[0001] Die Erfindung betrifft eine Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung für eine Feuerleistungsregelung
einer Müllverbrennungsanlage gemäss Anspruch 1 und ein Verfahren zum Betrieb einer
Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung gemäss Anspruch 11.
[0002] In Müllverbrennungsanlagen kann eine bei der Müllverbrennung anfallende Wärmeleistung
für die Umwandlung in elektrische Energie genutzt werden. Zu diesem Zweck wird die
Verbrennungswärme über Wärmetauscher mit Dampferzeugungen in Dampfkesseln gekoppelt.
Der erzeugte Dampf wird über einen Dampfverteiler zu einer Dampfturbine geleitet und
dient dort ihrem Antrieb. Als Mass für die erzeugte Dampfleistung wird im Allgemeinen
ein Dampfmassenstrom in [kg/s] angegeben.
[0003] Für die Bereitstellung einer konstanten elektrischen Leistung durch die Dampfturbine
ist es wiederum vorteilhaft, die Wärme- bzw. die Dampfleistung konstant zu halten.
Heizwertschwankungen des Mülls, bedingt durch eine variierende stoffliche Zusammensetzung,
unterschiedliche Porosität bzw. Stückigkeit und einen sich ändernden Wassergehalt,
müssen zu diesem Zweck durch technische Massnahmen ausgeglichen werden. Zu diesen
technischen Massnahmen gehört unter anderem eine Anpassung des Mülldurchsatzes.
[0004] Ein Verfahren zum Betreiben einer Müllverbrennungsanlage ist beispielsweise aus der
EP-B-0499976 bekannt. Dabei wird zur gleichmässigen Erzeugung der Wärmemenge die Müllzufuhr
und die Primärluftzufuhr mittels einer gleichsinnig wirkenden Kaskadenregelung beeinflusst.
Die erzeugte Dampfmenge wird erfasst und dient als Hauptregelgrösse. Starke Änderungen
der Müllbeschaffenheit und damit des Heizwertes, die eine Änderung der Betriebsparameter
im gegenläufigen Sinn erfordern, werden von dieser Feuerleistungsregelung entsprechend
unzureichend ausgeglichen.
[0005] Eine derartige Anforderung tritt beispielsweise dann auf, wenn feuchter Müll - also
Müll mit einem stark verringerten Heizwert - dem Verbrennungsraum zugeführt wird.
Bei einer gleichsinnigen Erhöhung des Mülldurchsatzes kann dies zu einer unvollständigeren
Verbrennung führen, wobei die Wärmeleistung nicht adäquat erhöht wird. Im Extremfall
kann es sogar zum Verlöschen des Feuers kommen.
[0006] In der WO-A-01/25691 wird ein Verfahren zur Müllverbrennung beschreiben, bei welchem
diesem Umstand Rechnung getragen wird. Dazu werden ausgehend von zwei Regelgrössen,
der erzeugten Dampfleistung und dem Sauerstoffgehalt im Verbrennungsraum, die Stellgrössen
Mülldurchsatz und Luftzufuhr zum Verbrennungsraum beeinflusst. Die Regelung erfolgt
dabei derart, dass durch ein Schutzelement beim Überschreiten eines vorbestimmten
Maximalwertes durch wenigstens eine der Regelgrössen der Mülldurchsatz oder die Luftzufuhr
verringert wird.
[0007] Da der Mülldurchsatz in diesem Verfahren indirekt über die erzeugte Dampfleistung
erfasst wird, kann es in der Praxis zu Diskrepanzen zwischen diesem indirekt erfassten
und dem tatsächlichen Mülldurchsatz kommen. Darüber hinaus handelt es sich bei dem
indirekt erfassten Mülldurchsatz um einen quasi-aktuellen Momentanwert. In Bezug auf
die gesamte Verweildauer des Mülls bei der Zufuhr und dem Transport durch den Verbrennungsraum,
welche in der Grössenordnung von 2 h liegt, bedingt die indirekte Erfassung des quasi-aktuellen
Momentanwertes eine stark zeitverzögerte Reaktionsmöglichkeit hinsichtlich der Beladung
des Beschickungssystems.
[0008] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine Regelungseinheit für eine Feuerleistungsregelung
einer Müllverbrennungsanlage bereitzustellen, mit welcher der tatsächliche Mülldurchsatz
und damit der Beschickungszustand erfasst und ein andauernder, betriebstechnisch nicht
erwünschter Überlastbetrieb der Müllverbrennungsanlage vermieden wird.
