[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Behandeln einer breitgestreckten,
textilen Warenbahn, insbesondere nach dem Imprägnieren in einem Mercerisierprozess
gemäss dem Oberbegriff von Anspruch 1 bzw. von Anspruch 9.
[0002] Bei zahlreichen textilen Behandlungsverfahren mit kontinuierlicher Warenbahnführung,
insbesondere aber beim Mercerisierprozess kann sich ein Schrumpfen der Warenbahn einstellen,
das durch die Quellung der einzelnen textilen Fasern hervorgerufen wird. Beim Mercerisieren
der Warenbahn in gebundener Bahnführung auf Walzen ist die Haftreibung nämlich in
der Regel geringer als die auftretenden Schrumpfkräfte. Diese Erscheinung macht sich
vor allem in den äusseren Randzonen der textilen Warenbahn bemerkbar. Diese unterschiedliche
Einwirkung der Streckkräfte auf die Warenbahn hat bei einem Gewebe ersichtlicherweise
einen Einfluss auf die Anordnung der Kettfäden bzw. auf die Kettfadendichte. Auch
bei Maschenware kann sich dieser Effekt negativ auswirken.
[0003] Es sind bereits zahlreiche Verfahren und Vorrichtungen bekannt, welche sich dieses
Problem annehmen. Aus der EP-A1-305 326 ist es beispielsweise bekannt, bei der Stabilisierung
der textilen Warenbahn deren Randzonen im konischen Einlauffeld des Spannrahmens stärker
mit einer heissen Schwachlauge zu besprühen als die Mittelzone. In der Praxis hat
sich gezeigt, dass die Regelung eines solchen Verfahrens verhältnismässig komplex
und aufwendig ist. Weiter hat sich gezeigt, dass die äusseren Randbereiche der textilen
Warenbahn erhöhten Anforderungen hinsichtlich einer gleichmässigen Qualität über die
gesamte Breite der textilen Warenbahn nicht genügen.
[0004] Es ist deshalb eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren und eine Vorrichtung
der eingangs genannten Art zu schaffen um eine gleichmässige Qualität über die gesamte
Breite der Warenbahn zu erzielen. Dies soll ohne aufwendige konstruktive Vorrichtungen
erreicht werden können. Weiter soll sich das Verfahren und eine Vorrichtung durch
eine bessere Handhabung auszeichnen. Insbesondere die Kettfadendichte soll über die
gesamte Breite der textilen Warenbahn gleichmässig sein. Weiter sollen bestehende
Mercerisieranlagen auf einfache Art und Weise nachrüstbar sein.
[0005] Erfindungsgemäss werden diese Aufgaben mit einem Verfahren mit den Merkmalen von
Anspruch 1 gelöst.
[0006] Durch die Beaufschlagung der Warenbahn in einem ersten Randbereich mittels der Streckmittel
von beiden Seiten her und der dabei bewirkten Deformation quer zur Transportrichtung,
stellt sich eine mechanische Verstreckung ein, mit welcher der unregelmässige Einfluss
der Schrumpfkräfte eines vorgängigen Verfahrens wieder kompensiert werden kann. Durch
diese einfache Massnahme kann die textile Warenbahn später über die gesamte Breite
konfektioniert werden und es entsteht kein Ausschuss im Randbereich. Das Verfahren
ist nicht auf Mercerisierprozesse beschränkt und es muss dort auch nicht zwingend
auf dem Spannrahmen eingesetzt werden.
[0007] Vorteilhaft ist jedoch die Anwendung des Verfahrens im Rahmen eines Mercerisierprozesses,
bei dem die Warenbahn nach dem Imprägnieren mittels eines Spannkettenpaares in einem
Spannrahmen breitgestreckt wird, wobei im Bereich des Spannrahmens wenigstens ein
erster Randbereich der textilen Warenbahn mit Hilfe jeweils eines Walzenpaares, das
nur auf den ersten Randbereich einwirkt, mechanisch verstreckt wird.
[0008] Vorzugsweise werden beide äusseren Randbereiche der textilen Warenbahn mit Hilfe
jeweils eines Walzenpaares, das nur auf den Randbereich einwirkt, mechanisch verstreckt.
