[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein elektrochemisches Verfahren zur Herstellung
von Glyoxalsäurealkylesterdialkylacetal.
[0002] Die elektrochemische Herstellung von aliphatischen Carbonsäureestern aus aliphatischen
Aldehyden, die in alpha-Stellung zur Oxogruppe eine Methylengruppe tragen, ist aus
folgenden Veröfffentlichungen bekannt:
[0003] In J. Org. Chem. 50, 1985, 4967-4969 ist der Einsatz von KBr als Mediator für diese
Reaktion beschrieben
[0004] Aus Bull. Chem. Soc. Jpn. 55, 1982, 335-336 ist die Verwendung von NaCN als Mediator
bekannt.
[0005] Die elektrochemische Herstellung von aliphatischen Carbonsäureestern aus aliphatischen
Aldehyden, die in alpha-Stellung zur Oxogruppe eine Hydroxylgruppe tragen, ist aus
folgenden Veröfffentlichungen bekannt:
[0006] J. Org. Chem. 53, 1988, 218-219 beschreibt die Reaktion mediiert mit KI unter Zusatz
von NaOMe ausgehend.
[0007] Die DE-A-38 14 498 betrifft die Verwendung von ionogenen Bromiden oder Chloriden
als Mediator bei dieser Reaktion.
[0008] Aus DE-A-10209195 ist die Herstellung von Trialkylorthoformiaten durch elektrochemische
Oxidation von Glyoxaltetraalkylacetalen bekannt.
[0009] Es ist weiterhin bekannt, dass die elektrochemische Umsetzung von aliphatischen Ketonen
bzw. Aldehyden je nach Reaktionsbedingungen und Substituenten zu verschiedenen Reaktionen
an der Carbonylgruppe führen kann. Es lassen sich der Literatur jedoch keine Hinweise
entnehmen, wie die Reaktion gesteuert werden kann, aus Glyoxal oder einem Glyoxalderivat
Glyoxalsäurealkylesterdialkylacetal herzustellen ohne dass dabei z.B. folgende Reaktionen
ablaufen würden:
- Oxidation zu Oxalsäure(derivaten)
- Hydrolyse der Acetalfunktion
- Oxidative Spaltung der C-C-Funktion
- Acetalisierung der Carbonylfunktion
- Hydrodimerisierung der Carbonylfunktion
[0010] Aufgabe war es deshalb, ein elektochemisches Verfahren Herstellung von Glyoxalsäurealkylesterdialkylacetal
mit hohen Ausbeuten und hoher Selektivität bereitzustellen.
[0011] Demgemäß wurde ein Verfahren zur Herstellung von Glyoxalsäurealkylesterdialkylacetal,
wobei man ein Glyoxaldialkylacetal in Gegenwart eines Alkylalkohols und einem ionogenen
Halogenid elektrochemisch oxidiert, gefunden.
[0012] Bevorzugt setzt man ein Glyoxaldialkylacetal der allgemeinen Formel I ein,

in der R
1 und R
2 eine C
1- bis C
4-Alkylgruppe bedeuten oder gemeinsam eine C
1- bis C
4-Alkylengruppe bilden.
[0013] Bevorzugt stehen R
1 und R
2 für Methyl oder Ethyl oder gemeinsam für Ethylen.
[0014] Besonders günstig lassen sich solche Verbindungen, ggf. als Mischung mit Wasser und
dem Alkylalkohol, herstellen, indem man eine Mischung aus Glyoxal und Wasser und ggf.
Glyoxaltetraalkylacetal in Anwesenheit eines Alkylalkohols bis zum Erreichen des Reaktionsgleichgewichts
umsetzt. Das ggf. vorhandene Glyoxaltetraacetal trägt Alkoxigruppen, die von dem eingesetzten
Alkylalkohol abgeleitet sind. Aus der Reaktionsmischung wird anschließend das Glyoxaltetraecetal
und etwaig noch vorhandenes Glyoxal und ggf. Wasser und der Alkylalkohol entfernt.