[0009] Die Aufgabe wird durch eine Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung für eine nachgeordnete
Feuerleistungsregelung einer Müllverbrennungsanlage gemäss Anspruch 1 und ein Verfahren
zum Betrieb einer Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung nach Anspruch 11 gelöst.
[0010] Die erfindungsgemässe Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung weist eine Mittelungseinheit,
einen Mülldurchsatz-Begrenzungsregler und eine Minimumeinheit auf. Ausgehend von wenigstens
zwei Eingangssignalen, einem auf ein Beschickungssystem der Müllverbrennungsanlage
aufgebrachten Müllgewicht und einem vorgegebenen maximalen Mülldurchsatz, erzeugt
die Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung ein Ausgangsignal für einen Dampfleistungssollwert
zur Weiterverarbeitung in einer nachgeordneten Feuerleistungsregelung. Der Dampfleistungssollwert
wird dabei derart angepasst, dass bei einem in Abhängigkeit vom Müllgewicht bestimmten
gemittelten Mülldurchsatz, der grösser ist als ein vom maximalen Mülldurchsatz abhängiger
Grenzwert, der Dartpfleistungssollwert im Wesentlichen verringert wird. Als Folge
davon wird die nachgeschaltete Feuerleistungsregelung den Mülldurchsatz reduzieren.
[0011] Durch eine derartige Regelung des Dampfleistungssollwertes als Führungsgrösse für
die nachgeordnete Feuerleistungsregelung ist innerhalb des spezifizierten Arbeitsbereiches
ein wirtschaftlicher Betrieb am vorbestimmten Arbeitspunkt sichergestellt, ein zeitlich
begrenzter, wirtschaftlich sinnvoller und anlagentechnisch vertretbarer Betrieb im
Überlastbereich ermöglicht und eine langandauernde Überbelastung durch eine ungehinderte
Steigerung der Müllzufuhr bei der Verbrennung von Müll mit niedrigem Heizwert effizient
verhindert.
[0012] Vorteilhafte Ausführungen der Erfindung werden anhand der folgenden Figuren beschrieben.
Die Figuren zeigen im Einzelnen:
- Fig. 1
- ein Feuerungsdiagramm mit einem Arbeitsbereich und einem tolerierbarem Überlastbereich;
- Fig. 2
- ein Blockschaltbild einer Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung (MBR) ;
- Fig. 3
- ein Diagramm mit einer zeitlichen Abfolge von Müllgewichten und einer Faltungsfunktion
zur Bestimmung eines gemittelten Mülldurchsatzes;
- Fig. 4
- ein Blockschaltbild eines Mülldurchsatz-Begrenzungsreglers; und
- Fig. 5
- ein Diagramm, welches die Abhängigkeit eines Ausgangssignals des Mülldurchsatz-Begrenzungsreglers
(MBr) vom Mülldurchsatz unter Einbezug eines Totbandes darstellt.
[0013] Ein Feuerungsdiagramm 10, wie das in Fig. 1 gezeigte, bildet die Grundlage für die
Auslegung einer Müllverbrennungsanlage. Die beim Verbrennungsprozess erzeugte Wärmeleistung
PW wird in dem Feuerungsdiagramm 10 als Funktion des Mülldurchsatzes MD dargestellt.
Als Parameter sind darin weiterhin Geraden von Heizwerten H0, H1, H2 verschiedener
Müllqualitäten eingetragen. Ein sechseckiges Gebiet umrandet einen für die Müllverbrennungsanlage
spezifizierten Arbeitsbereich 12, der alle vom Hersteller garantierten Dauerlastzustände
umfasst.
[0014] Der Arbeitsbereich 12 wird begrenzt durch Geraden eines niedrigen Heizwertes H0 und
eines hohen Heizwertes H2, einer minimalen Wärmeleistung 14 und maximalen Wärmeleistung
16 sowie einem minimalen Mülldurchsatz 18 und einem maximalen Mülldurchsatz 20. Die
Wärmeleistung PW und der Mülldurchsatz MD eines angestrebten Arbeitspunktes im Arbeitsbereich
12 schwanken infolge einer inhomogenen Müllqualität und aufgrund einer diskontinuierlichen
Beladung eines Beschickungssystems. Insbesondere bei Arbeitspunkten, die auf der Geraden
der maximalen Wärmeleistung 16 und des maximalen Mülldurchsatzes 20 liegen, können
diese Schwankungen zu Überlastzuständen führen. Kurzzeitige Überlastzustände im Bereich
von Minuten führen in der Regel nicht zu einem Schaden für die Müllverbrennungsanlage.
