[0001] Die Erfindung betrifft eine Kraftmaschine mit einem Kühlmittel zur Kühlung der Kraftmaschine.
[0002] Derartige Kraftmaschinen können beispielsweise Brennkraftmaschinen, insbesondere
Verbrennungsmotoren wie z. B. Dieselmotoren oder Ottomotoren für Kraftfahrzeuge sein,
bei denen das Kühlmittel in Kühlkanälen eingebracht ist, so daß der Verbrennungsmotor
einen Kühlmittelmantel aufweist.
[0003] In einem Verbrennungsmotor ist ein Kraftstoffverbrauch während eines NEDC-Tests im
kalten Zustand (Starttemperatur ca. 24 °C) ca. 10 bis 15 % höher als bei demselben
Test mit einer Motoröltemperatur bei einem Start von ca. 90 °C, dem so genannten NEDC-Heißtest.
Dies liegt unter anderem daran, daß das Schmieröl bei niedrigeren Temperaturen eine
höhere Zähigkeit aufweist, und das der Kraftstoff an Zylinderwänden kondensiert und
in das Motoröl eingetragen wird. Zudem werden Maßnahmen ergriffen, um den Katalysator
schneller aufzuheizen, dies sind z. B. eine Spätverstellung der Zündung, eine Anhebung
der Leerlaufdrehzahl sowie eine Anfettung mit Sekundärlufteinblasung. Zudem entsteht
der Großteil der emittierten Abgasemissionen während der Kaltstartphase des Verbrennungsmotors,
wenn der Katalysator noch nicht die erforderliche Betriebstemperatur erreicht hat.
Gleichzeitig wird ein Großteil der zugeführten Energie ungenutzt als Abgasenthalpie
abgeführt. Dies sind insgesamt ca. 30 bis 40 % der Energie des zugeführten Kraftstoffes.
[0004] Bekannt ist, die Aufwärmphase des Motors zu verbessern, indem Abgaswärmetauscher
eingesetzt werden, die in komplizierter Weise das Motoröl aufheizen. Auf der anderen
Seite ist es ein Problem, den Motor, insbesondere das Motoröl bei dieser Aufheizung
vor Überhitzung zu schützen. Daher werden zusätzliche Hochleistungsölkühler verwendet.
[0005] Die DE 27 53 716 betrifft eine warmluftabgebende Heizvorrichtung für durch eine Brennkraftmaschine
angetriebene Kraftfahrzeuge, mit einem von atmosphärischer Luft beaufschlagbaren Wärmetauscher
für die Wärmeabgabe eines in einen Leistungskreislauf strömenden Wärmeträgers und
einem ebenfalls in den Leitungskreislauf eingeschalteten, Abgaswärme der Brennkraftmaschine
aufnehmenden und an den Wärmeträger abgebenden Wärmetauscher. Der Leitungskreislauf
für den Wärmeträger der Heizvorrichtung steht zumindest mit dem Schmierölkreislauf
der Brennkraftmaschine in wärmeleitender Verbindung. Hierbei wird eine Wärmeabgabe
an das Schmieröl in einem Trockensumpfbehälter dadurch erreicht, daß durch einen in
einer Vorlaufleitung strömenden Wärmeträger Wärme an das in dem Trockensumpfbehälter
befindliche Schmieröl abgegeben wird.
[0006] Die GB 2 381 576 A offenbart eine Abgaswärme-Rückgewinnungsvorrichtung mit einer
Wärmetauscherleitung und einer Bypaßleitung. Im Bereich der Wärmetauscherleitung ist
ein Wärmetauscher angeordnet. Zumindest eine Ventileinrichtung ist in der Wärmetauscherleitung
und/oder der Bypaßleitung vorgesehen, um einen Abgasmengenstrom in der Wärmetauscherleitung
zu beeinflussen. Zumindest die Wärmetauscherleitung weist in einer Abgasströmrichtung
in Einbaulage ein Gefälle auf.
