diese Schmalseite 2 an. Zur Erzielung eines gleichmäßigen
Anpreßdrucks unter Berücksichtigung von Werkstücktoleranzen ist das Druckelement 8
oder das gesamte Kantenverleimaggregat 5 federnd abgestützt.
[0016] Wie sich insbesondere aus Fig. 2 ergibt, liegt die Besonderheit des Druckelementes
darin, daß es die Gestalt einer Dreikant-Säule hat, deren Höhe größer als die Breite
des bandförmigen Kantenmaterials 4 ist. So weist das Druckelement 8 drei Druckkanten
9 auf, die bezogen auf den Grundriß des Druckelementes 8 durch die Ecken eines gleichseitigen
Dreiecks verlaufen und zur Ebene dieses Dreiecks lotrecht stehen. Das Druckelement
8 weist eine zentrale Aufnahmeöffnung 10 für eine Achse oder eine Welle auf, über
die das Druckelement 8 frei drehbar an dem Kantenverleimaggregat 5 gelagert ist. Die
Achse 11 der zentralen Aufnahmeöffnung 10 ist zugleich die Dreh- oder Rotationsachse
des Druckelementes 8 und erstreckt sich in paralleler Richtung zu den Druckkanten
9.
[0017] Wie die Figuren 1 und 3 weiter veranschaulichen, wird durch das Druckelement 8 das
bandförmige Kantenmaterial 4 zumindest durch jeweils zwei benachbarte Druckkanten
9 des Druckelementes 8 geführt und diese Druckkanten 9 drücken das Kantenmaterial
4 an die jeweilige Schmalseite 2 des Werkstücks 1 an. Daran können auch die Seitenflächen
12 des Druckelementes 8 beteiligt sein, die sich zwischen den Druckkanten 9 erstrecken.
Bei der dargestellten Ausführung ist dies nicht der Fall, weil hier die Seitenflächen
12 des Druckelementes 8 zum Innern des Druckelementes hin eingebuchtet sind und entsprechend
mit einer konkaven Wölbung zwischen den Druckkanten 9 verlaufen. Folglich lassen bei
dieser Ausführung die Seitenflächen 12 einen Abstand von derjenigen Ebene, die von
jeweils zwei benachbarten Druckkanten 9 des Druckelementes 8 aufgespannt wird. Grundsätzlich
können die Seitenflächen 12 des Druckelementes 8 mit dieser Ebene zusammenfallen oder
über diese Ebene hinaus nach außen vorgewölbt verlaufen. In diesen Fällen sind auch
die Seitenflächen 12 des Druckelementes 8 an dem Verpressen des bandförmigen Kantenmaterials
4 beteiligt.
[0018] Von erheblicher Bedeutung ist die Funktion der Druckkanten 9 des Druckelementes 8
beim Durchfahren der Innenecke 3 des Werkstücks 1. Mit dem zwischenliegenden Kantenmaterial
4 läuft die in Vorschubrichtung vornliegende Druckkante 9 des Druckelementes 8 in
die Innenecke 3 ein und,auf die gegenüber der Vorschubrichtung, entsprechend dem Pfeil
A in Fig. 1, abgewinkelte WerkstücksSchmalseite 2 auf. Hierbei schwenkt das Druckelement
8 um die Achse 11 (siehe Fig. 2) entsprechend der Richtung des Pfeils C in Fig. 3.
Gleichzeitig wird das gesamte Kantenverleimaggregat 5 aus der Vorschubrichtung A in
die Vorschubrichtung entsprechend dem Pfeil B in Fig. 3 umgelenkt. Im weiteren Verlauf
des Vorschubs des Kantenverleimaggregates 5 liegt dann diejenige Druckkante 9 des
Druckelementes 8 weiter unter Zwischenfügen des nicht unterbrochenen Kantenmaterials
4 an der abgewinkelten Werkstückschmalseite 2 an, die vor dem Erreichen der Werkstück-Innenecke
3 nicht im Werkstückkontakt stand.
[0019] Während des Durchfahrens der Werkstück-Innenecke 3 wird das Kantenverleimaggregat
5 derart durch die Programmsteuerung bewegt, daß mit der in die Innenecke 3 eintauchenden
Druckkante 9 des Druckelementes 8 auch im Bereich des Eckscheitels ein ausreichender
Anpreßdruck auf das Kantenmaterial 4 ausgeübt wird. Die Druckkanten 9 des Druckelementes
8 sind nicht so scharfkantig ausgeführt, daß eine Beschädigung des bandförmigen Kantenmaterials
4 erfolgte. Vielmehr weisen die Druckkanten 9 des Druckelementes 8 eine leichte Kantenrundung
auf, wobei der Radius dieser Kantenrundung einem Rundungsradius entsprechen kann,
unter dem die Werkstück-Innenecke 3 gerundet ist.
1. Kantenverleimaggregat für eine Holzbearbeitungsmaschine zum Anbringen eines bandförmigen
Kantenmaterials (4) an die Schmalseiten plattenförmiger Werkstücke (1) mit einem Andruckwerkzeug
(8), welches das ihm zulaufende Kantenmaterial (4) an seinem Umfang aus der Zulaufrichtung
in die Richtung der zu beschichtenden Werkstückschmalseite (2) umlenkt und an diese
anpreßt, wobei das Andruckwerkzeug (8) und das Werkstück (1) relativ zueinander zwecks
Verfahrens des Werkzeugs (8) entlang der Werkstückschmalseite (2) bewegt werden,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Andruckwerkzeug ein Druckelement (8) in Gestalt einer Dreikantsäule mit miteinander
parallelen Druckkanten (9) ist, welche im Grundriß des Druckelements (8) gesehen in
den Ecken eines gleichseitigen Dreiecks angeordnet sind, wobei das Druckelement (8)
um eine Achse (11) drehbar gelagert ist, welche die zentrale Achse der das Druckelement
(8) bildenden Dreikantsäule ist und dementsprechend zu den Druckkanten (9) parallel
verläuft.
2. Kantenverleimaggregat nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Druckelement (8) frei drehbar gelagert ist.
3. Kantenverleimaggregat nach Anspruch 1 oder 2
dadurch gekennzeichnet,
daß die zwischen den Druckkanten (9) befindlichen Seitenflächen (12) des Druckelementes
(8) relativ zu der Ebene, die durch je zwei benachbarte Druckkanten (9) hindurchgeht,
zum Innern des Druckelementes hin eingesenkt ausgebildet sind.
4. Kantenverleimaggregat nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Seitenflächen (12) des Druckelementes (8) konkav gewölbt sind.
5. Kantenverleimaggregat nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die zwischen den Druckkanten (9) befindlichen Seitenflächen (12) des Druckelementes
(8) vom Druckelementinnern weg nach außen hin, nämlich konvex vorgewölbt sind.
6. Kantenverleimaggregat nach einem der Ansprüche 1 - 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Druckkanten (9) des Druckelementes (8) gerundet sind.
7. Kantenverleimaggregat nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Rundung der Druckkanten (9) des Druckelementes (8) an die Rundung von zu durchfahrenden
Innenecken (3) zwischen aneinander winklig anschließenden Schmalseiten (2) der Werkstücke
1 angepaßt ist.