[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Abwickeln einer Materialbahn von einer Materialbahnrolle,
bei dem man einen Bahnanfang der Materialbahn erfaßt und von der Materialbahnrolle
weg bewegt.
[0002] Ferner betrifft die Erfindung eine Vorrichtung zum Abwickeln einer Materialbahn von
einer Materialbahnrolle mit einer Lagereinrichtung, in der die Materialbahnrolle drehbar
gelagert ist.
[0003] Die Erfindung wird im folgenden anhand einer Papierbahn als Beispiel für die Materialbahn
beschrieben. Sie ist jedoch auch bei anderen Materialbahnen anwendbar, die auf ähnliche
Weise gehandhabt werden können.
[0004] Eine Papierbahn wird in einer Papiermaschine quasi endlos produziert. Am Ausgang
der Papiermaschine wird diese Papierbahn auf einen relativ stabilen Rollenkern, den
sogenannten Tambour, zu einer Materialbahnrolle aufgewickelt. Derartige Materialbahnrollen
oder Volltamboure können zunächst zwischengelagert werden. Sie können dann einer Bearbeitungsstation
für die Papierbahn zugeführt und dort in eine Abwickelstation eingelegt werden. Bei
der Bearbeitungsstation kann es sich beispielsweise um off-line aufgestellte Kalander,
um Streichmaschinen, um Rollenschneider oder ähnliches handeln. In jedem Fall muß
die Papierbahn von der Materialbahnrolle abgewickelt werden, um die Behandlungsvorrichtung
zu durchlaufen. In einem Kalander wird die Papierbahn satiniert. In einer Streichmaschine
wird ein Strich aufgetragen. In einem Rollenschneider wird die Papierbahn in Längsrichtung
geschnitten und die dadurch entstehenden Teilbahnen zu Teilbahnrollen aufgewickelt.
[0005] Um einen Transport der Volltamboure überhaupt möglich zu machen, wird die Papierbahn
mit sogenannten Reitern, also kurzen Klebebändern, am Tambour gesichert, d.h. das
Ende der Papierbahn wird am Umfang der Materialbahnrolle festgeklebt. Wenn die Papierbahn
weiterverarbeitet werden soll, dann wird der Volltambour in die Abwickelvorrichtung
eingelegt. Die Reiter müssen dann manuell von einer Bedienungsperson entfernt werden.
Danach wird der Tambour so gedreht, daß der Anfang der Papierbahn erfaßt und durch
die Bearbeitungsstation geführt werden kann.
[0006] Man hat auch Versuche unternommen, den Bahnanfang von der Abwickelvorrichtung direkt
erfassen zu lassen. Wenn die Maschine festgestellt hat, wo sich der Bahnanfang befindet,
dann kann sie diesen Bahnanfang abnehmen und dabei die Reiter abreißen. Hierzu ist
jedoch eine aufwendige und teure Sensorik erforderlich, welche den Bahnanfang oder
die Reiter erkennt. Darüber hinaus kommt es gelegentlich beim Abreißen der Reiter
zu Problemen, insbesondere zu relativ weitreichenden Längsrissen, die die weitere
Handhabbarkeit der Papierbahn erschweren.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Bahneinführung ohne oder nur mit geringem
Eingriff eines Bedieners zu ermöglichen.
[0008] Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art dadurch gelöst,
daß man den Bahnanfang erzeugt, indem man im in Schwerkraftrichtung unteren Drittel
mindestens die äußere Lage der Materialbahn durchtrennt und den auf der Materialbahnrolle
liegenden abgetrennten Rest der Materialbahn entfernt.
