[0001] Die Erfindung betrifft eine Pleuelstange für eine Brennkraftmaschine zur Realisierung
eines variablen Verdichtungsverhältnisses ε, die mit ihrem einen Ende mit einem Kolben
der Brennkraftmaschine gelenkig verbindbar ist und zur Koppelung von Kolben und Kurbelwelle
mit ihrem anderen Ende mit der Kurbelwelle der Brennkraftmaschine gelenkig verbindbar
ist, wobei die Pleuelstange entlang einer gedachten Linie L, welche die beiden Enden
der Pleuelstange miteinander verbindet, in der Länge veränderbar ist.
[0002] Des Weiteren betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Realisierung eines variablen
Verdichtungsverhältnisses E bei einer Brennkraftmaschine unter Verwendung eines derartigen
Pleuels.
[0003] Nach dem Stand der Technik ist die Pleuelstange einer Brennkraftmaschine in der Regel
mit einem kleinen Pleuel auge an seinem einen Ende und einem großen Pleuelauge an
seinem anderen Ende versehen, wobei die Pleuelstange über einen in dem kleinen Pleuelauge
angeordneten Kolbenbolzen mit dem Kolben gelenkig verbunden ist. Mit dem großen Pleuelauge
ist die Pleuelstange auf einem Kurbelzapfen der Kurbelwelle drehbar gelagert.
[0004] Der Kolben dient dabei der Übertragung der durch die Verbrennung generierten Gaskräfte
auf die Kurbelwelle. Die Gaskräfte, mit denen der Kolben beaufschlagt wird, werden
auf diese Weise über den Kolbenbolzen auf die Pleuelstange und von dieser auf die
Kurbelwelle übertragen.
[0005] Durch die beschriebene Anordnung von Kolben, Kolbenbolzen, Pleuelstange und Kurbelwelle
wird die ausschließlich oszillierende Bewegung des Kolbens in eine rotatorische Bewegung
der Kurbelwelle transfomiert. Die Pleuelstange bewegt sich dabei abgesehen von einem
geringen rotatorischen Anteil auch überwiegend oszillierend in Richtung Zylinderrohrlängsachse.
[0006] Die Gaskräfte drücken den Kolben in Richtung Zylinderrohrlängsachse nach unten, wobei
ausgehend vom oberen Totpunkt (OT) dem Kolben durch die Gaskräfte eine beschleunigte
Bewegung aufgezwungen wird. Der Kolben, der mit seiner nach unten gerichteten Bewegung
versucht, den Gaskräften auszuweichen, muß bei dieser abwärts gerichteten Bewegung
die mit ihm gelenkig verbundene Pleuelstange mitnehmen. Hierzu leitet der Kolben die
auf ihn wirkenden Gaskräfte über den Kolbenbolzen auf die Pleuelstange und versucht
diese nach unten zu beschleunigen. Nähert sich der Kolben dem unteren Totpunkt (UT)
wird er zusammen mit den mit ihm verbundenen Bauteilen, insbesondere der Pleuelstange,
verzögert, um dann im unteren Totpunkt (UT) eine Bewegungsumkehr zu vollziehen. Die
Wegstrecke, die der Kolben auf seinem Weg zwischen dem oberen Totpunkt (OT) und dem
unterem Totpunkt (UT) im Zylinderrohr zurücklegt, wird als Kolbenhub s bezeichnet.
Das Hubvolumen V
H der Brennkraftmaschine ergibt sich aus der Anzahl z der Zylinder und der Kolbenfläche
A
K zu:

bzw.

wobei V
h das Hubvolumen eines Zylinders ist.
[0007] Das Zylindervolumen V
Z,OT entspricht dem sogenannten Kompressionsvolumen V
C, wenn der Kolben sich im oberen Totpunkt (OT) befindet. Folglich ergibt sich das
Zylindervolumen V
Z,UT im unteren Totpunkt des Kolbens (UT) aus der Summe von Hubvolumen V
h und Kompressionsvolumen V
C.
[0008] Das geometrische Verdichtungsverhältnis E einer Brennkraftmaschine ergibt sich dabei
durch den Ausdruck:

[0009] Während Dieselmotoren prinzipbedingt mit sehr hohen Verdichtungsverhältnissen arbeiten,
um die Zündung des Kraftstoffes zu gewährleisten, ist bei Ottomotoren das maximal
zulässige Verdichtungsverhältnis ε
max wegen der Klopfneigung im Vollastbetrieb - d. h. der Neigung zu Selbstzündungen im
noch unverbrannten Gemisch - auf relativ kleine Verdichtungsverhältnisse von beispielsweise
ε ≈ 10 bei Saugbetrieb begrenzt.
[0010] Bei kleinen hochaufgeladenen Motoren, die insbesondere aufgrund des ihnen zugrunde
liegenden sogenannten Downsizing Effektes und der damit verbundenen Kraftstoffersparnis
zunehmend an Bedeutung gewinnen, müßte für eine klopffreie Verbrennung das geometrische
Verdichtungsverhältnis weiter gesenkt werden und beispielsweise auf ε ≈ 8 ... 9 begrenzt
werden.
[0011] Nachteilig sind die relativ kleinen Verdichtungsverhältnisse des Ottomotors insbesondere
im Hinblick auf den Kraftstoffverbrauch d. h. im Hinblick auf den Wirkungsgrad der
Brennkraftmaschine. Wird zur Beschreibung des thermodynamischen Prozesses des Ottomotors
der Gleichraumprozeß als Vergleichsprozeß herangezogen, bei dem sowohl die Wärmeabfuhr
als auch die Wärmezufuhr bei konstantem Volumen erfolgt und sowohl die Expansion als
auch die Kompression einer Isentropen folgt, ergibt sich der thermische Wirkungsgrad
η
th zu:

mit κ als Isentropenexponenten des Arbeitsmediums.
[0012] Der Wirkungsgrad η
th nimmt folglich mit zunehmendem Verdichtungsverhältnis ε ebenfalls zu. D. h. im Hinblick
auf einen möglichst hohen Wirkungsgrad des Verbrennungsprozesses sollte die Zylinderladung
möglichst hoch verdichtet werden, was aus den oben genannten Gründen, insbesondere
der Klopfneigung des Motors nahe der Vollast, nicht unbegrenzt durchführbar ist.
