[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung einer proteinhaltigen
Schicht auf einem flächigen Träger sowie einen so hergestellten Träger.
[0002] Werkstoffe wie Papier, Vlies, gewirktes und gewebtes Material, Folien usw., werden
mit verschiedenen Zielen beschichtet: Sowohl für die Veränderung der Oberflächenphysik,
das Ausgleichen von Flächenunebenheiten, das Aufbringen einer durchgehenden Schicht
wie auch das Beschichten mit dem Ziel des Aufbringens von Funktionen, welche in die
Beschichtung(en) eingebettet sind. Die so hergestellten Produkte besitzen interessante
technologische, aber auch ökologische Eigenschaften.
[0003] Aufgrund der hohen Ansprüche von Industrie und Anwender ist die kostengünstige, effiziente,
haltbare und funktionale, sowie ökologisch optimierte Beschichtung von Trägern, insbesondere
flächigen Trägern, besonders von Papier von hoher und sich ändernder Bedeutung. Dabei
dient die Beschichtung mit Proteinen einmal
- der Schaffung einer gleichmäßigen, gut weiterverarbeitbaren (z.B. dessen Bedrucken,
Aufbringen von weiteren Schichten, wie Kleber usw.) optisch oder auch haptisch ansprechenden
Oberfläche und des weiteren
- der Funktionalisierung der Oberfläche z.B. durch Einbringen von Funktionen in die
Beschichtung, wofür fotografische Papiere das beste und anspruchvollste Beispiel sind.
[0004] Dabei wird oft durch die Vernetzung von Bestandteilen der Beschichtungen, z. B. bei
der Herstellung von Gelen bzw. Filmen, deren Eigenschaftsprofil verbessert.
[0005] Nach dem Stand der Technik finden Vernetzungen von Proteinen mittels chemischer Reagenzien
statt. US-Patentanmeldung (US20030219486A1) beschreibt zum Beispiel die Herstellung
proteinogener Netzwerke aus α-Keratin mittels chemischer heterologer Vernetzungsreagenzien.
Viele chemische Vernetzer, wie z.B. Carbodiimide, Glutaraldehyd oder Formaldehyd,
sind giftig und/oder stehen im Verdacht krebserregend zu sein.
[0006] Alternativ zur chemischen Vernetzung können Polymere, wie Proteine, oder Peptide
enzymatisch vernetzt werden. Enzymatische Vernetzungsmethoden sind ungiftig und verlaufen
unter milden Bedingungen.
[0007] Gestrichene Papiere werden auch heute noch mit Casein als Binder hergestellt. Proteine,
wie Casein haben gegenüber den vielfach verwendeten synthetischen Polymeren den Vorteil,
dass sie zwar löslich sind, wie manche synthetische Thermoplaste, aber nicht aufgeschmolzen
werden können und auch bei hoher Temperatur nicht klebrig werden. Bei Beschichtungen
mit Casein zusammen mit Stärkederivaten werden Etikettenpapiere erhalten, welche nach
Befeuchten verklebbar sind. Casein kann bei vielen Anwendungen, so auch bei der Beschichtung
von Papieren, durch Sojaproteine substituiert werden.
[0008] Zur Verfestigung der Strichoberfläche und der Wasserfestigkeit werden gestrichene,
d.h. proteinbeschichtete Papiere mit Vernetzungsmitteln versetzt, meist Formaldehyd,
Glutaraldehyd, Glyoxal usw. Hierbei werden die wasserlöslichen Hilfsstoffe wie Polyvinylalkohol,
Stärke, Casein, Sojaproteine und Gelatine vernetzt. Ein hoher Vernetzungsgrad ist
bei Bindemitteln möglich, die zahlreiche Amino- bzw. Hydroxylgruppen aufweisen.
[0009] Polymerbeschichtungen von Papieren mit Gelatine sowie Proteinmischungen oder synthetischen
Polymeren gehören zu den sogenannten "quellbaren" Papieren. Die aufgetragene Tinte
wird von der Farbempfangsschicht dieser Papiere im gequollenen Zustand aufgenommen.
Nach dem Trockenen ziehen sich die Schichten wieder zusammen, die Farbpartikel werden
eingeschlossen und dadurch versiegelt, wodurch sie größtenteils von den Einflüssen
von Luft, Verschmutzung und Fingerabdrücken geschützt sind und eine lange Haltbarkeit
erzielt wird. Die Aufnahme der Tinte im definierten Bereich bei bestrichenen Papieren
führt zu brillanten Farben und klaren Formen mit höchster fotografischer Qualität
[0010] Die langsame Tintenaufnahme bei den "quellbaren" Papieren führt zu längeren Trocknungszeiten
und daher zur Gefahr des Verschmierens - besonders wenn mehrere Blätter frühzeitig
aufeinander gelegt werden. Neuere Papiere sind auch mit Empfangsschichten beschichtet,
die aus einem pigmentierten, mikroporösen Material bestehen.
[0011] Der Einsatz von Proteinen, hauptsächlich der Gelatine, ermöglichte erst die moderne
Fotografie. Gelatine ist Grundlage für Filme, Fotopapier, Repro, Röntgenfilme oder
auch Kinofilmmaterialien. Fotografische Papiere bestehen aus einer Schutzschicht,
aus Gelatine.
[0012] Die darunter liegenden Emulsionsschichten bestehen ebenfalls aus Gelatine, in die
lichtempfindliche Silberhalogenid-mikrokristalle eingebettet sind. Die Gelatine verhindert
das Zusammenklumpen der Kristalle und sorgt so für eine gleichmäßige Verteilung. Die
Emulsionsschichten werden vom Schichtträger getragen. Eine abschließende Schicht (Lichthofschutzschicht)
besteht aus eingefärbter Gelatine. Sie verhindert die Reflexion des auffallenden Lichtes.
