[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Turbinenschaufel zur Verwendung in einer Gasturbine
mit einem Schaufelblatt, das mit einer Anzahl von von einem Kühlmittel durchströmbaren
Kühlmittelkanälen versehen ist, wobei von einem im Wesentlichen in Längsrichtung der
Turbinenschaufel verlaufenden, zur Vorderkante beabstandeten Kühlmittelkanal im Vorderkantenbereich
des Schaufelblatts in Austrittsöffnungen mündende Austrittskanäle abzweigen.
[0002] Gasturbinen werden in vielen Bereichen zum Antrieb von Generatoren oder von Arbeitsmaschinen
eingesetzt. Dabei wird der Energieinhalt eines Brennstoffs zur Erzeugung einer Rotationsbewegung
einer Turbinenwelle benutzt. Der Brennstoff wird dazu in einer Brennkammer verbrannt,
wobei von einem Luftverdichter verdichtete Luft zugeführt wird. Das in der Brennkammer
durch die Verbrennung des Brennstoffs erzeugte, unter hohem Druck und unter hoher
Temperatur stehende Arbeitsmedium wird dabei über eine der Brennkammer nachgeschaltete
Turbineneinheit geführt, wo es sich arbeitsleistend entspannt.
[0003] Zur Erzeugung der Rotationsbewegung der Turbinenwelle sind dabei an dieser eine Anzahl
von üblicherweise in Schaufelgruppen oder Schaufelreihen zusammengefassten Laufschaufeln
angeordnet, die über einen Impulsübertrag aus dem Strömungsmedium die Turbinenwelle
antreiben. Zur Führung des Strömungsmediums in der Turbineneinheit sind zudem üblicherweise
zwischen benachbarten Laufschaufelreihen mit dem Turbinengehäuse verbundene Leitschaufelreihen
angeordnet. Die Turbinenschaufeln, insbesondere die Leitschaufeln, weisen dabei üblicherweise
zur geeigneten Führung des Arbeitsmediums ein entlang einer Schaufelachse erstrecktes
Schaufelblatt auf, an das endseitig zur Befestigung der Turbinenschaufel am jeweiligen
Trägerkörper eine sich quer zur Schaufelachse erstreckende Plattform angeformt sein
kann. Aber auch am anderen, freien Ende kann eine Plattform oder eine plattformähnliche
Ausformung angebracht sein.
[0004] Bei der Auslegung derartiger Gasturbinen ist zusätzlich zur erreichbaren Leistung
üblicherweise ein besonders hoher Wirkungsgrad ein Auslegungsziel. Eine Erhöhung des
Wirkungsgrades lässt sich dabei aus thermodynamischen Gründen grundsätzlich durch
eine Erhöhung der Austrittstemperatur erreichen, mit dem das Arbeitsmedium aus der
Brennkammer ab- und in die Turbineneinheit einströmt. Daher werden Temperaturen von
etwa 1200 °C bis 1300 °C für derartige Gasturbinen angestrebt und auch erreicht.
[0005] Bei derartig hohen Temperaturen des Arbeitsmediums sind jedoch die diesem ausgesetzten
Komponenten und Bauteile hohen thermischen Belastungen ausgesetzt. Um dennoch bei
hoher Zuverlässigkeit eine vergleichsweise lange Lebensdauer der betroffenen Komponenten
zu gewährleisten, ist üblicherweise eine Kühlung der betroffenen Komponenten, insbesondere
von Lauf- und/oder Leitschaufeln der Turbineneinheit, vorgesehen. Die Turbinenschaufeln
sind dabei üblicherweise kühlbar ausgebildet, wobei insbesondere eine wirksame und
zuverlässige Kühlung der im besonderen Maße thermisch belasteten Vorderkante der jeweiligen
Turbinenschaufel sichergestellt sein soll.
[0006] Als Kühlmittel kommt dabei üblicherweise Kühlluft zum Einsatz. Diese wird der jeweiligen
Turbinenschaufel üblicherweise in der Art einer offenen Kühlung über eine Anzahl von
in das Schaufelblatt oder das Schaufelprofil integrierten Kühlmittelkanälen zugeführt.
