[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Bördeln, vorzugsweise
Rollbördeln, eines Bauteils. Bevorzugt dienen die Vorrichtung und das Verfahren dem
Falzen, besonders bevorzugt dem Rollfalzen. Die Erfindung kann insbesondere im Fahrzeugbau,
vorzugsweise Kraftfahrzeugbau, zum Einsatz gelangen. Als umzuformende Bauteile kommen
insbesondere Karosserieteile in Frage, beispielsweise eine Tür, ein Radhaus oder ein
anderes Teil einer äußeren Seitenwand, der Front oder dem Heck eines Kraftfahrzeugs.
[0002] Aus der WO 03/02464 A1 ist eine Rollfalzvorrichtung bekannt mit drei Falzrollen,
die in mehreren Arbeitsläufen nacheinander zum Einsatz gelangen und hierfür wahlweise
in eine Arbeitsposition gebracht werden können, in der sie auf einem Falzsteg abrollend
den Falzsteg umlegen. Um den Falzsteg vollständig um eine Falzkante umzulegen, sind
mit der bekannten Vorrichtung drei Arbeitsläufe erforderlich, zwischen denen die jeweils
nächste Falzrolle in ihre Arbeitsposition gebracht werden muss.
[0003] Es ist daher eine Aufgabe der Erfindung, die für ein mehrstufiges Bördeln, vorzugsweise
Rollbördeln, erforderliche Zeit und dadurch die Kosten des Bördelns zu reduzieren.
[0004] Die Erfindung hat eine Bördelvorrichtung zum Gegenstand, die einen Werkzeugkopf,
eine erste Bördelform und wenigstens eine weitere, zweite Bördelform umfasst, die
in eine Arbeitsrichtung längs einer Bördelkante des Bauteils bewegbar sind, um bei
einem Rollbördeln auf einen Bördelsteg eines Bauteils wirkend den Bördelsteg sukzessive
um eine Bördelkante umzulegen. Der Werkzeugkopf dient als Träger für die wenigstens
zwei Bördelformen. Die erste und die zweite Bördelform sind an dem Werkzeugkopf so
angeordnet, dass sie gleichzeitig ihre jeweilige Arbeitsposition einnehmen, d.h. die
eine der Bördelformen dient in einem Arbeitslauf als Vorbördelform und die andere
dient im gleichen Arbeitslauf als nachlaufende Nachbördelform. Vorzugsweise dient
der Werkzeugkopf als Träger nur für zwei Bördelformen. Ferner wird es bevorzugt, wenn
die Nachbördelform als Fertigbördelform zum Einsatz gelangt. Grundsätzlich ist es
jedoch möglich, dass zwischen den beiden Bördelformen oder der Nachbördelform nachgeordnet
oder der Vorbördelform vorgeordnet eine weitere Bördelform von dem Werkzeugkopf getragen
wird, wobei im Falle der zwischengeordneten Bördelform diese zweckmäßigerweise gleichzeitig
mit den beiden anderen Bördelformen ihre Arbeitsposition einnimmt, während im Falle
einer vor- oder nachgeschalteten Bördelform diese ihre Arbeitsposition gemeinsam mit
den anderen beiden Bördelformen einnehmen oder in einer alternativen Ausführung vor
oder nach Durchführung eines Arbeitslaufs der wenigstens zwei Bördelformen in die
Arbeitsposition und die wenigstens zwei Bördelformen aus der Arbeitsposition bewegbar
sein können, oder umgekehrt.
[0005] Die Bördelformen sind Bestandteil des gemeinsamen Werkzeugkopfs und werden bei Bewegungen
des Werkzeugkopfs einheitlich bewegt, wodurch nicht nur zwei Bördelschritte in einem
einzigen Arbeitslauf in kurzer Zeit ausgeführt werden können, sondern auch ein einziger
im Raum bewegbarer Aktor als Plattform genügt. Der für die Steuerung der Bewegung
des Aktors zu betreibende Aufwand entspricht dem Aufwand, der bisher für nur eine
Bördelrolle pro Arbeitslauf zu betreiben war. Die Bördelformen sind zumindest während
des Arbeitslaufs in mehreren Freiheitsgraden relativ zueinander mechanisch festgelegt
und daher mittels einer Steuerung bezüglich dieser Freiheitsgrade relativ zueinander
nicht bewegbar, wobei unter einer mechanischen Festlegung auch eine Festlegung mittels
einer hydraulischen oder pneumatischen Kraft verstanden wird. Insbesondere sollten
die Bördelformen relativ zueinander hinsichtlich der Ausrichtung, d. h. ihrer Winkelstellung
fixiert sein. Eine translatorische Bewegbarkeit von einer der Bördelrollen, vorzugsweise
eine Linearbewegbarkeit längs einer einzigen Achse oder eine höchstens zweidimensionale
Bewegbarkeit, ist hingegen vorteilhaft. Parallel zur Arbeitsrichtung sind die Bördelformen
jedoch dem Ort nach vorzugsweise relativ zueinander festgelegt und daher unbeweglich,
zumindest während des Arbeitslaufs.
[0006] Die Bördelformen können in einer einfachen Ausführung an dem Werkzeugkopf in je einer
festen, d. h. stets oder zumindest während des gemeinsamen Arbeitslaufs nicht veränderbaren
Position angeordnet sein. Als Position einer Bördelrolle versteht die Erfindung stets
den Ort und/oder die Ausrichtung der Bördelrolle. Die Positionen können absolut unveränderlich
sein. Alternativ kann wenigstens eine der Bördelformen zwischen zwei Arbeitsläufen
in einem von dem Bauteil abgerückten Zustand verstellbar an dem Werkzeugkopf angeordnet
sein, um den Werkzeugkopf an unterschiedliche Bauteile anpassen zu können.
[0007] In bevorzugten Ausführungen ist die erste Bördelform an dem Werkzeugkopf bewegbar
angeordnet, so dass ihre Position, nämlich ihre Ausrichtung oder vorzugsweise ihr
Ort relativ zu der zweiten Bördelform veränderbar ist. Vorzugsweise ändert sich ihre
Position relativ zu der zweiten Bördelform während des Arbeitslaufs automatisch, so
dass sich der Werkzeugkopf an die Form der Bördelkante anpasst oder eine von der ersten
Bördelform auf den Bördelsteg ausgeübte Kraft konstant bleibt oder sich wunschgemäß
verändert. Die Bewegbarkeit kann ebenso vorteilhaft auch nur darin bestehen, dass
die erste Bördelform automatisch mittels einer Stelleinrichtung des Werkzeugkopfs
bewegt werden kann, beispielsweise um sie gegen den Bördelsteg oder von dem Bördelsteg
weg zu bewegen, wobei die zweite Bördelform in oder außer Kontakt mit dem Bördelsteg
sein kann. Die Bördelvorrichtung umfasst in solchen Ausführungen eine von dem Werkzeugkopf
bewegbar gelagerte Lagereinheit für die erste Bördelform.
[0008] Die erste Bördelform wird von der Lagereinheit gelagert, vorzugsweise ortsfest relativ
zu der Lagereinheit. Die Lagereinheit wird von dem Werkzeugkopf vorzugsweise in Querrichtung
zu der Bördelkante, d.h. in und gegen eine Richtung quer zu der Arbeitsrichtung des
Werkzeugkopfs, bewegbar gelagert. Dies ermöglicht Bewegungen der ersten Bördelform
relativ zu der zweiten Bördelform in besagter Querrichtung. Der Werkzeugkopf lagert
die Lagereinheit in Querrichtung zweckmäßigerweise linear bewegbar, bevorzugt verdrehgesichert.
[0009] Die erste Bördelform kann in Querrichtung auf den Bördelsteg zu vorzugsweise soweit
vorbewegt werden, dass sie über die zweite Bördelform vorsteht, vorzugsweise soweit,
dass sie im Falle einer geraden, zu der Querrichtung rechtwinkeligen Bördelkante ohne
die zweite Bördelform auf den Bördelsteg wirken kann. Solch eine Ausführung ermöglicht
es dem Werkzeugkopf, den Bördelsteg nur mit der ersten Bördelform zu berühren, während
die zweite Bördelform vom Bauteil abgestellt ist. Dies ist in beengten Bereichen und
zum Überfahren von Bereichen mit kleinem Krümmungsradius, wie Eckbereichen, von Vorteil.
