[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Bauelement zur Schub- und/oder Durchstanzbewehrung,
insbesondere zur Kraftübertragung im Anschlussbereich von Stützen an bewehrte Bauteile
wie Flachdecken und Bodenplatten, bestehend aus einer Mehrzahl von mit endständigen
Bolzenköpfen versehenen Bewehrungselementen, die von einander beabstandet angeordnet
sind und deren endständige Bolzenköpfe eine das Bewehrungselement nach oben oder unten
begrenzende Stirnseite aufweisen, und insbesondere bestehend aus einem die Bewehrungselemente
gegenseitig festlegenden und zusätzlich zu den Schubkraft übertragenden Bewehrungselementen
vorgesehenen Verbindungselement.
[0002] Derartige Schub- und Durchstanzbewehrungselemente sind beispielsweise aus der EP-A
1 033 454 bekannt, wobei jeweils das Verbindungselement an den Bewehrungselementen
zwischen deren oberen und unteren Ende in einem Abschnitt zwischen oberer und unterer
Biegebewehrung festgelegt ist und hierdurch die Bewehrungselemente vertikal so relativ
zu der oberen und unteren Biegebewehrung angeordnet sind, dass die Bolzenköpfe jeweils
in der Ebene der oberen bzw. unteren Biegebewehrung zum Liegen kommen. Hierbei dient
nicht etwa das horizontale und die einzelnen Bewehrungselemente aneinander festlegende
Verbindungselement zur Kraftübertragung; sondern stattdessen sorgt die obere und untere
Biegebewehrung mit den dazwischen angeordneten vertikalen Bewehrungselementen für
die gewünschte Schubkraftübertragung, die in bekannter Weise nach dem Fachwerkmodell
erfolgt, indem die Schubkraft aufgeteilt ist in aneinander anschließende vertikale
und diagonale Kraftkomponenten (die vertikalen Kraftkomponenten verlaufen durch die
Bewehrungselemente und die diagonalen Kraftkomponenten vom oberen Bolzenkopf eines
Bewehrungselements ausgehend zum unteren Bolzenkopf des benachbarten Bewehrungselements).
[0003] Der vorliegenden Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, ein Bauelement zur Schub-
und/oder Durchstanzbewehrung der eingangs genannten Art dahingehend weiterzubilden,
dass es eine gegenüber herkömmlichen Bauformen deutlich verbesserte Tragfähigkeit
aufweist.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die Bewehrungselemente in
vertikaler Ebene angeordnet und dass zumindest einige der Bewehrungselemente in einer
zur vertikalen abweichenden Richtung geneigt orientiert sind, und dass die Stirnseiten
der Bolzenköpfe benachbarter Bewehrungselemente fluchtend zueinander und geneigt zur
Achse des zugehörigen Bewehrungselementes angeordnet sind. Durch die geneigte Anordnung
der Bewehrungselemente relativ zur Vertikalen und insbesondere gegenüber einem etwaigen
Verbindungselement ergibt sich im Einbauzustand eine geneigte Anordnung der Bewehrungselemente
auch innerhalb des bewehrten Bauteils, wobei der Neigungswinkel der Bewehrungselemente
gegenüber der Vertikalen (und damit auch gegenüber der Orientierung herkömmlicher
Bewehrungselemente) etwa zwischen 30° und 60° liegen sollte und insbesondere von etwa
45° beträgt.
[0005] Bei Neigungswinkeln in dieser Größenordnung sind die Bewehrungselemente etwa senkrecht
zu Schubrissen angeordnet, die sich ohne derartige Bewehrungselemente einstellen würden.
Hierdurch ergibt sich eine Aktivierung dieser Bewehrungselemente, die mit weniger
Schlupf oder Verformung verbunden ist, als die senkrechte Anordnung. Dies bedeutet
gleichzeitig eine entsprechende Vergrößerung der Tragfähigkeit.
[0006] Ein weiterer Vorteil ergibt sich dadurch, dass die schräg gestellten Bewehrungselemente
- zumindest mit ihren oberen Elementabschnitten - in Horizontalrichtung näher an der
Stütze angeordnet werden können, was den Anschluss des Schubbewehrungselements und
damit auch dessen Funktion noch einmal verbessert.
[0007] Gemäß der vorliegenden Erfindung können alle Bewehrungselemente eines Bauelements
parallel zueinander angeordnet sein und demgemäß alle dieselbe Neigung gegenüber der
Vertikalen aufweisen. Besonders vorteilhaft ist es jedoch, wenn sich die Neigung der
Bewehrungselemente eines Bauelements entlang der Länge des Bauelements ändert, also
die Bewehrungselemente bzw. zumindest ein Teil dieser Bewehrungselemente untereinander
eine verschiedene Neigung aufweisen, um sie an die jeweiligen Belastungsfälle anzupassen,
die in der ihnen zugedachten Einbauposition auftreten.
