[0001] Die Erfindung betrifft eine Zweikammerkartusche für zweikomponentige plastische Massen
wie Silikone, Klebstoffe und dergleichen mit axial hintereinander angeordneten Kammern
zur Aufnahme der beiden Komponenten.
[0002] Neben den altbekannten Standardformen von Zweikammerkartuschen mit Längsunterteilung
des Innenraums eines zylindrischen Kartuschenrohrs in zwei Kammern durch eine Querwand
(ältere Bauform) oder ein koaxiales Innenrohr (neuere Bauform als Koaxialkartusche)
sind auch schon Zweikammerkartuschen mit axial hintereinander liegenden Kammern bekannt
geworden. Beispiele hierfür finden sich in den US-Patenten 4 050 612, 4 029 236 und
4 961 520 sowie in der EP-0-624 403 A1.
[0003] Bei der aus der EP-0 624 403 A1 bekannten Anordnung sind die beiden Kammern, denen
jeweils ein eigener Kolben zugeordnet ist, die zum Ausdrücken der beiden Komponenten
gemeinsam betätigt werden, in einem zylindrischen Kartuschenrohr hintereinander angeordnet.
Die erste Kammer ist dabei zwischen dem Kartuschenrohr und einem darin angeordneten
konzentrischen Innenrohr gebildet, das sich nur über etwa die halbe Länge des Kartuschenrohrs
erstreckt. Diese ringförmige Kammer ist durch einen hinten eingesetzten ringförmigen
Kolben abgeschlossen. Die zweite, axial dahinter liegende Kammer ist durch einen nach
vorne zu einem Becher erweiterten Kolben gebildet, dessen Becherwand an der Innenwand
des Kartuschenrohrs anliegt. Diese Becherwand stößt mit ihrem vorderen Rand am Ringkolben
der ersten Kammer an, so daß bei Druckausübung auf den die hintere Kammer abschließenden
Kolben dieser Druck auf den die vordere Kammer abschließenden Ringkolben übertragen
wird und beide Kolben gemeinsam vorbewegt werden. Die hintere Kammer enthält außerdem
einen von deren Kolben nach vorne vorspringenden zentrischen Zapfen, der beim Vorschieben
des hinteren Kolbens in das Innenrohr der vorderen Kammer eintaucht. An ihrem vorderen
Ende ist die hintere Kammer durch eine sich am Ende des Innenrohrs der vorderen Kammer
anschließende Radialwand begrenzt, die außen an der Becherinnenwand der hinteren Kammer
anliegt.
[0004] Die Konstruktion dieser bekannten Zweikammerkartusche bedingt es, daß die beiden
Kammern nach dem notwendigen vorherigen Montieren der Kartusche nur vom Kartuschenmundstück
her befüllt werden kann, was relativ schwierig ist und besondere Einrichtungen erfordert,
und wobei auch die Entlüftung nicht unproblematisch ist.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Zweikammerkartusche mit axial hintereinander
liegenden Kammern zu schaffen, bei welcher ein einfaches Befüllen jeder der Kammern
auf einer Standardabfüllanlage möglich ist.
[0006] Diese Aufgabe wird gemäß der Erfindung durch die im Anspruch 1 angegebene Anordnung
gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung sind Gegenstand
der Unteransprüche.
[0007] Bei der erfindungsgemäßen Anordnung ist die vordere Kammer durch den vorderen Teil
des Innenraums des Kartuschenrohrs gebildet, und die hintere Kammer ist durch den
Innenraum eines Bechers gebildet, der erst nach dem Füllen und Verschließen mit einem
Kolben in den hinteren Teil des Kartuschenrohrs eingesetzt wird. Daher können bei
der erfindungsgemäßen Anordnung beide Kammern separat auf einer Standardabfüllanlage
mit der jeweiligen Komponente befüllt und sodann mittels eines Kolbens verschlossen
werden, bevor der die hintere Kammer bildende Becher in das Kartuschenrohr eingesetzt
wird.
[0008] Wegen der weiteren Einzelheiten der erfindungsgemäßen Anordnung wird auf die nachfolgende
Beschreibung eines Ausführungsbeispiels und der anliegenden Zeichnungen Bezug genommen,
in denen zeigt:
- Fig. 1
- im Axialschnitt eine Zweikammerkartusche nach der Erfindung mit gefüllten Kammern,
wobei jedoch die hintere Kammer noch nicht in das Kartuschenrohr eingesetzt ist,
- Fig. 2
- die gebrauchsfertige Zweikammerkartusche nach der Erfindung vor Beginn des Ausdrückens,
- Fig. 3
- die Anordnung nach Fig. 1 nach einer anfänglichen Phase des Ausdrückens,
- Fig. 4
- die Kartusche im weitgehend ausgedrückten Zustand, und
- Fig. 5
- die Kartusche im vollständig ausgedrückten Zustand.