Ist die erste Bördelform die nachlaufende Bördelform, die den Bördelsteg vollständig
umlegt, kann sie für eine Nachbearbeitung beispielsweise eines Eckbereichs verwendet
werden, um dort die Güte des gebördelten Bauteils zu verbessern. Mit einer derartigen
Bördelform kann die Ecke sozusagen gebügelt werden. Die nachlaufende Bördelform kann
den Eckbereich mehrmals durchlaufen und dabei jeweils auf den Bördelsteg einwirken.
Für beengte Platzverhältnisse kann die erste Bördelform statt des weiten Ausfahrens
oder vorzugsweise diese Fähigkeit ergänzend in die Querrichtung von dem Bördelsteg
weg vorzugsweise soweit zurückbewegt werden, dass sie hinter der zweiten Bördelform
zurücksteht, vorzugsweise soweit, dass die zweite Bördelform im Falle einer geraden,
zu der Querrichtung rechtwinkeligen Bördelkante ohne die erste Bördelform auf den
Bördelsteg wirken kann. Auch dies verbessert die Manövrierfähigkeit des Werkzeugkopfs
und erleichtert das Durchfahren von Eckbereichen. Das in Bezug auf die erste Bördelform
Gesagte ist vorteilhaft auch für die zweite Bördelform, wobei die vorstehend beschriebenen
Verhältnisse dann spiegelbildlich mit vertauschten Rollen der Bördelformen oder in
einer Weiterentwicklung für beide Bördelformen zutreffen.
[0010] Die Erfindung ermöglicht in bevorzugten Varianten die Ausführung von zwei Bördelschritten
in einem einzigen Arbeitslauf des Werkzeugkopfs auch längs einer gekrümmten Bördelkante.
[0011] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird der Werkzeugkopf so geführt, dass er und
mit ihm gemeinsam die zweite Bördelform dem Kantenverlauf folgt, während mittels der
Querbewegbarkeit der Lagereinheit Krümmungen, die eine in einer Ebene verlaufende
Bördelkante in der Ebene oder eine dreidimensional verlaufende Bördelkante in einer
Abwicklung aufweist, ausgeglichen werden.
[0012] Die erfindungsgemäße Vorrichtung und das erfindungsgemäße Verfahren können mit Vorteil
als Falzvorrichtung gebildet sein und dem Falzen, d.h. der Herstellung einer Falzverbindung,
dienen. Sie sind jedoch vorteilhaft auch zum Kantenbiegen eines Bauteilrands, wobei
der Biegeprozess nicht dem Fügen von zwei oder gegebenenfalls mehr Komponenten des
Bauteils dienen muss, sondern nur dem Kantenbiegen eines beispielsweise nur einstückigen
Bauteils. Der Bördelsteg muss um die Bördelkante auch nicht bis in eine Parallellage
zu einem gegenüberliegenden Steg des Bauteils gebogen, d.h. vollständig umgelegt werden,
vielmehr ist die Erfindung auch vorteilhaft zum Bördeln um beliebige Biegewinkel.
[0013] Die Bördelformen können als Gleitstücke gebildet sein, die zum Umlegen des Bördelstegs
gegen den Bördelsteg drückend an der Bördelkante entlanggleiten. In solchen Ausführungen
sind die den Bördelsteg kontaktierenden Wirkflächen der Bördelformen bevorzugt zylindrisch.
Als Gleitstücke gebildete Bördelformen können platzsparend realisiert werden und daher
in beengten Bördelbereichen von Vorteil sein.
[0014] Vorzugsweise ist wenigstens eine der Bördelformen als Bördelrolle gebildet. Vorzugsweise
ist jede der wenigstens zwei Bördelformen als Bördelrolle gebildet. Falls nur eine
der Bördelformen eine Bördelrolle ist, dann vorzugsweise die erste Bördelform. Falls
der Werkzeugkopf noch eine weitere Bördelform trägt, wird es bevorzugt, wenn auch
diese weitere Bördelform als Bördelrolle gebildet ist.
[0015] Die erste Bördelform und die zweite Bördelform weisen in Arbeitsrichtung des Werkzeugkopfs
voneinander vorteilhafterweise einen nur geringen Abstand auf. Falls die Lagereinheit
bei dem Bördeln Ausgleichsbewegungen aufgrund von Krümmungen im Kantenverlauf ausführt,
ist deren Amplitude entsprechend klein. Der zwischen den Wirkflächen der Bördelformen
in Arbeitsrichtung gemessen lichte Abstand sollte wenige Zentimeter nicht überschreiten,
vorzugsweise beträgt der lichte Abstand höchstens 10 cm, noch bevorzugter höchstens
5 cm oder 4cm.
[0016] Die Querrichtung, in welche die erste Bördelform relativ zu der zweiten Bördelform
bewegbar ist, weist in einer ersten Variante winkelig, d.h. unter einem Winkel größer
0o und kleiner 180°, zu einer Druckkraft, mit der die erste Bördelform bei dem Umlegen
gegen den Bördelsteg drückt. Falls eine Bördelrolle die erste Bördelform bildet, weist
sie in solch einer Ausführung insbesondere nicht senkrecht zu der Drehachse dieser
Bördelrolle, sondern hat zumindest eine mit der Drehachse zusammenfallende Richtungskomponente.
Die Lagereinheit gleicht Krümmungen der Bördelkante aus und wirkt in diesem Sinne
als Ausgleichseinheit.
[0017] In einer zweiten Variante ist die Querrichtung zumindest im Wesentlichen parallel
zu der Druckkraft oder hat zumindest eine Richtungskomponente mit der Druckkraft gemeinsam.
Vorzugsweise fluchtet sie mit der Druckkraft. Falls die erste Bördelform eine Bördelrolle
ist, weist die Querrichtung in solch einer Ausführung insbesondere nicht parallel
zu der Drehachse dieser Bördelrolle, sondern hat zumindest eine zu der Drehachse rechtwinkelige
Richtungskomponente. Insbesondere für die zweite Variante wird es bevorzugt, wenn
die erste Bördelform so ausgerichtet ist, dass sie den Bördelsteg vollständig umlegt,
so dass das Bauteil an der Bördelkante um 180o umgebogen ist. Die erste Bördelform
kann in diesem Fall auf dem umgelegten Bördelsteg in begrenztem Ausmaß gleiten, um
einen gekrümmten Verlauf der Bördelkante auf diese Weise auszugleichen.
[0018] Wegen der beweglichen Anordnung kann die Lagereinheit in Wirkrichtung auf den Bördelsteg,
die vorteilhafterweise mit der Querrichtung zusammenfällt, mit einer bestimmten, vorzugsweise
einstellbaren Kraft beaufschlagt werden. In derartigen Ausführungen umfasst die Vorrichtung
eine Regeleinrichtung zum Einstellen der Kraft. Die Kraft wird während des Arbeitslaufs
vorzugsweise konstant gehalten. In einer Weiterentwicklung wird die Kraft programmgesteuert
während des Arbeitslaufs variiert, beispielsweise um eine in Arbeitsrichtung variierende
Festigkeit des Bauteils im Bördelbereich auszugleichen. Die Bewegbarkeit kann auch
nur oder zusätzlich dazu dienen, die erste Bördelform unabhängig von der zweiten Bördelform
gegen den Bördelsteg oder von dem Bördelsteg weg zu bewegen. Die Kraft kann die Lagereinheit
gegen einen Anschlag drücken. Sie kann so groß sein, dass die Lagereinheit unter den
im Einsatz auftretenden Kräften nicht von dem Anschlag abheben kann und daher unnachgiebig
ist. Bevorzugter wird die Kraft aber so gewählt, dass die auf den Bördelsteg wirkende
Druckkraft wie erwähnt während des Arbeitslaufs konstant ist. Die Lagereinheit wirkt
in solchen Ausführungen als Ausgleichseinheit für einen Kraftausgleich. Ferner erleichtert
sie es der ersten Bördelform, einem gekrümmten Verlauf der Bördelkante zu folgen und
wirkt auch in diesem Sinne als Ausgleichseinheit.