[0008] In diesem Zusammenhang ist es besonders vorteilhaft, wenn die näher bei der Stütze
angeordneten Bewehrungselemente eine flachere Neigung aufweisen als die weiter weg
von der Stütze angeordneten Bewehrungselemente, wenn also im Einbauzustand der Winkel
α gegenüber der Vertikalen mit steigendem Abstand von der Stütze immer kleiner wird.
Hierdurch kann man die Bewehrungselemente etwa senkrecht zu den Schubrissen anordnen,
die sich ohne derartige Bewehrungselemente einstellen würden und dem Umstand Rechnung
tragen, dass die Schubrisse oft nicht einen linearen Verlauf mit gleicher Neigung
aufweisen, sondern mit größer werdendem Abstand von der Stütze immer flacher verlaufen.
[0009] Was die Stirnseiten der Bolzenköpfe betrifft, so sollen diese so weit geneigt zur
Achse des zugehörigen Bewehrungselements angeordnet sein, dass sie bei eingebautem
Schub- bzw. Durchstanzbewehrungselement im bewehrten Bauteil genau horizontal angeordnet
sind und somit mit der oberen bzw. unteren Biegebewehrung fluchten, um demgemäß die
Kraftübertragung zwischen den Bewehrungselementen einerseits und der Biegebewehrung
andererseits zu optimieren, ohne gegenüber der Biegebewehrung in die vorgeschriebene
Betonüberdeckung nach oben bzw. unten in den Bereich der Mindestbetonüberdeckung vorzustehen.
Mit anderen Worten sollen die Stirnseiten der Bolzenköpfe trotz geneigt angeordneter
Bewehrungselemente wie bei den herkömmlichen Schubbewehrungselementen genau horizontal
verlaufen, wofür sie gegenüber der Achse des zugehörigen Bewehrungselements um einen
Winkel von 90° minus Neigungswinkel der Bewehrungselemente geneigt sein müssen.
[0010] Die gleiche Anforderung gilt für das horizontal innerhalb des bewehrten Bauteils
anzuordnende Verbindungselement, welches auch dafür sorgt, dass die Bewehrungselemente
ihre geneigte Orientierung beim Einbau beibehalten, wozu beispielsweise ausgehend
vom Verbindungselement Abstandshalter vorgesehen sind, die zum Abstützen des Schub-
bzw. Durchstanzbewehrungselements auf der unteren Bauteilschalung und somit zum Einbau
in der vorgeschriebenen Höhe dienen. Natürlich kann aber einerseits das Verbindungselement
auch so auf der Höhe der oberen oder unteren Bewehrungselementenden angeordnet sein,
sodass sich die Bewehrungselemente ausgehend von diesem Verbindungselement schräg
nach oben bzw. unten erstrecken; andererseits können aber auch die Abstandselemente
anstelle am Verbindungselement an den einzelnen Bewehrungselementen festgelegt sein.
[0011] Schließlich ist es auch möglich, statt der üblichen Doppelkopfbolzen andere Bauformen
für die Bewehrungselemente zu verwenden, wie beispielsweise die genannten Bolzen mit
nur einem Bolzenkopf, wobei das zweite Ende des Bewehrungselements beispielsweise
durch das genannte schienenförmige Verbindungselement gebildet wird.
[0012] Zwar sind im Stand der Technik bereits ähnliche Schub- bzw. Durchstanzbewehrungselemente
bekannt; so beschreibt beispielsweise die EP-A 1 070 800 einen Gitterträger mit einer
so genannten Diagonalstrebenschlange, die als Durchstanzbewehrung fungiert. Solche
Diagonalstrebenschlangen besitzen jedoch keine Tragfähigkeit, die mit Schubbewehrungselementen
unter Verwendung von bolzenförmigen Bewehrungselementen vergleichbar wäre. Aus der
DE-U 299 03 114 ist es schließlich bekannt, ein rechteckiges Betonfertigbauteil vorzusehen,
dessen Randbereiche in der Höhe abgestuft sind mit über die ganze Fläche verteilt
angeordneten Gitterträgern und unterhalb der Gitterträger vorgesehenen Bewehrungsstäben.