Hingegen sind länger andauernde Überlastzustände zu verhindern, um Folgeerscheinungen,
wie eine Materialermüdung, Stauerscheinungen im Beschickungssystem, eine instabile
Feuerlage oder ein Überschreiten gesetzlicher Bestimmungen zu vermeiden.
[0015] Entlang der Geraden der maximalen Wärmeleistung 16 können länger andauernde Überlastzustände
effektiv durch oben genannte Feuerleistungsregelungen FLR verhindert werden. Im sich
entlang der Geraden des maximalen Mülldurchsatzes 20 anschliessenden Überlastbereich
22, der im Feuerungsdiagramm 10 schraffiert ist, greift hingegen die nachfolgend beschriebene
Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung MBR ein, um länger andauernde Überlastzustände zu
verhindern. Die Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung MBR tritt dabei im Sinne einer Kaskadenregelung
als Führungsregler für die Führungsgrösse Dampfsollwert DS einer nachgeordneten Feuerleistungsregelung
FLR, beispielsweise gemäss der EP-B-0499976, auf.
[0016] In Fig. 2 ist ein Blockschaltbild einer Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung MBR gezeigt.
Der Materialeintrag, das heisst die Beschickung mit Müll, erfolgt mit Hilfe eines
Greifers 24 einer Krananlage. Der Müll wird dabei in einen nicht gezeigten Trichter
eines Einfüllschachtes entlassen und belädt auf diese Weise ein ebenfalls nicht gezeigtes
Zuteilersystem. Mit Hilfe einer Gewichtsmesszelle GM wird ein vom Greifer 24 aufgenommenes
Müllgewicht MG bestimmt und über eine elektrische Signalleitung an die Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung
MBR übermittelt. Die Erfassung der Müllgewichte MG ermöglicht eine detaillierte Kenntnis
und Analyse des Momentanzustandes des Beschickungssystems (Beschickungszustand) und
erlaubt ein gezieltes Eingreifen zur Anpassung des Beschickungszustandes bei sich
ändernder Müllzusammensetzung. Darüber hinaus ist durch diese Kenntnis des Beschickungszustandes
und unter Einbeziehung eines momentanen Dampfleistungswertes eine Extrapolation zukünftiger
Lagen des Arbeitspunktes und damit zukünftiger Betriebszustände möglich.
[0017] Die Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung MBR ist in Fig. 2 durch eine gestrichelte Linie
umgrenzt und weist in dieser bevorzugten Ausführungsform die folgenden Einheiten auf:
eine Mittelungseinheit ME, einen Mülldurchsatzbegrenzungsregler MBr und eine Minimumeinheit
MIN. Die Einheiten ME, MBr, MIN sind in dieser Ausführungsform mittels elektronischer
Bauelemente hardware- und/oder softwaremässig implementiert. Alternativ können die
Einheiten ME, MBr, MIN jedoch auch mittels pneumatischer Komponenten realisiert werden.
[0018] Die Mittelungseinheit ME erhält als Eingangssignal die Müllgewichte MG des jeweils
in den Trichter eingefüllten Mülls. Die Mittelungseinheit ME bestimmt daraus über
einen Mittelungszeitraum von 1 h bis 5 h, vorzugsweise von 3,5 h einen gleitenden
Mittelwert aus den Müllgewichten MG, dividiert diesen gleitenden Mittelwert durch
den Mittelungszeitraum und erzeugt dadurch einen gemittelten Mülldurchsatz gMD. Bei
der vorliegenden Ausführung werden dabei die Müllgewichte MG mit der in Fig. 3 gestrichelt
gezeichneten Faltungsfunktion 26 gewichtet.