[0013] Ein konstruktiver Ansatz zur Auflösung dieses Konfliktes besteht nach dem Stand der
Technik darin, die Brennkraftmaschine mit einem variablen Verdichtungsverhältnis E
auszulegen und zwar in der Art, daß das Verdichtungsverhältnis ε mit abnehmender Last
- d. h. ausgehend von der Vollast in Richtung Teillast - erhöht wird. Auf diese Weise
könnte ein grundlegender, teillastspezifischer Nachteil von Ottomotoren gegenüber
Dieselmotoren zumindest teilweise kompensiert werden.
[0014] Aufgrund der Tatsache, daß eine Brennkraftmaschine nahezu ausschließlich im Teillastbereich
betrieben wird, birgt dies im Hinblick auf die erzielbare Kraftstoffersparnis ein
hohes Potential. Eine wirkungsgradoptimierte Veränderung d.h. Anpassung des Verdichtungsverhältnisses
E an den jeweiligen Betriebspunkt erlaubt auch bei Ottomotoren im Teillastbereich
Verdichtungsverhältnisse ε ≈ 14 ... 15 und damit eine signifikante Verbrauchsreduzierung.
[0015] Figur 1 zeigt die erzielbaren Wirkungsgradpotentiale mittels einer variablen Verdichtung
am Beispiel eines Saugmotors. Dabei ist der Wirkungsgrad η
th über der auf die Vollast bezogenen Last aufgetragen, wobei der Kurve A ein konstantes
Verdichtungsverhältnis ε = 9 und der Kurve B ein variables Verdichtungsverhältnis
zugrunde liegt. Wird die Brennkraftmaschine im Teillastbereich betrieben - beispielsweise
mit 20% der Vollast - kann der Wirkungsgrad durch Anpassung des Verdichtungsverhältnisses
- beispielsweise ε ≈ 14 - um etwa 12 % erhöht werden. Hin zu hohen Lasten nimmt dieses
Potential stetig ab, so daß bei einem Betrieb der Brennkraftmaschine mit 80% der Vollast
mittels variabler Verdichtung nur noch Wirkungsgradverbesserungen von etwa 3% realisierbar
sind.
[0016] Aus dem Stand der Technik sind mehrere Lösungsansätze zur Realisierung eines veränderbaren
Verdichtungsverhältnisses ε bei einer im Betrieb befindlichen Brennkraftmaschine bekannt,
von denen beispielhaft nur zwei kurz vorgestellt werden sollen.
[0017] Eine Möglichkeit, ein variables Verdichtungsverhältnis E zu realisieren, besteht
darin, die Pleuelstange als zweiteilige Pleuelstange auszuführen. Dabei umfaßt die
Pleuelstange ein oberes Pleuel, das mit dem Kolben gelenkig verbunden ist, und ein
unteres Pleuel, das an der Kurbelwelle angelenkt ist, wobei das obere Pleuel und das
untere Pleuel ebenfalls gelenkig miteinander verbunden sind, um auf diese Weise gegeneinander
verschwenkt werden zu können.
[0018] Damit handelt es sich bei dieser Pleuelstange um eine Pleuelstange der gattungsbildenden
Art, nämlich um eine Pleuelstange, die entlang einer gedachten Linie L, welche die
beiden Enden der Pleuelstange miteinander verbindet, in der Länge veränderbar ist.
Die gedachte Linie L verläuft dabei einerseits durch das Lager, in dem das obere Pleuel
mit dem Kolben drehbar verbunden ist, und andererseits durch das Lager, in dem das
untere Pleuel auf der Kurbelwelle aufgenommen wird. Wird der Abstand dieser beiden
Lager entlang ihrer Verbinnungslinie L als die Länge der Pleuelstange verstanden,
kann diese Länge durch Verschwenken des oberen und des unteren Pleuels gegeneinander
d.h. durch ein mehr oder weniger starkes Knicken der zweiteiligen Pleuelstange verändert
werden.
[0019] Die Einstellung des Verdichtungsverhältnisses ε erfolgt dabei mittels einer Anlenkstange,
die verschwenkbar mit dem oberen Pleuel verbunden ist und drehbar auf einer im Motorgehäuse
gelagerten Exzenterwelle aufgenommen wird.
[0020] Diese mechanische Verstellvorrichtung ist auch gleichzeitig der gravierendste Nachteil
des beschriebenen Lösungsansatzes zur Realisierung eines variablen Verdichtungsverhältnisses.
Denn ein beachtlicher Teil der Verstellvorrichtung, insbesondere der Anlenkstange,
nimmt an der oszillierenden und rotierenden Bewegung des Kurbeltriebes teil.
[0021] Die oszillierende Bewegung des Kolbens und der Pleuelstange - zusammen mit den Bauteilen
der Verstellvorrichtung - führt zu hohen Beschleunigungen und Verzögerungen, die mit
dem Quadrat der Kurbelwellendrehzahl zunehmen und entsprechend hohe dynamische Trägheitskräfte
verursachen. Diese dynamischen Trägheitskräfte belasten den Kurbeltrieb erheblich
und spielen bei der Auslegung der Bauteile hinsichtlich ihrer Festigkeit eine maßgebliche
Rolle.
[0022] Es ist daher grundsätzlich ein Ziel der Konstrukteure, die oszillierenden Massen
möglichst gering zu halten und die Bauteile materialsparend auszulegen, wobei die
erforderliche Festigkeit der Bauteile dieser Vorgehensweise Grenzen setzt. Der Einsatz
einer mechanischen Verstellvorrichtung, die an der oszillierenden Bewegung teilnimmt,
steht damit dem Ziel, die oszillierenden Massen zu reduzieren, entgegen.
[0023] Eine weitere Möglichkeit, ein variables Verdichtungsverhältnis ε zu realisieren,
besteht darin, die Pleuelstange aus mehreren Pleuelstangenstücken aufzubauen, die
teleskopartig ineinander verschieblich angeordnet sind. Diese Pleuelstange ist ebenfalls
eine Pleuelstange der gattungsbildenden Art. Eine Variation der Länge der Pleuelstange
erfolgt durch ein Zusammenschieben oder Auseinanderziehen der Pleuelstangenstücke.