[0007] Die EP 0 885 758 B1 betrifft ein Verfahren zum Betrieb eines Wärmetauschers im Abgasstrom
einer Brennkraftmaschine für Kraftfahrzeuge, bei dem der Abgasstrom in eine Hauptleitung
und in eine Bypaßleitung aufteilbar ist. Der Wärmetauscher ist in der Bypaßleitung
angeordnet. In einem Warmlaufbetrieb ist in der Hauptleitung ein Rückstau erzeugbar,
der einen Gegendruck am Abgasauslaß der Brennkraftmaschine verursacht. Der Warmlaufbetrieb
wird in zwei Phasen aufgeteilt, wobei in der ersten Phase ein höherer Gegendruck als
in der zweiten Phase erzeugt wird. Ein erstes Ventil ist in der Hauptleitung zwischen
den Bypaßleitungsanschlüssen angeordnet, wobei ein zweites Ventil in der Bypaßleitung
stromabwärts vom Wärmetauscher angeordnet ist. In der ersten Phase sind beide Ventile
geschlossen, wobei in der zweiten Phase das erste Ventil geschlossen, aber das zweite
Ventil geöffnet ist.
[0008] Die DE 199 08 088 A1 bezieht sich auf eine Brennkraftmaschine, insbesondere eine
Dieselbrennkraftmaschine, für ein Fahrzeug, mit einer Fahrgastraumheizvorrichtung,
einer Abgasleitung, einer Kühlmittelleitung, die einen Kühlkreislauf mit einer ersten
Pumpe bildet, an dem die Brennkraftmaschine angeschlossen ist, und einen Abgaswärmetauscher
zum Übertragen von Abgaswärme an einen Heizungswärmetauscher. Der Abgaswärmetauscher
ist zwischen der Abgasleitung und einer Zirkulationsmittelleitung wirksam, die einen
Zirkulationskreislauf bildet, an dem der Heizungswärmetauscher mittelbar oder unmittelbar
angeschlossen ist.
[0009] Die DE 199 08 088 A1 bezieht sich aber auch auf eine Brennkraftmaschine, insbesondere
Dieselbrennkraftmaschine, wobei die Brennkraftmaschine an einen von der Kühlmittelleitung
abzweigenden ersten Bypaß angeschlossen ist, in dem ein erstes Thermostatventil angeordnet
ist, das den ersten Bypaß bis zum Erreichen einer mittleren Kühlmitteltemperatur weitgehend
sperrt und oberhalb dieser Kühlmitteltemperatur öffnet. In einem sich parallel zum
ersten Bypaß erstreckenden zweiten Bypaß ist ein zweites Thermostatventil angeordnet,
das den zweiten Bypaß oberhalb der mittleren Kühltemperatur weitgehend sperrt.
[0010] Die DE 100 47 810 A1 betritt einen Heizungskreislauf mit einer Zusatzheizvorrichtung
für Kraftfahrzeuge mit Brennkraftmaschine, die Bestandteil eines gesonderten Kurzschlußkreislaufs
ist, der mittels einer Umschaltvorrichtung in den Heizungskreislauf schaltbar ist.
Als Zusatzheizvorrichtung wird eine Abgasanlage des Motors des Kraftfahrzeugs benutzt,
von der die Abgaswärme in den Heizungskreislauf transferiert wird. Das Abgaswärmeangebot
ist bei einem den Wärmebedarf der Innenraumheizung unterschreitenden Abgaswärmeangebot
durch motorische Maßnahmen anhebbar. Die DE 100 47 810 A1 bezieht sich aber auch auf
ein Verfahren zum Betreiben eines Heizungskreislaufs mit einer Zusatzheizvorrichtung
für Kraftfahrzeuge mit Brennkraftmaschine, ausgebildet als vom Motorabgas und Kühlmittel
durchströmter Abgaswärmetauscher. Zur Steigerung der Heizleistung der Zusatzheizvorrichtung
können die Motorbetriebsparameter beeinflußt werden.
[0011] Die EP 1 094 214 A2 bezieht sich auf eine Wärmerückgewinnungsanlage mit einer Zirkulationsleitung,
in der ein Wärmeübertragungsmedium durch eine Motorkühleinheit zirkuliert, und einen
Abgaswärmetauscher zur Nutzung der Auspuffgase eines Motors und eine Leitung, die
eine Auslaßseite der Zirkulationsleitung mit einem Ausgang des Wärmetauschers verbindet.
Der Abgaswärmetauscher ist quer durch die Zirkulationsleitung an einer Seite stromaufwärts
der Motorkühleinheit angeordnet. Das Wärmeübertragungsmedium, das in den Abgaswärmetauscher
eingeführt wird, wird auf eine niedrigere Temperatur geregelt, die ausreichend ist,
um eine Temperatur des Wasserdampfes abzusenken, der in dem Abgasstrom enthalten ist,
von dem Wärme zum Wärmeübertragungsmedium übertragen wird, um dessen Taupunkt zu senken.
