[0001] Die Erfindung betrifft einen aktiven Abgasschalldämpfer für abgasführende Rohrleitungen
gemäß den Merkmalen im Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] In Abgasanlagen von Kraftfahrzeugen werden Abgasschalldämpfer vorgesehen, um die
vom Motor ausgehende Intensität des Abgasschalls auf ein akzeptables Maß zu dämpfen.
Der Schalldruckpegel kann bis zu 160 dB(A) betragen. Gesetzliche Vorgaben geben daher
einen rechtlichen Rahmen für die Schalldämpfung vor.
[0003] Passive Schalldämpfer arbeiten nach dem Prinzip der Schallabsorption und weisen faserige
oder offenporige Materialien auf, die große und möglichst stark strukturierte Oberflächen
haben. Der Abgasschall soll auf diese Weise in absorbierende und schalldämpfende Labyrinthe
umgeleitet und reflektiert werden, so dass die Schallenergie abgebaut wird, bis der
Abgasschall einen gewünschten Pegel unterschritten hat. Passive Schalldämpfer, die
nach dem Prinzip der Schallabsorption arbeiten, stauen das Abgas. Insofern vermindern
sie die Leistung des Motors.
[0004] Es wurden auch Abgasschalldämpfer vorgeschlagen, die sich das Prinzip des Gegenschalls
zunutze machen, wobei störender Schall mit Kompensationsschall überlagert werden soll.
Der Kompensationsschall soll die gleiche Frequenz und Intensität wie der störende
Schall aufweisen, jedoch um 180° phasenverschoben sein. Durch die Interferenz wird
eine Dämpfung des störenden Schalls erreicht, die im Idealfall zu einer vollständigen
Auslöschung führt.
[0005] Gegenschall kann passiv durch speziell gestaltete Resonatoren oder aktiv über Lautsprecher
erzeugt werden. Resonatoren können beispielsweise als λ/4-Rohr ausgeführt und seitlich
an abgasführende Rohrleitungen angekoppelt sein. Am Ende des λ/4-Rohrs wird Schall
phasenverschoben um 180° reflektiert. Die reflektierten Schallwellen überlagern sich
mit dem störenden Schall und bewirken so die Schalldämpfung. Dabei ist jedoch die
Zeit zu berücksichtigen, die der Schall braucht, um sich zwei Mal über die Länge des
λ/4-Rohrs auszubreiten. Mitunter hat sich in abgasführenden Rohrleitungen aufgrund
der dynamischen Verhältnisse die Frequenz des Abgasschalls zwischenzeitlich verändert,
so dass es bei der Überlagerung mit dem reflektierten Schall nicht zu der gewünschten
Kompensation kommt. Außerdem sind die Frequenzen, bei denen überhaupt eine Auslöschung
möglich ist, aus physikalischen Gründen von vornherein auf Vielfache von λ/4 beschränkt.
[0006] Aufgrund dieser Einschränkungen wurden aktive Abgasschalldämpfer entwickelt, die
Kompensationsschall durch Lautsprecher erzeugen. Zur Generierung des Kompensationsschalls
wird auf Steuerkreise und Regelkreise zurückgegriffen. In Steuerkreisen nehmen Sensoren
für den Abgasschall relevante Parameter auf, wie z. B. die Motordrehzahl, den Lastzustand
des Motors und die Temperatur des Abgases. Eine Kontrolleinheit erzeugt auf Basis
dieser Eingangssignale ensprechende Ausgangssignale, mit denen der an der abgasführenden
Rohrleitung angeordnete Lautsprecher angesteuert wird. Derartige Steuerkreise sind
relativ einfach herzustellen und liefern akzeptable Ergebnisse bei günstigen Kosten.
[0007] Die Schalldämpfung kann durch einen Regelkreis weiter verbessert werden. Hierbei
wird die Sensorik vorzugsweise um einen Drucksensor oder um ein Mikrofon ergänzt.
Auf Basis des von dieser Sensorik aufgenommen Abgasschalls kann dann die Kontrolleinheit
in Verbindung mit dem Lautsprecher exakt abgestimmten Kompensationsschall erzeugen,
der an die dynamischen Veränderungen des Abgasschalls angepasst ist und von daher
ein hohe Dämpfungswirkung hat.