Hierzu ist wiederum eine mechanische Verstellvorrichtung erforderlich, die prinzipbedingt
- wie die bereits oben ausführlich beschriebene Verstellvorrichtung - mit der Pleuelstange
gekoppelt sein muß, wodurch ein Teil dieser Verstellvorrichtung an der oszillierenden
und rotierenden Bewegung des Kurbeltriebes teilnimmt. Die Nachteile sind die oben
bereits Genannten.
[0024] Darüber hinaus führen die aus dem Stand der Technik bekannten und in ihrer Länge
veränderlichen Pleuelstangen an sich schon zu einer Zunahme der oszillierenden und
rotierenden Massen gegenüber einer herkömmlichen Pleuelstange, was die beschriebenen
nachteiligen Effekte noch verstärkt.
[0025] Vor diesem Hintergrund ist es die Aufgabe der vorliegenden Erfindung eine Pleuelstange
der gattungsbildenden Art bereitzustellen, mit der die nach dem Stand der Technik
bekannten Nachteile überwunden werden, und die insbesondere ein geringeres Gewicht
aufweist.
[0026] Eine weitere Teilaufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zur Realisierung
eines variablen Verdichtungsverhältnisses E unter Verwendung einer Pleuelstange der
gattungsbildenden Art aufzuzeigen.
[0027] Gelöst wird die erste Teilaufgabe durch ein Pleuelstange für eine Brennkraftmaschine
zur Realisierung eines variablen Verdichtungsverhältnisses ε, die mit ihrem einen
Ende mit einem Kolben der Brennkraftmaschine gelenkig verbindbar ist und zur Koppelung
von Kolben und Kurbelwelle mit ihrem anderen Ende mit der Kurbelwelle der Brennkraftmaschine
gelenkig verbindbar ist, wobei die Pleuelstange entlang einer gedachten Linie L, welche
die beiden Enden der Pleuelstange miteinander verbindet, in der Länge veränderbar
ist, und die dadurch gekennzeichnet ist, daß die Pleuelstange einen künstlichen Muskel
umfaßt, der durch Aktivierung seine geometrische Gestalt verändert, wodurch eine Längenänderung
der Pleuelstange und damit ein variables Verdichtungsverhältnis ε realisierbar ist.
[0028] Künstliche Muskeln sind Aktuatoren, welche in ihren Eigenschaften der natürlichen
Muskulatur ähneln bzw. nachgebildet sind. Charakteristisch für künstliche Muskeln
ist insbesondere eine im Volumen stattfindende Krafterzeugung aufgrund atomarer oder
molekularer Wechselwirkungen. Häufig bestehen künstliche Muskeln - ähnlich wie natürliche
Muskeln - aus einem gestaltveränderlichen, weichen Material.
[0029] Die Krafterzeugung in bekannten künstlichen Muskeln kann z. B. auf elektrostatischen
Anziehungskräften, auf dem piezoelektrischen Effekt, auf einer Ultraschallerzeugung,
auf einem Formgedächtnis von Materialien, auf einem lonenaustausch, auf einer Streckung
von Kohlenstoff-Nanoröhrchen und/oder auf der Einlagerung von Wasserstoff in Metallhydride
beruhen.
[0030] Je nach Wirkungsprinzip können künstliche Muskeln aus Polymeren, insbesondere Polymer-Gelen,
aus ferroelektrischen Substanzen, aus Silizium, aus Legierungen mit einem Formgedächtnis
od. dgl. hergestellt sein. Eine detaillierte Beschreibung verschiedener Arten künstlicher
Muskeln ist z. B. in der EP 0 924 033 A2, der US 2002/0026794 A1, der US 6 109 852
und ähnlicher Patentliteratur zu finden. Darüber hinaus sind Beispiele künstlicher
Muskeln in Publikationen der einschlägigen Forschungsinstitute beschrieben (z. B.
Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart; Abteilung für künstliche
Intelligenz des MIT, Massachusetts, USA).
[0031] Dadurch, daß die erfindungsgemäße Pleuelstange einen künstlichen Muskel umfaßt, kann
auf eine mechanische Verstellvorrichtung, wie sie aus dem Stand der Technik bekannt
ist, verzichtet werden, denn einem künstlichen Muskel ist prinzipbedingt eine Verstellvorrichtung
bereits immanent. Der künstliche Muskel muß lediglich aktiviert werden, wobei eine
Aktivierung schon mittels eines elektrischen Signals möglich ist, wie weiter unten
noch näher ausgeführt werden wird. Mit der mechanischen Verstellvorrichtung entfallen
auch die mit ihr verbundenen Nachteile, insbesondere wird eine ungewollte Erhöhung
der oszillierenden und rotierenden Massen des Kurbeltriebes vermieden.
[0032] Das Material, aus dem künstliche Muskeln ausgebildet sind, ist darüber hinaus von
einem geringeren spezifischen Gewicht als herkömmliche Werkstoffe zur Herstellung
von Pleuelstangen, so daß die unter Verwendung eines künstlichen Muskels ausgebildete
erfindungsgemäße Pleuelstange sogar leichter ist als eine herkömmliche Pleuelstange.
Dies reduziert die oszillierenden Massen des Kurbeltriebes und die durch diese Massen
verursachten dynamischen Massenkräfte weiter.
[0033] Durch die Verwendung eines künstlichen Muskels zur Ausbildung der Pleuelstange wird
somit die erste der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe gelöst, nämlich eine in der
Länge veränderbare Pleuelstange bereitzustellen, mit der die nach dem Stand der Technik
bekannten Nachteile überwunden werden, und die insbesondere ein geringeres Gewicht
aufweist.