[0009] Mit dieser Vorgehensweise liegt die Position des Bahnanfangs fest. Der Bahnanfang
liegt nämlich dort, wo die äußere Lage oder gegebenenfalls auch mehrere äußere Lagen
der Materialbahnrolle durchtrennt worden sind. Das Durchtrennen erfolgt dabei an einer
Position, die gewährleistet, daß die Kräfte beiderseits der Trennlinie weitgehend
ausgeglichen sind. Ein nahezu absoluter Ausgleich ergibt sich dann, wenn das Durchtrennen
an der tiefsten Stelle der Materialbahnrolle erfolgt, bei einer Ansicht von der Stirnseite
her also in der "6-Uhr-Position". Die durchtrennten Materialbahnlagen haben dann auf
beiden Seiten des Scheitels der Materialbahnrolle praktisch das gleiche Gewicht, so
daß beim Durchtrennen nur ein relativ geringer Zug auf die äußeren Lagen der Wickelrolle
aufgebracht wird. Auch wenn das Durchtrennen nicht an der absolut tiefsten Stelle
erfolgt, ist der Zug beiderseits der Trennlinie relativ gering, weil die äußeren Lagen
der Materialbahn mit einer gewissen Reibung auf den weiter innen liegenden Materialbahnlagen
liegen. Durch das Durchtrennen "weiß" also die Maschine, wo der Bahnanfang der Materialbahn
zu finden ist. Wenn der abgetrennte Rest der Materialbahn, auf dem sich auch die Reiter
befinden, entfernt worden ist, dann steht der Bahnanfang für den freien Zugriff zur
Verfügung.
[0010] Vorzugsweise verdreht man die Materialbahnrolle zum Entfernen des abgetrennten Restes,
bis der Rest von der Materialbahnrolle heruntergleitet. Damit läßt sich das Entfernen
des Restes der Materialbahn, der noch auf der Materialbahnrolle liegt, automatisieren.
Ein Drehen der Materialbahnrolle läßt sich relativ einfach realisieren.
[0011] Vorzugsweise ermittelt man den Drehwinkel und verwendet ihn in Kombination mit der
Position des Durchtrennens zur Bestimmung der Position des Bahnanfangs. Wenn man die
Materialbahnrolle verdreht, dann ändert sich natürlich auch die Position des Bahnanfangs.
Der Bahnanfang wandert gemeinsam mit dem restlichen Umfang der Materialbahnrolle um
den entsprechenden Drehwinkel. Da man aber diesen Drehwinkel mit in die Ermittlung
einbeziehen kann, bleibt die Information über die Position des Bahnanfangs erhalten.
Gegebenenfalls empfiehlt es sich, den Bahnanfang festzuhalten, wenn der Rest der Materialbahn
von der Materialbahnrolle herunterrutscht.
[0012] Vorzugsweise dreht man die Materialbahnrolle um ein vorbestimmtes Maß so weit zurück,
daß der Bahnanfang über eine vorbestimmte Strecke frei nach unten hängt. Dies erleichtert
es, den Bahnanfang zu erfassen.
[0013] Vorzugsweise verdreht man die Materialbahnrolle mit ihrem Scheitel entgegen der Abzugsrichtung.
Die Abzugsrichtung ist hier nicht als Drehrichtung der Materialbahnrolle beim Abwickeln
zu verstehen, sondern als Seitenangabe. Wenn die Materialbahn nach rechts abgezogen
wird, dann verdreht man die Materialbahnrolle so, daß sich ihr Scheitel, also ihr
in Schwerkraftrichtung gesehen oberster Punkt, nach links bewegt. Dies gilt unabhängig
davon, ob die Materialbahn in dieser Situation von oben oder von unten von der Materialbahnrolle
abgezogen wird. Wenn man die Drehrichtung zum Entfernen des abgetrennten Restes auf
diese Weise festlegt, dann benötigt man nur eine Pulperöffnung. Diese ist dann an
einem Ort angeordnet, wo genügend Platz zur Verfügung steht. Die Pulperöffnung hindert
also den Betrieb nicht weiter.
[0014] Bevorzugterweise verwendet man zum Durchtrennen eine Quertrenneinrichtung, die in
einer parallel zur Achse der Materialbahnrolle verlaufenden Führung geführt ist. Damit
ergibt sich eine Trennlinie und damit ein Bahnanfang, der rechtwinklig zur Längsrichtung
der Materialbahn verläuft. Dies erleichtert die weitere Handhabung.
[0015] Hierbei ist besonders bevorzugt, daß man eine Quertrenneinrichtung mit einem Oberflächensensor
und einem Trennelement verwendet, das eine vorbestimmte Strecke über die vom Oberflächensensor
ermittelte Oberfläche der Materialbahnrolle vorsteht. Das Trennelement ist damit in
der Lage, etwas in die Oberfläche der Materialbahnrolle einzudringen und damit die
äußerste Lage oder mehrere äußere Lagen der Materialbahn zu durchtrennen. Zweckmäßigerweise
wird man die vorbestimmte Strecke auf die Dicke der Materialbahn oder ein Vielfaches
der Dicke der Materialbahn einstellen.
