[0001] Die Erfindung richtet sich auf ein Verfahren und eine Anlage zur Belüftung von Reinräumen,
insbesondere bei Füllanlagen für Lebensmittel nach dem ACF-Naßverfahren (Aseptic Cold
Filling).
[0002] Bei Abfüllanlagen, mit denen Lebensmittel in Verpackungen eingefüllt werden, ist
es notwendig, den Abfüllbereich möglichst keimfrei zu halten, um die einzufüllenden
Lebensmittel nicht zu kontaminieren. Dabei ist es bekannt, die Abfüllanlagen in einem
Gehäuse unterzubringen, dem über eine Mehrzahl von Gebläseeinheiten Luft zugeführt
wird, insbesondere im Bereich der Abfüllung. Eine solche gekapselte Anlage mit einer
Mehrzahl von Luftfiltern ist beispielsweise aus der DE-20 2004 001619-U1 bekannt.
Andere Belüftungseinheiten, die als Vielzahl in einer Gebäudedecke oberhalb eines
Reinraumes untergebracht sind, zeigt z.B. auch eine Publikation der TLT Turbo GmbH
"Reinraum-Flexi-Modultechnik".
[0003] Eine Reinraumkabine, die mit einem Zuluftgebläse auf der Kabinendecke ausgestaltet
ist und mit einer Luftabsauganlage mit eingebauten Filtern, zeigt die DE-31 08 678-A1,
wobei aus der DE-35 40 265-A1 eine Kabinenkonstruktion mit einer lufttechnischen Anlage
bekannt ist mit Deckenventilatoren und einer entsprechenden, zugeordneten Filterfläche.
Dort kann auch eine Seitenwand entsprechend gestaltet sein.
[0004] Den bekannten Lösungen ist gemeinsam, daß eine Vielzahl von Gebläsen notwendig ist.
So wird beispielsweise aus dem Bereich der Füllmaschinen die Luft abgesaugt und dann
durch eine Gebläse-Filter-Einheit wieder in den Reinraum an einer Mehrzahl von Raumpositionen
zurückgeblasen.
[0005] Hier setzt die Erfindung ein, deren Ziel darin besteht, mit möglichst nur einem Gebläse
eine Reinraumbeaufschlagung mit Luft höchsten Reinheitsgrades zu gewährleisten.
[0006] Mit einem Verfahren der eingangs bezeichneten Art wird diese Aufgabe gemäß der Erfindung
dadurch gelöst, daß die dem Reinraum zuzuführende Luft über einen Frischluftfilter
von einem Gebläse einem Plenum (Ansaug- und Druckraum) zugeführt, über wenigstens
einen weiteren Filter in ein Zwischenplenum geleitet und von dort in den Reinraum
eingeblasen wird. Diese Belüftungstechnik bietet eine Reihe von Vorteilen, die durch
das Vorsehen eines Zwischenplenums eine optimale Luftverteilung an jeder gewünschten
Stelle gewährleistet, wobei es gleichgültig ist, ob die Luft im Durchfluß oder im
Kreislauf geführt ist.
[0007] Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen. Dabei kann es
vorteilhaft sein, bei Luftumwälzung einer Mischkammer einen Frischluftstrom und die
den Reinraum verlassende Luft zuzuführen, wobei die Mischkammer im Plenum vor dem
Gebläse positioniert ist.
[0008] Vorteilhaft kann die Frischluft und/oder die rückgeführte Luft über einen Aktivkohlefilter
geführt werden, wie die Erfindung ebenfalls vorsieht.
[0009] Zweckmäßig kann vorgesehen sein, daß der dem Reinraum zugeführte Luftstrom über Filter
der Klasse F5 dem Gebläse und nachfolgend über Filter der Klasse F9 und H14 dem Zwischenplenum
und/oder dem Reinraum zugeführt wird.
[0010] Das erfindungsgemäße Verfahren zeichnet sich in weiterer Ausgestaltung dadurch aus,
daß der Luftstrom über ein den Taupunkt unterschreitendes Kühlsystem und nachfolgend
über ein Heizsystem geführt wird, wobei an dieser Stelle vermerkt sei, daß diese Trocknungstechnologie
für sich gesehen bekannt und im gattungsbildenden Stand der Technik beschrieben ist.
[0011] Ein besonderes Merkmal der Erfindung besteht darin, daß die Frischluft dem Reinraum
über eine Laminarflow-Zwischendecke zugeführt wird, d.h. die gesamte Decke des Reinraumes
dient als Luftzufuhrelement.