[0019] Um die erste Bördelform dem Verlauf der Bördelkante folgend zu führen, verfügt die
Vorrichtung in bevorzugter Ausführung über eine Abtasteinrichtung, die den Kantenverlauf
aufnimmt. Die Abtasteinrichtung kann ein berührungslos arbeitender Sensor sein oder
einen solchen umfassen, beispielsweise ein optischer Sensor oder ein Ultraschallsensor,
dessen Positionssignal einer Steuer- oder Regelungseinrichtung aufgegeben wird, welche
die Lagereinheit entsprechend verstellt. In einer alternativen Ausführung ist oder
umfasst die Abtasteinrichtung ein als Kontaktaufnehmer gebildetes Führungsglied, das
in einem Führungskontakt mit einer dem Kantenverlauf entsprechenden Führungskurve
gehalten wird. Obgleich ein derartiges Führungsglied dem Grunde nach ebenfalls erst
über eine zwischengeschaltete Steuer- oder Regelungseinrichtung mit Stelleinrichtung
zur Steuerung oder Regelung der Querbewegungen der Lagereinheit verwendet werden könnte,
wird es ferner bevorzugt, wenn das Führungsglied mit der Lagereinheit mechanisch so
verbunden ist, dass es die Lagereinheit im Falle einer Bewegung entlang der Führungskurve
in Querrichtung zu der Führungskurve mitnimmt. Zweckmäßigerweise ist das Führungsglied
an der Lagereinheit ortsfest angeordnet. Das Führungsglied kann beispielsweise ein
Gleitstück sein, ist vorteilhafterweise aber als Rolle gebildet und rollt in dem Führungskontakt
auf der Führungskurve ab. Das Führungsglied bildet eine Kontaktfläche für den Führungskontakt
vorteilhafterweise so, dass die Kontaktfläche bei dem Umlegen mit einer von dem Bördelsteg
aus gesehen auf der anderen Seite der Bördelkante oder unmittelbar mit einer von der
Bördelkante oder dem Bördelsteg gebildeten Führungskurve in dem Führungskontakt ist.
Das Führungsglied wird vorzugsweise mit einer Elastizitätskraft in den Führungskontakt
gepresst, vorzugsweise pneumatisch. Vorteilhaft ist es, wenn das Führungsglied eine
Kontaktfläche für den Führungskontakt bildet, die in Arbeitsrichtung auf gleicher
Höhe wie die erste Bördelform angeordnet ist.
[0020] Anstatt den Kantenverlauf mittels einer Abtasteinrichtung aufzunehmen, kann eine
Steuereinrichtung vorgesehen sein, welche die erste Bördelform relativ zur zweiten
in Querrichtung in Abhängigkeit von gespeicherten Positionskoordinaten der Kante verstellt,
d. h. ohne Abtastung.
[0021] Die zweite Bördelform stützt sich in bevorzugter Ausführung über eine Kraftmesseinrichtung,
vorzugsweise eine Kraftmessdose, an dem Werkzeugkopf ab. Mit der Kraftmesseinrichtung
kann während des Arbeitslaufs die von der zweiten Bördelform auf den Bördelsteg ausgeübte
Kraft gemessen werden. Die aus der Messung ermittelte Kraft wird mit einer Sollkraft
verglichen. In Abhängigkeit vom Vergleichsergebnis, beispielsweise der Differenz aus
der gemessenen Istkraft und der vorgegebenen Sollkraft, wird die Bewegungsbahn des
Werkzeugkopfs optimiert. So kann einer Bewegungssteuerung des Werkzeugskopfs, d. h.
einer Bewegungssteuerung des den Werkzeugkopf tragenden Aktors, die Bewegungsbahn
in Form eines idealen Verlaufs der Bördelkante vorgegeben sein, vorzugsweise einer
programmierten Bewegungssteuerung. Der Bewegungssteuerung ist des Weiteren auch längs
der Bewegungsbahn der Sollkraftverlauf vorgegeben. Beim Abfahren der vorgegebenen
Bewegungsbahn können jedoch Abweichungen zwischen der vorgegebenen Sollkraft und der
durch Messung ermittelten Istkraft auftreten. In vorteilhaften Weiterbildungen optimiert
die Bewegungssteuerung die Bewegungsbahn in Abhängigkeit von dem Vergleich der Sollkraft
und der Istkraft in solch einer Weise, dass der Verlauf der Bördelkante dem idealen
Verlauf möglichst nahe kommt und zugleich die Istkraft so weit als möglich der Sollkraft
entspricht. Die Ermittlung der Istkraft und darauf basierend die Optimierung der Bewegungsbahn
ist in der Serienfertigung inbesondere beim Anlaufen einer neuen Serie von Vorteil,
um die Bewegungsbahn bei den ersten Bauteilen einer neuen Serie zu optimieren. Nach
der Optimierung kann die Kraftmesseinrichtung im weiteren Verlauf der jeweiligen Serie
abgeschaltet und der Werkzeugkopf auf der optimierten Bewegungsbahn gerührt werden.
Gegebenenfalls kann im Verlauf einer Serie auch zu einem späteren Zeitpunkt nochmals
eine Überprüfung der Istkraft mit erneuter Optimierung der Bewegungsbahn durchgeführt
werden. Selbstverständlich kann die Kraftmesseinrichtung auch während der gesamten
Serie, d. h. beim Bördeln von stets den gleichen Bauteilen einer Serie, zugeschaltet
sein, um bei Feststellung von Abweichungen der Istkraft von der Sollkraft ständig
oder zumindest bei Erkennung einer eindeutigen Tendenz die Bewegungsbahn zu optimieren.
[0022] Die erfindungsgemäße Vorrichtung und das erfindungsgemäße Verfahren können sowohl
bei einem Bauteil, das in einer Bauteilaufnahme, einem Bördelbett, aufgenommen ist,
als auch bei einem freien Bauteil, beispielsweise einer komplettierten Rohkarosse,
zum Einsatz gelangen. Falls das Bauteil nicht in einer Bauteilaufnahme aufgenommen
ist, trägt der Werkzeugkopf vorzugsweise Stützrollen, nämlich je eine Stützrolle pro
Bördelform, die der zugeordneten Bördelform gegenüberliegend angeordnet ist, um die
bei dem Umlegen jeweils auftretende Biegekraft aufzunehmen.
[0023] In einer Ausführungsform bildet eine Bauteilaufnahme, ein Bördelbett, die Führungskurve.
In einer anderen Ausführungsform bildet das Bauteil selbst die Führungskurve, beispielsweise
der Bördelsteg oder die Bördelkante oder vorzugsweise ein vom Bördelsteg aus gesehen
auf der anderen Seite der Bördelkante verlaufender Bauteilstreifen.
[0024] In bevorzugten Ausführungen wird die Lagereinheit in Richtung ihrer Querbewegbarkeit
mit einer Pneumatikkraft beaufschlagt, um die erste Bördelform während eines Arbeitslaufs
in einer Position zu halten, in der sie den Bördelsteg um den vorgegebenen Biegewinkel
umlegt. Anstatt pneumatisch könnte die hierfür erforderliche Kraft mittels einer mechanischen
Feder oder eines Systems aus mehreren mechanischen Federn erzeugt werden. Die pneumatische
Erzeugung der Kraft hat jedoch den Vorteil, dass die Größe der Kraft durch entsprechende
Bemessung der Druckfläche eines mit dem Pneumatikdruck beaufschlagbaren Kolbens genauer
vorgegeben werden kann, eine Materialermüdung weniger befürchtet werden muss und die
Bewegungsrichtung der Lagereinheit einfach umgesteuert werden kann, falls beispielsweise
eine Kolben-Zylinder-Anordnung mit einem auf beiden Seiten mit Druck beaufschlagbaren
Kolben verwendet wird. Falls ein Druckerzeuger verwendet wird, mittels dem der Pneumatikdruck
variierbar ist, kann die Größe der Kraft auch bei sonst gegebenen Verhältnissen während
des Betriebs, von einer Bördelaufgabe zu einer anderen oder von Bördelvorrichtung
zu Bördelvorrichtung unterschiedlich flexibel den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend
gewählt werden. Eine Umsteuerbarkeit kann von Vorteil sein, um die erste Bördelrolle
vor oder nach der zweiten Bördelrolle an den Bördelsteg anzusetzen oder von dem Bördelsteg
zu nehmen. Dies kann bei beengten Platzverhältnissen von Vorteil sein. Die erste Bördelform
ist in derartigen Ausführungen ausreichend weit in Querrichtung über die zweite Bördelform
hinaus oder hinter diese bewegbar. Eine mechanische Feder oder ein System aus mehreren,
aufeinander abgestimmten mechanischen Federn kann auch eine Pneumatikkraft unterstützend
vorgesehen sein.