[0019] Im Diagramm von Fig. 3 sind beispielhafte Müllgewichte MG als Funktion der Zeit t
in Form von zeitlich diskret aufgetragen Balken dargestellt. Der Mittelungszeitraum
erstreckt sich von -3,5 h bis 0 h und beträgt somit 3,5 h. Die in Fig. 3 eingezeichnete
Faltungsfunktion 26 weist eine stetig ab dem Zeitpunkt 0 h ansteigende, zeitlich vorlaufenden
Flanke 28 und eine stetig ab dem Zeitpunkt - 3 h abfallende, zeitlich nachlaufende
Flanke 30 auf. Zwischen der vorlaufenden und nachlaufenden Flanke 28, 30 verläuft
die Faltungsfunktion 26 wenigstens nahezu konstant. Der Mittelungszeitraum kann natürlich
spezifischen Erfordernissen angepasst werden. So erweist es sich in der Praxis beispielsweise
als sinnvoll einen weiteren gleitenden Mittelwert über 8 h zu bilden, der in die Regelung
mit einfliessen kann oder einem Bediener als Zusatzinformation bereitgestellt wird.
Wie der Mittelungszeitraum, kann natürlich auch die Faltungsfunktion 26 spezifischen
Gegebenheiten angepasst werden.
[0020] Die Berechnung eines gleitenden zeitlichen Mittelwertes im Zeit-Raum entspricht einer
Filterung im Frequenz-Raum. Daher ist die oben beschriebenen Mittelungseinheit ME
äquivalent zu einem Tiefpassfilter und kann auch physisch durch einen derartigen Tiefpassfilter
ersetzt werden. Entsprechend zur Anpassung der Faltungsfunktion 26 bei der Mittelungseinheit
ME können auch bei einem Tiefpassfilter verschiedene Parameter den spezifischen Gegebenheiten
angepasst werden. Im Sinne eines Tiefpassfilters stellt der gemittelte Mülldurchsatz
gMD eine Glättung der diskret in den Trichter eingefüllten Müllgewichte MG dar.
[0021] Als Eingangssignal des der Mittelungseinheit ME nachgeordneten Mülldurchsatz-Begrenzungsreglers
MBr wird neben dem gemittelten Mülldurchsatz gMD ein sogenanntes Totband TB zugeführt.
Aus den beiden Eingangswerten gMD, TB bestimmt der Mülldurchsatz-Begrenzungsregler
MBr einen geregelten Dampfleistungssollwert DSr. Eine detaillierte Beschreibung des
Aufbaus und der Funktion des Mülldurchsatz-Begrenzungsreglers MBr erfolgt in Zusammenhang
mit Fig. 4.
[0022] Die im Signalfluss an den Mülldurchsatz-Begrenzungsregler MBr anschliessende Minimumeinheit
MIN erhält neben dem geregelten Dampfleistungssollwert DSr einen per Handeingriff
vom Bediener bestimmten Dampfleistungssollwert DSh und einen berechneten Dampfleistungssollwert
DSb. Der berechnete Dampfleistungssollwert DSb wird in einer Dampfleistungsberechnungseinheit
DLB aus mindestens einem vom Bediener einzugebenden Heizwert HWh anhand von Modelrechnungen
bestimmt. Die Minimumeinheit MIN ermittelt den kleinsten der drei Eingangssignale
DSr, DSh, DSb und leitet dieses Ausgangssignal der Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung
MBR als Dampfleistungssollwert DS an die nachgeordnete Feuerleistungsregelung FLR
weiter. Die Feuerleistungsregelung FLR generiert dann entsprechende Stellwerte, welche
die Beladung des Beschickungssystems über den Greifer 24 beeinflusst.
[0023] In Fig. 4 ist ein detailliertes Blockschaltbild des Mülldurchsatz-Begrenzungsreglers
MBr dargestellt. Neben den bereits im Zusammenhang mit Fig. 2 genannten Eingangssignalen,
dem gemittelten Mülldurchsatz gMD und dem Totband TB, weist der Mülldurchsatz-Begrenzungsregler
MBr drei weitere, in der Überblicksdarstellung nicht gezeigte Eingangssignale auf:
einen maximalen Mülldurchsatz MDmax, einen Skalierungsfaktor SF und ein Ein/Aus-Schaltsignal
E/A.
[0024] In Signalflussrichtung wird zunächst ein Differenzmülldurchsatz DMD aus der Differenz
zwischen dem gemittelten Mülldurchsatzes gMD und dem maximalen Mülldurchsatz MDmax
in einem Differenzglied DG ermittelt. Der Differenzmülldurchsatz DMD wird zusammen
mit dem Totband TB, als Eingangssignal einem Totbandanpassungsglied TBA zugeführt.
