(57) Bei einem Verfahren zur Herstellung von Naturfaserplatten im Naßverfahren, wobei
das zerkleinerte, z. B. aus Hackschnitzeln bestehenden Rohmaterial, unter Einwirkung
von Wasserdampf im Überdruck aufgeweicht und anschließend zerfasert werden, wonach
die erhaltenen, in bis zu 98 % in Wasser aufgeschlämmten Fasern in einer Formmaschine
unter Wasserabscheidung zu einem Faserkuchen geformt werden, aus dem nach Zuschnitt
auf vorgegebene Größen entweder in einem Trockner, insbesondere einem Trocknerkanal
Faserdämmplatten oder durch Pressung bei Hitzeeinwirkung Hartfaserplatten oder nach
einer Vergütungs-Nachbehandlung z. B. durch Klimatisierung, Befeuchtung und bzw. oder
Erhitzung zu verwendende Rohlinge für solche Hartfaserplatten gebildet werden, wird
zur Erhöhung der Produktivität und einer geringeren Belastung des Abwassers die Aufschlämmung
aus Fasern und Wasser vor der Formung in der Formmaschine mit Polyethylenoxid in wässeriger
Lösung geimpft. Die Dosierung kann sich im Bereich von 50 bis 200 g festes Polyethylenoxid
pro Tonne Holzfasern bewegen.
[0001] Es ist ein Verfahren zur Herstellung von Holzfaserplatten im Naßverfahren bekannt,
bei dem Hackschnitzel unter Einwirkung von Wasserdampf bei einem Druck von 3 bis 8
bar aufgeweicht und dann zerfasert werden. Die Zerfaserung erfolgt bei einem heute
meist angewendeten Defibrationsverfahren zwischen profilierten Mahlscheiben. Entsprechend
den Anforderungen bei verschiedenen Produkten können die Fasern dann noch auf sogenannten
Raffinatoren einer Nachmahlung unterzogen werden. Durch diese Aufschließungsprozesse
wird die Faseroberfläche aktiviert, so daß bei einem Trocknen oder Pressen die holzeigenen
Bindekräfte zusammen mit Wasser zur Abbindung gebracht werden. Es ist eine Aufschlämmung
der Fasern in bis zu 98 % Wasser üblich. Der in der Formmaschine unter Wasserabscheidung
erhaltene Faserkuchen wird schließlich zugeschnitten und wird für die Herstellung
von Holzfaserdämmplatten in einem Trockenkanal getrocknet, wobei mit Temperaturen
zwischen 160 und 220° C gearbeitet wird. Übliche nach diesem Verfahren erzeugte Holzfaserdämmplatten
haben eine Dichte von 200 bis 600 kg/m3.
[0002] Für die Herstellung von Hartfaserplatten wird der zugeschnittene Faserkuchen unter
hohem Druck bis 5 N/mm2 und Temperaturen bis 220° C gepreßt und dabei auf eine hohe
Rohdichte bis 1100 kg/m3 verdichtet. Das verdichtete Material kann gleich weiterverarbeitet
oder als Rohling verwendet werden, der durch thermische Nachbehandlung, Klimatisierung,
Befeuchtung usw. fertigbehandelt wird, wobei auch Beschichtungen möglich sind. Die
Nachbehandlung dient in erster Linie zur Erzielung einer optimalen Materialfeuchte
und der Verhinderung einer nachträglichen Verformung.
[0003] Bei den bekannten Herstellungsverfahren wird ein verhältnismäßig großer Anteil an
sogenannten Fein- und Störstoffen mit dem in der Formmaschine abgeschiedenen Siebwasser
ausgetragen. Dies bedingt nicht nur einen Materialverlust bei der Plattenproduktion,
sondern hat den noch entscheidenderen Nachteil, daß eine relativ aufwendige Klärung
des auftretenden Abwassers notwendig wird, wobei der chemische Sauerstoffbedarf des
Abwassers relativ hoch ist.
[0004] In ähnlicher Weise können Faserdämmplatten oder Hartfaserplatten auch aus anderen
Rohmaterialien auf Zellulosebasis, z. B. aus Hanf oder Baumwolle, hergestellt werden.
[0005] Der beschriebene Produktionsablauf kann auf verschiedene Weise in den einzelnen Parametern
variiert werden. Allgemein ausgedrückt betrifft die Erfindung daher ein Verfahren
zur Herstellung von Naturfaserplatten im Naßverfahren, wobei das zerkleinerte, z.