Die Gitterträger dieses Betonfertigbauteils sind im Bereich unmittelbar um die anzuschließende
Stütze mit so genannten Querbolzen versehen, die unter einem Winkel von 25° bis 38°
gegenüber der Vertikalen eingebaut sind und als Doppelkopfbolzen ausgebildet sein
können. Schließlich kann der Beton des Betonfertigbauteils mit Fasern armiert sein,
sodass durch die Schräglage der Querbolzen eine optimale Verankerung der Querbolzen
im gerissenen Beton erreicht werden soll, da mehr Beton gegen Grundbruch der Verankerung
aktiviert werde. Und aufgrund der Kombination mit den Fasern sollen die Risse reduziert
und auch ein Verankerungsgrund ohne Vorschädigung zur Verfügung gestellt werden.
[0013] Im Gegensatz zu diesen beiden Bauformen mit Diagonalstrebenschlange bzw. Gitterträger
soll jedoch im Rahmen der vorliegenden Erfindung eine Baustellenlösung geschaffen,
die nicht nur hinsichtlich des Einbaus in die sonstige Bauteilbewehrung optimal ist,
sondern auch eine entsprechend optimierte Tragfähigkeit aufweist. Hierfür ― wie vom
Stand der Technik vorgeschlagen ― einen Gitterträger als Schubbewehrungselement vorzusehen,
ist sicherlich alles andere als optimal im Hinblick auf die Tragfähigkeit, und auch
der Einbau solcher Schubbewehrungselemente ist ― wie in der DE-U 299 03 114 geschildert
― ebenfalls nicht optimal als Baustellenlösung verwendbar.
[0014] Weitere Merkmale und Vorteile der vorliegenden Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung eines Ausführungsbeispiels anhand der Zeichnungen; hierbei zeigen
- Figur 1
- ein erfindungsgemäßes Bauelement zur Schub- bzw. Durchstanzbewehrung in Seitenansicht;
- Figur 2
- das Bauelement zur Schub- bzw. Durchstanzbewehrung aus Figur 1 in diagonaler Draufsicht;
- Figur 3
- ein beispielhaftes Bewehrungselement eines erfindungsgemäßen Bauelements zur Schub-
bzw. Durchstanzbewehrung ausschnittsweise in Seitenansicht; und
- Figur 4
- ein weiteres erfindungsgemäßes Bewehrungselement in Einbauposition in schematischer
geschnittener Seitenansicht.
[0015] Das in Figur 1 dargestellte Bauelement zur Schub- bzw. Durchstanzbewehrung 1 weist
drei Bewehrungselemente 2, 3, 4 in Form von so genannten Doppelkopfbolzen auf sowie
ein die drei Bewehrungselemente miteinander verbindendes Verbindungselement 5 sowie
zwei am Verbindungselement 5 vorgesehene Abstandshalter 6, 7 zur Auflagerung des Schub-
bzw. Durchstanzbewehrungselements 1 auf der (nicht dargestellten) unteren Bauteilschalung
eines zu betonierenden Bauteils.
[0016] Die Bewehrungselemente 2, 3, 4 sind ― wie in Figur 3 im Detail am Beispiel des Bewehrungselements
2 dargestellt ist ― aus einem zylindrischen Bolzenschaft 2a sowie oberen und/oder
unteren Bolzenköpfen 2b aufgebaut, wobei die Achse 8 des Bolzenschafts 2a um einen
Winkel α gegenüber der Vertikalen geneigt ist und die obere Stirnseite 2c des oberen
Bolzenkopfs 2b (genauso die nicht dargestellte untere Stirnseite des unteren Bolzenkopfs)
um den gleichen Winkel α gegenüber der Mittelachse 8 des Bolzenschafts 2a geneigt
ist. Der Neigungswinkel α beträgt vorzugsweise zwischen 30° und 60° und besonders
bevorzugt im Bereich von 45°.
[0017] Die Bewehrungselemente 2, 3, 4 sind in etwa auf mittlerer Höhe des Bolzenschafts
2a (bzw. der Bolzenschäfte der anderen Bewehrungselemente) mit dem Verbindungselement
5 versehen, das zum einen für den vorgegebenen Abstand der Bewehrungselemente zueinander
und zum anderen für die vorgeschriebene Neigung der Bewehrungselemente gegenüber der
Bewehrung der zugehörigen Flachdecke sorgt. Das Verbindungselement 5 wiederum ist
über an sich bekannte Abstandshalter 6, 7 auf der unteren Bauteilschalung aufgelagert.
