[0001] Die Erfindung betrifft eine Dampfturbine nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Dampfturbinen sollen über einen möglichst großen Leistungsbereich zuverlässig und
mit konstant hohem Wirkungsgrad betrieben werden können. Diese Anforderungen können
von Dampfturbinen herkömmlicher Bauart nicht in vollem Umfang erfüllt werden.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Dampfturbine bereitzustellen, die
sowohl im Normalbetrieb als auch im Teillastbereich mit Leistungen, die deutlich unter
der Nennleistung liegen, mit guten Wirkungsgraden betreibbar ist. Außerdem soll die
erfindungsgemäße Dampfturbine auch im Betrieb mit Überlast einen guten Wirkungsgrad
aufweisen.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den kennzeichnenden Merkmalen des Anspruchs
1 gelöst.
[0005] Dadurch, dass im Überlastbetrieb zusätzlicher Dampf in die Dampfturbine eingebracht
werden kann und mit diesem zusätzlichen Dampf das zweite MD-Regelrad beaufschlagt
wird, kann die Leistung der erfindungsgemäßen Dampfturbine ohne nennenswerte Einbußen
beim Wirkungsgrad signifikant erhöht werden.
[0006] Die Optimierung des Prozesses wird durch eine problemlose Mischung des wieder eingegliederten
Dampfes nach dem MD-Regelrad beeinflusst. Es zeigt sich, dass bei hohen Frischdampfzuständen
(HD-Dampf) der vierfache Massenstrom im Überlastbetrieb verarbeitet werden kann, ohne
nennenswerte Einbußen im Wirkungsgrad bei normalen und Teillastbetrieben.
[0007] Dies wird vor allem dann erreicht werden, wenn eine geeignete Aufteilung der beiden
Dampfströme vorgenommen wird und die Regelräder und Stufengruppen so ausgelegt werden,
dass in der Kammer des MD-Regelrades die beiden Dampfströme annähernd die gleichen
Dampfdaten besitzen. Unterschiedliche Dampftemperaturen aus den beiden Dampfströmen
sind akzeptabel.
[0008] Die Konstruktion der Turbine mit dem optimierten zusätzlichen MD-Regelrad mit Zuspeisung
über Düsen ist bei hohen Dampfpesometer sinnvoll, sodass das HD-Regelrad voll zum
Einsatz kommen kann, allerdings ohne aufwendige Innengehäusekonstruktionen.
[0009] Die erfindungsgemäße Anordnung eines zweiten Regelrades mit den zugehörigen steuerbaren
Düsen in einer Kammer zwischen dem ersten Stufenteil Teil der Dampfturbine und dem
zweiten Stufenteil Teil der Dampfturbine kann sowohl bei Trommelturbinen als auch
bei Kammerturbinen erfolgreich eingesetzt werden.
[0010] Die Erfindung kann bei Turbinen mit Gleichdruckbeschaufelung und bei Turbinen mit
Überdruckbeschaufelung in den mehreren Stufen der Dampfturbine gleichermaßen erfolgreich
eingesetzt werden.
[0011] Das HD-Regelrad sowie das MD-Regelrad kann sowohl einkränzig wie auch zweikränzig
(Curtisrad) ausgeführt werden.
[0012] Die Konstruktion der Turbine mit HD-Regelrad und nachfolgendem Stufenteil ist oftmals
optimal. Allerdings ist diese Konstruktion nicht erfindungsnotwendig. Das HD-Regelrad
kann auch als Stufenteil mit einem eventuellen Innengehäuse und einer Drosselregelung
im Bypass-/innerem Bypassbetrieb oder als Kombination aus beiden, HD-Regelrad und
Bypassbetrieb im Innengehäuse ersetzt werden. Das Grundprinzip ändert sich deshalb
nicht, da das MD-Impulsrad mit Düse über das Druckgefälle zwischen HD-Eintrittszustand
zum gewählten, optimierten MD-Zustand zusätzlich bei Bedarf leistungssteigernd in
Betrieb gesetzt werden kann. Das Prinzip des MD-Impulsrades mit Düsen kann auch als
Nachrüstung oder Umbau in einer bestehenden Turbine ausgeführt werden.