[0016] Bei einer Vorrichtung der eingangs genannten Art wird die Aufgabe dadurch gelöst,
daß in Schwerkraftrichtung in einem Bereich unterhalb der Lagereinrichtung eine Quertrenneinrichtung
angeordnet ist, mit der zumindest die äußere Lage der auf der Materialbahnrolle aufgewik-kelten
Materialbahn im in Schwerkraftrichtung unteren Drittel durchtrennbar ist.
[0017] Wie oben im Zusammenhang mit dem Verfahren beschrieben, ist die Quertrenneinrichtung
in der Lage, die Materialbahn, die noch auf der Materialbahnrolle aufgewickelt ist,
in Schwerkraftrichtung unten zu durchtrennen. Die äußeren Lagen der Materialbahn,
die durchtrennt worden sind, hängen dann an beiden Seiten von der Materialbahnrolle
herunter. Damit ergeben sich beim Durchtrennen der Materialbahn nur relativ geringe
Zugkräfte, die auf die äußeren Lagen der Materialbahn wirken. Das Risiko, daß die
Materialbahn unkontrolliert reißt, wird also relativ klein gehalten. Durch die Position
der Quertrenneinrichtung ist dann auch die Position des Bahnanfangs festgelegt, so
daß die Vorrichtung, gestützt auf diese Information, den Bahnanfang automatisch erfassen
kann.
[0018] Vorzugsweise weist die Lagereinrichtung einen Rollenantrieb auf, mit dem die Materialbahnrolle
entgegen ihrer Wickelrichtung verdrehbar ist. Der Rollenantrieb kann dann dazu verwendet
werden, den auf der Materialbahnrolle liegenden abgetrennten Rest der Materialbahn
zu entfernen. Wenn die Materialbahnrolle entgegen ihrer Wickelrichtung um einen ausreichenden
Winkel verdreht worden ist, dann rutscht der abgetrennte Rest der Materialbahn automatisch
herunter.
[0019] Vorzugsweise ist ein Drehwinkelsensor vorgesehen, der die Verdrehung der Materialbahnrolle
erfaßt. Der Drehwinkelsensor sorgt also dafür, daß sie Information über die Position
des Bahnanfangs nicht verlorengeht, sondern erhalten bleibt.
[0020] Bevorzugterweise ist eine Pulperöffnung auf der der Abzugsseite gegenüberliegenden
Seite der Materialbahnrolle angeordnet. In diese Pulperöffnung fällt dann der abgetrennte
Rest der Materialbahn automatisch, wenn die Materialbahnrolle entgegen ihrer Aufwickelrichtung
verdreht worden ist. Dies erleichtert das Entsorgen des Restes.
[0021] Vorzugsweise ist die Quertrenneinrichtung in einer parallel zur Achse der Materialbahnrolle
verlaufenden Führung geführt. Damit läßt sich relativ exakt die Trennlinie parallel
zur Achse der Materialbahnrolle erzeugen. Der Bahnanfang bildet dann eine Linie, die
quer zur Längsrichtung der Materialbahn verläuft. Eine derartige Führung erleichtert
es auch, die Quertrenneinrichtung immer in gleicher Ausrichtung zur Materialbahnrolle
zu halten.
[0022] Vorzugsweise weist die Quertrenneinrichtung einen Oberflächensensor, der die Position
der Oberfläche der Materialbahnrolle ermittelt, und ein Trennelement auf, das durch
einen Antrieb so positionierbar ist, daß es über eine vorbestimmte Strecke in die
Oberfläche der Materialbahnrolle eintaucht. Die vorbestimmte Strecke wird beispielsweise
auf die Dicke der Materialbahn eingestellt. Der Oberflächensensor erfaßt die Oberfläche
der Materialbahnrolle. Damit steht die Information über die Position der Oberfläche
zur Verfügung. Wenn man nun das Trennelement um die Materialbahndicke in diese Oberfläche
eintauchen läßt, dann wird exakt eine Lage der Materialbahn durchtrennt. Wenn man
die vorbestimmte Strecke zu einem Vielfachen der Materialbahndicke wählt, dann wird
ein entsprechendes Vielfaches an Materialbahnlagen durchtrennt. Es läßt sich also
ein relativ genau eingestelltes Quertrennen erreichen.
