[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Datenübertragungsvorrichtung zur drahtlosen
Datenübertragung an ein Hörgerät mit einer Hochfrequenzempfangseinrichtung zum Empfangen
von hochfrequenten Signalen einer externen Sendeeinheit. Darüber hinaus betrifft die
vorliegende Erfindung ein entsprechendes Verfahren zur drahtlosen Datenübertragung.
Der Begriff "Daten" wird hier in erster Linie für codierte Audiosignale und Sprachsignale
verwendet.
[0002] Prinzipiell bestehen zwei Möglichkeiten, digitale Signale drahtlos in ein Hörgerät
zu übertragen: Die Hochfrequenz (HF)-Fernfeldübertragung und die induktive Nahfeldübertragung.
Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Die HF-Übertragung erfolgt üblicherweise
im Bereich von 800 bis 1000 MHz, während die induktive Übertragung im Bereich von
1 bis 30 MHz erfolgt. Die Reichweite für Hörgeräte-Anwendungen liegt bei der HF-Übertragung
bei ca. 10 m, während sie bei der induktiven Übertragung lediglich bei 1 m liegt.
Besonders nachteilig an der HF-Übertragung ist, dass die Absorption der elektromagnetischen
Signale im Körper, die Abmessungen für die Antenne und die Stromaufnahme des Empfängers
groß sind. Demgegenüber ist bei Signalen für die induktive Übertragung die Absorption
im Körper gering, und die Abmessungen einer Induktionsspule für die Übertragung sowie
die Stromaufnahme des Empfängers sind klein.
[0003] Die Größe der Bauteile und die hohe Stromaufnahme führen dazu, dass die HF-Übertragung
nur in großen Hörgeräten (HdOs) anwendbar ist. Dafür ist die Reichweite ausreichend
für typische Anwendungen. Die induktive Übertragung ließe sich auch in den kleinsten
Hörgeräten im Ohrkanal (CICs) realisieren, hat dafür aber eine beschränkte Reichweite.
Bislang sind also aus Sicht des Senders zwei Systeme für eine Funkübertragung notwendig,
um alle Hörgeräte-Bauformen abzudecken.
[0004] Das Problem der Reichweite bei induktiver Übertragung ließe sich durch Einsatz eines
Umsetzers lösen. Die nächstliegende Realisierung des Umsetzers beinhaltet die Demodulation
des empfangenen HF-Signals und die erneute Modulation zur Übertragung über die induktive
Funkstrecke. Dies bedeutet einen relativ großen Schaltungsaufwand für die Umsetzereinheit,
aber auch einen Zeitverlust bei der Übertragung. Ein derartiges Gerät ist beispielsweise
von der Firma GN ReSound bekannt. Es dient zum Empfang von Bluetooth-Signalen und
zur Umsetzung in analoge Signale, die mit Hilfe einer Induktionsspule an ein Hörsystem
bzw. dessen Telefonspule übertragen werden. Dabei ist es notwendig, die entsprechend
dem Bluetooth-Standard vorliegenden Signale zu demodulieren und zu decodieren, um
sie anschließend in analoge Signale zu wandeln.
[0005] Darüber hinaus sind auf dem Markt bislang nur Lösungen zur Übertragung analoger Funksignale
zum Hörgerät erhältlich. Dabei gibt es zwar Systeme mit externer Einheit, die auch
digitale Funksignale empfangen, diese werden aber per analogem FM-Link zum HdO-Hörgerät
übertragen. Das Hörgerät benötigt dann einen FM-Empfänger, der üblicherweise aufgesteckt
wird.
[0006] Aus der Druckschrift EP 1 460 769 A1 ist ferner ein mobiler Transceiver für Hörgeräte
bekannt. Dabei werden die Signale mit einer anderen Frequenz abgestrahlt als sie empfangen
wurden, um Interferenzen zu vermeiden.