[0025] Die Funktion des Totbandanpassungsgliedes TBA wird nun in Zusammenhang mit Fig. 5
erläutert. Das Diagramm in Fig. 5 zeigt ein Ausgangssignal tDMD des Totbandanpassungsgliedes
TBA als Funktion des Differenzmülldurchsatzes DMD. Das Totbandanpassungsglied TBA
gibt bei einem negativen Differenzmülldurchsatz DMD, was der Fall ist, wenn der gemittelte
Mülldurchsatz gMD kleiner ist als der maximale Mülldurchsatz MDmax (gMD < MDmax),
den Differenzmülldurchsatz DMD (tDMD = DMD) an seinen Ausgang und damit zu einem nachgeordneten
PI-Regler PI-R weiter. Erreicht nun der Differenzmülldurchsatz DMD den Wert Null und
überschreitet den Null-Wert bis zu einem durch das Totband TB vorgegebenen Wert (0
<= DMD <= TB), im gezeigten Fall um 5% bzw. 0,05, so wird der Ausgangswert tDMD des
Totbandanpassungsgliedes TBA weiterhin auf Null gehalten (tDMD = 0). Dadurch wird
erreicht, dass innerhalb des Intervalls [0..TB] der PI-Regler PI-R im Wesentlichen
nicht reagiert. Kleinere Schwankungen des gemittelten Mülldurchsatzes gMD in der Grössenordnung
des Totbandes TB, die an der Grenze des maximalen Mülldurchsatzes 20 auftreten, werden
auf diese Weise unterdrückt bzw. geglättet. Dies führt zu einem ruhigeren Verlauf
des Ausgangssignals DS der Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung MBR und erlaubt den Überlastbetrieb
in dem in Fig. 1 schraffierten Überlastbereich 22 des Feuerungsdiagramms 10.
[0026] Bei einem weiteren Anstieg des Differenzmülldurchsatzes DMD (DMD > TB) über den Wert
des Totbandes TB hinaus, wird das Ausgangssignal tDMD = DMD - TB um den Betrag des
Totbandes TB abgesenkt. Zum Vergleich ist eine Strich-Punkt-Linie 32 in das Diagramm
in Fig. 5 entlang der Funktion tDMD = DMD eingetragen. Verringert sich der gemittelte
Mülldurchsatz gMD und damit auch der Differenzmülldurchsatz DMD wieder, so durchläuft
das Ausgangssignal tDMD die gestufte und in Fig. 5 durchgängig dick eingetragene Linie
der Übertragungsfunktion 34 des Totbandanpassungsgliedes TBA in umgekehrter Richtung.
[0027] Durch diese Auslegung des Totbandanpassungsgliedes TBA ist sichergestellt, dass die
Müllverbrennungsanlage nahe am maximalen Mülldurchsatz 20, MDmax gefahren und somit
wirtschaftlich betrieben wird, wobei gleichzeitig Überlastzustände in einem vorgegebenen
Masse toleriert werden.
[0028] Der Ausgangswert tDMD wird zum PI-Regler PI-R bekannten Aufbaus und Funktion geführt.
Eine Proportionalbeiwert und eine Nachstellzeit sind als Parameter des PI-Reglers
PI-R einstellbar aber in Fig. 4 nicht gesondert als Eingangssignale aufgeführt. Das
Eingangssignal tDMD wird vom PI-Regler PI-R als eine Regelabweichung behandelt, die
entsprechend der gewählten Parameter minimiert wird. Im Wesentlichen erhöht zu diesem
Zweck der PI-Regler ein Ausgangssignal ds bei einer negativen Regelabweichung, das
heisst, solange der gemittelte Mülldurchsatz gMD kleiner als der maximale Mülldurchsatz
MDmax ist, und verringert das Ausgangssignal sobald der Regelabweichung ein positives
Vorzeichen aufweist, also der gemittelte Mülldurchsatz gMD abzüglich dem Totband TB
den maximalen Mülldurchsatz MDmax überschreitet.
[0029] Alternativ zu beschrieben Ausführung mit einem PI-Regler kann natürlich auch ein
PID-Regler oder ein Fuzzy-Regler eingesetzt werden.
[0030] Das Ausgangssignal ds des PI-Reglers PI-R wird durch Multiplikation mit dem Skalierungsfaktor
SF an einem Multiplikationsglied P in den geregelten Dampfsollwert DSr umgerechnet
und der nachfolgenden Minimumeinheit MIN zugeführt.
[0031] Das weitere Eingangssignal E/A erlaubt es, den automatischen Betrieb der Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung
MBR mit dem Mülldurchsatz-Begrenzungsregler MBr ein- bzw. auszuschalten.