[0023] Vorzugsweise weist das Trennelement ein rotierendes Messer auf. Die äußere Lage oder
die äußeren Lagen der Materialbahn werden also aufgeschnitten.
[0024] Alternativ dazu kann das Trennelement einen Keil aufweisen. Der Keil tritt in die
Stirnseite der Materialbahnrolle ein und reißt dann die äußere Lage oder die äußeren
Lagen der Materialbahn auf.
[0025] Vorzugsweise sind die Lagereinrichtung und die Quertrenneinrichtung in einer Vorbereitungsposition
der Vorrichtung angeordnet. Damit kann man das Vorbereiten des Abwickelns der Materialbahnrolle
bereits dann vornehmen, wenn eine andere Materialbahnrolle abgewickelt wird.
[0026] Die Erfindung wird im folgenden anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels in
Verbindung mit der Zeichnung beschrieben. Hierin zeigen:
- Fig. 1
- eine Materialbahnrolle in einer Abwickelvorrichtung vor dem Vorbereiten,
- Fig. 2
- die Materialbahnrolle in einem ersten Verfahrensschritt des Vorbereitens des Abwickelns,
- Fig. 3
- die Materialbahnrolle in einem zweiten Verfahrensschritt des Vorbereitens des Abwikkelns,
- Fig. 4
- die Materialbahnrolle in einem dritten Verfahrensschritt des Vorbereitens des Abwikkelns,
- Fig. 5
- die Materialbahnrolle beim Abwickeln und
- Fig. 6
- eine schematische Darstellung einer Trenneinrichtung.
[0027] Fig. 1 zeigt eine Vorrichtung 1 zum Abwickeln einer Materialbahn 2 (Fig. 4 und 5)
von einer Materialbahnrolle 3. Die Materialbahnrolle 3 ist als sogenannte "Mutterrolle"
oder "Volltambour" ausgebildet, d.h. auf einen stabilen Rollenkern 4 ist eine große
Anzahl von einzelnen Lagen der Materialbahn 2 aufgewickelt. Ein derartiges Aufwickeln
erfolgt beispielsweise am Ende einer Papiermaschine.
[0028] Die Materialbahnrolle 3 liegt mit ihrem Rollenkern 4 in einer Lagereinrichtung 5,
in der sie gedreht werden kann. Bei dieser Lagereinrichtung 5 kann es sich um die
Lagereinrichtung handeln, die später zum Abwickeln der Materialbahn 2 von der Materialbahnrolle
3 verwendet wird. Es kann sich aber auch um eine Lagereinrichtung in einer Vorbereitungsposition
handeln, in der die Materialbahnrolle 3 lediglich für das weitere Abwickeln vorbereitet
wird.
[0029] Das Ende der Materialbahn 2 ist durch sogenannte Reiter 6, die in der Regel durch
kurze Klebestreifen gebildet sind, die in Umfangsrichtung verlaufen, auf dem Umfang
der Materialbahnrolle 3 festgelegt. Eine derartige Festlegung ist notwendig, damit
die Materialbahnrolle 3 überhaupt von der Aufwickelstation zu der Abwickelvorrichtung
1 transportiert werden kann. Bislang wurden diese Reiter 6 manuell entfernt, um das
Ende der Materialbahn 2, das dann den Anfang beim Abwickeln bildet, erfassen und durch
eine nachgeschaltete und in Fig. 1 nicht näher dargestellte Behandlungsstation führen
zu können. Bei einer derartigen Behandlungsstation kann es sich beispielsweise um
einen Kalander, um eine Streichmaschine, um einen Rollenschneider oder ähnliches handeln.
Allerdings läßt sich dieses Vorbereiten praktisch nicht automatisieren.
[0030] Um die Erfassung des Bahnanfangs automatisieren zu können, ist die Vorrichtung 1
nun mit einigen zusätzlichen Elementen versehen.
[0031] Zum einen ist unterhalb der Lagereinrichtung 5 eine Quertrenneinrichtung 7 angeordnet.