[0034] Vorteilhaft sind Ausführungsformen der Pleuelstange, bei denen der künstliche Muskel
bei Aktivierung expandiert und auf diese Weise die Längenänderung der Pleuelstange
herbeiführt. Diese Ausführungsform gestattet die Auslegung der Pleuelstange auf Vollastbetrieb
d.h. die unter Verwendung eines künstlichen Muskels ausgebildete Pleuelstange hat
in ihrem deaktivierten Zustand, der auch als Ruheposition bezeichnet werden könnte,
eine Länge, mit der das - hinsichtlich der Klopfgrenze - bei Vollast maximal zulässige
Verdichtungsverhältnis E realisiert wird. Mit abnehmender Last wird der künstliche
Muskel aktiviert, wodurch die Länge der Pleuelstange zunimmt und das Verdichtungsverhältnis
E erhöht wird.
[0035] Vorteilhaft sind auch Ausführungsformen der Pleuelstange, bei denen der künstliche
Muskel bei Aktivierung kontrahiert und auf diese Weise die Längenänderung der Pleuelstange
herbeiführt. Im Gegensatz zu der zuvor beschriebenen Ausführungsform wird die Pleuelstange
dabei auf den Teillastbetrieb d. h. auf den üblichen Betriebsbereich einer Brennkraftmaschine
ausgelegt, der Verdichtungsverhältnisse von ε ≈ 14 .. 15 zuläßt. Mit zunehmender Last
muß die Pleuelstange verkürzt werden, um das Verdichtungsverhältnis ε zu senken und
Selbstzündungen im Kraftstoff-Luftgemisch zu vermeiden. Hierzu wird der in der Pleuelstange
angeordnete künstliche Muskel aktiviert, so daß dieser kontrahiert und auf die Pleuelstange
zusammenzieht.
[0036] Vorteilhaft sind auch Ausführungsformen der Pleuelstange, bei denen der künstliche
Muskel bei Aktivierung seine äußere Form ändert und auf diese Weise die Längenänderung
der Pleuelstange herbeiführt. Diese Ausführungsform wird noch näher im Zusammenhang
mit der Beschreibung der Figuren 3a und 3b erläutert. Die Ausbildung einer entsprechenden
Pleuelstange kann unter Verwendung von Formgedächtniswerkstoffen erfolgen, die bei
Aktivierung beispielsweise von einer geradlinigen Form in eine gekrümmte oder geknickte
Form wechseln oder umgekehrt und dadurch zu einer Längenänderung der Pleuelstange
führen.
[0037] Vorteilhaft sind Ausführungsformen der Pleuelstange, bei denen der künstliche Muskel
Kohlenstoff-Nanoröhrchen umfaßt. Derartige künstliche Muskelelemente zeichnen sich
durch ihre hohe Hitzebeständigkeit bis zu 1000°C aus, weshalb sie sich in außerordentlicher
Weise für die Verwendung in einer Brennkraftmaschine, die hohen thermischem Belastungen
ausgesetzt ist, eignen. Ferner können derartige Muskelelemente durch elektrische Energie
gesteuert werden (vgl. Science vom 21.05.1999), was in einfacher Weise durch die Bordbatterie
erfolgen kann. Bei Aktivierung expandieren Kohlenstoff-Nanoröhrchen. Aus den oben
genannten Gründen eignen sie sich daher für die Auslegung der Pleuelstange auf Vollastbetrieb.
[0038] Kohlenstoff-Nanoröhrchen können in papierähnlichen Mehrschichtstrukturen gebündelt
werden und erlauben eine erhebliche Krümmung der gesamten Muskelstruktur. Sie zeichnen
sich ferner durch ein geringes Verhältnis von Expansion zu Kontraktion aus, was als
vorteilhaft anzusehen ist.
[0039] Vorteilhaft sind aber auch Ausführungsformen der Pleuelstange, bei denen der künstliche
Muskel mindestens ein Polymergel umfaßt. Künstliche Muskeln auf der Basis von Polymer-Hydrogelen
können durch elektrische Signale gesteuert werden und kontrahieren bei Aktivierung
(vgl. Low, L. W.; Madou, M. J. "Microactuators towards microvalves for controlled
drug delivery", Sensors and Actuators B: Chemical, 67 (1-2) (2000) pp. 149-160). Aus
den oben genannten Gründen eignen sie sich daher für die Auslegung der Pleuelstange
auf Volllastbetrieb.
[0040] Grundsätzlich können aber auch künstliche Muskeln zum Einsatz kommen, die sowohl
eine aktive Kontraktion als auch Expansion erlauben.
[0041] Vorteilhaft sind Ausführungsformen der Pleuelstange, bei denen der künstliche Muskel
mindestens einen Formgedächtniswerkstoff umfaßt.
[0042] Formgedächtniswerkstoffe an sich - sogenannte shape memory materials oder shape memory
alloys - sind seit mehr als fünfzig Jahren bekannt. Sie besitzen die Fähigkeit ihre
äußere Gestalt in Abhängigkeit von der Temperatur, von der magnetischen Feldstärke
oder von dem hydraulischen Druck, dem sie ausgesetzt sind, oder dergleichen zu ändern.
Unter die Formgedächtniswerkstoffe werden im Rahmen der vorliegenden Erfindung sämtliche
Werkstoffe subsumiert, die über ein Formgedächtnis verfügen, insbesondere die Formgedächtnislegierungen
wie NiTi (Nitinol), Fe-Pt, Cu-Al-Ni, Fe-Pd, Fe-Ni, Cu-Zn-Al, CuAlMn, aber auch Keramiken
mit Formgedächtnis, wie beispielsweise Ce-TZP-Keramik.
[0043] Beispielsweise kann eine aus einem länglichen Draht geformte Büroklammer ihre Gestalt
in der Art ändern, daß die Büroklammer - in einen Topf mit heißem Wasser gelegt -
mit steigender Temperatur und bei Erreichen einer sogenannten Übergangstemperatur
T' in ihre ursprüngliche Form übergeht d.h. die Gestalt eines länglichen Drahtes annimmt.
Sie ändert dabei ihre äußere Gestalt oder - mit anderen Worten gesagt - ihre strukturelle
Konfiguration.
[0044] Ist dieser Transformationsprozeß umkehrbar, so handelt es sich bei dem Formgedächtniswerkstoff
um einen sogenannten Zwei-Weg-Formgedächtniswerkstoff, andernfalls um einen Ein-Weg-Formgedächtniswerkstoff.