[0008] Die physikalischen Rahmenbedingungen bei der Dämpfung von Abgasschall sind außerordentlich
schwierig. Der Abgasschall hat, wie oben bereits beschrieben, einen Schalldruckpegel
von bis zu 160 dB(A), wobei der Abgasstrom pulsiert. Die Abgastemperatur in der abgasführenden
Rohrleitung kann bis zu 600°C betragen, wodurch sich die Schallgeschwindigkeit von
330 m/s auf 600 m/s erhöht. Zudem ist Abgas chemisch außerordentlich aggressiv.
[0009] Die bisher zur Abgasschalldämpfung eingesetzten herkömmlichen Konuslautsprecher halten
den harten physikalischen Bedingungen nicht stand. Die Membran und Magnete verschleissen
sehr schnell. Versuchsweise wurden deshalb Titan-Membranen eingesetzt; diese sind
jedoch für die Massenfertigung zu teuer. Zudem werden zur Erzeugung von tiefen Frequenzen
großflächige Membranen und schwere Magnete benötigt, für die z. B. in Kraftfahrzeugen
kein Bauraum zur Verfügung steht und die aufgrund ihres Gewichts nicht für die Serienfertigung
in Betracht gezogen werden.
[0010] Hiervon ausgehend liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, einen aktiven Abgasschalldämpfer
zu schaffen, der unabhängig vom Fahrzeugtyp den Abgasschall mit Kompensationsschall
in der erforderlichen Intensität überlagert und der sich zudem durch eine kompakte
Bauform und Beständigkeit bzw. Zuverlässigkeit auszeichnet.
[0011] Diese Aufgabe wird mit den im Patenanspruch 1 angegebenen Merkmalen gelöst.
[0012] Kerngedanke ist hierbei, den Abgasschall mit Kompensationsschall eines Lautsprechers
zu überlagern, der als elektroakustischer Wandler auf Basis von Biegewellen arbeitet.
Derartige Lautsprecher weisen eine Membran auf, an deren Oberfläche sich Biegewellen
und Schubwellen ausbreiten, wenn sie durch einen Wandler zu Schwingungen angeregt
wird.
[0013] Die Wellenausbreitung in Membranen erfolgt auf unterschiedliche Weise. Während in
dickeren Membranen Dichte- und Dehnwellen dominant sind, entstehen in dünneren Medien
außerdem Biege- und Schubwellen. Für die Anwendung in Lautsprechern haben sich die
Biegewellenanteile wegen ihrer Amplitude und ihres Ausbreitungsverhalten als geeignet
erwiesen. Das Ausbreitungsverhalten von Biegewellen in einer Membran wird maßgeblich
durch die Biegesteifigkeit der Membran beeinflusst. Die Biegesteifigkeit ist frequenzabhängig.
Bei der sogenannten Koinzidenzfrequenz ist die Phasengeschwindigkeit der Welle in
der Membran identisch mit der Phasengeschwindigkeit in der Luft. Bei dieser Frequenz
löst sich die Welle von der Membran unter einem Winkel von ca. 0°. Oberhalb der Koninzidenzfrequenz
erhöht sich der Winkel auf bis zu 90°, wobei sich der Wirkungsgrad sprunghaft erhöht.
Die Koinzidenzfrequenz stellt daher die niedrigste Frequenz dar, bei der Biegewellen
in Luft-Schallwellen umgewandelt werden. Unterhalb dieser Frequenz ist reine Kolbenschwingung
vorherrschend.
[0014] Derartige Lautsprecher zeichnen sich besonders vorteilhaft durch ihre flache Bauform
aus. Die Membran ist dünn und vorzugsweise eben oder leicht gewölbt. Der Wandler ist
auf der Rückseite der Membran befestigt und mit dieser gekoppelt. Die Membran ist
in einem Rahmen des Gehäuses des Lautsprechers gehaltert. Das Gehäuse befindet sich
auf der dem Abgasstrom abgewandten Seite der Membran und umschließt auch den Wandler.
[0015] Die Membran muss so ausgeführt sein, dass sie den besonderen chemischen und thermischen
Anforderungen einer abgasführenden Rohrleitung standhält. Eine weitere Voraussetzung
ist, dass sie abgasdicht sein muss.
[0016] Der Lautsprecher wird von einer Kontrolleinheit angesteuert, die mit einer Sensorik
über Signalleitungen gekoppelt ist. Der Abgasschalldämpfer kann somit sowohl als Steuerkreis
wie auch als Regelkreis aufgebaut sein und so den Abgasschall aktiv und mit einem
hohen Wirkungsgrad dämpfen.
[0017] Vorteilhafte Ausführungsformen und Weiterbildungen ergeben sich aus den abhängigen
Ansprüchen 2 bis 19.
