[0001] Die Erfindung betrifft eine Fülleinrichtung zum Auffüllen von Bohrflüssigkeit in
Bohrgestänge oder in Bohrzüge eines Bohrstrangs, wie sie bei Erdöl- oder Erdgasbohrungen
Verwendung finden und ein Verfahren zu deren Betrieb.
[0002] Beim Betrieb von Bohreinrichtungen zum Tiefbohren, insbesondere zur Erschließung
von Erdöl- oder Erdgaslagerstätten werden Bohrverfahren angewendet, bei denen Bohrflüssigkeit
in bestimmten Zusammensetzungen in das Bohrgestänge eines Bohrstrang eingefüllt und
zum Bohrkopf geleitet werden. Dazu sind die einzelnen Bohrgestänge hohlzylindrisch
ausgebildet und an den Enden mit Öffnungen zur Durchleitung von Bohrflüssigkeit bis
zum Bohrkopf versehen.
Mittels Pumpeinrichtung im Bereich der Plattform wird die Bohrflüssigkeit während
des Bohrvorgangs durch das Bohrgestänge in das Bohrloch geleitet und durch am Bohrkopf
angeordnete Düsen unter hohem Druck in das Bohrloch eingesprüht. Die im Bohrbetrieb
anfallenden Schneidrückstände werden dadurch kontinuierlich von den Zähnen des Schneidwerkzeuges
entfernt und dessen notwendige Kühlung gesichert.
Dabei sollte der Flüssigkeitsstand den Hohlraum des Bohrlochs möglichst vollständig
ausfüllen und bis dicht zur Oberfläche der Bohrplattform reichen. Denn neben der überaus
wichtigen Verminderung der Reibungsverluste des Bohrgestänges schützt die Bohrflüssigkeit
auch vor unkontrollierbarem Gasaustritt, so genannten Blow-outs und dient dem Transport
des Bohrkleins von der Sohle des Bohrlochs in Bohrschlammauffangvorrichtungen der
Bohrplattform.
[0003] Der Bohrstrang selbst besteht dabei aus einer Vielzahl von miteinander gekoppelten
Bohrzügen, welche wiederum mehrere Bohrgestänge umfassen.
[0004] In Abhängigkeit von dem erzielten Bohrfortschritt und der zu erreichenden Endtiefe
des Bohrlochs, muss der Bohrstrang ständig durch neue Bohrgestänge verlängert werden.
Die Bohrgestänge werden zu Bohrzügen zusammengefasst und durch den Elevator auf der
Plattform zum Bohrloch transportiert und an den Bohrstrang angekoppelt. Zur Aufrechterhaltung
des notwendigen Bohrflüssigkeitspegels im Bohrloch, was auch für eine wirkungsvolle
Zirkulation der Bohrflüssigkeit von Bedeutung ist, muss mit der Verlängerung des Bohrstrangs
auch Bohrflüssigkeit zugeführt werden.
Nach Abschluss der Bohrarbeiten wird das Bohrgestänge in den meisten Fällen aus dem
Bohrloch entfernt und Futterrohre zur Stabilisierung und Auskleidung des Bohrlochs
eingesetzt.
[0005] Insbesondere auch aus Kostengründen ist es wünschenswert, die einzelnen Arbeitsschritte
bei der Verlängerung des Bohrstrangs und der Aufrechterhaltung eines optimalen Bohrflüssigkeitspegels
im Bohrloch mit minimalem Zeitaufwand und eine bedienerfreundlichen und zuverlässigen
Technik durchzuführen.
Diesem Ziel wurden zahlreiche Entwicklungsarbeiten in der Bohrtechnik unterworfen.
Einen besonderen Schwerpunkt bilden dabei auch die in der Patentliteratur ausführlich
beschriebenen Tools und technischen Hilfseinrichtungen, welche zum Auffüllen und zum
Zirkulieren Bohrflüssigkeit verwendetet werden.
[0006] Dabei finden die konstruktive Optimierung, die störungsfreien Betriebsdauer, sowie
die verfahrenstechnische Minimierung von Umrüstzeiten der entwickelten Tools besondere
Beachtung.