[0007] Weiterhin ist aus der Druckschrift US 4 920 570 ein modular aufgebautes Abhörsystem
bekannt. Dabei überträgt jedes Eingangsmodul die Signale entweder in analoger oder
digitaler Form zu einem Schaltmodul. Wahlweise kann Hochfrequenz-, Ultraschall-, Infrarot-
oder induktive Übertragung gewählt werden.
[0008] Ferner beschreibt das US-Patent 5 721 783 ein im Ohrkanal befindliches Hörgerät mit
einer externen Prozessoreinheit. Eine bidirektionale Verbindung zwischen beiden Einheiten
wird mittels Mikrowelle oder Radarwelle aufgebaut.
[0009] In der Druckschrift DE 100 15 421 C2 ist ein Hörsystem beschrieben, welches eine
externe Übertragungseinheit und eine implantierte Empfangseinrichtung aufweist. Die
in Ohrnähe am Kopf zu tragende Übertragungseinheit umfasst einen HF-Sender/Empfänger
zum Empfangen und Demodulieren eines Signals eines Telekommunikationsnetzes und eine
bidirektionale Telemetrieschnittstelle zur induktiven Übertragung an die implantierte
Empfangseinrichtung. Auf diese Weise kann eine Datenübertragung zwischen dem Telekommunikationsnetz,
der Übertragungseinheit und der implantierten Empfangseinrichtung stattfinden.
[0010] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, auf einfache Weise auch bei
sehr kleinen Geräten drahtlose Übertragung hoher Reichweite erzielen zu können.
[0011] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch eine Datenübertragungsvorrichtung
zur drahtlosen Datenübertragung an ein Hörgerät mit einer Hochfrequenzempfangseinrichtung
zum Empfangen eines hochfrequenten, modulierten Signals einer externen Sendeeinheit,
einer Mischereinrichtung zum Mischen des hochfrequenten, modulierten Signals mit einem
Referenzsignal ähnlich hoher Frequenz, so dass ein moduliertes Ausgangssignal erzeugbar
ist, dessen Trägerfrequenz um mindestens eine Größenordnung geringer ist und das sich
zur induktiven Übertragung eignet, und einer Sendeeinrichtung zur induktiven Übertragung
des Ausgangssignals an das Hörgerät. Das allgemeine Prinzip des Mischens von Signalen
ist aus "Nachrichtenübertragung", Kammeyer Karl Dirk, Teubern Verlag 1992, insbesondere
Seite 264 bekannt.
[0012] Ebenfalls wird erfindungsgemäß bereitgestellt ein Verfahren zur drahtlosen Datenübertragung
an ein Hörgerät durch Empfangen eines hochfrequenten, modulierten Signals einer externen
Sendeeinheit, Mischen des hochfrequenten, modulierten Signals mit einem Referenzsignal
ähnlich hoher Frequenz, so dass ein moduliertes Ausgangssignal erzeugt wird, dessen
Trägerfrequenz um mindestens eine Größenordnung geringer ist und das sich zur induktiven
Übertragung eignet, und induktives Übertragen des Ausgangssignals an das Hörgerät.
[0013] Der Vorteil der erfindungsgemäßen Datenübertragungsvorrichtung bzw. des erfindungsgemäßen
Verfahrens zur drahtlosen Datenübertragung liegt darin, dass sie/es mit sehr einfachen
Mitteln realisiert werden kann. Darüber hinaus besteht hierdurch die Möglichkeit,
mit einem einzigen Sendertyp digitale Datenübertragung für alle Hörgeräte-Bauformen
zu ermöglichen. Auch die IdOs kleiner Bauform sind nun über die erfindungsgemäße Relaisstation
über größere Entfernungen per Funk erreichbar. Weiter resultiert das vorgeschlagene
Umsetzerverfahren in einer minimalen Verzögerungszeit über der gesamten Funkstrecke,
da auf eine Demodulation und eine Decodierung sowie eine erneute Modulation und Codierung
gänzlich verzichtet wird. Dieser Punkt ist besonders für die Audioübertragung z. B.
beim Fernsehen wichtig.