[0025] Obgleich die Lagereinheit in Richtung ihrer Querbewegbarkeit vorzugsweise mit einer
Federkraft beaufschlagt wird, um die Bördelrolle federnd gegen den Bördelsteg zu drücken
und dadurch Unebenheiten auszugleichen, ist es in alternativen Ausführungen vorteilhaft,
wenn die Querkraft nicht als Elastizitätskraft, sondern als steife Kraft, beispielsweise
hydraulisch oder mittels eines Elektromotors erzeugt wird.
[0026] Der Werkzeugkopf ist im Raum zweckmäßigerweise in allen drei Koordinatenrichtungen
und vorzugsweise auch allen drei Freiheitsgraden der Rotation gesteuert und gegebenenfalls
auch geregelt bewegbar, so dass er relativ zu dem Bauteil automatisch positionierbar
und dem Verlauf der Bördelkante folgend führbar ist. Zu diesem Zweck ist er an einem
entsprechend bewegbaren Aktor, vorzugsweise ein Roboterarm, befestigt oder befestigbar.
[0027] Die Erfindung kann, wie bereits erwähnt, zum Bördeln von Bauteilen verwendet werden,
für die eine Bauteilaufnahme die beim Bördeln auftretende Reaktionskraft aufnimmt.
Für ein Bördeln eines in einer Bauteilaufnahme aufgenommenen Bauteils wird der Werkzeugkopf
in eine Richtung auf den Bördelsteg zu mit einer Kraft beaufschlagt, um den Umformdruck
und dadurch die zum Umlegen des Bördelstegs erforderliche Biegekraft aufzubringen.
Die Richtung der Querbewegbarkeit der ersten Bördelrolle weist in der ersten Variante
unter einem Winkel größer 0o und kleiner 180°, vorzugsweise rechtwinklig, zu der Kraft,
mit welcher der Werkzeugkopf über die Bördelformen gegen den Bördelsteg drückbar ist,
um diesen umzulegen. In der zweiten Variante weist die Richtung der Querbewegbarkeit
bevorzugt zumindest im Wesentlichen in Richtung der Kraft, zweckmäßigerweise sind
die Richtungen identisch.
[0028] Während bei einem Bördeln eines von einer Bauteilaufnahme aufgenommenen Bauteils
die Bauteilaufnahme die Reaktionskraft aufnimmt, dient der Werkzeugkopf bei einer
Bördelvorrichtung und einem Bördelverfahren ohne Bauteilaufnahme, die ebenfalls einen
bevorzugten Gegenstand der Erfindung darstellen, als Träger für je wenigstens, vorzugsweise
genau je eine Stützrolle pro Bördelform. Auch bei derartigen Bauteilen, beispielsweise
einem Bauteil einer Seitenwand für ein Kraftfahrzeug oder einer bereits komplettierten
Rohkarosse, beispielsweise einem Radhaus, ist die Einsparung von Arbeitsläufen von
großem wirtschaftlichem Vorteil. Der Werkzeugkopf dient für derartige Vorrichtungen
und Verfahren auch als Träger für je eine Stützrolle pro Bördelform, um die bei einem
Umlegen des Bördelstegs pro Bördelform aufzubringende Biegekraft aufzunehmen. Den
wenigstens zwei Bördelformen sind entsprechend zwei Stützrollen zugeordnet. Falls
eine Querbewegbarkeit vorgesehen ist, wird die eine der Stützrollen gemeinsam mit
der ersten Bördelform vorteilhafterweise von der Lagereinheit drehbar gelagert, so
dass das aus erster Bördelform und deren Stützrolle gebildete Umformpaar in Querrichtung
zu der Arbeitsrichtung relativ zu der zweiten Bördelform und deren zugeordneten Stützrolle
bewegbar ist.
[0029] Die Lagereinheit kann in der ersten Variante für die Querbewegbarkeit schwimmend
gelagert sein, vorzugsweise kraftlos, zwischen die Querbewegbarkeit in beide Richtungen
begrenzenden Endanschlägen. Die Lagereinheit oder gegebenenfalls eine weitere Lagereinheit
kann in beiden Varianten zusätzlich auch noch in eine andere Querrichtung bewegbar
gelagert sein, um beispielsweise Krümmungen der Bördelkante um Achsen auszugleichen,
die im Raum unterschiedlich ausgerichtet sind. Die Richtungen einer derart zweifachen
Querbewegbarkeit weisen zueinander und auch zur Arbeitsrichtung des Werkzeugkopfs
vorzugsweise rechtwinklig. Grundsätzlich können sie jedoch auch unter anderen Winkeln
zueinander und zur Arbeitsrichtung weisen. Anstatt die erste Bördelform in zwei unterschiedliche
Richtungen querbewegbar zu lagern, nämlich über deren Lagereinheit, kann die zweite
Bördelform ebenfalls von einer Lagereinheit gelagert werden, die ihrerseits von dem
Werkzeugkopf in eine andere Richtung querbewegbar gelagert wird als die Lagereinheit
mit der ersten Bördelform.
[0030] Vorteilhafte Merkmale werden auch in den Unteransprüchen und in deren Kombinationen
beschrieben.
[0031] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird nachfolgend anhand von Figuren erläutert.
An dem Ausführungsbeispiel offenbar werdende Merkmale bilden einzeln und in jeder
Merkmalskombination die Gegenstände der Ansprüche und die auch die vorstehend beschriebenen
Ausgestaltungen vorteilhaft weiter. Es zeigen:
- Figur 1
- eine erste Rollbördelvorrichtung,
- Figur 2
- einen Bördelbereich eines zu bördelnden Bauteils in einem Querschnitt,
- Figur 3
- den Bördelbereich in einer Draufsicht,
- Figur 4
- die erste Rollbördelvorrichtung während des Rollbördelns in einer Ansicht in Längsrichtung
einer Bördelkante des Bauteils,
- Figur 5
- die erste Rollbördelvorrichtung während des Rollbördelns in einer Ansicht quer zu
der Bördelkante,
- Figur 6
- die erste Rollbördelvorrichtung während des Rollbördelns in einer perspektivischen
Sicht,
- Figur 7
- eine zweite Rollbördelvorrichtung in einer Sicht und
- Figur 8
- die zweite Rollbördelvorrichtung in einer anderen Sicht.
[0032] Figur 1 zeigt eine Rollbördelvorrichtung in einem ersten Ausfiihrungsbeispiel. Die
Rollbördelvorrichtung bildet einen Endeffektor eines Roboters. Es handelt sich um
einen Werkzeugkopf 5, der mit einem Verbindungsflansch für die Verbindung mit dem
Ende eines Gelenkarms des Roboters versehen ist. Der Werkzeugkopf 5 dient als Träger
für insgesamt zwei Bördelformen, nämlich eine erste Bördelrolle 11 und eine zweite
Bördelrolle 12. Die Bördelrollen 11 und 12 kommen bei einem Arbeitslauf des Werkzeugkopfs
5 gleichzeitig zum Einsatz. Die erste Bördelrolle 11 arbeitet als Vorbördelrolle und
die zweite Bördelrolle 12 als Nachbördelrolle. Die Bördelrollen 11 und 12 werden ihrer
Funktion entsprechend nachfolgend als Vorbördelrolle 11 und Nachbördelrolle 12 bezeichnet.
