[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Konditionierung von Substrat als Vorstufe
einer Vergärung sowie eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.
[0002] Im zerkleinerten oder gemahlenen Zustand bereitgestellte organische Substrate für
eine Vergärung bereiten aufgrund ihrer schwierigen Benetzbarkeit und des sich häufig
anschließenden Quellvorganges in der Suspension große technologische Probleme für
ein sicheres und störungsfreies Handling.
[0003] Die übliche Praxis, verschiedene vergärbare Stoffe in einem großvolumigen Annahme-
und Dosierspeicher vor dem Gärreaktor zusammen zu mischen scheitert insbesondere vielfach
bei den zunehmend zum Einsatz kommenden nachwachsenden Rohstoffen in Form von Energiepflanzen.
Diese werden gemahlen, geschrotet oder gehäkselt angeliefert. In pulverförmiger Lieferform
sind sie schwer benetzbar, während die häufig gehäkselten Silagen aufgrund der zu
einem großen Teil unzerstört erhalten gebliebenen Pflanzenzellen Einschlüsse an Gasen
und Speicherstoffen mit Dichten kleiner der von Wasser enthalten. Im Ergebnis von
schlechter Benetzbarkeit, Einschlüssen und der verarbeitungsbedingten Partikelformen,
die ein Verklumpen und Verhaken der Substanzen begünstigen, kommt es bei Zuführung
der beschriebenen Substrate in die Vorlagebehälter immer wieder zu Betriebsstörungen
durch aufschwimmende Haufwerke. Diese sind mit den nach üblicher Praxis in den Behältern
installierten Misch- und Rührorganen nicht oder nur sehr ineffektiv unterzumischen.
[0004] Vielfach wird deshalb versucht, das Problem durch eine Direktdosierung in den Gärreaktor
zu umgehen. Dabei verwendet man Kolben- oder Schneckendosierer einschließlich Schleusenkammern,
um die Substrate trocken entgegen dem statischen Druck des Flüssigkeitsfüllstandes
in den Reaktor zu pressen. Abgesehen von dem betriebstechnischen Risiko dieser Methode
bleibt weiterhin das Problem aufrahmender Schwimmschichten, noch verstärkt durch die
Flotationswirkung des Biogases. Die üblicherweise in Gärreaktoren eingesetzten Systeme
zur Schwimmdeckenbekämpfung sind nicht dafür ausgelegt, dominante Mengen wiederaufschwimmenden
Materials ständig erneut unterzumischen, sondern kreisen sie letztendlich als den
Prozess störende Stoffe aus. Diese Praxis ist jedoch für ein noch gut gärfähiges Substrat
ungeeignet.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten Art
sowie eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens so auszugestalten, dass eine
effiziente und wirtschaftliche Konditionierung auch stark unterschiedlicher Substrate
für die nachfolgende Vergärung gewährleistet wird.
[0006] Diese Aufgabe wird verfahrensseitig erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass das Substrat
einem vertikal nach unten fördernden Schneckenrührer aufgegeben wird und anschließend
an einen unterhalb des Schneckenrührers vorgesehenen Schneidrührer, übergeben wird.
[0007] Unter Schneidrührer sind alle denkbaren Rührer zu verstehen, die neben einer Mischfunktion,
auch eine Zerkleinerungsfunktion, insbesondere Schneidfunktion, aufweisen. Mit besonderem
Vorteil werden Zahnscheibenrührer eingesetzt.
[0008] Auf diese Weise wird eine effiziente und kostengünstige Konditionierung der oben
beschriebenen Eingangssubstrate in eine Vergärungsanlage unter Einsatz am Markt verfügbarer
Technologiekomponenten in neuer Kombination mit überraschenden Wirkungen gewährleistet.
Dabei wird neben dem Benetzen und verklumpungsfreien Einmischen der Materialien in
eine vorgelegte Flüssigkeit insbesondere auch ein weitgehender Aufschluss noch intakter
Pflanzenzellen ermöglicht. Dadurch werden flotationsfördernde Einschlüsse freigesetzt
und gleichzeitig wird durch ihre unmittelbare Verfügbarkeit für den bakteriellen anaeroben
Metabolismus der verfahrenstechnische Wirkungsgrad der Vergärung verbessert.
[0009] Die Erfindung beruht auf der Überlegung, mittels einer separaten Rührmaschine eine
hohe Energiedichte innerhalb eines kleinen Volumens unter Einsatz spezieller Rührsysteme
zu gewährleisten, die eine definierte Benetzung im Einzugsbereich sicher stellen und
gleichzeitig Segregation und Aufschluss noch unzerstörter Pflanzenzellen ermöglichen.
[0010] Prinzipiell kommen an sich bekannte Rührsysteme in Frage, die eine zentrische vertikale
Abströmung erzeugen, so dass Oberflächenmaterial ständig angesaugt und wieder in die
Flüssigkeit eingemischt wird. Bekannte Systeme dieser Art sind Schneckenrührer, Propellerrührer
und Schrägblattrührer. Nachteilig für den definierten Einsatzfall ist jedoch, dass
sie zwar starke gerichtete Strömungen erzeugen, jedoch eine geringe Schneidwirkung
auf mit der Strömung schlupfarm geführte Feststoffpartikel haben. Außerdem nimmt die
vertikale Saugwirkung bei den schnell laufenden Propeller- und Schrägblattrührern
mit zunehmender Medienkonsistenz ab. In tixotropen, pastösen Materialien entsteht
im Rührerbereich eine Zone lokaler Medienverflüssigung in Folge Scherung, in der durch
weitgehende Rührenergie-Dissipation starke unerwünschte Erwärmung stattfindet, ohne
dass im hochzähen Außenbereich des Mediums eine nennenswerte weitere Mischung erfolgt.