[0014] Vorzugsweise besitzt das hochfrequente Signal eine Frequenz oberhalb von 800 MHz
und das Ausgangssignal eine Frequenz unter 30 MHz. Damit ist eingangsseitig HF-Übertragung
und ausgangsseitig induktive Übertragung möglich.
[0015] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform besteht die Hochfrequenzempfangseinrichtung
ausschließlich aus einer Antenne, einem Filter und einem Verstärker. Ebenso sollte
die Sendeeinrichtung ausschließlich aus einem Filter, einem Leistungsverstärker und
einer Sendespule bestehen. Damit lässt sich die gesamte Datenübertragungsvorrichtung
bzw. Umsetzereinheit mit sehr einfachen Mitteln gestalten.
[0016] Günstigerweise ist die Art der Modulation im hochfrequenten Empfangssignal und im
Ausgangssignal identisch. Dadurch entstehen keine Zeitverluste bei einer Demodulation
und einer Remodulation.
[0017] Auch sollte die Art der Codierung im hochfrequenten Empfangssignal und im Ausgangssignal
identisch sein. Hierdurch ergeben sich Zeitvorteile durch den Wegfall einer Decodierung
und Recodierung. Mit anderen Worten, die Codierung des digitalen Eingangssignals bleibt
unverändert, so dass sich ein digitales Ausgangssignal mit gleicher Codierung ergibt.
[0018] Die vorliegende Erfindung wird nun anhand der beigefügten Zeichnungen näher erläutert,
in denen zeigen:
- FIG 1
- ein Blockschaltbild eines erfindungsgemäßen Umsetzers und
- FIG 2
- eine schematische Funkstrecke für HdOs und IdOs.
[0019] Die nachfolgend näher geschilderten Ausführungsformen stellen bevorzugte Ausführungsbeispiele
der vorliegenden Erfindung dar.
[0020] Ein erfindungsgemäßer Umsetzer, d. h. eine erfindungsgemäße Datenübertragungsvorrichtung
besteht gemäß FIG 1 beispielsweise aus einer Antenne A, die als Empfangs-Antenne für
HF-Signale dient. Im vorliegenden Beispiel empfängt die Antenne A ein Eingangssignal
der Frequenz 863 MHz. Der Antenne A ist eine Filter F1 nachgeschaltet. Das gefilterte
Eingangssignal wird über einen Verstärker V einem Mischer M zugeführt. In dem Mischer
M wird das verstärkte Eingangssignal mit einer vorgegebenen Wechselspannung eines
Oszillators O gemischt. Die Oszillatorspannung hat im vorliegenden Fall eine Frequenz
von 866,1 MHz.
[0021] Das Mischen führt zu einem Spektralanteil mit Differenzfrequenz, weshalb sich am
Ausgang des Mischers im vorliegenden Fall eine Frequenz von 3,1 MHz ergibt. Das Ausgangssignal
des Mischers M wird wiederum in einem Filter F2 gefiltert und einem Leistungsverstärker
LV zugeführt. Das Ausgangssignal des Leistungsverstärkers LV wird sodann in eine Sendespule
S gespeist, die es per induktiver Übertragung an eine Telefonspule eines Hörgeräts
überträgt.
[0022] Im Umsetzer wird somit das Hochfrequenzsignal von über 800 MHz auf eine Zwischenfrequenz
unter 30 MHz heruntergemischt, so dass das resultierende Signal bei der gewünschten
Trägerfrequenz für die induktive Übertragung liegt. Dabei findet keine Demodulation
und Remodulation sowie keine Decodierung und Recodierung statt. Im Falle eines digitalen
Eingangssignals bleibt auch das Ausgangssignal des Umsetzers digital. In diesem Fall
wird also das digitale Ausgangssignal des Umsetzers induktiv auf das Hörgerät übertragen.