Die Quertrenneinrichtung 7 weist ein Messer 8 auf, das in einer Führung 9 entlang
der axialen Länge der Materialbahnrolle 3 geführt werden kann, wie dies weiter unten
im Zusammenhang mit Fig. 6 beschrieben wird. Das Messer 8 ist bei dieser Verschiebung
in der Lage, die äußere Lage oder mehrere äußere Lagen der Materialbahnrolle 3 zu
durchtrennen.
[0032] Ferner weist die Lagereinrichtung 5 einen Antrieb 10 auf, mit dem die Materialbahnrolle
3 gedreht werden kann. Dieser Antrieb 10 kann relativ schwach ausgebildet sein, weil
er die Materialbahnrolle 3 nur langsam und in einem geringen Umfang drehen muß.
[0033] Schließlich ist im Bereich der Lagereinrichtung auch noch ein Drehwinkelsensor 11
vorgesehen, der den Drehwinkel erfaßt, um den die Materialbahnrolle 3 gedreht wird.
Dieser Drehwinkelsensor 11 kann beispielsweise mit nicht näher dargestellten Markierungen
auf dem Rollenkern 4 zusammenwirken. Die gesamte Lagereinrichtung 5 ist auf einem
maschinenfesten Gestell 12 angeordnet, das nur schematisch dargestellt ist.
[0034] Es sei nun angenommen, daß die Materialbahn nach rechts abgezogen werden soll. Dementsprechend
ist am linken Ende der Materialbahnrolle 3 eine Pulperöffnung 13 vorgesehen, die zu
einem nicht näher dargestellten Pulper führt. Die Pulperöffnung 13 kann eine erhöhte
linke Seitenwand 14 haben, um das "Fangen" der äußeren Lagen der Materialbahnrolle
3 zu erleichtern, wie dies nachfolgend beschrieben werden wird. Dargestellt ist eine
Betriebsweise, in der die Materialbahn von oben abgezogen wird. In diesem Fall dreht
sich die Materialbahnrolle 3 im Uhrzeigersinn. In entsprechender Weise kann die Materialbahn
natürlich auch von unten von der Materialbahnrolle 3 abgezogen werden. In diesem Fall
dreht sich die Materialbahnrolle entgegen dem Uhrzeigersinn. In beiden Fällen ist
die Abzugsrichtung hier nach rechts.
[0035] In den nachfolgenden Fig. 2 bis 6 sind gleiche Elemente jeweils mit den gleichen
Bezugszeichen versehen.
[0036] In Fig. 2 ist eine Situation dargestellt, in der das Messer 8 über die komplette
axiale Länge der Materialbahnrolle 3 bewegt worden ist. Das Messer 8 hat dabei die
äußeren Lagen durchtrennt. Dies hat zwei Auswirkungen. Zum einen hängen die zwei Enden
15, 16 der Lagen frei von den beiden Seiten der Materialbahnrolle 3 herunter. Um die
nachfolgende Erläuterung zu vereinfachen, wird die rechte Seite der Materialbahnrolle
3, von der später die Materialbahn 2 abgezogen werden soll, als Vorderseite und die
gegenüberliegende Seite als Rückseite bezeichnet. Die Reiter 6 sind in ihrer Position
unverändert geblieben. Als weitere Konsequenz hat das Durchtrennen der äußeren Lagen
die Folge, daß an einer mit einem Pfeil 17 gekennzeichneten Position ein Bahnanfang
gebildet ist. Dieser Bahnanfang 18 hängt gemeinsam mit dem vorderen Ende 16 der äußeren
Lagen nach unten. Natürlich ist es auch möglich, nur eine äußere Lage zu durchtrennen.
[0037] Das hintere Ende 15 der äußeren Lagen hängt ebenfalls nach unten und ragt dabei bereits
in die Pulperöffnung 13 hinein. Da nach dem Durchtrennen der äußeren Lagen das hintere
Ende unter Umständen zum Überschwingen neigt, ist die erhöhte Seitenwand 14 vorgesehen,
die dafür sorgt, daß das hintere Ende 15 tatsächlich die Pulperöffnung 13 trifft.
Natürlich kann man auch an der vorderen Seite eine Pulperöffnung vorsehen. Diese ist
hier nicht dargestellt. Eine zusätzliche Öffnung erhöht allerdings die Kosten. Auch
ist es möglich, die Pulperöffnung nicht am hinteren Ende vorzusehen, sondern am vorderen
Ende. Die Anordnung der Pulperöffnung 13 am hinteren Ende hat jedoch den Vorteil,
daß sie hier weniger stört.
