[0001] Die Erfindung betrifft eine Röntgenlinse zur Fokussierung von Röntgenstrahlen.
[0002] Röntgenlinsen zur Fokussierung von Röntgenstrahlen bestehen im Allgemeinen aus einer
großen Anzahl N einzelner fokussierender Elemente, die als Linsenelemente bezeichnet
werden.
[0003] Aus A. Snigirev, V. Kohn, I. Snigireva, A. Souvorov und B. Lengeler,
Focussing high-energy x rays by compound refractive lenses, Applied Optics, Band 37, 1998, S. 653-662, sind Linsenelemente bekannt, die ein parabolisches
Profil aufweisen, das sich mittels der Gleichung

beschreiben lässt. Hierbei bezeichnen x die Parabelachse und
1/
2r den Halbparameter der Parabel (siehe z. B. Bronstein, Semendjajew,
Taschenbuch der Mathematik, 20. Aufl. 1981, S. 278)
[0004] Unter Berücksichtigung des Realteils
δ der Brechzahl
n =1+iβ - δ ergibt sich für diese Art von Röntgenlinsen bei einer Wellenlänge
λ die Fokalfleckgröße
σ zu

wobei
F die Brennweite des Linsenelements und
E die Photonenenergie bezeichnen und für δ(E) ~
E-2 gilt. Bei Wellenlängen im Bereich der Röntgenstrahlung, d.h. etwa zwischen 0,01 und
1 nm lassen sich damit im Idealfall Fokalflecke mit einer Größe σ unterhalb von 0,1
µm realisieren.
[0005] Die Fokaltiefe
FWHM ist ein Maß für den Energiebereich, in dem die Linse als fokussierend angesehen werden
kann, und ist für Linsen mit einem parabolischen Profil Y(x) nach Gleichung 1 definiert
durch

[0006] Bei bekannten Röntgenlinsen beträgt diese nur wenige Millimeter, was einem Energiebereich
von 0,1 % der Nennenergie, d.h. einigen Elektronenvolt (eV), entspricht.
[0007] Röntgenspektroskopische Untersuchungen erfordern jedoch über einen breiten Energiebereich
der Photonen, vorzugsweise über einige keV an einem festen Ort, an dem sich insbesondere
die zu analysierende Probe befindet, eine konstante Größe des Fokalflecks, die geringer
als 1 µm sein soll. Beispielsweise beträgt bei EXAFS-Untersuchungen der abzudeckende
Energiebereich Δ
E ca. 1 keV, bei XANES-Untersuchungen ca. 100 eV.
[0008] Die Brennweite einer Linse mit einer großen Fokaltiefe lässt sich mittels der Gleichung

definieren, wobei

die von der Linsenmitte bis zur Fokalfleckmitte gemessene Brennweite,

den über die Linsenapertur gemittelten Krümmungsradius und N die Anzahl der fokussierenden
Elemente der Linse bezeichnen. Nach Gleichung 4 befindet sich die Probe über eine
Fokaltiefe Δ
F innerhalb des Fokalflecks, wenn die Energie um den Betrag

variiert. Wird für E ein mittlerer Wert von 12,7 keV und eine typische Brennweite
von 18 cm gewählt, dann ergibt sich eine Fokaltiefe von ΔF = 2,8 cm für den bei EXAFS-Untersuchungen
abzudeckenden Energiebereich ΔE von ca. 1 keV.
[0009] Ausgehend davon ist es die Aufgabe der Erfindung, Röntgenlinsen bereitzustellen,
die die einfallende Röntgenstrahlung über einen großen Energiebereich an einem festen
Ort fokussieren. Insbesondere soll eine Röntgenlinse angegeben werden, die bei einer
festen Energie über eine mehrere Zentimeter große Fokaltiefe einen Fokalfleck mit
einer Halbwertsbreite von weniger als 1 µm aufweist, wobei die Grenzen der Fokaltiefe
durch diejenigen Stellen festgelegt sind, an denen die Halbwertsbreite des Fokalflecks
größer als 1 µm wird.
[0010] Diese Aufgabe wird gelöst durch die Merkmale des Patentanspruchs 1. Die Unteransprüche
beschreiben vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung.
[0011] Eine erfindungsgemäße Röntgenlinse umfasst eine Vielzahl, vorzugsweise zwischen 100
und 1000 von Linsenelementen, die je ein Profil aufweisen, das sich durch die Gleichung