Von diesen ausgehend durchströmt die Kühlluft in davon abzweigenden Austrittskanälen
die jeweils vorgesehenen Bereiche der Turbinenschaufel, wodurch eine konvektive Kühlung
des Schaufelinneren und der Schaufelwand erreicht wird. Austrittsseitig sind diese
Kanäle offen gelassen, so dass die Kühlluft nach dem Durchströmen der Turbinenschaufel
aus den auch als Filmkühllöcher bezeichneten Austrittsöffnungen austritt und einen
Kühlluftfilm auf der Oberfläche des Schaufelblattes ausbildet. Durch diesen Kühlluftfilm
ist das Material an der Oberfläche vor einem direkten und allzu intensiven Kontakt
mit dem mit hoher Geschwindigkeit vorbeiströmenden heißen Arbeitsmedium weitgehend
geschützt.
[0007] Um im Vorderkantenbereich des Schaufelblatts eine besonders gleichmäßige und effektive
Filmkühlung zu ermöglichen, sind die Austrittsöffnungen dort üblicherweise gleichmäßig
entlang von mindestens zwei parallel zur Vorderkante ausgerichteten Reihen angeordnet.
Die Austrittskanäle sind zudem in der Regel schräg zur Längsrichtung der Turbinenschaufel
ausgerichtet, was die Ausbildung des schützenden, an der Oberfläche entlangströmenden
Kühlluftfilms unterstützt. Da die Austrittskanäle bei der Herstellung der Turbinenschaufel
aus Kostengründen normalerweise erst zum Schluss von außen eingebracht werden, z.
B. durch Laserbohrung oder andere Bohrverfahren, und insbesondere im Vorderkantenbereich
des Schaufelblattes der Zugang der Bohrinstrumente durch die endseitig angeformten
Plattformen oder plattformähnlichen Ausformungen möglicherweise behindert ist, kommt
es bzgl. der schrägen Anstellung der Austrittskanäle oftmals an einer etwa mittig
zwischen Fußabschnitt und Spitzenabschnitt des jeweiligen Schaufelblatts liegenden
Übergangsstelle zu einem Orientierungswechsel. Dies geschieht in der Weise, dass das
in einem fußseitigen Teilabschnitt jeder Reihe ausströmende Kühlmittel im Bereich
der Austrittsöffnungen eine zum Spitzenabschnitt weisende Geschwindigkeitskomponente
besitzt, das in einem daran angrenzenden spitzenseitigen Teilabschnitt jeder Reihe
ausströmende Kühlmedium hingegen eine zum Fußabschnitt weisende Geschwindigkeitskomponente
aufweist. Mit anderen Worten: Im fußseitigen Teilabschnitt sind die Austrittskanäle
in Erstreckungsrichtung der Turbinenschaufel geneigt, wohingegen sie im spitzenseitigen
Teilabschnitt entgegen der Erstreckungsrichtung geneigt sind.
[0008] Eine derartige Anordnung der Austrittskanäle kann jedoch auch Nachteile nach sich
ziehen. Erfolgt der Wechsel ihrer Orientierung und die damit verbundene Änderung des
Abzweigungswinkels gegenüber dem in Längsrichtung verlaufenden, zur Vorderkante korrespondierenden
Kühlmittelkanal in einer örtlich gesehen abrupten Weise, so sind an der Übergangsstelle
möglicherweise verhältnismäßig große Bereiche zwischen der Vorderkante und dem Kühlmittelkanal
nicht von Austrittskanälen durchzogen und daher auch nicht konvektiv gekühlt. Dieser
Mangel muss dann gegebenenfalls durch den gezielt vermehrten Einsatz von Kühlluft
ausgeglichen werden. Erfolgt die Orientierungsänderung der Austrittskanäle stattdessen
vergleichsweise kontinuierlich, so wird im Übergangsbereich die Ausbildung eines an
der Oberfläche des Schaufelblatts entlangströmenden Films aus Kühlluft erschwert,
da die Kühlluft dort beinahe senkrecht zur Oberfläche aus den Filmkühllöchern austritt
und somit die Tendenz besitzt, sich von ihr abzulösen. Auch in diesem Fall muss vermehrt
Kühlluft zugeführt werden, was wiederum Verluste im verfügbaren Verdichtermassenstrom
bedeutet und den Wirkungsgrad der Gasturbine vermindert.