[0007] So wurden beispielsweise vielfach Vorrichtungen vorgeschlagen, die eine gleichzeitige
Auffüllung des Bohrstrangs und die Zirkulation von Bohrflüssigkeit zwischen dem Bohrstrang
und dem Futterrohr erlauben. Solche bekannten Auffüllvorrichtungen sind meist in zylinderförmigen
Gehäusen, mit einem druckbetätigten und in Achsrichtung verschiebbaren Ventil zum
Öffnen und Schließen des Leitungsweges der Bohrflüssigkeit in das Bohrgestänge untergebracht.
Zur Auffüllung von Futterrohren eines Bohrstranges werden meist so genannte Füllventile
an den Bohrstrang angekuppelt und zum Teil auch in das mit Bohrflüssigkeit aufzufüllende
Futterrohr abgesenkt, wo dann die mittels Pumpe zugeführte Bohrflüssigkeit über verschieden
ausgelegte verschließbare Öffnungen und Düsen in den Ringraum zwischen Bohrstrang
und Futterrohr abgegeben wird. Das Füllventil verhindert auch den unerwünschten Rückfluss
von verunreinigter Bohrflüssigkeit, auch Bohrschlamm genannt in den Bohrstrang nach
dem Abschalten der Pumpe.
[0008] Einige technische Lösungen verwenden Werkzeuge, die vorteilhaft mit dem Topdrive
des Bohrgestells verbunden, insbesondere verschraubt werden und ebenfalls ein druckbetätigtes
Einlassventil aufweisen, dass durch die strömende Bohrflüssigkeit geöffnet wird.
So wird in der EP 929731 B1 eine sehr komplexe Füll- und Zirkuliervorrichtung für
Bohranlagen offenbart, die das abschnittsweise Auffüllen von Futterrohren in einem
Bohrloch mit Bohrflüssigkeit offenbart. Dabei wird das Bohrfluid mittels eines in
das Bohrwerkzeug eingehängtes Einfüllwerkzeug jedem einzusetzenden Futterrohr hinzugefügt.
Der Flüssigkeitseinlass erfolgt über Einlassdüsen, welche durch eine Bohrschlamm-Ventileinrichtung
gegen den aus dem Bohrloch zeitweise herausdrängenden Bohrschlamm geschützt werden.
Dieses vorbekannte Hilfswerkzeug soll auch die Zirkulation der Bohrflüssigkeit und
das Zementieren des Futterrohres im Bohrloch ermöglichen. Die zu erzielende Multifunktionsfähigkeit
bedingt dabei allerdings einen komplizierten Aufbau und eine hohe Störanfälligkeit
der Vorrichtung.
Aus der EP 774564 A2 ist ebenfalls eine Auffülleinrichtung für Bohrflüssigkeit bekannt,
welche die Bohrflüssigkeit in den freigebohrten Ringraum zwischen dem Bohrstrang und
den Wänden des Bohrlochs abgibt.
Die hier beschriebene zylinderförmige Füllvorrichtung wird mit dem Topdrive des Elevators
und dem röhrenförmigen Bohrgestänge verschraubt. Die mit einer oder mehrerer seitlich
angeordneten Auslassöffnung für die abzugebende Bohrflüssigkeit versehenen zylindrischen
Wände können durch ein zwischen zwei Positionen gleitfähigem Ventil verschlossen werden.
Die Auffülleinrichtung findet auch zum einzementieren von Futterrohren Anwendung und
muss sowohl zum Befüllen des Bohrlochs mit Bohrflüssigkeit, wie auch zum Zementieren
in das Bohrloch abgesenkt werden.
[0009] Weitere gattungsgemäße Fülleinrichtungen werden auch in der US 2002/0189814 A1 und
der EP 939193 A 2 beschrieben.
[0010] Alle diese vorbekannten Einrichtungen, sei es nun nur zum Auffüllen oder auch zum
kombinierten Auffüllen und Zirkulieren von Bohrflüssigkeit weisen zahlreiche Nachteile
auf.
So ist oft eine zeitaufwendige Prozedur zur An- und Abkopplung der vor bekannten Füllwerkzeuge
und Hilfseinrichtungen an das Bohrgestänge oder den Bohrzug notwendig, sowie ein kompliziertes
und störungsanfällige Absenken in das Bohrloch.
Auch ist mit diesen Einrichtungen kein Befüllen der anzukoppelnden Bohrzüge während
deren Einbaus in den Bohrstrang möglich.