beschreiben lässt. Gleichung 6 bedeutet, dass das parabolische Profil gemäß Gleichung
1 durch eine Funktion
f(x) moduliert wird und somit ein quasiparabolisches Profil vorliegt.
[0012] Vorzugsweise handelt es sich bei der Funktion
f(x) um eine periodische Funktion, die gewährleistet, dass neben dem gewollten Fokalfleck
keine weiteren lokalen Strahlungsmaxima in benachbarten Gebieten auftreten.
[0013] In einer bevorzugten Ausgestaltung zeichnet sich das quasiparabolische Profil dadurch
aus, dass die Funktion
f(x) auf einem Parabelstück (Parabelabschnitt) monoton abnimmt und auf dem hierzu benachbarten
Parabelstück monoton anwächst, um auf dem hierzu benachbarten Parabelstück wieder
monoton abzunehmen usw. Unter einem Parabelstück wird ein Abschnitt von
Y(x) für einen abgegrenzten Wertebereich von
x z.B. zwischen
xo und
xo +
l /2 und verstanden, wobei
l /2 die Länge des Parabelstücks bezeichnet.
[0014] In einer bevorzugten Ausgestaltung sind die Längen
l /2 dieser Parabelabschnitte annährend gleich. Durch die Wahl des Wertes der Länge
der Parabelabschnitte
l /2 wird die Homogenität der Intensitätsverteilung in der Fokaltiefe festgelegt. Um
eine möglichst gute Homogenität zu erzielen, sollte dieser Wert zwischen 0,1 µm und
5 µm liegen.
[0015] In einer bevorzugten Ausgestaltung wird für
f(x) eine Sägezahnfunktion ausgewählt. Diese ist allgemein charakterisiert durch die
Beziehungen

wobei der Parameter
α, der die Amplitude der Sägezahnfunktion bezeichnet, zur Einstellung der Fokaltiefe
dient.
n gibt die laufende Nummer des betrachteten Parabelabschnitts an. Alternativ lässt
sich eine Sägezahnfunktion
f(x) in einer Reihenentwicklung wie folgt darstellen:

[0016] In einer weitere Ausgestaltung wird das Profil der Sägezahnfunktion durch eine Funktion
g(x) derart modifiziert, dass sich die Funktion

ergibt, wobei
a die Amplitude der Funktion bezeichnet und g(x) ≈ 1 ist. Durch diese Korrektur lässt
sich die Intensität im Fokalfleck homogenisieren.
[0017] Um erfindungsgemäße Röntgenlinsen zu erhalten, die über eine mehrere Zentimeter große
Fokaltiefe einen Fokalfleck mit einer Halbwertsbreite von weniger als 1 µm aufweisen,
sollte der Parameter
α, durch den die Fokaltiefe eingestellt wird, größer als 1 µm und kleiner als 40 µm
sein.
[0018] In einer alternativen Ausgestaltung wird als sägezahnartige Funktion die Funktion

