[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Löschen von brennendem Gut, das sich in
einem im Wesentlichen geschlossenen Raum befinden, wobei in das brennende Gut ein
Inertgas eingebracht wird.
[0002] In Müllbunkem von Müllverbrennungsanlagen sind offene Brände und insbesondere Schwelbrände
nichts Ungewöhnliches. Müll enthält immer auch leicht brennbare Bestandteile. Zudem
entsteht bei der Vergärung organischer Reste im Müll Biogas, welches im Wesentlichen
aus Methan, Kohlendioxid und Wasser besteht. Dieses Biogas ist sehr gut brennbar und
hat einen hohen Heizwert. Viele Stoffe, insbesondere Kunststoffe, laden sich bei Reibung
elektrostatisch auf und können durch elektrische Entladung das Biogas entzünden und
den Ausgangspunkt für einen Brand im Müll bilden.
[0003] Die Zwischenräume zwischen dem im Bunker befindlichen Müll enthalten Luft, die den
für eine Verbrennung notwendigen Sauerstoff liefert. Der Müll ist jedoch in der Regel
derart dicht gelagert beziehungsweise verdichtet, dass die Luft im Inneren des Mülls
nur stark eingeschränkt zirkulieren kann.
[0004] Bildet sich beispielsweise aufgrund oben genannter Mechanismen ein Brand im Inneren
des Mülls, so wird zunächst der in den Zwischenräumen befindliche Luftsauerstoff verbraucht.
Durch die schlechte Luftzirkulation innerhalb des Mülls wird jedoch nicht die für
ein offenes Feuer notwendige Menge an Sauerstoff nachgeliefert. Folglich geht die
Verbrennung in einen Schwelbrand über.
[0005] Unter dem Begriff "Schwelbrand" wird im Rahmen dieser Anmeldung eine unvollständige
Verbrennung bei ungenügender Sauerstoffzufuhr verstanden. Bei einem Schwelbrand entstehen
in größerer Menge Wasserstoff und Kohlenmonoxid. Beide Gase sind leichter als Luft
und steigen folglich in den freien Kopfraum über dem gelagerten Müll auf, wo sie mit
der dort gesammelten Luft explosive Gemische bilden können.
[0006] Besonders gefährlich sind Brände in Müllsilos oder Müllbunkern, weil Müll eine Mischung
aus sehr vielen Materialien darstellt. Darunter befinden sich auch Schwermetalle,
die als Katalysator wirken können, und beispielsweise die Shift-Reaktion von Kohlenmonoxid
mit Wasser zu Kohlendioxid und Wasserstoff fördem und damit zu vermehrter Wasserstoff-Bildung
in der Nähe des Brandherdes führen. Der Brandherd selbst erzeugt bei der bei einem
Schwelbrand vorliegenden unterstöchiometrischen Verbrennung Wasserstoff, Kohlenmonoxid
und reduzierte Metalle, die wiederum katalytisch wirksam werden können. Wasserstoff
als kleines und leichtes Molekül diffundiert schnell durch den Müll hindurch, sammelt
sich im Kopfraum des Müllbunkers und kann mit dem Luftsauerstoff zu Knallgasreaktionen
führen.
[0007] Zum Löschen solcher Brände sind verschiedene Maßnahmen bekannt. Bei der Brandbekämpfung
mit Wasser wird allerdings die Gefahr von Explosionen im Kopfraum nicht verringert.
Außerdem erreicht Wasser häufig den Brandherd nicht, da es von dem Müll aufgenommen
wird und nicht weiter fließt. Dadurch kann sich das Gewicht des Mülls soweit erhöhen,
dass sogar das Silo oder der Bunker mechanisch zerstört werden. Zudem verbacken viele
gelagerte Güter bei Zugabe von Wasser, so dass eine Entleerung des Silos oder Bunkers
nach oder während der Brandbekämpfung nicht mehr möglich ist. Wasser wird deshalb
nur bei Bränden an oder nahe der Oberfläche des gelagerten Gutes als Löschmittel eingesetzt.
[0008] Aus diesen Gründen werden Brände im Inneren von Gut vorzugsweise mit Inertgasen gelöscht.