[0038] In Fig. 3 ist nun der nächste Verfahrensschritt vorgesehen. Der Antrieb 10 dreht
die Materialbahnrolle 3 entgegen ihrer Abzugsrichtung, d.h. in Richtung eines Pfeils
19. Dabei gelangt das hintere Ende 15 der äußeren Lagen weiter in den Pulper. Irgendwann
wird dann das frei hängende Gewicht des hinteren Endes 15 so groß sein, daß die gesamten
abgetrennten äußeren Lagen vom Umfang der Materialbahnrolle 3 herunterrutschen und
in die Pulperöffnung 13 fallen. Der Drehwinkel, der dazu erforderlich ist, richtet
sich unter anderem danach, wie glatt die Materialbahn ist, d.h. welchen Reibungswiderstand
die äußeren Lagen auf dem Umfang der Materialbahnrolle 3 haben. Der Drehwinkel, um
den die Materialbahnrolle 3 verdreht wird, wird mit Hilfe des Drehwinkelsensors 11
ermittelt. Da durch die Position des Messers 8 die ursprüngliche Position des Bahnanfangs
18 bekannt ist, ist nun mit Hilfe der vom Drehwinkelsensor 11 ermittelten Daten über
den Drehwinkel auch die aktuelle Lage des Bahnanfangs 18 bekannt.
[0039] In Fig. 4 ist nun die Materialbahnrolle 3 in Richtung eines Pfeiles 20 zurückgedreht
worden, so daß die Materialbahn 2 vom vorderen Ende der Materialbahnrolle 3 frei herunterhängt.
Der Drehwinkel ist über den Drehwinkelsensor erneut erfaßt worden. Das Drehen erfolgt
durch den Antrieb 10. Dadurch ist es möglich, die Position des Bahnanfangs 18 relativ
genau zu bestimmen. Eine nur schematisch dargestellte Greifeinrichtung 21 kann den
Bahnanfang erfassen und die Materialbahn 2, wie dies in Fig. 5 dargestellt ist, durch
eine nur schematisch dargestellte Bahnbehandlungseinrichtung 22 führen.
[0040] Sobald die Materialbahnrolle 3 gedreht wird, ist das Messer 8 vom Umfang der Materialbahnrolle
3 abgehoben.
[0041] Fig. 6 zeigt nun die Quertrenneinrichtung 7 von der Seite. Die Quertrenneinrichtung
7 weist als Trennelement das Messer 8 auf, das hier als rotierendes Kreismesser ausgebildet
ist. Das Messer 8 ist an einem Hebel 23 befestigt, der auf einem Schlitten 24 verschwenkbar
ist. Der Schlitten 24 ist auf einer Linearführung 25 parallel zur Achse 26 der Materialbahnrolle
3 verfahrbar.
[0042] Der Hebel 23 wird durch einen Antrieb 27, beispielsweise einen pneumatischen Zylinder,
in Richtung auf die Materialbahnrolle 3 verschwenkt. Ein Oberflächensensor 28 ist
vorgesehen, um die Position der Oberfläche 29 der Materialbahnrolle 3 zu ermitteln.
Der Antrieb 27 wird nun in Abhängigkeit vom Signal des Oberflächensensors 28 so betätigt,
daß das Messer 8 um eine vorbestimmte Strecke in die Oberfläche eindringt. Diese Strecke
entspricht dabei der Dicke der Materialbahn 2 oder, wenn mehrere Materialbahnlagen
durchtrennt werden sollen, einem Vielfachen dieser Dicke. Diese Schneidtiefe läßt
sich relativ genau einstellen.
[0043] Anstelle des Messers kann man natürlich auch einen Keil verwenden, der von der Stirnseite
der Materialbahnrolle 3 her eine oder einige wenige Materialbahnlagen erfaßt und aufreißt.
Auch auf diese Weise erhält man eine Quertrennlinie, die dann später den Bahnanfang
18 definiert.
