Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf das Gebiet der Hochspannungsschaltertechnik. Sie bezieht
sich auf eine Schaltkammer für einen Hochleistungsschalter und auf einen Hochleistungsschalter
sowie auf ein Verfahren zum Ausschalten einer Schaltkammer gemäss dem Oberbegriff
der unabhängigen Patentansprüche.
Stand der Technik
[0002] Aus dem Stand der Technik sind mit einem Löschgas befüllbare Hochleistungsschalter
mit einer Schaltkammer bekannt, die zwei Lichtbogenkontaktstücke aufweist, von denen
mindestens eines mittels eines Antriebs bewegbar ist. Nach einer Kontakttrennung brennt
zwischen den beiden Lichtbogenkontaktstücken ein Lichtbogen. Ein Heizraum ist zur
Zwischenspeicherung von durch den Lichtbogen aufgeheiztem Löschgas vorgesehen. Eine
Isolierdüse weist zur Führung einer Löschgasströmung ein mit dem Heizraum verbundenes
Engnis auf. Dadurch wird eine Beblasung des Lichtbogens erreicht, die zu dessen Verlöschen
führen soll, so dass ein durch den Hochleistungsschalter fliessender Strom geschaltet
werden kann.
[0003] Nach der Kontakttrennung erfolgt eine Relativbewegung der beiden Lichtbogenkontaktstücke,
um diese rasch voneinander zu entfernen, da durch die unmittelbar nach dem Verlöschen
des Lichtbogens aufschwingende, sogenannte wiederkehrende Spannung sonst eine Rückzündung
erfolgen kann. Erfolgt eine Rückzündung, so wurde nicht geschaltet.
[0004] Dieses sogenannte kapazitive Schalten erfordert somit eine grosse Relativgeschwindigkeit
der beiden Lichtbogenkontaktstücke. Eine für kapazitives Schalten (minimale) notwendige
Relativgeschwindigkeit der beiden Lichtbogenkontaktstücke kann experimentell oder
durch Modell-Rechnungen bestimmt werden.
[0005] Bei aus dem Stand der Technik bekannten Hochleistungsschaltern und Schaltkammern
ist die Relativgeschwindigkeit der beiden Lichtbogenkontaktstücke derart gewählt,
dass sie den Minimalanforderungen des kapazitiven Schaltens entspricht, gegebenenfalls
mit einer Sicherheitsmarge von wenigen Prozent.
[0006] Da im Falle der aus dem Stand der Technik bekannten Hochleistungsschalter das kapazitive
Schalten die höchsten Anforderungen an die Relativgeschwindigkeit der beiden Lichtbogenkontaktstücke
stellt, wurden keine nennenswert höheren Relativgeschwindigkeiten realisiert, denn
dies würde eine aufwendigere Auslegung des Hochleistungsschalters und insbesondere
entsprechend stärkere Antriebe und Dämpfungseinrichtungen erfordert haben, ohne erkennbare
Vorteil zu erbringen.
[0007] Typische maximale Relativgeschwindigkeiten der Lichtbogenkontaktstücke liegen zwischen
5 m/s und 9 m/s.
[0008] Aus EP 1 211 706 A1 ist ein Hochleistungsschalter mit zwei bewegbaren Lichtbogenkontaktstücken
bekannt, wobei ein maximales Geschwindigkeitsverhältnis der beiden Kontaktstücke bei
entgegengesetzter Bewegungsrichtung von 1: 1.6 bis 1:1.7 erreicht wird.
[0009] Bei Schaltkammern und Hochleistungsschaltern der genannten Art ist es stets wünschenswert,
eine stärkere Lichtbogenbeblasung zu erreichen.
[0010] Aus der Schrift DE 100 03 359 C1 beispielsweise ist ein Hochleistungsschalter bekannt
mit zwei bewegbaren Lichtbogenkontaktstücken und einem Heizraum zum Zwischenspeichern
von Löschgas, das durch einen gegebenenfalls zwischen den Lichtbogenkontaktstücken
brennenden Lichtbogen erhitzt wurde. Der Schalter weist eine Isolierdüse auf, welche
zur Führung einer Löschgasströmung ein Engnis aufweist, welches wiederum mittels eines
Kanals mit dem Heizraum verbunden ist. Zunächst bewegen sich die beiden Kontaktstücke
in entgegengesetzte Richtung, wobei die Kontakttrennung stattfindet und das Engnis
durch das zweite der zwei Kontaktstücke zumindest teilweise verdämmt ist. Während
das Engnis noch zumindest teilweise durch das zweite Kontaktstück verschlossen ist,
findet eine Bewegungsrichungsumkehr des zweiten Kontaktstückes statt. Das zweite Kontaktstück
bewegt sich dann also in dieselbe Richtung wie das erste der zwei Kontaktstücke. Dadurch,
dass das Engnis während der Bewegungsrichtungsumkehr immer noch zumindest teilweise
durch das zweite Kontaktstück verdämmt ist, kann eine Erhöhung des Löschgasdruckes
im Heizraum erzeugt werden. Dadurch kann eine stärkere Lichtbogenbeblasung erreicht
werden.
Darstellung der Erfindung
[0011] Es ist Aufgabe der Erfindung, eine alternative Möglichkeit zur Erzeugung einer besonders
effektiven Lichtbogenbeblasung zu schaffen.
[0012] Diese Aufgabe löst eine Vorrichtung und ein Verfahren mit den Merkmalen der unabhängigen
Patentansprüche.
[0013] Eine erfindungsgemässe Schaltkammer für einen mit einem Löschgas befüllbaren Hochleistungsschalter
weist ein erstes Lichtbogenkontaktstück und ein zweites Lichtbogenkontaktstück auf,
von denen mindestens eines mittels eines Antriebs bewegbar ist. Gegebenenfalls brennt
zwischen den Lichtbogenkontaktstücken ein Lichtbogen. Die Schaltkammer umfasst einen
Heizraum zur Zwischenspeicherung von durch den Lichtbogen aufgeheiztem Löschgas sowie
eine Isolierdüse, welche zur Führung einer Löschgasströmung ein mit dem Heizraum verbundenes
Engnis aufweist.
[0014] Gemäss einer ersten Sichtweise der Erfindung ist die erfindungsgemässe Schaltkammer
derart ausgelegt, dass während eines Ausschaltvorgangs eine maximale Relativgeschwindigkeit
v
12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke zueinander mindestens 1.3 mal so gross ist wie
eine zum kapazitiven Schalten notwendige Relativgeschwindigkeit v
12,c der beiden Lichtbogenkontaktstücke .
[0015] Insbesondere kann die erfindungsgemässe Schaltkammer derart ausgelegt sein, dass
während eines Ausschaltvorgangs die maximale Relativgeschwindigkeit v
12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke zueinander mindestens 1.5 mal so gross, vorteilhaft
mindestens 1.7 mal so gross, vorteilhaft mindestens 1.9 mal so gross oder sogar mindestens
2 mal so gross ist wie die zum kapazitiven Schalten notwendige Relativgeschwindigkeit
v
12,c der beiden Lichtbogenkontaktstücke.
[0016] Die Geschwindigkeit v
12,c ist die für kapazitives Schalten minimal notwendige Relativgeschwindigkeit der beiden
Lichtbogenkontaktstücke, also die kleinste Relativgeschwindigkeit der beiden Lichtbogenkontaktstücke,
die kapazitives Schalten ermöglicht.
[0017] In einer anderen Sichtweise kann die Erfindung darin bestehen, dass die Schaltkammer
derart ausgelegt ist, dass, wenn sie in einem einkammerigen Hochleistungsschalter
eingebaut ist, für die maximale Relativgeschwindigkeit v
12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke zueinander während eines Ausschaltvorgangs gilt:

insbesondere

vorteilhaft

wobei
U
N die Nennspannung des Hochleistungsschalters,
p der Polfaktor des Hochleistungsschalters,
E
krit die Einsatzfeldstärke für Entladungen des Löschgases, und
po der Fülldruck des Löschgases ist, und
f die Netzfrequenz ist, für die Schaltkammer ausgelegt ist.
[0018] Die Gleichung

gibt in guter Näherung die für kapazitives Schalten notwendige minimale Maximal-Geschwindigkeit
zwischen den beiden Lichtbogenkontaktstücken an, wobei der Faktor k typischerweise
zwischen 16 und 18.5 liegt.
[0019] Die genannten Gleichungen / Ungleichungen für v
12,c beziehungsweise v
12,max gelten in der dargestellten Form auch für einen Hochleistungsschalter, der genau
eine entsprechende Schaltkammer aufweist. Für die Berechnung von v
12,c beziehungsweise v
12,max für einen Hochleistungsschalter, der mehr als eine Schaltkammern aufweist, muss in
die Gleichungen noch ein Faktor eingefügt werden (oder der Faktor k wird durch einen
Faktor k' ersetzt), wodurch die Versteuerung des Hochleistungsschalters (beispielsweise
durch parallel zu den Schaltkammern geschaltete Kapazitäten) berücksichtigt.
[0020] Für SF
6 als Löschgas beträgt E
krit etwa 8900 kV / (bar·m). Für andere Löschgase wie CF
4 oder Mischungen von SF
6 und N
2 kann der entsprechende E
krit-Wert einschlägigen Handbüchern entnommen werden. Typische Netzfrequenzen sind 50
Hz und 60 Hz. Fülldrucke po liegen typischerweise bei 4.3 bar oder 6 bar oder darüber.
Der Polfaktor p hängt von den vorgesehenen Erdungsverhältnissen des Hochleistungsschalters
im Hochspannungsnetz ab (siehe zum Beispiel die Norm IEC 62271-100) und beträgt typischerweise
1.4 oder 1.2, gelegentlich auch über 1.4. Typische Hochleistungsschalter-Nennspannungen
U
N sind von der Grössenordnung von 123 kV oder 365 kV.
[0021] In einer anderen Sichtweise kann die Erfindung darin bestehen, dass die Schaltkammer
derart ausgelegt ist, dass für die maximale Relativgeschwindigkeit v
12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke zueinander während eines Ausschaltvorgangs gilt:

vorteilhaft

insbesondere

besonders vorteilhaft

[0022] Durch die Erfindung wird es möglich, innerhalb sehr kurzer Zeit eine sehr grosse
Lichtbogenstrecke zu erzeugen. Vorteilhaft kann während eines wesentlichen Teils der
Lichtbogenzeit (Lichtbogen-Brenndauer) durch den Lichtbogen Material aus der Isolierdüse
entlang eines grossen Teils des Engnisses, vorteilhaft entlang der gesamten Länge
des Engnisses, verdampft werden. Eine grosse Oberfläche, insbesondere die gesamte
Engnis-Innenfläche, kann also während einer relativ langen Zeitdauer zur Erzeugung
(Verdampfung) von lichtbogenlöschendem Material genutzt werden. Dadurch wird eine
grosse Menge lichtbogenlöschenden Materials erzeugt, so dass eine effiziente Lichtbogenbeblasung
erreicht wird. Aufgrund der sehr schnellen Relativbewegung kann diese grosse Menge
lichtbogenlöschenden Materials bereits innerhalb einer sehr kurzen Zeit erzeugt werden,
so dass ein sehr grosser Löschgasdruck erzeugbar ist, und die Druckerzeugung kann
sehr rasch nach der Kontakttrennung stattfinden. Dadurch kann eine sehr starke Lichtbogenbeblasung
und somit ein sehr sicheres Schalten, auch grosser Kurzschlussströme, erreicht werden.
[0023] Vorteilhaft ist die Bewegung der Isolierdüse an die Bewegung eines der beiden Kontaktstücke
gekoppelt, insbesondere starr gekoppelt (gleichschnelle und gleichgerichtete Bewegung
der Isolierdüse und des betreffenden Kontaktstücks). Vorteilhaft erfüllt die Relativgeschwindigkeit
zwischen der Isolierdüse und einem der beiden Kontaktstücke eine der oben genannten
erfindungsgemässen Bedingungen für die maximale Relativgeschwindigkeit v
12,max der beiden Kontaktstücke.
[0024] Wenn das Engnis durch eines der beiden Lichtbogenkontaktstücke, das als Verdämm-Kontaktstück
bezeichnet wird und bewegbar ist, zumindest teilweise verdämmbar ist, so weisen die
beiden Lichtbogenkontaktstücke vorteilhaft bis mindestens zum Zeitpunkt der Freigabe
des Engnisses durch das Verdämm-Kontaktstück (das heisst also, mindestens bis eine
Löschgasströmung durch das Engnis ermöglicht ist), eine solche Relativgeschwindigkeit
auf, die eine der oben genannten Bedingungen für v
12,max erfüllt. Diese Relativgeschwindigkeit kann die maximale Relativgeschwindigkeit v
12,max der Lichtbogenkontaktstücke sein oder auch eine Relativgeschwindigkeit, die geringer
ist als v
12,max.
[0025] In einer anderen Sichtweise kann die Erfindung darin bestehen, dass die Schaltkammer
derart ausgelegt ist, dass beide Lichtbogenkontaktstücke bewegbar sind, und dass während
einer Phase entgegengesetzter Bewegung der Lichtbogenkontaktstücke ein Verhältnis
v1/v2 der Geschwindigkeit v1 des ersten Lichtbogenkontaktstückes zu der Geschwindigkeit
v2 des
zweiten Lichtbogenkontaktstückes von v1 /v2 ≤ 1:2.4, insbesondere von v1 /v2 ≤ 1 :2.7,
v1 /v2 ≤ 1:2.8 oder v1 /v2 ≤ 1:3 erreicht wird. Durch ein solches Geschwindigkeitsverhältnis
kann eine grosse Relativgeschwindigkeit der Lichtbogenkontaktstücke erreicht werden.
Dies ist insbesondere dann vorteilhaft, wenn die mit dem ersten Lichtbogenkontaktstück
zu bewegende Masse deutlich (mindestens um einen Fakor 2 oder 3 oder 4 oder mehr)
grösser ist als die mit dem zweiten Lichtbogenkontaktstück zu bewegende Masse.
[0026] Wenn beide Lichtbogenkontaktstücke bewegbar sind, ist vorteilhaft ein erster Antrieb
zum Antreiben des ersten Lichtbogenkontaktstücks und ein zweiter Antrieb zum Antreiben
des zweiten Lichtbogenkontaktstücks vorgesehen. Insbesondere kann der zweite Antrieb
(Hilfsantrieb) ein durch den ersten Antrieb antreibbares Getriebe sein. Vorteilhaft
kann weiterhin die Isolierdüse mittels des ersten Antriebes antreibbar sein.
[0027] Im Falle zweier bewegbarer Lichtbogenkontaktstücke ist vorteilhaft die Schaltkammer
derart ausgelegt, dass in einer Phase während einer gleichgerichteten Bewegung der
Lichtbogenkontaktstücke für das Verhältnis v1/v2 der Geschwindigkeit v1 des ersten
Lichtbogenkontaktstückes zu der Geschwindigkeit v2 des zweiten Lichtbogenkontaktstückes
gilt:

insbesondere

[0028] Besonders vorteilhaft liegt das Geschwindigkeitsverhältnis v1/v2 zwischen 0.9 und
1.1 oder nahe bei eins oder beträgt im wesentlichen eins.
[0029] In einer vorteilhaften Ausführungsform ist ein Kompressionsraum vorhanden, dessen
Volumen während eines Ausschaltvorganges verringert wird. Es kann der Kompressionsraum
mit dem Heizraum identisch oder von dem Heizraum verschieden sein, und insbesondere
ein Ventil zwischen dem Kompressionsraum und dem Heizraum vorgesehen sein. Der Schalter,
respektive die Schaltkammer, kann als Pufferschalter (Blaskolbenschalter) oder als
Selbstblasschalter oder als ein Pufferschalter-Selbstblasschalter-Hybride ausgebildet
sein.
[0030] Die Schaltkammer kann mit Vorteil derart ausgelegt sein, dass während eines Ausschaltvorgangs,
nach der Kontakttrennung, und während eine Löschgasströmung entlang einer Achse durch
das Engnis in Richtung des zweiten Lichtbogenkontaktstücks möglich ist, ein parallel
zu der Achse gemessener Abstand d zwischen dem Engnis und dem zweiten Lichtbogenkontaktstück
derart gewählt ist, dass die Strömungsgeschwindigkeit der Löschgasströmung in einem
solchen Bereich maximal ist, der bezüglich der Achse radial seitlich neben dem zweiten
Lichtbogenkontaktstück und/oder innerhalb des zweiten Lichtbogenkontaktstücks angeordnet
ist. Der Bereich kann zusammenhängend sein oder aus mehreren Teilbereichen bestehen.
[0031] Der Abstand d ist eine Beabstandung. Der Abstand d misst sich selbstverständlich
zwischen den einander zugewandten Enden von Engnis und zweitem Kontaktstück, wenn
das Engnis und das zweite Kontaktstück voneinander beabstandet sind.
[0032] Durch die genannte Wahl des Abstandes d wird eine Optimierung des Löschgasflusses,
insbesondere im Bereich des Engnisses und des zweiten Kontaktstücks, erreicht. Der
Löschgasfluss ist dahingehend optimiert, dass eine besonders hohe Durchschlagsicherheit
dort erzeugt wird, wo eine besonders hohe dielektrische Belastung vorliegt. Diese
vorteilhafte Wirkung wird durch die beschriebene Wahl des Abstandes d erreicht, da
eine hohe Löschgasdichte entlang der Schaltstrecke erreicht werden kann, während eine
geringere Löschgasdichte in dem dielektrisch weniger belasteten Bereich seitlich (und/oder
innerhalb) des zweiten Kontaktstücks vorliegt.
[0033] Vorteilhaft kann das Engnis im wesentlichen als ein Zylinder ausgebildet und die
Schaltkammer derart ausgelegt sein, dass während eines Ausschaltvorgangs, nach der
Kontakttrennung und während einer Löschphase, in der eine Löschgasströmung entlang
einer Achse durch das Engnis in Richtung des zweiten Lichtbogenkontaktstücks möglich
ist, ein parallel zu der Achse gemessener Abstand d zwischen dem Engnis und dem zweiten
Lichtbogenkontaktstück derart gewählt ist, dass

gilt. Dabei ist D der Durchmesser des Zylinders nahe dem während der Löschphase dem
zweiten Lichtbogenkontaktstück zugewandten Ende des Zylinders, der Winkel α ist gleich
einem Öffnungswinkel α eines an das Engnis anschliessenden, erweiterten Bereiches,
und für den Parameter b' gilt: b' = b - F/F', wobei F' der Flächeninhalt der bezüglich
der Achse radial angeordneten Querschnittsfläche einer gegebenenfalls in dem zweiten
Kontaktstück vorgesehenen Öffnung zum Abströmen von Löschgas ist, und für den Parameter
b gilt:

insbesondere

insbesondere

und besonders vorteilhaft

[0034] Das Engnis ist im wesentlichen zylindrisch ausgebildet, und mit Vorteil ist das zweite
Kontaktstück ebenfalls im wesentlichen zylindrisch ausgebildet. Der Durchmesser des
jeweiligen Zylinders (des Engnisses oder des zweiten Kontaktstücks) muss nicht völlig
konstant sein und kann leicht variieren. Abweichungen von einem kreisförmigen Querschnitt
zu beispielsweise elliptischen Querschnitten sind möglich. Das Engnis (oder auch das
zweite Kontaktstück) kann eine andere, vorteilhaft im wesentlichen prismatische Form
aufweisen und wird dennoch als im wesentlichen zylindrisch bezeichnet. Für den Durchmesser
D ist dann eine entsprechende radiale Abmessung des Engnisses zu nehmen. Insbesondere
kann mit guter Genauigkeit der Durchmesser eines solchen Kreises genommen werden,
der denselben Flächeninhalt hat wie das Engnis nahe dem zweiten Kontaktstück. Auch
muss der Durchmesser des Zylinders beziehungsweise die radiale Abmessung des Prismas
nicht genau konstant sein. Die für die Bestimmung von d relevante Grösse ist die radiale
Abmessung an dem dem zweiten Kontaktstück zugewandten Ende des Zylinders oder Prismas.
Auch solche Formen sind in dem Begriff "im wesentlichen zylindrisch" umfasst.
[0035] Durch die beschriebene, zylinderdurchmesserabhängige Wahl des Abstandes d wird für
die gängigen Schaltergeometrien die genannte vorteilhafte Strömungsgeschwindigkeitsbedingung
erfüllt. Wenn der Abstand d innerhalb eines engeren der angegebenen Bereiche für d
gehalten werden kann, kann ein Beibehalten der vorteilhaften Löschgasströmung besser
sichergestellt werden.
[0036] Es gibt also eine als Löschphase bezeichnete Zeitspanne, die nach der Kontakttrennung
liegt, und während der eine Löschgasströmung durch das Engnis in Richtung des zweiten
Lichtbogenkontaktstücks stattfinden kann (und im Schaltfalle auch stattfindet). Während
einer solchen Zeitspanne erfüllt der Abstand d die genannte Bedingung. Diese Bedingung
lautet, dass der Bereich, in dem die Strömungsgeschwindigkeit der genannten, durch
das Engnis in Richtung des zweiten Kontaktstücks gerichteten Löschgasströmung am grössten
ist, innerhalb des zweiten Kontaktstücks und/oder seitlich neben dem zweiten Kontaktstück
angeordnet ist.
[0037] Während das Engnis mit einem als Verdämm-Kontaktstück bezeichnbaren Kontaktstücks
zumindest teilweise vedämmt ist, kann keine (nennenswerte) Löschgasströmung durch
das Engnis stattfinden.
[0038] Die genannte Bedingung für den Abstand d ist vorteilhaft während mindestens 10 ms,
vorteilhafter während mindestens 20 ms, mindestens 35 ms oder mindestens 50 ms während
eines Ausschaltvorganges erfüllt.
[0039] Das Engnis kann auch als Düsenkanal bezeichnet werden.
[0040] Die Kontakttrennung bedeutet eine Trennung eines physischen Kontaktes zwischen den
beiden Lichtbogenkontaktstücken 1 und 2. Der physische Kontakt kann beispielsweise
durch ein direktes Einander-Kontaktieren der Kontaktstücke 1,2 realisiert sein oder
mittels eines die beiden Lichtbogenkontaktstücke 1,2 kontaktierenden Zwischen-Kontaktstücks
(Brücken-Kontaktstück).
[0041] Vorteilhaft ist das zweite Lichtbogenkontaktstück stiftartig, insbesondere vollstiftartig
ausgebildet
[0042] In einer bevorzugten Ausführungsform ist das Engnis durch eines der beiden Lichtbogenkontaktstücke,
das als Verdämm-Kontaktstück bezeichnet wird und bewegbar ist, zumindest teilweise
verdämmbar, und die Schaltkammer ist derart ausgelegt, dass es während eines Ausschaltvorganges
eine Zeitspanne gibt, während der eine Bewegungsrichtung des Verdämm-Kontaktstücks
unverändert bleibt und die maximale Relativgeschwindigkeit v
12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke zueinander erreicht wird. Diese Zeitspanne dauert
vorteilhaft mindestens an, bis das Engnis nicht mehr durch das Verdämm-Kontaktstück
zumindest teilweise verdämmt ist.
[0043] In dieser Ausführungsform gibt es somit nach der Kontakttrennung eine ununterbrochene
Bewegung des Verdämm-Kontaktstücks in ein und dieselbe Richtung, wobei diese Bewegung
mindestens bis zur Freigabe des Engnisses durch das Verdämm-Kontaktstück anhält, und
wobei (irgendwann) während dieser Bewegung die maximale Relativgeschwindigkeit v
12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke zueinander erreicht wird. Dadurch wird sichergestellt,
dass sehr rasch eine sehr grosse Isolierdüsen-Oberfläche dem Lichtbogen ausgesetzt
wird. Vorteilhaft findet keine Bewegungsrichtungsumkehr des Verdämm-Kontaktstücks
statt, bevor das Engnis freigegeben ist.
[0044] Eine besonders bevorzugten Ausführungsform kennzeichnet sich dadurch, dass das Engnis
durch eines der beiden Lichtbogenkontaktstücke, das als Verdämm-Kontaktstück bezeichnet
wird und bewegbar ist, zumindest teilweise verdämmbar ist, und dass die Schaltkammer
derart ausgelegt ist, dass während eines Ausschaltvorgangs eine Bewegungsrichtungsumkehr
des mindestens einen bewegbaren Lichtbogenkontaktstücks stattfindet, wenn das Engnis
nicht mehr durch das Verdämm-Kontaktstück zumindest teilweise verdämmt ist.
[0045] Dadurch kann innerhalb kurzer Zeit nach der Kontakttrennung eine grosse Menge lichtbogenlöschenden
Materials erzeugt werden. Und es ist möglich, die Belastung einer die Kontaktstücke
abbremsenden Dämpfungseinrichtung zu verringern oder eine weniger aufwendige Dämpfungseinrichtung
einzusetzen,
[0046] Die nach der Freigabe des Engnisses durch das Verdämm-Kontaktstück stattfindende
Bewegungsrichtungsumkehr ermöglicht desweiteren auch eine Optimierung des Löschgasflusses
nahe dem Verdämm-Kontaktstück. Der Abstand zwischen den zwei Kontaktstücken kann,
je nach Verhältnis der Geschwindigkeiten der beiden Kontaktstücke, (leicht) vergrössert
oder verkleinert oder, besonders vorteilhaft, im wesentlichen konstantgehalten werden.
Insbesondere kann auch ein Abstand zwischen dem Verdämm-Kontaktstück und dem Engnis
(leicht) vergrössert oder verkleinert oder, besonders vorteilhaft, im wesentlichen
konstant gehalten werden. Wenn beispielsweise die Bewegung der Isolierdüse 1:1 (starr)
an die Bewegung des ersten Kontaktstücks gekoppelt ist und die nach der Bewegungsrichtungsumkehr
gleichgerichtete Bewegung der beiden Kontaktstücke ebenfalls im wesentlichen gleich
gross ist, kann ein vorgebbarer Abstand zwischen dem Engnis und dem Verdämm-Kontaktstück
im wesentlichen konstant gehalten werden. Insbesondere und mit grossem Vorteil kann
auch eine der weiter oben genannten Bedingungen für den Abstand d über einen längeren
Zeitraum erfüllt werden.
[0047] Durch die Bewegungsumkehr wird eine zunächst antiparallele oder gegensinnigen Bewegung
der zwei Lichtbogenkontaktstücke zu einer parallelen oder gleichsinnigen Bewegung
der zwei Lichtbogenkontaktstücke.
[0048] Insbesondere wenn als Hilfsantrieb (zweiter Antrieb) ein von dem Antrieb angetriebenes
Getriebe verwendet wird, kann bei der Wahl eines Geschwindigkeitsverhältnisses v1
/v2 der Geschwindigkeit v1 des ersten Lichtbogenkontaktstückes zu der Geschwindigkeit
v2 des zweiten Lichtbogenkontaktstückes von v1/v2 ≈ 1:1 bei gleichsinniger Kontaktstück-Bewegung
ein konstanter Kontaktstück-Abstand (und gegebenenfalls auch ein konstanter Abstand
zwischen dem Engnis und dem Verdämm-Kontaktstück) erreicht werden, der auch dann noch
konstant bleibt, wenn die Schalterbewegung durch einen Dämpfungsmechanismus abgebremst
wird. Auch kann auf diese Weise der Einfluss von Rücklauf auf die genannten Abstände
im wesentlichen eliminiert werden. Rücklauf entsteht, wenn die Bewegung eines angetriebenen
Kontaktstücks durch Löschgas im Heizraum behindert wird, so dass dadurch eine ungewollte
Bewegungsrichtungsumkehr mindestens eines der Kontaktstücke stattfindet.
[0049] Durch die mittels der Antriebe gezielt erzeugte Bewegungsrichtungsumkehr kann in
einem solchen Hochleistungsschalter oder Schalterpol also eine gute Kontrolle der
Kontaktstück-Abstände und des Engnis-Kontaktstück-Abstandes erreicht werden, so dass
gewünschte Strömungsverhältnisse, insbesondere nahe dem Verdämm-Kontaktstück, einstellbar
und auch bei verschiedenen Schaltfällen einhaltbar sind. Eine Optimierung des Löschgasflusses
in Kontaktstücknähe wird ermöglicht.
[0050] Ein erfindungsgemässer Hochleistungsschalter weist mindestens eine erfindungsgemässe
Schaltkammer auf und hat die entsprechenden Vorteile.
[0051] Das erfindungsgemässe Verfahren zum Ausschalten einer Schaltkammer für einen mit
einem Löschgas befüllbaren Hochleistungsschalter, mit einem ersten Lichtbogenkontaktstück
und mit einem zweiten Lichtbogenkontaktstück, mit mindestens einem Antrieb und mit
einer ein Engnis aufweisenden Isolierdüse, weist die Schritte auf, dass mindestens
eines der beiden Lichtbogenkontaktstücke mittels des Antriebs bewegt wird, dass eine
Kontakttrennung stattfindet und ein zwischen den Lichtbogenkontaktstücken brennender
Lichtbogen gezündet wird, durch den Löschgas aufgeheizt wird, und dass das aufgeheizte
Löschgas zwischengespeichert und zur Beblasung des Lichtbogens durch das Engnis geführt
wird.
[0052] Es kennzeichnet sich dadurch, dass während eines Ausschaltvorgangs eine maximale
Relativgeschwindigkeit v
12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke zueinander erreicht wird, die mindestens 1.3 mal,