[0013] Für die Modifikation der Gelatineschichten, z.B. gegen Schleierbildung oder Desensibilisierung
durch Metallkontaminationen, sind eine große Anzahl von Chemikalien in der Literatur,
und besonders in der Patentliteratur, vorgeschlagen worden (U.S. Patent 4,269,927;
R. E. Atwell). Auch bei Fotopapieren und Fotofilmen werden die Gelatineschichten zur
Erhöhung der Stabilität chemisch vernetzt.
[0014] In dem US-Patent 5,834,232 von P. D. Bishop und G. Lasser wird darauf verwiesen,
dass die Vernetzung von Proteingelen auch bei der Beschichtung von Papieren (Gelatine)
mittels eines humanen Enzyms (FXIII) erreicht werden kann. Das Verfahren ist jedoch
wegen des sehr hohen Preises dieses Enzyms und wegen seiner Abhängigkeit von Ca
2+-lonen kaum wirtschaftlich.
[0015] Ähnlich wie oben beschrieben, können Polyethylen, Polypropylen, Polyester- und Amidfolien
mit Proteinen beschichtet werden, um die Oberflächeneigenschaften dieser synthetischen,
eher hydrophoben Oberflächen zu verändern. Dabei wird nicht nur die Hydrophilie stark
erhöht und damit auch die elektrostatische Aufladung verringert, sondern auch die
Beschreibbarkeit, Bedruckbarkeit (mit Tintenstrahldrucker usw.), die Feuchtigkeitsaufnahme,
der Glanz und die taktilen Eigenschaften werden verändert. Die oben beschriebenen
fotografischen Papiere sind PEbeschichtet, so dass der Auftrag des Proteingels bei
diesen Papieren auf ähnliche Weise erfolgt wie der Auftrag auf eine durchgängige Polymerfolie.
[0016] Besonders bei Einmalprodukten in der Medizin oder Kosmetik kann die Proteinbeschichtung
von Vorteil sein, insbesondere bezüglich Hautverträglichkeit, Schleimhautverträglichkeit,
Wundverträglichkeit, Sekretabsorption usw. Auch hier, wie in allen vorab beschriebenen
Anwendungen, ist in den meisten Fällen die Vernetzung der Proteine ein wichtiger Schritt.
[0017] Proteine, vor allem Gelatine, Kollagen, Casein, Getreideproteine, Milchproteine und
Sojaproteine eignen sich aus mehreren Gründen für die Beschichtung von flächigen Materialien
(Papiere, Folien, Gewebe, Vlies usw.), wobei die Oberflächeneigenschaften wie Hydrophilie,
Beschreib-, Bedruckbarkeit, weitere Beschichtbarkeit und Funktionalitäten in der Proteinmatrix,
wie fotografische Emulsionen und Farbstoffe, usw. verändert bzw. eingeführt werden
können. Nachteilig ist die schwache mechanische Stabilität dieser Proteinschichten,
die zur Auflösung der Proteinschicht führen kann, weshalb meist vernetzt werden muss.
Chemikalien, welche Proteine vernetzen, sind jedoch gerade wegen dieser Eigenschaft
toxikologisch bedenklich.
[0018] Im Nahrungsmittelbereich finden Transglutaminasen zahlreiche Anwendungen in der Vernetzung
von Fleisch-, Fisch-, Käse-, Milch-, Molkeproteinen, Sojaproteinen und Weizenproteinen
zur Erreichung einer verbesserten Struktur, einer höheren Viskosität oder veränderter
sensorischer Eigenschaften (Yokoyama
et al., Appl. Microbiol. Biotechnol. 64, 447-454 (2004)).
[0019] Aus der Literatur ist bekannt, dass der Einsatz von Transglutaminasen mit Nahrungsproteinen
zur Herstellung von Gelen geeignet ist.
[0020] Die DE 10141166 A1 (EP 1418818 A1) beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von Transglutaminase-vernetzten
Proteinen pflanzlicher Herkunft und Proteingelen. Die Verwendung dieser Proteingele
wird im Lebensmittelbereich gesehen, beispielsweise bei der Herstellung von Wurstwaren,
Desserts, Süßspeisen und Eiscremes.
[0021] Mittels Transglutaminase-katalysierter Vernetzung von Molkereiproteinen und Zein-Hydrolysaten
(Mais) gelang es essbare Folien herzustellen. Die Transglutaminase-vernetzten Proteine
enthielten ähnliche Wasserdampf-Permeabilitäten wie unvernetzte Filme, wiesen aber
eine verbesserte Flexibilität auf, wodurch die Zugabe von Weichmachern reduziert werden
konnte (Jun-Hyun Oh
et al., Int. J. Food Science and Technol., 39, 287-294).
[0022] Transglutaminasen (Protein-Glutamin: Amin-γ-glutamyltransferase; E.C. 2.3.2.13) katalysieren
spezifisch den Aufbau stabiler Querbrücken zwischen Proteinen. Dabei wird die Y-Carboxyamidfunktion
von Glutaminseitenketten unter Freisetzung von Ammoniumionen auf die ε-Aminogruppe
von Lysinresten übertragen (Folk and Finlayson, Adv. Protein Chem. 31, 1-133 (1977)).
