(19)
(11) EP 1 688 702 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
09.08.2006  Patentblatt  2006/32

(21) Anmeldenummer: 05028015.5

(22) Anmeldetag:  21.12.2005
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
F42B 15/01(2006.01)
F42B 10/66(2006.01)
F42B 10/64(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IS IT LI LT LU LV MC NL PL PT RO SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL BA HR MK YU

(30) Priorität: 04.02.2005 DE 102005005502
24.08.2005 DE 102005039902

(71) Anmelder: Rheinmetall Waffe Munition GmbH
40880 Ratingen (DE)

(72) Erfinder:
  • Seidel, Wolfgang, Dr.
    38165 Lehre (DE)
  • Guischard, Frank
    29229 Celle (DE)

(74) Vertreter: Dietrich, Barbara 
Thul Patentanwaltsgesellschaft mbH Rheinmetall Allee 1
40476 Düsseldorf
40476 Düsseldorf (DE)

   


(54) Einrichtung zur Steigerung der Präzision heckflügelstabilisierter Munition


(57) Vorgeschlagen wird, durch ein so genanntes Guidance-Kit (Rüstsatz) (2) aus einer konventionellen heckflügelstabilisierten Munition (1) kostengünstig eine gelenkte Munition zu machen, d.h., durch Integrieren des Kits (2) die Präzision der Munition im Ziel der der Lenkmunition annähernd anzupassen. Dazu ist vorgesehen, beim Geschoss (1) einen vorhandenen Zünder durch das Kit (2) mit integriertem Zünder (4) auszutauschen. Dazu wird der Zünder beispielsweise herausgedreht und das Guidance - Kit (2) mit gleichem Gewinde und gleichem Zündausgang auf die verbleibende Munition (1) (Heckteil 3) aufgeschraubt. Eine aerodynamische Lenkung (7), die Bestandteil des Kits (2) sein kann, verbringt die Munition bzw. dass Geschoss (1) präzise ins Ziel (E).




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zur Steigerung der Präzision heckflügelstabilisierter, ungelenkter Munition bzw. Artilleriegeschosse.

[0002] Dralllose Geschosse haben als so genannte dumme Munition den Nachteil, dass ihr Verbringen ins Ziel mit Ungenauigkeiten verbunden ist.

[0003] Bekannt zur Präzisions- und Reichweitensteigerung im Bereich der Artilleriemunition ist die kostenintensive Nutzung von Lenkmunition.
Des Weiteren wird bei diversen Luftwaffen innerhalb der NATO auf Bomben ein Lenkmodul aufmontiert, teilweise auch mit einem Laserzielsuchkopf, durch welches die Bombe ins Ziel gelenkt wird, man bezeichnet sie auch als JDAM (Joint Direct Attack Munition) (vgl. dazu http://www.globaldefence.net/index.htm?http://www.globaldefence.net/deutsch/archive/monat e/02-10-mil.htm). Diese Kits bestehen hier aus einem GPS -Empfänger, Mikrocomputer, verstellbaren Leitwerken und einer Stromversorgung (siehe auch http://www.fas.org/man/dod-101/sys/smart/jdam.htm).

[0004] Die Erfindung stellt sich die Aufgabe, eine einfache Einrichtung aufzuzeigen, durch welche die ungelenkte Munition intelligent gemacht werden kann.

[0005] Gelöst wird die Aufgabe durch die Merkmale des Patentanspruchs 1.

[0006] Vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen enthalten.

[0007] Der Erfindung liegt die Idee zugrunde, durch ein so genanntes Guidance-Kit (Rüstsatz) aus einer konventionellen heckflügelstabilisierten Munition kostengünstig eine gelenkte Munition zu machen, d.h., durch Integrieren des Kits die Präzision der Munition im Ziel der der Lenkmunition annähernd anzupassen. Dazu ist vorgesehen, beim Geschoss den herkömmlichen Zünder durch das Kit mit integriertem Zünder auszutauschen. Dazu wird ein bei bereits fertiger Munition vorhandener Zünder beispielsweise herausgedreht und das Guidance - Kit mit gleichem Gewinde und gleichem Zündausgang auf das verbleibende Heckteil der Munition aufgeschraubt. Ist der Zünder Bestandteil des Kits, hat man bereits eine neue Munition. Ist der Zünder nicht Bestandteil, wird dieser an das Kit aufgedreht. Auch eine aerodynamische Lenkung kann Bestandteil des Kits sein. Durch ein aerodynamisches Stellglied, Canards (Flügel), Mikroreaktionstriebwerke etc. als Lenkung, erfolgt eine Geschosslenkung präzise ins Ziel. Alternativ kann neben einem GPS -Empfänger mit Navigationssensorik ein Laserzielsuchkopf im Kit oder in der Munitionsspitze eingebunden werden. Auch Kombinationen der Systeme sind möglich.

