[0001] Die Erfindung betrifft ein Signalauswerteverfahren für Ionenstrommesoungen im Dieselmotor
nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] In der EP 1 329 630 A2 wird eine Glüh- und Ionenstrommessvorrichtung für einen Dieselmotor
beschrieben, bei der im Glühbetrieb eine Glühspannung und im Messbetrieb ein Messspannung
an einer Glühkerze anliegt. Im Messbetrieb wird ein Ionenstrom gemessen, über den
Verbrennungsverhältnisse in den Zylindern des Dieselmotors ermittelt werden können.
[0003] Durch Rußablagerungen auf oder an der Glühkerze mit einem integrierten Ionenstromsensor,
die nachfolgend auch als Glüh-und Ionenstrommesskerze bezeichnet wird, kann es zu
einer Verschlechterung des Messsignals und damit zu Problemen bei der Signalauswertung
kommen. Die Rußablagerungen bestehen aus Kohlenstoffmolekühlen, die sich auch im Brennraum
und auf der Glühkerze absetzen. Da Kohlenstoff ein guter elektrischer Leiter ist,
wird das Ausgabesignal teilweise kurzgeschlossen. Die Rußpartikel können durch eine
genügend große Temperatur abgebrannt werden. Da sich das Heizelement in der Regel
an der Spitze der Glühkerze befindet, können die für den Kurzschluss verantwortlichen
Rußpartikel durch einen Glühvorgang der Glühkerze nicht immer vollständig verbrannt
werden.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Signalauswerteverfahren für Ionenstrommessungen
im Dieselmotor anzugeben, welches auch bei einer verrußten Glüh- und Ionenstrommesskerze
gute Ergebnisse liefert.
[0005] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch Bereitstellung eines Signalauswerteverfahren
für Ionenstrommessungen mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1.
[0006] Vorteilhafte Ausführungsformen und Weiterbildungen der Erfindung sind in den abhängigen
Ansprüchen angegeben.
[0007] Erfindungsgemäß wird ein aktuelles Ausgabesignal einer Ionenstrommessung mit einer
Übertragungsfunktion einer Rußcharakteristik der Glüh- und Ionenstrommesakerze gefiltert,
wenn eine verrußte Glüh- und Ionenstromkerze erkannt wird. Durch die Filterung wird
in vorteilhafter Weise ein durch die Verrußung der Glüh- und Ionenstrommesskerze verursachter
Signaloffset herausgefiltert. Dadurch können die gemessenen Ionenstromsignale auch
bei einer verrußten Glüh- und Ionenstrommesskerze zur Ermittlung der Verbrennungsverhältnisse
in Brennräumen von Zylindern eines Dieselmotors ausgewertet werden.
[0008] In Ausgestaltung des Signalauswerteverfahrens wird die Übertragungsfunktion durch
einen Vergleich eines ersten Ausgabesignals der Ionenstrommessung, das mit einer nicht
verrußten Glüh- und Ionenstrommesskerze gemessen wird, mit einem zweiten Ausgabesignal
der Ionenstrommessung, das mit einer verrußten Glüh- und Ionenstrommesskerze gemessen
wird, ermittelt.
[0009] Die Übertragungsfunktion wird beispielsweise im Frequenzbereich durch eine Division
des ersten Ausgabesignals durch das zweite Ausgabesignal bestimmt.
[0010] In weiterer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Signalauswerteverfahrens wird das
aktuell gemessene Ionenstromsignal mittels einer Fouriertransformation in den Frequenzbereich
transformiert, dort mit der ermittelten Übertragungsfunktion multipliziert und anschließend
wieder in den Zeitbereich zurück transformiert.
[0011] In Ausgestaltung des Signalauswerteverfahrens wird eine verrußte Glüh- und Ionenstrommesekerze
durch eine Auswertung der Amplitude des aktuell gemessenen Ionenstromsignals erkannt,
wenn ein Signaloffset einen vorgegebenen Schwellwert übersteigt.
