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EP 1 632 588 A1 |
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EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG |
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Veröffentlichungstag: |
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08.03.2006 Patentblatt 2006/10 |
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Anmeldetag: 23.08.2004 |
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Internationale Patentklassifikation (IPC):
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Benannte Vertragsstaaten: |
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AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IT LI LU MC NL PL PT RO SE SI SK TR
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Benannte Erstreckungsstaaten: |
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AL HR LT LV MK |
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Anmelder: WMF WÜRTTEMBERGISCHE METALLWARENFABRIK AG |
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73309 Geislingen/Steige (DE) |
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Erfinder: |
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- Fehse, Hans-Friedrich, Dr. Ing.
73326 Deggingen (DE)
- Schweizer, Wolfgang
73337 Bad Überkingen (DE)
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Vertreter: Grünecker, Kinkeldey,
Stockmair & Schwanhäusser
Anwaltssozietät |
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Maximilianstrasse 58 80538 München 80538 München (DE) |
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Bemerkungen: |
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Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 86 (2) EPÜ. |
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Verfahren zum Herstellen eines Aufbewahrungsmittels |
(57) Es wird ein Verfahren zum Herstellen eines Aufbewahrungsmittels (1) für Metalle,
insbesondere für Silberteile beschrieben, das zu einem besonders effektiven, langdauemden
und unbedenklichen Anlaufschutz führt. Zu diesem Zweck wird eine Oberfläche eines
Trägers (7) mit einer Beflockung (2) und einem ein Opfermaterial enthaltendem Anlaufschutzmittel
(5) versehen.
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[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Herstellen eines Aufbewahrungsmittels
und auf ein Aufbewahrungsmittel für Metallteile, insbesondere Silberteile.
[0002] Bei Gegenständen aus Silber, aber auch aus Kupfer und anderen Buntmetallen, besteht
das Problem des sogenannten "Anlaufens", d.h. der Ausbildung einer Korrosionsschicht
bei längerer Aufbewahrung an der Luft, insbesondere infolge von Luftverunreinigungen
wie beispielsweise Schwefelverbindungen oder dgl.
[0003] Es wurden deshalb schon einige Versuche unternommen, Aufbewahrungsmittel für anlaufanfällige
Metallteile vorzuschlagen, die ein Anlaufen verhindern oder zumindest stark verlangsamen.
So beschreibt beispielsweise die DE-C-198 34 226 ein Anlaufschutzmittel für Metallgegenstände,
das innerhalb von geschlossenen Räumen, z.B. in Verpackungen oder Schaukästen, eingesetzt
werden kann. Das bekannte Anlaufschutzmittel ist ein Dampfphasen-Korrosionsinhibitor,
dessen Wirkprinzip darauf beruht, dass er die sich durch Berührung mit der Atmosphäre
sehr schnell bildende inhärente, jedoch meistens nur begrenzt schützende Primäroxydschicht
aufrechterhält bzw. verstärkt. Die bekannten Dampfphasen-Korrosionsinhibitoren liegen
als Pulver vor und werden in geeigneter Weise in die Verpackung eingebracht. Die Wirksamkeit
derartiger Korrosionsinhibitoren steht und fällt jedoch mit ihrem Gehalt in der Dampfphase,
was unabdingbar eine Freisetzung chemischer Substanzen in die Atmosphäre bedingt.
Selbst wenn diese Inhibitoren ungiftig und unschädlich sind, ist eine derartige Freisetzung
doch vermeidbar, insbesondere dann, wenn beispielsweise Besteck oder Besteckteile
zu schützen sind. Darüber hinaus muss die Verpackung immer fest geschlossen sein,
da die Inhibitoren bei Anwesenheit der Luftschadstoffe, die ein Anlaufen verursachen,
nicht oder weniger wirksam sind.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Herstellen eines Aufbewahrungsmittels
aufzuzeigen, mit dem Metallteile wirksam und unbedenklich gegen ein Anlaufen geschützt
werden können.
[0005] Die Aufgabe wird durch das Verfahren gemäß Anspruch 1 und das Aufbewahrungsmittel
gemäß Anspruch 6 gelöst.