Die Verstreckung erfolgt dabei vorteilhaft quer zur Durchlaufrichtung der textilen
Warenbahn bzw. in Richtung der Schussfäden (bei einer Gewebebahn). Durch Hindurchführen
der textilen Warenbahn zwischen einer oberen und einer unteren Walze des Walzenpaars
kann der Wirkbereich, in welchem verstreckt werden soll, genau festgelegt werden.
Dies kann mit einem verhältnismässig geringen apparativen Aufwand erreicht werden.
[0009] Besonders vorteilhaft ist es, wenn die mechanische Verstreckung im Parallelfeld oder
am Ende des konischen Feldes des Spannrahmens erfolgt. Eine solche Anordnung gewährleistet
eine optimierte Verstreckung. Auch die Handhabung sowie die Prozesssicherheit des
Verfahrens können so weiter verbessert werden.
[0010] Der erste Randbereich kann jeweils wenigstens 2% der Warenbreite und höchstens 40%
der Warenbreite betragen. Bevorzugt wird die textile Warenbahn in einem Randbereich
von höchstens 25% der Warenbreite mechanisch verstreckt.
[0011] In einer weiteren Ausführungsform wird ein weiterer Bereich der textilen Warenbahn
mechanisch verstreckt. Dieser Bereich kann dabei in Bezug auf den ersten Randbereich
nach innen versetzt angeordnet sein. Selbstverständlich könnten noch weitere Walzenpaare
angeordnet werden. Durch die Anordnung einer Mehrzahl von Walzenpaaren kann das Verfahren
weiter optimiert werden.
[0012] In einer bevorzugten Ausführungsform wird wenigstens ein Teil der Warenbahn zum Stabilisieren
aus über der Warenbahn angeordneten Sprühdüsen mit einem Medium, insbesondere mit
heisser Schwachlauge besprüht. Dadurch können die Schrumpfkräfte in der Warenbahn
abgebaut werden, wodurch eine Stabilisierung der Warenbahn erfolgt. Mit einem verhältnismässig
geringen apparativen Aufwand kann so eine verbesserte Qualität über die gesamte Warenbreite
erreicht werden.
[0013] Besonders vorteilhaft ist es, wenn nur die äusseren Randzonen mit dem Medium besprüht
werden. Auf diese Weise können die Randzonen gezielt stabilisiert werden. Vorzugsweise
erfolgt dieses Besprühen nach der mechanischen Verstreckung der Randbereiche, da dann
die korrigierte Kettfadenzahl stabilisiert wird. Die Sprühdichte kann durch entsprechende
Einstellung mittels Steuerventile vorgewählt werden. Alternativ können die äusseren
Randzonen der Warenbahn stärker besprüht werden als deren Mittelzone.
[0014] Vorteilhaft ist es, wenn der erste Randbereich, welcher mechanisch verstreckt wird,
kleiner oder gleich als die äussere Randzone ist, in welcher die textile Warenbahn
stärker oder überhaupt besprüht wird.
[0015] Selbstverständlich kann nachfolgend zum Abschliessen des Stabilisierprozesses die
textile Warenbahn über die ganze Warenbreite gleichmässig mit dem Medium, insbesondere
mit der heissen Schwachlauge besprüht werden.
[0016] Besonders vorteilhaft ist es, wenn das Medium unmittelbar am Ort des Aufsprühens
oder kurz danach mit Hilfe einer Absaugeinrichtung abgesaugt wird. Bevorzugt erfolgt
das Aufsprühen und das Absaugen innerhalb weniger als 5 Sekunden, vorzugsweise innerhalb
weniger als 1 Sekunde. Der Stabilisiervorgang kann damit sofort eingeleitet und beschleunigt
werden.
[0017] Die Erfindung betrifft auch eine Vorrichtung mit den Merkmalen im Anspruch 9. Durch
die Anordnung der Streckmittel, zwischen denen die Warenbahn hindurchführbar ist,
kann auf besonders einfache Weise die Warenbahn auf beiden Seiten beaufschlagt und
dabei derart deformiert werden, dass sich die gewünschte mechanische Verstreckung
einstellt. Bei den Streckmitteln kann es sich um gleitend oder rollend gegen die Warenbahn
gepresste und geeignet profilierte Komponenten handeln. Denkbar sind versetzt zu einander
angeordnete Wälzkörper wie z.B. Kugeln, Scheiben oder dergleichen, die gegeneinander
gepresst werden.