[0012] Bekannt ist aber auch eine intelligente Kühlung der Verbrennungsmotoren mittels zusätzlicher
Ventile oder elektrischer Wasserpumpen zu erreichen, wobei als Kühlmittel Wasser verwendet
wird. Dies hat sich in der Praxis zwar bewährt, jedoch wurde bei diesen Maßnahmen
die hohe Wärmeleitfähigkeit und Wärmekapazität von Wasser nicht berücksichtigt. Dies
ist für einen Volllastbetrieb notwendig, verringert aber den Wirkungsgrad während
der Warmlaufphase. Ein weiterer Nachtteil von Wasser als Kühlmittel ist darin zu sehen,
daß die maximale Betriebtemperatur um den Bereich von ca. 100°C begrenzt ist, um ein
Aufkochen des Wassers bzw. eine lokale Überhitzung zu vermeiden.
[0013] Die JP 2002 323071 (=EP 1 223 362 A2) betrifft eine Ventilatorantriebsanordnung mit
einer elektronisch gesteuerten magnetorheologischen Flüssigkeit. Die Anordnung ist
mit einem Ventilator verbunden, um einen Kühler zu kühlen. Die magnetorheologische
Flüssigkeit weist in einem aktivierten Zustand eine halbfeste Konsistenz auf, so daß
ein Antriebsmittel von der Flüssigkeit mitgenommen wird.
[0014] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde eine Kraftmaschine der eingangs genannten
Art mit einfachen Mitteln dahin gehend zu verbessern, daß das Motoröl in der Kaltstartphase
bzw. in der Warmlaufphase schneller auf Betriebstemperatur geführt wird, so daß sowohl
ein verringerter Kraftstoffverbrauch als auch verringerte Schadstoffemissionen erreicht
werden, wobei eine Überhitzung des Motoröls vermieden werden soll.
[0015] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, daß das Kühlmittel eine rheologische
Flüssigkeit ist.
[0016] Eine rheologische Flüssigkeit im Sinne der Erfindung ist eine z. B. auf Silikonöl
basierende Flüssigkeit, die elektrisch und/oder magnetisch ansprechende Bestandteile
beinhaltet. Mittels einer geeigneten Aktivierungsvorrichtung, welche z.B. einen elektrischen
Strom und/oder ein magnetisches Feld erzeugt, wird die rheologische Flüssigkeit in
einen aktiven oder passiven Zustand versetzt. Im passiven Zustand ist rheologische
Flüssigkeit flüssig. In dem aktiven Zustand dagegen ändert die rheologische Flüssigkeit
ihre Viskosität und ist im wesentlichen quasi halbfest.
[0017] Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, daß die rheologische Flüssigkeit in
ihrem passiven Zustand eine geringere Wärmeleitfähigkeit aufweist als in ihrem aktiven
Zustand. Die Wärmeleitfähigkeit steigt hierbei kontinuierlich an.
[0018] Günstig im Sinne der Erfindung ist, wenn das Kühlmittel eine rheologische Flüssigkeit
mit einem Wärmeleitwert von ca. einem drittel, bezogen auf den Wärmeleitwert von Wasser
in ihrem passiven Zustand und einen Wärmeleitwert von etwas mehr als dem dreifachen
Wärmeleitwert von Wasser aufweist, wenn die rheologische Flüssigkeit aktiviert ist.
Bevorzugter Weise weist die rheologische Flüssigkeit einen Wärmeleitwertbereich von
ca. 0,2 bis 1,88 W/mK auf, wobei der Wärmeleitwert von Wasser bei einem Betrag von
0,6 W/mK liegt.
[0019] Die geringe Wärmeleitfähigkeit ist insbesondere in einer Warmlaufphase eines Verbrennungsmotors
günstig, da die entstehende Wärme vorteilhaft nicht so schnell abgeführt wird, wodurch
insbesondere das Motoröl schnell auf Betriebstemperatur geführt wird. Die rheologische
Flüssigkeit wirkt in ihrem passiven Zustand quasi als Wärmeisolator.
[0020] Nach der Warmlaufphase dagegen, insbesondere wenn der Verbrennungsmotor in seinem
Vollastbereich betrieben wird, ist es zweckmäßig, wenn die entstehende Wärme schnell
abgeführt wird. Dies wird aufgrund der hohen Wärmeleitfähigkeit der rheologischen
Flüssigkeit in ihrem aktivierten Zustand erreicht. Um die rheologische Flüssigkeit
zu aktivieren, ist die Aktivierungsvorrichtung an einer geeigneten Stelle angeordnet.