[0033] Figur 2 zeigt einen Randbereich eines vorgeformten Blechs 1 eines Bauteils. Durch
das Vorformen wurde ein Bördelsteg 2 erzeugt, der längs einer Bördelkante 3 in einem
rechten Winkel zu einem angrenzenden Randstreifen des Blechs 1 weist.
[0034] Figur 3 zeigt eine Draufsicht auf den Randbereich des Blechs 1 in einer Abwicklung.
Die Bördelkante 3 hat in der Ebene der Abwicklung einen gekrümmten Verlauf. Die Arbeitsrichtung
der Rollbördelvorrichtung, die mit der lokalen Längsrichtung der Bördelkante 3 übereinstimmt,
ist mit L bezeichnet.
[0035] Die Vorbördelrolle 11 und die Nachbördelrolle 12 sind auf dem Werkzeugkopf 5 angeordnet,
und ihre Drehachsen sind so ausgerichtet, dass sie den Bördelsteg 2 in einem einzigen
Arbeitslauf des Werkzeugkopfs 5 in zwei Bördelschritten vollständig umlegen, so dass
der Bördelsteg 3 nach dem Rollbördeln parallel zu dem an der anderen Seite der Bördelkante
3 angrenzenden Randstreifen des Blechs 1 weist. Auf diese Weise wird eine Falztasche
für eine klemmende Verbindung des Blechs 1 mit einem anderen Blech, das mit einem
Ende in die Falztasche hineinragt, gebildet. Anstatt eines Blechs kann in der Falztasche
auch ein Randstreifen einer Struktur aus einem anderen Material, beispielsweise Kunststoff,
gehalten werden. Falls durch das Rollbördeln eine Falzverbindung hergestellt wird,
sind das Blech 1 und die damit zu fügende Struktur entsprechend zueinander positioniert.
[0036] Die Nachbördelrolle 12 ist mit dem Werkzeugkopf 5 ortsfest verbunden. Ort und Ausrichtung
ihrer Drehachse sind zumindest während eines Arbeitslaufs fix. Im Ausführungsbeispiel
sind der Ort und die Ausrichtung der Drehachse auch zwischen Arbeitsläufen nicht veränderbar.
Die Drehachse der Nachbördelrolle 12 weist rechtwinklig zu einer körperfesten Achse
P des Werkzeugkopfs 5.
[0037] Die Drehachse der Nachbördelrolle 12 weist rechtwinkelig zu der Achse P. Die Drehachse
der Vorbördelrolle 11 ist relativ zu der Drehachse der Nachbördelrolle 12 und der
Achse P jeweils geneigt. Der Neigungswinkel der mit der Drehachse der Nachbördelrolle
12 durch Parallelverschiebung zum Schnitt gebrachten Drehachse der Vorbördelrolle
11 beträgt 45°. Andere Neigungswinkel sind im Rahmen der bekannten Grenzen jedoch
ebenfalls möglich. Mit den Winkelstellungen Bördelrollen 11 und 12 des Ausführungsbeispiels
wird ein rechtwinkelig vorgekanteter Bördelsteg jedoch vorteilhafterweise mit nur
zwei Bördelrollen vollständig umgelegt. Der Neigungswinkel der Vorbördelrolle 11 zu
der Achse P ist ebenfalls 45o.
[0038] Um Krümmungen, die das Bauteil 1 zwischen dem momentanen Wirkort der Vorbördelrolle
11 und dem Wirkort der nachlaufend angeordneten Nachbördelrolle 12 aufweist, auszugleichen,
ist die Position der Vorbördelrolle 11 relativ zu dem Werkzeugkopf 5 und insbesondere
relativ zu der Nachbördelrolle 12 veränderbar. Der Neigungswinkel der Vorbördelrolle
11 bleibt bei den Positionsänderungen erhalten. Die Richtung Q der relativen Bewegbarkeit
der Vorbördelrolle 11 weist quer, im Ausführungsbeispiel rechtwinklig, zu der Arbeitsrichtung
L, d.h. zu der Bördelkante 3. Ferner weist sie parallel zu dem Randstreifen des Bauteils
1, auf den der Bördelsteg 2 umgelegt wird, was gleichzeitig bedeutet, dass die Richtung
Q der Querbewegbarkeit parallel zu der Drehachse der Nachbördelrolle 12 verläuft.
Bei anderen Bördelaufgaben, für welche die Drehachse der Nachbördelrolle 12 nicht
für ein vollständiges Umlegen des Bördelstegs 2 ausgerichtet ist, würde letzteres
nicht gelten.
[0039] Die körpereigene Achse P des Werkzeugkopfs 5, die Arbeitsrichtung L und die Richtung
Q der Querbewegbarkeit der Vorbördelrolle 11 sind zueinander paarweise je nicht parallel,
d.h. sie weisen je paarweise winklig zueinander. Im Ausführungsbeispiel bilden sie
ein rechtwinkliges Koordinatensystem, grundsätzlich sind andere Winkelverhältnisse
aber auch nicht ausgeschlossen. Bei einem Rollbördeln wird der Werkzeugkopf 5 längs
der Achse P in die eingezeichnete Richtung mit einer Kraft beaufschlagt, um die Bördelrollen
11 und 12 gegen den Bördelsteg 2 zu pressen und diesen dadurch entsprechend der Neigung
der Drehachsen der Bördelrollen 11 und 12 sukzessive umzulegen.
[0040] Für die Querbewegbarkeit der Vorbördelrolle 11 umfasst der Werkzeugkopf 5 eine als
Ausgleichseinheit wirkende Lagereinheit 9, die von dem Werkzeugkopf 5 in Querrichtung
Q bewegbar gelagert wird und ihrerseits die Vorbördelrolle 11 drehbar lagert. Die
Lagereinheit 9 bildet einen verdrehgesichert in Richtung Q relativ zu dem Werkzeugkopf
5 linear verfahrbaren Schlitten. Da die Lagereinheit 9 von dem Werkzeugkopf 5 getragen
wird und somit ein Bestandteil des Werkzeugkopfs 5 ist, wird die Lagereinheit 9 genauer
gesagt nicht von dem Werkzeugkopf 5 als solchem, sondern von einem Lagerteil des Werkzeugkopfs
5 gelagert. Dieser Lagerteil umfasst eine Zylindereinheit 6 einer Anpresseinrichtung
und eine Führung 8 für die Führung der Lagereinheit 9 in Querrichtung Q. Die Lagereinheit
9 umfasst eine Kolbeneinheit 9a, die im Zusammenwirken mit der Zylindereinheit 6 die
Anpresseinrichtung bildet, eine die Vorbördelrolle 11 drehbar lagernde Lagerstruktur
9c und eine Verbindungsstruktur 9b, welche die Kolbeneinheit 9a mit der Lagerstruktur
9c steif verbindet und als Bügel geformt ist.
[0041] Die Anpresseinrichtung ist ein pneumatischer Krafterzeuger und ist aus der Zylindereinheit
6 und der Kolbeneinheit 9a als Zylinder-Kolben-Einheit gebildet. Die Kolbeneinheit
9a besteht aus einem Kolben und einer Kolbenstange. Die Zylindereinheit 6 bildet einen
Zylinder für den Kolben. Die Kolbenstange ist mit der Verbindungsstruktur 9b verbunden.
Die Anpresseinrichtung umfasst des weiteren einen Anschluss 7 für ein Druckgas, vorzugsweise
Druckluft.
[0042] In den Figuren 4 bis 6 ist eine aus der Rollbördelvorrichtung und einer Bauteilaufnahme
4 bestehende Anordnung zum Rollbördeln des Blechs 1 dargestellt. Figur 4 zeigt eine
Ansicht gegen die Arbeitsrichtung L der Rollbördelvorrichtung, Figur 5 zeigt die Anordnung
in einer Ansicht auf eine von dem Blech 1 abgewandte Rückseite der Rollbördelvorrichtung
und Figur 6 eine perspektivische Sicht.