Wenn die Dampfturbine im Überlastbetrieb gefahren werden soll, wird erfindungsgemäß
die geforderte oder gewünschte Überlastleistung durch den erforderlichen HD-Dampf
über die nachgeschaltete zusätzlich integrierte Impulsstufe eingebracht. Die Einspeisung
dieses zusätzlichen HD-Dampfes erfolgt über herkömmliche Düsensteuerungen, sodass
das Impulsrad wie ein freies Regelrad über die Düsen in Gleitdruckbetrieb zusätzliche
Leistung einbringt. Die Zusatzleistung ergibt sich aus der Enthalpiedifferenz zwischen
HD-Dampfzustand und dem örtlichen Dampfzustand nach dem MD-Regelrad und der zu optimierenden
Dampfmenge.
[0013] Weitere Vorteile und vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind der nachfolgenden
Zeichnung, deren Beschreibung und den Patentansprüchen entnehmbar. Alle in der Zeichnung,
deren Beschreibung und den Patentansprüchen offenbarte Merkmale können sowohl einzeln
als auch in Kombination miteinander erfindungswesentlich sein.
Zeichnung
[0014] Es zeigen:
- Figur 1
- einen Längsschnitt durch ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Dampfturbine
und
- Figur 2
- ein Ausführungsbeispiel eines Regelrades mit einer Gruppe von steuerbaren Düsen.
Beschreibung der Ausführungsbeispiele
[0015] Die Figur 1 zeigt eine Dampfturbine mit einem Gehäuse 3 und einem Rotor 5 im Längsschnitt.
Die Dampfturbine 1 weist einen ersten Stufenteil 7 und einen zweiten Stufenteil 9
auf.
[0016] Jede der Stufen 7 und 9 besteht aus einer Gruppe von Laufschaufeln 11, die am Rotor
5 befestigt sind und einer Gruppe von Leitschaufeln 13, die üblicherweise über Leitschaufelträger
am Gehäuse 3 der Dampfturbine 1 befestigt sind. In Figur 1 sind aus Gründen der Übersichtlichkeit
nicht alle Laufschaufeln und nicht alle Leitschaufeln mit dem Bezugszeichen versehen
worden. In Strömungsrichtung vor dem ersten Stufenteil 7 ist ein erstes Regelrad 15
am Rotor 5 befestigt. Die in Figur 1 nicht einzeln dargestellten Laufschaufeln des
Regelrades 15 sind als Gleichdruckschaufeln ausgeführt.
[0017] In unmittelbarer Nähe des ersten Regelrades 15 ist ein Düsenring 17 vorgesehen, welcher
über den Umfang verteilt mehrere Düsen 19 aufweist. Der Düsenring 17 wird über eine
Frischdampfleitung 21 mit den Teilleitungen 21a und 21b mit Dampf beaufschlagt. In
den Teilleitungen 21a und 21b ist jeweils ein erstes Regelventil 23 vorgesehen. Über
die steuerbaren Düsen 19 wird der dem Düsenring 17 zugeführte Frischdampf auf das
erste Regelrad 15 geleitet und gelangt anschließend in einen ersten Radraum 25, welcher
vom Rotor 5 und vom Gehäuse 3 begrenzt wird.
[0018] Daran anschließend gelangt der Frischdampf (nicht dargestellt in Figur 1) in den
ersten Stufenteil 7 der Dampfturbine 1 und wird dort entspannt.