[0045] Folglich könnte der oben beschriebene Übergang der Büroklammer zu einem länglichen
Draht bei geeigneter Auswahl eines Zwei-Weg-Formgedächtniswerkstoffes rückgängig gemacht
werden. Hierzu wird die Temperatur abgesenkt, wobei der Draht sich bei Unterschreiten
einer Übergangstemperatur T" zu einer Büroklammer umformt. Die Aktivierung durch Temperaturveränderung
soll nur als Beispiel verstanden werden. Für den vorliegenden Fall - einer unter Verwendung
von Formgedächtniswerkstoffe hergestellten Pleuelstange - ist diese Art der Aktivierung
aufgrund der hohen Temperaturen im Kurbelgehäuse eher ungeeignet.
[0046] Die Ausbildung einer erfindungsgemäßen Pleuelstange erfordert einen Zwei -Weg-Formgedächtniswerkstoff,
so daß die Pleuelstange gezielt verkürzt und verlängert werden kann.
[0047] Vorteilhaft sind Ausführungsformen der Pleuelstange, bei denen der künstliche Muskel
elektrisch steuerbar ist. Insbesondere kann dabei die vom Muskelelement erzeugte mechanische
Energie aus der elektrischen Energie des Signals stammen. Elektrisch gesteuerte künstliche
Muskelelemente haben den Vorteil, daß diese mit der üblichen Steuerungstechnik einer
Brennkraftmaschine kompatibel sind.
[0048] Vorteilhaft sind Ausführungsformen der Pleuelstange, bei denen der künstliche Muskel
stufenweise steuerbar ist, insbesondere zweistufig schaltbar ist. Eine derartige Ausbildung
der Pleuelstange erleichtert die Steuerung, insbesondere wenn der künstliche Muskel
gemäß einer Ein-Aus-Schaltung funktioniert d. h. lediglich von einem deaktivierten
Zustand - Ruheposition - in einen aktivierten Zustand - Arbeitsposition - wechselt
und umgekehrt. Komplexe Kennfelder müssen bei dieser Ausführungsform nicht generiert
und bereitgestellt werden, wie dies beispielsweise bei stufenlos steuerbaren künstlichen
Muskelelementen bzw. Pleuelstangen erforderlich ist.
[0049] Vorteilhaft sind aber unter anderen Gesichtpunkten auch Ausführungsformen der Pleuelstange,
bei denen der künstliche Muskel stufenlos steuerbar ist. Dies erlaubt eine wirkungsgradoptimierte
Veränderung d. h. Anpassung des Verdichtungsverhältnisses E an den jeweiligen Betriebspunkt,
wodurch das Potential eines variablen Verdichtungsverhältnisses im Teillastbereich
voll ausgeschöpft werden kann, was bei einem stufenweisen Einstellen nur bedingt möglich
ist.
[0050] Die zweite der Erfindung zugrunde liegende Teilaufgabe wird durch ein Verfahren zur
Realisierung eines variablen Verdichtungsverhältnisses ε bei einer Brennkraftmaschine
gelöst, bei dem eine Pleuelstange, die mit ihrem einen Ende mit einem Kolben der Brennkraftmaschine
gelenkig verbindbar ist und zur Koppelung von Kolben und Kurbelwelle mit ihrem anderen
Ende mit der Kurbelwelle der Brennkraftmaschine gelenkig verbindbar ist, in der Art
ausgebildet wird, daß die Pleuelstange entlang einer gedachten Linie L, welche die
beiden Enden der Pleuelstange miteinander verbindet, in der Länge veränderbar ist,
wobei das Verfahren dadurch gekennzeichnet ist, daß die Pleuelstange mit einem künstlichen
Muskel versehen wird und durch eine Aktivierung des künstlichen Muskels eine Längenänderung
der Pleuelstange hervorgerufen wird, wodurch das Verdichtungsverhältnis E der Brennkraftmaschine
verändert wird.
[0051] Das bereits für die erfindungsgemäße Pleuelstange Gesagte gilt auch für das erfindungsgemäße
Verfahren.
[0052] Vorteilhaft sind Ausführungsformen des Verfahrens, bei denen als künstlicher Muskel
ein Element verwendet wird, welches bei Aktivierung expandiert, so daß durch Aktivierung
des künstlichen Muskels die Länge der Pleuelstange entlang einer gedachten Linie L
vergrößert wird, wodurch ein höheres Verdichtungsverhältnis ε der Brennkraftmaschine
realisiert wird.
[0053] Vorteilhaft sind dabei Ausführungsformen des Verfahrens, bei denen der künstliche
Muskel im Teillastbetrieb der Brennkraftmaschine in der Art aktiviert wird, daß mit
abnehmender Last das Verdichtungsverhältnis ε der Brennkraftmaschine erhöht wird.
[0054] Dabei wird die Pleuelstange mit abnehmender Last verlängert, wodurch das Verdichtungsverhältnis
ε im Teillastbereich mit dem Ziel einer Wirkungsgradverbesserung erhöht wird.
[0055] Vorteilhaft sind aber auch Ausführungsformen des Verfahrens, bei denen als künstlicher
Muskel ein Element verwendet wird, welches bei Aktivierung kontrahiert, so daß durch
Aktivierung des künstlichen Muskels die Länge der Pleuelstange entlang einer gedachten
Linie L verkleinert wird, wodurch ein niedrigeres Verdichtungsverhältnis E der Brennkraftmaschine
realisiert wird.
[0056] Vorteilhaft sind dabei Ausführungsformen des Verfahrens, bei denen der künstliche
Muskel in der Art aktiviert wird, daß mit zunehmender Last das Verdichtungsverhältnis
E der Brennkraftmaschine verringert wird. Dabei wird die Länge der Pleuelstange mit
zunehmender Last reduziert und auf diese Weise der mit zunehmender Last steigenden
Klopfneigung Rechnung getragen.