[0018] In Figur 4 ist eine Stütze 10 mit einer aufgelagerten Betondecke 9 schematisch in
Seitenansicht dargestellt. Hier kann man drei verschiedene Bewehrungselemente 12,
13, 14 in Einbauposition erkennen, die um einen Winkel α
1, α
2, α
3 gegenüber der Vertikalen geneigt sind. Den Grund für die unterschiedlichen Neigungen
erkennt man anhand der schematisch dargestellten Verläufe von Schubrissen 15, 16,
die sich ohne solche Bewehrungselemente einstellen würden. Die Neigungswinkel α
1, α
2, α
3 sind so gewählt, dass die Bewehrungselemente etwa senkrecht zu diesen Schubrissen
angeordnet sind. Hierdurch ergibt sich eine Aktivierung der Bewehrungselemente, das
heißt die so geneigten Bewehrungselemente können größere Schubkräfte aufnehmen als
die üblichen vertikalen Bewehrungselemente.
[0019] Zusammenfassend bietet die vorliegende Erfindung den wesentlichen Vorteil, bei unverändertem
Querschnitt einerseits und Abstand andererseits der Bewehrungselemente dennoch ein
baustellentaugliches Schub- bzw. Durchstanzbewehrungselement mit größerer Tragfähigkeit
dadurch zu zielen, dass die Richtung der Bewehrungselemente annähernd senkrecht zu
den zu erwartenden Schubrissen verläuft, was durch Schrägstellung der Bewehrungselemente
gegenüber der Vertikalen erreicht wird.
1. Bauelement zur Schub- und/oder Durchstanzbewehrung, insbesondere zur Kraftübertragung
im Anschlussbereich von Stützen an bewehrte Bauteile wie Flachdecken und Bodenplatten,
bestehend aus einer Mehrzahl von mit endständigen Bolzenköpfen (2b) versehenen Bewehrungselementen
(2, 3, 4, 12, 13, 14), die von einander beabstandet angeordnet sind und deren endständige
Bolzenköpfe eine das Bewehrungselement nach oben oder unten begrenzende Stirnseite
(2c) aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
dass sich die Bewehrungselemente (12, 13, 14) in vertikaler Ebene erstrecken und zumindest
einige der Bewehrungselemente in einer von der Vertikalen abweichenden Richtung geneigt
angeordnet sind, und
dass die Stirnseiten (2c) der Bolzenköpfe (2b) benachbarter Bewehrungselemente (2, 3,
4, 12, 13, 14) fluchtend zueinander und geneigt zur Achse (8) des zugehörigen Bewehrungselements
angeordnet sind.
2. Bauelement nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bewehrungselemente (2, 3, 4, 12, 13, 14) in dem im Anschlussbereich von Stützen
eingebauten Zustand einen Winkel (α) gegenüber der Vertikalen von zwischen 30° und
60° und insbesondere in der Größenordnung von etwa 45° aufweisen.
3. Bauelement nach zumindest Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass es außerdem aus einem die Bewehrungselemente gegenseitig festlegenden und zusätzlich
zu den Schubkraft übertragenen Bewehrungselementen vorgesehenen Verbindungselement
(5) besteht.
4. Bauelement nach zumindest Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass benachbarte Bewehrungselemente (2, 3, 4) eines Bauelements (1) parallel zueinander
angeordnet sind.
5. Bauelement nach zumindest Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass benachbarte Bewehrungselemente (12, 13, 14) eines Bauelements (11) unterschiedliche
Neigungen aufweisen.
6. Bauelement nach zumindest Anspruch 1 oder Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bewehrungselemente (12, 13, 14) in dem im Anschlussbereich von Stützen (10) eingebauten
Zustand einen Winkel (α1, α2, α3) gegenüber der Vertikalen aufweisen, der sich mit der Entfernung von der Stütze ändert
derart, dass die näher bei der Stütze angeordneten Bewehrungselemente (12) einen größeren
Neigungswinkel (α1) aufweisen als die Bewehrungselemente (14), die mit größerem Abstand von der Stütze
(10) angeordnet sind.
7. Bauelement nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Stirnseiten (2c) der Bewehrungselemente (2, 3, 4, 12, 13, 14) in dem im Anschlussbereich
von Stützen eingebauten Zustand in horizontaler Ebene verlaufen.
8. Bauelement nach zumindest Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Verbindungselement (5) in dem im Anschlussbereich von Stützen eingebauten Zustand
in horizontaler Ebene verläuft.
9. Bauelement nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass es Abstandelemente (6, 7) aufweist zu dessen Auflagerung auf einer unteren Schalung
für das bewehrte Bauteil.
10. Bauelement nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bewehrungselemente (2, 3, 4, 12, 13, 14) aus Doppelkopfbolzen bestehen.