[0008] Ein wesentlicher Vorteil dieser Lösung liegt darin, dass die konventionelle dumme Munition durch einfaches Aufschrauben des autonomen Guidance- Kit zur intelligenten Präzisionsmunition umgewandelt werden kann.

[0009] Das Guidance -Kit sollte dabei u. a. folgende Einheiten einzeln als auch in Kombinationen aufweisen:
  • einen GPS -Empfänger mit Oberflächenantenne
  • Stellmotor für die aerodynamische Lenkung
  • aktivierbare Batterien, z.B. Thermalbatterien, die mit dem Abschuss aktiviert werden
  • eine Navigationssensorik (Elektronik, Mikrocomputer, Sensoren) mit entsprechender Software
  • einen Zünder mit beispielsweise einem Detonations Train und alternativ bzw. zusätzlich
  • einen Zielsuchkopf (Basis: Laser, IR, MMW) inklusive Navigationssensorik.


[0010] Anhand zweier Ausführungsbeispiele mit Zeichnung soll die Erfindung näher erläutert werden. Es zeigt:
Fig. 1
eine erste Anordnung des Kits am Geschoss,
Fig. 2
eine weitere Anordnung,
Fig. 3
die aerodynamische Lenkung aus Fig. 1 bzw. Fig. 2,
Fig. 4
eine Darstellung der Flugphase des Geschosses.


[0011] In Fig. 1 ist mit 1 ein Geschoss dargestellt, welches heckflügelstabilisiert ist. Ein mit 2 gekennzeichnetes Guidance - Kit ist im vorderen Bereich 3 des Geschosses integriert und enthält hierbei einen Geschosszünder 4 bzw. ein Zielsuchkopf 5 mit einem Geschosszünder 6 (Fig. 2). Vorzugsweise Bestandteil der Guidance - Kits 2 ist eine aerodynamische Lenkung 7, beispielsweise ein ringförmiges, aerodynamisches Stellglied 7.1 oder ausklappbare Spoiler (nicht näher dargestellt) oder, wie in Fig. 2 aufgezeigt, Mikroreaktionstriebwerke 12, die vorzugsweise gleichmäßig am Umfang verteilt sind, wie auch die Flügel 7.2. Die Flügel 7.2 des Stellgliedes 7.1 werden beispielsweise durch Stellmotore 7.3 in Position gebracht.
Zum Guidance -Kit 2 gehört auch eine mit dem Abschuss aktivierbare Batterie 10, die u. a. die Stellmotore 7.3 ansteuert.

[0012] Die aerodynamische Lenkung 7 ist während des Geschossdurchlaufes in einem nicht näher dargestellten Waffenrohres vorzugsweise eingefahren und sollten bevorzugt erst nach einer ballistisch festlegbaren Flugphase ausgeklappt werden, um dann das Geschoss 1 ins Ziel E (Fig. 4) zu lenken. Im Heckbereich 8 befinden sich nur skizzenhaft angedeutete Heckflügel 9. Mit 11 ist eine Navigationssensorik gekennzeichnet.

[0013] Fig. 4 zeigt die einzelnen Flugphasen anhand des ballistischen Fluges des Geschosses 1. Nach dem Abschuss in Position A werden die skizzenhaft dargestellten Heckflügel 9 in Position B direkt ausgefahren. Das Ausklappen der aerodynamischen Lenkung 7 erfolgt vorzugsweise im Punkt C. Spätestens ab Position D wird die Gleitphase und die damit verbundene Reichweitensteigerung eingeleitet.


Ansprüche

1. Einrichtung zur Steigerung der Präzision heckflügelstabilisierter, ungelenkter Munition (1), aufweisend ein Guidance-Kit (2).
 
2. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Guidance - Kit (2) aufschraubbar mit gleichem Gewinde und Zündausgang, wie ein zu ersetzender herkömmlicher Zünder der Munition (1) ist.
 
3. Einrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Guidance Kit (2) aufweist

- einen GPS -Empfänger mit Oberflächenantenne und / oder

- eine Navigationssensorik (11) und / oder

- einen Zünder (4) und / oder

- einen Zielsuchkopf (5) sowie

- eine aerodynamische Lenkung (7) und

- wenigstens eine aktivierbare Batterie (10).


 
4. Einrichtung nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Suchkopf (5) ein Laser-, IR - , MMW - Suchkopf ist.
 
5. Einrichtung nach einem der vorgenannten Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die aerodynamische Lenkung (7) ein ringförmiges Stellglied (7.1) oder Canards sind.
 
6. Einrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das ringförmige Stellglied (7.1) zumindest einen Stellmotor (7.3) zum Stellen der Flügel (7.2) aufweist.
 
7. Einrichtung nach einem der vorgenannten Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die aerodynamische Lenkung (7) Mikroreaktionstriebwerke (12) sind.
 




Zeichnung










Recherchenbericht