[0018] Bei einer vorteilhaften Ausführungsform zum Mercerisieren der Warenbahn mit einem
ein Spannkettenpaar aufweisenden Spannrahmen zum Breitstrecken und Transportieren
der Warenbahn nach dem Imprägnieren handelt es sich bei den Streckmitteln um ein Walzenpaar
mit einer oberen und einer unteren Walze. Auf der Mantelfläche der oberen und der
unteren Walze sind ineinander greifende, vorzugsweise etwa parallel zur Transportrichtung
verlaufende Rippen und Nuten angeordnet. Die beiden Walzen können aber auch schraubenförmig
ineinander greifen, wobei je nach Verlauf bzw. nach der Steigung der Schraube ein
zusätzlicher Zug vorzugsweise nach innen erzielt werden kann.
[0019] Die Warenbahn wird quer zur Durchlaufrichtung in eine leicht etwa sinusförmige oder
zickzackförmige Form gezwungen und dadurch verstreckt. Die Rippen und Nuten sind vorteilhaft
abgerundet, wodurch das Gewebe nicht verletzt wird. Bevorzugt sind die Walzen etwa
zylindrisch ausgebildet. Die Walzen eines Walzenpaars sind sodann vorzugsweise zueinander
achsparallel angeordnet, wobei die Achsen der oberen und unteren Walze besonders bevorzugt
in einer Ebene liegen, die senkrecht zur textilen Warenbahn und insbesondere vertikal
verläuft. Derartige Walzen können im Wesentlichen einstückig ausgebildet sein. Vorstellbar
ist allerdings auch, dass eine Walze beispielsweise aus einer Mehrzahl von einzelnen
Scheiben unterschiedlicher Durchmesser zusammengesetzt ist, wobei die Scheiben abwechselnd
nebeneinander angeordnet sind. Selbstverständlich könnten statt Walzen andere drehbare
Elemente vorgesehen werden, die derart zusammenwirken, dass die textile Warenbahn
im Wirkbereich der Walzen mechanisch verstreckt werden kann.
[0020] Die Walzen sind vorzugsweise frei drehbar gelagert. Denkbar ist aber auch, dass wenigstens
eine der Walzen des Walzenpaars drehantreibbar ist. Denkbar ist sodann, dass die Drehgeschwindigkeiten
der Walzen des Walzenpaars untereinander oder in Bezug auf die Transportgeschwindigkeit
verschieden sind, wodurch auf das Gewebe während des Durchlaufs eine Längsspannung
ausgeübt werden kann.
[0021] Die Walzenpaare sind vorteilhaft im Parallelfeld oder am Ende des konischen Feldes
des Spannrahmens angeordnet.
[0022] Die Breite der Walzen kann höchstens 40%, vorzugsweise höchstens 25% und besonders
bevorzugt höchstens 5% der Spannrahmenbreite betragen. Die Spannrahmenbreite ist dabei
im Wesentlichen durch die Distanz zwischen den Spannketten des Spannkettenpaars festgelegt.
[0023] Die Rippen und Nuten können gleichmässig abwechselnd über den Mantel der oberen bzw.
unteren Walze verteilt sein. Auf diese Weise ist eine nahezu gleichmässige Breitendehnung
im Randbereich der textilen Warenbahn sichergestellt. Der Abstand zwischen den einzelnen
Rippen kann wenigstens 5mm und höchstens 50mm betragen. Selbstverständlich kann die
Rippen-Nut-Anordnung auch eine ungleichmässige Verteilung aufweisen.
[0024] Das Verhältnis der Breite der Nuten zur Breite der Rippen liegt vorteilhaft zwischen
1,5 bis 2,5.
[0025] Die obere und/oder untere Walze kann verschiebbar gelagert sein, wobei die Verschiebung
vorteilhaft senkrecht zur textilen Warenbahn und in der Regel vertikal erfolgt. Eine
verschiebbare Anordnung der Walzen ermöglicht ein Einstellen des Abstands bzw. des
Spaltraums zwischen den Walzen, wodurch die Verstreckung bzw. Breitendehnung des Randbereichs
der textilen Warenbahn auf einfache Art und Weise eingestellt werden kann.
