[0001] Die Erfindung betrifft ein Reit-/Fahrhalfter mit einem Sperrhalfter und Backenriemen
zur Befestigung zumindest des Sperrhalfters und eines Gebisses am Pferdekopf.
[0002] Es ist bekannt, dass viele körperliche sowie reit- und fahrsportliche Probleme bei
Pferden ihren Ursprung im Genickbereich des Pferdes haben. Der Pferdenacken liegt
unmittelbar hinter den Ohren des Pferdes vor dem Pferdehals und ist die schmalste
Verbindung zwischen Gehirn und Körper. Muskeln, Bänder, Halswirbelkörper, Nerven und
viele Akupunkturpunkte sowie Schleimbeutel liegen hier ohne schützende Muskelschicht
dicht gedrängt auf engstem Raum. Irritationen der Muskeln, Bänder, Schleimbeutel und
der Halswirbelkörper sind hier daher deutlicher erkennbar als im Halsbereich. Im Nackenbereich
des Pferdes zeigen sie sich durch schmerzhafte Schwellungen oder deutliche Bewegungseinschränkung.
Wegen der Sensibilität des Pferdenackens liegen dort auch viele Akupunkturpunkte.
Die Nerven und Akupunkturpunkte zeigen Reaktionen im gesamten Pferdekörper. Darstellungen
der Akupunkturpunkte am Pferdekopf finden sich zum Beispiel im "
Lehrbuch der Veterinärakupunktur" von Erwin Westermeier (Bd. II, Seiten 198, 246,
250, 252 und 278, Karl F. Haug Verlag, Heidelberg, 1993). Zum Beispiel nimmt der dort mit LG 20 bezeichnete Akupunkturpunkt auf Gleichgewichtstörungen,
Attaxie, Erschöpfung, Schockzustand oder Augen- und Ohrenerkrankungen Einfluss, ein
anderer auf das Verhalten, insbesondere auf Verspannungen, Schreckhaftigkeit und auch
das Gleichgewicht des Pferdes.
[0003] Es ist weiter bekannt, dass starker Druck im Nacken des Pferdes, ausgelöst durch
die Zäumung, Ursache körperlicher Beschwerden sein kann. Direkter Druck auf die Nackenpartie
ist mit bekannten Reit-/Fahrhalftern aber nicht vermeidbar. Bei deren vorschriftsmäßiger
Verschnallung muss das Sperrhalfter so verschnallt werden, dass es straff anliegt.
Durch die Keilform des Pferdekopfes und die Maulbewegung des Pferdes gleitet das Sperrhalfter
unweigerlich nach unten. Dieser Bewegung wirkt die Zäumung entgegen. Dadurch verstärkt
sich bei jeder Bewegung des Pferdes der Druck (Zugkraft im Backenriemen) auf den Pferdenacken.
[0004] Die
DE 203 06 705 U1 offenbart ein Zaumzeug für ein Pferd mit einem Genickstück, gemäß dem Oberbegriff
des Anspruchs 1, das hinter den Ohren am Kopf des Pferdes anliegt und das zumindest
einen Kehlriemen und/oder wenigstens eines Gebissriemens hält, wobei das Genickstück
auf seiner den Ohren des Pferdes zugewandten Seite wenigstens eine den Ohren zugeordnete
Aussparung aufweist.
[0005] Die
DE 203 06 705 U1 offenbart ferner einen Nasenriemen, der durch geradlinig verlaufende Reithalfterriemen
zu einem Genickstück festgelegt ist.
[0006] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Reit-/Fahrhalfter zu schaffen, bei
dem störende Einflüsse aus dem Druck auf den Nacken des Pferdes vermindert werden.
[0007] Diese Aufgabe wird durch ein Reit-/Fahrhalfter gemäß Patentanspruch 1 gelöst. Dazu
umfasst es Backenriemen, die durch eine Verschnallung abgewinkelt verlaufen.
[0008] Das erfindungsgemäße Reit-/Fahrhalfter kann grundsätzlich für alle Reittiere und
Fahrtiere (d.h. Pferde, Esel, Mulis, etc.) verwendet werden. Innerhalb der Anmeldung
wird jedoch ohne eine Beschränkung der Erfindung von einem Einsatz an Pferden ausgegangen,
da es sich dabei um das Hauptanwendungsgebiet handelt.