Die mit rückgespültem Bohrschlamm verunreinigten und gleitend angeordneten Ventilteile,
sowie deren Austrittsöffnungen verstopfen und müssen zeitaufwendig gereinigt werden.
[0011] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung eine Einrichtung und ein Verfahren
zu deren Betrieb anzugeben, mit der diese Nachteile beseitigt werden und ein schnelles,
zeitsparendes und zuverlässiges Auffüllen von Bohrzügen mit Bohrflüssigkeit gewährleistet
wird.
[0012] Diese Aufgabe wird durch die erfindungsgemäße Fülleinrichtung nach den kennzeichnenden
Merkmalen des Anspruch 1 gelöst.
[0013] In den Unteransprüchen sind weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen
der Erfindung angegeben.
[0014] Die erfinderische Lösung betrifft eine Fülleinrichtung zum Auffüllen eines Bohrstranges,
von Bohrgestängen oder Bohrzügen mit Bohrflüssigkeit.
[0015] Wesentliche Bestandteile der erfinderischen Lösung sind ein zylindrischer Grundkörper,
der eine Kolbenkammer mit mindestens einer verschließbaren Einfüllöffnung für Bohrflüssigkeit
umfasst und ein Endstück zum Koppeln der Fülleinrichtung an den Topdrive (Drehantriebskopf)
des Tiefbohrstranges aufweist. Die erfinderische Fülleinrichtung ist weiterhin dadurch
gekennzeichnet, dass ein hohlzylindrischer Füllkolben zur Abgabe von Bohrflüssigkeit
in den Bohrstrang in der Kolbenkammer des zylindrischen Grundkörpers axial beweglich
gleitend angeordnet ist.
In den Hohlraum des Füllkolbens greift außerdem ein axial bewegliches Kolbenventil
ein und wirkt derart mit der Kolbenkammer zusammen, dass eine durch den Bohrflüssigkeitsdruck
bewirkte Öffnungsposition und eine durch einen externen Mediendruck, insbesondere
Druckluft bewirkte Schließpositionen einnehmbar und wirksam ist.
[0016] Die erfindungsgemäße Einrichtung wird vorzugsweise zum Auffüllen von Bohrzügen oder
Bohrgestängen mit Bohrflüssigkeit während deren Einbaus zum Nachsetzen des Bohrstrangs
verwendet.
Dazu wird die Fülleinrichtung auf der Bohrplattform in die Kopplungseinrichtung des
Elevators eingehängt und mit dem Pumpensystem für die Zuführung von Bohrflüssigkeit,
sowie einer externen Druckmedienquelle zur Betätigung des Füllventils verbunden.
Bei dieser erfindungsgemäßen Einrichtung ist es nicht notwendig die "Füllöffnung"
des Tools in das Bohrloch oder Futterrohr abzusenken oder an den Bohrstrang anzukoppeln,
was zu erheblichen Zeiteinsparungen beim Nachsetzen der Bohrgestänge führt
[0017] Einzelheiten der Erfindung sollen nun Anhand von Zeichnungen und eines Ausführungsbeispiel
näher erläutert werden.
[0018] Es zeigen:
- Fig. 1
- Die erfindungsgemäße Fülleinrichtung in der Öffnungsstellung
- Fig. 2
- Die Fülleinrichtung bei geschlossenem Füllkolben 9
[0019] Das Ausführungsbeispiel bezieht sich auf die erfindungsgemäße Fülleinrichtung und
ein Verfahren zu deren Betrieb zum Auffüllen von Bohrflüssigkeit in einen Bohrzug
der zur Verlängerung des Bohrstrangs während des Einbaus dient. In Abhängigkeit von
der zu erreichenden Bohrlochtiefe muss dieser Vorgang sehr häufig wiederholt werden.
Die Häufigkeit der zur Verlängerung des Bohrstrangs einzusetzenden und aufzufüllenden
Bohrzüge, sowie die dafür benötigte Umrüstzeit sind dabei durch die verwendete Technik
beeinflussbare Optimierungsgrößen. Die einzelnen Bohrgestänge oder die zu einem Bohrzug
zusammengefassten Bohrgestänge werden dann in den Elevator eingehängt, mit dem im
Bohrloch befindlichen Bohrstrang gekoppelt, sowie in das Bohrloch abgesenkt.