[0009] Gemäß den Zeichnungen besteht die erfindungsgemäße Zweikammerkartusche aus einem
hinten offenen Kartuschenrohr 1 mit einer vorderen Stirnwand 2 und einem angeformten
Mundstück 3, einem konzentrisch im vorderen Teil des Kartuschenrohrs 1 eingesetzten
Doppelwandeinsatz 4 mit einer vorderen Stirnwand 5 und einem angeformten inneren Mundstück
6, das konzentrisch im Mundstück 3 angeordnet ist, einer Kolbenanordnung aus einem
Ringkolben 7 und einem mittigen Kolben 8 zum Verschluß der im vorderen Teil des Kartuschenrohrs
gebildeten vorderen Komponentenkammer K1, weiter aus einem in den hinteren Teil des
Kartuschenrohrs 1 einzusetzenden und eine hintere Kammer K2 bildenden Becher 9 mit
einem hinteren Becherboden 10, einem angeformten mittigen Hohlzapfen 11 und einem
das vordere offene Becherende verschließenden Ringkolben 12.
[0010] In den Zeichnungen ist die Füllung der vorderen Komponentenkammer K1 und der hinteren
Komponentenkammer K2 mit der einen bzw. der anderen Materialkomponente jeweils durch
Schraffuren dargestellt. Figur 1 zeigt den Zustand der Zweikammerkartusche am Ende
der Fertigung, wo die im vorderen Teil des Kartuschenrohrs 1 und im Becher 9 gebildeten
Komponentenkammern
K1 bzw.
K2 bereits gefüllt und mit dem jeweiligen Kolben 7, 8 bzw. 12 verschlossen sind, wobei
Kartuschenrohr 1 und Becher 9 aber noch getrennt sind. Bei der Darstellung nach Figur
2 ist der Becher 9 in den hinteren Teil des Kartuschenrohrs eingesetzt, und die Zweikammerkartusche
ist gebrauchsfertig, d. h. das Auspressen der Kartusche kann beginnen.
[0011] Zunächst sind aber noch mit Bezug auf Figur 1 einige Einzelheiten der Kartuschenanordnung
zu erläutern.
[0012] Wie schon erwähnt, ist im vorderen Teil des Kartuschenrohrs 1 ein doppelwandiger
Einsatz 4 eingesetzt. Dieser bildet innerhalb des vorderen Teils des Kartuschenrohrs
ein konzentrisches doppelwandiges Innenrohr und unterteilt so den vorderen Teil des
Innenraums des Kartuschenrohrs 1 in eine ringförmige äußere Teilkammer K1 a und eine
innere Teilkammer K1b. Die beiden Teilkammern sind zwar mit der gleichen ersten Materialkomponente
befüllt, stehen miteinander aber nicht in Verbindung. Zugleich ist damit aber auch
die Option geschaffen, die erfindungsgemäße Kartusche als Dreikammerkartusche für
drei Materialkomponenten einzusetzen.
[0013] Der doppelwandige Einsatz 4 bildet mit seinen beiden konzentrischen Rohrwänden 41
und 42 einen ringspaltförmigen Zwischenraum 43, der, wie im folgenden noch beschrieben
wird, als Strömungskanal für die in der hinteren Kammer K2, also im Becher 9, befindliche
Materialkomponente zur Mundstückanordnung 3, 6 dient. Der Einsatz 4 ist in geeigneter
Weise mit der vorderen Stirnwand 2 des Kartuschenrohrs 1 verbunden, was in an sich
bekannter Weise durch eine entsprechend gestaltete, in den Zeichnungen nicht dargestellte
Rastverbindung, aber auch durch Ultraschallschweißen, Kleben oder dergleichen erfolgen
kann. Es versteht sich auch, daß der Einsatz 4 durch geeignete, in den schematischen
Zeichnungen nicht dargestellte, aber dem Fachmann bekannte Maßnahmen zentriert ist.