[0009] Die Erfindung wendet sich also davon ab, das Sperrhalfter durch seitlich am Pferdekopf
geradlinig verlaufende Wangenstücke im Pferdenacken hinter den Ohren festzulegen.
Vielmehr verfolgt sie das Prinzip, die Backenriemen in Richtung auf den Pferdehals
so abzuwinkeln, dass eine Zugkraft im Backenriemen ebenfalls in Richtung auf den Pferdehals
hin gelenkt wird. Dies hat zur Folge, dass die auf den Pferdenacken wirkende Druckkraft
nun statt der flacheren Neigung entsprechend dem Verlauf des Wangenstücks im Stand
der Technik eine stärkere Neigung in Richtung auf eine Senkrechte erhält, sodass die
Belastung von dem Ansatz der Pferdeohren am Nacken weggenommen wird
[0010] Nach einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung sind die Backenriemen durch
einen jeweils an einem Winkelpunkt des betreffenden Backenriemens angreifenden Unterkieferriemen,
der über die Backenmuskulatur unter dem Unterkieferknochen des Pferdes verläuft, untereinander
verbunden, wobei die Backenriemen jeweils am Winkelpunkt durch den Unterkieferriemen
abgewinkelt werden. Der obere und der untere Teil des Backenriemens bilden am Winkelpunkt
durch die Verschnallung mit dem Unterkieferriemen einen Winkel, der vorzugsweise in
einer Höhe etwa auf der Mitte des Jochbeins liegt.
[0011] Nach einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung sind das Sperrhalfter
und der Unterkieferriemen durch einen Kehlriemen zwischen den Unterkieferknochen entlang
des Kehlgangs des Pferdes miteinander verbunden. In Verbindung mit dem Kehlstück und
dem Sperrhalfter wird die Zugkraft, die über den oberen Backenriemen auf das Nackenstück
wirkt, auf ein Minimum reduziert. Weiter vorteilhaft ist das Sperrhalfter vorzugsweise
in einem Bereich etwas unter dem Jochbein mit den Backenriemen und im Bereich der
Kehlgrube mit dem Kehlriemen verbunden. Aus der Verbindung des Unterkieferriemens
mit dem Kehlstück zum Sperrhalfter wird nicht nur die wirkende Kraft aus dem oberen
Teil des Backenriemens in Richtung Pferdehals gelenkt, sondern auch eine optimale
Maulfreiheit des Pferdes garantiert. Die Maulfreiheit vermindert ein Einklemmen des
Maulwinkels mit dem Sperrhalfter und verbessert die Maultätigkeit, sodass man einen
besseren Einfluss mit der Reiter- oder Fahrhand auf das Pferdemaul hat.
[0012] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung bestehen die Backenriemen
jeweils aus einem oberen Backenriementeil und einem unteren Backenriementeil, welche
am Winkelpunkt miteinander verbunden sind. Damit ist erreicht, dass sich der obere
und der untere Backenriementeil durch das Abwinkeln nicht aufdrehen,-sondern glatt
am Pferdekopf liegen bleiben.
[0013] Nach einer dazu alternativen Ausgestaltung der Erfindung ist statt des oberen Backenriementeils
und des Unterkieferriemens ein durchgehender Riemen eingesetzt, an dem das untere
Backenriementeil angreift. Durch den Verzicht auf die Unterbrechung am Winkelpunkt
kann das Halfter kostengünstiger hergestellt werden.
[0014] Die Erfindung weist in einer besonders bevorzugten Ausgestaltung ein Nackenstück
auf, an dem die Backenriemen angeschnallt sind. Sie sind also gegeneinander unverschiebbar
gehalten. Das bewirkt, dass das Gebiss nicht ungewollt einseitig aus dem Pferdemaul
herausgezogen werden kann. Auf die bisherigen Gegenmaßnahmen, nämlich auf Unterlegscheiben
beiderseits des Pferdemauls oder auf ein besonders festes Verschnallen des Backenriemens,
an dem die Trense befestigt ist, womit eine weitere Belastung für das Pferd im empfindlichen
Nackenbereich entsteht, kann folglich verzichtet werden. Durch die Verschnallung der
oberen Backenriemen mit dem Nackenstück wird außerdem der geringe Zug auf den Nacken
großflächig auf Nacken und den Halsmuskulaturansatz verteilt - begünstigt durch die
bevorzugte Breite des Nackenstücks von mehr als 2,5 cm. Die Kraft aus der Verschnallung
des Reithalfters wirkt in Richtung Pferdehalsung. Hieraus folgt ebenfalls eine Vermeidung
von Irritationen des empfindlichen Pferdenackens.