[0020] Zur Ankopplung an den Topdrive des Elevators wird die erfindungsgemäße Fülleinrichtung
mit einem zwischengesetzten Schonstück verschraubt. Dazu ist der zylindrische Grundkörper
1 der Fülleinrichtung mit einem Endstück 2 versehen, das ein mit einem entsprechenden
als Schraubengewinde ausgebildeten Kopplungsmittel aufweist (Fig. 1).
Die Fülleinrichtung verfügt weiterhin über einen Anschluss 10 für die Zuführung und
den Auslass von Druckmedien 16. Als Druckmedium wird wegen der leichten Verfügbarkeit
auf Bohrplattformen in der Regel Druckluft verwendet.
Die externe regelbare Druckluftquelle, welche insbesondere als pneumatische Steuereinheit
ausgebildet ist, wird dann mittels Druckluftschlauch mit dem Anschluss 10 der Fülleinrichtung
verbunden und gegen Verdrehung gesichert.
[0021] Das Anschlussventil 10 für die Druckluft ist über einen Druckkanal mit dem gasdicht
abgeschlossenen zylindrischen Zwischenraum zwischen der äußeren Oberfläche des Füllkolbens
9 und der inneren Oberfläche der Kolbenkammer 5 m verbunden.
[0022] Weitere erfindungswesentliche Komponenten der Fülleinrichtung sind das ebenfalls
im Grundkörper 1 angeordnete Kolbenventil 4 und der mit dem Kolbenventil zusammenwirkende
hohlzylindrische Füllkolben 9.
Das Kolbenventil 4 umfasst einen einlassseitigen Ventilteller 6, der gemeinsam mit
einem auslassseitigen Ventilstopfen 7 in einem bestimmten Abstand zueinander auf einer
Ventilführungsstange 8 angeordnet sind. Die Ventilführungsstange 8 erstreckt sich
einlassseitig durch die Einfüllöffnung 3 im Anschlag/Ventilsitz 14 und ist mit einer
Scheibe verbunden über die eine durch die zwischen der Scheibe und dem Ventilsitz
14 angeordnete Ventilrückstellfeder 11 eine Rückstellkraft zum Schließen des Ventiltellers
6 des Kolbenventils 4 ausübt.
Der am auslassseitigen Ende der Ventilführungsstange 8 angeordnete Ventilstopfen 7
ist derart dimensioniert und auf seinem Umfang mit inneren Dichtlippen versehen, dass
er in die Öffnung des hohlzylindrischen Füllkolben 9 eindringen und diese verschließen
kann.
Der röhrenförmig ausgebildete Füllkolben 9 ist selbst axial gleitend in der Kolbenkammer
5 angeordnet und einlassseitig als Ringanschlag 12 mit Nut ausgeformt, welche gas-
und mediendicht mit der Innenwand der Kolbenkammer 5 abschließt.
[0023] Im folgenden soll die Funktionsweise der erfindungsgemäßen Fülleinrichtung näher
erläutert werden.
Nach erfolgter Ankopplung der Fülleinrichtung an den Topdrive des Bohrstrangs Mittels
Schonstück (4 1/2 IF), dem Anschluss der Bohrflüssigkeitszuleitung und der Druckluft
über das Anschlussventil 10 wird der Druckluftraum zwischen äußerem Füllkolben 9 und
Innenwand der Kolbenkammer 5 entlastet, so dass sich der Füllkolben 9 in Auslassrichtung
zur Rohröffnung des Bohrzuges aus dem Grundkörper 1 herausbewegt und der Ventilstopfen
7 die Auslassöffnung des Füllkolben freigibt. An der pneumatischen Steuereinheit (nicht
dargestellt) ist der entsprechende Hebel in die Position "Piston down" zu stellen.
Nun ist die Ringpumpe für die Zuführung der Bohrflüssigkeit im Stand anzufahren und
die über einen Druckschlauch, den Topdrive und durch das Schonstück strömende Bohrflüssigkeit
öffnet gegen die Federkraft der Ventilrückstellfeder 11 den Ventilteller 6 und gibt
die Einfüllöffnung 3 der Kolbenkammer 5 frei.
