[0001] Die Erfindung betrifft einen Ventilsitzring mit zylindrischer Außenfläche, der in
eine zylindrische Bohrung des Zylinderkopfes eine Brennkraftmaschine mit Übermaß eingesetzt
ist, wobei der Ventilsitzring aus einem Material mit geringer Wärmedehnung und der
Zylinderkopf aus einem Material mit großer Wärmedehnung besteht.
[0002] Ventilsitzringe werden üblicherweise durch einen Schrumpf- und/oder Preßvorgang mit
dem Zylinderkopf verbunden. Um einen sicheren Halt des Ventilsitzrings in der Bohrung
oder Ringnut des Zylinderkopfes zu gewährleisten, ist ein gewisses Übermaß des Ventilsitzrings
erforderlich. Die Fachwelt war bisher der Meinung, daß dieses Übermaß um so größer
sein muß, je unterschiedlicher die Wärmeausdehnungen der Materialien sind, aus denen
der Ventilsitzring bzw. der Zylinderkopf hergestellt ist. Beispielsweise ist die Wärmeausdehnung
von Aluminium nahezu doppelt so groß wie diejenige von Stahl.
[0003] Bisher wurde das erforderliche Übermaß des Ventilsitzrings anhand eines einfachen
Modells berechnet, wobei man davon ausging, daß ein Sitzring aus Stahl in eine verzwängungsfreie
Aluminiumplatte eingesetzt ist. Dabei wurde eine konstante Temperatur und ein freie
Dehnung der Aluminiumplatte angenommen. Das erforderliche Übermaß des Ventilsitzrings
wurde durch folgende Gleichung bestimmt:

wobei
αFe = thermische Ausdehnung von Eisen
αAl = thermische Ausdehnung von Aluminium
D = Außendurchmesser des Sitzrings
ΔT = Temperaturerhöhung bei Betrieb
Sicherheit = Sicherheitsfaktor
[0004] Nach dieser bisher angewendeten Formel zur Berechnung des Übermaßes werden sehr hohe
Werte für das Übermaß erhalten. Wegen des hohen Übermaßes des Ventilsitzrings gegenüber
der in dem Zylinderkopf zugeordneten Bohrung oder Ringnut ist bei der Montage ein
großer Aufwand erforderlich. Die Sitzringe müssen unter Umständen tiefgekühlt werden,
und mitunter ist es zusätzlich erforderlich, den Zylinderkopf zu erwärmen. Außerdem
ist eine hohe Montagekraft notwendig. Bei der Montage des Ventilsitzrings kann eine
hohe Zugbelastung im Ventilstegbereich des Zylinderkopfes auftreten, wodurch kritische
Werte erreicht werden können. Die Belastung des Brennraumdachs ist daher sehr hoch,
die sogar zu einer Rißbildung des Zylinderkopfes führen kann. In jedem Fall wird die
Lebensdauer des Zylinderkopfes verringert. Für den Zylinderkopf muß daher ein höherwertiges
Material verwendet werden oder die Wandstärke des Zylinderkopfes muß vergrößert werden.
Mitunter ist auch eine Wärmebehandlung des Zylinderkopfes erforderlich. Alle diese
Maßnahmen sind jedoch mit einer Steigerung der Herstellungskosten verbunden.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die vorstehenden Schwierigkeiten durch
eine Optimierung der Auslegung des Übermaßes des Ventilsitzrings zu überwinden.
[0006] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß der Ventilsitzring ein Übermaß
von höchstens 1,5 Promille aufweist.
[0007] Die Erfindung beruht auf der Erkenntnis, daß der Zylinderkopf wegen der ungleichen
Temperaturverteilung im Bereich des Brennraumdaches an einer freien Ausdehnung gehindert
wird. Aus diesem Grund ist entgegen der bisherigen Auffassung ein Übermaß des Ventilsitzrings
von 1,5 Promille oder sogar noch weniger ausreichend. Die Erfinder haben erkannt,
daß eine durch ungleiche Temperaturverteilung bedingte thermische Verspannung des
Brennraumdaches eine freie Ausdehnung desselben verhindert. Das Brennraumdach ist
von einem Materialbereich umschlossen, der eine geringere Temperatur aufweist. Dieser
in sich geschlossene Materialbereich wirkt gewissermaßen wie eine Umschnürung oder
ein Reifen, der eine freie thermische Ausdehnung des auf einer höheren Temperatur
befindlichen Brennraumdaches verhindert. Die tatsächliche Ausdehnung des Zylinderkopfes
im Bereich des Brennraumdaches ist daher wesentlich geringer als bisher angenommen
wurde. Im Betrieb wird das Brennraumdach im Gegensatz zu dem eingangs erwähnten Modell
einer verzwängungsfreien Aluminiumplatte infolge der thermischen Inhomogenität an
einer freien Ausdehnung gehindert. Hierdurch entstehen Druckspannungen im Zylinderkopf,
die der Aufweitung entgegenwirken und die Ventilsitzringe festhalten. Es ist daher
ein deutlich geringeres Übermaß erforderlich als bisher angenommen wurde.
