[0001] Die Erfindung betrifft eine elektrische Vorrichtung, insbesondere eine Spiegel- oder
Scheibenheizung eines Kraftfahrzeugs oder einen Elektronikbauteilträger, mit einem
Substrat und wenigstens einer auf dem Substrat angeordneten elektrischen Leitung.
[0002] Eine derartige elektrische Vorrichtung ist grundsätzlich bekannt. Üblicherweise werden
Spiegel- oder Scheibenheizungen eines Kraftfahrzeugs oder elektronische Layouts für
Elektronikbauteilträger mittels eines Ätzprozesses aus einer Kupferfolie oder einer
mit Kupfer beschichteten Leiterplatte hergestellt. Je nach Layout werden dabei größere
Mengen von Kupfer abgeätzt, die zwar aufwändig wiedergewonnen, jedoch nicht ohne weiteres
wieder in der Fertigung der elektrischen Vorrichtungen einsetzbar sind.
[0003] Darüber hinaus umfasst die Herstellung der elektronischen Layouts herkömmlicherweise
eine Vielzahl von Prozessschritten, wie beispielsweise Drucken, Trocknen und Ätzen,
die mit einem gewissen Chemikalienverbrauch verbunden sind. Die Herstellung bekannter
elektronischer Layouts ist somit nicht nur prozesstechnisch aufwändig, sondern auch
materialintensiv.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine elektrische Vorrichtung, insbesondere
eine Spiegel- oder Scheibenheizung eines Kraftfahrzeugs oder einen elektronischen
Bauteilträger, zu schaffen, der einfacher und mit einem geringeren wirtschaftlichen
Aufwand herstellbar ist.
[0005] Zur Lösung der Aufgabe ist eine elektrische Vorrichtung, insbesondere eine Spiegel-
oder Scheibenheizung eines Kraftfahrzeugs oder ein Elektronikbauteilträger, mit den
Merkmalen des Anspruchs 1 vorgesehen.
[0006] Die erfindungsgemäße Vorrichtung zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass die
elektrische Leitung und/oder das Substrat mit einem Kunststoffmaterial versehen sind
bzw. ist und die elektrische Leitung einen ein elektrisch leitendes Material aufweisenden
Draht umfasst, welcher mittels einer Ultraschall-Schweißverbindung mit dem Substrat
verbunden ist.
[0007] Mittels Ultraschallschweißen lässt sich die drahtförmige elektrische Leitung an Substraten
aus nahezu beliebigen Materialien anbringen. Erforderlich ist lediglich, dass an der
Grenzfläche zwischen der elektrischen Leitung und dem Substrat ein Kunststoffmaterial
vorhanden ist, welches durch Ultraschall aufschmelzbar ist, um als Haftmittel zwischen
der elektrischen Leitung und dem Substrat zu wirken.
[0008] Wegen seiner Drahtform kann das Material für die elektrische Leitung während des
Schweißvorgangs kontinuierlich und insbesondere als Endlosmaterial zugeführt werden.
[0009] Aufgrund der Verwendung eines Ultraschall-Schweißverfahrens zur Fixierung der elektrischen
Leitung an dem Substrat entfallen ferner kostenintensive Druck- und Ätzprozesse. Darüber
hinaus ist die elektrische Vorrichtung umweltschonend herstellbar, da bei der Anbringung
der elektrischen Leitung an dem Substrat keine Chemikalien zum Einsatz kommen.
[0010] Das Ultraschallschweißen ermöglicht außerdem eine besonders schnelle Verlegung der
elektrischen Leitung auf dem Substrat. Im Ergebnis ist die erfindungsgemäße elektrische
Vorrichtung folglich mit einem erheblich reduzierten wirtschaftlichen Aufwand herstellbar.
[0011] Die erfindungsgemäße elektrische Vorrichtung kann nicht nur eine Spiegel- oder Scheibenheizung
eines Kraftfahrzeugs sein, sondern auch Elektronikbauteilträger, beispielsweise Leuchtdiodenträger,
sind mittels Ultraschallschweißen herstellbar. Insbesondere ermöglicht die Anbringung
der drahtförmigen elektrischen Leitung an dem Substrat mittels Ultraschallschweißen
auch eine Verdrahtung großflächiger Bereiche, da - im Gegensatz zum Drucken und Ätzen
- keine wesentliche Beschränkung der Größe des Substrats besteht.