[0023] Die gebildete Isopeptidbindung hält auch einer Hydrolyse durch Proteasen stand und
wird physiologisch erst nach vollständigem Abbau der Proteine durch die γ-Glutamylamin-Cyclotransferase
und durch die γ-Glutamyltransferase gespalten (Fink
et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 77, 4564-4568 (1980), Seguro
et al.; J. Agric. Food Chem. 43; 1977-1981 (1995)).
[0024] Für technische Anwendungen eignet sich vor allem die mikrobielle Transglutaminase
vom nicht-pathogenen
Streptomyces mobaraensis. Die "Food and Drug Administration" (FDA) hat diese Transglutaminase-Präparationen
als GRAS bezeichnet (GRN 000095). Ein Vorteil der mikrobiellen Transglutaminase besteht
darin, dass das Enzym für die Reaktion keine Calziumionen benötigt. Das breite Substratspektrum
sowie die höheren Reaktionsraten prädestinieren das Enzym für industrielle Anwendungen.
[0025] Die Vernetzung von Proteinen oder Peptiden zur Viskositätserhöhung und Verfestigung
mit Transglutaminase, besonders mit mikrobieller Transglutaminase, wie von
S. mobaraensis, ist vielfältig beschrieben und angewendet worden.
[0026] Bei der Vernetzung von dünnen Beschichtungen auf flächigen Trägern treten jedoch
Probleme auf, welche bislang nicht gelöst sind.
[0027] Der vorliegenden Erfindung lag das technische Problem zugrunde, ein möglichst ökonomisches
und wirtschaftliches Verfahren anzugeben, mit dem die Stabilität von proteinbeschichteten
Trägern verbessert und deren physikalische Eigenschaft verändert werden kann. Insbesondere
gilt es ein Verfahren anzugeben, das bei der Herstellung fotografischer Papiere die
physikalischen Eigenschaften der enthaltenen proteinhaltigen Schicht verändern kann.
[0028] Dieses Problem wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren zum Herstellen eines
Trägers mit einer darauf aufgebrachten proteinhaltigen Schicht, wobei das Protein
vor, während und/oder nach dem Aufbringen auf den Träger mit Hilfe einer Transglutaminase
vernetzt wird. Auf diese Weise lassen sich insbesondere Injektpapiere und fotografische
Papiere mit verbesserten Eigenschaften herstellen.
[0029] Die Vernetzung des Proteins kann somit zu verschiedenen Zeitpunkten des Herstellungsprozesses
herbeigeführt werden. Wird das Protein vor dessen Aufbringen auf den Träger mit Transglutaminase
zur Vernetzung umgesetzt, ist bei der Prozessführung darauf zu achten, dass das Protein
bzw. die proteinhaltige Lösung noch ausreichend flüssig (gießfähig) bleibt, um als
möglichst homogene Schicht auf den Träger aufgebracht zu werden. Wird die Transglutaminase
dem Träger erst zugeführt, nachdem er mit der proteinhaltigen Schicht versehen worden
ist, kann es zu einer asymmetrischen Ausbildung des Vernetzungsgrades in der proteinhaltigen
Schicht kommen. Dabei ist die Oberfläche der proteinhaltigen Schicht in der Regel
stärker vernetzt als die dem Träger zugewendete Seite. Umgekehrt führt das Aufbringen
des Enzyms auf den Träger vor der Proteinbeschichtung zu einer unten stark vernetzten
und oben offenen Struktur.
[0030] Als Enzym für die Vernetzung sind insbesondere mikrobielle Transglutaminasen von
Vorteil, da diese häufig Ca
2+ unabhängig sind, was für die Verfahrensführung von Vorteil ist.
[0031] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform stammt die Transglutaminase aus einem
Streptomyceten, wobei das Enzym aus
Streptomyces mobaraensis besonders bevorzugt ist.
[0032] Vorzugsweise wird die Transglutaminase in einer Aktivität eingesetzt, so dass 0,01
bis 150 Einheiten pro ml Proteinlösung vorliegen. Bei diesen Enzymaktivitäten wird
eine ausreichend rasche Vernetzung erzielt, wobei die Vernetzungsreaktion gut kontrollierbar
bleibt.
[0033] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird das Protein erst nach Aufbringen
der proteinhaltigen Schicht mittels Transglutaminase vernetzt. Diese Vorgehensweise
erlaubt die asymmetrische Vernetzung innerhalb der proteinhaltigen Schicht. Ein Vorteil
dieser Asymmetrie liegt darin, dass die gewünschten Eigenschaften der gesamten proteinhaltigen
Schicht nicht durch die Vernetzungsreaktionen, die nur an der Oberfläche stattfinden,
verändert werden. Die lokal begrenzte Vernetzung der Proteinschicht auf der Oberfläche
hat somit keinen negativen Einfluss auf die an sich gewünschten Eigenschaften der
Proteinschicht als solche.
[0034] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform werden mehrere proteinhaltige Schichten
auf den Träger aufgebracht, wobei die verschiedenen Schichten entweder eine gleiche
oder eine veränderte Proteinzusammensetzung und gleiche oder unterschiedliche Enzymvernetzungen
aufweisen können. Durch den Schichtaufbau und unterschiedliche Zugabe des Enzyms in
oder zwischen die Schichten lassen sich die Eigenschaften des hergestellten Schichten
auf vielfältige Weise variieren.
[0035] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird das zu vernetzende Protein ausgewählt
aus Gelatine, Kollagen, Sojaproteinen, Milchproteinen, Maisproteinen, Getreideproteinen,
Myosin, Fibrinogen, Fibrin, Fibronectin, Elastin sowie Mischungen und Hydolysaten
davon.