[0026] Vorteilhaft ist es, wenn wenigstens eine über dem Spannrahmen angeordnete Sprühdüse
zum Besprühen wenigstens eines Teils der textilen Warenbahn mit einem Medium, insbesondere
mit heisser Schwachlauge vorgesehen ist. Diese sind in Bezug auf die Transportrichtung
dem Walzenpaar bevorzugt nachgelagert.
[0027] Bevorzugt entspricht die besprühte äussere Randzone etwa dem mechanisch verstreckten
ersten Randbereich. Die Sprühdüse ist jeweils einem Walzenpaar zugeordnet. Eine einzelne
Sprühdüse kann in Bezug auf die Querrichtung der textilen Warenbahn jeweils mittig
zu einem Walzenpaar angeordnet sein. Selbstverständlich können je nach Grösse der
Walzenbreiten auch mehrere Sprühdüsen einem Walzenpaar zugeordnet sein.
[0028] Weiter kann eine Absaugeinrichtung zum Absaugen des Mediums, insbesondere der heissen
Schwachlauge vorgesehen sein. Eine derartige Anordnung gewährleistet, dass der Stabilisierprozess
auf einfach Art und Weise intensiviert wird.
[0029] Um unterschiedliche Bahnbreiten behandeln zu können, weist der Spannrahmen vorteilhaft
eine Verstellvorrichtung zum Verändern der Distanz zwischen den beiden Spannketten
auf, wobei die Walzenpaare, die Sprühdüsen und die Absaugeinrichtung derart am Spannrahmen
befestigt sind, dass sie zusammen mit den Spannketten verstellbar sind. Auf diese
Weise haben die Walzenpaare über den beiden ersten Randbereichen bzw. äusseren Randzonen
immer etwa die gleiche Distanz zur Aussenkante der textilen Warenbahn.
[0030] Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Absaugeinrichtung einen Absaugkasten mit wenigstens
einem Absaugschlitz aufweist, der jeweils einem Walzenpaar zugeordnet ist, wobei die
Länge des Absaugkastens etwa der Breite der mit dem Medium besprühten äusseren Randzone
entspricht.
[0031] Weitere Einzelmerkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung der Ausführungsbeispiele und aus den Zeichnungen. Es zeigen:
- Figur 1
- Eine schematische Darstellung eines Querschnitts durch einen Spannrahmen mit jeweils
seitlich angeordneten Walzenpaaren,
- Figur 2
- Ein Querschnitt durch den Spannrahmen gemäss Figur 1 mit jeweils seitlich angeordneten
Sprühdüsen,
- Figur 3
- Ein Querschnitt durch einen Spannrahmen gemäss Figur 1 mit einer alternativen Anordnung
von Sprühdüsen,
- Figur 4
- Eine Ansicht auf ein Walzenpaar in Transportrichtung,
- Figur 5
- Eine Seitenansicht eines Teils eines Spannrahmens einer Mercerisiermaschine,
- Figur 6
- Eine Ansicht auf das Walzenpaar in Figur 5 in Transportrichtung,
- Figur 7
- Eine Seitenansicht der Anwendung gemäss Figur 6.
- Figur 8
- Ein alternatives Ausführungsbeispiel von Streckmitteln mit gegeneinander pressbaren
Kammelementen,
- Figur 9
- Ein weiteres Ausführungsbeispiel von Streckmitteln mit gegeneinander pressbaren Kugelelementen,
und
- Figur 10
- Ein weiteres Ausführungsbeispiel von Streckmitteln mit gegeneinander pressbaren Scheibenpaketen.
[0032] Ein mit 11 bezeichneter Spannrahmen einer Mercerisieranlage weist gemäss Figur 1
ein Spannkettenpaar 12, 12' zum Führen und Transportieren einer textilen Warenbahn
2, insbesondere einer Gewebebahn, auf. Die Spannketten erfassen auf an sich bekannte
Weise mittels Nadelleisten und/oder Klemmen kraftschlüssig die Kanten der Warenbahn
2 und strecken diese im konischen Einlauffeld des Spannrahmens, wo sich die Distanz
zwischen den beiden Spannketten vergrössert. Jeweils randseitig sind am Ende des konischen
Feldes Walzenpaare 3, 3' mit je einer oberen und einer unteren Walze 4 und 5 angeordnet,
zwischen welche in einem ersten Randbereich R1 die Warenbahn 2 geführt ist.