[0032] Im Folgenden wird die Funktion der MBR ausgehend von drei wesentlichen Situationsszenarien
beschrieben:
1. Der gemittelte Mülldurchsatz gMD liegt unterhalb des maximalen Mülldurchsatzes
20,MDmax, also im Arbeitsbereich 12. Das Differenzglied DG des Mülldurchsatz-Begrenzungsreglers
Mbr liefert entsprechend ein negatives Eingangssignal DMD < 0 an die Totbandanpassungseinheit
TBA, welche aufgrund ihrer oben beschriebenen Übertragungsfunktion 34 den Wert des
Differenzmülldurchsatzes DMD an den PI-Regler PI-R weitergibt. Auf die entsprechend
negative Regelabweichung reagiert der PI-Regler PI-R (unter Vernachlässigung seines
Zeitverhaltens) mit einer Erhöhung seines Ausgangssignals ds. Nach der Skalierung
des Ausgangssignals ds im Multiplikationsglied P wird der Dampfleistungssollwert DSr
im nachfolgenden Minimumglied MIN ausgewertet. Ist der so bestimmte Dampfleistungssollwert
DSr kleiner als der handeingestellte oder berechnete Dampfleistungssollwert DSh,DSb,
so wird dieser als der aktuelle Führungswert an die Feuerleistungsregelung FLR weitergeleitet.
Dieser Regelungsablauf wird solange den Dampfleistungssollwert DS erhöhen, bis das
Minimumeinheit MIN einen geänderten handeingestellten oder berechneten Dampfleistungssollwert
DSh, DSb als Minimum auswählt. Durch die Feüerleistungsregelung FLR kann die Müllzufuhr
auf diese Weise weiter erhöht werden und ein wirtschaftlicher Betrieb am vorbestimmten
Arbeitspunkt ist sichergestellt.
2. Der gemittelte Mülldurchsatz gMD liegt oberhalb des maximalen Mülldurchsatzes 20,
MDmax, ist aber kleiner als die Summe aus dem maximale Mülldurchsatz MDmax und dem
Totband TB. Der Arbeitspunkt im Feuerungsdiagramm 10 liegt also im tolerierbaren Überlastbereich
22. Das Differenzglied DG des Mülldurchsatz-Begrenzungsreglers MBr liefert entsprechend
ein positives Eingangssignal DMD kleiner gleich dem Totband TB an die Totbandanpassungseinheit
TBA. Gemäss seiner Übertragungsfunktion 34 gibt er den Wert Null an den PI-Regler
PI-R weiter. Auf die Regelabweichung von Null reagiert der PI-Regler (unter Vernachlässigung
seines Zeitverhaltens) im Wesentlichen derart, dass er unverändert den letzten Ausgabewert
des Ausgangssignals ds vor Erreichung dieses "Gleichgewichtszustandes" beibehält.
Nach der Skalierung des Ausgabesignals ds im Multiplikationsglied P, wird dieser so
bestimmte Dampfleistungssollwert DSr im nachfolgenden Minimumeinheit MIN ausgewertet.
Haben sich seit der letzten Veränderung des geregelten Dampfleistungssollwertes DSr
der handeingestellte oder berechnete Dampfleistungssollwert DSh, DSb ebenfalls nicht
geändert, so bleibt der an die Feuerleistungsregelung FLR weitergeleitete Dampfleistungssollwert
DS unverändert. Auf diese Weise wird ein wirtschaftlich sinnvoller und anlagentechnisch
vertretbarer (begrenzter) Betrieb im Überlastbereich gewährleistet.