[0036] Schließlich ist es von Vorteil, wenn das Protein die Aminosäurereste von Lysin und
Glutamin in einem bestimmten Verhältnis enthält. Dabei wird auf die der enzymatischen
Reaktion zugänglichen Lysin- bzw. Glutaminreste abgestellt. Im Inneren des Proteins
versteckte Lysin- bzw. Glutaminreste sind der enzymatischen Reaktion nicht zugänglich
und können somit nicht zur Vernetzung des Proteins führen. Das der enzymatischen Reaktion
zugängliche Verhältnis von Lysin zu Glutamin liegt vorzugsweise zwischen 0,8 und 1,2
ganz besonders bevorzugt zwischen 0,9 und 1,1. Dieses Verhältnis ermöglicht die Ausbildung
besonders stabiler Vernetzungsprodukte. Die Anzahl der enzymzugänglichen Gruppen lässt
sich durch Wahl der Konzentration des Proteins, des pH-Wertes, der Salzkonzentration,
der Pufferzusammensetzung, der Anwesenheit von chaotropen und/oder oberflächenaktiven
Substanzen je nach Bedarf einstellen. Die Bestimmung der enzymatisch zugänglichen
Gruppen unter den jeweiligen Bedingungen kann, wie unter Beispiel 8 aufgeführt, ermittelt
werden.
[0037] Die enzymatische Vernetzungsreaktion lässt sich steuern und auch stoppen durch eine
pH-Erhöhung bzw. Erniedrigung, Temperaturerhöhung, Zugabe von Inhibitoren (z. B. Cu
2+) sowie den weiteren dem Fachmann geläufigen Verfahren zur Hemmung von Enzymaktivitäten.
[0038] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird die proteinhaltige Schicht derart
ausgebildet, dass ihr weitere natürliche und/oder synthetische Polymere zugesetzt
werden, so dass nach erfolgter enzymatischer Vernetzung des Proteins ein interpenetrierendes
Netzwerk aus Protein und weiterem Polymer entsteht.
[0039] Die Vernetzung des Proteins mit der Transglutaminase wird bei einer Temperatur zwischen
0°C und 65°C, vorzugsweise bei einer Temperatur zwischen 30°C und 65°C, durchgeführt.
[0040] Weiterhin ist der pH-Wert während der Vernetzungsreaktion auf einen Wert von 4 bis
9, vorzugsweise 5 bis 8, eingestellt.
[0041] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird eine Proteinlösung zum Herstellen
der proteinhaltigen Schicht eingesetzt, bei der das Protein in einer Menge von 0,05
Gew. % bis 30 Gew. % vorliegt.
[0042] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform werden der proteinhaltigen Lösung
vor, während oder nach deren Aufbringen auf den Träger weitere lösliche oder mikropartikuläre
Substanzen zugesetzt. Die Mikrokapseln, wie auch die weiteren löslichen und unlöslich
zugesetzten Substanzen können zur kovalenten BindungNernetzung geeignete Gruppen,
wie Lysin und Glutamin enthalten. Bei solchen Varianten erfolgt die Vernetzung dieser
zugesetzten Substanzen/Mikrokapseln gleichzeitig mit der Vernetzung des Proteins.
[0043] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform werden in die Proteinschicht funktionelle
Substanzen, ausgewählt aus Farbstoffen, Pigmenten, Aromastoffen, Wirkstoffen, Weichmachern,
Magnetwerkstoffen, Emulgatoren, Antistatika, magnetischen Materialien, Metallen und
Metallsalzen, eingebracht. Die Auswahl der Substanzen richtet sich nach den gewünschten
Eigenschaften des herzustellenden Trägers.
[0044] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform werden der proteinhaltigen Schicht
Silberhalogenide zugesetzt. Dieser Zusatz ist insbesondere bei der Herstellung von
fotografischen Papieren von Bedeutung.
[0045] Schließlich können der proteinhaltigen Schicht auch Mikrokapseln zugesetzt werden,
die je nach Anwendung verschiedene "Wirkstoffe" enthalten können. Einerseits sind
für die Lebensmittelverpackung z.B. eingebrachte Wirkstoffe mit stabilisierender Wirkung
auf das verpackte Gut oder zum Schutz vor penetrierenden Stoffen (besonders Sauerstoff)
von Vorteil. Andererseits können bei der Anwendung solcher Schichten in der Kosmetik
und Medizin in den Mikrokapseln kosmetisch und medizinisch wirksame Stoffe eingebracht
sein. Dem Fachmann ist die Auswahl von Verkapselungsmethoden und verkapselten Wirkstoffen
aus der umfangreichen Fach- und Patentliteratur bekannt.
[0046] Insbesondere zeichnet sich die proteinhaltige Schicht in dem erfindungsgemäßen Träger
durch eine erhöhte Stabilität und mechanische Beanspruchbarkeit aus.
[0047] Der erfindungsgemäße Träger eignet sich insbesondere zur Herstellung vom Injektpapier
und fotografischen Papieren.
[0048] Die vorliegende Erfindung erlaubt die Vernetzung des Proteins / der Proteinmischung
oder der Mischung von Proteinen mit synthetischen Polymeren unter schonenden Bedingungen,
zu wirtschaftlichen konkurrenzfähigen Kosten und ohne zusätzliche Prozessschritte.
Durch Zugabe eines Biokatalysators/Enzyms aus der Klasse der Transglutaminasen, vorzugsweise
von mikrobiellen, Ca
2+-unabhängigen Transglutaminasen, insbesondere von Transglutaminase (TGase) aus Streptomyceten,
besonders
S. mobaraensis, wird die Vernetzung herbeigeführt. Der Vernetzungsgrad wird dabei nicht nur über
die Menge des Enzyms und die Bedingungen der Enzymeinwirkung, sondern auch über die
Auswahl des verwendeten Proteins/Proteingemisches gesteuert.