[0015] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung, weist das Nackenstück
hinter den Ohren des Pferdes Ausschnitte für die Ohren eines Pferdes.
[0016] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist das Nackenstück
hinter den Ohren des Pferdes mit einem Nackenkeil unterpolstert und der flache Teil
des Keils verjüngt sich nach hinten. Das keilförmige Polster des Nackenstücks dämpft
die aus dem Backenstück auf das Nackenstück wirkende Kraft zusätzlich.
[0017] Das Nackenstück weist nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung
mindestens zwei Strupfen zur Befestigung des Sperrhalfters und einer Trense und/oder
einer Kandare auf, wobei die erste Strupfe zur Befestigung des Backenstücks einer
Kandare, die zweite Strupfe zur Befestigung eines Backenstücks einer Unterlegtrense
und die dritte Strupfe zur Befestigung des Backenriemens dient.
[0018] Die Erfindung kann als Trensenzaum mit zwei Strupfen am Nackenstück verwendet werden,
wobei das Sperrhalfter meist als Sperrhalfter mit Pullerriemen verwendet wird, und
das Backenstück mit dem Sperrhalfter nicht verbunden ist.
[0019] Die Erfindung ist auch als Kandarenzaum verwendbar. Hier wird ein Nackenstück mit
drei Strupfen verwendet. Die erste Strupfe dient zum Verschnallen des Backenstücks
des Kandarengebisses. Die zweite Strupfe dient zum Verschnallen des Backenstücks der
Unterlegtrense. Die dritte Strupfe verwendet man zum Verschnallen des Backenriemens.
Das Sperrhalfter wird dann ohne Pullerriemen verwendet.
[0020] Vorzugweise verwendet man ein Reit-/Fahrhalfter mit einem Stirnband. Der Stirnriemen
fixiert den Zaum um die Stirn, um ein Nach-Hintengleiten des Reit-/Fahrhalfters zu
verhindern.
[0021] Die Figuren zeigen:
- Fig. 1
- Pferdekopf mit Akupunkturpunkten,
- Fig. 2
- Pferdekopf mit Reit-/Fahrhalfter und Trensenzaum nach Stand der Technik,
- Fig. 3a
- Pferdekopf mit einem ersten Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Reit- /Fahrhalfters,
- Fig. 3b
- das Reithalfter gem. Fig. 3a jedoch aus einer Unteransicht auf den Pferdekopf (ohne
Gebiss),
- Fig. 4a
- Pferdekopf mit dem ersten Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Reit- /Fahrhalfters
als Trensenzaum,
- Fig. 4b
- der Trensenzaum gem. Fig. 4a jedoch aus einer Unteransicht auf den Pferdekopf (mit
Gebiss),
- Fig. 5
- Pferdekopf mit einem zweiten Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Reit-/Fahrhalfters
als Kandarenzaum.
[0022] Auf dem in Figur 1 gezeigten Pferdekopf sind Akupunkturpunkte nach dem oben zitierten
Lehrbuch der Veterinärakupunktur von Erwin Westermeier (Bd. II) dargestellt. All diese
Punkte haben einen großen Anteil an der Beweglichkeit und der Gesundheit des gesamten
Pferdekörpers. Die Fig.1 zeigt die Anhäufung der Akupunkturpunkte im Nacken. Bei starkem
Reiz der Punkte durch das Reit-/Fahrhalfter kann es in ihrem Einflussbereich zu Beeinflussungen
und Störungen des Organismus und infolgedessen zu unerwünschten Reaktionen des Pferdes
kommen. Eine Belastung der Akupunkturpunkte durch das Reit-/Fahrhalfter ist daher
möglichst weitgehend zu vermeiden.