[0012] Zur Lösung der eingangs formulierten Aufgabe sieht die Erfindung auch eine Anlage
vor, die sich dadurch auszeichnet, daß der Reinraum von einer Kapselung aus Glas/Edelstahl-Elementen
umschlossen ist und die zur Luftaufbereitung dienenden Anlageteile in einem gekapselten
Plenum untergebracht sind, wobei Reinraum und Plenum eine konstruktive Einheit bilden.
Ausgestaltungen einer derartigen Anlage sind Gegenstand weiterer Unteransprüche.
[0013] Dabei kann es zweckmäßig sein, zwischen dem Reinraum und dem Geräte aufnehmenden
Plenum ein Zwischenplenum vorzusehen zur zusätzlichen Filterung und/oder Luftverteilung,
wobei in weiterer Ausgestaltung auch vorgesehen sein, daß oberhalb des Reinraumes
eine Laminarflow-Zwischendecke zur Luftverteilung vorgesehen ist.
[0014] Wird eine Luftumwälzung angestrebt, so ist nach der Erfindung auch vorgesehen, daß
zwischen Bodenbereich des Reinraumes und gerätetragendem Plenum wenigstens eine Luftrückführleitung
vorgesehen ist.
[0015] Weitere Merkmale, Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aufgrund der
nachfolgenden Beschreibung sowie anhand der Zeichnung. Diese zeigt in
- Fig. 1
- prinzipielle Gestaltungen einer Anlage nach einem Ausführungsbeispiel der Erfindung
sowie in den
- Fig. 2 und 3
- zwei weitere erfindungsgemäße Alternativen einer entsprechenden Anlage.
[0016] Die allgemein mit 1 bezeichnete, in Fig. 1 im wesentlichen schematisch dargestellte
Anlage nach der Erfindung zeichnet sich durch einen mit 2 bezeichneten Reinraum, umgeben
von einer Kapselung 2', aus, in dem eine Lebensmittel verpakkende Maschine, allgemein
mit 3 bezeichnet, untergebracht ist, etwa zum Füllen von PET-Flaschen 4 mit einem
Obstsaft od. dgl., worauf es hier nicht näher ankommt. Über den Reinraum 2 ist ein
erstes Plenum 5 als Ansaug- und Druckraum angeordnet, gefolgt von einem zweiten Plenum
6, dem wiederum ein darunter liegendes Plenum 7 mit dem Luftauslaß in den Reinraum
2 zugeordnet ist.
[0017] Im ersten Plenum 5 ist das Gebläse, allgemein mit 8 bezeichnet, untergebracht, dem
ein Filter 9 der Klasse F5 vorgelagert ist, wobei dem Gebläse ein Filter 10 der Klasse
F9 nachgeschaltet ist. Die Luftströmungen sind durch kleine Pfeile angedeutet, die
in Fig. 1 mit 11 bezeichnet sind.
[0018] Das zweite mit 6 bezeichnete Plenum weist weitere Filter 12 der Klasse H14 auf, durch
die die gereinigte Luft in das dritte Plenum 7 eingeleitet wird, um von dort z.B.
über Verteilersysteme, allgemein mit 13 und 14 bezeichnet, dem Reinraum 2 zugeführt
zu werden. Durch Steuerklappen 13a bzw. 14a kann die Luftmenge reguliert werden und
direkt in den Reinraum 2 oder an den Füllbereich, d.h. z.B. an die noch nicht verschlossenen
Aufnahmebehälter, geführt werden. Erfolgt beispielsweise eine Reinigung des Reinraumes
mit aggressiven Medien, wie Peressigsäure oder H
2O
2, können die Steuerklappen 13a und 14a automatisch geschlossen werden, so daß alle
der Luftaufbereitung dienenden Aggregate vor diesen aggressiven Reinigungsmitteln
geschützt sind.
[0019] Durch die erfindungsgemäße Luftaufbereitungstechnik kann eine Luftklasse 100 oder
besser im Reinraum 2 erreicht werden. Beim Ausführungsbeispiel der Fig. 1 wird die
gereinigte Luft nach außen abgeleitet.
[0020] In Fig. 2 ist ein abgewandeltes Ausführungsbeispiel dargestellt, derart, daß dort
die wesentlichen Luftmengen im Kreislauf geführt werden, d.h. die über einen Rücklaufkanal
15 geführte, den Reinraum 2a verlassende Luft wird im ersten oberen Plenum 5a einer
Mischkammer 16 zugeführt, wobei dort die von außen kommende Frischluft über einen
Frischlufteinlaß 17 dieser Mischkammer 16 zuführbar ist.