[0008] Durch geringere Belastung des Brennraumdachs infolge des reduzierten Übermaßes des
Ventilsitzrings kann die Lebensdauer des Zylinderkopfes deutlich erhöht werden. Unter
Umständen ist auch die Verwendung von kostengünstigeren Legierungen für den Zylinderkopf
möglich. Auch die Montage der Sitzringe wird erleichtert, da diese wegen des geringeren
Übermaßes mit einem geringeren Kraftaufwand montiert werden können. Dadurch können
die mit der bisher erforderlichen Kühlung, z. B. mit flüssigem Stickstoff, verbundenen
hohen Kosten gespart werden.
[0009] Es wurde festgestellt, daß mit Ventilsitzringen, die so gut wie kein Übermaß aufweisen,
ein zuverlässiger Halt im Zylinderkopf bei Betriebstemperatur gewährleistet ist. Im
Hinblick auf Oberflächenrauhigkeiten und Setzerscheinungen des Ventilsitzrings einerseits
und des Zylinderkopfes andererseits sollte der Ventilsitzring aus Sicherheitsgründen
jedoch ein Übermaß von mindestens 0,1 Promille vorzugsweise 0,5 Promille aufweisen.
[0010] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird nachfolgend
näher erläutert.
[0011] Die einzige Figur der Zeichnung zeigt einen Längsschnitt durch einen Ventilsitzring
im Einbauzustand.
[0012] In einem Zylinderkopf 1 aus einer Aluminiumlegierung ist eine Ringnut 2 mit einem
Durchmesser D1 ausgebildet. In die Ringnut 2 ist ein Ventilsitzring 3 aus Stahl mit
einem Außendurchmesser D1 eingesetzt. An der dem Brennraum zugekehrten Stirnseite
des Ventilsitzrings 3 ist eine konische Ventilsitzfläche 4 für den Ventilteller eines
(nicht gezeigten) Ventils ausgebildet.
[0013] Da die Wärmeausdehnung von Aluminium wesentlich größer ist als diejenige von Stahl,
muß der Ventilsitzring 3 mit Übermaß in den Zylinderkopf 1 eingesetzt werden, um bei
Betriebstemperatur einen sicheren Halt zu gewährleisten. Andererseits soll das Übermaß
des Ventilsitzrings aus den eingangs genannten Gründen möglichst klein sein, um den
Einsetzvorgang zu erleichtern und unnötige Spannungen im Zylinderkopf zu vermeiden.
Um diesen beiden Forderungen zu entsprechen, weist der Ventilsitzring ein Übermaß
auf, das im Bereich von 0,5 bis 1,5 Promille liegt.
Bezugszeichenliste:
[0014]
- 1
- Zylinderkopf
- 2
- Ringnut
- 3
- Ventilsitzring
- 4
- Ventilsitzfläche
- D1
- Außendurchmesser von 3
- D2
- Innendurchmesser von 2
1. Ventilsitzring mit zylindrischer Außenfläche, der in eine zylindrische Bohrung des
Zylinderkopfes einer Brennkraftmaschine mit Übermaß eingesetzt ist, wobei der Ventilsitzring
aus einem Material mit geringer Wärmedehnung und der Zylinderkopf aus einem Material
mit großer Wärmedehnung besteht, dadurch gekennzeichnet, daß der Ventilsitzring (3) ein Übermaß von höchstens 1,5 Promille aufweist.
2. Ventilsitzring nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß er ein Übermaß von mindestens 0,1 Promille aufweist.
3. Ventilsitzring nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß er ein Übermaß von mindestens 0,5 Promille aufweist.