[0012] Die Befestigung der elektrischen Leitung an dem Substrat mittels Ultraschallschweißen
führt darüber hinaus zu einer erhöhten Flexibilität bei der Produktentwicklung. Zur
Herstellung einer veränderten elektrischen Vorrichtung muss einer Schweißvorrichtung
lediglich der neue Verlauf der elektrischen Leitung auf dem Substrat mitgeteilt werden,
z.B. in Form von CAD-Daten. Die Schweißvorrichtung kann somit innerhalb kürzester
Zeit auf ein neues Produkt eingerichtet werden. Auf diese Weise sind die beim Umrüsten
auf ein neues Produkt anfallenden Kosten gegenüber der herkömmlichen, auf Drucken
und Ätzen basierenden Fertigung nahezu vernachlässigbar.
[0013] Weitere Vorteile der Erfindung sind den Unteransprüchen, der Beschreibung und der
Zeichnung zu entnehmen.
[0014] Gemäß einer vorteilhaften Ausbildung der Erfindung ist der Draht mit einer, insbesondere
ein Kunststoffmaterial aufweisenden, Isolierung versehen. Sofern die Isolierung, wie
es insbesondere bei einem thermoplastischen Kunststoffmaterial der Fall ist, durch
Ultraschall aufschmelzbar ist, kann ein solcher Draht auf Substraten fixiert werden,
die an ihrer zur elektrischen Leitung weisenden Oberfläche kein durch Ultraschall
aufschmelzbares Material aufweisen. So kann das Substrat im Bereich der elektrischen
Leitung beispielsweise aus einem Nicht-Kunststoffmaterial, z.B. aus Glas, Holz, Papier,
Karton oder einem Keramikmaterial, gebildet sein.
[0015] Es ist aber durchaus denkbar, einen isolierten Draht auch mit einem ein Kunststoffmaterial
aufweisenden Substrat zu verschweißen. In diesem Fall ist es unerheblich, ob zur Erzeugung
der Ultraschall-Schweißverbindung die Isolierung des Drahtes oder das Substratmaterial
oder sogar beide aufgeschmolzen werden.
[0016] Der Draht kann auch ein nicht mit einem Isoliermaterial ummantelter Draht sein. Bei
einer solchen elektrischen Leitung kann es sich beispielsweise um einen einfachen
Kupferdraht handeln. Damit dieser Draht mittels einer Ultraschall-Schweißverbindung
an dem Substrat fixiert werden kann, muss der Substrat zumindest in dem Bereich, welcher
für die Verlegung der elektrischen Leitung vorgesehen ist, ein durch Ultraschall aufschmelzbares
Material, beispielsweise ein Kunststoffmaterial, aufweisen.
[0017] Vorteilhafterweise umfasst das Substrat eine Kunststofffolie, beispielsweise eine
Klebefolie, welche auf einem Substratträger angeordnet ist. In diesem Fall ist das
Substrat gewissermaßen ein Hilfsmittel, welches es ermöglicht, den Draht an einem
beliebigen Substrat zu fixieren. Vor allem ein nicht isolierter Draht, aber auch ein
mit einer Isolierung versehener Draht lässt sich mittels Ultraschallschweißen mit
der Kunststofffolie verbinden. Die so vorbereitete Folie kann dann mittels eines Klebstoffs,
der im Falle einer Klebefolie bereits an der Folie vorgesehen sein kann, an dem Substratträger
angebracht werden. Solange die Folie an dem Substratträger haftet, ist es dabei unerheblich,
aus welchem Material der Substratträger gebildet ist.
[0018] Die elektrische Leitung kann sowohl auf der vom Substratträger abgewandten Seite
der Folie als auch zwischen der Folie und dem Substratträger angeordnet sein. Weist
der Substratträger im Bereich der elektrischen Leitung jedoch ein Metallmaterial auf,
so ist bei einer Anordnung der elektrischen Leitung zwischen der Folie und dem Substratträger
darauf zu achten, dass die elektrische Leitung zur Vermeidung von Kurzschlüssen ein
mit einer Isolierung versehener Draht ist.
[0019] Grundsätzlich ist es auch möglich, dass wenigstens eine erste elektrische Leitung
an einer dem Substratträger abgewandten Seite der Kunststofffolie fixiert ist und
wenigstens eine zweite elektrische Leitung zwischen der Folie und dem Substratträger
angeordnet ist.
[0020] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist der Draht, insbesondere zur
Bildung eines flächigen elektrisch leitenden Bereiches, mäanderförmig auf dem Substrat
angeordnet. Durch die mäanderförmige Verlegung des Drahtes lassen sich mittels eines
einzigen Drahtes nahezu beliebig große metallische Flächen erzeugen.