[0023] In Figur 2 ist der Pferdekopf mit einem üblichen Reit-/Fahrhalfter als Trensenzaum
nach dem Stand der Technik dargestellt. Der Zaum besteht aus einem Nackenteil 1 mit
einem Kehlstück 2. Das Nackenteil 1 dient nur zur Befestigung eines Backenstücks 3
für ein Trensengebiss 13. Das Kehlstück 2 wird nur lose unter dem Kopf des Pferdes
verschnallt, so dass noch eine Faust aufrecht zwischen ihn und die Kehle des Pferdes
passt. Es darf nicht fester zugezogen werden, weil es dem Pferd sonst nicht genügend
Bewegungsfreiheit an der Kehle bietet. Allerdings kann das Kehlstück 2 so locker angelegt
ein Abstreifen des Reit-/Fahrhalfters nicht verhindern. Der Zaum besteht weiter aus
einem Wangenstück und einem Pullerriemen 12, der an einem Nasenriemen oder Sperrhalfter
11 befestigt ist. Die Verbindung der linken und rechten Seite des Sperrhalfters 11
besteht aus dem schmalen Riemen des Wangenstücks 4, der über oder unter dem Nackenteil
1 verläuft. Das Nackenteil 1 und das Wangenstück 4 haben keine Verbindung, sondern
liegen im Allgemeinen gegeneinander verschieblich aufeinander. Durch ein Stirnband
17 wird das Reit-/Fahrhalfter über der Stirn des Pferdes nach vorne fixiert.
[0024] Durch einen Kraftpfeil A wird eine senkrecht auf den Nacken wirkende Kraft dargestellt,
die durch das Reit-/Fahrhalfter auf den Pferdenacken ausgeübt wird. Die Kraft entsteht
durch Zug aus dem Wangenstück 4, das ein Abgleiten des Sperrhalfters infolge der Kaubewegungen
des Pferdes verhindert, und wirkt damit direkt auf den empfindlichen Pferdenacken.
[0025] Figur 3a zeigt ein Reit-/Fahrhalfter und seine Lage am Pferdekopf, noch ohne angeschnalltes
Gebiss. Es umfasst ein einstückig ausgebildetes Nackenstück 5, das in seiner Verlängerung
auf jeder Seite des Pferdekopfes Strupfen 18, 19 aufweist. An der Strupfe 18 ist ein
Stirnriemen 16 angeschnallt. Außerdem dient die Strupfe 18 als Anschluss für ein Gebiss.
An der Strupfe 19 ist ein Backenriemen 7 befestigt. Der Backenriemen 7 ist aus einem
oberen Teil 7A zwischen dem Nackenstück 5 und einem Winkelpunkt 8 und einem unteren
Teil 7B zwischen dem Winkelpunkt 8 und dem Sperrhalfter 11 gebildet, die über einen
Ring im Winkelpunkt 8 miteinander und mit dem Unterkieferriemen 9 verbunden sind.
Die Verbindung im Winkelpunkt 8 führt zu einer Abwinkelung des Verlaufs des oberen
Backenriemens 7A gegenüber dem unteren Backenriemen 7B. Anstelle eines Rings als Winkelpunkt
8 kann auch ein anderes Verbindungselement verwendet werden, das zu einer Abwinkelung
des unteren Backenriementeils 7B gegenüber dem oberen Backenriementeil 7A führt. Alternativ
dazu können der obere Backenriemen 7A und der Unterkieferriemen 9 aus einem durchlaufenden
Riemen gebildet sein, an dem am Winkelpunkt 8 der untere Backenriemen 7B angreift.
Der Unterkieferriemen 9 ist wiederum über einen Kehlriemen 10 mit dem Sperrhalfter
11 verbunden. An dem Sperrhalfter 11 ist schließlich ein Pullerriemen 12 befestigt.
[0026] Das Nackenstück 5 weist eine bevorzugte Breite von etwa 2,5 cm auf und reicht bis
zum Halsmuskelansatz. Deutlich ist die Verschnallung des Backenriemens 7 am Nackenstück
5 und die Abwinkelung des Backenriemens 7 durch den Unterkieferriemen 9 am Winkelpunkt
8 zu erkennen. Weiterhin ist deutlich die Verbindung von Sperrhalfter 11 und Unterkieferriemen
9 durch den Kehlriemen 10 erkennbar. Der Kehlriemen 10 hält den Unterkieferriemen
9 fest, so dass dieser am Unterkiefer des Pferdes glatt anliegt. Damit kann das Reit-/Fahrhalfter
nicht über den Kopf des Pferdes abgestrichen werden.
[0027] In Figur 3b, einer Unteransicht des Pferdekopfes mit einem Reit-/Fahrhalfter gemäß
Figur 3a, ist besonders gut die Lage des Kehlriemens 10 entlang des Kehlgangs des
Pferdekopfes als Verbindung des Unterkieferriemens 9 und des Sperrhalfters 11 zu erkennen.