insbesondere 1.5 mal, so gross ist wie eine zum kapazitiven Schalten notwendige Relativgeschwindigkeit
v
12,c der beiden Lichtbogenkontaktstücke. Die Vorteile ergeben sich aus den Vorteilen der
Schaltkammer.
[0053] Das erfindungsgemässe Verfahren kann auch als ein Verfahren zum Schalten eines elektrischen
Stromes mittels einer Schaltkammer bezeichnet werden.
[0054] Mit Vorteil sind die beiden Lichtbogenkontaktstücke koaxial zueinander angeordnet.
Der Kanal zwischen Heizraum und Engnis kann vorteilhaft als ein Ringkanal ausgebildet
sein.
[0055] Die Lichtbogenkontaktstücke können gleichzeitig auch Nennstrom-Kontaktstücke sein.
Vorteilhaft sind aber zusätzlich zu den Lichtbogenkontaktstücken noch separate Nennstrom-Kontaktstücke
vorgesehen. Typischerweise werden bei einem Ausschaltvorgang zunächst die Nennstrom-Kontaktstücke
voneinander getrennt, so dass der zu unterbrechende elektrische Strom auf die Lichtbogenkontaktstücke
kommutiert. Danach werden die Lichtbogenkontaktstücke unter Zündung des Lichtbogens
getrennt.
[0056] Mit Vorteil kann eines der beiden Lichtbogenkontaktstücke, insbesondere das erste
Lichtbogenkontaktstück, eine Öffnung zur Aufnahme des anderen, vorteilhaft stiftartig
ausgebildeten Lichtbogenkontaktstücks im geschlossenem Schalterzustand und zum Abströmen
von Löschgas im geöffneten Schalterzustand aufweisen. Insbesondere kann dieses Lichtbogenkontaktstück
als eine Kontakttulpe mit einer Vielzahl von Kontaktfingern ausgebildet sein.
[0057] Vorteilhaft ist es, wenn das zweite Lichtbogenkontaktstück stiftartig ausgebildet
und bewegbar ist, während das erste Kontaktstück eine Öffnung zur Aufnahme des zweiten
Kontaktstücks aufweist, und bewegbar oder nicht bewegbar ist.
[0058] Hochleistungsschalter und Schaltkamemrn im Sinne dieser Anmeldung sind insbesondere
solche, die für Nennspannungen von typischerweise mindestens ca. 72 kV ausgelegt sind.
[0059] Der Lichtbogen in einer erfindungsgemässen Schaltkammer brennt im allgemeinen achsennah
und ist im wesentlichen stationär. Im allgemeinen sind die Fusspunkte des Lichtbogens
an den Enden der Lichtbogenkontaktstücke fixiert.
[0060] Weitere bevorzugte Ausführungsformen und Vorteile gehen aus den abhängigen Patentansprüchen
und den Figuren hervor.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0061] Im folgenden wird der Erfindungsgegenstand anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen,
welche in den beiliegenden Zeichnungen dargestellt sind, näher erläutert. Es zeigen
schematisch:
- Fig. 1
- eine erfindungsgemässe Schaltkammer mit zwei bewegbaren Lichtbogenkontaktstücken in
geöffnetem und in geschlossenen Zustand im Schnitt, mit Getriebe in Aufsicht;
- Fig. 2
- eine Weg-Zeit-Kurve für einen Ausschaltvorgang;
- Fig. 3
- eine Geschwindigkeits-Zeit-Kurve für einen Ausschaltvorgang.
[0062] Die in den Zeichnungen verwendeten Bezugszeichen und deren Bedeutung sind in der
Bezugszeichenliste zusammengefasst aufgelistet. Grundsätzlich sind in den Figuren
gleiche oder gleichwirkende Teile mit gleichen Bezugszeichen versehen. Die beschriebenen
Ausführungsbeispiele stehen beispielhaft für den Erfindungsgegenstand und haben keine
beschränkende Wirkung.
Wege zur Ausführung der Erfindung
[0063] Fig. 1 zeigt schematisch eine erfindungsgemässe Schaltkammer oder einen erfindungsgemässen
einkammerigen Hochleistungsschalter in geöffnetem Zustand (untere Bildhälfte) und
in geschlossenem Zustand (obere Bildhälfte). Im rechten Bildteil ist schematisch ein
Getriebe 3 in Aufsicht dargestellt. Der mit einem Löschgas (beispielsweise SF
6, oder eine Mischung aus N
2 und SF
6) gefüllte Hochleistungsschalter weist ein erstes bewegbares Lichtbogenkontaktstück
1 auf, das durch einen nicht-dargestellen Antrieb antreibbar ist. Ein geeigneter Antrieb
kann beispielsweise ein elektrodynamischer Antrieb oder ein Federspeicherantrieb sein.
[0064] Ein zweites Lichtbogenkontaktstück 2 wird durch einen Hilfsantrieb 3 angetrieben,
welcher durch das durch den Antrieb angetriebene Getriebe 3 realisiert ist. Im geschlossenen
Schalterzustand berühren die beiden Lichtbogenkontaktstücke 1,2 einander. Es können
zusätzlich noch nichtdargestellte Nennstrom-Kontaktstücke vorgesehen sein.
[0065] Das erste Kontaktstück 1 ist mit einer Isolierdüse 5 und einer Hilfsdüse 13 starr
verbunden. Die Isolierdüse 5 weist ein Engnis 6 auf, das im wesentlichen zylindrisch
mit einem Durchmesser D ausgebildet ist. Anschliessend an das Engnis 6 schliesst ein
im Durchmesser erweiterter Bereich 21 mit einem Öffnungswinkel α an. Durch einen Ringkanal
7 ist das Engnis mit einem Heizraum 11 verbunden. Mit dem Heizraum 11 durch ein Ventil
12 verbunden ist ein Kompressionsraum 10. Das Volumen des Heizraumes ist mittels eines
Kolbens 15, der vorteilhaft feststehend ausgebildet ist, veränderbar.
[0066] Der Hochleistungsschalter ist im wesentlichen rotationssymmetrisch bezüglich einer
Achse A ausgebildet, wodurch axiale Richtungen z1 und z2, entlang der sich die Lichtbogenkontaktstücke
bewegen, und dazu senkrechte radiale Richtungen definiert sind.
[0067] In Fig. 2 ist schematisch ein Weg-Zeit-Diagramm (z-t-Kurven) für die Bewegung des
ersten Kontaktstücks 1 (gestrichelte Kurve) und des zweiten Kontaktstücks 2 (gepunktete
Kurve) sowie für die Relativ-Bewegung der beiden Kontaktstücke (durchgezogene Linie)
dargestellt.
[0068] Die entsprechenden Geschwindigkeits-Zeit-Kurven (v-t-Kurven) sind in Fig. 3 schematisch
dargestellt. Die Geschwindigkeit v1 des ersten Kontaktstücks 1 (gestrichelte Kurve)
und die Geschwindigkeit v2 des zweiten Kontaktstücks 2 (gepunktete Kurve) sowie die
Relativgeschwindigkeit v12 der beiden Kontaktstücke (durchgezogene Linie) sind dargestellt.
[0069] Während eines Ausschaltvorganges zum Unterbrechen eines durch den Hochleistungsschalter
fliessenden Stromes bewegt sich zunächst das erste Lichtbogenkontaktstück 1 sowie
die Isolierdüse 5, die Hilfsdüse 13 und das Ventil 12 in Richtung z1. Mit einer optionalen
Verzögerung bewegt sich das zweite Kontaktstück 2 in Richtung z2. Die durch den Antrieb
direkt zu bewegende Masse ist gross gegenüber der durch das Getriebe 3 zu bewegenden
Masse. Bis kurz vor Erreichen der maximalen Geschwindigkeit v1 kann darum mit der
Beschleunigung des zweiten Kontaktstücks 2 gewartet werden. Das erste Kontaktstück
1 verbleibt nach Erreichen seiner maximalen Geschwindigkeit bis zu einem Abbrems-Vorgang
am Ende des Ausschaltvorganges auf dieser Geschwindigkeit.
[0070] Durch den feststehenden Kolben 1 5 wird das Volumen des Kompressionsraum reduziert,
und das Ventil 12 lässt Löschgas in den Heizraum 10 fliessen. Dann findet während
einer Phase hoher oder maximaler Relativgeschwindigkeit v12 die Kontakttrennung unter
Zündung eines Lichtbogens 4 statt. Es ist möglich, dass die Kontakttrennung kurz (einige
Millisekunden) vor oder nach dem Erreichen der maximalen Relativgeschwindigkeiten
stattfindet.
[0071] Der Lichtbogen 4 führt zur Erhitzung von Löschgas und löst im Engnis 6 Abbrandmaterial
aus der Isolierdüse 5 heraus. Vermittelst des Ringkanals 7 wird auf diese Weise ein
Überdruck im Heizraum 11 erzeugt. Ab einer durch das Ventil 12 vorgebbaren Druckdifferenz
zwischen dem Heizraum 11 und dem Kompressionsraum 10, beispielsweise wenn im Heizraum
11 ein grösserer Druck herrscht als im Kompressionsraum 10, schliesst das Ventil 12.
Das später aus dem Heizraum 11 und gegebenenfalls auch aus dem Kompressionsraum 10
durch den Heizraum 11 dann durch den Kanal 7 in die zwischen den beiden Kontaktstücken
1,2 angeordnete Löschstrecke fliessende Löschgas dient dann der Löschung des Lichtbogens
4.
[0072] Nachdem das dem ersten Lichtbogenkontaktstück 1 zugewandte Ende des zweiten Lichtbogenkontaktstücks
2 den grössten Teil (ca. 80%) der Länge des Engnisses 6 mit maximaler Geschwindigkeit
v2 (und somit während Vorliegens der maximalen Relativgeschwindigkeit v
12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke) durchquert hat, verringert sich v2 wieder. Das
zweite Kontaktstück 2 kommt zum Stillstand und bewegt sich, nachdem es das Engnis
6 freigegeben hat, in Richtung z1 und somit parallel zu (gleichgerichtet mit) dem
ersten Kontaktstück 1. Nach dieser Bewegungsrichtungsumkehr erreicht das zweite Kontaktstück
2 bald die gleiche Geschwindigkeit wie das erste Kontaktstück 1.
[0073] Sobald das Engnis 6 vom zweiten Kontaktstück 2 nicht mehr zumindest teilweise verdämmt
ist, kann Löschgas durch den Kanal 7 nicht nur durch das tulpenförmige erste Kontaktstück
1 (in Richtung z1), sondern auch (in nennenswertem Masse) durch das Engnis 6 und am
stiftförmigen zweiten Kontaktstück 2 vorbei (in Richtung z2) abströmen.
[0074] Durch das Geschwindigkeitsverhältnis v1/v2 von im wesentlichen 1:1 bei gleichsinniger
Bewegung der beiden Kontaktstücke 1,2 kann ein Abstand d zwischen dem zweiten, vorteilhaft
stiftartig ausgebildeten Kontaktstück 2 und dem Engnis 6 im wesentlichen konstant
gehalten werden. Dieser Abstand d ist derart gewählt, dass bei einer Löschgasströmung
durch das Engnis 6 zum Verdämm-Kontaktstück 2 (in Richtung z2) die maximale Strömungsgeschwindigkeit
seitlich (also radial) neben dem Verdämm-Kontaktstück 2 liegt, und insbesondere nicht