B. aus Hackschnitzeln bestehende Rohmaterial unter Einwirkung von Wasserdampf im Überdruck
aufgeweicht und anschließend zerfasert werden, wonach die erhaltenen, in bis zu 99
% in Wasser aufgeschlämmten Fasern in einer Formmaschine unter Wasserabscheidung zu
einem Faserkuchen geformt werden, aus dem nach Zuschnitt auf vorgegebene Größen entweder
in einem Trockner, insbesondere einem Trocknerkanal Faserdämmplatten oder durch Pressung
bei Hitzeeinwirkung Hartfaserplatten oder nach einer Vergütungs-Nachbehandlung z.
B. durch Klimatisierung, Befeuchtung und bzw. oder Erhitzung zu verwendende Rohlinge
für solche Hartfaserplatten gebildet werden.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist eine Verbesserung dieses Verfahrens, insbesondere hinsichtlich
des Arbeits- und Energieaufwandes bei der Wasserabscheidung, bei der Verringerung
der Materialverluste, bei der Erhöhung der Produktionsgeschwindigkeiten und bei der
Erzielung eines weniger verunreinigten Abwassers.
[0007] Die Erfindung besteht im wesentlichen darin, daß die Aufschlämmung aus Fasern und
Wasser vor der Formung in der Formmaschine mit Polyethylenoxid, vorzugsweise in wässeriger
Lösung geimpft wird. Überraschend hat sich gezeigt, daß bereits geringe Dosierungen
des zugegebenen Polyethylenoxids eine Fixierung von Fein- und Störstoffen an der Faseroberfläche
bewirken, so daß sich ein wesentlich reineres Siebwasser gegenüber den bisherigen
Verfahren ergibt, wodurch sich auch die Nachbehandlung des Abwassers vereinfacht und
verbilligt. Bei Varianten des Verfahrens, insbesondere bei kleineren Chargen oder
zur Änderung der Dosierung kann der Zusatz auch ganz oder teilweise in Pulverform
erfolgen. Überdies kommt es zu einer wesentlichen Erhöhung der Entwässerungsleistung,
also zu einem höheren Trockengehalt des Faserkuchens nach dem mechanischen Auspressen
des Wassers. Dies bedingt in weiterer Folge eine Verringerung des Energiebedarfes
für das Trocknen im Trockenkanal bzw. für die Einhaltung der Arbeitstemperatur bei
den Pressen für die Hartfaserplatten. Durch die Verwendung des Polyethylenoxides in
geringe Mengen, wie dies durch den Ausdruck "Impfung" verdeutlicht wurde, kommt es
keinesfalls zu einer Verschlechterung der Produkteigenschaften.
[0008] Was unter geringen Mengen zu verstehen ist, zeigt ein Ausführungsbeispiel, nach dem
die Dosierung des in wässeriger Lösung unter 0,5 %, meist insbesondere unter 0,08
% beigegebenen Polyethylenoxides mit 50 bis 200 g, vorzugsweise 150 g festes Polyethylenoxid
pro Tonne Holzfasern gewählt wird. Die Dosierung kann im jeweiligen Anwendungsfall
nach empirischen Erfahrungswerten nach oben oder unten variiert werden.
[0009] Ein bisher bereits zur Qualitätsverbesserung und Beschleunigung des Verfahrensablaufes
bereits eingesetztes Material, nämlich Polyacrylamid, kann in entsprechender Mischung,
z. B. im Verhältnis 3:2, mit dem erfindungsgemäß verwendeten Polyethylenoxid eingesetzt
werden. Die Gesamtmenge beträgt dann vorzugsweise wieder 50-200 g/t.
[0010] Weitere Additive können ebenfalls zur Qualitätsverbesserung bzw. - bestimmung eingesetzt
werden. Solche Additive sind z. B. Kolophonium (in einer Menge von z. B. 2 kg/t),
Phenolformaldehydharze, Polyvinylacetate, Polyelektrolyte, z. B. Polyamin, PolyDADMAC,
Bitumen oder Kohlendioxid.
Ausführungsbeispiele:
Beispiel 1:
[0011] In einer Holzfaserplattenfabrik wurden Holzfaserdämmplatten mit einer Dichte von
80 bis 600 kg/m3 hergestellt, wobei die Produktionsmenge 1,3 t/h betrug. Die Produktion
erfolgte im wesentlichen nach dem eingangs beschriebenen, aber durch die erfindungsgemäße
Maßnahme modifizierten Verfahren. Am Überlaufkasten der Formmaschine schwankte der
pH-Wert der aufgeschlämmten Fasern zwischen 3,9 und 5,5. Hier wurde Polyethylenoxid
in 0,08 %iger Lösung mit Nachverdünnung in einer Menge von 300 l/h zugesetzt. Dies
entspricht einer Dosierung von 150 g Polyethylenoxid pro Tonne Holzfaser. Überdies
wurden abhängig von der Holzsorte verschiedene Zusätze wie Paraffin und Alaun beigegeben.