Beim Fluten eines Silos mit einem Inertgas wird die Luft aus dem Gut in den Kopfraum
verdrängt. Die verdrängte und durch das Gut strömende Luft kann aber den Brand zunächst
sogar vorübergehend anfachen, bevor dieser durch das Inertgas erstickt wird. Diese
vorübergehende erhöhte Verbrennung kann weitere Brandherde und Schwelbrände herbeiführen.
[0009] Zudem kann zugeführtes Inertgas Staub aufwirbeln, wodurch die Gefahr von Staubexplosionen
drastisch ansteigt.
[0010] Aufgabe vorliegender Erfindung ist es daher, ein Verfahren zur Bekämpfung von Bränden
aufzuzeigen, welches die oben genannten Nachteile vermeidet.
[0011] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren der eingangs genannten Art gelöst, wobei der
oberhalb des Gutes befindliche Kopfraum mit Luft gespült wird.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren beruht auf zwei Maßnahmen: Der eigentliche Brandherd,
das heißt das brennende Gut, wird mit einem Inertgas gelöscht. Hierzu wird das Inertgas
in das brennende Gut eingebracht und dem Brand so der für eine Verbrennung notwendige
Sauerstoff entzogen.
[0013] Als zweite Brandbekämpfungsmaßnahme wird die Entstehung explosionsfähiger Gemische
im Kopfraum über dem Gut erfindungsgemäß dadurch verhindert, dass der Kopfraum mit
Luft gespült wird. Üblicherweise wird bei der Brandbekämpfung versucht, weitere Luftzufuhr
zu unterbinden, um den Brand nicht weiter anzufachen. Überraschenderweise hat sich
aber gezeigt, dass bei Bränden von in geschlossenen Räumen gelagertem Gut der Einsatz
großer Luftmengen günstig ist. Durch das erfindungsgemäße Spülen des Kopfraumes mit
Luft werden brennbare oder explosive Gase im Kopfraum derart verdünnt, dass eine Explosionsgefahr
ausgeschlossen werden kann.
[0014] Die Erfindung wird insbesondere zum Löschen von Bränden im Inneren des Gutes und
von nicht oberflächennahen Bränden eingesetzt. Besonders geeignet ist das Verfahren
zur Bekämpfung von Schwelbränden, die beispielsweise in gelagertem Müll auftreten
können. Das erfindungsgemäße Verfahren kann zum Löschen von Gut aller Art, Feststoffen,
aber auch Mischungen aus festen und flüssigen oder pastösen Anteilen herangezogen
werden. Bevorzugtes Einsatzgebiet ist die Bekämpfung von Bränden, insbesondere Schwelbränden,
in gelagertem Müll oder Abfällen.
[0015] Bevorzugt wird Kohlendioxid, besonders bevorzugt flüssiges Kohlendioxid, in das brennende
Gut eingebracht. Kohlendioxid ist schwerer als Luft und sammelt sich folglich im unteren
Teil des abgeschlossenen Raumes. Die Schwerkraft wirkt dem Auftrieb durch die Konvektion
aufgrund der heißen Flamme entgegen. Das Kohlendioxid steigt daher nicht nach oben
weg, sondern verbleibt lange am Brandherd und erstickt das Feuer.
[0016] Kohlendioxid ist unter den Bedingungen eines Schwelbrandes nicht völlig inert. Vielmehr
kann es entsprechend dem Boudouard-Gleichgewicht zerfallen und zu Kohlenmonoxid und
Kohlenstoff reduziert werden. Bei der erfindungsgemäßen Zugabe von Kohlendioxid bleibt
dessen Zersetzung jedoch weit unter 1% des eingesetzten Kohlendioxids, so dass die
physikalisch günstigen Eigenschaften des Kohlendioxids als Löschmittel genutzt werden
können, ohne dass seine Nachteile zu gravierend werden.
[0017] Von Vorteil wird das Kohlendioxid von oben in das brennende Gut eingebracht. Aufgrund
der Schwerkraft sinkt das Kohlendioxid dann nach unten und erreicht den Brandherd.
Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn flüssiges Kohlendioxid zugeführt wird.
[0018] Vorzugsweise wird das Inertgas, bevorzugt Kohlendioxid, mittels einer oder mehrerer
Lanzen in das brennende Gut eingebracht wird. Die Lanzen können fest in dem abgeschlossenen
Raum installiert sein, wobei das zu lagernde Gut um die Lanzen herumgeschüttet oder
angeordnet wird, so dass die Lanzen direkt von dem Gut umgeben sind und insbesondere
sich die Austrittsöffnungen der Lanzen im Inneren des Guts, das heißt unter der Oberfläche,
befinden. Es ist aber auch möglich, die Lanzen erst nach dem Einbringen des Guts in
den abgeschlossenen Raum in das Gut einzutreiben oder über entsprechende Bohrlöcher
in das Gut einzuführen.
[0019] Vorzugsweise ist im unteren Bereich des abgeschlossenen Raumes ein Gasauslass vorgesehen.
Das zugeführte Inertgas verdrängt die in den Zwischenräumen zwischen dem Gut befindliche
Luft und bildet eine sauerstoffarme Atmosphäre im Bereich des Brandes, wodurch dieser
erlischt. Die verdrängte Luft wird von Vorteil durch einen im unteren Bereich, vorzugsweise
unteren Drittel, besonders bevorzugt unteren Viertel, ganz besonders bevorzugt in
den untersten 10% des abgeschlossenen Raumes abgezogen. Auf diese Weise durchströmt
die Luft nicht das gesamte in dem Raum gelagerte Gut, wodurch ansonsten neue Brände
angefacht werden könnten.
[0020] Diese Verfahrensweise ist insbesondere dann sinnvoll, wenn flüssiges Kohlendioxid
als Löschmittel eingesetzt wird. Bei der Verdampfung von 1 m
3 flüssigem Kohlendioxid entstehen im Inneren des brennenden Gutes ca. 700 m
3 gasförmiges Kohlendioxid, die sich naturgemäß ausdehnen und eine entsprechende Menge
Luft verdrängen. Ohne den vorgeschlagenen Abzug von Gas aus dem unteren Bereich des
Raumes besteht die Gefahr, dass das Inertgas, beispielsweise Kohlendioxid, das Aufsteigen
von Wasserstoff in den Kopfraum begünstigt, wo dieser zu explosionsfähigen Gemischen
führen kann.
[0021] Bei Bränden und insbesondere bei Schwelbränden kann, wie oben bereits ausgeführt,
Wasserstoff entstehen, der als kleines und leichtes Molekül in den Kopfraum aufsteigt
und mit der dortigen Luft ein Wasserstoff-Luft-Gemisch bildet. Die Explosionsgrenzen
für Wasserstoff-Luft-Gemische sind sehr weit. Zwischen 4,0 vol% Wasserstoff und 75
vol% Wasserstoff in Luft ist bei Umgebungstemperatur und Umgebungsdruck eine Explosionsgefahr
gegeben. Eine brennbare Mischung liegt sogar bereits bei einem , Sauerstoffanteil
von nur 3,4% vor. Diese Konzentrationsbereiche sollten daher vermieden werden.
[0022] Bei kleineren Räumen oder kleinen Silos ist es möglich, den Kopfraum,mit einem Inertgas
zu spülen. Auf diese Weise werden die gefährlichen Gase aus dem Kopfraum verdrängt
und durch ein inertes Gas ersetzt.
[0023] Diese Verfahrensweise ist bei großen Räumen, insbesondere Bunkern und Müllbunkern,
nicht durchführbar. Müllbunker haben beispielsweise ein Volumen von mehr als 10.000
m
3. Solch große Räume können mit Inertgasen in der erforderlichen kurzen Zeit nicht
mehr geflutet werden. Die Erfindung eignet sich daher insbesondere zur Brandbekämpfung
in Räumen mit einem Volumen von mehr als 1500 m
3, besonders für Räume mit einem Volumen von mehr als 5000 m
3, ganz besonders für Räume mit einem Volumen von mehr als 10000 m
3.