[0049] Durch Zugabe des Enzyms vor dem Proteinbeschichtungsvorgang auf den Träger und/oder
nach der Beschichtung auf die Proteinoberfläche führt überraschenderweise auch zu
einer sehr befriedigenden Vernetzung des Proteins. Dies überrascht, weil die Diffusion
des Enzyms in einer proteinhaltigen Schicht, welche zudem durch das Enzym vernetzt
ist, nur beschränkt möglich ist.
[0050] Durch Hydrolyse der so vernetzten Filme konnte auch gezeigt werden, dass die Vernetzung
asymmetrisch erfolgt und nur auf der Seite der Enzymeinwirkung eine säurefeste Schicht
entsteht.
[0051] Selbstverständlich kann die erfindungsgemäße enzymatische Vernetzung auch kombiniert
werden mit der zusätzlichen Zugabe von Enzymen zur Gießlösung, um deren Viskosität
vorab, aber gesteuert, zu erhöhen. Ferner kann die enzymatische Vernetzung mit bekannten
chemischen Vernetzungsverfahren kombiniert werden.
[0052] Die proteinhaltige Schicht enthält entweder nur Proteine (bzw. Proteinhydrolysate)
oder enthält zusätzlich natürliche oder synthetische Polymere bzw. unterschiedlichste
Additive zwecks Veränderung der physikalischen Eigenschaften, dem Ausfüllen von Flächenunebenheiten,
der Aufbringung einer durchgehenden Schicht und deren Funktionalisierung.
[0053] Das Verfahren ermöglicht auch Oberflächen von Beschichtungen nachträglich zu modifizieren
bzw. zu funktionalisieren. Mittels Transglutaminase-katalysierter Reaktion können
Verbindungen mit Glutamin- und Lysin-Resten kovalent auf die Beschichtung aufgebracht
werden, wobei gleichzeitig die Vernetzung der Proteinphase erfolgt.
[0054] Überraschenderweise konnte gezeigt werden, dass Transglutaminase-vernetzte Gelatinegele
ein vergleichbares Quellverhalten zeigen, wie sie unbehandelte Gelatinegele aufweisen.
Die erfindungsgemäße Vernetzung der Proteine ermöglicht daher eine Stabilisierung
der Gele ohne die gewünschte Eigenschaft des Quellens der beschichteten Papieren negativ
zu beeinflussen. Transglutaminase vernetzte Gelatine nimmt die gleiche Wassermenge
auf wie unbehandelte Gelatine, da die Transglutaminase den gequollenen Zustand stabilisiert.
Die Quellung der Gelatine bleibt daher garantiert, d.h. fotografische Reagenzien wie
Fixierer, Entwickler und Stabilisator können die Schichten durchdringen und ebenso
durch Waschen wieder entfernt werden.
[0055] Die Beschichtung der Papiere mit mehreren Schichten unterschiedlicher Zusammensetzung
und unterschiedlicher Enzymzugabe kann durch das Vernetzungspotential der Transglutaminase
positiv beeinflusst werden. Sowohl die Schutzschicht als auch alle anderen Proteinschichten
wie z.B. die Farbempfangsschicht können durch den Einsatz von Transglutaminase modifiziert
werden.
[0056] Die enzymatische Reaktion ermöglicht es gezielt natürliche und synthetische Proteinmischungen
herzustellen bzw. funktionelle Gruppen in diese einzubauen. Durch Einbau von geladenen
Gruppen in die Proteinmischung kann die Nettoladung verändert werden und damit die
optimale Bindung zwischen aufgedruckter Tinte und Empfangsschicht eingestellt werden.
[0057] Die Transglutaminase-Technologie kann bei Papierbeschichtungen mit natürlichen Bindemitteln
wie z.B. Stärke, Casein, Sojaprotein, Mais, Getreide und mit jedem Pigmentsystem (z.B.
Kaolin, Calziumcarbonat, Talk, Titandioxid, Siliziumdioxid) eingesetzt werden.
[0058] Die enzymatische Vernetzung von natürlichen und/oder modifizierten Proteinen, deren
Funktionalisierung oder die Einbettung von Kapseln in die Matrix, ermöglichen es beschichtete
Papiere herzustellen, die in der Lage sind die Tinte besser und schneller einzuschließen,
die schneller trocknen und weniger anfällig für Feuchtigkeit sind. Ähnlich wie bei
fotografischen Papieren können Mehrfachschichten mit unterschiedlichen Funktionen
auf Papiere aufgebracht werden.
[0059] Bei einem bevorzugten Verfahren erfolgt das getrennte Aufbringen von Enzymen und
Proteinschichten, z.B. Gelatinefilmen, und dieses Verfahren hat auch bei der Herstellung
fotografischer Papiere und Filme deutliche wirtschaftliche und verfahrensspezifische
Vorteile:
- Die Nutzung der Transglutaminase-Technologie kann ohne einschneidende Eingriffe in
den Fotopapier-Herstellungs-Prozess integriert werden kann.
- Aufgrund der Fähigkeit Gelatine zu vernetzen, können durch den Einsatz bakterieller
Transglutaminase herkömmliche Gelatine-Härtungsmittel (wie z.B. Carbodiimide) teilweise
oder vollständig ersetzt werden, was zu einer Reduzierung der Herstellungskosten führen
kann.
- Der Einsatz von Transglutaminase zur Härtung von Gelatinegüssen führt zu einer verbesserten
Haftung der Gelatineschichten auf einer PE-Unterlage.