Eine geeignete Stelle kann z. B. eine Zylinderwand des Verbrennungsmotors und/oder
Zylinderkopf sein, wobei das Kühlmittel selbstverständlich in Kühlmittelkanälen aufgenommen
ist, was an sich bekannt ist. Die rheologische Flüssigkeit reagiert sehr schnell auf
die kontinuierliche Aktivierung mittels der Aktivierungsvorrichtung, wodurch auch
ein kontinuierlicher Anstieg der Wärmeleitfähigkeit erreicht wird. Die rheologische
Flüssigkeit transportiert die Wärme von dem Entstehungsort, beispielsweise der Zylinderinnenwand
zur Zylinderaußenwand. Um diesen Wärmeübergang zu steuern, können Betriebsparameter
des Verbrennungsmotors bzw. der Kraftmaschine wie beispielsweise Motorgeschwindigkeit,
-last und/oder -temperatur benutzt werden, wobei mittels geeigneter Steueralgorithmen
Steuersignale für die Aktivierungsvorrichtung bereitgestellt werden können.
[0021] Vorteilhafter Weise wird mittels der erfindungsgemäßen rheologischen Flüssigkeit
der Kraftstoffverbrauch des Verbrennungsmotors erheblich verringert, wobei Reibungsverluste
verringert sind, da das Motoröl schneller auf Betriebstemperatur geführt wird, wodurch
das Motoröl die erforderliche Schmiereigenschaft schneller zu Verfügung stellt. Zudem
können Maßnahmen den Katalysator schneller aufzuheizen, was zu einem gesteigerten
Kraftstoffverbrauch führt, verringert werden, wobei der Katalysator mittels der Erfindung
schneller auf Betriebstemperatur geführt wird. Dies bewirkt wiederum eine verbesserte
Konvertierung der Schadstoffe, z. B. NOx. Weiter wird eine Kraftstoffkondensation
an den Zylinderwänden verringert.
[0022] Selbstverständlich ist die Erfindung nicht auf das bevorzugte Ausführungsbeispiel
eines Verbrennungsmotors beschränkt. Die rheologische Flüssigkeit kann generell als
Kühlmittel verwendet, wenn die Wärme von ihrem Entstehungsort wegtransportiert werden
soll. Weiter kann die rheologische Flüssigkeit auch andere Basisstoffe wie z. B. Wasser
aufweisen.
1. Kraftmaschine mit einem Kühlmittel zur Kühlung der Kraftmaschine,
dadurch gekennzeichnet, daß
das Kühlmittel eine rheologische Flüssigkeit ist.
2. Kraftmaschine nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
die rheologische Flüssigkeit in ihrem passiven Zustand einen geringeren Wärmeleitwert
als in ihrem aktivierten Zustand aufweist.
3. Kraftmaschine nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
die rheologische Flüssigkeit in ihrem passiven Zustand einen Wärmeleitwertbetrag von
etwa einem drittel, bezogen auf den Wärmeleitwertbetrag von Wasser, und in ihrem aktiven
Zustand einen Wärmeleitwertbetrag von etwas mehr als dem dreifachen Wärmeleitwert
von Wasser aufweist.
4. Kraftmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
die rheologische Flüssigkeit als Basisstoff Silikonöl und einen Wärmemeleitwertbereich
von 0,2 bis 1,88 W/mK aufweist.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 86(2) EPÜ.
1. Kraftmaschine mit einem Kühlmittel zur Kühlung der Kraftmaschine, wobei das Kühlmittel
eine rheologische Flüssigkeit ist,
dadurch gekennzeichnet, daß
die rheologische Flüssigkeit in ihrem passiven Zustand einen geringeren Wärmeleitwert
als in ihrem aktivierten Zustand aufweist.
2. Kraftmaschine nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
die rheologische Flüssigkeit in ihrem passiven Zustand einen Wärmeleitwertbetrag von
etwa einem drittel, bezogen auf den Wärmeleitwertbetrag von Wasser, und in ihrem aktiven
Zustand einen Wärmeleitwertbetrag von etwas mehr als dem dreifachen Wärmeleitwert
von Wasser aufweist.
3. Kraftmaschine nach einem der Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
die rheologische Flüssigkeit als Basisstoff Silikonöl und einen Wärmemeleitwertbereich
von 0,2 bis 1,88 W/mK aufweist.