[0009] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Turbinenschaufel der oben genannten
Art anzugeben, für die mit einfachen Mitteln eine besonders zuverlässige und gleichmäßige
Kühlung des Vorderkantenbereiches bei gleichzeitig besonders gering gehaltenem Bedarf
an Kühlluft erreichbar ist.
[0010] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst, indem die Übergangsstellen, in denen sich
die Orientierung der Austrittskanäle ändert, für je zwei benachbarte Reihen in Längsrichtung
gegeneinander versetzt angeordnet sind.
[0011] Die Erfindung geht dabei von der Überlegung aus, dass das aus den Austrittsöffnungen
im Vorderkantenbereich des Schaufelblatts austretende Kühlmedium zur Bildung eines
effektiven Kühlfilms eine möglichst große Geschwindigkeitskomponente parallel zur
Oberfläche aufweisen sollte. Aus diesem Grunde sollte die bewährte, schräg zur Längsrichtung
verlaufende Ausrichtung der Austrittskanäle beibehalten werden. Im Hinblick auf die
bei der Herstellung des Schaufelblatts gegebenen, den Zugang und die Orientierung
der Produktionswerkzeuge betreffenden Beschränkungen ist auch weiterhin ein Orientierungswechsel
der beschriebenen Art für die in den Austrittsöffnungen mündenden Austrittskanäle
entlang jeder der Reihen, in denen die Austrittsöffnungen angeordnet sind, wünschenswert.
Andererseits sollten Bereiche mit vergleichsweise stark verminderter Häufigkeitsdichte
der Austrittskanäle in der Schaufelwand vermieden werden. Dazu ist auszuschließen,
dass die zu benachbarten Reihen gehörigen Lücken oder Zwischenräume im ansonsten vergleichsweise
regelmäßigen Verteilungsmuster der Austrittskanäle direkt nebeneinander zu liegen
kommen.
[0012] Dies wird dadurch erreicht, dass die zugehörigen Übergangsstellen für je zwei benachbarte
Reihen in Längsrichtung gegeneinander versetzt angeordnet sind. Die Versetzung bewirkt
nämlich gerade eine lokale Verschränkung der zu je zwei benachbarten Reihen gehörigen
Austrittskanäle und somit im Hinblick auf die Gesamtheit aller Reihen eine vergleichsweise
homogene Verteilung der Austrittskanäle über den gesamten Vorderkantenbereich des
Schaufelblatts. Daher ist in diesem Bereich auch eine vergleichsweise gute und effektive
konvektive Kühlung des Schaufelinneren gewährleistet, so dass eine örtliche Überbeanspruchung
des Materials durch Überhitzung vermieden wird. Gegenüber bekannten Ausführungen kann
der Bedarf an Kühlmedium vergleichsweise gering gehalten werden, was sich leistungsförderlich
für eine mit derartigen Turbinenschaufeln ausgestattete Gasturbine auswirkt.
[0013] Ein für eine effektive Filmkühlung besonders günstiges Strömungsverhalten des austretenden
Kühlmediums in der Nähe der Vorderkante in Kombination mit einer guten konvektiven
Kühlung der angrenzenden Schaufelwand ist erreichbar, indem die Austrittsöffnungen
im gesamten Vorderkantenbereich in einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung
ungefähr gleichmäßig verteilt sind, derart, dass sie auf den Eckpunkten eines gedachten,
um die Vorderkante des Schaufelblatts gebogenen, regelmäßigen Gitternetzes liegen.