- Die Zugabe von Transglutaminase zur Gießlösung kann die Produktqualität der Gelatine
derart verändern, dass das Gießprofil der Gelatineschichten gleichmäßiger ist, wodurch
der Anteil nichtverwertbarer Gelatine reduziert werden kann.
- Bei Einsatz der Transglutaminase ist die selektive Härtung von Gelatine-Schichten
oder der selektiven Härtung der Oberfläche von Gelatine-Schichten, anders als bei
niedermolekularen chemischen Vernetzern, möglich.
- Mittels Transglutaminase-katalysierter Vernetzung der Gelatine kann der Anteil der
auswässerbaren Gelatineanteile verringert werden, was zu einem verbesserten Entwicklungsprozess
führen kann.
[0060] Im folgendem wird die Erfindung anhand der beigefügten Beispiele im einzelnen beschrieben.
Beispiele
Beispiel 1
Schmelzverhalten von Transglutaminase-behandelter Gelatine
[0061] 20 ml Gelatinelösungen (10 % (w/w), Gallertfestigkeit ≥ 200 Bloom) wurden auf 40
°C temperiert. Die Vernetzung der Gelatine wurde durch Zugabe von 10 U Transglutaminase
pro g Gelatine gestartet. Die Kontrolle enthielt das entsprechende Volumen Wasser.
Nach 1 min, 2 min, 5 min, 10 min und 15 min wurden die Proben (Probe 1, 2, 5, 10,
15) für 3 min auf 100 °C erhitzt um die Transglutaminase-katalysierte Vernetzung zu
beenden.
Neben der Referenzprobe (Probe R) waren die Transglutaminase-Gelatinepoben nach einer
Inkubationszeit von 1, 2 und 5 min flüssig. Nach einer Inkubationszeit von 10 min
war Gelatine mit Transglutaminase bereits zähflüssig und nach weiteren 5 min gelförmig.
Zur Bestimmung des Schmelzverhaltens wurden sämtliche Ansätze für 2 h auf 20 °C gekühlt.
Eine stufenweise Erhitzung der Proben bis auf 100 °C zeigte, dass R, 1, 2 und 5 bei
40 °C flüssig waren, während Probe 10 erst bei 50 °C schmolz. Probe 15 blieb auch
bei 100 °C gelförmig.
Beispiel 2
Funktionalisieren von Gelatine-Lösungen.
[0062] Gelatine (5%, (w/w)) wurde mit 0 - 5%, (w/w) anderer Proteine Weizengluten von Sigma,
Supro 760 von DuPont und SWP 500 von Tate Lyle versetzt. Die Reaktionsansätze wurden
bei 50 °C inkubiert. Die Vernetzungsreaktion wurde durch Zugabe von 10 U Transglutaminase
pro g Gelatine gestartet. Über einen Zeitraum von 4 h wurde der Zeitpunkt ermittelt,
an dem Gelatine sowie Gelatine-Proteinmischungen aufgrund der Transglutaminase-Vernetzungsreaktion
Gele bildeten.
Der Zusatz von ≥ 1 % Gluten, Supro 760 und SWP zu einer 5%igen Gelatine-Lösung führte
mittels Transglutaminase-katalysierter Reaktion zu einer verkürzten Gelbildungszeit.
Nach einer Inkubationszeit von 30 min bei 50 °C lagen die Proteinmischungen als Gel
vor, während die Referenzproben mit Transglutaminase ohne Gluten, Soja bzw. SWP noch
nach 30 min flüssig waren.
Beispiel 3
Bestimmung der Zugfestigkeit von Transglutaminase-vernetzter Gelatine
[0063] Für diese Versuche mussten Gelatineschichten ohne Träger verwendet werden. Transglutaminase
vernetzte Gelatineschichten (10 U pro g Gelatine, 10% (w/w), Gallertfestigkeit: ≥
200 Bloom) und Gelatineschichten ohne Transglutaminase-Zugabe wurden einer Zugprüfung
in Anlehnung an DIN EN ISO 527-3 unterzogen Aus den Mustern wurden 15 mm breite Streifen
ausgeschnitten und in die Zugprüfmaschine eingespannt. Vor der Prüfung wurde die Dicke
der Messstreifen mit Hilfe eines Dickenmesstasters geprüft. Die Angabe der Zugfestigkeit
erfolgte in N/15mm. Es wurde die Maximalkraft bestimmt.
Parameter: Abstand der Spannelemente: 25 mm; Abzugsgeschwindigkeit: 100 mm/min
| Muster |
Zugfestigkeit [N/15 mm] |
Zugdehnung [%] |
Dickenbestimmung [µm] |
| Ohne TGase |
61 |
121 |
150 µm |
| Mit TGase |
73 |
190 |
150 µm |
[0064] Transglutaminase vernetzte Schichten wiesen eine erhöhte Zugfestigkeit und eine verbesserte
Dehnfähigkeit auf.
Beispiel 4
Beschichtung unterschiedlicher Oberflächenmaterialien
[0065] Verschiedene Trägermaterialen (Papier, Vlies, Zellophan, Polyethylen, Polyethylenterephthalat,
orientiertes Polypropylen transparent, metallisiert und opak) wurden mit einer 10%igen
Gelatine-Lösung (≥ 200 Bloom, pH 5,3, 3% (w/w) Glycerin), der 10 U Transglutaminase
pro g Gelatine direkt vor Auftrag zugesetzt wurde, beschichtet. Die Oberfläche wurden
mit einem Glattrakel dosiert.