[0012] Eine vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung ist in den Zeichnungen dargestellt
und wird nachfolgend beschrieben.
[0013] Dabei zeigen:
- Fig. 1
- ein Flussdiagramm für einen Teil eines Signalauswerteverfahrens
- Fig. 2
- ein Ersatzschaltbild einer Glüh- und Ionenstrommesskerze,
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung von Signalverläufen einer Ionenstrommessung mit entsprechendem
Druckverlauf, und
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung von Signalverläufen einer Ionenstrommessung mit Filterung.
[0014] Wie aus Fig. 1 ersichtlich ist, wird ein gemessener Ionenstrom im Schritt 100 gemittelt
und durch eine Auswertung der Amplitude wird im Schritt 200 überprüft, ob eine für
die Ionenstrommessung benutzte Glüh- und Ionenstrommesskerze GK verrußt ist oder nicht.
Übersteigt ein Signaloffset beispielsweise einen vorgegebenen Schwellwert, dann wird
auf eine verrußte Glüh- und Ionenstrommesskerze GK geschlossen und der gemessene Ionenstrom
mit Ruß I
mR wird im Schritt 300 mit einer Übertragungsfunktion gefiltert und zur weiteren Auswertung
zur Ermittlung der Verbrennungsverhältnisse in Brennräumen eines Dieselmotors ausgegeben.
Wird festgestellt, dass die Glüh- und Ionenstrommesskerze nicht verrußt ist, dann
wird der gemessene Ionenstrom ohne Ruß I
oR zur weiteren Auswertung zur Ermittlung der Verbrennungsverhältnisse in Brennräumen
eines Dieselmotors ausgegeben.
[0015] Die Übertragungsfunktion wird durch einen Vergleich eines ersten Ausgabesignals I
oR der Ionenstrommessung, das mit einer nicht verrußten Glüh- und Ionenstrommesskerze
GK gemessen wird, mit einem zweiten Ausgabesignal I
mR der Ionenstrommessung ermittelt, das mit einer verrußten Glüh- und Ionenstrommesskerze
GK gemessen wird. Die Übertragungsfunktion wird beispielsweise durch eine Division
des ersten Ausgabesignals I
oR durch das zweite Ausgabesignal I
mR im Frequenzbereich bestimmt und repräsentiert die Rußcharakteristik der Glüh- und
Ionenstrommesskerze GK im Frequenzbereich. Mit Hilfe dieser Übertragungsfunktion kann
der durch die Verrußung der Glüh- und Ionenstrommesskerze verursachte Signaloffset
herausgefiltert werden, so dass auch die Ionenstromsignale I
mR, die mit der verrußten Glüh- und Ionenstrommesskerze GK gemessen werden, ausgewertet
werden können.
[0016] Zur Aufbereitung wird das aktuell gemessene Ionenstromsignal I
S mittels einer Fouriertransformation in den Frequenzbereich transformiert, dort mit
der ermittelten Übertragungsfunktion multipliziert und anschließend wieder in den
Zeitbereich zurück transformiert.
[0017] Wie aus Fig. 2 ersichtlich ist, umfasst die Schaltung zur Ionenstrommessung einen
Meaawiderstand R
M, der in Reihe mit der Glüh- und Ionenstrommesskerze GK geschaltet ist und mit einer
Gleichspannung V
S versorgt wird, Die Glüh- und Ionenstrommesskerze GK wird durch die dargestellte Ersatzschaltung
repräsentiert, die einen Ionenstromwiderstand R
IC, einen Rußwiderstand R
S und eine Kapazität C
P umfasst, wobei der Ionenstromwiderstand R
IC und der Rußwiderstand R
S variable Widerstände sind. Der Rußwiderstand R
S verändert sich mit dem Druck, während der Ionenstromwiderstand R
IC sich mit dem Flammentyp innerhalb des Brennraums und mit der Nähe der Flamme zur
Glüh- und Ionenstrommesskerze GK selbst verändert. Die Kapazität C
P ist wegen des großen Abstandes zwischen der Glühkerzenspitze und dem Zylinderkopf
sehr klein und kann bei den niedrigen Messfrequenzen vernachlässigt werden.