Dies bewirkt eine besonders homogene Benetzung der Schaufeloberfläche mit Kühlmittel.
[0014] Die Anstellwinkel der Austrittskanäle gegenüber der Längsrichtung sind für die fußseitigen
und spitzenseitigen Teilabschnitte aller Reihen von Austrittsöffnungen vorzugsweise
jeweils ungefähr gleich groß. Dabei kann ein für den Effekt der Filmkühlung optimierter
Wert, der aus Versuchen oder Berechnungen bekannt ist, eingestellt werden.
[0015] Das Konzept der abschnittsweisen Verschränkung benachbarter Filmkühlreihen lässt
sich bei beliebig vielen nebeneinander liegenden Reihen anwenden. Da allerdings der
Krümmungsradius eines Schaufelblatts in der Umgebung der Vorderkante häufig verhältnismäßig
klein ist, können dann nur wenige Reihen von Austrittsöffnungen im Vorderkantenbereich
untergebracht werden. Eine gleichmäßige und hinsichtlich des Kühlmittelverbrauchs
besonders sparsame Kühlung der Vorderkante lässt sich jedoch bereits in einer bevorzugten
Ausgestaltung mit drei Reihen erreichen. Bei dieser Variante sind die zu den beiden
äußeren Reihen gehörigen Übergangsstellen in Bezug auf die Längsrichtung zweckmäßigerweise
gleich und damit symmetrisch zur mittleren Reihe angeordnet.
[0016] Vorteilhafterweise ist die zur mittleren Reihe gehörige Übergangsstelle in diesem
Fall gegenüber den beiden äußeren Reihen um drei Austrittsöffnungen verschoben. Bei
dieser Wahl liegt einerseits eine verhältnismäßig gute Durchdringung der Schaufelwand
im Vorderkantenbereich mit Austrittskanälen vor, andererseits ist der gegenseitige
Versatz noch gering genug, so dass sich die im Verschränkungsbereich in gegenläufiger
Richtung austretenden Luftströme nur unwesentlich gegenseitig irritieren.
[0017] Besonders vorteilhaft ist diese optimierte Anordnung von Filmkühlbohrungen im Fall
einer für eine Verwendung in einer Gasturbine vorgesehenen Leitschaufel, die sowohl
am fußseitigen als auch am spitzenseitigen Ende von möglicherweise voluminösen und
massiven Plattformen abgeschlossen ist, welche den Zugang von Bohrwerkzeugen zur Herstellung
der Austrittskanäle in besonderem Maße behindern.
[0018] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin, dass durch
die Versetzung der Übergangsstellen, in denen sich die Orientierung der Austrittskanäle
in Bezug auf die Längsrichtung ändert, eine mit geringem Aufwand herzustellende Turbinenschaufel
angegeben ist, die im Bereich der besonders beanspruchten Vorderkante sowohl auf der
Oberfläche durch einen gleichmäßigen Kühlluftfilm als auch im Innenbereich durch Konvektion
von Kühlluft in den annähernd homogen und ohne Lücken von größerer Ausdehnung verteilten
Austrittskanälen vor übermäßiger Beanspruchung durch Erhitzung während des Betriebs
in einer Gasturbine geschützt ist. Dadurch kann Kühlluft eingespart werden, was den
Wirkungsgrad der Gasturbine erhöht.
[0019] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand einer Zeichnung näher erläutert.
Darin zeigen:
- FIG 1
- eine teilgeschnittene Seitenansicht einer Turbinenschaufel,
- FIG 2
- einen Teil-Querschnitt durch die Turbinenschaufel nach FIG 1,
- FIG 3
- einen Teil-Längsschnitt durch die Turbinenschaufel nach FIG 1 und
- FIG 4
- eine teilgeschnittene Ansicht der Vorderkante der Turbinenschaufel nach FIG 1.
[0020] Gleiche Teile sind in allen Figuren mit denselben Bezugszeichen versehen.