3. Der gemittelte Mülldurchsatz gMD ist grösser als die Summe aus dem maximalen Mülldurchsatz
20, MDmax und zuzüglich des Totbandes TB, der Arbeitspunkt liegt also ausserhalb des
Arbeitsbereiches 12 und des tolerierbaren Überlastbereichs 22. Das Differenzglied
DG des Mülldurchsatz-Begrenzungsreglers MBr liefert ein negatives Eingangssignal DMD
an die Totbandanpassungseinheit TBA, welche unter Berücksichtigung des Totbandes TB
einen positiven Wert, der grösser ist als Null an den PI-Regler PI-R weitergibt. Auf
die entsprechend positive Regelabweichung reagiert der PI-Regler PI-R (unter Vernachlässigung
seines Zeitverhaltens) mit einer Verringerung seines Ausgabesignals ds. Nach der Skalierung
des Ausgabesignals ds im Multiplikationsglied P, wird der so bestimmte geregelte Dampfleistungssollwert
DSr in der nachfolgenden Minimumeinheit MIN ausgewertet. Unter der Annahme, dass der
handeingestellte und berechnete Dampfleistungssollwert DSh, DSb seit der letzten Änderung
des geregelten Dampfleistungssollwertes DSr nicht verändert wurde, leitet nun die
Minimumeinheit MIN den verringerten geregelten Dampfleistungssollwert DSr als neuen
aktuellen Dampfleistungssollwert DS an die Feuerleistungsregelung FLR weiter. Durch
diese Verringerung des Dampfleistungssollwertes DS wird eine weitere Erhöhung der
Müllzufuhr durch die bestehende Feuerleistungsregelung FLR effizient verhindert.
[0033] Das Verfahren zum Betrieb der oben beschriebenen Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung
MBR umfasst wenigstens den Schritt, dass ausgehend von wenigstens zwei Eingangssignalen,
namentlich dem Müllgewicht MG und dem vorgegebenen maximalen Mülldurchsatz MDmax,
ein Ausgangsignal Dampfleistungssollwert DS zur Weiterverarbeitung in der Feuerleistungsregelung
FLR derart generiert wird, dass bei dem in Abhängigkeit vom Müllgewicht MG bestimmten
gemittelten Mülldurchsatz gMD, der grösser ist als ein vom maximalen Mülldurchsatz
MDmax abhängiger Grenzwert, der Dampfleistungssollwert DS verringert wird, um einen
andauernden Überlastbetrieb der Müllverbrennungsanlage zu verhindern. Bei dem Verfahren
wird vorzugsweise ein weiteres Eingangssignal, namentlich ein Totband TB derart einbezogen
wird, dass es bei einem gemittelten Mülldurchsatz gMD, der grösser ist als der maximale
Mülldurchsatz MDmax und kleiner bzw. gleich dem Grenzwert, der sich aus der Summe
der Werte des maximalen Mülldurchsatzes MDmax und des Totbandes TB ergibt, der Dampfleistungssollwert
DS (bei unverändertem handeingestellten und berechneten Dampfleistungssollwert DSh,
DSb) konstant bleibt. Der gemittelte Mülldurchsatzes gMD wird in einem vorhergehenden
Verfahrensschritt als ein gleitender zeitlicher Mittelwert aus den Müllgewichten MG
in der Mittelungseinheit ME bestimmt.
1. Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung für eine nachgeordnete Feuerleistungsregelung (FLR)
einer Müllverbrennungsanlage bei welcher eine langandauernde Überbelastung aufgrund
einer ungehinderten Steigerung einer Müllzufuhr bei der Verbrennung von Müll mit einem
niedrigem Heizwert (H0) durch Anpassen des Dampfleistungssollwertes (DS) verhindert
wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung (MBR) mit einem Mülldurchsatz-Begrenzungsregler
(Mbr) und einer Mittelungseinheit (ME) ausgestattet ist und ausgehend von wenigstens
zwei Eingangssignalen, namentlich einem auf ein Beschickungssystem der Müllverbrennungsanlage
aufgebrachten Müllgewicht (MG) und einem vorgegebenen maximalen Mülldurchsatz (MDmax),
der Dampfleistungssollwert (DS) zur Weiterverarbeitung in der Feuerleistungsregelung
(FLR) derart anpasst, dass bei einem in Abhängigkeit vom Müllgewicht (MG) bestimmten
gemittelten Mülldurchsatz (gMD), der grösser ist als ein vom maximalen Mülldurchsatz
(MDmax) abhängiger Grenzwert, der Dampfleistungssollwert (DS) verringert wird.
2. Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Mülldurchsatz-Begrenzungsregler (MBr) einen Proportional-Integral (PI) - Regler
(PI-R) aufweist.
3. Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Mülldurchsatz-Begrenzungsregler (MBr) eine Totbandanpassungseinheit (TBA) zur
Verarbeitung eines weiteren Eingangssignals, namentlich eines Totbandes (TB) aufweist,
wodurch der Dampfleistungssollwert (DS) derart bestimmt ist, dass er bei einem gemittelten
Mülldurchsatz (gMD), der grösser ist als der maximale Mülldurchsatz (MDmax) und kleiner
bzw. gleich dem Grenzwert, der sich aus der Summe der Werte des maximalen Mülldurchsatzes
(MDmax) und des Totbandes (TB) ergibt, der Dampfleistungssollwert (DS) im Wesentlichen
konstant bleibt.
4. Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Wert des Totbandes (TB) 0% bis 20%, vorzugsweise 5% beträgt.
5. Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass in der Mittelungseinheit (ME) der gemittelte Mülldurchsatz (gMD) als ein gleitender
zeitlicher Mittelwert aus den Müllgewichten (MG) bestimmt ist.
6. Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass in der Mittelungseinheit (ME) der gemittelte Mülldurchsatz (gMD) bestimmt wird durch
eine gleitende zeitliche Mittelung mit einer gewichtenden, an ihrer zeitlich vorlaufenden
Flanke (28) langsam ansteigenden und an ihrer nachlaufenden Flanke (30) langsam abfallenden
Faltungsfunktion (26).
7. Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die vorlaufende Flanke (28) der Faltungsfunktion (26) über einen Zeitraum von 0,1
h bis 2 h, vorzugsweise über einen Zeitraum von 0,5 h linear ansteigt, die Faltungsfunktion
(26) zwischen der vorlaufenden und nachlaufenden Flanke (26, 28) wenigstens nahezu
konstant ist und die nachlaufende Flanke (28) der Faltungsfunktion (26) über einen
Zeitraum von 0,1 h bis 2 h, vorzugsweise über einen Zeitraum von 0,5 h linear abfällt.
8. Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass sich die gleitende zeitliche Mittlung über einen Zeitraum von 1 h bis 5 h, vorzugsweise
über 3.5 h erstreckt.
9. Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittelungseinheit (ME) als ein Tiefpassfilter ausgeführt ist.
10. Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Mülldurchsatz-Begrenzungsreglung (MBR) eine MinimumEinheit (MIN) aufweist, die
den Dampfleistungssollwert (DS) als Minimum eines vom Mülldurchsatz-Begrenzungsregler
gelieferten Ausgangssignals (DSr), eines handeingestellten Dampfleistungssollwertes
(DSh) und eines berechneten Dampfleistungssollwertes (DSb) bestimmt.
11. Verfahren zum Betrieb einer Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung für eine nachgeordnete
Feuerleistungsregelung (FLR) einer Müllverbrennungsanlage nach einem der Ansprüche
1 bis 10, bei welchem eine langandauernde Überbelastung aufgrund einer ungehinderten
Steigerung einer Müllzufuhr bei der Verbrennung von Müll mit einem niedrigem Heizwert
(H0) durch Anpassen des Dampfleistungssollwertes (DS) verhindert wird, dadurch gekennzeichnet, dass ausgehend von wenigstens zwei Eingangssignalen, namentlich einem auf ein Beschickungssystem
der Müllverbrennungsanlage aufgebrachten Müllgewicht (MG) und einem vorgegebenen maximalen
Mülldurchsatz (MDmax), der Dampfleistungssollwert (DS) zur Weiterverarbeitung in der
Feuerleistungsregelung (FLR) derart anpasst wird, dass bei einem in Abhängigkeit vom
Müllgewicht (MG) bestimmten gemittelten Mülldurchsatz (gMD), der grösser ist als ein
vom maximalen Mülldurchsatz (MDmax) abhängiger Grenzwert, der Dampfleistungssollwert
(DS) verringert wird.
12. Verfahren zum Betrieb einer Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass in einem weiteren Verfahrensschritt ein weiteres Eingangssignal, namentlich ein Totband
(TB) zur Bestimmung des Dampfleistungssollwertes (DS) derart einbezogen wird, dass
er bei einem gemittelten Mülldurchsatz (gMD), der grösser ist als der maximale Mülldurchsatz
(MDmax) und kleiner bzw. gleich dem Grenzwert, der sich aus der Summe der Werte des
maximalen Mülldurchsatzes (MDmax) und des Totbandes (TB) ergibt, der Dampfleistungssollwert
(DS) im Wesentlichen konstant bleibt.
13. Verfahren zum Betrieb einer Mülldurchsatz-Begrenzungsregelung nach Anspruch 11 oder
12, dadurch gekennzeichnet, dass in einem weiteren Verfahrensschritt der gemittelte Mülldurchsatz (gMD) als ein gleitender
zeitlicher Mittelwert aus den Müllgewichten (MG) bestimmt wird.