[0024] So gelangt die Bohrflüssigkeit durch die Kolbenkammer 5 in die Rohröffnung des Füllkolbens
9 welche diese in den zu befüllenden Bohrzug weiterleitet.
[0025] Der Füllkolben wird beispielsweise durch einen Spülungsdruck der Bohrflüssigkeit
von ca. 9 Bar nach unten geschoben bis das interne Kolbenventil 4 den Fliessweg in
die hohle Füllkolbenstange 9 frei gibt.
[0026] Der Hub des Füllkolbens soll hier etwa 60 cm betragen. Es werden aber auch andere
Hub-Parameter entsprechend den konstruktiven Erfordernissen anderer Bohranlagen durch
diese Erfindung erfasst.
Die Füllgeschwindigkeit mit der nun der Bohrzug aufgefüllt wird, sollt vorzugsweise
250 l/min nicht übersteigen.
[0027] Nach Abschluss des Auffüllvorgangs und Abstellen der Ringpumpe schließt das Ventil
und führt zur Entleerung der Kolbenkammer 10 und des Füllkolbens.
Dazu wird den an der pneumatischen Steuereinheit angeordnete Schalthebel in die Position
"Piston up" gestellt.
Dadurch zieht sich der Füllkolben in das Kolbengehäuse zurück.
[0028] Um das Herausspritzen der Bohrflüssigkeit zu vermeiden, sollte vorzugsweise ein Zug
trocken bleiben und das zu pumpende Volumen vorher berechnet und an der Bohrflüssigkeits-Pumpeneinrichtung
eingestellt werden.
[0029] Nach Beendigung des Füllvorgangs wird die Ringpumpe auf der Bohrplattform abgeschalte,
und es erfolgt die automatische Entleerung der Kolbenkammer 5.
[0030] Durch Betätigung des Hebels "Piston up" der pneumatischen Steuereinheit wird Druckluft
über das Anschlussventil 10 in die Kolbenkammer 5 gepumpt und der Füllkolben 9 nach
oben in Richtung Einfüllöffnung 3 bewegt (Ausgangsstellung).
[0031] Durch die Schließbewegung des Füllkolbens 9 verschließt der Ventilstopfen 7 die hohle
Füllkolbenstange 9 und der Ventilteller 6 des Kolbenventils 4 wird gegen den Ventilsitz
14 gedrückt. Der Verschluss der Einfüllöffnung 3 durch den Ventilteller 6 wird auch
durch die Rückstellfeder 11 unterstützt.
[0032] Zum wirksamen und störungsfreiem Betrieb der Fülleinrichtung ist in diesem bevorzugtem
Ausführungsbeispiel ein Spülungsdruck der Bohrflüssigkeit von Mindesten 9 Bar und
eine Druckluftversorgung auf dem Ringfloor von mindestens 7 Bar vorgesehen.
[0033] Neben der leichten Bedienbarkeit und der schnellen Montage oder Demontage der Fülleinrichtung
ist auch deren dauerhaft zuverlässiger Betrieb von besonderen Vorteil. Die Verstopfungs-
und Verschmutzungsgefahr, sowie das Auftreten von Fehlfunktionen werden durch die
vorliegende konstruktive erfinderische Lösung minimiert. Sehr vorteilhaft ist auch
die zu erreichende Zeitersparnis bei der erfindungsgemäße Anwendung des Tools. So
kann beispielsweise eine Zeitersparnis von einer Minute und 50 Sekunden pro einzubauenden
dreier Zug gegenüber herkömmlichen bekannten Einfüll- und /oder Zirkuliervorrichtungen
erzielt werden. Besonders vorteilhaft ist die Verwendung einer externen Druckluftquelle
zur zuverlässigen Betätigung des Füllkolbens 9.
Hier wird nicht nur der Gegendruck der Bohrflüssigkeit zum Verschluss des Bohrstrangs
durch das Kolbenventil 4 verwendet, sondern zusätzlich eine starke pneumatische Druckkraft,
die im zylinderförmigen Hohlraum der Kolbenkammer 5 erzeugt wird.
Erfindungsgemäß erfolgt also und die Befüllung neuer Bohrzüge mit Bohrflüssigkeit
schon während deren Ankoppelung an den Bohrstrang und während deren Einbauzeitzeit.