[0033] Derartige Walzenpaare können insbesondere am Spannrahmen der bekannten Art eingesetzt
bzw. nachgerüstet werden. Mit Hilfe des Spannrahmens wird die textile Warenbahn auf
die gewünschte Breite (WB) gestreckt. Anschliessend wird die Warenbahn vorzugsweise
durch eine Stabilisier- und Entlaugungszone durchgeführt, die den Mercerisierprozess
abschliesst. Einzelheiten über das grundsätzliche Mercerisierverfahren können beispielsweise
aus der eingangs erwähnten EP-A1-305 326 oder der EP-A-198 793 entnommen werden.
[0034] In Figur 1 (sowie auch in den Figuren 2 und 3) ist symbolisch eine mit dem Spannrahmen
verbundene Verstellvorrichtung dargestellt, an der über eine Spindel 16 mit Hilfe
eines Motors M die Anordnung der Spannketten bzw. der Walzenpaare 3, 3' der Warenbreite
WB angepasst werden können.
[0035] Wie aus Figur 2 hervorgeht, können mit Hilfe je einer Sprühdüse 8, 8' äussere Randzonen
R2 mit einer heissen Schwachlauge besprüht werden. Auf diese Weise wird eine randseitige
Stabilisierung der Warenbahn 2 erreicht. Die Sprühdüsen-Anordnung gemäss Figur 2 ist
vorteilhaft der Walzenpaar-Anordnung gemäss Figur 1 nachgelagert. Selbstverständlich
ist aber auch eine andere Reihenfolge denkbar. Ersichtlicherweise kann die besprühte
Randzone R2 deutlich grösser als der verstreckte erste Randbereich R1 gemäss Figur
1 sein. Wie insbesondere die nachfolgende Figur 6 zeigt, ist die äussere Randzone
R2 vorzugsweise jedoch derart zu wählen, dass R2 etwa R1 entspricht. Die Sprühdichte
kann durch entsprechende Einstellung von Steuerventilen vorgewählt werden. Als Sprüh-Medium
kann dabei jedes Medium mit Stabilisierwirkung auf das Gewebe, insbesondere aber heisse
Schwachlauge verwendet werden.
[0036] Figur 3 zeigt einen Sprühbalken zum Besprühen der textilen Warenbahn 2 mit heisser
Schwachlauge mit einer Sammelleitung 20, Ventilen 9 sowie Sprühdüsen 8. Mit Hilfe
der Mehrzahl von Sprühdüsen 8 wird die Warenbahn 2 derart besprüht, dass die Randzonen
stärker als deren Mitte besprüht werden. Eine derartige Sprüheinrichtung kann zusätzlich
im konischen Einlauffeld des Spannrahmens vorgesehen werden (vgl. dazu EP-B1-340 166).
Denkbar ist auch, dass die Sprühreinrichtung gemäss Figur 3 anstatt der Sprüheinrichtung
gemäss Figur 2 verwendet wird.
[0037] Wie aus Figur 4 hervorgeht, weisen die Walzen 4 und 5 eines Walzenpaares 3 abwechselnd
angeordnete Rippen 6 und Nuten 7 auf. Die Walzen 4 und 5 sind derart in einem Abstand
a zueinander angeordnet, dass die Rippen 6 und Nuten 7 ineinander greifen, wodurch
ein etwa sinusförmiger Spaltraum zwischen den Walzen 4 und 5 gebildet wird. Die textile
Warenbahn, die zwischen den Walzen 4 und 5 hindurch geführt wird, weist dadurch ebenfalls
einen leicht etwa sinusförmigen (oder zickzackförmigen) Verlauf in Querrichtung auf.
Die mechanische Verstreckung bzw. Breitendehnung der Warenbahn 2 hängt im Wesentlichen
von Abstand a ab. Dazu kann beispielsweise die untere Walze 5 vertikal (in z-Richtung)
verschiebbar gelagert sein.
[0038] Der Abstand a zwischen den benachbarten Walzen muss in einem Bereich liegen, in dem
das Gewebe nicht übermässig beansprucht wird. Selbstverständlich ist die Grösse und
Form der Rippen, Nuten und Walzen der verwendeten Gewebeart angepasst.