[0014] Wie aus den Zeichnungen hervorgeht, ist die vordere Stirnwand 5 des Einsatzes 4 so
ausgebildet, daß die innere Teilkammer K1b durch diese Stirnwand abgeschlossen ist,
an welcher das innere Mundstück 6 angeformt ist, so daß diese innere Teilkammer K1b
durch das innere Mundstück 6 entleerbar ist. Wie weiter ersichtlich ist, bildet die
vordere Stirnwand 5 des Einsatzes 4 durch entsprechend angeordnete Rippen, Nuten oder
dergleichen Öffnungen 51, 52, welche die äußere Teilkammer K1 a mit dem Ringraum zwischen
dem Mundstück 3 und dem inneren Mundstück 6 verbinden, und auch den Zwischenraum 43
zwischen den Rohrwänden 41, 42 des Einsatzes 4 mit dem Ringraum zwischen dem Mundstück
3 und dem inneren Mundstück 6 verbinden.
[0015] Der Ringkolben 12, der den Becher 9 und somit die hintere Kammer K2 verschließt,
weist eine Ringnut 13 auf, die, wie die übrigen Zeichnungsfiguren zeigen, komplementär
zum hinteren, über die Kolben 7, 8 überstehenden Endbereich des Einsatzes 4 angeordnet
und ausgebildet ist, so daß dieser hintere Endbereich beim Einsetzen des Bechers 9
in das Kartuschenrohr 1 in diese Ringnut 13 eintaucht, und der Ringkolben 12 weist
außerdem einen Kranz von in die Ringnut 13 ausmündenden Öffnungen oder Bohrungen 14
auf. Durch diese Bohrungen 14 kann die zweite Materialkomponente aus der hinteren
Kammer K2, wenn der Becher gemäß Figur 2 in das Kartuschenrohr 1 eingesetzt ist, in
den als Strömungskanal dienenden Zwischenraum zwischen den Rohrwänden 41, 42 des Einsatzes
4 austreten. Die Mittel zum Versiegeln der beiden Kammern bis zum Gebrauch, nämlich
der vorderen Kammer K1 im Mundstückbereich und der hinteren Kammer K2, beispielsweise
durch eine Siegelfolie über dem Ringkolben 12, sind in den schematischen Zeichnungen
aus Vereinfachungsgründen nicht dargestellt.
[0016] Die Figuren 2 bis 5 zeigen die Funktion der Zweikammerkartusche beim Ausdrückvorgang.
[0017] Figur 2 zeigt die ausdrückbereite Kartusche. Die vordere Stirnwand des Ringkolbens
12 des in das Kartuschenrohr 1 eingesetzten Bechers 9 liegt an den hinteren Stirnwänden
der Kolben 7 und 8 an; der Boden der Ringnut 13 im Ringkolben 12 liegt an der rückwärtigen
Stirnfläche der Einsatzrohrwände 41, 42 an; die vordere Stirnfläche der Rohrwand des
Bechers 9 liegt an der rückwärtigen Stirnfläche des Ringkolbens 7 an, und die vordere
Stirnfläche des Zapfens 11 liegt an der rückwärtigen Stirnfläche des Innenkolbens
8 an.
[0018] Wenn nun mittels eines üblichen Presstempels in einer Ausdrückpistole Pressdruck
auf den hinten liegenden Becherboden 10 ausgeübt wird, wird der Becher 9 innerhalb
des Kartuschenrohrs 1 vorgeschoben. Dabei wird der Ringkolben 12 durch den Einsatz
4 in seiner Axialposition fixiert, während der Ringkolben 7 und der Innenkolben 8
durch die Rohrwand des Bechers 9 bzw. durch dessen mittigen Zapfen 11 vorgeschoben
werden. Die beiden Kammern K1 (bestehend aus den Teilkammern K1a und K1b) und K2 werden
also im gleichen Maße axial gestaucht, so daß Material aus diesen ausgepresst wird.
Das Material aus der vorderen Teilkammer K1a gelangt durch die Durchtrittsöffnungen
51 in den Ringraum zwischen dem Mundstück 3 und dem inneren Mundstück 6; Material
aus der inneren Teilkammer K1b gelangt in das Innere Mundstück 6, und Material aus
der hinteren Kammer K2 gelangt durch den Zwischenraum 43 der Einsatzrohrwände 41,
42 und die Austrittsöffnungen 52 ebenfalls in den Ringraum zwischen dem Mundstück
3 und dem inneren Mundstück 6. Aus der Mundstückanordnung gelangen dann die Materialströme
aus dem Zwischenraum zwischen dem äußeren Mundstück 3 und dem inneren Mundstück 6
sowie aus dem inneren Mundstück 6 in einen üblichen, auf dem Mundstückanordnung aufgesetzten
Mischer, der die Materialkomponenten aus den beiden Kammern K1 und K2 (oder, wenn
die Kartusche als Dreikammerkartusche verwendet wird, aus allen drei Kammern) innig
miteinander vermischt.