[0019] Im Anschluss an den ersten Stufenteil 7 ist am Rotor 5 ein zweites MD-Regelrad 27
vorgesehen. Das MD-Regelrad 27 ist bei dem hier gezeigten Ausführungsbeispiel ebenfalls
als Impulsrad ausgebildet. Das zweite MD-Regelrad 27 wird von einer oder mehreren
Düsen 29, von denen in Figur 1 nur eine dargestellt ist, mit zusätzlichem Dampf beaufschlagt
und wirkt dadurch wie eine Regelradstufe im Gleitdruckbetrieb. Dieser Zusatzdampf,
welcher in Figur 1 durch einen Pfeil 31 angedeutet ist, vermischt sich vor dem Eintritt
in den zweiten Stufenteil 9 mit dem teilweise entspannten Frischdampf, der aus dem
ersten Stufenteil 7 ausgetreten ist. Dieser teilweise entspannte Frischdampf ist in
Figur 1 mit dem Bezugszeichen 33 versehen worden. Der zwischen erstem Stufenteil 7
und zweitem Stufenteil 9 vorhandene Raum, in dem sich das zweite MD-Regelrad 27 befindet,
wird im Folgenden als zweiter Radraum 35 bezeichnet.
[0020] Die Düse 29 ist ebenfalls steuerbar und kann beispielsweise über ein zweites Regelventil
37 oder eine nicht dargestellte Ventilgruppe optimiert werden. Über dieses zweite
Regelventil 37 kann die Zufuhr von Zusatzdampf in die Dampfturbine 1 durch die Düse
29 geregelt werden.
[0021] Nachdem die gesamte Dampfmenge durch den zweiten Stufenteil geströmt ist und sich
dabei entspannt hat, wird der Abdampf über einen Auslass 39 aus der Dampfturbine 1
abgeführt.
[0022] Im Normalbetrieb, das heißt wenn die Dampfturbine mit ihrer Nennleistung oder im
Teillastbereich betrieben wird, ist das zweite Regelventil 37 oder die Ventilgruppe
geschlossen und die Dampfturbine 1 arbeitet wie eine konventionelle Dampfturbine.
Die Leistungsregelung der Dampfturbine 1 erfolgt ausschließlich über das erste Regelrad
15 beziehungsweise die Ansteuerung der Düsen 19, welche die Beaufschlagung des ersten
Regelrades 15 steuern. Die Leistungsregelung der Dampfturbine 1 im Nenn- oder Normalbetrieb
und im Teillastbetrieb ist hinlänglich aus dem Stand der Technik bekannt und wird
deshalb im Zusammenhang mit der Erfindung nicht im Detail erläutert. Vorteilhaft an
dieser Leistungsregelung ist der gleichbleibend gute Wirkungsgrad der Dampfturbine
1 bei Nennlast ebenso wie im Teillastbetrieb ohne erheblichen Konstruktionsmehraufwand
wie z. B. Innengehäuse, Turbinen mit Mitteneinströmung oder ähnliches.
[0023] Wenn nun die Dampfturbine 1 mit Überlast betrieben werden soll, wird erfindungsgemäß
das zweite Regelventil 37 oder die nicht dargestellte Ventilgruppe geöffnet, so dass
Zusatzdampf über die Düse 29 auf das zweite Regelrad 27 strömen kann. Dabei wird die
Düse 29 so ausgeführt und optimiert, dass der Dampfzustand des Zusatzdampfes 31 möglichst
dem Dampfzustand des teilweise entspannten Frischdampfes 33 entspricht, so dass im
zweiten Radraum 35 eine gute und problemlose Mischung dieser beiden Teildampfströme
erfolgen kann. Der teilweise entspannte Frischdampf 33 kann wegen eines vorzusehenden
größeren Abstandes zwischen zweitem MD-Regelrad 27 und dem Gehäuse 3 der Dampfturbine
1 das zweite MD-Regelrad 27 mehr oder weniger ungehindert umströmen.
[0024] Die Ventilströmverluste im Umströmungsbetrieb werden durch eine übliche Ventilationsschutzeinrichtung
gemindert. Falls die Ventilationsschutzeinrichtung nicht ausreicht, wird ein Beimischen
über das zweite Regelventil 37 empfohlen.