[0006] Durch die erfindungsgemäße Kombination eines mit einer Beflockung versehenen Aufbewahrungsmittels
und einem Anlaufschutzmittel, das ein Opfermaterial enthält, wird zum einen durch
die Beflockung eine stark vergrößerte Oberfläche zum Aufnehmen einer großen Menge
des Anlaufschutzmittels bereitgestellt. Zum anderen werden durch das durch ein Opfermaterial
wirkende Anlaufschutzmittel keine chemischen Substanzen in die Atmosphäre freigesetzt.
Das Anlaufschutzmittel ist auch wirksam, wenn laufend Luftschadstoffe Zutritt haben.
Durch die große Menge an Anlaufschutzmittel, die die Beflockung aufnehmen kann, hält
der Anlaufschutz trotzdem sehr lange vor.
[0007] Das Anlaufschutzmittel wird bevorzugt durch Tauchen aufgebracht, da damit eine besonders
gleichmäßige und intensive Verteilung des Anlaufschutzmittels erreicht wird.
[0008] Besonders bevorzugt wird zum Aufbringen des Anlaufschutzes ein Spülbad, insbesondere
das Spülbad eines Färbeverfahrens für den Flock eingesetzt, so dass zum Aufbringen
des Anlaufschutzmittels kein gesonderter Verfahrensschritt notwendig ist.
[0009] Das Anlaufschutzmittel sollte im Hinblick auf einen besonders hohen Dissoziationsgrad
des Opfermaterials im Tauchbad ausgewählt werden, da dadurch eine besonders feine
Verteilung und eine ionogene Form mit einer besonders hohen Reaktionsbereitschaft
erreicht wird.
[0010] Zum Schutz von Silber oder Buntmetallen wird bevorzugt als Opfermaterial eine Silberverbindung,
insbesondere Silbernitrat verwendet.
[0011] Ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens wird nachfolgend anhand
Fig. 1 näher erläutert.
[0012] Fig. 1 zeigt in stark schematisierter Darstellung ein beispielhaftes Verfahren zum
Herstellen eines Aufbewahrungsmittels 1 für Metallteile, insbesondere für versilberte
Teile, Teile aus Massivsilber, Teile aus Kupfer, verkupferte Teile, Teile mit Oberflächen
aus anderen Buntmetallen oder dgl. Besonders eignet sich das erfindungsgemäße Verfahren
für Besteck, Münzen, Schmuck oder dgl. Das Aufbewahrungsmittel 1 ist im dargestellten
Ausführungsbeispiel schalenförmig ausgebildet und kann beispielsweise als Einsatz
für eine Umverpackung oder direkt als Verpackung oder Aufbewahrungsbehältnis dienen.
Das Aufbewahrungsmittel 1 kann jedoch auch als Tuch zum Einwickeln oder Abdecken oder
dgl. ausgebildet sein.
[0013] Das erfindungsgemäße Aufbewahrungsmittel wird bevorzugt durch eine einfache Abwandlung
eines herkömmlichen Beflockungsverfahrens hergestellt. Gemäß Fig. 1 wird bei einem
beispielhaften, herkömmlichen Beflockungsverfahren zunächst eine ausreichende Menge
Flock bereitgestellt, bestehend aus äußerst kurzen, nicht mehr verspinnbaren oder
verwebbaren Fasern, die eine Länge zwischen 0,5 bis 2 mm haben können. Der beim erfindungsgemäßen
Verfahren eingesetzte Flock hat bevorzugt eine Faserlänge zwischen 1 mm und 1,5 mm.
Der Flock kann aus Baumwollfasern, Viskosefasern, Polyamidfasern oder anderen geeigneten
Fasern oder Filamenten hergestellt werden.
[0014] Der Flock 2 wird zunächst in einer üblichen Färbeeinrichtung 3 eingefärbt und anschließend
in Wasser gespült, was in einem oder mehreren Tauchbädern 4 geschieht.
[0015] Abweichend vom herkömmlichen Verfahren wird beim erfindungsgemäßen Verfahren in das
einzige oder bevorzugt das letzte Tauchbad 4 ein Anlaufschutzmittel 5 zugegeben. Das
Anlaufschutzmittel 5 liegt im Tauchbad 4 in wässriger Lösung vor und enthält ein Opfermaterial,
wobei bevorzugt das Opfermaterial den einzigen Bestandteil des Anlaufschutzmittels
bildet. Das Anlaufschutzmittel kann jedoch gegebenenfalls noch Zusätze enthalten,
um beispielsweise die Benetzung zu verbessem oder dgl. Unter dem Begriff "Opfermaterial"
soll ein Material verstanden werden, das eine größere chemische Reaktionsbereitschaft
als das zu schützende Metall gegen den speziellen Schadstoff zeigt, gegen den das
Metall durch das Anlaufschutzmittel geschützt werden soll. So wird beispielsweise
Silber primär durch Schwefelverbindungen, insbesondere Schwefelwasserstoff, in der
Luft angegriffen, wodurch sich die bekannte graue oder schwarze Anlaufschicht bildet.