Bei allen Trägern wurden gut haftende, vernetzte Schichten erhalten, deren Säurehydrolyse
stark verlangsamt war (siehe Beispiel 6)
Beispiel 5
Kratzfestigkeit von Papier-Beschichtungen
[0066] Eine 10%ige (w/w) Gelatine-Lsg. (≥ 200 Bloom, 3% (w/w) Glycerin, 20 ml) mit 10 U
Transglutaminase pro g Gelatine wurde nach einer Inkubationszeit von 10 min bei 37
°C mit einem Glattrakel auf ein Trägermaterial bestehend aus Papier (230 g/m
2, holzfrei weiß) gegeben. Als Referenz erfolgte die Papierbeschichtung mit Gelatine
ohne Transglutaminase. Die beschichteten Papiere wurden bei 20 °C für 72 h getrocknet.
Nach dem Bedrucken der Papiere mit einer Testgraphik wurden von den bedruckten Proben
Muster entnommen und direkt ohne weitere Vorbehandlung nach der Methode von Oeser
(Parameter: Auflagegewicht 1,125 kg, Dauer des Abriebversuches: 5 Minuten, Abriebpartner:
raue Seite eines 60 g Papiers) geprüft.
Die Gelatinebeschichtung, die mit Transglutaminase vernetzt wurde, wies im Vergleich
zur Referenzbeschichtung einen geringeren Abrieb auf.
Beispiel 6
Asymmetrische Gelatine-Vernetzung mittels Transglutaminase
[0067] Gelatine-Schichten (12% (w/w), Gallertfestigkeit: ≥ 200 Bloom, 5 cm x 3 cm x 1 mm)
auf PE-Träger wurden mit 0,5 U Transglutaminase (5 U/ml, gelöst in destilliertem Wasser)
bestrichen. Referenzfolien wurden entsprechend mit destilliertem Wasser behandelt.
Die Inkubation der Folien erfolgte bei 37 °C für 12 h bei einer relativen Luftfeuchtigkeit
von 100 %.
Die mit destilliertem Wasser bestrichene Gelatine-Schicht löste sich in 0,1 M HCl
nach 5-10 min auf. Bei der Transglutaminase behandelten Schicht konnte noch nach 60
min eine Gelatineschicht von ca. 0,1 mm nachgewiesen werden. Da die Transglutaminase
nicht die gesamte Gelatine-Schicht durchdringt, findet die Vernetzung nicht über den
gesamten Folien-Querschnitt statt.
Beispiel 7
Asymmetrische Funktionalisierung von Oberflächen
[0068] Transglutaminase-vernetzte Gelatineschichten (10% (w/w), 10 U Transglutaminase pro
g Gelatine ≥ 200 Bloom, pH 5,3) und Transglutaminase-vernetzte Gelatine-Soja-Schichten
(10% (w/w), 10 U Transglutaminase pro g Gelatine ≥ 200 Bloom mit 1 % Supro 760, pH
5,3) wurden auf einer Seite entweder mit 10 mM Dabsylcadaverin oder 10 mM Z-QG-CAD-Dabsyl
jeweils in 50 mM Natriumphosphat-Puffer pH 6,0 mit Transglutaminase (10 U/ml) versetzt.
Als Referenz wurde der Farbstoff ohne Transglutaminase auf die Gelatineschicht aufgetragen.
Die Schichten wurden anschließend für 1 h bei 37 °C inkubiert. Zum Herauslösen der
adhäsiv gebundenen Farbstoffe wurden die Schichten für 2 h in einer DMSO-Lösung (75%
(w/w) DMSO in 50 mM Natriumphosphat-Puffer pH 6,0 mit 0,5 M NaCl) gewaschen.
[0069] Der Transglutaminase-katalysierte Einbau von Z-QG-CAD-Dabsyl an die Oberfläche eines
Transglutaminase-vernetzten Gelatine-Schicht ergab eine gefärbte Folie. Offensichtlich
liegen noch unvernetzte Lysin-Aminosäurereste an der Oberfläche einer bereits enyzmbehandelten
Gelatineschicht vor.
[0070] Dabsylcadaverin konnte nicht mehr enzymatisch an die Oberfläche des Gelatine-Schicht
gekoppelt werden. Alle zugänglichen Glutamin-Reste waren bereits verbraucht.
Demgegenüber ermöglicht der Zusatz von 1 % (w/w) Sojaprotein zur Gelatine (Gelatine-Soja-Schicht)
die Transglutaminase-katalysierte Kopplung des Farbstoffs Dabsylcadaverin an die Oberfläche
der Schicht.
Referenzschichten, die nur den Farbstoff ohne Transglutaminase aufgenommen hatten,
konnten durch Waschen der Gele mit DMSO vollständig entfärbt werden.
Beispiel 8
Messung zugänglicher Lysin- und Glutaminreste in Proteinen
[0071] 4 µM alpha-Lactalbumin (Typ I, von Sigma) in 50 mM Tris-HCl pH 7,0 wurden mit FAM-DAH
(Fluorescein-Diaminohexan) oder Z-QG-DAH-FAM und 0,5 U/ml Transglutaminase für 1 h
bei 37°C inkubiert. Der Transglutaminase katalysierte Einbau der fluoreszierenden
Substrate in alpha-Lactalbumin wurde durch Zugabe von 0,35 mM Z-DON-Gly-OH abgestoppt.
Die Abtrennung des freien Farbstoffes erfolgte mit Gelpermeations-chromatographie.
Zur Fragmentierung der markierten Proteine wurden diese anschließend mit 1 µg/ml Protease
von
S.
griseus (Sigma) und 1 µg/ml Proteinase K (Roche) versetzt und für 16 h bei 37°C hydrolysiert.