[0021] Auf diese Weise können z.B. Kontaktflächen eines Elektronikbauteilträgers zur Kontaktierung
von elektronischen Bauteilen gebildet werden, die bei entsprechend geringer Stärke
des Drahtes eine Fläche von wenigen Zehntel mm
2 bis zu mehreren mm
2 aufweisen können. Bei einem solchen Elektronikbauteilträger kann es sich beispielsweise
um einen LED-Träger handeln, bei dem die flächigen elektrisch leitenden Bereiche zur
Kontaktierung von Leuchtdioden dienen. Das Substrat kann in diesem Fall sowohl eine
starre Leiterplatte als auch ein flexibles Substrat, beispielsweise eine Kunststofffolie,
sein.
[0022] Die mäanderförmige Verlegung des Drahtes kann aber auch über einen Bereich von mehreren
10 cm
2 bis mehrere 100 cm
2 erfolgen. Je nach Anwendung kann die mäanderförmige Anordnung des Drahtes dabei unterschiedlich
dicht sein.
[0023] Ein Heizdraht zur Beheizung eines Seitenspiegels eines Kraftfahrzeugs kann beispielsweise
so dicht verlegt sein, dass der Abstand zwischen zwei benachbarten Drahtabschnitten
einem Mehrfachen der Drahtstärke entspricht.
[0024] Ein Heizdraht einer Heckscheibenheizung eines Kraftfahrzeugs kann sogar über eine
Fläche von bis zu wenigen Quadratmetern angeordnet sein. Um eine erforderliche Transparenz
der Heckscheibe zu erhalten, können benachbarte Drahtabschnitte in diesem Fall einen
Abstand von mehreren Zentimetern zueinander aufweisen.
[0025] Nachfolgend wird die Erfindung anhand vorteilhafter Ausführungsformen unter Bezugnahme
auf die Zeichnung beschrieben. Es zeigen:
- Fig. 1
- ein Schweißwerkzeug zur Herstellung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung;
- Fig. 2
- eine erfindungsgemäße Spiegelheizfolie für einen Kraftfahrzeugseitenspiegel; und
- Fig. 3
- einen erfindungsgemäßen Leuchtdiodenträger.
[0026] Bei dem zur Herstellung der erfindungsgemäßen elektrischen Vorrichtungen verwendeten
Ultraschall-Schweißverfahren werden von einem Generator einer Schweißvorrichtung erzeugte
elektrische Schwingungen in einem Schwallwandler (Konverter) in mechanische Schwingungen
umgewandelt. Die mechanischen Schwingungen werden durch ein Amplituden-Transformationsstück
übersetzt und über ein Schweißwerkzeug (Sonotrode) den zu verbindenden Werkstücken
zugeleitet. Der Generator und das aus den zu verbindenden Werkstücken gebildete Schwinggebilde
arbeiten dabei in Resonanz. Durch die Reflexion der mechanischen Schwingungen an der
Schall abstrahlenden Endfläche des Schweißwerkzeugs bildet sich eine stehende Welle
aus, welche Energie in die Werkstücke überträgt.
[0027] In Fig. 1 ist ein Schweißwerkzeug 10 dargestellt. Durch das Innere des Schweißwerkzeugs
10 erstreckt sich ein Zuführkanal 12 für eine drahtförmige elektrische Leitung 14,
die dem Schweißwerkzeug 10 beispielsweise von einer Wicklung aus zugeführt wird.
[0028] An dem vorderen, Schall abstrahlenden Ende des Schweißwerkzeugs 10 ist eine Austrittsöffnung
16 für die drahtförmige elektrische Leitung 14 vorgesehen. Die Austrittsöffnung 16
weist zu einem Substrat 18, an dem die drahtförmige elektrische Leitung 14 anzubringen
ist. Während des Schweißvorgangs beträgt der Abstand zwischen der Austrittsöffnung
16 und dem Substrat 18 etwas mehr als der Durchmesser der drahtförmigen elektrischen
Leitung 14.
[0029] Im dargestellten Ausführungsbeispiel ist die drahtförmige elektrische Leitung 14
ein nicht isolierter Kupferdraht. Das Substrat 18 ist aus einem thermoplastischen
Kunststoff gebildet.
[0030] Die durch den Schweißapparat erzeugten mechanischen Schwingungen werden dem Draht
14 und dem Substrat 18 unter einem bestimmten Anpressdruck zugeleitet und von diesem
absorbiert und an der Grenzfläche reflektiert. Durch die daraus entstehende Molekular-
und Grenzflächenreibung entsteht Wärme, die zu einer Aufschmelzung des Kunststoffes
führt. Auf diese Weise findet ein Verschweißen des Drahtes 14 mit dem Substrat 18
durch innere Reibung statt. Nach einer gewissen Abkühlzeit ist die Schweißverbindung
geschaffen.