[0039] Das Walzenpaar 3 wirkt nur auf den ersten Randbereich R1 ein. Dieser Randbereich
R1 wird ersichtlicherweise durch die Breiten der Walzen B' (bzw. B'') vorgegeben.
Die Warenbahn 2 wird jeweils am Rand durch Nadelelemente 14 geführt und in e-Richtung
transportiert. Selbstverständlich sind statt eines Nadelspannrahmens auch andere Typen
von Spannrahmen denkbar. Die der Aussenkante der Warenbahn 2 zugewandte Seite des
Randbereichs R1 ist vorteilhaft in einem möglichst geringen Abstand von den Nadelelemente
14 entfernt.
[0040] Die Breite der Nuten 7 ist grösser als die Breite der Rippen. Das Verhältnis der
Breite der Nuten 7 zur Breite der Rippen liegt vorteilhaft zwischen 1,5 und 2,5.
[0041] Wie aus der Seitenansicht gemäss Figur 5 hervorgeht, ist das randseitig angeordnete
Walzenpaar mit den Walzen 4 und 5 kurz vor dem Parallelfeld 18 des Spannrahmens 11
angeordnet. In diesem Abschnitt, der sich unmittelbar an das konische Einlauffeld
17 anschliesst, verlaufen die Spannketten parallel zueinander. Zwischen dem konischen
Einlauffeld 17 und dem Parallelfeld 18 ist ein Scharnier 19 im Spannkettengestell
angeordnet. Hinter dem Walzenpaar 3 sind in Transportrichtung e eine oder mehrere
Sprühdüse 8 angeordnet. Mit Hilfe dieser Sprühdüsen kann die Warenbahn 2 mit einem
Medium, insbesondere mit heisser Schwachlauge besprüht werden (vgl. Figur 2 oder 3).
[0042] Wie aus Figur 6 hervorgeht, ist die dem Walzenpaar 3 zugeordnete Düse 8 etwa mittig
in Bezug auf die Quer-Richtung angeordnet. Der Sprühwinkel der Sprühdüse ist derart
eingestellt, dass die besprühte äussere Randzone R2 in etwa dem durch die Walzen definierten
ersten Randbereich R1 entspricht. Vorzugsweise ist R2 so zu wählen, dass R2 leicht
grösser als R1 ist. Durch das Besprühen mit heisser Schwachlauge wird erreicht, dass
der mechanisch verstreckte Randbereich R1 stabilisiert wird.
[0043] Aus Figur 6 sind ausserdem weitere Einzelheiten der Lagerung des Walzenpaars 3 am
Spannkettengestell 25 ersichtlich. Die obere Walze 4 ist an einem oberen Walzengestell
21 gelagert, das die Spannkettenführung 23 übergreift. Die untere Walze 5 ist an einem
unteren Walzengestell 22 gelagert, das auf der Innenseite des Spannkettengestells,
unmittelbar über der unteren Spannkettenführung 23 befestigt ist. Beide Walzen 4 und
5 drehen sich auf Wälzlagerzapfen 24. Das untere Walzengestell 22 oder gegebenenfalls
auch beide Walzengestelle sind derart mit einer Schraubverbindung befestigt, dass
sie in Pfeilrichtung z zum Einstellen des Verstreckungsgrades verstellt werden können.
Die Sprühdüse 8 ist an einer Düsenhalterung 26 befestigt, die ebenfalls seitlich am
Spannkettengestell 25 befestigt ist. Auch der Absaugkasten der Absaugvorrichtung 10
ist mit einer Halterung 27 am Spannkettengestell fixiert und zwar vorzugsweise an
der gleichen Schraubverbindung wie das untere Walzengestell 22.
[0044] Wie aus Figur 7 hervorgeht, wird das auf die Warenbahn 2 gesprühte Medium unmittelbar
danach abgesaugt. Dazu ist eine Absaugeinrichtung 10 vorgesehen. Die Absaugeinrichtung
10 enthält einen horizontal bzw. in Querrichtung sich erstreckenden Absaugkasten,
welcher mehrere der textilen Warenbahn zugewandten Absaugschlitze 13 aufweist. Selbstverständlich
können statt des Absaugkastens auch andere Hohlprofil-Varianten vorgesehen werden,
insbesondere könnte ein rundes Profil vorgesehen werden. Die Absaugeinrichtung 10
ist über einen Stutzen mit einer (nicht gezeigten) Saugvorrichtung verbunden.