[0021] Soweit die gleichen Bauteile der inneren Elemente betroffen sind wie im Ausführungsbeispiel
der Fig. 1 werden hier die gleichen Bezugszeichen benutzt. Zusätzlich im Luftstrom
der Mischluft beim Ausführungsbeispiel der Fig. 2 ist noch eine Kühl- und Heizeinrichtung
vorgesehen, um z.B. durch Unterschreiten des Taupunktes und nachfolgender Wiedererwärmung
der Luft diese zu entfeuchten, zu heizen oder zu kühlen. Der Abluftkanal aus dem Reinraum
2a ist in Fig. 2 mit 19 bezeichnet.
[0022] In Fig. 3 ist ein drittes Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Anlage 1b dargestellt,
wobei hier die baugleichen Teile aus Fig. 1 bzw. Fig. 2 mit den gleichen Bezugszeichen
versehen sind. Der Reinraum der Luftklasse 100 trägt das Bezugszeichen 2b.
[0023] Anders als bei den zuvor beschriebenen Anlagen ist vor der Luftansaugkammer, allgemein
mit 20 bezeichnet, ein Aktivkohlefilter 21 im Luftstrom vorgeschaltet gefolgt von
einem Filter der Klasse F5. Diese Filter sind in der Figur mit 9 bezeichnet. Wesentlich
bei dieser Ausgestaltung ist hier, daß das Plenum 7b von einer Laminarflow-Decke gebildet
ist, die dafür sorgt, daß der Reinraum 2b gleichmäßig von oben mit Frischluft versorgt
wird, was durch kleine Pfeile 22 angedeutet ist.
[0024] Durch den Einbau des Aktivkohlefilters 21 in die zentrale Rückluftansaugung ist es
möglich, alle Desinfektionsstoffe, wie Per-Essigsäure oder H
2O
2 auszufiltern, was zu einer Entlastung des Motors, der Klappen und der Filter führt
bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der sehr hohen Luftqualität.
[0025] Die hier vorgenommene Klassifizierung der Filter entspricht den Filterklassen EN
779 bzw. EN 1822, die Reinraumklassifizierung den üblichen Bezeichnungen nach Partikelanzahl
bzw. Partikelgröße in dem jeweiligen Luftvolumen.
[0026] Natürlich sind die beschriebenen Ausführungsbeispiele der Erfindung noch in vielfacher
Hinsicht abzuändern, ohne den Grundgedanken zu verlassen. Alle Elemente lassen sich
im Baukastensystem im jeweiligen Plenum unterbringen, wobei Lufterzeugung und -filterung
über ein Zentralgerät möglich ist.
1. Verfahren zur Belüftung von Reinräumen, insbesondere bei Füllanlagen für Lebensmittel
nach dem ACF-Naßverfahren,
dadurch gekennzeichnet,
daß die dem Reinraum zuzuführende Luft über einen Frischluftfilter von einem Gebläse
einem Plenum (Ansaug- und Druckraum) zugeführt, über wenigstens einen weiteren Filter
in ein Zwischenplenum geleitet und von dort in den Reinraum eingeblasen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei Luftumwälzung einer Mischkammer ein Frischluftstrom und die den Reinraum verlassende
Luft zugeführt wird, wobei die Mischkammer im Plenum vor dem Gebläse positioniert
ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Frischluft und/oder die rückgeführte Luft über einen Aktivkohlefilter geführt
wird.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß der dem Reinraum zugeführte Luftstrom über Filter der Klasse F5 dem Gebläse und nachfolgend
über Filter der Klasse F9 und H14 dem Zwischenplenum und/oder dem Reinraum zugeführt
wird.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Luftstrom über ein den Taupunkt unterschreitendes Kühlsystem und nachfolgend
über ein Heizsystem geführt wird.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Frischluft dem Reinraum über eine Laminarflow-Zwischendecke zugeführt wird.
7. Anlage (1) zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Reinraum (2) von einer Kapselung (2') aus Glas/ Edelstahl-Elementen umschlossen
ist und die zur Luftaufbereitung dienenden Anlageteile (8-13) in einem gekapselten
Plenum (5,6,7) untergebracht sind, wobei Reinraum (2) und Plenum (5-7) eine konstruktive
Einheit bilden.
8. Anlage nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß zwischen dem Reinraum (2) und dem Geräte (5) aufnehmenden Plenum ein Zwischenplenum
(6) zur zusätzlichen Filterung und/oder Luftverteilung vorgesehen ist.
9. Anlage nach Anspruch 7 oder 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß oberhalb des Reinraumes (2b) eine Laminarflow-Zwischendecke (7b) zur Luftverteilung
vorgesehen ist.
10. Anlage nach Anspruch 7 oder einem der folgenden,
dadurch gekennzeichnet,
daß zwischen Bodenbereich des Reinraumes (2a) und gerätetragendem Plenum wenigstens eine
Luftrückführleitung (15) vorgesehen ist.