[0057] Vorteilhaft sind Ausführungsformen des Verfahrens, bei denen als künstlicher Muskel
ein Element verwendet wird, welches bei Aktivierung seine äußere Form ändert, so daß
durch Aktivierung des künstlichen Muskels die Länge der Pleuelstange entlang einer
gedachten Linie L verändert wird, wodurch ein variables Verdichtungsverhältnis ε der
Brennkraftmaschine realisiert wird. Dieses Verfahren eignet sich für schaltbare künstliche
Muskeln bzw. Pleuelstangen, wobei die Pleuelstange vorzugsweise unter Verwendung eines
Zwei-Weg-Formgedächtniswerkstoffes ausgebildet wird, der bei Aktivierung von einer
ersten äußeren Form bzw. Gestalt in eine andere zweite äußere Form bzw. Gestalt wechselt.
[0058] Vorteilhaft sind Ausführungsformen des Verfahrens, bei denen als künstlicher Muskel
Kohlenstoff-Nanoröhrchen, ein Polymergel oder ein Formgedächtniswerkstoff verwendet
wird. Die Vorteile dieser Ausführungsformen wurden bereits im Zusammenhang mit der
Beschreibung der erfindungsgemäße Pleuelstange näher beschrieben.
[0059] Vorteilhaft sind Ausführungsformen des Verfahrens, bei denen der künstliche Muskel
elektrisch aktiviert d.h. gesteuert wird. Dies erleichtert die Aktivierung des künstlichen
Muskels aufgrund bereits an der Brennkraftmaschine vorhandener Systeme. Die Aktivierung
kann mittels der Motorsteuerung und der Bordbatterie realisiert werden.
[0060] Vorteilhaft sind Ausführungsformen des Verfahrens, bei denen der künstliche Muskel
stufenweise steuerbar ist, insbesondere zweistufig schaltbar ist. Diese Verfahrensvariante
gestattet einfache Steuer- bzw. Regelalgorithmen, ohne daß komplexe Kennfelder in
der Motorsteuerung abgelegt werden müßten.
[0061] Vorteilhaft sind aber auch Ausführungsformen des Verfahrens, bei denen der künstliche
Muskel stufenlos steuerbar ist, was die Nutzbarmachung des vollen Wirkungsgradpotentials,
das sich durch ein voll variables Verdichtungsverhältnisses ε ergibt, erlaubt.
[0062] Vorteilhaft sind Ausführungsformen des Verfahrens, bei denen der künstliche Muskel
in der Art gesteuert wird, daß mit abnehmender Last das Verdichtungsverhältnis ε der
Brennkraftmaschine erhöht wird bzw. mit zunehmender Last das Verdichtungsverhältnis
ε der Brennkraftmaschine verringert wird. Diese Variante des Verfahrens trägt dem
Umstand Rechnung, daß einerseits das Verdichtungsverhältnis ε im Vollastbereich durch
die Klopfgrenze begrenzt wird und andererseits im Teillastbereich im Vergleich zur
Vollast wesentlich höhere Verdichtungsverhältnisses ε möglich sind, ohne daß Selbstzündungen
des Kraftstoff-Luftgemisches zu befürchten wären.
[0063] Im folgenden wird die Erfindung anhand von zwei Ausführungsbeispielen gemäß den Figur
1 bis 3b näher beschrieben. Hierbei zeigt:
- Fig. 1
- den thermischen Wirkungsgrad ηth eines Saugmotors über der bezogenen Last für
ein unveränderliches Verdichtungsverhältnis ε einerseits (Kurve A) und für ein
variables Verdichtungsverhältnis ε andererseits (Kurve B),
- Fig. 2a
- schematisch in einer Seitenansicht und teilweise geschnitten eine erste Ausführungsform
der Pleuelstange im deaktivierten Zustand im OT,
- Fig. 2b
- schematisch in einer Seitenansicht und teilweise geschnitten die in Figur 2a dargestellte
Ausführungsform der Pleuelstange im aktivierten Zustand im OT,
- Fig. 3a
- schematisch in einer Seitenansicht und teilweise geschnitten eine zweite Ausführungsform
der Pleuelstange im deaktivierten Zustand im OT, und
- Fig. 3b
- schematisch in einer Seitenansicht und teilweise geschnitten die in Figur 3a dargestellte
Ausführungsform der Pleuelstange im aktivierten Zustand im OT.
[0064] Die Figur 1 wurde bereits in der Beschreibungseinleitung näher erläutert, weshalb
an dieser Stelle nicht weiter auf das in der Figur 1 dargestellte Diagramm eingegangen
werden soll.
[0065] Figur 2a zeigt schematisch in einer Seitenansicht und teilweise geschnitten eine
erste
Ausführungsform der Pleuelstange 3 im deaktivierten Zustand, wobei der Kurbeltrieb
im oberen Totpunkt (OT) dargestellt ist.
[0066] Die Pleuelstange 3 ist an ihrem einen Ende 12 mit einem kleinen Pleuelauge 8 und
an ihrem anderen Ende 13 mit einem großen Pleuelauge 9 ausgestattet, wobei die Pleuelstange
3 über einen in dem kleinen Pleuelauge 8 angeordneten Kolbenbolzen 2 mit dem Kolben
7 gelenkig verbunden ist und mit dem großen Pleuelauge 9 auf einem Kurbelwellenzapfen
4 einer Kurbelwellenkröpfung 5 der Kurbelwelle 6 drehbar gelagert ist.
[0067] Der Kolben 7 des dargestellten Zylinders 1, der in einem Zylinderohr 14 geführt wird,
befindet sich im oberen Totpunkt (OT) und bildet zusammen mit dem Zylinderrohr 14
und dem Zylinderkopf die Brennkammer bzw. das Kompressionsvolumen 10.
[0068] Die Pleuelstange 3 hat im deaktivierten Zustand entlang einer gedachten Linie L,
welche die beiden Enden 12,13 - d.h. das kleine Pleuelauge 8 und das große Pleuelauge
9 - der Pleuelstange 3 miteinander verbindet, eine Länge I
1.
[0069] Erfindungsgemäß ist die Pleuelstange 3 dadurch gekennzeichnet, daß sie einen künstlichen
Muskel 11 umfaßt, der durch Aktivierung seine geometrischen Gestalt verändert.