auf der Strecke zwischen den beiden Lichtbogenkontaktstücken 1 und 2 (oder radial
dieser Strecke benachbart). Dadurch wird eine besonders effiziente Lichtbogenbeblasung
erreicht, und ein Rückzünden des Lichtbogens wird effektiv unterbunden. Der Abstand
d wird als d ≈ (0.7±0.2)×D gewählt, wobei D der Durchmesser des Engnisses 6 (an seinem
z2-seitigen Ende) ist. Wäre der Öffnungswinkel α kleiner als 45°, so würde der Abstand
d vorteilhaft näherungsweise als d ≈ (0.7±0.2)×D / tan α gewählt.
[0075] Wenn durch das Getriebe 3 ein Geschwindigkeitsverhältnis v1/v2 von 1:1 (nach der
Bewegungsrichtungsumkehr) vorgegeben ist, kann der Abstand d und damit auch die entsprechenden
Strömungsverhältnisse auch dann eingehalten werden, wenn der Schalter in die Dämpfung
geht, also die Kontaktstücke 1,2 durch einen Dämpfungsmechanismus abgebremst werden.
Gegen Ende eines Ausschaltvorganges kommt es oft auch zu einem durch die Druckverhältnisse
in dem Heizraum 11 und/oder dem Kompressionsraum 10 hervorgerufenen Rücklauf des ersten
Kontaktstücks 1. Auch durch einen derartigen Rücklauf kann bei der Wahl eines Geschwindigkeitsverhältnisses
v1/v2 von 1:1 der Abstand d nicht verändert werden. Insofern können optimale Strömungsverhältnisse
bis ans Ende der Ausschaltbewegung beibehalten und dadurch eine sichere Lichtbogenlöschung
ohne Rückzünden sichergestellt werden. Durch das Geschwindigkeitsverhältnis v1/v2
von 1:1 ist auch der Abstand zwischen den beiden Kontaktstücken 1 und 2 konstant,
so dass die elektrische Feldverteilung konstanthaltbar ist.
[0076] Durch ein Geschwindigkeitsverhältnis v1/v2 von etwa 1:1 nach der Bewegungsrichtungsumkehr
ist es möglich, die Belastung der Dämpfungseinrichtung zu verringern oder eine weniger
aufwendige Dämpfungseinrichtung einzusetzen, da ein längerer Dämpfungshub (längere
Strecke, während der die Bewegungen abgebremst werden) vorgesehen werden kann. Denn
nach einem frühen Erreichen eines ausreichenden (typischerweise nahezu maximalen)
Abstandes zwischen den Lichtbogenkontaktstücken kann das Abbremsen der Kontaktstücke
bereits beginnen, da der Kontaktstück-Abstand durch die 1:1-Übersetzung konstantgehalten
wird. Für ein Geschwindigkeitsverhältnis v1 /v2, das nahe bei eins liegt, gilt im
Prinzip das gleiche, wobei jedoch kleine Veränderungen des Kontaktstück-Abstandes
vorkommen.
[0077] Die Figs. 2 und 3 zeigen die Bewegungen der Kontaktstücke 1,2 nur bis kurz nach dem
Einsatz der Dämpfung. Mit P1 ist eine erste Phase bezeichnet, während welcher bei
entgegengesetzter Bewegung der beiden Kontaktstücke 1,2 eine maximale Relativgeschwindigkeit
v12 vorliegt. Diese beträgt im dargestellten Fall v
12,max ≈ 20 m/s. Mit P2 ist eine zweite Phase bezeichnet, während welcher bei gleichgerichter
Bewegung der beiden Kontaktstücke 1,2 nach Freigabe des Engnisses ein Geschwindigkeitsverhältnis
v1/v2 von etwa 1:1 vorliegt. In den Figs. 2 und 3 fällt das Ende der zweiten Phase
P2 mit dem Einsatz der Dämpfung zusammen.
[0078] Wie dem rechten Teil vom Fig. 1 zu entnehmen ist (in Aufsicht), ist ein Hebel 8 an
einem ersten Ende mittels eines Bolzens 16 an dem zweiten Kontaktstück 2 drehbar gelagert.
An dem zweiten Ende des Hebels 8 ist der Hebel 8 mittels eines Bolzens 17 an einem
Schenkel eines Winkelhebels 9 drehbar gelagert. Der zweite Schenkel des Winkelhebels
9 ist mittels eines Bolzens 18 in einer Kulissenscheibe 14 geführt. Der Winkelhebel
9 ist mittels eines ortsfesten, beispielsweise am Gehäuse des Hochleistungsschalters
befestigten Bolzens 19 drehbar gelagert. Wie mittels einer Wirklinie W symbolisiert,
ist die Bewegung der Kulissenscheibe 14 (vorzugsweise starr) an die Bewegung des ersten
Kontaktstücks 1 gekoppelt.
[0079] Durch die mit dem Antrieb verbundene Kulissenscheibe 14 wird also über einen Hebelmechanismus
die Bewegung des zweiten Kontaktstücks 2 gesteuert. Das Getriebe 3 kann eine lineare
Bewegung (des Antriebes) mit konstanter Geschwindigkeit umsetzen in eine Bewegung
mit Bewegungsrichtungsumkehr. Durch geeignete Wahl der Hebellängen und - winkel ist
ein gewünschtes Geschwindigkeitsprofil für das zweite Kontaktstück 2 wählbar.
[0080] Das Getriebe 3 kann, wie in Fig. 1 dargestellt, symmetrisch aufgebaut sein, was zu
einer günstigeren Kräfteverteilung und grösserer Stabilität führt.
[0081] Durch die Reduktion der Geschwindigkeit v2 des zweiten Kontaktstücks 2 am Ende der
Ausschaltbewegung kann die Belastung einer die Bewegung der Kontaktstücke abbremsenden
Dämpfungseinrichtung verringert werden, da eine geringere Bewegungsenergie absorbiert
werden muss.
[0082] Die Geschwindigkeit v1 des ersten Kontaktstücks 1 kann nach der anfänglichen Bescheunigung
typischerweise zwischen 3 m/s und 10 m/s betragen, beispielsweise 5 m/s. Die Geschwindigkeit
v2 des zweiten Kontaktstücks 1 kann im Maximum typischerweise 10 m/s bis 20 m/s betragen,
beispielsweise 15 m/s. Das maximale Geschwindigkeitsverhältnis v1 /v2 (bei entgegengesetzter
Bewegung) kann zwischen 1 :2.4 und 1 :3.5 betragen, beispielsweise 1:3. Dadurch können
entsprechend grosse Relativgeschwindigkeiten v12 zwischen typischerweise 15 m/s, 20
m/s und mehr erreicht werden, die eine rasche Freigabe des Engnisses 6 und eine effiziente
Lichtbogenbeblasung durch Bereitstellung eines grossen Löschgasdruckes innerhalb kurzer
Zeit ermöglichen. Ein grosser Abstand zwischen den Kontaktstücken 1 und 2 (Isolierstrecke)
kann innerhalb sehr kurzer Zeit erreicht werden.
[0083] Mit Vorteil ist das Engnis 6 und auch das zweite Kontaktstück 2 im wesentlichen zylindrisch
ausgebildet. Der Durchmesser des jeweiligen Zylinders (des Engnisses oder des zweiten
Kontaktstücks) muss nicht völlig konstant sein und kann leicht variieren. Abweichungen
von einem kreisförmigen Querschnitt zu beispielsweise elliptischen Querschnitten sind
möglich.
[0084] Wenn das Engnis eine grosse Länge (axiale Erstreckung) aufweist, kann auf diese Weise
eine sehr grosse Oberfläche der Isolierdüse dem Lichtbogen ausgesetzt werden, wodurch
grosse Mengen Materials aus der Isolierdüse verdampft werden können, so dass eine
effiziente Lichtbogenbeblasung erreicht wird. Insbesondere können Engnis-Längen von
mehr als 40 mm, vorteilhaft mehr als 50 mm und mehr als 60 mm eingesetzt werden.
[0085] Ein entsprechender Hochleistungsschalter kann für Nennkurschlussströme von über über
40 kA oder über 50 kA bei Nennspannungen von über 170 kV oder über 200 kV ausgelegt
sein.
Bezugszeichenliste
[0086]
- 1
- erstes Lichtbogenkontaktstück
- 2
- zweites Lichtbogenkontaktstück, Verdämm-Kontaktstück
- 3
- zweiter Antrieb, Hilfsantrieb, Getriebe
- 4
- Lichtbogen
- 5
- Isolierdüse
- 6
- Engnis
- 7
- Kanal, Ringkanal
- 8
- Hebel
- 9
- Winkelhebel
- 10
- Kompressionsraum
- 11
- Heizraum
- 12
- Ventil
- 13
- Hilfsdüse
- 14
- Kulisse, Kulissenscheibe
- 15
- Kolben
- 16,17,18
- Bolzen, drehbare Lagerung
- 19
- fixierter Bolzen, drehbare Lagerung
- 21
- Bereich, (im Radius) erweiterter Bereich
- A
- Achse, Symmetrieachse
- b,b'
- Parameter
- d
- Abstand
- D
- Durchmesser, radiale Abmessung
- k
- Faktor
- P1
- Phase
- P2
- Phase
- v1
- Geschwindigkeit des ersten Kontaktstücks
- v2
- Geschwindigkeit des zweiten Kontaktstücks
- v12
- Relativgeschwindigkeit der Kontaktstücke
- v12,c
- für kapazitives Schalten minimal notwendie Relativgeschwindigkeit der Kontaktstücke
- v12,max
- maximale Relativgeschwindigkeit der Kontaktstücke
- W
- Wirklinie
- z
- Weg-Koordinate
- z1
- Richtung
- z2
- Richtung
- α'
- Winkel
- α
- Öffnungswinkel
1. Schaltkammer für einen mit einem Löschgas befüllbaren Hochleistungsschalter, mit einem
ersten Lichtbogenkontaktstück (1) und einem zweiten Lichtbogenkontaktstück (2), von
denen mindestens eines (1;2) mittels eines Antriebs bewegbar ist, mit einem gegebenenfalls
zwischen den Lichtbogenkontaktstücken (1,2) brennenden Lichtbogen (4), mit einem Heizraum
(11) zur Zwischenspeicherung von durch den Lichtbogen (4) aufgeheiztem Löschgas, und
mit einer Isolierdüse (5), welche zur Führung einer Löschgasströmung ein mit dem Heizraum
(11) verbundenes Engnis (6) aufweist,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Schaltkammer derart ausgelegt ist, dass während eines Ausschaltvorgangs eine maximale
Relativgeschwindigkeit v12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke (1,2) zueinander mindestens 1.3 mal so gross ist
wie eine zum kapazitiven Schalten notwendige Relativgeschwindigkeit v12,c der beiden Lichtbogenkontaktstücke (1,2).
2. Schaltkammer gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schaltkammer derart ausgelegt ist, dass während eines Ausschaltvorgangs die maximale
Relativgeschwindigkeit v12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke (1,2) zueinander mindestens 1.5 mal so gross ist
wie die zum kapazitiven Schalten notwendige Relativgeschwindigkeit v12,c der beiden Lichtbogenkontaktstücke (1,2).
3. Schaltkammer gemäss einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Schaltkammer derart ausgelegt ist, dass, wenn sie in einem einkammerigen Hochleistungsschalter
eingebaut ist, für die maximale Relativgeschwindigkeit v
12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke (1,2) zueinander während eines Ausschaltvorgangs
gilt:

wobei
U
N die Nennspannung des Hochleistungsschalters,
p der Polfaktor des Hochleistungsschalters,
E
krit die Einsatzfeldstärke für Entladungen des Löschgases, und
po der Fülldruck des Löschgases ist, und
f die Hochspannungsnetzfrequenz ist, für die die Schaltkammer ausgelegt ist.
4. Schaltkammer gemäss einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Schaltkammer derart ausgelegt ist, dass für die maximale Relativgeschwindigkeit
v
12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke zueinander während eines Ausschaltvorgangs (1,2)
gilt:

insbesondere
5. Schaltkammer gemäss einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Schaltkammer derart ausgelegt ist, dass beide Lichtbogenkontaktstücke (1,2) bewegbar
sind, und dass während einer Phase (P1) entgegengesetzter Bewegung der Lichtbogenkontaktstücke
(1,2) ein Verhältnis v1/v2 der Geschwindigkeit v1 des ersten Lichtbogenkontaktstückes
(1) zu der Geschwindigkeit v2 des zweiten Lichtbogenkontaktstückes (2) von v1/v2 ≤
1:2.4, insbesondere von v1/v2 ≤ 1:2.8, erreicht wird.
6. Schaltkammer gemäss einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein Kompressionsraum (10) vorhanden ist, dessen Volumen während eines Ausschaltvorganges
verringert wird.
7. Schaltkammer gemäss Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Kompressionsraum (10) von dem Heizraum (11) verschieden ist, und dass ein Ventil
(12) zwischen dem Kompressionsraum (10) und dem Heizraum (11) vorgesehen ist.
8. Schaltkammer gemäss einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass beide Lichtbogenkontaktstücke (1,2) bewegbar sind, und dass ein erster Antrieb zum
Antreiben des ersten Lichtbogenkontaktstücks (1) und ein zweiter Antrieb (3) zum Antreiben
des zweiten Lichtbogenkontaktstücks (2) vorgesehen ist.
9. Schaltkammer gemäss Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Antrieb (3) ein durch den ersten Antrieb antreibbares Getriebe (3) ist.
10. Schaltkammer gemäss Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Isolierdüse (5) mittels des ersten Antriebes antreibbar ist.
11. Schaltkammer gemäss einem der Ansprüche 8-10, dadurch gekennzeichnet, dass die Schaltkammer derart ausgelegt ist, dass in einer Phase (P2) während einer gleichgerichteten
Bewegung der Lichtbogenkontaktstücke (1,2) für das Verhältnis v1 /v2 der Geschwindigkeit
v1 des ersten Lichtbogenkontaktstückes (1) zu der Geschwindigkeit v2 des zweiten Lichtbogenkontaktstückes
(2) gilt: 0.4 ≥ v1/v2 ≥ 1.2, insbesondere 0.75 ≥ v1/v2 ≥ 1:1.1 5.
12. Schaltkammer gemäss einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Schaltkammer derart ausgelegt ist, dass während eines Ausschaltvorgangs, nach
der Kontakttrennung und während eine Löschgasströmung entlang einer Achse (A) durch
das Engnis (6) in Richtung (z2) des zweiten Lichtbogenkontaktstücks (2) möglich ist,
ein parallel zu der Achse (A) gemessener Abstand d zwischen dem Engnis (6) und dem
zweiten Lichtbogenkontaktstück (2) derart gewählt ist, dass die Strömungsgeschwindigkeit
der Löschgasströmung in einem solchen Bereich maximal ist, der bezüglich der Achse
(A) radial seitlich neben dem zweiten Lichtbogenkontaktstück (2) und/oder innerhalb
des zweiten Lichtbogenkontaktstücks (2) angeordnet ist.
13. Schaltkammer gemäss einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass das Engnis (6) im wesentlichen als ein Zylinder ausgebildet ist, und dass die Schaltkammer
derart ausgelegt ist, dass während eines Ausschaltvorgangs, nach der Kontakttrennung
und während einer Löschphase, in der eine Löschgasströmung entlang einer Achse (A)
durch das Engnis (6) in Richtung (z2) des zweiten Lichtbogenkontaktstücks (2) möglich
ist, ein parallel zu der Achse (A) gemessener Abstand d zwischen dem Engnis (6) und
dem zweiten Lichtbogenkontaktstück (2) derart gewählt ist, dass