[0045] Das Walzenpaar 3 mit den Walzen 4 und 5, die dem Walzenpaar zugeordnete Sprühdüse
8 sowie die Absaugeinrichtung 10 liegen vorteilhaft verhältnismässig nahe bei einander.
Vorteilhaft sind diese drei Elemente in einem mit SA bezeichneten Stabilisierungsabschnitt
angeordnet, welcher sich über weniger als ein Meter, vorzugsweise weniger als 0,5
Meter erstreckt.
[0046] Durch die unmittelbar nachgeschaltete Absaugeinrichtung 10 wirkt die heisse Schwachlauge
nur kurz auf die textile Warenbahn 2 ein.
[0047] Für den vollständigen Abschluss des Mercerisierprozesses können allenfalls nachfolgend
über dem parallelen Feld des Spannrahmens quer zur textilen Warenbahn verlaufende
Sprührohre angeordnet sein, welche mit über die ganze Breite der textilen Warenbahn
gleichmässig verteilten Sprühdüsen versehen sind. Die (nicht gezeigten) quer zur textilen
Warenbahn angeordneten Sprührohre besprühen die gestreckte textile Warenbahn gleichmässig
über die gesamte Breite und bewirken so eine Stabilisierung.
[0048] Die Figuren 8 bis 10 zeigen alternative Ausführungsbeispiele von Streckmitteln, die
je nach Art und Beschaffenheit des textilen Flächengebildes 2 ebenfalls eingesetzt
werden könnten. Gemäss Figur 8 wird ein mit Nuten 30 versehener oberer Streckklotz
28 gegen ein mit Rippen 31 versehenen unteren Streckklotz 29 gepresst. Nuten und Rippen
verlaufen in Transportrichtung e, wobei die Warenbahn 2 in Folge der Deformation gestreckt
wird. Gemäss Figur 9 tragen ein oberer Kugelkäfig 32 und ein unterer Kugelkäfig 33
jeweils eine Mehrzahl von Kugeln 34, welche jeweils versetzt zueinander angeordnet
sind. Je nach Kugelradius und nach der Distanz zwischen den beiden Kugelkäfigen ergibt
sich dabei eine grössere oder eine kleinere Verstreckung der Warenbahn 2. Gemäss Figur
10 wird die Warenbahn 2 zwischen einem oberen Scheibenpaket 35 und einem unteren Scheibenpaket
36 hindurch geführt. Die einzelnen Scheiben der oberen und der unteren Pakete sind
jeweils versetzt zueinander angeordnet. Die Wirkung ist vergleichbar zu den profilierten
Walzen. Die Scheibenpakete können jedoch so ausgebildet sein, dass sich der Abstand
zwischen den einzelnen Scheiben durch Einlegen von Distanzhülsen unterschiedlicher
Länge verstellen lässt.
1. Verfahren zum Behandeln einer breitgestreckten, textilen Warenbahn (2), insbesondere
nach dem Imprägnieren in einem Mercerisierprozess, bei dem die Warenbahn kontinuierlich
in einer Transportrichtung (e) transportiert wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Warenbahn wenigstens in einem ersten Randbereich (R1) durch Beaufschlagung mittels
Streckmitteln (4,5) von beiden Seiten her derart quer zur Transportrichtung deformiert
wird, dass sich eine mechanische Verstreckung einstellt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem die Warenbahn nach dem Imprägnieren mittels eines
Spannkettenpaares (12) in einem Spannrahmen (11) breitgestreckt wird, dadurch gekennzeichnet, dass im Bereich des Spannrahmens (11) wenigstens ein erster Randbereich (R1) der Warenbahn
(2) mit Hilfe jeweils eines Walzenpaares (3), das nur auf den ersten Randbereich (R1)
einwirkt, mechanisch verstreckt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die mechanische Verstreckung im Parallelfeld (18) oder am Ende des konischen Feldes
(17) des Spannrahmens (11) erfolgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Randbereich (R1) jeweils wenigstens 2 % der Warenbreite und höchstens 40
% der Warenbreite beträgt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein weiterer Bereich der Warenbahn (2) mit Hilfe jeweils weiterer Streckmittel,
die nur auf den weiteren Bereich einwirken, mechanisch verstreckt wird, wobei der
weitere Bereich in Bezug auf den ersten Randbereich (R1) versetzt angeordnet ist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein Teil der Warenbahn (2) zum Stabilisieren aus über der Warenbahn angeordneten
Sprühdüsen mit einem Medium, insbesondere mit heisser Schwachlauge besprüht wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass nur die äusseren Randzonen (R2) der Warenbahn (2) besprüht werden oder dass die äusseren
Randzonen (R2) der Warenbahn (2) stärker besprüht werden als deren Mittelzone.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Medium unmittelbar am Ort des Aufsprühens oder kurz danach mit Hilfe einer Absaugeinrichtung
(10) abgesaugt wird.