[0044] Dargestellt ist eine Ausführungsform, bei der die Quertrenneinrichtung 7 am tiefsten
Punkt der Materialbahnrolle 3 angeordnet ist. Dies hat den Vorteil, daß unmittelbar
nach dem Trennen im wesentlichen ein Gleichgewicht zwischen dem vorderen Ende 15 und
dem hinteren Ende 16 der abgetrennten Materialbahnlagen besteht. Dies wiederum hat
zur Folge, daß beim Schneiden praktisch kein gewichtsbedingter Zug auf die beiden
Enden 15, 16 ausgeübt wird. Das Trennen kann also weitgehend unbeeinflußt von äußeren
Kräften auf die Materialbahnlagen erfolgen. Dadurch, daß die Materialbahnlage oder
die Materialbahnlagen aber mit einer gewissen Reibung auf den tiefer gelegenen Umfangslagen
der Materialbahnrolle 3 aufliegen, kann man die Position der Quertrenneinrichtung
7 auch verändern. In der Regel wird es ausreichen, diese im unteren Drittel der Materialbahnrolle
3 (bezogen auf die Schwerkraftrichtung) zu positionieren.
1. Verfahren zum Abwickeln einer Materialbahn von einer Materialbahnrolle, bei dem man
einen Bahnanfang der Materialbahn erfaßt und von der Materialbahnrolle weg bewegt,
dadurch gekennzeichnet, daß man den Bahnanfang erzeugt, indem man im in Schwerkraftrichtung unteren Drittel mindestens
die äußere Lage der Materialbahn durchtrennt und den auf der Materialbahnrolle liegenden
abgetrennten Rest der Materialbahn entfernt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Materialbahnrolle zum Entfernen des abgetrennten Restes verdreht, bis der
Rest von der Materialbahnrolle heruntergleitet.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß man den Drehwinkel ermittelt und ihn in Kombination mit der Position des Durchtrennens
zur Bestimmung der Position des Bahnanfangs verwendet.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß man die Materialbahnrolle um ein vorbestimmtes Maß so weit zurückdreht, daß der Bahnanfang
über eine vorbestimmte Strecke frei nach unten hängt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß man die Materialbahnrolle mit ihrem Scheitel entgegen der Abzugsrichtung verdreht.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß man zum Durchtrennen eine Quertrenneinrichtung verwendet, die in einer parallel zur
Achse der Materialbahnrolle verlaufenden Führung geführt ist.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß man eine Quertrenneinrichtung mit einem Oberflächensensor und einem Trennelement
verwendet, das eine vorbestimmte Strecke über die vom Oberflächensensor ermittelte
Oberfläche der Materialbahnrolle vorsteht.
8. Vorrichtung zum Abwickeln einer Materialbahn von einer Materialbahnrolle mit einer
Lagereinrichtung, in der die Materialbahnrolle drehbar gelagert ist, dadurch gekennzeichnet, daß in Schwerkraftrichtung in einem Bereich unterhalb der Lagereinrichtung (5) eine Quertrenneinrichtung
(7) angeordnet ist, mit der zumindest die äußere Lage der auf der Materialbahnrolle
(3) aufgewickelten Materialbahn (2) im in Schwerkraftrichtung unteren Drittel durchtrennbar
ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Lagereinrichtung (5) einen Rollenantrieb (10) aufweist, mit dem die Materialbahnrolle
(3) entgegen ihrer Wickelrichtung verdrehbar ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß ein Drehwinkelsensor (11) vorgesehen ist, der die Verdrehung der Materialbahnrolle
(3) erfaßt.
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß eine Pulperöffnung (13) auf der der Abzugsseite gegenüberliegenden Seite der Materialbahnrolle
(3) angeordnet ist.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Quertrenneinrichtung (7) in einer parallel zur Achse (26) der Materialbahnrolle
(3) verlaufenden Führung (25) geführt ist.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Quertrenneinrichtung (7) einen Oberflächensensor (28), der die Position der Oberfläche
(29) der Materialbahnrolle (3) ermittelt, und ein Trennelement (8) aufweist, das durch
einen Antrieb (27) so positionierbar ist, daß es über eine vorbestimmte Strecke in
die Oberfläche (29) der Materialbahnrolle (3) eintaucht.
14. Vorrichtung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß das Trennelement (8) ein rotierendes Messer aufweist.
15. Vorrichtung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß das Trennelement (8) einen Keil aufweist.
16. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß die Lagereinrichtung (5) und die Quertrenneinrichtung (7) in einer Vorbereitungsposition
der Vorrichtung (1) angeordnet sind.