[0018] In der Weiterbildung der Erfindung gemäß Patentanspruch 2 ist vorgesehen, die Membran
in einer Öffnung in der Wandung der abgasführenden Rohrleitung anzuordnen. Diese Weiterbildung
ermöglicht eine besonders kompakte Bauform, wobei sich der Lautsprecher in unmittelbarer
Nähe zur abgasführenden Rohrleitung befindet. Durch die unmittelbare Koppelung des
Lautsprechers mit dem Abgasstrom vereinfacht sich die Dämpfung erheblich, weil weniger
Faktoren bei der Generierung des Gegenschalls berücksichtigt werden müssen.
[0019] Alternativ ist es gemäß Patentanspruch 3 möglich, einen Resonator an eine Öffnung
in der Wandung der abgasführenden Rohrleitung anzuschließen und diesem Resonator im
Abstand von der Öffnung eine Membran zuzuordnen. Durch den Abstand von der Rohrleitung
wird die Membran von dem Abgasstrom thermisch entkoppelt, so dass geringe Anforderungen
an die Belastbarkeit der Membran gestellt werden können. Ferner kann der Resonator
genutzt werden, um den Schall auszurichten und ihn auf den Abgasstrom zu fokussieren.
[0020] Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Membran eben ausgeführt ist, wie es in Anspruch
4 vorgesehen ist. Auf diese Weise werden die Berechnung der Biegewellen und die Auslegung
der Membran deutlich vereinfacht. Zudem wird bei großen Membranen eine kompakte Bauform
erreicht, die beispielsweise in unmittelbarer Nähe zur Abgas führenden Rohrleitung
am Karosserieboden eines Kraftfahrzeuges platziert werden kann.
[0021] Die Membran kann aber auch in Anpassung an die Kontur der Wandung der abgasführenden
Rohrleitung angepasst ausgeführt sein (Patentanspruch 5).
[0022] Eine derartige leicht gewölbte Membran lässt sich besonders einfach in die abgasführende
Rohrleitung integrieren. Daher wird der zur Verfügung stehende Bauraum effizient genutzt.
[0023] In der vorteilhaften Weiterbildung gemäß Patentanspruch 6 ist vorgesehen, die Membran
auf der dem Abgasstrom zugewandten Seite mit Metall zu bedampfen. Durch dieses Merkmal
werden die chemische Beständigkeit und die Temperaturbeständigkeit der Membran deutlich
erhöht. Alternativ kann die Membran nach Patentanspruch 7 auf der dem Abgasstrom zugewandten
Seite mit einer Edelstahlfolie zu bedeckt sein.
[0024] Der Abgasschall wird in seinen Eigenschaften im Wesentlichen durch den Motor, das
heißt sein Drehzahlniveau und seinen Lastzustand, sowie durch die Temperatur des Abgasstroms
beeinflusst. Dementsprechend ist in Patentanspruch 8 vorgesehen, die Kontrolleinheit
mit einer Motorsteuerungselektronik zu koppeln. Über die direkte Verbindung können
im Betrieb kontinuierlich Motordaten an die Kontrolleinheit übermittelt werden - ohne
dass eine umständliche Signalumwandlung mit den einhergehenden Wirkungsgrad- und Zeitverlusten
erforderlich ist. Zu diesem Zweck sind entsprechende Schnittstellen ausgangsseitig
der Motorsteuerungselektronik und eingangseitig der Kontrolleinheit vorzusehen.
[0025] In Patentanspruch 9 umfasst die Sensorik einen Temperatursensor zur Messung der Abgastemperatur
in der abgasführenden Rohrleitung. Da die Schallgeschwindigkeit, wie bereits dargestellt,
in besonderem Maße von der Temperatur des Abgases abhängig ist, erhöht die Berücksichtigung
Abgastemperatur den Wirkungsgrad des Abgasschalldämpfers wesentlich.
[0026] Gemäß Patentanspruch 10 umfasst die Sensorik einen Drosselklappensensor zur Erfassung
der Drosselklappenstellung. Die Drosselklappenstellung erlaubt es, Rückschlüsse auf
den Lastzustand des Motors zu ziehen. Derartige Sensoren sind in heutigen Kraftfahrzeugen
üblich und können auch im Rahmen der beanspruchten Erfindung genutzt werden.
[0027] Darüber hinaus kann die Sensorik einen Sensor zur Erfassung der Motordrehzahl umfassen
(Patentanspruch 11).