[0034] Bezugszeichenliste
- 1
- zylindrischer Grundkörper
- 2
- Endstück des Grundkörpers mit Kopplungsmitteln
- 3
- Einfüllöffnung
- 4
- Kolbenventil
- 5
- Kolbenkammer
- 6
- einlassseitiger Ventilteller des Kolbenventils
- 7
- auslassseitiger Ventilstopfen des Kolbenventils
- 8
- Ventilführungsstange
- 9
- hohlzylindrischer Füllkolben
- 10
- Anschlussventil für Druckmedium
- 11
- Ventilrückstellfeder
- 12
- Ringanschlag mit Nut des Füllkolbens
- 13
- Dichtmittel der Füllkolbenführung
- 14
- Anschlag/Ventilsitz
- 15
- Füllkolbenführung
- 16
- Druckmedienanschluss
1. Fülleinrichtung zum Auffüllen eines Tiefbohrstranges oder eines oder mehrerer Bohrzüge
mit Bohrflüssigkeit, bestehend aus einem zylindrischen Grundkörper (1), der eine Kolbenkammer
(5) mit mindestens einer verschließbaren Einfüllöffnung (3) für Bohrflüssigkeit umschließt
und einem Endstück (2), welches Verbindungsmittel aufweist und zur Kopplung an den
Topdrive des Tiefbohrstranges dient,
dadurch gekennzeichnet, dass
ein hohlzylindrischer Füllkolben (9) zur Abgabe von Bohrflüssigkeit in den Bohrstrang
in der Kolbenkammer (5) des zylindrischen Grundkörpers (1) axial beweglich gleitend
angeordnet ist und mit einem in den Hohlraum des Füllkolbens (9) eingreifenden Kolbenventils
(4), welches ebenfalls axial beweglich in der Kolbenkammer (5) angeordnet ist, derart
zusammenwirkt, dass Öffnungs- und Schließpositionen zur Abgabe von Bohrflüssigkeit
einnehmbar sind.
2. Fülleinrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Grundkörper (1) ein Anschlussventil (10) zur Zuführung oder Entspannung flüssiger
oder gasförmiges Medien insbesondere Druckluft , in den zylindrischen Innenraum zwischen
Grundkörper (1) und Füllkolben (9) der Kolbenkammer (5) aufweist, wodurch eine druckbeaufschlagte
Bewegung des Füllkolbens (9) zwischen einer Öffnungs- und Schließstellung zu bewirken
ist.
3. Fülleinrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
sowohl der Grundkörper (1), wie auch das Füllkolben (9) Anschlagmittel (14,15), insbesondere
einen einlassseitigen Ventilsitz (14) und eine auslassseitige Füllkolbenführung (15)
aufweisen, mit deren Anordnung der Füllkolbenhub zwischen Öffnungsstellung und die
Schließstellung des Füllkolbens (9) im Grundkörper (1) fixierbar ist, wobei die Füllkolbenführung
(15) Dichtmittel (13) aufweist, welche die Anordnung flüssigkeits- und gasdicht abschließen.
4. Fülleinrichtung nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Kolbenventil (4) eine Ventilführungsstange (8) mit einem Ventilteller (6) und
in einem definierten Abstand mindestens einem Ventilstopfen (7) aufweist, welche(r)
welcher derart ausgebildet ist, dass er in dem hohlzylindrischen Innenraum des Füllkolbens
(9) flüssigkeitsdicht einführbar ist, wodurch dessen Verschluss ermöglicht wird, und
eine einlassseitig Ventilrückstellfeder (11) oberhalb des Anschlag/Ventilsitz (14)
derart angeordnet ist, dass durch deren Federkraft der einlassseitige Ventilteller
(6) gegen den Ventilsitz (14) verschließbar ist.
5. Fülleinrichtung nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Füllkolben (9) einlassseitig mit einem Ringanschlag (12) versehen ist, welcher
mindestens eine umlaufenden Nut zur Aufnahme von Dichtmitteln, insbesondere eines
O-Rings aufweist, welche das Volumen des Druckmediums von der in die Kolbenkammer
(5) strömenden Bohrflüssigkeit trennt,
wobei der in den Füllkolben (9) einführbare Ventilstopfen (7) in seinem Umfang ebenfalls
mit mindestens einem Dichtmittel versehen ist, wodurch der Verschluss des Füllkolbens
gegenüber dem Tiefbohrstrang oder Bohrzug ermöglicht wird.