[0023] Aus FIG 2 wird nun der Vorteil der vorliegenden Erfindung ersichtlich. Von einer
Sendeeinheit SE wird großen Hörgeräten (HdOs) ein analoges oder digitales Signal unmittelbar
durch HF-Übertragung beispielsweise über eine Entfernung von 10 m übertragen. Der
verhältnismäßig große HF-Empfänger kann jeweils in einem HdO untergebracht werden.
Für die Übertragung ist keine Umsetzereinheit notwendig.
[0024] Die gleiche Sendeeinheit SE kann nun auch zur Versorgung von kleineren Hörgeräten
(IdOs) in einer Entfernung von 10 m verwendet werden. Hierzu überträgt die Sendeeinheit
SE die Nachricht zunächst per HF-Übertragung an einen Umsetzer U. Dieser ist entsprechend
dem Blockschaltbild von FIG 1 ausgestaltet. Mit ihm wird ein induktives Ausgangssignal
generiert, das in etwa eine Reichweite von 1,5 m besitzt, und von den IdOs aufgenommen
wird. Hierzu besitzen die IdOs entsprechende induktive Empfänger.
[0025] Die Umsetzereinheit U trägt der Hörgeräteträger vorzugsweise am Körper. Damit können
die IdOs stets auch mit Funksignalen versorgt werden, deren Quelle außerhalb der Reichweite
induktiver Übertragung liegt.
1. Datenübertragungsvorrichtung zur drahtlosen Datenübertragung an ein Hörgerät mit
- einer Hochfrequenzempfangseinrichtung (A, F1, V) zum Empfangen eines hochfrequenten,
modulierten Signals einer externen Sendeeinheit,
gekennzeichnet durch
- eine Mischereinrichtung (M) zum Mischen des hochfrequenten, modulierten Signals
mit einem Referenzsignal ähnlich hoher Frequenz, so dass ein moduliertes Ausgangssignal
erzeugbar ist, dessen Trägerfrequenz um mindestens eine Größenordnung geringer ist
und das sich zur induktiven Übertragung eignet, und
- eine Sendeeinrichtung (F2, LV, S) zur induktiven Übertragung des Ausgangssignals
an das Hörgerät.
2. Datenübertragungsvorrichtung nach Anspruch 1, wobei das hochfrequente Signal eine
Frequenz oberhalb von 800 MHz und das Ausgangssignal eine Frequenz unter 30 MHz besitzt.
3. Datenübertragungsvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Hochfrequenzempfangseinrichtung
(A, F1, V) ausschließlich aus einer Antenne (A), einem Filter (F1) und einem Verstärker
(V) besteht.
4. Datenübertragungsvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Sendeeinrichtung
(F2, LV, S) ausschließlich aus einem Filter (F2), einem Leistungsverstärker (LV) und
einer Sendespule (S) besteht.
5. Datenübertragungsvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Art
der Modulation im hochfrequenten Empfangssignal und im Ausgangssignal identisch ist.
6. Datenübertragungsvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Art
der Codierung im hochfrequenten Empfangssignal und im Ausgangssignal identisch ist.
7. Verfahren zur drahtlosen Datenübertragung an ein Hörgerät durch
- Empfangen eines hochfrequenten, modulierten Signals einer externen Sendeeinheit,
gekennzeichnet durch
- Mischen des hochfrequenten, modulierten Signals mit einem Referenzsignal ähnlich
hoher Frequenz, so dass ein moduliertes Ausgangssignal erzeugt wird, dessen Trägerfrequenz
um mindestens eine Größenordnung geringer ist und das sich zur induktiven Übertragung
eignet, und
- induktives Übertragen des Ausgangssignals an das Hörgerät.
8. Verfahren nach Anspruch 7, wobei das hochfrequente Signal eine Frequenz oberhalb von
800 MHz und das Ausgangssignal eine Frequenz unter 30 MHz besitzt.
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8, wobei die Art der Modulation im hochfrequenten Empfangssignal
und im Ausgangssignal identisch ist.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 9, wobei die Art der Codierung im hochfrequenten
Empfangssignal und im Ausgangssignal identisch ist.