[0028] Ein besonders hoher Wirkungsgrad bei der Dämpfung des Abgasschalls wird erreicht,
wenn ein Regelkreis zur Generierung des Kompensationsschalls aufgebaut wird. Deswegen
ist in Patentanspruch 12 vorgesehen, dass die Sensorik einen Drucksensor oder ein
Mikrofon zur Erfassung des Abgasschalls in der abgasführenden Rohrleitung umfasst.
Diese Sensorik ist dann ebenso wie der Lautsprecher abgasbeständig auszuführen.
[0029] In der vorteilhaften Weiterbildung gemäß Patentanspruch 13 ist die Kontrolleinheit
mikroprozessorgesteuert. Dieses Merkmal ermöglicht eine flexible Anspassungen des
Abgasschalldämpfers an unterschiedliche Praxisbedingungen. Das Steuerverhalten der
Kontrolleinheit ist nunmehr programmgesteuert. Die Programme können verändert oder
über eine entsprechende Schnittstelle an der Kontrolleinheit ausgetauscht werden.
Auf diese Weise wird eine Gestaltung des Abgasschalls im Sinne eines Sound-Designs
ermöglicht. Eine mikroprozessorgesteuerte Kontrolleinheit vereinfacht zudem den fahrzeugunabhängigen
Einbau des Abgasschalldämpfers, da bei gleichbleibender Hardware lediglich die Software
angepasst werden muss.
[0030] Es ist in Patentanspruch 15 ferner vorgesehen, dass das Steuerverhalten der Kontrolleinheit
einstellbar sein kann. Auf diese Weise wird es dem Fahrer nach Belieben ermöglicht,
über Schalter oder Drehregler auf das Geräusch des Fahrzeugs unmittelbar Einfluss
zu nehmen, z.B. um es besonders sportlich oder auch leise klingen zu lassen.
[0031] Gemäß Patentanspruch 16 ist der Wandler eine Schwingspule. Schwingspulen zeichnen
sich durch ihre kompakte Bauform und durch die Tatsache aus, dass sie nur wenige bewegte
Teile umfassen. Alternativ umfasst der Wandler des Patentanspruchs 17 einen Elektromotor,
an dessen Antriebswelle ein Exzenter befestigt ist, der über ein Pleuel mit der Membran
gekoppelt ist. Auf diese Weise lässt sich eine Schwingung der Membran in einer Frequenz
besonders einfach und auf robuste Weise erzeugen. Durch die Anordnung kann der Elektromotor
räumlich getrennt vom Abgasstrom angeordnet werden, so dass die thermische Beanspruchung
des Wandlers deutlich verringert wird. Ein Wandler, der unmittelbar an der Membran
befestigt ist, sollte besonders hitzebeständig ausgeführt sein (Patentanspruch 18).
[0032] Gemäß Patentanspruch 19 ist ein Gehäuse vorgesehen, wobei die Membran und der Wandler
im Gehäuse angeordnet sind. Das Gehäuse dient im Wesentlichen zwei Zwecken, und zwar
dem Schutz vor Umwelteinflüssen und zur Erleichterung der Montage, indem der Wandler
mit der Membran und dem Gehäuse als Baugruppe vorgefertigt in die Montage geliefert
werden kann.
[0033] Die Erfindung ist nachfolgend anhand von in den Zeichnungen schematisch dargestellten
Ausführungsbeispielen näher erläutert. Es zeigen:
- Figuren 1 und 2
- Längsschnitte durch zwei Ausführungsformen eines aktiven Abgasschalldämpfers.
[0034] In Figur 1 ist ein aktiver Abgasschalldämpfer 1 für eine abgasführende Rohrleitung
2 am Beispiel eines Kraftfahrzeuges dargestellt. Durch den aktiven Abgasschalldämpfer
1 wird der Schall des Abgases mit um 180° phasenverschobenem Kompensationsschall eines
Lautsprechers 3 überlagert und somit gedämpft bzw. ausgelöscht.
