[0001] Die Erfindung betrifft eine Substanz, die aus einem Wirkstoff, nämlich ein Zytostatikum,
und mindestens einem kovalent proteinbindenden Molekülrest, nämlich eine Maleinimidgruppe,
der an den Wirkstoff durch einen Spacer gebunden ist, besteht, worin der Spacer oder
die Bindung zwischen dem Spacer und dem Wirkstoff pH-abhängig, hydrolytisch oder enzymatisch
im Körper spaltbar ist, zur Verwendung als injizierbares Arzneimittel. Nach dem Zusammenbringen
mit dem Körper bindet die Substanz über das proteinbindende Molekül kovalent an Körperflüssigkeits-
oder Gewebebestandteile, so daß eine Transportform des Wirkstoffs vorliegt, der pH-abhängig,
hydrolytisch oder enzymatisch im Körper unter Freisetzung des Wirkstoffs spaltbar
ist.
[0002] Der Großteil der zur Zeit eingesetzten Pharmaka sind niedermolekulare Verbindungen
und weisen nach systemischer Applikation eine hohe Plasmasowie Gesamtclearance auf.
Des weiteren dringen sie aufgrund von Diffusionsvorgängen in die Gewebestrukturen
des Körpers ein und weisen in der Regel eine gleichmäßige Bioverteilung auf. Beide
Eigenschaften führen dazu, daß nur geringe Mengen des Pharmakons den Wirkort erreichen
und das Pharmakon aufgrund seiner Verteilung auf das gesunde Gewebe des Körpers Nebenwirkungen
hervorruft. Diese Nachteile sind besonders bei solchen Pharmaka ausgeprägt, die ein
hohes zytotoxisches Potential besitzen, wie etwa Zytostatika, Immunsuppressiva oder
Virostatika.
[0003] Um die Selektivität von niedermolekularen Pharmaka zu verbessern, werden mehrere
Strategien verfolgt, beispielsweise die chemische Derivatisierung von Leitstrukturen,
die Formulierung als Prodrugs oder die Kopplung der Pharmaka an Trägermoleküle. Die
vorliegende Erfindung geht von solchen Konzepten aus, bei denen Pharmaka an körpereigene
Makromoleküle chemisch gebunden wurden. Bekannt sind Konjugate, bei denen im allgemeinen
Zytostatika an Serumproteine, vorwiegend an bestimmte Trägermoleküle wie Humanserumalbumin
und Humanserumtransferrin, gebunden werden und dann verabreicht werden. Diese bekannten
Proteinkonjugate werden dadurch hergestellt, daß man ex vivo entweder in einem "Eintopfverfahren"
das Zytostatikum an das Serumprotein koppelt (
DE 41 22 210 A1) und das resultierende Albumin-Zytostatikum-Konjugat gewinnt oder daß man zunächst
das Zytostatikum mit einem geeigneten Spacermolekül derivatisiert, das resultierende
Produkt isoliert und in einem zweiten Schritt das so derivatisierte Zytostatikum über
eine Maleinimidgruppe an das Protein koppelt (
DE 196 36 889 A1 und
PCT/DE 97/02000) und das resultierende Albumin-Zytostatikum-Konjugat isoliert. Beide Verfahren haben
den Nachteil, daß Plasmaproteine verwendet werden, die pathogene Erreger enthalten
können. Weitere Nachteile der beschriebenen Protein-Wirkstoff-Konjugate sind ihre
unbefriedigende Stabilität und Lagerbeständigkeit und der technische Aufwand ihrer
Herstellung.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, diese Nachteile zu überwinden. Gelöst wird
diese Aufgabe durch eine Substanz, die aus einem Wirkstoff, nämlich ein Zytostatikum,
und mindestens einem kovalent proteinbindenden Molekülrest, nämlich eine Maleinimidgruppe,
der an den Wirkstoff durch einen Spacer gebunden ist, besteht,
worin der Spacer oder die Bindung zwischen dem Spacer und dem Wirkstoff pH-abhängig,
hydrolytisch oder enzymatisch im Körper spaltbar ist, zur Verwendung als injizierbares
Arzneimittel. Bei der Spaltung wird der Wirkstoff oder ein Derivat des Wirkstoffes
freigesetzt. Unter einem Wirkstoffderivat werden Substanzen verstanden, die den Wirkstoff
umfassen, jedoch zusätzlich Teile des Spacers oder der Gruppen, über die der Wirkstoff
mit dem proteinbindenden Molekül gebunden war, enthalten können. Die Wirksamkeit des
Wirkstoffs sollte durch seine Freisetzung als Derivat nicht beeinträchtigt werden.
Vorzugsweise entfaltet der Wirkstoff bzw. dessen Derivat seine Wirksamkeit erst nach
der Freisetzung.
[0005] Die Erfindung beruht auf der überraschenden Feststellung, daß es nicht, wie bisher
angenommen wurde, nötig ist, einen Wirkstoff mit einem bestimmten Träger unter definierten
Bedingungen zu verbinden und das Produkt zu verabreichen, sondern daß es möglich ist,
therapeutisch und/oder diagnostisch wirksame Substanzen, bestehend aus einem pharmakologischen
Wirkstoff, und wenigstens einem proteinbindenden Molekülteil, die durch einen Spacer
miteinander verbunden sind, direkt als injizierbare Arzneimittel einzusetzen, da diese
nach dem Zusammenbringen mit dem Körper über das proteinbindende Molekül kovalent
derart an Körperflüssigkeits- oder Gewebebestandteile, vorwiegend an Serumproteine,
binden, daß in vivo eine Transportform des Wirkstoffs gebildet wird, welche die Zielzellen
bzw. das Zielgewebe des Wirkstoffs erreicht. Da erfindungsgemäß bei der therapeutisch
wirksamen Substanz die Bindung im Spacermolekül oder zwischen dem Wirkstoff und dem
Spacermolekül pH-abhängig, hydrolytisch oder enzymatisch im Körper spaltbar ist, wird
der Wirkstoff trotzdem gezielt am gewünschten Zielort freigesetzt.
[0006] Erfindungsgemäß erhaltene Substanzen verändern und verbessern aufgrund ihrer proteinbindenden
Eigenschaften das pharmakokinetische Profil der Wirkstoffe entscheidend. Wenn diese
therapeutisch wirksame Substanzen in Körperflüssigkeiten gelangen, binden sie kovalent
an Körperflüssigkeits- oder Gewebebestandteile, vorzugsweise an Serumproteine, mehr
bevorzugt an Serumalbumin, um so als makromolekulare Prodrugs vorzuliegen, die den
Wirkstoff zu dem Zielort transportieren und/oder ihn in einer dosierten Form freisetzen.
[0007] Die erfindungsgemäß erhaltene therapeutisch wirksame Substanz besteht aus einem Wirkstoff
W, einem Spacermolekül SM und wenigstens einem proteinbindenden Molekül PM mit folgender
allgemeiner Struktur:

[0008] Zusätzlich kann die erhaltene Substanz Markierungsgruppen bzw. markierte Elemente
oder Moleküle aufweisen, wobei sich die Substanz dann insbesondere für diagnostische
Zwecke eignet. Bevorzugte Marker sind ein oder mehrere Radionuklide, ein oder mehrere
Radionuklide umfassende Liganden, eine oder mehrere Positronenstrahler, ein oder mehrere
NMR-Kontrastmittel, ein oder mehrere fluoreszierende Verbindung(en) oder/und ein oder
mehrere Kontrastmittel im nahen IR-Bereich.
[0009] Ein Diagnostikum ist beispielsweise ein wie oben beschrieben markierter Wirkstoff
oder ein oder mehrere fluoreszierende Verbindung(en) oder/und ein oder mehrere Kontrastmittel
im nahen IR-Bereich.
[0010] Bevorzugte Zytostatika für die Herstellung von injizierbaren therapeutisch wirksamen
Substanzen gemäß der vorliegenden Erfindung sind die Anthrazykline Doxorubicin, Daunorubicin,
Epirubicin, Idarubicin, Mitoxantron und Ametantron sowie verwandte Derivate, die Alkylantien
Chlorambucil, Bendamustin, Melphalan und Oxazaphoshorine sowie verwandte Derivate,
die Antimetabolite Methotrexat, 5-Fluorouracil, 5 '-Desoxy-5-fluorouridin und Thioguanin
sowie verwandte Derivate, die Taxane Paclitaxel und Docetaxel sowie verwandte Derivate,
die Camptothecine Topotecan, Irinotecan, 9-Aminocamptothecin und Camptothecin sowie
verwandte Derivate, die Podophyllotoxinderivate Etoposid, Teniposid und Mitopodozid
sowie verwandte Derivate, die Vinca-Alkaloide Vinblastin, Vincristin, Vindesin und
Vinorelbin sowie verwandte Derivate, die Calicheamicine, die Maytansinoide und eine
Verbindung der allgemeinen Formel I bis XII:

wobei X das Spacermolekül SM oder das proteinbindende Molekül PM bedeutet.
[0011] Das Spacermolekül SM ist ein organisches Molekül bestehend aus einer aliphatischen
Kohlenstoffkette und/oder einem aliphatischen Kohlenstoffring und/oder mindestens
einem Aromaten. Die/der aliphatische Kohlenstoffkette/-ring besteht vorzugsweise aus
1-12 Kohlenstoffatomen, die teilweise durch Sauerstoffatome ersetzt sein können, und
kann gegebenenfalls substituiert sein, insbesondere durch eine oder mehrere wasserlösliche
Gruppen, wie Sulfonsäure-, Aminoalkyl- oder Hydroxygruppen. Der Aromat ist vorzugsweise
ein Benzolring, der gegebenenfalls substituiert sein kann, wie etwa mit den obengenannten
wasserlöslichen Gruppen. Die aliphatische Kohlenstoffkette kann zur besseren Wasserlöslichkeit
Sauerstoffatome enthalten und sich dazu zweckmäßig von einer Oligoethylenoxid- oder
-propylenoxidkette ableiten, z.B. eine Diethylenglycol-, Triethylenglycol-oder Dipropylenglycolkette
sein.
[0012] Das proteinbindende Molekül PM ist eine Maleinimidgruppe. Eine Halogenacetamidgruppe,
eine Halogenacetatgruppe, eine Pyridyldithio-Gruppe, eine N-Hydroxysuccinimidester-oder
eine Isothiocyanat-Gruppe werden als proteinbindendes Molekül beschrieben. Es kann
auch eine Disulfidgruppe, eine Vinylcarbonylgruppe, eine Aziridingruppe oder eine
Acetylengruppe sein. Die Disulfidgruppe kann aktiviert sein, in der Regel dadurch,
daß eine Thionitrobenzoesäure (z.B. 5'-Thio-2-Nitrobenzoesäure) die austauschbare
Gruppe darstellt. Die Gruppen können gegebenenfalls substituiert sein. Die Maleinimid-,
kann gegebenenfalls mit Alkyl oder mit den obengenannten wasserlöslichen Gruppen substituiert
sein. PM besitzt proteinbindende Eigenschaften, d.h. es bindet im physiologischen
Milieu kovalent an bestimmte Aminosäuren auf der Proteinoberfläche. Dabei reagiert
die Maleinimid-Gruppe, vorzugsweise mit HS-Gruppen von Cysteinen.
[0013] Die therapeutisch wirksame Substanz gelangt nach parenteraler Applikation in die
Blutbahn und kann über PM an Proteine binden. Bevorzugt erfolgt die Bindung an Serumproteine,
insbesondere Serumalbumin. Es wurde gefunden, daß im physiologischen Milieu die therapeutisch
wirksame Substanz über die Maleinimid-Gruppe, insbesondere mit dem freien Cystein-34
des Albumins reagiert und auf diesem Weg kovalent gebunden wird. Serumproteine, wie
Albumin oder Transferrin, weisen eine ausgesprochen lange Halbwertszeit im systemischen
Kreislauf auf (bis zu 19 Tagen -
Peters, T. Jr. (1985): Serum albumin. Adv. Protein. Chem. 37, 161-245). Aufgrund einer erhöhten Permeabilität von Gefäßwänden des malignen, infizierten
bzw. entzündeten Gewebes für Makromoleküle gelangt Serumalbumin bevorzugt in dieses
Zielgewebe (
Maeda, H.; Matsumura, Y. Crit. Rev. Ther. Drug Carrier Sys. (1989), 6, 193-210). Dadurch kann ein an Albumin gekoppelter Wirkstoff gezielter den Wirkort erreichen.
Des weiteren verhindert die kovalente Kopplung des Wirkstoffs an Serumproteine in
der Blutbahn, daß der Wirkstoff in gesunde Gewebestrukturen des Körpers diffundiert
oder über die Niere eliminiert wird bzw. diese in dem Maße schädigt wie der nicht
gebundene Wirkstoff. Dadurch wird das pharmakokinetische Profil des Wirkstoffs verändert
und verbessert, da seine Wirkung durch eine Anreicherung am Wirkort erhöht wird und
gleichzeitig die toxischen Wirkungen auf gesunde Systeme des Körpers verringert werden.
[0014] Die gemäß der vorliegenden Erfindung verwendeten therapeutischwirksamen Substanzen
enthalten im Spacermolekül oder zwischen SM und W eine definierte chemische Bindung.
Diese Bindung ist pH-abhängig, vorzugsweise säurelabil, spaltbar bzw. hydrolytisch
spaltbar, oder sie enthält mindestens eine Bindung, die im Körper enzymatisch gespalten
wird, vorzugsweise eine Peptidbindung.
[0015] Bindungen, die durch Hydrolyse unter Freisetzung des Wirkstoffs gespalten werden,
sind beispielsweise Esterbindungen oder Metallkomplexbindungen, wie sie bei Platin-Dicarboxylat-Komplexen
vorliegen, wobei ein Diammindiaquo-Platin(II)-Komplex freigesetzt wird. Die säurelabilen
spaltbaren Bindungen sind Acetal-, Ketal-, Imin-, Hydrazon, Carboxylhydrazon- oder
Sulfonylhydrazonbindungen oder cis-Aconitylbindungen oder eine Tritylgruppe enthaltende
Bindungen, wobei die Tritylgruppe substituiert oder nicht substituiert sein kann.
Bevorzugte therapeutisch relevante säurelabile Bindungen sind beispielsweise in
Kratz et al. (1990) Crit. Rev. Ther. Drug. Car.Sys. 16 (3), 245-288 beschrieben. Die Peptidsequenz in den realisierten Peptidbindungen besteht in der
Regel aus etwa 2-30 Aminosäuren. Die Peptidsequenz ist dabei vorzugsweise auf die
Substratspezifität bestimmter Enzyme, nachstehend als Targetenzyme bezeichnet, im
Körper zugeschnitten, so daß die Peptidsequenz oder ein Teil diese Sequenz von einem
Enzym im Körper erkannt wird und das Peptid gespalten wird. Gemäß einer weiteren Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung besteht die enzymatisch spaltbare Bindung aus einer Bindung,
die keine Peptidbindung ist. Beispiele sind Carbamatbindungen, die durch krankheitsspezifische
Enzyme, z.B. Glutathion-S-Transferasen, Glucuronidasen, Galactosidasen, den Wirkstoff
oder ein Wirkstoffderivat freisetzen. Es ist auch ohne weiteres möglich, daß eine
enzymatisch spaltbare Bindung aus einer Peptidsequenz und einer der obengenannten
Bindungen, die keine Peptidbindung ist, aufgebaut ist. Die Targetenzyme können sowohl
körpereigene Enzyme sein oder Enzyme, die in Mikroorganismen vorkommen bzw. von diesen
gebildet werden.
[0016] Die Targetenzyme sind in der Regel Proteasen, Serinproteasen, Plasminogenaktivatoren
und Peptidasen, beispielsweise Matrix-Metalloproteasen (MMP) oder Cysteinproteasen,
die bei Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Krebs verstärkt gebildet oder
aktiviert sind, was zum exzessiven Gewebeabbau, zu Entzündungen und zur Metastasierung
führt. Targetenzyme sind insbesondere MMP 2, MMP3 und MMP 9, die als Proteasen bei
den genannten pathologischen Prozessen beteiligt sind (
Vassalli, J., Pepper, M.S. (1994), Nature 370, 14-15,
Brown, P.D. (1995), Advan Enzyme Regul. 35, 291-301).
[0017] Weitere Proteasen, die Targetenzyme für therapeutisch wirksame Substanzen der vorliegenden
Erfindung darstellen, sind Cathepsine, insbesondere Cathepsin B, H und L, die als
Schlüsselenzyme bei entzündlichen und malignen Erkrankungen identifiziert worden sind.
[0018] Die oben genannten Bindungstypen gewährleisten, daß der Wirkstoff oder ein entsprechend
aktives Derivat am Wirkort extrazellulär und/oder intrazellulär nach Aufnahme des
Konjugats durch die Zelle freigesetzt wird und seine therapeutische entfalten kann.
[0019] Die Spaltung kann auch dergestalt ablaufen, dass nicht der Wirkstoff als solcher
abgespalten wird, sondern ein Derivat des Wirkstoffs. Ein solches Derivat enthält
somit den Wirkstoff sowie daran gebundene Gruppen, die aus dem Spacermolekül stammen,
je nachdem, an welcher Stelle die gewünschte Spaltung erfolgt ist.
[0020] Die therapeutischwirksame Substanz kann gemäß einer der untenstehenden allgemeinen
Beschreibungen hergestellt werden:
[0021] Wirkstoffe, die eine HOOC-Gruppe besitzen, werden folgendermaßen derivatisiert:

[0022] Die Veresterung erfolgt dabei durch übliche Verfahren, die dem Fachmann geläufig
sind.
[0023] Es ist weiterhin möglich, die HOOC-Gruppe in eine Hydrazidgruppe zu überführen, z.B.
durch Umsetzen mit tert.-Alkylcarbazaten und anschließende Spaltung mit Säuren (beschrieben
in
DE 196 36 889), und das eine Hydrazidgruppe aufweisende Pharmakon mit einem eine Carbonylkomponente
enthaltenen Spacer, bestehend aus PM und SM, umzusetzen, wie u.a. in
DE 196 36 889 A1 bzw.
PCT/DE 97/02000 beschrieben ist:

R = H, Alkyl, Phenyl, substituiertes Phenyl
[0024] Wirkstoffe der vorliegenden Erfindung, die eine H
2N-Gruppe besitzen, werden folgendermaßen derivatisiert:

R = H, Alkyl, Phenyl, substituiertes Phenyl
[0025] Die Reaktion zu den Iminderivaten erfolgt dabei durch übliche Verfahren, die dem
Fachmann geläufig sind.
[0026] Wirkstoffe der vorliegenden Erfindung, die eine HO-Gruppe besitzen, werden folgendermaßen
derivatisiert:

[0027] Die Veresterung erfolgt dabei durch übliche Verfahren, die dem Fachmann geläufig
sind.
[0029] Die Umsetzung zu den Carboxyhydrazon-, Sutfonythydrazon-, Hydrazon-bzw. Iminderivaten
erfolgt dabei gemäß Verfahren, die u.a. in
DE 196 36 889 A1 bzw.
PCT/DE 97/02000 beschrieben sind, oder durch übliche Verfahren, die dem Fachmann geläufig sind.
[0030] Es ist weiterhin möglich, eine HO-Gruppe oder eine NH
2-Gruppe eines Wirkstoffs in eine Carbonylkomponente zu überführen, z.B. durch Veresterung
bzw. Amidbildung mit einer Carbonsäure-tragenden Carbonylkomponente gemäß folgender
allgemeiner Formel:

wobei R eine aliphatische Kohlenstoffkette und/oder ein aliphatischer Kohlenstoffring
und/oder ein Aromat und R
1 = H, Alkyl-, Phenyl- oder eine substituierte Phenylgruppe ist. R besteht in der Regel
aus 1 bis 12 Kohlenstoffatomen, die gegebenenfalls substituiert sein können, z.B.
durch wasserlösliche Gruppen, wie Sulfonsäure-, Aminoalkyl- oder Hydroxygruppen. Der
Aromat ist in der Regel ein Benzolring, der gegebenenfalls substituiert sein kann,
wie etwa mit den oben genannten wasserlöslichen Gruppen.
[0031] Die Carbonylkomponente kann des Weiteren durch andere chemische Reaktionen eingeführt
werden, so z.B. durch eine elektrophile Substitution an der HO- oder NH
2-Gruppe des Wirkstoffs mit einer geeigneten Carbonylkomponente.
[0032] Die so derivatisierten Wirkstoffe, die nun eine Carbonylkomponente besitzen, werden
analog zu den oben beschriebenen Verfahren mit den proteinbindenden Spacermolekülen,
die eine Amino-, Hydrazid- oder Hydrazingruppe besitzen, zu den entsprechenden Carboxylhydrazon-,
Sulfonylhydrazon-, Hydrazon-bzw. Iminderivaten umgesetzt. Diesäurelabile Spaltung
dieser Bindungen führt demnach zu einer Freisetzung des derivatisierten Wirkstoffs,
der eine Carbonylkomponente besitzt.
[0033] Die Spacer, die aus dem proteinbindenden Molekül PM und dem Spacermolekül SM bestehen,
können z.B. gemäß Verfahren, die u.a. in
DE 196 36 889 A1,
U. Beyer et al. Chemical Monthly, 128, 91, 1997, R.S. Greenfield et al, Cancer Res., 50, 6600, 1990,
T. Kaneko et al., Bioconjugate Chem., 2, 133, 1991,
Bioconjugate Techniques, G.T. Hermanson, Academic Press, 1996 oder in
US-Patent 4,251,445 beschrieben sind, hergestellt werden.
[0034] Therapeutisch wirksame Substanzen für die vorliegende Erfindung, die eine Peptidbindung
enthalten, können dadurch hergestellt werden, daß ein Peptid, das aus 2 bis etwa 30
Aminosäuren besteht, mit einer proteinbindenden Verbindung umgesetzt wird, so daß
ein proteinbindendes Molekül direkt oder über ein Spacermolekül SM am N-terminalen
Ende des Peptids eingeführt wird. Die Synthese von solchen proteinbindenden Peptidderivaten
erfolgt vorzugsweise durch eine dem Fachmann geläufige Festphasensynthese, wobei im
letzten Schritt des Peptidaufbaus ein Carbonsäure tragendes proteinbindendes Spacermolekül,
z.B. eine Maleinimidocarbonsäure, durch Peptidkopplung an das N-terminale ende des
Peptids gebunden und das proteinbindende Peptid im Anschluss von der Festphase abgespalten
wird. Die so erhaltenen Peptidderivate können mit einem Wirkstoff, der eine H
2N- oder HO-Gruppe besitzt, in der Gegenwart eines Kondensationsmittels, wie zum Beispiel
N,N'-Dicyclohexylcarbodiimid (DCC) oder N-Cyclohexyl-N'-(2-morpholinoethyl)-carbodiimid
Metho-p-toluolsulfonat (CMC), (Benzotriazol-1-yloxy)-trispyrrolidinophosphoniumhexafluorophosphat
(pyBOP) oder O-Benzotriazol-N,N,N',N'-tetramethyluroniumhexafluorophosphat und gegebenenfalls
unter Zusatz von N-Hydroxysuccinimid oder eines wasserlöslichen N-Hydroxysuccinimids,
wie etwa N-Hydroxysuccinimid-3-sulfonsäure Natriumsalz oder 1-Hydroxybenzotriazol
und/oder in Gegenwart einer Base, wie z.B. N-Methylmorpholin oder Triethylamin, zu
den entsprechenden proteinbindenden Wirkstoff-Peptidderivaten umgesetzt werden:

[0035] Es ist weiterhin möglich, über die HOOC-Gruppe der Wirkstoffe eine H
2N-oder HO-Gruppe einzuführen, beispielsweise durch Derivatisierung mit den Aminosäuren
(AS) Lysin, Serin oder Threonin über deren α-Aminogruppe oder über die α-Aminogruppe
mit einer Diaminoverbindung der allgemeinen Formel H
2N―(CH
2)
n―NH
2 oder mit einem Alkoholamin der allgemeinen Formel H
2N―(CH
2)
n―OH mit n = 1-12, und diese Derivate im Anschluß mit den oben genannten Peptidderivaten
zu den entsprechenden proteinbindenden Wirkstoff-Peptidderivaten umzusetzen:

AS = Lysin, Serin oder Threonin
[0036] Die Substratspezifität von Targetenzymen, wie etwa von MMP 2, MMP3, MMP 9, Cathepsin
B, H und L, ist bekannt (
Netzel-Arnett et al. (1993), Biochemistry 32, 6427-6432,
Shuja, S., Sheahan, K., Murname, M.J. (1991), Int.J. Cancer 49, 341-346,
Lah, T.T., Kos, J. (1998), Biol. Chem. 379, 125-130).
[0037] Beispielsweise sind Octapeptide (P
4 - P'
4) für MMP 2 und MMP 9 identifiziert worden, welche die Spaltsequenz der Kollagenkette
simulieren, und besonders effizient von MMP 2 und 9 gespalten werden:
| Peptid |
| P4 |
P3 |
P2 |
P1 |
P'1 |
P'2 |
P'3 |
P'4 |
Gly-Pro-Leu-Gly- Ile-Ala-Gly-Gln
Gly-Pro-Gln-Gly-Ile-
Trp-Gly-Gln
(
Netzel-Arnett et al., Biochemistry 32, 1993, 6427-6432).
[0038] Die Peptide werden ausschließlich an der P
1 - P'
1-Bindung enzymatisch gespalten.
[0039] Desweiteren sind bei Cathepsin B substratspezifische Dipeptide bekannt mit der Sequenz
-Arg-Arg-, -Phe-Lys-, Gly-Phe-Leu-Gly, Gly-Phe-Ala-Leu oder Ala-Leu-Ala-Leu (
Werle, B., Ebert, E., Klein, W., Spiess, E. (1995), Biol. Chem. Hoppe-Seyler 376,
157-164;
Ulricht, B., Spiess, E., Schwartz-Albiez, R., Ebert, W. (1995), Biol. Chem. Hoppe-Seyler
376, 404-414).
[0040] Die Peptidsequenz, welche die für das Targetenzym relevante Peptidsollbruchstelle
enthält, kann auch so aufgebaut sein, daß die Peptidsollbruchstelle mehrfach wiederholt
wird, wie beispielsweise durch:
-Gly-Pro-Leu-Gly-lie-Ala-Gly-Gln-Gly-Pro-Leu-Gly-Ile-Ala-Gly-Gln
oder
-Phe-Lys-Phe-Lys-Phe-Lys-Phe-Lys-Phe-Lys-Phe-Lys-
oder es kann eine repetitive Peptidsequenz integriert werden, die den Abstand zwischen
dem proteinbindenden Molekül und der relevanten Peptidsollbruchstelle vergrößert,
wie beispielsweise durch:
-Gly-Gly-Gly-Gly-Gly-Gly-Gly-Gly-Gly-Gly-Gly-Gly-Phe-Lys-Phe-Lys-
[0041] Entscheidend für die therapeutisch wirksamen Substanzen zur Verwendung in der vorliegenden
Erfindung ist die Tatsache, daß die für das jeweilige Targetenzym relevante Peptidsollbruchstelle
mindestens einmal in einem Oligopeptid vorkommt. Die oben aufgeführten Oligopeptide
sind repräsentative Beispiele für die Herstellung von therapeutisch wirksame Substanzen.
[0042] Therapeutisch wirksame Substanzen, die ein Zytokin enthalten, können dadurch hergestellt
werden, daß das Zytokin mit einem eine proteinbindende Gruppe enthaltenen Spacermolekül,
das eine Carbonsäure oder eine aktivierte Carbonsäure aufweist, umgesetzt wird:

[0043] Weist das Spacermolekül eine N-Hydroxysuccinimidester-Gruppe (N-Hydroxysuccinimid
oder N-Hydroxysuccinimid-3-sulfonsäure Natriumsalz) auf, wird es direkt mit dem Zytokin
umgesetzt. Die Umsetzung des Zytokins mit einem eine proteinbindenden Gruppe enthaltenen
Spacermolekül, das eine Carbonsäure aufweist, erfolgt in der Gegenwart eines Kondensationsmittels,
wie zum Beispiel. N,N'-Dicyclohexylcarbodiimid (DCC) oder N-Cyclohexyl-N'-(2-morpholinoethyl)-carbodiimid
Metho-p-toluolsulfonat (CMC), und gegebenenfalls unter Zusatz von N-Hydroxysuccinimid
oder N-Hydroxysuccinimid-3-sulfonsäure Natriumsalz, zu den entsprechenden proteinbindenden
Zytokinderivaten. Die Aufreinigung der so derivatisierten Zytokine erfolgt zweckmäßig
mit Hilfe der Ausschlußchromatographie. Die oben beschriebenen Umsetzungen sind dem
Fachmann geläufig (
Bioconjugate Techniques, G.T. Hermanson, Academic Press, 1996).
[0044] Im Anschluß an die Synthese der therapeutisch wirksamen Substanz wird eine injizierbare
Arzneimittelzubereitung, enthaltend die therapeutisch wirksame Substanz, in einer
geeigneten Trägerflüssigkeit hergestellt. Die therapeutisch wirksame Substanz liegt
bevorzugt als Lyophilisat vor, wobei vor oder nach dem Lyophilisieren übliche Träger
und/oder pharmazeutische Hilfsstoffe, wie etwa Polysorbate, Glucose, Lactose, Mannose,
Citronensäure, Tromethamol, Triethanolamin oder Aminoessigsäure beigefügt sein können.
Die injizierbare Arzneimittelzubereitung muß so hergestellt werden, daß das proteinbindende
Molekül durch das Lösen in der injizierbaren Trägerflüssigkeit nicht deaktiviert,
abgespalten oder hydrolysiert wird. Weiterhin muß gewährleistet werden, daß die säurelabile
Bindung in der therapeutisch wirksamen Substanz, die eine Ester-, Acetal-, Ketal-,
Imin-, Hydrazon, Carboxylhydrazon- oder Sulfonylhydrazonbindung ist, nicht hydrolysiert
wird. Die im Rahmen der vorliegenden Erfindung verwendeten proteinbindenden Moleküle
sind basenempfindlich, so daß der pH-Wert der Trägerflüssigkeit einen pH-Wert von
8,0 nicht überschreiten soll. Bevorzugt liegt der pH-Wert im Bereich von pH 4,0-7,0,
mehr bevorzugt zwischen pH 6,0 und pH 7,0. Außerdem muß die Trägerflüssigkeit natürlich
physiologisch verträglich sein.
[0045] Bevorzugte Trägerflüssigkeiten sind annähernd isotonische Salzpuffer, z.B. Phosphat-,
Acetat- oder Citratpuffer, wie etwa, 0.004 M Natriumphosphat, 0.15 M NaCl - pH 6,0-7,0
oder 0.01 M Natriumacetat, 0.14 M NaCl - pH 5,0-6,5). Die verwendete Trägerflüssigkeit
kann auch eine isotonische Natriumchloridlösung sein. Die Salzpuffer können übliche
Träger und/oder Hilfsstoffe, wie etwa Polysorbate, Glucose, Lactose, Mannose, Citronensäure,
Tromethamol, Triethanolamin oder Aminoessigsäure enthalten.
[0046] Die Löslichkeit der therapeutisch wirksamen Substanz in der injizierbaren Trägerflüssigkeit
kann durch pharmazeutische Lösungsmittel, wie etwa Ethanol, Isopropanol, 1,2-Propylenglykol,
Glycerol, Macrogole, Polyethylenglykole bzw. Polyethylenoxide oder durch Lösungsvermittler,
z.B. Tween, Cremophor oder Polyvinylpyrrolidon, verbessert werden. Zu diesem Zweck
wird die therapeutisch wirksame Substanz entweder in dem pharmazeutischen Lösungsmittel
bzw. Lösungsvermittler gelöst und anschließend mit einem Salzpuffer verdünnt oder
eine Trägerflüssigkeit, enthaltend den Salzpuffer und mindestens ein pharmazeutisches
Lösungsmittel bzw. Lösungsvermittler, wird zum Lösen der therapeutisch wirksamen Substanz
direkt verwendet. Die Konzentration der pharmazeutischen Lösungsmittel bzw. Lösungsvermittler
überschreiten dabei nicht die Mengen, die vom Arzneimittelgesetz (AMG) vorgeschrieben
sind.
[0047] Vorzugsweise sollte die Trägerflüssigkeit so ausgewählt werden, daß der Lösevorgang
der therapeutisch wirksamen Substanz in der Trägerflüssigkeit nach wenigen Minuten
abgeschlossen ist, so daß eine injizierbare Arzneimittelzubereitung am Krankenbett
zur Verfügung gestellt wird.
[0048] Die therapeutisch wirksame Substanz eignet sich somit zur Behandlung von Krebskrankheiten,
Viruskrankheiten, Autoimmunerkrankungen, akuten oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen
und/oder Erkrankungen, die durch Bakterien, Pilze oder andere Mikroorganismen verursacht
werden.
[0049] Ferner wird eine diagnostisch wirksame Substanz mit Gehalt an wenigstens einem Diagnostikum,
die dadurch gekennzeichnet ist, daß sie wenigstens einen proteinbindenden Molekülrest,
welcher mit dem Diagnostikum durch einen Spacer verbunden ist, wobei der Spacer oder
die Bindung zwischen Spacer und Diagnostikum pH-abhängig, hydrolytisch oder enzymatisch
im Körper spaltbar ist unter Freisetzung des Diagnostikums beschrieben. Das Diagnostikum
kann ein oder mehrere Readionuklide, ein oder mehrere Radionuklide umfassende Liganden,
ein oder mehrere Positronenstrahler, ein oder mehrere NMR-Kontrastmittel, ein oder
mehrere fluoreszierende Verbindung(en) oder/und ein oder mehrere Kontrastmittel im
nahen IR-Bereich umfassen.
[0050] Ferner wird ein diagnostischer Kit beschrieben, enthaltend eine proteinbindende diagnostisch
wirksame Substanz, gegebenenfalls zusammen mit dem Trägermolekül und pharmazeutisch
annehmbaren Hilfsstoffen, Trägerstoffen und/oder Verdünnungsmitteln, insbesondere
ausgewählt aus den oben genannten. Der diagnostische Kit kann zum Nachweis der wie
oben definierten Erkrankungen oder zum Nachweis von Trägermolekülen und/oder deren
Verteilung im Organismus verwendet werden.
[0051] Es wird ein Verfahren zur Herstellung einer injizierbaren Arzneimittelzubereitung,
enthaltend eine diagnostisch wirksame Substanz, die in einer injizierbaren Trägerflüssigkeit
gelöst wird beschrieben, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass als diagnostisch
wirksame Substanz eine Verbindung umfassend ein Diagnostikum und wenigstens einen
proteinbindenden Molekülrest verwendet wird. Ein Diagnostikum kann eine der oben genannten
Verbindungen sein, beispielsweise ein oder mehrere Radionuklide, ein oder mehrere
Radionuklide umfassende Liganden, ein oder mehrer Positronenstrahler, ein oder mehrere
NMR-Kontrastmittel, ein oder mehrere fluoreszierende Verbindung(en) oder/und ein oder
mehrere Kontrastmittel im nahen IR-Bereich. Das Diagnostikum und der wenigstens eine
proteinbindende Molekülrest können auch durch einen Spacer verbunden sein. Hierbei
ist es bevorzugt, dass der Spacer oder die Bindung, welche die beiden Komponenten
verbindet, nicht spaltbar ist. Beispiele für nicht im Körper spaltbare Bindungen,
die bei der Bindung zur diagnostisch wirksamen Substanz vorliegen können, sind Amidbindungen,
gesättigte bzw. ungesättigte Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindungen oder Bindungen zwischen
Kohlenstoff und einem Heteroatom, -C-X-, wobei X vorzugsweise O, N, S oder P ist.
Eine Bindung ist beispielsweise eine Amidbindung. Die Freisetzung der therapeutisch
wirksamen Substanz ist bevorzugt, da in der Regel der niedermolekulare Wirkstoff mit
seinem molekularen Target wechselwirken muß, um seine pharmakologische Wirksamkeit
zu entfalten. Bei diagnostisch wirksamen Substanzen hingegen ist eine Freisetzung
des Protein gebundenen Diagnostikums nicht unbedingt erforderlich, kann aber vorhanden
sein. Die diagnostisch wirksame Substanz kann zusätzlich über eine nicht im Körper
spaltbare Bindung an das Spacermolekül oder direkt an die proteinbindende Gruppe ohne
Vorhandensein eines Spacermoleküls SM gebunden sein.
[0052] Die folgenden Beispiele erläutern die Erfindung näher.
Beispiel 1
Herstellung von DOXO-HYD
[0053] Die im folgenden abgebildete pharmakologisch aktive Substanz (abgekürzt DOXO-HYD)
besteht aus dem Zytostatikum Doxorubicin, aus einer Maleinimidgruppe als proteinbindendes
Molekül PM und aus einem Phenylacetylhydrazonspacer als Spacermolekül SM. Die Bindung
zwischen Doxorubicin und dem Spacermolekül SM ist eine säurelabile Carboxylhydrazonbindung:

[0054] 10,51 mg DOXO-HYD werden in 2,0 ml 1,2-Propylenglykol durch Schütteln gelöst und
anschließend wird diese Lösung mit 8,0 ml Phosphatpuffer (0.004 M Natriumphosphat,
0.15 M NaCl - pH 6,5) verdünnt und homogenisiert (Konzentration von DOXO-HYD in der
Trägerflüssigkeit ≈ 1300
µM). Die so hergestellte injizierbare Arzneimittelzubereitung von DOXO-HYD wurde Versuchstieren
unmittelbar intravenös verabreicht (siehe unten).
Beispiel 2
Bindung von DOXO-HYD an Humanplasma
[0055] Nachdem DOXO-HYD in die Blutbahn gelangt, findet eine Bindung an Serumproteine statt,
vorzugsweise an Serumalbumin, so daß DOXO-HYD u.a. als säurelabiles Albumin-Doxorubicin-Konjugat
vorliegt.
[0056] Inkubationsstudien von Humanblutplasma mit DOXO-HYD bei 37 °C zeigen, daß nach einer
5-minütigen Inkubation der Großteil von DOX-HYD kovalent an Albumin gebunden ist.
(A) - im Gegensatz zu freiem Doxorubicin
(B). Dieser Sachverhalt ist in den untenstehenden Chromatogrammen dargestellt. (
A und
B):

[0057] Hierbei wurde nach erfolgter Inkubation die Plasmaprobe über eine POROS®
-20-Anionenaustauschersäule getrennt (Detektion der Proteine bei 254 nm, Detektion
des Anthrazyklins durch Fluoreszenz).
Beispiel 3
Die Wirksamkeit von DOXO-HYD in vivo
[0058] Die unten aufgeführten biologischen Daten verdeutlichen die in vivo Wirksamkeit von
DOXO-HYD im Vergleich zu freiem Doxorubicin: Im sogenannten RENCA (renal cell carcinoma)-Modell
wurde Doxorubicin und DOXO-HYD hinsichtlich der antitumoralen Wirksamkeit bei annähernd
äquitoxischer Dosis miteinander verglichen (intravenöse Therapie 10 Tage nach Injektion
von etwa 1 Million Nierenkarzinomzellen in der linken Niere).
[0059] Tiere: Balb/c-Mäuse, weiblich;
Tumor: RENCA, renal cell carcinoma (Nierenzellkarzinom)
Therapie: Tag(d) 10, 13, 17 und 20 intravenöse (i.v.), Ende des Versuchs d24
| Anzahl der Mäuse |
Substanz |
Dosis |
Durchschnittliche Körpergewichtsabnahme (%) d 1-24 |
| |
|
|
|
| 10 |
Kontrolle |
|
|
| 10 |
Doxorubicin |
4 x 10 mmol/kg |
-15 |
| 10 |
DOXO-HYD |
4 x 20 mmol/kg |
-15 |
| |
|
|
|
[0060] Die Ergebnisse dieses Versuches sind untenstehend abgebildet. DOXO-HYD zeigt eine
sehr gute antitumorale Wirksamkeit und erzielt eine deutliche Reduktion des Nierentumorvolumens
und der Anzahl von Lungenmetastasen im Vergleich zur Kontrollgruppe und der Doxorubicin
behandelten Gruppe.
Gewicht und Volumen der Nieren und Nierentumoren sowie Anzahl der Lungenmetastasen
[0061] 
Beispiel 4
Bindung von DOXO-EMHC an Albumin im Humanplasma
[0062] 1,6 mg des 6-Maleinimidocapronsäurehydrazon-Derivats von Doxorubicin (abgekürzt DOXO-EMHC)
mit untenstehender Strukturformel

werden in 1,0 ml Phosphatpuffer (0,15 M NaCl, 0,004 M Natriumphosphat, pH 6,5) bei
Raumtemperatur gelöst (2000
µM Lösung). Werden 250
µl dieser Lösung mit 1,0 ml Humanplasma 30 Sekunden lang bei 37 °C inkubiert, und die
Probe anschließend über einen schwachen Anionenaustauscher (von POROS® ) getrennt,
zeigt sich, daß der überwiegende Teil von DOXO-EMHC an Albumin gebunden ist (s. untenstehendes
Chromatogramm):