6. Verfahren zum Betrieb einer Fülleinrichtung nach einem oder mehreren der vorhergehenden
Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Endstück (2) des Grundkörper (1) der Fülleinrichtung an dem Topdrive des Bohrgestänges
flüssigkeitsdicht verschraubt und die Druckmedienzufuhr (16) mit dem Anschlussventil
(10) verbunden wird und das Auffüllen der Bohrzüge mit Bohrflüssigkeit während deren
Einbaus in den Bohrstrang erfolgt.
7. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
zum Auffüllen eines Bohrzuges die in den Bohrzug unter Druck einzufüllende Bohrflüssigkeit
das Kolbenventil (4) öffnet und durch die Einfüllöffnung (3) in die Kolbenkammer (5)
eindringt, wodurch der hohlzylindrische Füllkolben (9) in dem Grundkörper (1) nach
unten geschoben wird bis der auslassseitige Ventilstopfen (7) des Kolbenventils (4)
den Fliessweg in den Füllkolben (9) freigibt und die vorbestimmte Menge von Bohrflüssigkeit
über dessen Auslassöffnung in den Bohrzug einfüllt.
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Druck der einzufüllenden Bohrflüssigkeit 8 bis 10 Bar beträgt und der Öffnungsweg
des Füllkolbens (9) 60 cm beträgt,
wobei die Füllgeschwindigkeit des Bohrzuges oder des Bohrstranges 250 l/min nicht
übersteigt.
9. Verfahren nach Anspruch 6 ,
dadurch gekennzeichnet, dass
zum Abschluss des Füllvorgangs keine weitere Zuführung von Bohrflüssigkeit über die
Einfüllöffnung (3) erfolgt und das Kolbenventil (4) geschlossen wird, in dem der einlassseitige
Ventilteller (6) mittels Ventilrückstellfeder (11) gegen den flüssigkeitsdichten Ventilsitz
(14) gedrückt wird.
10. Verfahren nach Anspruch nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass,
durch mittels einer externe Druckgasquelle, insbesondere einen drucklufterzeugenden
Kompressor, Druckgas über das Anschlussventil (10) in den zylindrischen Innenraum
zwischen Grundkörper (1) und Füllkolben (9) geleitet wird, wodurch der Füllkolben
(9) in seine Schließstellung bewegt wird, wobei
der Ventilkolben (7) in das Innere des Füllkolbens (9) eingeschoben wird und diesen
verschließt und der Ventilteller (6) durch den Ringanschlag (12) des Füllkolbens (9)
gegen den Ventilsitz (14) gehalten wird.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
zur Vermeidung des Überlaufs von Bohrflüssigkeit mindestens ein Bohrzug des Bohrstrangs
nicht befüllt wird und das zu pumpende Füllvolumen vor der Befüllung berechnet und
mittels Einstellung der Bohrflüssigkeits-Füllpumpe (Ringpumpe) gesteuert wird.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 86(2) EPÜ.
1. Fülleinrichtung zum Auffüllen eines Tiefbohrstranges oder eines oder mehrerer Bohrzüge
mit Bohrflüssigkeit, bestehend aus einem zylindrischen Grundkörper (1), der eine Kolbenkammer
(5) mit mindestens einer verschließbaren Einfüllöffnung (3) für Bohrflüssigkeit umschließt
und einem Endstück (2), welches eine Verschraubung aufweist, die zur Kopplung an den
Top-Drive-Antrieb des Tiefbohrstranges dient,
dadurch gekennzeichnet, dass
ein hohlzylindrischer Füllkolben (9) zur Abgabe von Bohrflüssigkeit in den Bohrstrang
in der Kolbenkammer (5) des zylindrischen Grundkörpers (1) axial beweglich gleitend
angeordnet ist und ein in den Hohlraurn des Füllkolbens (9) eingreifendes Kolbenventil
(4), welches ebenfalls axial beweglich in der Kolbenkammer (5) angeordnet ist, aufweist,
wobei eine Öffnungsposition durch Druckbeaufschlagung mit Bohrflüssigkeit und eine
Schließposition durch Druckbeaufschlagung durch Zuführung externer Medien einnehmbar
ist.
2. Fülleinrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Grundkörper (1) ein Anschlussventil (10) zur Zuführung oder Entspannung flüssiger
oder gasförmiges Medien in den zylindrischen Innenraum zwischen Grundkörper (1) und
Füllkolben (9) der Kolbenkammer (5) aufweist, wodurch eine druckbeaufschlagte Bewegung
des Füllkolbens (9) zwischen einer Öffnungs- und Schließstellung zu bewirken ist.
3. Fülleinrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Grundkörper (1), wie auch der Füllkolben (9) Anschlagmittel (14,15), aufweisen,
welche als einlassseitiger Ventilsitz (14) und als auslassseitige Füllkolbenführung
(15) ausgebildet sind, mit deren Anordnung der Füllkolbenhub zwischen Offnungsstellung
und die Schließstellung des Füllkolbens (9) im Grundkörper (1) fixierbar ist, wobei
die Füllkolbenführung (15) Dichtmittel (13) aufweist, welche die Anordnung flüssigkeits-
und gasdicht abschließen.
4. Fülleinrichtung nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Kolbenventil (4) eine Ventilführungsstange (8) mit einem Ventilteller (6) und
in einem definierten Abstand mindestens einem Ventilstopfen (7) aufweist, welcher
derart ausgebildet ist, dass er in dem hohlzylindrischen Innenraum des Füllkolbens
(9) flüssigkeitsdicht einführbar ist, wodurch dessen Verschluss ermöglicht wird, und
eine einlassseitig Ventilrückstellfeder (11) oberhalb des Anschlag/Ventilsitz (14)
derart angeordnet ist, dass durch deren Federkraft der einlassseitige Ventilteller
(6) gegen den Ventilsitz (14) verschließbar ist.
5. Fülleinrichtung nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Füllkolben (9) einlassseitig mit einem Ringanschlag (12) versehen ist, welcher
mindestens eine umlaufenden Nut zur Aufnahme, eines Dichtrings aufweist, der das Volumen
des Druckmediums von der in die Kolbenkammer (5) strömenden Bohrflüssigkeit trennt,
wobei der in den Füllkolben (9) einführbare Ventilstopfen (7) in seinem Umfang ebenfalls
mit mindestens einem Dichtmittel versehen ist, wodurch der Verschluss des Füllkolbens
gegenüber dem Tiefbohrstrang oder Bohrzug ermöglicht wird.
6. Verfahren zum Auffüllen eines Tiefbohrstranges oder eines oder mehrerer Bohrzüge
mit Bohrflüssigkeit unter Verwendung einer Fülleinrichtung nach einem oder mehreren
der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Auffüllen der Bohrzüge mit Bohrflüssigkeit während deren Einbaus in den Bohrstrang
erfolgt, wobei der Füllvorgang durch Öffnen der Einfüllöffnung (3) durch den äußeren
Druck der Bohrflüssigkeit in die Kolbenkammer (5) (zylindrischen Innenraum zwischen
Grundkörper (1) und Füllkolben (9)) beginnt, dieser aus dem Grundkörper (1) herausfährt,
was zur Freigabe der einlassseitigen Füllkobenöffnung durch den auslassseitigen Ventilstopfen
(7) führt und den Fließweg für die Bohrflüssigkeit in die Bohrzüge öffnet.
Top-Drive-Antrieb.
7. Verfahren nach Anspruch nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
durch mittels einer externe Druckgasquelle, insbesondere einen drucklufterzeugenden
Kompressor, Druckgas über das Anschlussventil (10) in den zylindrischen Innenraum
zwischen Grundkörper (1) und Füllkolben (9) geleitet wird, wodurch der Füllkolben
(9) in seine Schließstellung bewegt wird, wobei der Ventilkolben (7) in das Innere
des Füllkolbens (9) eingeschoben wird und diesen verschließt und der Ventilteller
(6) durch den Ringanschlag (12) des Füllkolbens (9) gegen den Ventilsitz (14) gehalten
wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 oder 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
zur Vermeidung des Überlaufs von Bohrflüssigkeit mindestens ein Bohrzug des Bohrstrangs
nicht befüllt wird und das zu pumpende Füllvolumen vor der Befüllung berechnet und
mittels Einstellung der Bohrflüssigkeits-Füllpumpe, gesteuert wird.