Im Kehlgang des Pferdes liegend, verursacht der Kehlriemen 10 keine Druckstellen.
Mit dem Sperrhalfter 11 als Widerlager verhindert er, dass der Unterkieferriemen 9
in Richtung auf die Kehle des Pferdes hin verrutscht und dort zu einer die Kau- und
Schluckbewegungen des Pferdes beeinträchtigenden Einschnürung führt. Umgekehrt behindert
er mit dem Unterkieferriemen 9 als Widerlager ein Abrutschen des Sperrhalfters 11
in Richtung Pferdemaul.
[0028] Figur 4a zeigt ein Reit-/Fahrhalfter wie in Figur 3a zusätzlich mit einem eingeschnallten
Trensengebiss 13. Es ist über ein Backenstück 3 mit dem Nackenstück 5 verbunden, indem
es an der Strupfe 18, an der bereits der Stirnriemen 16 befestigt ist (vgl. Figur
3a), angeschnallt ist. Das Backenstück 3 für die Trense 13 ist mit dem Sperrhalfter
11 nicht verbunden.
[0029] Neben dem Winkelpunkt 8 ist in einer graphischen Darstellung der Kraftrichtungsverlauf
in dem oberen Backenriementeil 7A, dem unteren Backenriementeil 7B und dem Unterkieferriemen
9 wiedergegeben. Am Winkelpunkt 8 herrscht ein Gleichgewicht der Kräfte, die über
die dort angreifenden Riemen 7A, 7B und 9 eingeleitet werden. Der im oberen Backenriementeil
7A verlaufenden Kraft stehen folglich zwei Kräfte gegenüber, die in dem unteren Backenriementeil
7B und dem Unterkieferriemen 9 wirken. Folglich steht der im oberen Backenriementeil
7A verlaufenden Kraft eine betragsmäßig große Gegenkraft im Unterkieferriemen 9 und
eine deutlich kleinere im unteren Backenriementeil 7B gegenüber. Demzufolge erhält
die Kraft im Nacken des Pferdes, die aus dem Abgleiten des Sperrhalfters 11 resultiert,
eine -deutlich steilere Neigung, und zwar in Richtung Pferdehals. Die Kraft wird symbolisiert
durch einen Kraftpfeil B. Diese gegenüber dem Stand der Technik neue Richtung des
Kraftpfeils B entsteht durch die Abwinkelung des Backenriemens 7 im Winkelpunkt 8.
In Verbindung mit dem Nackenstück 5 greift die Kraft außerdem weiter entfernt von
den empfindlichen Nackenbereich des Pferdes in Richtung auf dessen Hals hin an und
wird durch die Breite des Nackenstücks 5 zusätzlich verteilt. Das dargestellte Reit-/Fahrhalfter
bietet damit eine vorteilhafte Entlastung des sensiblen Nackenbereichs des Pferdes.
Mit dem erfindungsgemäßen Reit-/Fahrhalfter ist das Pferd folglich besser zu dirigieren,
weil störende Einflüsse durch Reizung des empfindlichen Pferdenackens und mithin der
Akupunkturpunkte vermieden werden können.
[0030] Figur 4b zeigt eine Unteransicht des Pferdekopfes mit einem Reit-/Fahrhalfter gemäß
Figur 4a. Auch der Einsatz einer Trense 13 führt folglich zu keinen Abweichungen im
Bereich des Kehlriemens 10, sondern zu dem prinzipiell gleichen Aufbau wie in Figur
3b.
[0031] In Figur 5 ist ein Reit-/Fahrhalfter gemäß der Erfindung und seine Lage am Pferdekopf
in Form eines Kandarenzaums dargestellt. Es umfasst ebenfalls ein Nackenstück 5 in
einer bevorzugten Breite von 2,5 cm und zusätzlich eine keilförmige Polsterung unter
dem Nackenstück 5. Die Polsterung besteht in einem Nackenkeil 6, dessen Basis zu den
Ohren des Pferdes hin gerichtet ist und dessen flacher Teil nach hinten Richtung Pferderücken
weist. Das breite Nackenstück 5 allein oder in Kombination mit dem Nackenkeil 6 löst
bereits die gestellte Aufgabe. Das Nackenstück 5 ist aber - im Unterschied zu dem
in Figur 4a gezeigten Reit-/Fahrhalfter - mit zumindest drei Strupfen 18, 19, 20 dargestellt.