[0070] Bei der in Figur 2b dargestellten Ausführungsform ist die Pleuelstange 3 unter Verwendung
von Kohlenstoff-Nanoröhrchen 11 ausgebildet worden, die in einem Abschnitt zwischen
dem kleinen Pleuelauge 8 und dem großen Pleuelauge 9 angeordnet sind. Kohlenstoff-Nanoröhrchen
zeichnen sich durch ihre hohe thermische Belastbarkeit aus, was sie für die Anwendung
in einer Brennkraftmaschine geeignet machen. Sie können elektrisch gesteuert werden
und expandieren bei Aktivierung, wie in Figur 2b zu sehen ist.
[0071] Daher eignen sich Kohlenstoff-Nanoröhrchen 11 für die Auslegung der Pleuelstange
3 auf Vollastbetrieb d.h. die unter Verwendung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen 11 ausgebildete
Pleuelstange 3 hat in ihrem deaktivierten Zustand (Figur 2 a) eine Länge I
1, mit der das - hinsichtlich der Klopfgrenze - bei Vollast maximal zulässige Verdichtungsverhältnis
ε
max realisiert wird. Mit abnehmender Last werden die Kohlenstoff-Nanoröhrchen 11 aktiviert,
wodurch die Länge I
2 der Pleuelstange 3 zunimmt und das Verdichtungsverhältnis E erhöht wird (Figur 2b).
[0072] Figur 2b zeigt schematisch in einer Seitenansicht und teilweise geschnitten die in
Figur 2a dargestellte erste Ausführungsform der Pleuelstange 3 im aktivierten Zustand,
wobei der Kurbeltrieb im oberen Totpunkt (OT) dargestellt ist.
[0073] Die Kohlenstoff-Nanoröhrchen 11 sind aktiviert und entlang der Linie L expandiert,
wodurch die Länge I
2 der Pleuelstange 3 nun vergrößert ist. Dadurch ist das Kompressionsvolumen 10 bei
aktiviertem künstlichen Muskel 11 kleiner und das Verdichtungsverhältnis E höher.
[0074] Im deaktivierten Zustand (Figur 2a) eignet sich die Pleuelstange 3 für den Vollastbetrieb,
wohingegen der in Figur 2b dargestellte aktivierte Zustand der Kohlenstoff-Nanoröhrchen
11 hohe Verdichtungsverhältnisses E im Teillastbetrieb ermöglicht.
[0075] Ähnliche Effekte erzielt man mit künstlichen Muskeln 11, die sich bei einer Aktivierung
kontrahieren und auf diese Weise eine Längenänderung der Pleuelstange 3 herbeiführen,
beispielsweise mit Polymergel. Figur 2b würde dann den deaktivierten Zustand darstellen
und Figur 2a den aktivierten und kontrahierten Zustand der Pleuelstange 3, also genau
umgekehrt wie bei der oben ausführlich beschriebenen Ausführungsform eines bei Aktivierung
expandierenden künstlichen Muskels 11.
[0076] Figur 3a zeigt schematisch in einer Seitenansicht und teilweise geschnitten eine
zweite Ausführungsform der Pleuelstange 3, wobei sich die Pleuelstange 3 im deaktivierten
Zustand und der Kurbeltrieb im oberen Totpunkt (OT) befindet. Figur 3b zeigt diese
in Figur 3a dargestellte Ausführungsform im aktivierten Zustand.
[0077] Es sollen nur die Unterschiede zu der in den Figuren 2a und 2b dargestellten Ausführungsform
erörtert werden, weshalb im übrigen bezug genommen wird auf die Figur 2a und 2b. Für
dieselben Bauteile wurden dieselben Bezugszeichen verwendet.
[0078] Im Unterschied zu der in den Figuren 2a und 2b dargestellten Ausführungsform verfügt
diese zweite Ausführungsform der Pleuelstange 3 über einen künstlichen Muskel 11,
der unter Verwendung von Formgedächtniswerkstoffen ausgebildet wurde.
[0079] Im deaktivierten Zustand hat der künstliche Muskel 11 und damit auch die Pleuelstange
3 eine bananenförmige Gestalt und damit eine Länge I
1 (Figur3a). Hingegen streckt der künstliche Muskel 11 sich bei Aktivierung, weshalb
die Pleuelstange 3 im aktivierten Zustand eine längliche Form der Länge I
2 aufweist.
[0080] Verwendet wurde ein Zwei-Weg-Formgedächtniswerkstoff, so daß der Transformationsprozeß
der Pleuelstange 3 umkehrbar ist und die Pleuelstange 3 gezielt verkürzt und verlängert
werden kann d. h. beliebig zwischen ihren beiden strukturellen Konfiguration mit den
unterschiedlichen Pleuellängen I
1 und I
2 wechseln kann.
Bezugszeichen
[0081]
- 1
- Zylinder
- 2
- Kolbenbolzen
- 3
- Pleuelstange
- 4
- Kurbelwellenzapfen
- 5
- Kurbelwellenkröpfung
- 6
- Kurbelwelle
- 7
- Kolben
- 8
- kleines Pleuelauge
- 9
- großes Pleuelauge
- 10
- Kompressionsvolumen VC
- 11
- künstlicher Muskel
- 12
- ein erstes Ende der Pleuelstange
- 13
- ein zweites Ende der Pleuelstange
- 14
- Zylinderrohr
- ε
- Verdichtungsverhältnis
- εmax
- maximal zulässiges Verdichtungsverhältnis
- ηth
- thermischer Wirkungsgrad
- κ
- Isentropenexponent des Arbeitsmediums
- I1
- Länge der Pleuelstange im deaktivierten Zustand
- I2
- Länge der Pleuelstange im aktivierten Zustand
- L
- gedachte Linie durch die beiden Enden der Pleuelstange
- OT
- oberer Totpunkt
- s
- Hub
- UT
- unterer Totpunkt
- VC
- Kompressionsvolumen
- VH
- Hubvolumen der Brennkraftmaschine
- Vh
- Hubvolumen eines Zylinders
- VZ,OT
- Kompressionsvolumen im oberen Totpunkt (OT)
- VZ,U
- Kompressionsvolumen im unteren Totpunkt (UT)
- z
- Anzahl der Zylinder
1. Pleuelstange (3) für eine Brennkraftmaschine zur Realisierung eines variablen Verdichtungsverhältnisses
ε, die mit ihrem einen Ende (12) mit einem Kolben (7) der Brennkraftmaschine gelenkig
verbindbar ist und zur Koppelung von Kolben (7) und Kurbelwelle (6) mit ihrem anderen
Ende (13) mit der Kurbelwelle (6) der Brennkraftmaschine gelenkig verbindbar ist,
wobei die Pleuelstange (3) entlang einer gedachten Linie L, welche die beiden Enden
(12,13) der Pleuelstange (3) miteinander verbindet, in der Länge veränderbar ist,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Pleuelstange (3) einen künstlichen Muskel (11) umfaßt, der durch Aktivierung seine
geometrische Gestalt verändert, wodurch eine Längenänderung der Pleuelstange (3) und
damit ein variables Verdichtungsverhältnis E realisierbar ist.