Der gleiche unerwünschte Nebeneffekt tritt auf, wenn hochtourige Zahnscheibenrührer,
die an sich in niedrig konzentrierter Feststoffsuspension eine gute Zerkleinerungswirkung
aufweisen, in hochviskosen Suspensionen eingesetzt werden.
[0011] Überraschender Weise zeigt sich bei erfindungsgemäßer Kombination eines vertikal
nach unten fördernden Schneckenrührers mit einem unterhalb des Schneckenrührers installierten
Schneidrührer, insbesondere Zahnscheibenrührer, ein günstiger Förder-, Misch- und
Zerkleinerungseffekt in Feststoffsuspensionen über einen weiten Konzentrations- bzw.
Aufschlussbereich und die damit verbundenen Viskositätsänderungen.
[0012] Durch die Saugwirkung des Schneckenrührers wird ständig Oberflächenmaterial angesaugt
und wieder untergemischt. Die Zufuhr frischer Feststoffe und bedarfsweise von Verdünnungswasser
erfolgt bevorzugt in diesem definierten zentrischen Abstrom, so dass eine gute Benetzung
und Suspendierung gewährleistet ist.
[0013] Gleichzeitig wird dieses Material stetig in die Wirkzone des Schneidrührers gedrückt,
so dass auch bei hochviskoser Tixotropie keine Stagnationszone um den Schneidrührers
entstehen kann, sondern ein definierter Zwangsaustausch des Mediums gewährleistet
ist.
[0014] Die Leistung des Schneckenrührers und/oder des Schneidrührers wird vorzugsweise sich
ändernden Zähigkeiten des zuzuführenden Substrats geregelt angepasst. Die Zähigkeiten
des Substrats können in weiten Bereichen zwischen wasserähnlich und pastös während
der Ansetzzeit schwanken. Ein regelbarer Rührerantrieb ermöglicht die bevorzugt automatische
Anpassung von Rührerdrehzahl und Leistungsaufnahme an die wechselnden Prozessbedingungen.
[0015] Die Erfindung betrifft femer eine Vorrichtung zur Konditionierung von Substrat mit
einer einem Gärreaktor vorgeschalteten Konditioniereinrichtung.
[0016] Vorrichtungsseitig wird die gestellte Aufgabe erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass
die Konditioniereinrichtung einen nach unten fördernden Schneckenrührer und einen
unterhalb des Schneckenrührers angeordneten Schneidrührers, insbesondere Zahnscheibenrührer,
aufweist.
[0017] Unterstützt wird die erwünschte Zerkleinerungswirkung zum Aufschluss des organischen
Materials durch eine Anordnung des Zahnscheibenrührers in Bodennähe der Konditioniereinrichtung.
Damit besteht ein großes Schergefälle zwischen Rührer und Behälter, wodurch Partikelschlupf
und damit die Zerkleinerungswirkung des Rührers verbessert werden.
[0018] Als besonders geeignete Vorrichtung hat sich für den beschriebenen Verwendungszweck
eine angepasste Variante des aus der Papierindustrie und Bioabfallwirtschaft bekannten
Pulpers erwiesen. Dazu wird der Pulper ohne Systeme zur Störstoffauskreisung und mit
einem kombinierten Schnecken-/Schneidrührerrührsystem ausgerüstet und mit einer definierten
Zuführung für das einzumischende Material in den Schneckenrührerabstrom versehen.
[0019] Strombrecher können in bekannter Weise das Rotieren der gesamten Suspensionsmenge
in dem Behälter unterdrücken und damit den Aufbau von Scherkraftgradienten unterstützen.
[0020] Der beschriebene Prozess läuft bevorzugt im Batch-Betrieb zur jeweiligen Erzeugung
einer Dosiercharge ab, da somit Aufschlussgrad und Vergleichmäßigung der Chargenqualität
am besten zu regeln sind.
[0021] Es ist jedoch auch ein kontinuierlicher Durchfluss möglich, wenn insbesondere das
Hauptaugenmerk auf die Einmischung zur Erzeugung einer stabilen Suspension und weniger
auf den definierten Partikelaufschluss gerichtet ist.
1. Verfahren zur Konditionierung von Substrat als Vorstufe einer Vergärung, dadurch gekennzeichnet, dass das Substrat einem vertikal nach unten fördernden Schneckenrührer aufgegeben wird
und anschließend an einen unterhalb des Schneckenrührers vorgesehenen Schneidrührerr
übergeben wird.
2. Verfahren Nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Substrat an einen als Zahnscheibenrührer ausgebildeten Schneidrührer übergeben
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Leistung des Schneckenrührers und/oder des Schneidrührers sich ändernden Zähigkeiten
des zuzuführenden Substrats geregelt angepasst wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass frisches Substrat und/oder Verdünnungswasser in den vom Schneckenrührer nach unten
gerichteten Förderstrom eingeleitet wird.
5. Vorrichtung zur Konditionierung von Substrat mit einer einem Gärreaktor vorgeschalteten
Konditioniereinrichtung, dadurch gekennzeichnet, dass die Konditioniereinrichtung einen nach unten fördernden Schneckenrührer und einen
unterhalb des Schneckenrührers angeordneten Schneidrührer aufweist.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Schneidrührer als Zahnscheibenrührer ausgebildet ist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Schneidrührer in Bodennähe der Konditioniereinrichtung angeordnet ist, so dass
ein Schergefälle zwischen Schneidrührer und Boden entsteht.