[0024] Das einzige Gas, das in den erforderlichen großen Mengen zur Verfügung steht, ist
Luft. Erfindungsgemäß wird daher der Kopfraum mit Luft gespült. Es hat sich gezeigt,
dass der Kopfraum mit mehr als 5 m
3/h Luft pro m
3 Kopfraum, vorzugsweise mit mehr als 8 m
3/h Luft pro m
3 Kopfraum, gespült werden sollte, um gefährliche Gase und Gasgemische sicher zu verdrängen
beziehungsweise zu verdünnen und so Explosionen ausschließen zu können. Die Temperatur
der zum Spülen eingesetzten Luft sollte vorzugsweise nicht mehr als 40°C betragen.
[0025] Vorzugsweise werden der Wasserstoff- und / oder Kohlenmonoxidgehalt im Kopfraum gemessen.
Die Löschmaßnahmen werden in Abhängigkeit von den gemessenen Konzentrationen gewählt.
Von Vorteil sollte die Spülung des Kopfraumes mit Luft so lange durchgeführt werden,
bis die Wasserstoff-Konzentratiori unter 2 vol% gesunken ist.
[0026] Die Erfindung eignet sich insbesondere zum Löschen von Schwelbränden in Müll, der
in Müllbunkern von Müllverbrennungsanlagen gelagert ist. Bei der Müllverbrennung in
Müllverbrennungsanlagen wird der Müll mit großen Mengen Luft verbrannt, die über entsprechend
dimensionierte Luftverdichter dem Verbrennungsraum zugeführt wird. Im Falle eines
Brandes ist zum erfindungsgemäßen Spülen des Kopfraumes mit Luft ebenfalls ein Verdichter
notwendig. Die ansonsten zur Versorgung der Müllverbrennungsanlage mit Verbrennungsluft
eingesetzten Luftverdichter können im Falle eines Brandes mit Vorteil auch zum Spülen
des Kopfraumes des Müllbunkers herangezogen werden, da diese typischerweise über 150.000
m
3/h Luft zur Verfügung stellen können, welche dann durch den Kopfraum geleitet werden
kann.
[0027] Die Erfindung hat zahlreiche Vorteile gegenüber den bisher bekannten Löschverfahren.
Durch die Kombination von Inertisierung des direkten Brandherdes und Spülung des Kopfraumes
mit Luft wird es möglich, Schwelbrände schne.ll zu löschen und gleichzeitig gefährliche
Gasgemische im Kopfraum so zu verdünnen, dass keine Explosionsgefahr besteht. Wasserstoff-
und Kohlenmonoxid-haltige Gase werden durch den Einsatz großer Luftmengen aus dem
Kopfraum ausgetragen. Staubexplosionen werden ebenfalls verhindert.
1. Verfahren zum Löschen von brennendem Gut, das sich in einem im Wesentlichen geschlossenen
Raum befindet, wobei in das brennende Gut ein Inertgas eingebracht wird, dadurch gekennzeichnet, dass der oberhalb des Gutes befindliche Kopfraum mit Luft gespült wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass Kohlendioxid, insbesondere flüssiges Kohlendioxid, in das brennende Gut eingebracht
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Kohlendioxid von oben in das brennende Gut eingebracht wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass im unteren Bereich des Raumes, bevorzugt im unteren Drittel des Raumes, besonders
bevorzugt in den untersten 10% des Raumes, Gas abgezogen wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Inertgas mittels einer oder mehrerer Lanzen in das brennende Gut eingebracht
wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass ein Schwelbrand gelöscht wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass in einem Silo oder Bunker, insbesondere Müllbunker, befindliches Gut gelöscht wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass der geschlossene Raum ein Volumen von mehr als 1500 m3, bevorzugt mehr als 5000 m3, besonders bevorzugt mehr als 10000 m3, besitzt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Kopfraum mit mehr als 5 m3/h Luft pro m3 Kopfraum, vorzugsweise mit mehr als 8 m3/h Luft pro m3 Kopfraum, gespült wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Kopfraum mit Luft mit einer Temperatur von weniger als 40°C gespült wird.