Als Opfermaterial eignet sich demzufolge besonders eine Silberverbindung, und insbesondere
Silbemitrat, das einen hohen Dissoziationsgrad aufweist und somit in ionogener Form
vorliegt. In dieser Form weist das Silbernitrat eine hohe Reaktionsfläche auf und
ist somit wesentlich reaktionsbereiter als metallisches Silber oder die üblichen metallischen
Silberlegierungen.
[0016] Das Anlaufschutzmittel 5 wird in ausreichender Menge zugegeben, um möglichst und
im Wesentlichen die gesamte Oberfläche jeder Faser des Flocks 2 mit der wässrigen
Lösung des Anlaufschutzmittels zu tränken und mit Anlaufschutzmittel zu besetzen.
Zweckmäßige Mengen sind beispielsweise bis zu 6 kg auf 130 kg Flock. Wird weniger
Anlaufschutzmittel verwendet, so beeinträchtigt dies nicht die generelle Schutzwirkung;
nur die Zeitdauer des vollen Schutzes wird verringert.
[0017] Anschließend wird der mit Anlaufschutzmittel 5 getränkte Flock 2 in einer Trocknungseinrichtung
6 getrocknet und ist fertig zur Weiterverarbeitung.
[0018] Bei einer bevorzugten Weiterverarbeitung wird ein Träger 7 bereitgestellt. Der Träger
7 kann jedes geeignete Bahn- oder Plattenmaterial sein, ist jedoch bevorzugt eine
Polystyrolbahn und wird beispielsweise von einem Coil abgewickelt. Auf den Träger
7 wird mit Hilfe einer Auftragseinrichtung 8 ein Klebstoff 9 aufgebracht und durch
eine Rakel 10 zu einer gleichmäßig dicken Schicht egalisiert. Dann durchläuft der
mit Klebstoff 9 beschichtete Träger 7 die insgesamt mit 11 bezeichnete Beflockungseinrichtung,
die einen ersten Beflockungsschacht 12 aufweist. In diesen Beflockungsschacht wird
der mit Anlaufschutzmittel getränkte und getrocknete Flock 2 eingeblasen, wobei die
Fasern mit Hilfe einer Beflockungselektrode 13 senkrecht zum Träger 7 ausgerichtet
werden. In einem weiteren Schacht 14 wird mit einer gegenpoligen Elektrode 15 nicht
haftender Flock ausgetrieben und über eine Saugeinrichtung 16 entfemt. Anschließend
kann der mit Klebstoff versehene und beflockte Träger 7 eine weitere Trocknungseinrichtung
17 durchlaufen, um den Klebstoff auszuhärten. Anschließend wird in einer Tiefzieheinrichtung
18 der beflockte Träger 7 geschnitten und zum Aufbewahrungsmittel 1 tiefgezogen.
[0019] In Abwandlung des beschriebenen und gezeichneten Ausführungsbeispiels kann beispielsweise
das Anlaufschutzmittel auch aufgesprüht oder gestrichen werden. Obwohl die Verwendung
eines Spülbads als Tauchbad besonders zweckmäßig ist, da dadurch ein weiterer Arbeitsschritt
eingespart wird, ist es durchaus möglich, ein gesondertes Tauchbad einzig zum Aufbringen
des Anlaufschutzmittels einzusetzen oder ein weiteres eventuell im Verlaufe des Verfahrens
notwendig werdendes Tauchbad analog dem Spülbad beim Färben doppelt zu nutzen. Der
Flock kann nach jedem bekannten Verfahren aufgebracht werden. Es ist weiterhin nicht
unbedingt notwendig, dass das Verfahren, insbesondere im Bereich der Beflockungseinrichtung,
kontinuierlich verläuft. So ist es beispielsweise möglich auch bereits vorgeformte
und vorgeschnittene Träger nachträglich zu beflocken. Statt Silbernitrat kann beispielsweise
auch Silbersulfat als Opfermaterial eingesetzt werden. Sollen andere Metalle gegen
Schwefelverbindungen oder soll gegen andere Schadstoffe geschützt werden, so kann
auch das Opfermaterial ein anderes sein.