[0021] Die Turbinenschaufel 2 nach FIG 1 ist als Leitschaufel für eine hier nicht weiter
dargestellte Gasturbine ausgebildet. Sie umfasst einen Fußabschnitt 4 und einen Spitzenabschnitt
6 mit dazugehörigen Plattformen 8, 10 und einem dazwischenliegenden, sich in Längsrichtung
L erstreckenden Schaufelblatt 12. Das profilierte Schaufelblatt 12 weist eine sich
ebenfalls im Wesentlichen in Längsrichtung L erstreckende Vorderkante 14 und eine
Hinterkante 16 mit dazwischenliegenden Seitenwänden 18 auf. Die Turbinenschaufel 2
wird über den Fußabschnitt 4 am Innengehäuse der Turbine fixiert, wobei die zugehörige
Plattform 8 ein den Strömungsweg des Arbeitsmediums in der Gasturbine begrenzendes
Wandelement bildet. Die der Turbinenwelle gegenüberliegende spitzenseitige Plattform
10 bildet eine weitere Begrenzung für das strömende Arbeitsmedium. Die Turbinenschaufel
2 könnte alternativ auch als Laufschaufel ausgebildet sein, die in analoger Weise
über eine auch als Schaufelfuß bezeichnete fußseitige Plattform 8 an der Turbinenwelle
befestigt ist.
[0022] Über eine Anzahl von am unteren Ende des Fußabschnitts 4 angeordneten Einlassöffnungen
20 wird ein Kühlmittel K ins Schaufelinnere eingebracht. Es sind jedoch auch Konzepte
bekannt, bei denen die Zuleitung des Kühlmittels K über die spitzenseitige Plattform
10 erfolgt. Üblicherweise handelt es sich beim Kühlmittel K um Kühlluft. Nachdem das
Kühlmittel K einen oder mehrere sich an die Einlassöffnungen 20 anschließende Kühlmittelkanäle
22 im Inneren der Turbinenschaufel 2 durchströmt hat, tritt es aus einer Anzahl von
auch als Filmkühllöcher bezeichneten, mit den Kühlmittelkanälen 22 korrespondierenden
Austrittsöffnungen 24 im Bereich des Schaufelblatts 12 aus. Unterschiedliche Bereiche
des Schaufelblattes 12 stellen dabei im Hinblick auf die verschiedenartige thermische
und mechanische Belastung sowie die jeweiligen Platzverhältnisse im Schaufelinneren
an die Anordnung und die Gestaltung der Filmkühllöcher ganz unterschiedliche Anforderungen.
Insbesondere der sich an die Vorderkante 14 des Schaufelblatts 12 unmittelbar anschließende,
vergleichsweise stark gekrümmte Vorderkantenbereich 28 bedarf aufgrund einer relativ
hohen Belastung einer wirkungsvollen Kühlung.
[0023] FIG 2 zeigt den vorderen Bereich des profilierten Schaufelblatts 12 mit dem die Vorderkante
14 umfassenden, verhältnismäßig stark gekrümmten Vorderkantenbereich 28, an den sich
Druckseite 30 und Saugseite 32 anschließen. Von einem im Wesentlichen in Längsrichtung
L der Turbinenschaufel 2 verlaufenden, zur Vorderkante 14 beabstandeten Kühlmittelkanal
22 zweigen Austrittskanäle 34 von kleinerem Querschnitt ab, welche die Schaufelwand
36 durchdringen und im Vorderkantenbereich 28 in Austrittsöffnungen 24 oder Filmkühllöchern
münden. Durch die Durchströmung der Austrittskanäle 34 mit Kühlmittel K wird eine
Kühlung der angrenzenden Gebiete der Schaufelwand 36 erreicht. Zu dieser konvektiven
Kühlung des Schaufelinneren tritt der durch die aus den Austrittsöffnungen 24 ausströmende
Kühlluft verursachte Effekt der Filmkühlung auf der Oberfläche des Schaufelblatts
12 auf. Dabei bildet sich auf der Oberfläche durch die mit verhältnismäßig geringer
Geschwindigkeit an ihr entlangströmende Kühlluft gewissermaßen ein Luftpolster bzw.
ein Schutzfilm aus, der einen direkten Kontakt der Schaufeloberfläche mit dem eine
hohe Strömungsgeschwindigkeit aufweisenden Arbeitsmedium verhindert.