Beispiel 5
Bindung eines durch MMP9 spaltbares Doxorubicin-Maleinimid-Peptid-Derivats (2) an
Albumin nach einminütiger Inkubation mit Humanplasma
[0063] Das Doxorubicin-Maleinimid-Peptid-Derivat (2) wurde gemäß folgender Reaktionsgleichung
hergestellt:

[0064] Dabei wird das mit Maleinimidoglycin derivatisierte Octapeptid Gln-Gly-Ala-Ile-Gly-Leu-Pro-Gly
1 (Mr 848, hergestellt durch Festphasensynthese durch Bachem AG, Schweiz) mit Doxorubicin
laut folgender Vorschrift umgesetzt:
[0065] Zu einer leicht trüben Lösung von 17,1 mg Doxorubicin in 3 ml DMF werden 25 mg 1
(als Trifluoracetatsalz) gelöst in 500
µl DMF, 33,5 mg O-Benzotriazol-N,N,N',N'-tetramethyluroniumhexafluorphosphat (HPTU)
gelöst in 200
µl DMF, 11,9 mg Hydroxybenzotriazolhydrat gelöst in 100
µl DMF und 16,2
µl N-Methylmorpholin zugegeben, und der Ansatz anschließend 18 h lang bei RT im Dunklen
gerührt. DMF wurde am Hochvakuum entfernt und der Feststoff in 20 ml Methanol aufgenommen,
filtriert und im Vakuum auf 1 ml eingeengt. Nach Aufreinigung über Kieselgel (Essigester/Methanol
2/1) wurden 5 mg 2 erhalten.
Inkubationsstudie mit Humanplasma
[0066] 1,4 mg 2 (Mr 1374) werden in 1,0 ml Phosphatpuffer (0,15 M NaCl, 0,004 M Natriumphosphat,
pH 6,5) bei Raumtemperatur gelöst (1000
µm Lösung). Werden 300
µl dieser Lösung mit 1,0 ml Humanplasma 60 Sekunden lang bei 37 °C inkubiert, und die
Probe anschließend über einen schwachen Anionenaustauscher (von POROS® ) getrennt,
zeigt sich, daß der überwiegende Teil von 2 an Albumin gebunden ist (s. untenstehendes
Chromatogramm):

[0067] Die Peptidsequenz Gln-Gly-Ala-Ile-Gly-Leu-Pro-Gly wird von der Matrixmetalloprotease
MMP9 erkannt und zwischen Isoleucin und Glycin gespalten. Dies wurde durch folgenden
Versuch gezeigt: 200
µl einer 100
µM Lösung des Albuminkonjugats von 2 mit folgender Struktur (abgekürzt HSA-2):

das durch das in der
deutschen Patentanmeldung A19926475.9 vom 10. Juni 1999 beschriebene Verfahren hergestellt wurde, wurde mit Trypsin/Aprotinin aktivierter
MMP9 (2 mU von Calbiochem, Deutschland) 30 Minuten lang bei 37 °C inkubiert. Die Freisetzung
von DOXO-Gln-Gly-Ala-Ile nach dieser Zeit ist in den untenstehenden Chromatogrammen
abgebildet. Gezeigt ist das Chromatogramm von HSA-2 bei t = 0 (Trennung durch HPLC
Ausschlußchromatographie mit einer Biosil 250 SEC Säule von der Firma Biorad, Detektion
bei λ = 495 nm) und nach einer Inkubationszeit mit aktivierter MMP9 von 30 Minuten.

Vergleichs Beispiel 6
Bindung von Fluoresceinmaleinimid an Albumin im Humanplasma
[0068]

[0069] Nach einer 5-minütigen Inkubation von 250
µl einer 100
µM Fluoresceinmaleinimid-Lösung (Phosphatpuffer - 0,15 M NaCl, 0,004 M Natriumphosphat,
pH 5,0) mit 1,0 ml Humanplasma und anschließenden Trennung der Probe mittels der Ausschlußchromatographie
(Superdex® 200, Pharamcia), zeigt sich, daß der überwiegende Teil des Fluoresceinmaleinimids
an Albumin gebunden ist (s. untenstehendes Chromatogramm):

1. Substanz, die aus
einem Wirkstoff, nämlich ein Zytostatikum, und mindestens einem kovalent proteinbindenden
Molekülrest, nämlich eine Maleinimidgruppe, der an den Wirkstoff durch einen Spacer
gebunden ist, besteht,
worin der Spacer oder die Bindung zwischen dem Spacer und dem Wirkstoff pH-abhängig,
hydrolytisch oder enzymatisch im Körper spaltbar ist, zur Verwendung als injizierbares
Azneimittel.
2. Substanz, die aus
einem Wirkstoff, nämlich ein Zytostatikum, und mindestens einem kovalent ρroteinbindenden
Molekülrest, nämlich eine Maleinimidgruppe, der an den Wirkstoff durch einen Spacer
gebunden ist, besteht,
worin der Spacer oder die Bindung zwischen dem Spacer und dem Wirkstoff pH-abhängig,
hydrolytisch oder enzymatisch im Körper spaltbar ist, und
worin der proteinbindende Molekülrest nicht an ein Trägerprotein gebunden ist, zur
Verwendung als injizierbares Arzneimittel.
3. Substanz nach einem der Ansprüche 1-2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Substanz die chemische Formel:

aufweist,
worin
W der Wirkstoff ist;
SM ein Spacermolekül ist und
PM ein proteinbindendes Molekül ist.
4. Substanz nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Substanz die chemische Formel:

aufweist, worin
X eine chemische Gruppe ist, ausgewählt aus:



worin
R = H, Alkyl, Phenyl oder substituiertes Phenyl, und
Z = chemische Gruppe des Wirkstoffs.
5. Substanz nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Substanz die chemische Formel:

aufweist.
6. Substanz nach einem der Ansprüche 1-5,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Wirkstoff aus der Gruppe der Anthrazykline, der Stickstofflostderivate, der Alkylantien,
der Purin- oder Pyrimidinantagonisten, der Folsäureantagonisten, der Taxane, der Camptothecine,
der Podophyllotoxinderivate, der Vinca-Alkaloide, der Calicheamicine, der Maytansinoide
oder der cis-konfigurierten Platin(II)-Komplexe ausgewählt ist.
7. Substanz nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Anthracyclin Doxorubicin, Daunorubicin, Epirubicin, Idarubicin, Mitoxantron,
oder Ametantron und insbesondere Doxorubicin umfaßt.
8. Substanz nach einem der Ansprüche 1-7,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Spacermolekül ein organischer Molekülrest ist, welcher eine aliphatische Kohlenstoffkette
und/oder einen aliphatischen Kohlenstoffring mit 1-12 Kohlenstoffatomen, die teilweise
durch Sauerstoffatome ersetzt sein können, und/oder mindestens einen Aromaten enthält,
die ggf. substituiert sein können.
9. Substanz nach einem der Ansprüche 1-8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Substanz

ist.
10. Substanz nach einem der Ansprüche 1-9 zur Verwendung als Arzneimittel zur Behandlung
von Krebskrankheiten, Viruskrankheiten, Autoimmunerkrankungen, akuten oder chronisch-entzündlichen
Erkrankungen oder Erkrankungen, die durch Bakterien, Pilze oder andere Mikroorganismen
verursacht sind.
11. Zubereitung umfassend eine Substanz nach einem der Ansprüche 1-10 und eine Trägerflüssigkeit.
1. Substance which consists of an active substance, namely a cytostatic agent and at
least one covalently protein-binding molecular residue namely a maleinimide group
which is bound to the active substance by a spacer, wherein the spacer or the bond
between the spacer and the active substance can be pH-dependently, hydrolytically
or enzymatically cleaved in the body, for use as an injectable pharmaceutical preparation.
2. Substance which consists of an active substance, namely a cytostatic agent and at
least one covalently protein-binding molecular residue, namely a maleinimide group
which is bound to the active substance by a spacer, wherein the spacer or the bond
between the spacer and the active substance can be pH-dependently, hydrolytically
or enzymatically cleaved in the body, and
wherein the protein-binding molecular residue is not bound to a carrier protein, for
use as an injectable pharmaceutical preparation.
3. Substance according to one of the claims 1 - 2,
characterized in that
the substance has the chemical formula:

wherein,
W is the active substance,
SM is a spacer molecule and
PM is a protein-binding molecule.
4. Substance according to claim 3,
characterized in that
the substance has the chemical formula:

wherein
X is a chemical group selected from:



wherein
R = H, alkyl, phenyl or substituted phenyl and
Z = a chemical group of the active substance.
5. Substance according to claim 4,
characterized in that
the substance has the chemical formula:
6. Substance according to one of the claims 1 - 5
characterized in that
the active substance is selected from the group of anthrocyclines, nitrogen mustard
derivatives, alkylating agents, purine or pyrimidine antagonists, folic acid antagonists,
taxanes, camptothecines, podophyllotoxin derivatives, vinca alkaloids, calicheamicins,
maytansinoids or cis-configured platinum (II) complexes.
7. Substance according to claim 6,
characterized in that
the anthracycline comprises doxorubicin, daunorubicin, epirubicin, idarubicin, mitoxantrone
or ametantrone and in particular doxorubicin.
8. Substance according to one of the claims 1 - 7,
characterized in that
the spacer molecule is an organic molecular residue which contains an aliphatic carbon
chain and/or an aliphatic carbon ring with 1 - 12 carbon atoms which can be partially
replaced by oxygen atoms, and/or at least one aromatic compound, which can be optionally
substituted.
9. Substance according to one of the claims 1 - 8,
characterized in that
the substance is
10. Substance according to one of the claims 1 - 9 for use as pharmaceutical preparations
for treating cancer diseases, viral diseases, autoimmune diseases, acute or chronic
inflammatory diseases or diseases which are caused by bacteria, fungi or other microorganisms.
11. Preparation comprising a substance according to one of the claims 1 - 10 and a carrier
liquid.
1. Substance qui consiste en
une substance active, à savoir un cytostatique, et
en au moins un résidu moléculaire se liant de façon covalente à une protéine, à savoir
un groupe maléinimide qui est lié à la substance active par un espaceur,
dans laquelle l'espaceur ou la liaison entre l'espaceur et la substance active peut
être clivé(e) de façon pH-dépendante, hydrolytique ou enzymatique dans le corps, pour
l'utilisation en tant que médicament injectable.
2. Substance qui consiste en
une substance active, à savoir un cytostatique, et
en au moins un résidu moléculaire se liant de façon covalente à une protéine, à savoir
un groupe maléinimide qui est lié à la substance active par un espaceur,
dans laquelle l'espaceur ou la liaison entre l'espaceur et la substance active peut
être clivé(e) de façon pH-dépendante, hydrolytique ou enzymatique dans le corps, et
dans laquelle le résidu moléculaire se liant à une protéine n'est pas lié à une protéine
de support, pour l'utilisation en tant que médicament injectable.
3. Substance selon l'une des revendications 1 à 2,
caractérisée en ce
que la substance présente la formule chimique :

dans laquelle
W est la substance active
SM est une molécule d'espaceur et
PM est une molécule se liant à la protéine.
4. Substance selon la revendication 3,
caractérisée en ce
que la substance présente la formule chimique :

dans laquelle
X est un groupe chimique choisi parmi :



dans laquelle
R = H, un groupe alkyle, phényle ou phényle substitué, et
Z = un groupe chimique de la substance active.
5. Substance selon la revendication 4,
caractérisée en ce
que la substance présente la formule chimique :
6. Substance selon l'une des revendications 1 à 5,
caractérisée en ce
que la substance active est choisie dans le groupe comprenant les anthracyclines, les
dérivés d'ypérite azotée, les alkylants, les antagonistes de la purine ou de la pyrimidine,
les antagonistes de l'acide folique, les taxanes, les camptothécines, les dérivés
de podophylotoxine, les alcaloïdes vinca, les calicheamicines, les maytansinoïdes
ou les complexes de platine (II) à configuration cis.
7. Substance selon la revendication 6,
caractérisée en ce
que l'anthracycline comprend la doxorubicine, la daunorubicine, l'épirubicine, l'idarubicine,
la mitoxantrone ou l'amétantrone et en particulier la doxorubicine.
8. Substance selon l'une des revendications 1 à 7,
caractérisée en ce
que la molécule espaceur est un radical moléculaire organique qui contient une chaîne
de carbone aliphatique et/ou un cycle de carbone aliphatique, comportant 1 à 12 atomes
de carbone qui peuvent, le cas échéant, être partiellement substitués.
9. Substance selon l'une des revendications 1 à 8,
caractérisée en ce
que la substance est
10. Substance selon l'une des revendications 1 à 9, à utiliser comme médicament pour le
traitement des cancers, des maladies virales, des maladies auto-immunes, des maladies
inflammatoires aiguës ou chroniques ou des maladies qui sont provoquées par des bactéries,
des champignons ou d'autres microorganismes.
11. Préparation comprenant une substance selon l'une des revendications 1 à 10 et un liquide
de support.