[0019] Die Figuren 3 und 4 zeigen Zwischenzustände während des Ausdrückvorgangs; Figur 5
zeigt den Endzustand bei vollständig entleerter Kartusche. Wie man daraus sieht, erfolgt
die Entleerung nahezu restmengenfrei. Eine geringe Restmenge verbleibt, außer im Mundstück,
nur in dem Zwischenraum 43 zwischen den Einsatzrohrwänden 41, 42.
[0020] Wie für den Fachmann leicht ersichtlich ist, lassen sich die Mischungsverhältnisse
durch entsprechende Wahl der relativen Querschnitte der Komponentenkammem K1 und K2
in weiten Grenzen wählen. Beispielsweise kann der Querschnitt der hinteren Kammer
K2 im Becher 9 durch mehr oder weniger großen Durchmesser des mittigen Zapfens 11
verändert werden, oder dadurch, daß der Außendurchmesser des Bechers 9 verkleinert
wird, während die Becheraußenwand radiale Rippen zur Abstützung innerhalb der Kartuschenrohrwand
1 erhält.
1. Zweikammerkartusche für zweikomponentige plastische Massen mit axial hintereinander
angeordneten Kammern (K1, K2), bestehend aus
einem hinten offenen Kartuschenrohr (1) mit einer vorderen Stirnwand (2) und einem
daran angeformten Mundstück (3), einem im vorderen Teil des Kartuschenrohrinnenraums
angeordneten doppelwandigen Einsatz (4) mit zwei konzentrischen, durch einen schmalen
Zwischenraum (43) beabstandeten Rohrwänden (41, 42), der den vorderen Teil des Kartuschenrohrinnenraums
in eine ringförmige äußere Teilkammer (K1a) und eine innere Teilkammer (K1b) unterteilt,
hinten offen ist und vorne eine Stirnwand (5) mit einem innerhalb des Mundstücks (3)
des Kartuschenrohrs (1) angeordneten inneren Mundstück (6) ausgebildet ist, wobei
Durchtrittsöffnungen (51, 52 zwischen dem inneren der ringförmigen Teilkammer (K1a)
und dem Zwischenraum (43) und dem inneren des Mundstücks (3) des Kartuschenrohrs (1)
vorgesehen sind,
einem die äußere Teilkammer (K1a) hinten abschließenden Ringkolben (7) und einem die
innere Teilkammer (K1b) hinten abschließenden inneren Kolben (8),
und aus einem in den hinteren Teil des Kartuschenrohrs (1) einsetzbaren, eine hintere
Kammer (K2) bildenden Becher (9) mit einem hinteren Becherboden (10) und einem daran
angeformten mittigen Zapfen (11) sowie mit einem das offene vordere Ende des Bechers
(9) verschließenden, zwischen der Becherwand und dem mittigen Zapfen (11) angeordneten
Ringkolben (12), in welchem Durchtrittsöffnungen (14) gebildet sind,
wobei die Anordnung so getroffen ist, daß die Wand des Bechers (9) mit seiner vorderen
Stirnfläche an dem die ringförmige Teilkammer (K1a) verschließenden Ringkolben (7)
anliegt, der Zapfen (11) mit seiner vorderen Stirnfläche an den die innere Teilkammer
(K1b) verschließendem Kolben (8) anliegt, der Einsatz (4) mit den rückwärtigen Stirnflächen
seiner Rohrwände (41, 42) an dem den Becher (9) verschließenden Ringkolben (12) anliegt,
und die Durchtrittsöffnungen (14) in dem den Becher (9) verschließenden Ringkolben
(12) in den Zwischenraum (43) zwischen den Rohrwänden (41, 42) des Einsatzes (4) münden.
2. Zweikammerkartusche nach Anspruch 1, wobei die Rohrwände (41, 42) des Einsatzes (4)
um eine gewisse Distanz axial über die rückwärtige Stirnfläche der die vorderen Teilkammern
(K1a, K1b) verschließenden Kolben (7, 8) übersteht und der den Becher (9) verschließende
Ringkolben (12) mit einer zu dem Überstand komplementären Ringnut (13) ausgebildet
ist.
3. Verwendung einer Zweikammerkartusche nach Anspruch 1 oder 2 als Dreikammerkartusche
für drei Materialkomponenten, von denen jeweils eine in der vom Becher (9) gebildeten
hinteren Kammer (K2) und in den im vorderen Teil des Kartuschenrohrinnenraums gebildeten
ringförmigen und inneren Teilkammern (K1a, K1b) untergebracht sind.