1. Verfahren zum Herstellen eines Aufbewahrungsmittels (1) für Metallteile, insbesondere
Silberteile, wobei eine Oberfläche eines Trägers (7) mit einer Beflockung (2) und
einem ein Opfermaterial enthaltendem Anlaufschutzmittel (5) versehen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Beflockung (2) in einem Tauchbad (4) mit dem Anlaufschutzmittel (5) getränkt
wird.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Tauchbad (4) ein Spülbad eines Färbeverfahrens ist.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Opfermaterial im Tauchbad (4) einen hohen Dissoziationsgrad aufweist.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass als Opfermaterial eine Silberverbindung, insbesondere Silbernitrat verwendet wird.
6. Aufbewahrungsmittel (1) für Metallteile, insbesondere Silberteile, mit einer beflockten
Oberfläche, wobei die Beflockung (2) ein Anlaufschutzmittel (5) mit einem Opfermaterial
enthält.
7. Aufbewahrungsmittel nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Opfermaterial in chemisch reaktionsbereiter, insbesondere ionogener Form vorliegt.
8. Aufbewahrungsmittel nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Opfermaterial eine Silberverbindung, insbesondere Silbernitrat enthält.
9. Aufbewahrungsmittel nach einem der Ansprüche 6 bis 8, gekennzeichnet durch eine Trägerplatte (7), insbesondere aus Polystyrol, mit einer mit dem Anlaufschutzmittel
(5) getränkten Beflockung (2).
10. Aufbewahrungsmittel nach einem der Ansprüche 6 bis 9, gekennzeichnet durch seine Ausbildung als Verpackung, insbesondere für Besteckteile.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 86(2) EPÜ.
1. Verfahren zum Herstellen eines Aufbewahrungsmittels (1) für Metallteile, insbesondere
Silberteile, wobei eine Oberfläche eines Trägers (7) mit einer Beflockung (2) und
einem ein Opfermaterial enthaltendem Anlaufschutzmittel (5) versehen wird,
gekennzeichnet durch die folgenden Schritte:
- Bereitstellen einer Menge eines Flocks (2);
- Bereitstellen eines Tauchbades (4) mit einer wässrigen Lösung des Anlaufschutzmittels
(5);
- Eintauchen des Flocks (2) in das Tauchbad (4) zum Tränken des Flocks (2) mit dem
Anlaufschutzmittel (5);
- Trocknen des Flocks (2); und
- Aufbringen des Flocks (2) auf den Träger (7).
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Tauchbad (4) ein Spülbad eines Färbeverfahrens ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Opfermaterial im Tauchbad (4) einen hohen Dissoziationsgrad aufweist.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass als Opfermaterial eine Silberverbindung, insbesondere Silbernitrat verwendet wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Opfermaterial in chemisch reaktionsbereiter, insbesondere ionogener Form vorliegt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass als Träger (7) eine Trägerplatte, insbesondere aus Polystyrol, verwendet wird.
7. Aufbewahrungsmittel (1) für Metallteile, insbesondere Silberteile, mit einem mit
einer beflockten Oberfläche versehenen Träger (7), wobei die Beflockung (2) ein Anlaufschutzmittel
(5) mit einem Opfermaterial enthält, dadurch gekennzeichnet, dass die Beflockung (2) vor dem Aufbringen auf den Träger (7) mit einer wässrigen Lösung
des Anlaufschutzmittels (7) getränkt wurde.
8. Verpackung für Metallteile, insbesondere silberne Besteckteile, mit einem schalenförmigen
Träger (7) aus einer Polystyrolbahn oder -platte, der eine beflockte Oberfläche aufweist,
wobei die Beflockung (2) ein Anlaufschutzmittel (5) mit einem Opfermaterial enthält,
und wobei die Beflockung (2) vor dem Aufbringen auf den Träger (7) mit einer wässrigen
Lösung des Anlaufschutzmittels (7) getränkt wurde.
9. Tuch zum Einwickeln oder Abdecken von Metallteilen, insbesondere Silberteilen, mit
einer beflockten Oberfläche, wobei die Beflockung (2) vor dem Aufbringen auf den Träger
(7) mit einer wässrigen Lösung des Anlaufschutzmittels (7) getränkt wurde.