[0025] Beide Teildampfströme 31 und 33 strömen nun durch den zweiten Stufenteil 9 und geben
dort Arbeit beziehungsweise Leistung an den Rotor 5 ab. Bei geeigneter Auslegung sowohl
des ersten Stufenteils 7 und des zweiten Stufenteils 9 als auch des ersten Regelrades
15 mit seinen Düsen 19 und des zweiten Regelrades 27 mit seinen Düsen 29 kann im Überlastbetrieb
der vierfache Dampfstrom verglichen mit dem Auslegungspunkt der Dampfturbine 1 umgesetzt
werden. Dies führt zu einer entsprechend wesentlich verbesserten Leistungssteigerung
der Dampfturbine, ohne nennenswerte Wirkungsgradeinbußen der Dampfturbine.
[0026] Deshalb ist es mit der erfindungsgemäßen Dampfturbine 1 möglich, die Dampfturbine
1 vom Teillastbetrieb über den Betrieb bei Nennlast bis zum Überlastbetrieb mit einem
guten annähernd konstanten Wirkungsgrad zu betreiben.
[0027] In Figur 2 sind das zweite Regelrad 27 sowie die Düsen 29 schematisch in einer Ansicht
von vorne dargestellt. Das zweite Regelrad 27 weist Laufschaufeln 39 auf, die in Figur
2 nur schematisch dargestellt sind. Bei dem in Figur 2 dargestellten Ausführungsbeispiel
sind drei Düsen 29, die in der Literatur auch als Düsensegmente bezeichnet werden,
so angeordnet, dass durch die Austritte der Düse 29 die Laufschaufel 39 des zweiten
MD-Regelrades 27 mit zusätzlichem Dampf beaufschlagt werden können. Dazu ist zwischen
einem Einströmkasten 41 und den Düsen 29 jeweils ein Ventil 43 vorgesehen. Je nachdem
wie viele der Ventile 43 geöffnet werden, strömt eine mehr oder minder große Menge
von Zusatzdampf über die Düsen 29 auf das zweite MD-Regelrad 27 und vermischt sich
anschließend mit dem teilweise entspannten Frischdampf (siehe Bezugszeichen 33 in
Figur 1).
Bezugszeichenliste
[0028]
- 1
- Dampfturbine
- 3
- Gehäuse
- 5
- Rotor
- 7
- erster Stufenteil
- 9
- zweiter Stufenteil
- 11
- Laufschaufel
- 13
- Leitschaufel
- 15
- erstes Regelrad
- 17
- Düsenring
- 19
- Düse
- 21
- Frischdampfleitung
- 23
- Regelventil
- 25
- erster Radraum
- 27
- zweites MD-Regelrad
- 29
- Düse
- 31
- Zusatzdampf
- 33
- teilweise entspannter Frischdampf
- 35
- zweiter Radraum
- 37
- zweites Regelventil
- 39
- Laufschaufel
- 41
- Einströmkasten
- 43
- Ventil
1. Dampfturbine mit mehreren Stufenteilen (7, 9) und mit einer vor dem ersten Stufenteil
(7) angeordneten Vorrichtung zur Leistungsregelung der Dampfturbine,
dadurch gekennzeichnet, dass
nach dem ersten Stufenteil (7) ein zweites MD-Regelrad (27) mit Düsen (29) vorgesehen
ist.
2. Dampfturbine nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
das die vor dem ersten Stufenteil (7) angeordnete Vorrichtung zur Leistungsregelung
der Dampfturbine als Regelrad (15) mit einem Düsenring (17) und mit mehreren steuerbaren
Düsen (19) ausgeführt ist.
3. Dampfturbine nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das erste Regelrad (15) und/oder das zweite MD-Regelrad (27) als Gleichdrucklaufrad,
insbesondere in Curtis-Bauweise, oder als Impulsrad ausgeführt ist.
4. Dampfturbine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das zweite Regelrad (27) über eine Gruppe von steuerbaren Düsen (29) mit zusätzlichem
Dampf aus einer Frischdampfleitung (21) beaufschlagbar ist.
5. Dampfturbine nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Dampfturbine (1) als Kammerturbine ausgeführt ist.
6. Dampfturbine nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Stufenteile (7, 9) der Dampfturbine (1) eine Gleichdruckbeschaufelung oder eine
Überdruckbeschaufelung aufweisen.