Die Strupfe 18 dient zur Befestigung des Backenstücks 3A der Kandare 14. Die Strupfe
20 dient zur Befestigung des Backenstücks 3B für die Unterlegtrense 15. Die Strupfe
19 dient - wie in den vorher beschriebenen Bespielen bereits gezeigt - zur Befestigung
des Backenriemens 7 des Reit-/Fahrhalfters. Das Sperrhalfter 11 wird hier vorschriftsmäßig
ohne Pullerriemen benutzt. Die Backenstücke 3A, 3B von Kandarengebiss 14 und Unterlegtrense
15 haben - im Gegensatz zu Fahrhalftern gemäß dem Stand der Technik - keine Verbindung
mit dem Sperrhalfter 11.
Bezugszeichenliste
[0032]
- 1
- Nackenteil
- 2
- Kehlstück
- 3
- Backenstück
- 3A
- Backenriemen für Kandarengebiss
- 3B
- Backenriemen für Unterlegtrense
- 4
- Wangenstück
- 5
- Nackenstück
- 6
- Nackenkeil
- 7
- Backenriemen
- 7A
- oberes Backenriementeil
- 7B
- unteres Backenriementeil
- 8
- Winkelpunkt
- 9
- Unterkieferriemen
- 10
- Kehlriemen
- 11
- Sperrhalfter
- 12
- Pullerriemen
- 13
- Trensengebiss
- 14
- Kandarengebiss
- 15
- Unterlegtrense
- 16
- Stirnriemen
- 17
- Stirnband
- 18
- Strupfe
- 19
- Strupfe
- 20
- Strupfe
- A
- Kraftpfeil gemäß Stand der Technik
- B
- Kraftpfeil gemäß Erfindung
1. Reit-/Fahrhalfter mit einem Sperrhalfter (11) und Backenriemen (7) zur Befestigung
zumindest des Sperrhalfters (11) und mit Backenstücken (3) zur Befestigung eines Gebisses
am Pferdekopf, dadurch gekennzeichnet, dass die Backenriemen (7) durch eine Verschnallung abgewinkelt verlaufen, sodass eine
Zugkraft im Backenriemen (7) in Richtung auf den Pferdehals gelenkt wird.
2. Reit-/Fahrhalfter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Backenriemen (7) durch einen jeweils an einem Winkelpunkt (8) des betreffenden
Backenriemens (7) angreifenden Unterkieferriemen (9), der über die Backenmuskulatur
unter dem Unterkieferknochen des Pferdes verläuft, untereinander verbunden sind, wobei
die Backenriemen (7) jeweils am Winkelpunkt (8) durch den Unterkieferriemen (9) abgewinkelt
werden.
3. Reit-/Fahrhalfter nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Sperrhalfter (11) und der Unterkieferriemen (9) durch einen Kehlriemen (10) zwischen
den Unterkieferknochen entlang des Kehlgangs des Pferdes miteinander verbunden sind.
4. Reit-/Fahrhalfter nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Backenriemen (7) jeweils aus einem oberen Backenriementeil (7A) und einem unteren
Backenriementeil (7B) bestehen, welche am Winkelpunkt (8) miteinander verbunden sind.
5. Reit-/Fahrhalfter nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass es ein Nackenstück (5) aufweist, an dem die Backenriemen (7) angeschnallt sind, so
dass durch die Verschnallung der Zug aus der Bewegung des Pferdes auf den Nacken und
den Halsmuskulaturansatz des Pferdes verteilt wird.
6. Reit-/Fahrhalfter nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Nackenstück (5) eine Breite von mindestens 2,5 cm aufweist.
7. Reit-/Fahrhalfter nach einem der Ansprüche 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Nackenstück (5) hinter den Ohren des Pferdes Ausschnitte für die Ohren eines
Pferdes aufweist und/oder mit einem Nackenkeil (6) unterpolstert ist, und sich der
flache Teil des Keils (6) nach hinten verjüngt.
8. Reit-/Fahrhalfter nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Nackenstück (5) mindestens zwei Strupfen (18, 19, 20) zur Befestigung des Sperrhalfters
(11) und einer Trense (13) und/oder einer Kandare (14) aufweist.