[0024] Um einerseits eine gleichmäßige konvektive Kühlung der Schaufelwand 36 zu ermöglichen
und andererseits die Ausbildung eines kontinuierlichen Kühlluftfilms zu begünstigen,
sind die Austrittsöffnungen 24 im Ausführungsbeispiel entlang von drei parallel zur
Vorderkante 14 ausgerichteten Reihen angeordnet, derart, dass sie ein regelmäßiges
Gittermuster bilden. Außerdem sind die Austrittskanäle 34 gegenüber der Längsrichtung
L der Turbinenschaufel 2 geneigt, so dass sich im Bereich ihrer Austrittsöffnungen
24 für das ausströmende Kühlmittel K ein flacher Austrittswinkel bzgl. der Schaufeloberfläche
ergibt. Dies wirkt sich ebenfalls günstig auf die Entstehung eines schützenden Kühlluftfilms
aus. Wie man dem Längsschnitt entlang der mittleren Reihe von Austrittsöffnungen 24
gemäß FIG 3 entnehmen kann, existieren die Neigung der Austrittskanäle 34 betreffend
zwei unterschiedliche Teilabschnitte. In einem fußseitigen Teilabschnitt 38 der dargestellten
Reihe sind sie derart geneigt, dass das aus den Austrittsöffnungen 24 ausströmende
Kühlmittel K eine zum Spitzenabschnitt 6 der Turbinenschaufel 2 weisende Geschwindigkeitskomponente
besitzt. An einer angrenzenden Übergangsstelle 40 ändert sich die Orientierung der
Austrittskanäle 34, so dass das aus dem spitzenseitigen Teilabschnitt 42 der Reihe
ausströmende Kühlmittel K eine zum Fußabschnitt 4 gerichtete Geschwindigkeitskomponente
aufweist. Dieser Orientierungswechsel ist durch den aufgrund der Plattformen 8, 10
beschränkten Zugang der Bohrwerkzeuge bei der Herstellung der Turbinenschaufel 2 bedingt
und zieht das Vorhandensein einer vergleichsweise großen Lücke 44 in der ansonsten
gleichmäßig von Austrittskanälen 34 durchzogenen Schaufelwand 36 nach sich. Das eben
gesagte gilt sinngemäß für jede der drei im Vorderkantenbereich 28 des Schaufelblatts
12 angeordneten Reihen von Austrittsöffnungen 24.
[0025] Die Turbinenschaufel 2 ist für eine besonders zuverlässige Kühlung des Vorderkantenbereiches
28 bei gleichzeitig besonders gering gehaltenem Bedarf an Kühlmittel K spezifisch
ausgelegt. Dazu sind die genannten Übergangsstellen 40 in der Art einer abschnittsweise
verschränkten Anordnung benachbarter Filmkühlreihen zueinander versetzt positioniert.
Die teilgeschnittene perspektivische Ansicht der Vorderkante 14 in FIG 4 zeigt nämlich,
dass die zur mittleren Reihe gehörige Übergangsstelle 40, in der sich die Orientierung
der Austrittskanäle 34 ändert, gegenüber den beiden äußeren Reihen in Längsrichtung
L verschoben ist. Die Verschiebung beträgt hier im Ausführungsbeispiel drei Gitterpunkte.
Dadurch sind auch die zu jeweils zwei benachbarten Reihen gehörigen Lücken 44 bezüglich
der Austrittskanäle 34 soweit gegeneinander versetzt angeordnet, dass im gesamten
Verschränkungsgebiet 46 insgesamt eine vergleichsweise gute Durchdringung der Schaufelwand
36 mit Austrittskanälen 34 und somit auch eine vergleichsweise gute konvektive Kühlung
sichergestellt ist. Da auf der anderen Seite die gegenseitige Verschiebung der Übergangsstellen
40 nicht wesentlich größer als das zu diesem Zweck notwendige Mindestmaß gewählt ist,
wird auch die Verwirbelung des auf der Oberfläche strömenden Kühlluftfilms aufgrund
der in diesem Abschnitt gegeneinander gerichteten Luftströme auf ein notwendiges Minimum
beschränkt.