[0035] Der flache Lautsprecher 3 ist in einer seitlichen Öffnung 4 in der Wandung 5 der
abgasführenden Rohrleitung 2 eines nicht näher dargestellten Motors eingesetzt. Der
Lautsprecher 3 weist eine in einem Gehäuse 6 angeordnete Membran 7 und eine Schwingspule
8 auf. Die Membran 7 ist dünn und aus einem mehrschichtigen Material, so dass sie
eine besonders niedrige Koinzidenzfrequenz und ein breites Frequenzspektrum, innerhalb
dessen sie schwingt, aufweist. Die Abgasbeständigkeit und -dichtigkeit der Membran
7 wird dadurch gewährleistet, dass sie mit Metall bedampft ist. Die Membran 7 ist
so ausgerichtet, dass ihre Oberfläche 9 mit dem Abgasstrom AS in Kontakt kommt. Auf
der Rückseite der Membran 7 ist die Schwingspule 8 befestigt und regt die Membran
7 zu Schwingungen an, wobei sich dadurch Biegewellen an der dem Abgas zugewandten
Oberfläche 9 der Membran 7 ausbreiten. Die Schwingspule 8 ist ebenfalls hitzebeständig
ausgeführt. Der Lautsprecher 3 verfügt über genügend Potential um Kompensationsschall
in der benötigten Intensität zu erzeugen.
[0036] Der Lautsprecher 3 wird von einer mikroprozessorgesteuerten Kontrolleinheit 10 angesteuert,
die separat an der nicht näher dargestellten Karosserie des Fahrzeugs befestigt ist.
Diese verfügt über weitere Schnittstellen 11-16 für eine Sensorik, für eine Bedieneinheit
17, zum Datentransfer und zur Spannungsversorgung. Auf Basis der von der Sensorik
übermittelten Signale berechnet die Kontrolleinheit 10 eine Kompensationsschwingung.
Diese wird von einem Digital-/Analogwandler 18 in eine elektrische Schwingung umgewandelt
und von einem zur Kontrolleinheit gehörenden Verstärker 19 verstärkt, bevor sie an
den Lautsprecher 3 weitergeleitet wird. Die Berechnung der Kompensationsschwingung
erfolgt programmgesteuert. Die Programme sind über die Datentransferschnittstelle
12 austauschbar. Für unterschiedliche Fahrzeugtypen sind jeweils spezifische Programme
vorgesehen. Das Steuerverhalten der Kontrolleinheit 10 kann vom Fahrer über eine Bedieneinheit
17 modifiziert werden, z. B. um den Klang des Fahrzeugs eine sportliche oder sanfte
Note zu verleihen bzw. um das Fahrzeuggeräusch leiser oder lauter einzustellen.
[0037] Die Sensorik umfasst eine direkte Kopplung der Kontrolleinheit 10 mit einer Motorsteuerungselektronik
20, einen Temperatursensor 21 und ein Mikrofon 22, die an der abgasführenden Rohrleitung
2 befestigt sind. Die Signalübertragung erfolgt über geeignete Signalleitungen 27.
Von der Motorsteuerungselektronik 20 wird die Drehzahl und der Lastzustand des Motors
über eine spezielle Ausgangsschnittstelle 23 an die Kontrolleinheit 10 übertragen.
Der Temperatursensor 21 nimmt die Temperatur des Abgasstroms AS in der Rohrleitung
2 in unmittelbarer Nähe des Lautsprechers 3 auf. Er ist abgasbeständig ausgeführt.
Das abgasbeständige Mikrofon 22 ist stromaufwärts des Lautsprechers 3 in einer zweiten
Öffnung 24 in der Wandung 5 der Rohrleitung 2 eingesetzt.
[0038] Zur Beeinflussung des Fahrzeugklangs ist eine Bedieneinheit 17 vorgesehen. Diese
ist so angeordnet, dass sie vom Fahrer beim Fahren betätigt werden kann. Sie umfasst
Schalter 25 und Drehregler 26. Die Bedieneinheit 17 ist über eine Signalleitung 27
mit der Kontrolleinheit 10 gekoppelt.
[0039] Der in der Figur 2 dargestellte Abgasschalldämpfer 1 entspricht vom grundsätzlichen
Aufbau dem zuvor beschriebenen. Von daher sind einander entsprechende Bauteile bzw.
Bauteilkomponenten mit den gleichen Bezugszeichen versehen.
[0040] Der Unterschied zwischen den Ausführungsvarianten von Figur 1 und Figur 2 besteht
darin, dass der Lautsprecher 3 an einem Resonator 28 befestigt ist, der in die seitliche
Öffnung 4 in der Wandung 5 der abgasführenden Rohrleitung 2 eingesetzt ist. Der Resonator
28 ist trichterförmig ausgeführt und besteht aus Blech. Die Membran 7 ist nunmehr
im Abstand A von der Öffnung 4 angeordnet. Der von der Membran 7 erzeugte Schall breitet
sich im Resonator 28 aus und überlagert sich in der Rohrleitung 2 mit dem Abgasschall,
nachdem er die Öffnung 4 passiert hat.