gewählt. Hiermit lässt sich eine sehr homogene Intensitätsverteilung über die gesamte
Fokaltiefe erzielen. Die Parameter in Gleichung 10 nehmen bevorzugt die folgenden
Werte an: Amplitude
α zwischen 1 µm und 25 µm, b zwischen 0 und 3,
α zwischen 0 und 0,1 und
ϕ zwischen 0 und
π/2.
[0019] Erfindungsgemäße Röntgenlinsen zeigen im Gegensatz zu herkömmlichen Röntgenlinsen
mit parabolischem Profil eine deutlich vergrößerte Fokaltiefe. Die Konstanz der Fokalfleckbreite
über eine gewisser Fokaltiefen erlaubt röntgenspektroskopische Untersuchungen innerhalb
eines weiten Energiebereichs, d.h. über einige keV, durchzuführen, ohne dass der beleuchtete
Bereich seine Form und Größe ändert, d.h. die spektroskopische Information kommt für
alle Energien innerhalb des Energiebereichs aus dem gleichen Probevolumen.
[0020] Die Erfindung wird im Folgenden anhand von Ausführungsbeispielen mit Hilfe der Abbildungen
näher erläutert.
[0021] Die experimentellen Untersuchungen wurden bei einer Energie von E = 15 keV an der
European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) durchgeführt. Für die Berechnungen wurde das Programm MATHCAD© eingesetzt.
[0022] Für
Fig. 1a-d wurde zur Modellierung des parabolischen Linsenprofils die lineare, d.h. nichtperiodische
Funktion
f(x)
- a x verwendet. Für die Parameter der Röntgenlinse in den
Fig.
1a-c wurden die folgenden Werte gewählt:
r = 55 µm;
α = 0,0417
r ; Energie der Röntgenstrahlung
E = 12,7 keV; Linsenapertur A = 150 µm und Anzahl der Linsenelemente
N = 153.
[0023] Fig. 1a zeigt die Intensitätsverteilungen im Bereich des Fokalflecks,
Fig. 1b die Halbwertsbreite über den Fokalbereich und
Fig. 1c die Intensitätsverteilung über die Breite des Fokalflecks an verschiedenen Stellen
im Fokalbereich.
[0024] Fig. 1d zeigt die experimentell bestimmte Fokaltiefe [■] und Intensität [*] einer erfindungsgemäßen
Röntgenlinse mit einer nichtperiodischen linearen Funktion
f(x)
= αx. Hierfür wurde eine Linse mit den Parametern
r = 65 µm,
α = 0,0267
r Linsenapertur A = 150 µm und Anzahl der Linsenelemente N = 153 verwendet. Der Bereich
konstanter Fokalfleckgröße bei akzeptabler Intensitätsschwankung erstreckt sich bei
einer Halbwertsbreite von ca. 3 µm zwischen 18,2 cm und 21, 7 cm, d.h. über eine Fokaltiefe
von ca. 3,5 cm.
[0025] In den
Fig. 2a-b wurde zur Modellierung des parabolischen Linsenprofils eine modifizierte Sägezahnfunktion
nach Gleichung 9 mit folgenden Parametern eingesetzt:
r = 91,75 µm;
α = 0,08278
r ; E = 12,7 keV; A = 150 µm;
N = 153,
l = 5 µm.
[0026] Fig. 2a hierbei die Intensitätsverteilungen im Bereich des Fokalflecks.
Fig. 2b zeigt die Halbwertsbreite über den Fokalbereich und sich anschließender Bereiche
für eine Funktion gemäß Gleichung 8. Aus
Fig. 2b kann entnommen werden, dass die Röntgenlinse über eine Fokaltiefe von 3,7 cm einen
Fokalfleck mit einer Halbwertsbreite von kleiner 1 µm aufweist. Innerhalb einer Fokaltiefe
von 1 cm schwankt die Halbwertsbreite lediglich um 0,2 µm.
[0027] In
Fig. 3a-b wurde zur Modellierung des parabolischen Linsenprofils eine Funktion gemäß Gleichung
9 mit folgenden Parametern ausgewählt:
r = 100 µm;
α = 0,08575r;
l = 1,3 µm; E = 12,2 keV;
N = 153.
[0028] Fig. 3a zeigt die Intensitätsverteilungen im Bereich des Fokalflecks.
Fig. 3b zeigt die Halbwertsbreite über den Fokalbereich und sich anschließender Bereiche
für eine Funktion gemäß Gleichung 9. Aus
Fig. 3b kann entnommen werden, dass diese Röntgenlinse über eine Fokaltiefe von 3,7 cm einen
Fokalfleck mit einer Halbwertsbreite von kleiner 1 µm aufweist. Innerhalb einer Fokaltiefe
von 1 cm schwankt die Halbwertsbreite weniger als 0,05 µm.
1. Röntgenlinse zur Fokussierung von Röntgenstrahlen, umfassend eine Vielzahl von Linsenelementen,
die je ein moduliertes parabolisches Profil
Y(x) aufweisen, das der Gleichung

genügt, wobei
x die Parabelachse,
1/
2r den Halbparameter der Parabel und
f(x) eine von Null verschiedene Funktion bezeichnen.
2. Röntgenlinse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei der Funktion f(x) um eine periodische Funktion handelt, die auf einem Parabelstück monoton sinkt und
auf dem hierzu benachbarten Parabelstück monoton steigt.
3. Röntgenlinse nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Längen der Parabelstücke annährend gleich sind.
4. Röntgenlinse nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass f(x) eine Sägezahnfunktion darstellt.
5. Röntgenlinse nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass f(x) eine modifizierte Sägezahnfunktion darstellt, für die

gilt, wobei
a die Amplitude der Sägezahnfunktion,
l/2 die Länge der Parabelstücke und g(x) ≈ 1 eine Profilkorrektur darstellt.
6. Röntgenlinse nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Amplitude a einen Wert zwischen 1 µm und 40 µm und die Länge l einen Wert zwischen 0,1 µm und 5 µm annimmt.
7. Röntgenlinse nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass f(x) eine modifizierte Sägezahnfunktion darstellt, für die

gilt, wobei b,
α und
ϕ Parameter dieser Funktion bezeichnen.
8. Röntgenlinse nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Amplitude α einen Wert zwischen 1 µm und 25 µm, die Länge l einen Wert zwischen 0,1 µm und 5 µm und die Parameter b einen Wert zwischen 0 und
3, α einen Wert zwischen 0 und 0,1 sowie ϕ einen Wert zwischen 0 und π/2 annehmen.