[0026] Damit ist eine sowohl hinsichtlich der konvektiven Kühlung der Schaufelwand 36 als
auch hinsichtlich der Filmkühlung auf der Oberfläche optimierte Anordnung von Austrittskanälen
34 und zugehörigen Austrittsöffnungen 24 geschaffen, die sich gegenüber den bekannten
Lösungen durch einen verringerten Verbrauch von Kühlmittel K auszeichnet und somit
den Wirkungsgrad einer mit derartigen Turbinenschaufeln 2 ausgestatteten Gasturbine
erhöht.
1. Turbinenschaufel (2) mit einem Fußabschnitt (4), einem Spitzenabschnitt (6) und einem
Schaufelblatt (12), das mit einer Anzahl von von einem Kühlmittel (K) durchströmbaren
Kühlmittelkanälen (22) versehen ist, wobei von einem im Wesentlichen in Längsrichtung
(L) der Turbinenschaufel (2) verlaufenden, zur Vorderkante (14) beabstandeten Kühlmittelkanal
(22) im Vorderkantenbereich (28) des Schaufelblatts (12) in Austrittsöffnungen (24)
mündende Austrittskanäle (34) abzweigen, wobei die Austrittsöffnungen (24) entlang
von mindestens zwei im Wesentlichen parallel zur Vorderkante (14) ausgerichteten Reihen
angeordnet sind, und wobei die Austrittskanäle (34) im Bereich ihrer jeweiligen Austrittsöffnung
(24) schräg zur Längsrichtung (L) der Turbinenschaufel (2) ausgerichtet sind, derart,
dass das in einem fußseitigen Teilabschnitt (38) jeder Reihe ausströmende Kühlmittel
(K) im Bereich der Austrittsöffnungen (24) eine zum Spitzenabschnitt (6) der Turbinenschaufel
(2) weisende Geschwindigkeitskomponente besitzt, und das in einem daran angrenzenden
spitzenseitigen Teilabschnitt (42) jeder Reihe ausströmende Kühlmittel (K) eine zum
Fußabschnitt (4) weisende Geschwindigkeitskomponente aufweist,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Übergangsstellen (40), in denen sich die Orientierung der Austrittskanäle (34)
ändert, für je zwei benachbarte Reihen in Längsrichtung (L) gegeneinander versetzt
angeordnet sind.
2. Turbinenschaufel (2) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Austrittsöffnungen (24) im Vorderkantenbereich (28) ungefähr auf den Gitterpunkten
eines regelmäßigen Gitternetzes liegen.
3. Turbinenschaufel (2) nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Anstellwinkel der Austrittskanäle (34) gegenüber der Längsrichtung (L) für die
fußseitigen und die spitzenseitigen Teilabschnitte (38, 42) aller Reihen von Austrittsöffnungen
(24) jeweils ungefähr gleich groß sind.
4. Turbinenschaufel (2) nach Anspruch 3,
mit zumindest drei Reihen von Austrittsöffnungen (24),
dadurch gekennzeichnet, dass
die zu den beiden äußeren Reihen gehörigen Übergangsstellen (40) in Bezug auf die
Längsrichtung (L) gleich angeordnet sind.
5. Turbinenschaufel (2) nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
die zur mittleren Reihe gehörige Übergangsstelle (40) gegenüber den beiden äußeren
Reihen um drei Austrittsöffnungen (24) verschoben ist.
6. Turbinenschaufel (2) nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
sie als Leitschaufel ausgeführt ist.
7. Gasturbine,
dadurch gekennzeichnet, dass
mindestens eine der Turbinenschaufeln (2) nach einem der Ansprüche 1 bis 6 ausgeführt
ist.