[0043] Das Blech 1 liegt auf der Bauteilaufnahme 4, einem Bördelbett, auf und ist entweder
bereits durch das Aufliegen oder zusätzlich an der Bauteilaufnahme 4 fixiert. Die
Bauteilaufnahme 4 bildet eine Führungskurve 4a für die Lagereinheit 9. Die Führungskurve
4a folgt der Bördelkante 3 längs deren dem Bördelsteg 2 gegenüberliegenden Seite und
weist zumindest im wesentlichen in Richtung Q der Querbewegbarkeit der Lagereinheit
9; im Ausführungsbeispiel erstreckt sie sich genau senkrecht zu der Richtung Q.
[0044] An der Lagereinheit 9 ist ein Führungsglied 10 angeordnet, das bei dem Rollbördeln
mit der Führungskurve 4a in einem Führungskontakt ist. Das Führungsglied 10 ist als
Rolle gebildet und wird von der Lagereinheit 9 um eine zur Richtung Q senkrechte,
zur Achse P parallele Drehachse drehbar gelagert. Bei dem Rollbördeln rollt das Führungsglied
10 somit im Führungskontakt an der Führungskurve 4a ab.
[0045] Die Lagereinheit 9 wird mittels der Anpresseinrichtung 6, 9a in Richtung Q auf den
Bördelsteg 2 zu gepresst. Gleichzeitig presst die Anpresseinrichtung 6, 9a dabei das
Führungsglied 10 gegen die Führungskurve 4a. Die Position des Führungsglieds 10 ist
in Richtung Q relativ zu der Vorbördelrolle 11 so gewählt, dass die Vorbördelrolle
11 den Bördelsteg 2 um den durch die Neigung der Vorbördelrolle 11 vorgegebenen Winkel
umlegt, wenn das Führungsglied 10 im Führungskontakt mit der Führungskurve 4a ist.
Das Führungsglied 10 ist lediglich um seine Drehachse drehbar, ansonsten jedoch relativ
zu der Lagereinheit 9 ortsfest angeordnet. Indem das Führungsglied 10 in den Führungskontakt
gepresst wird, folgt es bei der Bewegung der Bördelvorrichtung in die Arbeitsrichtung
L dem Verlauf der Bördelkante 3. Während der Werkzeugkopf 5 längs der Achse P auf
den Bördelsteg 2 drückt und gesteuert oder gegebenenfalls auch geregelt geführt wird,
so dass die Nachbördelrolle 12 dem Verlauf der Bördelkante 3 folgt, kann sich die
Vorbördelrolle 11 im Rahmen ihrer Querbewegbarkeit relativ zu der Nachbördelrolle
12 bewegen, um auf diese Weise zwischen den Bördelrollen 11 und 12 auftretende Krümmungen
auszugleichen. Günstig wirkt sich dabei aus, dass die Vorbördelrolle 11 von einer
elastischen Rückstellkraft, erzeugt durch die pneumatische Anpresseinrichtung 6, 9a,
gegen den Bördelsteg 2 gepresst wird und so im Falle von Unebenheiten des Bördelstegs
2 in Querrichtung Q elastisch nachgibt, d.h. einfedert.
[0046] Für die Erzeugung der Anpresskraft kann die Anpresseinrichtung 6, 9a über den Anschluss
7 mit einem bestimmten Druck beaufschlagt und nach Aufbau des Drucks geschlossen werden,
so dass die Zylindereinheit 6 eine geschlossene Kammer bildet. In einer bevorzugten
alternativen Ausführung wird der Druck in dem Zylinder 6 während des Arbeitslaufs
auf Einhaltung eines vorgegebenen Sollwerts geregelt.
[0047] Die Anpresseinrichtung 6, 9a bildet in Kombination mit dem Führungsglied 10 eine
Stelleinrichtung für die Lagereinheit 9 und somit für die Vorbördelrolle 11. Sie dient
jedoch nicht nur dem Anpressen des Führungsglieds 10 an die Führungskurve 4a und infolgedessen
der Vorbördelrolle 11 gegen den Bördelsteg 2. In einfachen Ausführungen kann die Anpresseinrichtung
6, 9a das Führungsglied 10 nur gegen die Führungskurve 4a pressen. In einer Weiterentwicklung
bildet die Anpresseinrichtung 6, 9a auch bereits alleine eine Stelleinrichtung, mittels
der die Vorbördelrolle 11 relativ zu der Nachbördelrolle 12 zu Beginn des Arbeitslaufs
in Richtung Q in die Arbeitsposition und am Ende des Arbeitslaufs in die Gegenrichtung,
die ebenfalls als Q bezeichnet sei, aus der Arbeitsposition bewegbar ist.
[0048] Um den Arbeitslauf zu starten, wird der Werkzeugkopf 5 in eine Anfangsposition bewegt,
entweder mittels einer Sensorik geregelt oder bei entsprechender Abspeicherung der
Position des Blechs 1 nur gesteuert. In der Anfangsposition des Werkzeugkopfs 5 ist
lediglich die Vorbördelrolle 11 gegen den Bördelsteg 2 gepresst. Der Arbeitslauf wird
nun gestartet. In einem einzigen Arbeitslauf wird der Bördelsteg 2 entsprechend der
Neigung der Vorbördelrolle 11 in einem ersten Bördelschritt und entsprechend der Neigung
der Nachbördelrolle 12 weiter umgelegt, im Ausführungsbeispiel wird er vollständig
umgelegt, so dass er parallel zu dem an die andere Seite der Bördelkante 3 angrenzenden
Randstreifen des Blechs 1 zu liegen kommt. Die Bördelvorrichtung eignet sich somit
insbesondere zur Bildung einer Falzverbindung des Blechs 1 mit einer zumindest im
Fügebereich flächenförmigen weiteren Struktur. Bei entsprechender Ausrichtung der
Drehachsen der Bördelrollen 11 und 12 kann der Bördelsteg 2 oder ein unter einem anderen
Biegewinkel vorgeformter Bördelsteg pro Bördelschritt und auch insgesamt um andere
Biegewinkel umgelegt werden. Am Ende des Arbeitslaufs fährt die Vorbördelrolle 11
entweder einfach in Arbeitsrichtung L weiter, oder es fährt die Anpresseinrichtung
6, 9a die Lagereinheit 9 und damit die Vorbördelrolle 11 in Querrichtung Q aus dem
Bördelbereich, so dass die Nachbördelrolle 12 im Falle beengter Platzverhältnisse
in Längsrichtung L der Bördelkante 3 weiter bewegt und die Bördelkante 3 auch in ihrem
Endbereich entsprechend der Bördelaufgabe umgelegt werden kann. Schließlich wird der
Werkzeugkopf 5 insgesamt aus dem Bördelbereich bewegt.
[0049] Während des Arbeitslaufs wird der Werkzeugkopf 5 entweder geregelt oder nur gesteuert
geführt. Im Falle einer Positionsregelung ist der Werkzeugkopf mit einer entsprechenden
Sensorik für die Erfassung des Kantenverlaufs oder einer geeigneten anderen Referenz
ausgestattet. Im Falle einer nur gesteuerten Bewegung hat eine die Bewegung des Werkzeugkopfs
5 steuernde Steuereinrichtung Zugriff auf einen gespeicherten Datensatz, der den Verlauf
der Bördelkante 3 repräsentiert.
[0050] Für die Stellbewegung in die Richtung Q auf die Bördelkante 3 zu und die Erzeugung
der Anpresskraft einerseits und die Stellbewegung in die Gegenrichtung Q von der Bördelkante
3 weg andererseits bilden die Kolbeneinheit 9a in der Weiterentwicklung einen auf
beiden Kolbenseiten mit Druck beaufschlagbaren Kolben, d.h. einen Doppelkolben, und
die Zylindereinheit 6 zu beiden Kolbenseiten je einen mit Druck beaufschlagbaren Zylinderraum.
[0051] Die Figuren 7 und 8 zeigen eine Rollbördelvorrichtung in einem zweiten Ausführungsbeispiel
in zwei perspektivischen Sichten. Komponenten mit gleicher Funktion wie Komponenten
des ersten Ausführungsbeispiels sind mit den Bezugszeichen des ersten Ausführungsbeispiels
versehen. Neue Bezugszeichen werden lediglich für die Bördelrollen 13 und 14 verwendet.