1. Riding/driving halter with a mouthcloser (11) and cheek pieces (7) for fastening at
least one mouthcloser (11) and with chin pieces (3) for fastening a bit on the horse's
head, characterised by cheek pieces (7) that extend at an angle through a buckle so that a tensile force
in the cheek pieces (7) is directed towards the horse's neck.
2. Riding/driving halter according to claim 1, which is characterised by cheek pieces (7) that are interconnected by a lower jaw piece (9) that is attached
to the cheek pieces (7) at an angle point (8) and runs over the jaw muscles below
the lower jaw bone of the horse, whereby the cheek pieces (7) are extended at an angle
at the angle point(8) by the lower jaw piece (9).
3. Riding/driving halter according to claim 2, characterised by the mouthcloser (11) and lower jaw piece (9) that are interconnected by a throat
lash (10) between the lower jaw bones along the horse's throat.
4. Riding/driving halter according to claim 2 or 3, characterised by cheek pieces (7) consisting of an upper cheek piece (7A) and a lower cheek piece
(7B), which are interconnected at the angle point (8).
5. Riding/driving halter according to one of claims 1 to 4, characterised by a neck piece (5) to which the cheek pieces (7) are buckled so that the tension force
resulting from the horse's movements are shared between the horse's neck and the muscles
at the base of the horse's neck.
6. Riding/driving halter according to claim 5, characterised by a width of the neck piece (5) of at least 2.5 cm.
7. Riding/driving halter according to one of claims 5 or 6, characterised by the fact that the neck piece (5) behind the horse's ears has recesses for the horse's
ears and/or is padded with a padded wedge (6) and by the fact that the flat part of
the wedge is tapered backwards.
8. Riding/driving halter according to one of claims 5 to 7, characterised by the fact that the neck piece (5) has at least two slash-knots (18, 19, 20) for fastening
the mouthcloser (11) and a snaffle (13) and/or a kerb (14)
1. Licou pour cheval de selle ou de trait comportant une muserolle (11) et des sangles
(7) de montant pour fixer au moins la muserolle (11), et des sous-gorge pour fixer
un mors sur la tête du cheval, caractérisé en ce que les sangles de montant (7) s'étendent en angle au moyen d'une boucle de telle sorte
qu'une force de traction dans la sangle de montant (7) est dirigée en direction du
cou du cheval.
2. Licou pour cheval de selle ou de trait selon la revendication 1, caractérisé en ce que les sangles de montant (7) sont reliées les unes aux autres par une sangle de sous-gorge
(9) attaquant respectivement un point d'inflexion (8) de la sangle de montant (7)
concernée, laquelle s'étend sur le masséter en dessous du maxillaire inférieur du
cheval, les sangle de montant (7) formant un angle au point d'inflexion (8) respectif
au moyen de la sangle de sous-gorge (9).
3. Licou pour cheval de selle ou de trait selon la revendication 2, caractérisé en ce que la muserolle (11) et la sangle de sous-gorge (9) sont reliées l'une à l'autre par
une alliance (10) entre les maxillaires le long de la gorge du cheval.
4. Licou pour cheval de selle ou de trait selon la revendication 2 ou 3, caractérisé en ce que les sangles de montant (7) sont chacune constituées par une partie supérieure de
sangle de montant (7A) et une partie inférieure de sangle de montant (7B) qui sont
reliées l'une à l'autre au point d'inflexion (8).
5. Licou pour cheval de selle ou de trait selon l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce qu'il présente une têtière (5) sur laquelle sont attachées les sangles de montant (7),
de telle sorte que par la bouclerie, la traction provenant du mouvement du cheval
est répartie sur la nuque et sur l'insertion musculaire du splénius du cheval.
6. Licou pour cheval de selle ou de trait selon la revendication 5, caractérisé en ce que la têtière (5) présente une largeur d'au moins 2,5 cm.
7. Licou pour cheval de selle ou de trait selon l'une des revendications 5 ou 6, caractérisé en ce que la têtière (5) présente derrière les oreilles du cheval des découpes pour les oreilles
d'un cheval et/ou est rembourrée par une pièce de nuque (6), et en ce que la partie plate de la cale (6) se rétrécit vers l'arrière.
8. Licou pour cheval de selle ou de trait selon l'une des revendications 5 à 7, caractérisé en ce que la têtière (5) présente au moins deux brides (18, 19, 20) pour fixer la muserolle
(11) et un mors de bride (13) et/ou un mors de filet (14).