[0012] Nach einer Durchführung der Produktion im Versuch über 3 Tage wurden am letzten Tag
folgende Pararmeter gemessen und mit jenen gegenübergestellt, die vorher bei der gleichen
Produktion, aber ohne die erfindungsgemäßen Zusätze festgestellt wurden.
| |
ohne PEO |
mit PEO 150g/t |
Verbesserung |
| Feinstoffe >8µm im Siebwasser |
174 mg/l |
104 mg/l |
40 % |
| Chemischer Sauerstoffbedarf des Abwassers zur kommunalen Kläranlage |
6540 mg/l |
3360 mg/l |
49 % |
| Trockengehalt des Faserkuchen vor dem Trockenkanal |
39 % |
43 % bei einer Produktion von 1,3 t/h |
10 % |
| Produktionsmenge |
1,3 t/h |
1,42 t/h |
9 % |
Beispiel 2:
[0013] In einer Holzfaserplattenfabrik wurden Holzfaserdämmplatten mit einer Dichte von
200 bis 300 kg/m3 hergestellt, wobei die Produktionsmenge ca. 28000 m
2/d betrug. Die Produktion erfolgte im wesentlichen nach dem eingangs beschriebenen,
aber durch die erfindungsgemäße Maßnahme modifizierten Verfahren. Am Überlaufkasten
der Formmaschine schwankte der pH-Wert der aufgeschlämmten Fasern zwischen 4,3 und
4,5. Hier wurde Polyethylenoxid in 0,3 %iger Lösung ohne Nachverdünnung in einer Menge
von 110 l/h zugesetzt. Dies entspricht einer Dosierung von 65 g Polyethylenoxid pro
Tonne Holzfaser. Überdies wurden abhängig von der Holzsorte verschiedene Zusätze wie
Bitumen, Alaun und Kolophonium beigegeben.
[0014] Nach einer Durchführung der Produktion im Versuch wurden am 2 Tag folgende Pararmeter
gemessen und mit jenen gegenübergestellt, die vorher bei der gleichen Produktion,
aber ohne die erfindungsgemäßen Zusätze festgestellt wurden.
| |
ohne PEO |
mit PEO |
Verbesserung |
| Chemischer Sauerstoffbedarf des Kreislaufwassers |
114 g/l |
59 g/l |
48 % |
| Produktionsmenge |
28385 m2/d |
38707 m2/d |
36 % |
| Plattendichte |
313 kg/m3 |
272 kg/m3 |
13 % |
| Biegefestigkeit |
2,20 Mpa |
2,60 Mpa |
18 % |
1. Verfahren zur Herstellung von Naturfaserplatten im Naßverfahren, wobei das zerkleinerte,
z. B. aus Hackschnitzeln bestehende Rohmaterial unter Einwirkung von Wasserdampf im
Überdruck aufgeweicht und anschließend zerfasert werden, wonach die erhaltenen, in
bis zu 99 % in Wasser aufgeschlämmten Fasern in einer Formmaschine unter Wasserabscheidung
zu einem Faserkuchen geformt werden, aus dem nach Zuschnitt auf vorgegebene Größen
entweder in einem Trockner, insbesondere einem Trocknerkanal Faserdämmplatten, durch
Pressung bei Hitzeeinwirkung Hartfaserplatten oder nach einer Vergütungs-Nachbehandlung
z. B. durch Klimatisierung, Befeuchtung und bzw. oder Erhitzung zu verwendende Rohlinge
für solche Hartfaserplatten gebildet werden, dadurch gekennzeichnet, daß die Aufschlämmung aus Fasern und Wasser vor der Formung in der Formmaschine mit Polyethylenoxid
vorzugsweise in wässeriger Lösung geimpft wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Dosierung des in wässeriger Lösung unter 0,5 %, meist insbesondere unter 0,08
% beigegebenen Polyethylenoxides mit 50 bis 200 g, vorzugsweise 150 g festes Polyethylenoxid
pro Tonne Holzfasern gewählt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Polyethylenoxid in Mischung mit Polyacrylamid eingesetzt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß zur Herstellung der wässrigen Lösung Kreislaufwasser, bei einer Temperatur zwischen
30° C und 70° C eingesetzt wird.