2. Pleuelstange (3) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) bei Aktivierung expandiert und auf diese Weise die Längenänderung
der Pleuelstange (3) herbeiführt.
3. Pleuelstange (3) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) bei Aktivierung kontrahiert und auf diese Weise die Längenänderung
der Pleuelstange (3) herbeiführt.
4. Pleuelstange (3) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) bei Aktivierung seine äußere Form ändert und auf diese
Weise die Längenänderung der Pleuelstange (3) herbeiführt.
5. Pleuelstange (3) nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) Kohlenstoff-Nanoröhrchen umfaßt.
6. Pleuelstange (3) nach Anspruch 1 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) mindestens ein Polymergel umfaßt.
7. Pleuelstange (3) nach Anspruch 1 oder 4,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) mindestens einen Formgedächtniswerkstoff umfaßt.
8. Pleuelstange (3) nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) elektrisch steuerbar ist.
9. Pleuelstange (3) nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) stufenweise steuerbar ist.
10. Pleuelstange (3) nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) zweistufig schaltbar ist.
11. Pleuelstange (3) nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) stufenlos steuerbar ist.
12. Verfahren zur Realisierung eines variablen Verdichtungsverhältnisses ε bei einer Brennkraftmaschine,
bei dem eine Pleuelstange (3), die mit ihrem einen Ende (12) mit einem Kolben der
Brennkraftmaschine gelenkig verbindbar ist und zur Koppelung von Kolben und Kurbelwelle
(6) mit ihrem anderen Ende (13) mit der Kurbelwelle (6) der Brennkraftmaschine gelenkig
verbindbar ist, in der Art ausgebildet wird, daß die Pleuelstange (3) entlang einer
gedachten Linie L, welche die beiden Enden (12,13) der Pleuelstange (3) miteinander
verbindet, in der Länge veränderbar ist,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Pleuelstange (3) mit einem künstlichen Muskel (11) versehen wird und durch eine
Aktivierung des künstlichen Muskels (11) eine Längenänderung der Pleuelstange (3)
hervorgerufen wird, wodurch das Verdichtungsverhältnis E der Brennkraftmaschine verändert
wird.
13. Verfahren nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, daß
als künstlicher Muskel (11) ein Element verwendet wird, welches bei Aktivierung expandiert,
so daß durch Aktivierung des künstlichen Muskels (11) die Länge der Pleuelstange (3)
entlang einer gedachten Linie L vergrößert wird, wodurch ein höheres Verdichtungsverhältnis
E der Brennkraftmaschine realisiert wird.
14. Verfahren nach Anspruch 12 oder 13,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) im Teillastbetrieb der Brennkraftmaschine in der Art aktiviert
wird, daß mit abnehmender Last das Verdichtungsverhältnis E der Brennkraftmaschine
erhöht wird.
15. Verfahren nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, daß
als künstlicher Muskel (11) ein Element verwendet wird, welches bei Aktivierung kontrahiert,
so daß durch Aktivierung des künstlichen Muskels (11) die Länge der Pleuelstange (3)
entlang einer gedachten Linie L verkleinert wird, wodurch ein niedrigeres Verdichtungsverhältnis
E der Brennkraftmaschine realisiert wird.
16. Verfahren nach Anspruch 12 oder 15,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) in der Art aktiviert wird, daß mit zunehmender Last das
Verdichtungsverhältnis E der Brennkraftmaschine verringert wird.
17. Verfahren nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, daß
als künstlicher Muskel (11) ein Element verwendet wird, welches bei Aktivierung seine
äußere Form ändert, so daß durch Aktivierung des künstlichen Muskels (11) die Länge
der Pleuelstange (3) entlang einer gedachten Linie L verändert wird, wodurch ein variables
Verdichtungsverhältnis ε der Brennkraftmaschine realisiert wird.
18. Verfahren nach einem der Ansprüche 12 bis 14,
dadurch gekennzeichnet, daß
als künstlicher Muskel (11) Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwendet werden.
19. Verfahren nach Anspruch 12, 15 oder 16,
dadurch gekennzeichnet, daß
als künstlicher Muskel (11) ein Polymergel verwendet wird.
20. Verfahren nach Anspruch 12 oder 17,
dadurch gekennzeichnet, daß
als künstlicher Muskel (11) ein Formgedächtniswerkstoff verwendet wird.
21. Verfahren nach einem der Ansprüche 12 bis 20,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) elektrisch aktiviert d.h. gesteuert wird.
22. Verfahren nach einem der Ansprüche 12 bis 21,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) stufenweise steuerbar ist.
23. Verfahren nach Anspruch 22,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) zweistufig schaltbar ist.
24. Verfahren nach einem der Ansprüche 12 bis 21,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) stufenlos steuerbar ist.
25. Verfahren nach einem der Ansprüche 12 bis 24,
dadurch gekennzeichnet, daß
der künstliche Muskel (11) in der Art gesteuert wird, daß mit abnehmender Last das
Verdichtungsverhältnis εder Brennkraftmaschine erhöht wird bzw. mit zunehmender Last
das Verdichtungsverhältnis ε der Brennkraftmaschine verringert wird.