Details zu dieser Methode sind in der DE-A-196 51 325 beschrieben.
[0015] Als Alkylalkohol setzt man bevorzugt einen C
1- bis C
4-Alkylalkohol oder ein C
2- bis C
4-Alkandiol ein. Bevorzugt ist Methanol, Ethanol oder Ethylenglykol.
[0016] Besonders bevorzugt ist ein Verfahren, bei dem man als Alkylalkohol Methanol in Kombination
mit Glyoxaldimethylacetal einsetzt.
[0017] Bevorzugte Glyoxalsäurealkylesterdialkylacetale sind somit solche der allgemeinen
Formel II

in der R
1 und R
2 die gleiche Bedeutung wie in der allgemeinen Formel I haben und R
3 sich von der Alkylgruppe des eingesetzten Alkylalkohols ableitet, also C
1- bis C
4-Alkyl bedeutet.
[0018] Der Alkylalkohol wird im Allgemeinen mindestens in stöchiometrischen Mengen eingesetzt.
Die Mengenverhältnisse Glyoxaldialkylacetal zu Alkylalkohol betragen deshalb bevorzugt
1 : 1 bis 100: 1, bevorzugt 1 : 1 bis 50: 1. Die eingesetzten Mengen an Alkylakohol
können deutlich über den stöchiometrisch erforderlichen Mengen liegen, nämlich insbesondere
dann, wenn der Alkylalkohol als Lösungsmittel für das Glyoxaldialkylacetal und die
anderen Bestandteile des Elektrolyten eingesetzt wird.
[0019] Als ionogenes Halogenid wird bevorzugt ein lodid, Bromid oder Chlorid einsetzt. Die
ionogenen Halogenide sind üblicherweise die Salze der Halogenwasserstoffsäuren oder
die Halogenwasserstoffsäuren selbst.
[0020] Besonders bevorzugt ist ein ionogenes Halogenid ausgewählt aus der Gruppe lodwasserstoffsäure,
Bromwasserstoffsäure, Chlorwasserstoffsäure, Alkalisalze der drei vorgenannten Säuren,
Erdalkalisalze der drei vorgenannten Säuren und quartäre Ammoniumsalze der drei vorgenannten
Säuren.
[0021] Als Alkalisalze kommen bevorzugt die Natrium- oder Kaliumsalze in Betracht.
[0022] Als quartäre Ammoniumsalze eigenen sich solche mit NH
4, oder Mono- Di- Tri- oder C
1- bis C
6-Alkylammonium als Kation oder Kationen abgeleitet von Pyridin, Imidazol oder Methylimidazol.
[0023] Die ionogenen Halogenide sind im Elektrolyten im Allgemeinen in Mengen von, 0,1 bis
10 Gew.-%, bevorzugt 0,1 bis 1,0 Gew.-% enthalten.
[0024] Gegebenenfalls setzt man der Elektrolyselösung übliche Cosolvenzien zu. Dabei handelt
es sich um die in der organischen Chemie allgemein üblichen inerten Lösungsmittel
mit einem hohen Oxidationspotential. Beispielhaft genannt seien Tetrahydrofuran, Acetonitril,
Dimethylformamid, Dimethoxyethan, Dimethylcarbonat oder Propylencarbonat. Ggf. wird
als Lösungsmittel auch Wasser in einer Konzentration von bis zu 10 Gew.-%, bevorzugt
1 bis 5 Gew.-%, bezogen auf den Elektrolyten, eingesetzt.
[0025] Zur Verbesserung der Leitfähigkeit können dem Elektrolyten Leitsalze zugesetzt werden.
Bevorzugte Leitsalze sind Alkali, Tetra(C
1- bis C
6-alkyl)ammonium-, bevorzugt Tri(C
1- bis C
6-alkyl)-methylammoniumsalze. Als Gegenion kommen Sulfat, Hydrogensulfat, Alkylsulfate,
Arylsulfate, Halogenide, Phosphate, Carbonate, Alkylphosphate, Alkylcarbonate, Nitrat,
Alkoholate, Tetrafluorborat oder Perchlorat in Betracht. Besonders bevorzugt ist (CF
3SO
2)
2NLi.