gilt, wobei D der Durchmesser des Zylinders nahe dem während der Löschphase dem zweiten
Lichtbogenkontaktstück (2) zugewandten Ende des Zylinders ist, und wobei α gleich
einem Öffnungswinkel α eines an das Engnis (6) anschliessenden, erweiterten Bereiches
(21) ist, und wobei für den Parameter b' gilt: b'= b - F/F', wobei F' der Flächeninhalt
der bezüglich der Achse (A) radial angeordneten Querschnittsfläche einer gegebenenfalls
in dem zweiten Kontaktstück (2) vorgesehenen Öffnung zum Abströmen von Löschgas ist,
und wobei für den Parameter b gilt:

insbesondere
14. Schaltkammer gemäss Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass die genannte Bedingung für die Wahl des Abstandes d während mindestens 10 ms, insbesondere
während mindestens 35 ms erfüllt ist.
15. Schaltkammer gemäss einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das zweite Lichtbogenkontaktstück (2) stiftartig ausgebildet ist.
16. Schaltkammer gemäss einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Engnis (6) durch eines der beiden Lichtbogenkontaktstücke (1;2), das als Verdämm-Kontaktstück
(2) bezeichnet wird und bewegbar ist, zumindest teilweise verdämmbar ist, und dass
die Schaltkammer derart ausgelegt ist, dass es während eines Ausschaltvorganges eine
Zeitspanne gibt, während der eine Bewegungsrichtung (z2) des Verdämm-Kontaktstücks
(2) unverändert bleibt und die maximale Relativgeschwindigkeit v12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke zueinander erreicht wird, und wobei diese Zeitspanne
mindestens andauert, bis das Engnis (6) nicht mehr durch das Verdämm-Kontaktstück
(2) zumindest teilweise verdämmt ist.
17. Schaltkammer gemäss einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Engnis (6) durch eines der beiden Lichtbogenkontaktstücke (1;2), das als Verdämm-Kontaktstück
(2) bezeichnet wird und bewegbar ist, zumindest teilweise verdämmbar ist, und dass
die Schaltkammer derart ausgelegt ist, dass während eines Ausschaltvorgangs eine Bewegungsrichtungsumkehr
des mindestens einen bewegbaren Lichtbogenkontaktstücks (2) stattfindet, wenn das
Engnis (6) nicht mehr durch das Verdämm-Kontaktstück (2) zumindest teilweise verdämmt
ist.
18. Hochleistungsschalter, dadurch gekennzeichnet, dass der Hochleistungsschalter mindestens eine Schaltkammer gemäss einem der vorangegangenen
Ansprüche aufweist.
19. Verfahren zum Ausschalten einer Schaltkammer für einen mit einem Löschgas befüllbaren
Hochleistungsschalter, mit einem ersten Lichtbogenkontaktstück (1) und mit einem zweiten
Lichtbogenkontaktstück (2), mit mindestens einem Antrieb und mit einer ein Engnis
(6) aufweisenden Isolierdüse (5), wobei mindestens eines der beiden Lichtbogenkontaktstücke
(1,2) mittels des Antriebs bewegt wird, wobei eine Kontakttrennung stattfindet und
ein zwischen den Lichtbogenkontaktstücken (1,2) brennender Lichtbogen (4) gezündet
wird, durch den Löschgas aufgeheizt wird, wobei das aufgeheizte Löschgas zwischengespeichert
und zur Beblasung des Lichtbogens (4) durch das Engnis (6) geführt wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
während eines Ausschaltvorgangs eine maximale Relativgeschwindigkeit v12,max der beiden Lichtbogenkontaktstücke (1,2) zueinander erreicht wird, die mindestens
1.3 mal so gross ist wie eine zum kapazitiven Schalten notwendige Relativgeschwindigkeit
v12,c der beiden Lichtbogenkontaktstücke (1,2).