[0031] Während des Schweißvorgangs wird das Schweißwerkzeug in einer zur Oberfläche 20 des
Substrats 18 parallelen Richtung 22 relativ zum Substrat 18 bewegt. Dabei tritt kontinuierlich
Draht 14 aus der Schweißwerkzeug 10 aus, um der Länge nach an das Substrat 18 angeschweißt
zu werden. Eine nicht gezeigte Zuführeinrichtung sorgt dafür, dass dem Schweißwerkzeug
10 entsprechend seiner Bewegung entlang der Substratoberfläche 20 stets ausreichend
Draht 14 zugeführt wird.
[0032] Durch eine entsprechende Bewegung des Schweißwerkzeugs lässt sich der Draht 14 in
nahezu beliebigen Mustern auf dem Substrat 18 verlegen.
[0033] Fig. 2 zeigt eine so hergestellte Heizfolie 24 für einen Seitenspiegel eines Kraftfahrzeugs.
Der Draht 14 ist mäanderförmig auf die nicht klebende Seite einer einseitig klebenden
Kunststoffklebefolie 18' geschweißt. Die so vorbereitete Heizfolie 24 kann mitsamt
dem Draht 14 auf die Rückseite eines Spiegelglases des Seitenspiegels aufgeklebt werden.
[0034] In Fig. 3 ist ein Leuchtdiodenträger 26 dargestellt, dessen elektrische Kontaktstruktur
28 durch einen mittels Ultraschallschweißen auf einem flexiblen Kunststoffsubstrat
18" verlegten, nicht isolierten Draht 14 gebildet ist. Die Kontaktstruktur 28 des
Leuchtdiodenträgers 26 umfasst mehrere flächige Kontaktbereiche 30 zur elektrischen
Kontaktierung von Leuchtdioden. Um eine besonders gute elektrische Anbindung der Leuchtdioden
an den Leuchtdiodenträger 26 zu erreichen, ist der Draht 14 in den Kontaktbereichen
30 mäanderförmig und besonders dicht angeordnet.
Bezugszeichenliste
[0035]
- 10
- Schweißwerkzeug
- 12
- Zuführkanal
- 14
- Draht
- 16
- Austrittsöffnung
- 18
- Substrat
- 20
- Oberfläche
- 22
- Bewegungsrichtung
- 24
- Heizfolie
- 26
- Leuchtdiodenträger
- 28
- Kontaktstruktur
- 30
- Kontaktbereich
1. Elektrische Vorrichtung (24, 26), insbesondere Spiegel- oder Scheibenheizung eines
Kraftfahrzeugs oder Elektronikbauteilträger, mit einem Substrat (18) und wenigstens
einer auf dem Substrat (18) angeordneten elektrischen Leitung (14),
dadurch gekennzeichnet,
dass die elektrische Leitung (14) und/oder das Substrat (18) mit einem Kunststoffmaterial
versehen sind bzw. ist und die elektrische Leitung (14) einen ein elektrisch leitendes
Material aufweisenden Draht (14) umfasst, welcher mittels einer Ultraschall-Schweißverbindung
mit dem Substrat fest verbunden ist.
2. Vorrichtung (24, 26) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Draht (14) mit einer, insbesondere ein Kunststoffmaterial aufweisenden, Isolierung
versehen ist.
3. Vorrichtung (24, 26) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Draht (14) ein nicht mit einem Isoliermaterial ummantelter Draht ist.
4. Vorrichtung (24, 26) nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Substrat (18) aus einem Kunststoffmaterial gebildet ist.
5. Vorrichtung (24, 26) nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Substrat (18) eine Kunststofffolie umfasst, beispielsweise eine Klebefolie, welche
auf einem Substratträger angeordnet ist.
6. Vorrichtung (24, 26) nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Substratträger zumindest an seiner dem Substrat (18) zugewandten Seite ein Nicht-Kunststoffmaterial,
beispielsweise Glas, Holz, Papier, Karton oder Keramikmaterial, aufweist.
7. Vorrichtung (24, 26) nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Substrat (18) zumindest im Bereich der elektrischen Leitung (14) aus einem Nicht-Kunststoffmaterial,
beispielsweise aus Glas, Holz, Papier, Karton oder Keramikmaterial, gebildet ist.
8. Vorrichtung (24, 26) nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Draht (14), insbesondere zur Bildung eines flächigen elektrisch leitenden Bereiches
(30) mäanderförmig auf dem Substrat (18) angeordnet ist.