Nachfolgend werden die Unterschiede zum ersten Ausführungsbeispiel beschrieben. Im
Übrigen gelten die Ausführungen zum ersten Ausführungsbeispiel.
[0052] Im zweiten Ausführungsbeispiel ist die nachlaufende Rolle, die Nachbördelrolle 14,
quer zu der Längsrichtung der Bördelkante 3, der Arbeitsrichtung L, bewegbar und ist
im Sinne der Erfindung deshalb die erste Bördelrolle. Sie ist parallel zur Kraftachse
P in und gegen die Richtung der Kraft, mit welcher der Werkzeugkopf 5 gegen das Bauteil
1 gedrückt wird, bewegbar gelagert. Im L,P,Q-Koordinatensystem des Werkzeugkopfs 5
sind die Winkelstellung bezüglich allen Koordinatenachsen und der Ort der Nachbördelrolle
14 bezüglich den Achsen L und Q mechanisch fixiert, wie dies auch im ersten Ausführungsbeispiel
für die Nachbördelrolle 12 der Fall ist.
[0053] Die Vorbördelrolle 13 ist über eine Kraftmessdose 16 abgestützt, ansonsten jedoch
am Werkzeugkopf 5 sowohl ortsfest angeordnet als auch in Bezug auf ihre Winkelstellung
festgelegt. Hinsichtlich der Winkelstellung und der Fixierung des Orts bezüglich der
Achse L entspricht sie der Vorbördelrolle 11 des ersten Ausführungsbeispiels. Die
Kraftmessdose 16 dient der Messung der Kraft, mit der die Vorbördelrolle 13 gegen
den Bördelsteg 2 drückt und darauf basierend der Einstellung der optimalen Kraft für
den Vorbördelschritt. Die Kraftmessdose 16 kann eine gefesselte Feder umfassen und
die Vorbördelrolle 13 über die Kraftmessdose 16 wie in der DE 100 11 854 A1 beschrieben
am Werkzeugkopf 5 gelagert sein. Die DE 100 11 854 A1 wird hierfür in Bezug genommen.
Für die praktischen Belange kann für die Vorbördelrolle 13 eine feste Anordnung angenommen
werden, zumal die Kraftmessdose 16 in einer vereinfachten Ausführungsform entfallen
kann und die Vorbördelrolle 13 dann am Werkzeugkopf 5 festgelegt ist. Mittels der
Kraftmessdose 16 wird vorteilhafterweise die Bewegungsbahn des Werkzeugkopfs optimiert.
[0054] Die Zylindereinheit 6 ist entsprechend der geänderten Richtung der Querbewegbarkeit
um 90o verschwenkt am Werkzeugkopf 5 befestigt. Die Kolbeneinheit 9a fährt daher in
Querrichtung P ein und aus und mit ihr die daran befestigten weiteren Teile 9b und
9c der Lagereinheit 9. Die Lagereinheit 9 wird im Bereich ihrer Verbindungsstruktur
9b von der Führung 8 in Querrichtung P linear verdrehgesichert geführt. Die Lagerstruktur
9c, welche die Nachbördelrolle 14 drehbar lagert, ist über die Verbindungsstruktur
9b mit der Kolbeneinheit 9a starr verbunden. Die Lagereinheit 9 ist in sich wieder
steif. Die Zylindereinheit 6 weist zwei Anschlüsse 7 für ein Druckgas auf, vorzugsweise
Druckluft, um den Kolben der Kolbeneinheit 9a beidseits mit Druck beaufschlagen und
die Lagereinheit 9 in Querrichtung P hin und her bewegen zu können.
[0055] Die Lagereinheit 9 kann in Wirkrichtung P soweit ausgefahren werden, dass die Nachbördelrolle
14 über die Vorbördelrolle 13 soweit vorsteht, dass sie im Falle einer geraden, zu
der Achse P rechtwinkeligen Bördelkante 3 auch ohne die Vorbördelrolle 13 auf den
Bördelsteg 2 wirken kann. Ferner kann sie gegen die Wirkrichtung P soweit eingefahren
werden, dass die Nachbördelrolle 14 hinter der Vorbördelrolle 13 soweit zurücksteht,
dass die Vorbördelrolle 13 im Falle einer geraden, zu der Achse P rechtwinkeligen
Bördelkante 3 auch ohne die Nachbördelrolle 14 auf den Bördelsteg 2 wirken kann.
[0056] Der Druck, mit dem die Nachbördelrolle 14 auf den Bördelsteg 2 wirkt, wird während
eines Arbeitslaufs konstant gehalten. Die Lagereinheit 9 wird hierfür mit einer entsprechend
gewählten Stellkraft beaufschlagt, im Ausführungsbeispiel mit einem Gasdruck in der
Zylindereinheit 6, den eine Druckregeleinrichtung konstant hält. Durch die Konstanthaltung
des Wirkdrucks der Nachbördelrolle 14 werden Unebenheiten, die das Bauteil 1 im Bördelbereich
haben kann, ausgeglichen.
[0057] Nach dem Ansetzen des Werkzeugkopfs 5 wird der Bördelsteg 2 in zwei Bördelschritten,
die der Werkzeugkopf 5 im gleichen Arbeitslauf ausführt, vollständig umgelegt. Die
mit konstantem Druck auf den Bördelsteg 2 wirkende Nachbördelrolle 14 sorgt für eine
hohe Formgüte im gebördelten Randbereich des Bauteils 1. Weist die Bördelkante 3 einen
Eckbereich auf, wie beispielsweise bei Schiebedächern oder Fahrzeugtüren, durchfährt
die Vorbördelrolle 13 den Eckbereich. Die Lagereinheit 9 wird für dieses Durchfahren
des Eckbereichs soweit eingefahren, dass die Nachbördelrolle 14 im Eckbereich nicht
auf den Bördelsteg 2 wirkt. Nachdem die Vorbördelrolle 13 den Eckbereich umgelegt
hat, wird der Werkzeugkopf 5 im nächsten Schritt von dem Bördelsteg 2 ein Stück weit
wegbewegt, so dass die Vorbördelrolle 13 von dem Bördelsteg 2 abhebt. Synchron mit
dem Abheben der Vorbördelrolle 13 wird die Lagereinheit 9 ausgefahren, so dass die
Nachbördelrolle 14 sich wieder in ihre Arbeitsposition bewegt. Der Werkzeugkopf 5
wird nun in Umkehrung der Arbeitsrichtung L wieder vor den Eckbereich zurückbewegt,
so dass der Bördelsteg 2 im Eckbereich bei abgehobener Vorbördelrolle 13 mittels der
Nachbördelrolle 14 vollständig umgelegt wird. Anschließend durchfährt der Werkzeugkopf
5 den Eckbereich mit abgehobener Vorbördelrolle 13 und in Arbeitsposition befindlicher
Nachbördelrolle 14 nochmals, um das Bauteil 1 im Eckbereich zu "bügeln" und dadurch
die Bauteilgüte zu verbessern. Unmittelbar nachdem die Nachbördelrolle 14 den Eckbereich
in die ursprüngliche Arbeitsrichtung L durchfahren hat, wird der Werkzeugkopf 5 in
Richtung P auf den Bördelsteg 2 zu vorbewegt und synchron die Lagereinheit 9 eingefahren
bis wieder beide Bördelrollen 13 und 14 gleichzeitig auf den Bördelsteg 2 drücken
und diesen im weiteren Verlauf des Arbeitslaufs sukzessive umlegen.
[0058] In noch einem Ausführungsbeispiel, das allerdings nicht dargestellt ist, weist eine
erfindungsgemäße Bördelvorrichtung die Vorbördelrolle 11 des ersten Ausführungsbeispiels
und die Nachbördelrolle 14 des zweiten Ausführungsbeispiels auf.