[0026] Daneben eignen sich als Leitsalze auch ionische Flüssigkeiten als Leitsalze. Geeignete
ionische Flüssigkeiten sind beschrieben in "Ionic Liquids in Synthesis", Hrsg. Peter
Wasserscheid, Tom Welton, Verlag Wiley VCH, 2003, Kap. 1 bis 3 sowie der DE-A-102004011427.
[0027] Das erfindungsgemäße Verfahren kann in allen üblichen geteilten oder ungeteilten
Elektrolysezellentypen durchgeführt werden. Vorzugsweise arbeitet man kontinuierlich
mit ungeteilten Durchflusszellen.
[0028] Besonders geeignet sind bipolar geschaltete Kapillarspaltzellen oder Plattenstapelzellen,
bei denen die Elektroden als Platten ausgestaltet sind und planparallel angeordnet
sind (vgl. Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, 1999 electronic release,
Sixth Edition, VCH-Verlag Weinheim, Volume Electrochemistry, Chapter 3.5. special
cell designs sowie Chapter 5, Organic Electrochemistry, Subchapter 5.4.3.2 Cell Design).
Als Elektrodenmaterial ist Graphit bevorzugt.
[0029] Als Anodenmaterialien eignen sich beispielsweise Edelmetalle wie Platin oder Metalloxide
wie Ruthenium oder Chromoxid oder Mischoxide des Typs RuO
xTiO
x. Bevorzugt sind Graphit oder Kohleelektroden.
[0030] Als Kathodenmaterialien kommen beispielsweise Eisen, Stahl, Edelstahl, Nickel oder
Edelmetalle wie Platin sowie Graphit oder Kohlematerialien in Betracht. Bevorzugt
ist das System Graphit als Anode und Kathode sowie Graphit als Anode und Nickel, Edelstahl
oder Stahl als Kathode.
[0031] Die Stromdichten, bei denen man das Verfahren durchführt, betragen im allgemeinen
1 bis 1000, bevorzugt 1 bis 100, besonders bevorzugt 25 bis 50 mA/cm
2. Die Temperaturen betragen üblicherweise -20 bis 60, bevorzugt -10 bis 35°C. Im Allgemeinen
wird bei Normaldruck gearbeitet. Höhere Drücke werden bevorzugt dann angewandt, wenn
bei höheren Temperaturen gearbeitet werden soll, um eine Sieden der Ausgangsverbindungen
bzw. des Lösungsmittels zu vermeiden.
[0032] Der pH-Wert des Elektrolyten wird bevorzugt auf 6 bis 14, besonders bevorzugt auf
6 bis 8 eingestellt, was bei Bedarf im Allgemeinen durch Zugabe einer Broenstedt-Base
oder -Säure geschieht.
[0033] Nach Beendigung der Reaktion wird die Elektrolytlösung nach allgemeinen Trennmethoden
aufgearbeitet. Hierzu werden aus der Elektrolyselösung die Halogenide ggf. z.B. zunächst
mittels Extraktion oder Filtration entfernt. Zur weiteren Aufarbeitung wird die Elektrolyselösung
im Allgemeinen zunächst destilliert und die einzelnen Verbindungen in Form von unterschiedlichen
Fraktionen getrennt gewonnen. Eine weitere Reinigung kann beispielsweise durch Kristallisation,
Extraktion, Destillation oder chromatographisch erfolgen.
Experimenteller Teil
Beispiel 1
[0034] Es wurde eine ungeteilte Plattenstapelzelle mit Graphitelektroden eingesetzt. Es
wurden 60 g Glyoxaldimethylacetal in 540 g Methanol und 6 g NaBr bei einer Temperatur
von 20°C umgesetzt. Die Elektrolyse erfolgte bei 3,4 A/dm2 und es wurde eine Ladungsmenge
von 3 F bezogen auf das eingesetzte Glyoxaldimethylacetal durch die Zelle geleitet.