Bezugszeichen:
[0041]
- 1 -
- Abgasschalldämpfer
- 2 -
- Rohrleitung
- 3 -
- Lautsprecher
- 4 -
- Öffnung
- 5 -
- Wandung
- 6-
- Gehäuse
- 7-
- Membran
- 8 -
- Schwingspule
- 9-
- Oberfläche
- 10-
- Kontrolleinheit
- 11 -
- Schnittstelle zur Motorelektronik
- 12 -
- Datentransferschnittstelle
- 13 -
- Mikrofoneingang
- 14 -
- Schnittstelle für Temperatursensor
- 15 -
- Eingang für Spannungsversorgung
- 16 -
- Schnittstelle für Bedieneinheit
- 17 -
- Bedieneinheit
- 18 -
- Digital-/Analogwandler
- 19 -
- Verstärker
- 20 -
- Motorsteuerungselektronik
- 21 -
- Temperatursensor
- 22 -
- Mikrofon
- 23 -
- Ausgangsschnittstelle
- 24 -
- Öffnung
- 25 -
- Schalter
- 26 -
- Drehregler
- 27 -
- Signalleitung
- 28 -
- Resonator
- A -
- Abstand
- AS -
- Abgasstrom
1. Aktiver Abgasschalldämpfer für abgasführende Rohrleitungen, mit einer Sensorik (20-22),
welche mit einer einen Wandler (8) ansteuernden Kontrolleinheit (10) verbunden ist,
dadurch gekennzeichnet, dass eine abgasbeständige und abgasdichte Membran (7) vorgesehen ist, die mit dem Abgasstrom
(AS) in der abgasführenden Rohrleitung (2) akustisch gekoppelt ist, wobei die dem
Abgasstrom (AS) zugewandte Oberfläche (9) der Membran (7) durch den Wandler (8) in
Biegeschwingungen versetzbar ist, zur Erzeugung von auf den Abgasschall abgestimmten
Körperschall.
2. Abgasschalldämpfer nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Membran (7) in einer Öffnung (4) in der Wandung (5) der abgasführenden Rohrleitung
(2) angeordnet ist.
3. Abgasschalldämpfer nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass an eine Öffnung (4) in der Wandung (5) der abgasführenden Rohrleitung (2) ein Resonator
(28) angeschlossen ist, wobei die dem Resonator (28) zugeordnete Membran (7) im Abstand
(A) zu der Öffnung (4) angeordnet ist.
4. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Membran (7) eben ausgeführt ist.
5. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Membran (7) in Anpassung an die Kontur der Wandung (5) der abgasführenden Rohrleitung
(2) ausgeführt ist.
6. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Membran (7) auf der dem Abgasstrom (AS) zugewandten Oberfläche (9) mit Metall
bedampft ist.
7. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Membran (7) auf der dem Abgasstrom (AS) zugewandten Oberfläche (9) mit einer
Edelstahlfolie bedeckt ist.
8. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Kontrolleinheit (10) mit einer Motorsteuerungselektronik (20) gekoppelt ist.
9. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Sensorik einen Temperatursensor (21) zur Messung der Abgastemperatur in der abgasführenden
Rohrleitung (2) umfasst.
10. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Sensorik einen Drosselklappensensor zur Erfassung der Drosselklappenstellung
umfasst.
11. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Sensorik einen Drehzahlsensor zur Erfassung der Motordrehzahl umfasst.
12. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 11, d ad u rch gekennzeichnet, dass die Sensorik einen Drucksenor, vorzugsweise ein Mikrofon (22), zur Erfassung
des Abgasschalls in der abgasführenden Rohrleitung (2) umfasst.
13. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Kontrolleinheit (10) mikroprozessorgesteuert ist.
14. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Kontrolleinheit (10) einen Verstärker (19) umfasst.
15. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass das Steuerverhalten der Kontrolleinheit (10) einstellbar ist.
16. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass der Wandler eine Schwingspule (8) ist.
17. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass der Wandler (8) einen Elektromotor umfasst, an dessen Antriebswelle ein Exzenter
befestigt ist, der über ein Pleuel mit der Membran (7) gekoppelt ist.
18. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass der Wandler (8) hitzebeständig ausgeführt ist.
19. Abgasschalldämpfer nach einem der Ansprüche 1 bis 18, dadurch gekennzeichnet, dass ein Gehäuse (6) vorgesehen ist, wobei die Membran (7) und der Wandler (8) im Gehäuse
(6) angeordnet sind.