Bezugszeichenliste:
[0059]
- 1
- Bauteil, Blech
- 2
- Bördelsteg
- 3
- Bördelkante
- 4
- Bauteilaufnahme
- 4a
- Führungskurve
- 5
- Werkzeugkopf
- 6
- Zylindereinheit
- 7
- Druckgasanschluss
- 8
- Führung
- 9
- Lagereinheit
- 9a
- Kolbeneinheit
- 9b
- Bügel
- 9c
- Lagerstruktur
- 10
- Führungsglied
- 11
- erste Bördelform, Vorbördelrolle
- 12
- zweite Bördelform, Nachbördelrolle
- 13
- zweite Bördelform, Vorbördelrolle
- 14
- erste Bördelform, Nachbördelrolle
- 15
- Schenkel
- 16
- Kraftmessdose
- 17
- Schenkel
- L
- Arbeitsrichtung
- P
- Querrichtung, Kraftachse
- Q
- Querrichtung
1. Bördelvorrichtung zum Umlegen eines Bördelstegs (2) eines Bauteils (1) um eine Bördelkante
(3), die Bördelvorrichtung umfassend:
a) einen Werkzeugkopf (5),
b) eine erste Bördelform (11; 14) und eine zweite Bördelform (12; 13), die der Werkzeugkopf
(5) gleichzeitig in Arbeitsposition befindlich trägt und von denen eine der anderen
in eine Arbeitsrichtung (L) nachlaufend angeordnet ist.
2. Bördelvorrichtung nach Anspruch 1, umfassend eine Lagereinheit (9), welche die erste
Bördelform (11; 14) lagert und von dem Werkzeugkopf (5) in Querrichtung (P; Q) zu
der Arbeitsrichtung (L) bewegbar gelagert wird.
3. Bördelvorrichtung nach dem vorhergehenden Anspruch, umfassend eine Führung (8), welche
die Lagereinheit (9) an dem Werkzeugkopf (5) in Querrichtung (P; Q) führt.
4. Bördelvorrichtung nach einem der zwei vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkzeugkopf (5) eine Stelleinrichtung (6, 9a; 6, 9a, 10) trägt und die Lagereinheit
(9) mittels der Stelleinrichtung (6, 9a; 6, 9a, 10) mit einer in die Querrichtung
(P; Q) wirkenden, vorzugsweise konstanten oder einstellbaren Kraft beaufschlagbar
ist.
5. Bördelvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die nachlaufend angeordnete Bördelform (12; 14) eine Fertigbördelrolle für ein vollständiges
Umlegen des Bördelstegs (2) ist.
6. Bördelvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bördelformen (11, 12; 13, 14) bezüglich mehrerer Freiheitsgrade der Bewegung
relativ zueinander an dem Werkzeugkopf (5) festgelegt oder festlegbar sind, vorzugsweise
relativ zueinander mit einer zumindest bei dem Bördeln nicht veränderbaren Neigung.
7. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Bördelform (11; 13) sich über eine Kraftmesseinrichtung (16) an dem Werkzeugkopf
(5) abstützt.
8. Bördelvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, umfassend eine Lagereinheit
(9), welche die erste Bördelform (11; 14) lagert und von dem Werkzeugkopf (5) in Querrichtung
(P; Q) zu der Arbeitsrichtung (L) bewegbar gelagert wird, so dass die erste Bördelform
(11; 14) für einen Ausgleich einer Krümmung der Bördelkante (3) dem Verlauf der Bördelkante
(3) folgend relativ zu der zweiten Bördelform (12; 13) quer zu der Bördelkante (3)
bewegbar ist.
9. Bördelvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Bördelform (14) der zweiten Bördelform (13) nachlaufend angeordnet ist.
10. Bördelvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Bördelform (12) der ersten Bördelform (11) nachlaufend angeordnet ist.
11. Bördelvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche in Kombination mit Anspruch
2, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkzeugkopf (5) eine Stelleinrichtung (6, 9a; 6, 9a, 10) trägt, mittels der
die Lagereinheit (9) quer zu der Bördelkante (3) mit einer Kraft beaufschlagbar ist,
die eine Querbewegung der Lagereinheit (9) relativ zu der zweiten Bördelform (12;
13) bewirkt.
12. Bördelvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche in Kombination mit Anspruch
2, dadurch gekennzeichnet, dass an der Lagereinheit (9) ein Führungsglied (10) angeordnet ist für einen Führungskontakt
mit einer Führungskurve (4a), wobei die Lagereinheit (9) in dem Führungskontakt des
Führungsglieds (10) dem Verlauf der Bördelkante (3) folgend in die Querrichtung (Q)
bewegt wird, und dass die Lagereinheit (9) die erste Bördelform (11) gemeinsam mit
dem Führungsglied (10) quer bewegbar lagert.
13. Bördelvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche in Kombination mit Anspruch
2, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkzeugkopf (5) die Lagereinheit (9) gegen eine Rückstellkraft, vorzugsweise
Elastizitätskraft, querbewegbar lagert.
14. Bördelvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche in Kombination mit Anspruch
2, dadurch gekennzeichnet, dass die Lagereinheit (9) an dem Werkzeugkopf (5) pneumatisch abgestützt ist.
15. Bördelvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche in Kombination mit Anspruch
2, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkzeugkopf (5) die Lagereinheit (9) parallel oder winkelig zu einem Druck bewegbar
lagert, den die erste Bördelform (11) bei dem Umlegen auf den Bördelsteg (2) ausübt.
16. Bördelvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine der Bördelformen (11, 12; 13, 14) eine Bördelrolle ist.
17. Bördelvorrichtung nach dem vorhergehenden Anspruch in Kombination mit Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die Querrichtung (P; Q) mit der Drehachse der wenigstens einen als Bördelrolle gebildeten
Bördelform (11; 14) oder einer rechtwinkelig zu der Drehachse weisenden Achse zumindest
eine gemeinsame Richtungskomponente hat.
18. Bördelvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch die Verwendung zum Falzen, vorzugsweise Rollfalzen, an einem Fahrzeugteil (1), beispielsweise
an einer Fahrzeugtür.
19. Verfahren zum Umlegen eines Bördelstegs (2) eines Bauteils (1) um eine Bördelkante
(3), bei dem
a) ein Werkzeugkopf (5), der eine vorlaufende Bördelform (11; 13) und eine nachlaufende
Bördelform (12; 14) trägt, in einem Arbeitslauf entlang der Bördelkante (3) bewegt
wird, wobei der Werkzeugkopf (5) vorzugsweise eine der Bördelformen (11, 12; 13, 14)
relativ zu der anderen quer zu der Bördelkante (3) bewegbar trägt,
b) wobei die vorlaufende Bördelform (11; 13) den Bördelsteg (2) umlegt
c) und die nachlaufende Bördelform (12; 14) bei auf den Bördelsteg (2) wirkender vorlaufenden
Bördelform (11; 13) im gleichen Arbeitslauf den Bördelsteg (2) weiter umlegt.
20. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine der Bördelformen (11, 12; 13, 14) bei dem Umlegen relativ zu der
anderen in eine Richtung (P; Q) einfedert, die quer zu der Bördelkante (3) und ferner
winkelig oder zumindest im Wesentlichen parallel zu einem Druck ist, den die einfedernde
Bördelform (11; 14) bei dem Umlegen auf den Bördelsteg (2) ausübt.
21. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Bauteil (1) von einer Bauteilaufnahme (4) aufgenommen wird, die einen von den
Bördelformen (11, 12; 13, 14) ausgeübten Druck aufnimmt.
22. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine der Bördelformen (11, 12; 13, 14) mit konstantem Druck auf den Bördelsteg
(2) wirkt.
23. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein Eckbereich der Bördelkante (3) unter Umkehrung der Arbeitsrichtung (L) mehrmals
durchlaufen wird und in einem ersten Durchlauf die nachlaufende Bördelform (12; 14)
von dem Bördelsteg (2) und in einem nachfolgenden zweiten Durchlauf die vorlaufende
Bördelform (11; 13) von dem Bördelsteg (2) abgehoben ist, während die jeweils andere
Bördelform den Bördelsteg (2) im jeweiligen Durchlauf umlegt.