[0018] Fig. 3 zeigt eine Messung des Ionenstroms I
mR mit einer verrußten Glüh- und Ionenstrommesskerze GK und den dazugehörenden Druckverlauf
innerhalb der Brennkammer eines zylinders. Im dargestellten Meesbeiepiel wurden 127
Perioden gemessen und gemittelt. Ein Offset ist aus der Fig. 3 deutlich ersichtlich
und erklärt die Auswirkungen des Rußbelags auf den Ionenstrom. Diese Vorgänge können
durch die in Fig. 2 dargestellte Ersatzschaltung modelliert werden. Wie aus Fig. 3
ersichtlich ist, steigt die Signalamplitude des Ionenstrams I
mR im Bereich eines Kurbelwellenwinkels von 0° an, nimmt im Bereich von 10° etwas ab
und steigt dann wieder an. Da Ruß aus Kohlenstoffpartikeln besteht, nimmt die Dichte
der Kohlenstoffpartikel mit steigendem Umgebungsdruck zu und mit der Zunahme der Dichte
nimmt auch die Leitfähigkeit der Rußpartikel, wie beispielsweise auch bei einem Kohlenstoffmikrophon
zu. Der Anfangsteil der Stromkurve korreliert daher mit der Druckkurve im Brennraum
des zugehörigen Zylinders.
[0019] Fig. 4 zeigt ein erstes normiertes Stromsignal I
OR, welches mit einer Glüh- und Ionenstrommesskerze GK ohne Rußablagerungen aufgenommen
ist und ein gefiltertes Stromsignal I
mR, welches mit einer Glüh- und Ionenstrommesskerze GK mit Rußablagerungen aufgenommen
ist. Zur Filterung des Stromeignals I
mR wird die beschriebene Übertragungsfunktion angewendet und die Rußcharakteristik der
Glüh- und Ionenstrommesekerze GK aus dem Ionenstromeignal I
mR entfernt. Wie aus Fig. 4 ersichtlich ist, zeigt das resultierende gefilterte Ionenstromsignal
I
mR ein gute Korrelation mit dem Ionenstromsignal I
oR ohne Ruß,
1. Signalauswerteverfahren für eine Ionenstrommessung in einem Dieselmotor mit einer
Glüh- und Ionenstrommesskerze (GK),
dadurch gekennzeichnet,
dass ein aktuelles Ausgabesignal (IS) der Ionenstrommessung mit einer Übertragungsfunktion einer Rußcharakteristik der
Glüh- und Ionenstrommesskerze (GK) gefiltert wird, falls eine verrußte Glüh- und Ionenstromkerze
(GK) erkannt wird.
2. Signalauswerteverfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Übertragungsfunktion durch einen Vergleich eines ersten Ausgabesignals (IoR) der Ionenstrommessung, das mit einer nicht verrußten Glüh- und Ionenstrommesskerze
(GK) gemessen wird, mit einem zweiten Ausgabesignal (ImR) der Ionenstrommessung ermittelt wird, das mit einer verrußten Glüh- und Ionenstrommesskerze
(GK) gemessen wird.
3. Signalauswerteverfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Übertragungsfunktion durch eine Division im Frequenzbereich des ersten Ausgabesignals
(IoR) durch das zweite Ausgabesignal (ImR) bestimmt wird.
4. Signalauswerteverfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass das aktuell gemessene Ionenstromsignal (IS) mittels einer Fouriertransformation in den Frequenzbereich transformiert, dort mit
der ermittelten Übertragungsfunktion multipliziert und anschließend wieder in den
Zeitbereich zurück transformiert wird.
5. Signalauswerteverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine verrußte Glüh- und Ionenstrommesskerze (GK) durch eine Amplitudenauswertung
des aktuell gemessenen Ionenstromsignals (IS) erkannt wird, wenn ein Signaloffset einen vorgegebenen Schwellwert übersteigt.