Man erhielt im Elektrolyseaustrag 94 GC-Flächen-% an Dimethoxyessigsäuremethylester.
Nach Entfernung des Lösemittels im Wasserstrahlvakuum und fraktionierender Destillation
wurde das Produkt in einer Ausbeute von 77% isoliert.
Beispiel 2
[0035] Es wurde eine ungeteilte Plattenstapelzelle mit Graphitelektroden eingesetzt. Es
wurden 75 g Glyoxaldimethylacetal in 660 g Methanol und 15 g Nal bei einer Temperatur
von 18-25°C umgesetzt. Die Elektrolyse erfolgte bei 6,3 A/dm2 und es wurde eine Ladungsmenge
von 2,5 F bezogen auf das eingesetzte Glyoxaldimethylacetal durch die Zelle geleitet.
Man erhielt im Elektrolyseaustrag 78 Gew.-% an Dimethoxyessigsäuremethylester.
Beispiel 3
[0036] Es wurde eine ungeteilte Plattenstapelzelle mit Graphitelektroden eingesetzt. Es
wurden 280 g Glyoxaldimethylacetal in 2522 g Methanol und 57 g Nal bei einer Temperatur
von 20°C umgesetzt. Das eingesetzte Glyoxaldimethylacetal hatte einen Wassergehalt
von 16,2%. Der Gesamtelektrolyt enthielt 1,7% Wasser. Die Elektrolyse erfolgte bei
6,3 A/dm2 und es wurde eine Ladungsmenge von 2,5 F bezogen auf das eingesetzte Glyoxaldimethylacetal
durch die Zelle geleitet. Man erhielt im Elektrolyseaustrag 7,4 Gew.-% an Dimethoxyessigsäuremethylester.
Bei 700-250 mbar wurde Methanol abdestilliert und der Rückstand bei 16 mbar fraktionierend
destilliert. Isolierte Ausbeute 68% (Reinheit > 97%).
1. Verfahren zur Herstellung von Glyoxalsäurealkylesterdialkylacetal, wobei man ein Glyoxaldialkylacetal
in Gegenwart eines Alkylalkohols und eines ionogenen Halogenids elektrochemisch oxidiert.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei man ein Glyoxaldialkylacetal der allgemeinen Formel
I einsetzt,

in der R
1 und R
2 eine C
1- bis C
4-Alkylgruppe bedeuten oder gemeinsam eine C
1- bis C
4-Alkylengruppe bilden.
3. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei man als Alkylalkohol einen
C1- bis C4-Alkylalkohol oder ein C2- bis C4-Alkandiol einsetzt.
4. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei man als Alkylalkohol Methanol
einsetzt und Glyoxaldimethylacetal.
5. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei man als ionogenes Halogenid
ein Iodid, Bromid oder Chlorid einsetzt.
6. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei man als ionogenes Halogenid
eine Verbindung, ausgewählt aus der Gruppe lodwasserstoffsäure, Bromwasserstoffsäure,
Chlorwasserstoffsäure, Alkalisalze der drei vorgenannten Säuren, Erdalkalisalze der
drei vorgenannten Säuren und quartäre Ammoniumsalze der drei vorgenannten Säuren.
7. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei man das Verfahren in einer
ungeteilten Elektrolysezelle durchführt.
8. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei man das Verfahren in einer
bipolar geschalteten Kapillarspaltzelle oder Plattenstapelzelle durchführt.
9. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei man das Glyoxaldialkylacetal
bereitstellt, indem man eine Mischung aus Glyoxal, Wassser und ggf. Glyoxaltetraalkylacetal
in Anwesenheit eines Alkylalkohols bis zum Erreichen des Reaktionsgleichgewichts umsetzt.
10. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei man als Elektroden Graphitelektroden
einsetzt.