9. Vorrichtung zum Behandeln einer breitgestreckten, textilen Warenbahn (2), insbesondere
nach dem Imprägnieren in einem Mercerisierprozess, wobei die Warenbahn mittels einer
Transportvorrichtung in einer Transportrichtung (e) transportierbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein erster Randbereich (R1) der Warenbahn zwischen Streckmitteln (4,5)
hindurchführbar ist, mit denen beide Seiten der Warenbahn beaufschlagbar sind und
die Warenbahn dabei derart deformierbar ist, dass sich eine mechanische Verstreckung
einstellt.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9 zum Mercerisieren einer Warenbahn (2) mit einem ein Spannkettenpaar
(12) aufweisenden Spannrahmen (11) zum Breitstrecken und Transportieren der Warenbahn
(2) nach dem Imprägnieren, dadurch gekennzeichnet, dass randseitig im Bereich des Spannrahmens (11) je ein Walzenpaar (3) mit einer oberen
und einer unteren Walze (4,5) vorgesehen ist, zwischen welchen die Warenbahn hindurch
führbar ist und dass auf den Mantelflächen der oberen und der unteren Walze (4,5)
ineinander greifende, vorzugsweise etwa parallel zur Transportrichtung (e) verlaufende
Rippen (6) und Nuten (7) zum Verstrecken des ersten Randbereichs (R1) angeordnet sind.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Walzenpaare (3) im Parallelfeld oder am Ende des konischen Feldes des Spannrahmens
(11) angeordnet sind.
12. Vorrichtung nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Breite (B', B'') der Walzen (4,5) höchstens 40 %, vorzugsweise höchstens 25%
und besonders bevorzugt höchstens 5% der Spannrahmenbreite beträgt.
13. Vorrichtung nach einem Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Rippen (6) und Nuten (7) gleichmässig abwechselnd über dem Mantel der oberen
bzw. unteren Walze verteilt sind, wobei der Abstand zwischen den einzelnen Rippen
wenigstens 5mm und höchstens 50mm beträgt.
14. Vorrichtung nach einem Ansprüche 10 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis der Breite der Nuten (6) zur Breite der Rippen (6) zwischen 1.5 bis
2.5 liegt.
15. Vorrichtung nach einem Ansprüche 10 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass die obere und/oder die untere Walze (4,5) wenigstens zum Einstellen des Abstands
(a) zwischen den Walzen verschiebbar gelagert ist.
16. Vorrichtung nach einem Ansprüche 10 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine über dem Spannrahmen (11) angeordnete Sprühdüse (8) zum Besprühen
wenigstens eines Teils der Warenbahn (2) mit einem Medium, insbesondere mit heisser
Schwachlauge vorgesehen ist.
17. Vorrichtung nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, dass die Sprühdüse (8) jeweils einem Walzenpaar (3) zugeordnet und diesem in Bezug auf
die Transportrichtung (e) nachgelagert ist.
18. Vorrichtung nach Anspruch 16 oder 17, dadurch gekennzeichnet, dass eine Absaugeinrichtung (10) zum Absaugen des Mediums vorgesehen ist.
19. Vorrichtung nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet, dass die Absaugeinrichtung (10) einen Absaugkasten mit wenigstens einem Absaugschlitz
(13) aufweist, wobei der Absaugkasten jeweils einem Walzenpaar zugeordnet ist und
wobei seine Länge vorzugsweise etwa der Breite einer äusseren Randzone (R2) entspricht.