Anhand von Kalibrierungsgeraden, die mittels Fluoreszenzmessung mit FAM-DAH und Z-QG-DAH-FAM
erstellt wurden, konnte der Markierungsgrad bestimmt werden. Alpha-Lactalbumin enthält
jeweils ein für Transglutaminase zugängliches Glutamin und Lysin.
1. Verfahren zur Herstellung einer proteinhaltigen Schicht auf flächigen Trägern dadurch gekennzeichnet, dass die Proteinphase auf dem Träger mit Hilfe von Transglutaminase, vorzugsweise einer
mikrobiellen Transglutaminase, vernetzt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Transglutaminase aus einem Streptomyceten stammt.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Transglutaminase aus Streptomyces mobaraensis stammt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Transglutaminase mit einer Aktivität von 0,01 bis 150 Einheiten pro ml Proteinlösung
eingesetzt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Transglutaminase vor, während und/oder nach dem Beschichtungsvorgang zur Proteinlösung
zugegeben wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Transglutaminase vor, während und/oder nach dem Beschichtungsvorgang zur Proteinschicht
zugegeben wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass ein Teil des Enzyms in die Proteinlösung und ein Teil vor oder nach der Proteinbeschichtung
zugegeben wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass eine asymmetrisch vernetzte proteinhaltige Schicht ausgebildet wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass mehrere proteinhaltige Schichten mit gleicher oder veränderter Proteinzusammensetzung
auf dem Träger aufgebracht werden.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die proteinhaltigen Schichten jeweils zuvor, einzeln zwischen verschiedenen Proteinschichten
oder am Ende mit Enzym versetzt und vernetzt werden.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Protein ausgewählt wird aus Gelatine, Kollagen, Keratin, Sojaproteinen, Milchproteinen,
Molkeproteinen, Maisproteinen, Lupinenproteinen, Getreideproteinen, Myosin, Fibrinogen,
Fibrin, Fibronectin, Elastin sowie Mischungen und Hydrolysaten davon.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Protein/Proteinmischungen Lysin- und Glutaminreste enthält, wobei das der enzymatischen
Reaktion zugängliche Verhältnis von Lysin- zu Glutaminrest zwischen 0,8 und 1,2, vorzugsweise
zwischen 0,9 und 1,1, liegt.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die die Bestimmung enzymatisch zugänglichen funktionellen Amino- bzw. Glutamingruppen
vorzüglich durch enzymatische Reaktion mit fluoreszenzmarkierten Transglutaminase-Substraten
erfolgt.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass der proteinhaltigen Schicht weitere natürliche und/oder synthetische Polymere zugesetzt
werden, so dass nach enzymatischer Vernetzung des Proteins ein interpenetrierendes
Netzwerk aus Protein und Polymer entsteht.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Vernetzung des Proteins mit dem Enzym bei einer Temperatur zwischen 0°C und 65°C,
vorzugsweise zwischen 30°C und 65°C, durchgeführt wird.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Enzymvernetzung bei einem pH-Wert von 4 bis 9, vorzugsweise von 5 bis 8, durchgeführt
wird.
17. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass eine Proteinlösung zum Herstellen der proteinhaltigen Schicht eingesetzt wird, die
einen Proteinfeststoffanteil von 0,05 Gew. % bis Gew. 30 % aufweist.
18. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass der proteinhaltigen Lösung vor, während oder nach deren Auftragen auf den Träger
lösliche und/oder mikropartikuläre Substanzen zugesetzt werden.
19. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 18, dadurch gekennzeichnet, dass nicht das gesamte Protein in gelöster Form vorliegt.
20. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 19, dadurch gekennzeichnet, dass die enzymatische Vernetzung gesteuert/gestoppt wird durch pH-Erhöhung bzw. -Erniedrigung,
Temperatur-Erhöhung, und/oder Zugabe von Inhibitoren (z.B. Cu2+).
21. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 20, dadurch gekennzeichnet, dass zugesetzten Substanzen ausgewählt werden aus Farbstoffen, Pigmenten, Aromastoffen,
Wirkstoffen, Weichmachern, Magnetwerkstoffen, Emulgatoren, Antistatika, magnetischen
Materialien, Metallen und Metallsalzen.
22. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 21, dadurch gekennzeichnet, dass der proteinhaltigen Schicht Silberhalogenide zugesetzt werden.
23. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 22, dadurch gekennzeichnet, dass der proteinhaltigen Schicht Silberhalogenide und Farbkuppler zugesetzt werden.
24. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 23, dadurch gekennzeichnet, dass in die proteinhaltige Schicht Mikrokapseln eingebracht werden oder diese vor oder
nach dem Beschichtungsschritt aufgebracht werden und die Proteinschicht Mikrokapseln
enthält.
25. Träger mit proteinhaltiger Schicht erhältlich nach einem Verfahren nach einem der
Ansprüche 1 bis 24.
26. Träger nach Anspruch 25 als Bestandteil von Injektpapier.
27. Träger nach Anspruch 25 als Bestandteil von fotographischem Papier.
28. Verwendung des Trägers nach Anspruch 25 zur Herstellung von Injektpapieren.
29. Verwendung des Trägers nach Anspruch 25 in der Herstellung von fotografischem Papier.
30. Verwendung einer Transglutaminase, vorzugsweise einer mikrobiellen Transglutaminase
von Streptomyces mobaraensis zur Herstellung eines Produkts nach einem der Ansprüche 25 bis 27 oder zur Durchführung
eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 24.