[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Umspulen von Garnen mit einer Umspulgeschwindigkeit,
mit den Verfahrensschritten Abspulen eines Garns von einer Vorlagespule, und Aufwickeln
des Garns auf einen mit einer Aufwickelgeschwindigkeit rotierenden Garnträger, wobei
das Garn über einen Fadenlauf von der Vorlagespule zum Garnträger geführt wird sowie
eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens (Umspulvorrichtung).
Derartige Umspulvorrichtungen werden insbesondere zur Herstellung von Spulen mit an
einen Folgeprozess angepassten Garnwicklungen eingesetzt.
[0002] Umspulungen von Garnen werden bei der Garnherstellung häufig vorgenommen. Dabei sollen
die Garne auf Spulen derart aufgewickelt werden, dass die Spulen in Folgeprozessen
optimal als Vorlagespulen eingesetzt werden können. Insbesondere die Art der Wicklung
und deren Dichte soll dabei optimiert werden. So ist es bei manchen Garnbearbeitungsprozessen
nicht zu tolerieren, wenn das Garn auf der Vorlagespule ungeordnet aufgewickelt ist,
also eine so genannte "Wilde Wicklung" aufweist. Weiter wird bei Bearbeitungen von
Garnen, z.B. beim Färben, ein Umspulen des zu färbenden Garns vorgenommen oder es
wird eine Spule mit einem Garn mit einer vorgegebenen Fadenlänge, d.h. einer vorgegebenen
Lauflänge, aufgewickelt.
[0003] Die Umspulung soll dabei mit einer möglichst hohen Spulgeschwindigkeit (Umspulgeschwindigkeit)
vorgenommen werden. Mit steigender Spulgeschwindigkeit steigt jedoch auch die Fadenspannung
des umzuspulenden Garns während des Umspulprozesses an und Fadenspannungsschwankungen
treten verstärkt auf. Letzteres führt zu einer Verschlechterung der Qualität der Wicklung
auf der erstellten Spule, da Fadenspannungsschwankungen während des Aufspulens zu
Garndichteschwankungen der Wicklungen führen. Letzteres kann wiederum das Abspulverhalten
dieser Spulen bei Folgeprozessen verschlechtern. Weiter können die Fadenspannungsschwankungen
leicht zu Fadenbrüchen während des Umspulens führen. Letzteres tritt vor allem in
Bereichen von ganzzahligem Windungsverhältnis, d.h. dem Verhältnis von Spulenumdrehung
zu Doppelhubzahl, so genannten Spiegelzonen, der Vorlagespulen gehäuft auf. In diesen
Bereichen liegen die Fadenlagen eng beieinander ohne dass sie durch Kreuzungspunkte
fixiert werden, was beim Überkopfabzug zum Mitreißen benachbarter Fäden und damit
zu Fadenspannungsspitzen bzw. Fadenbrüchen führen kann. Diese Fadenspannungsspitzen
limitieren die Umspulgeschwindigkeit stark.
[0004] Aus der
EP 0 875 479 A1 ist bekannt, die Fadenspannung von Garnen bei mit Umspulungsprozessen verbundenen
Garnkonditionierverfahren, z.B. Ölen, Färben oder Strecken von Garnen, zu messen und
zu regeln. Dabei wird die Fadenspannung eines Garns in dessen Fadenlauf nach einer
Konditioniereinrichtung kurz vor dessen Aufspulung gemessen. Es wird versucht, gemäß
einer von der gemessenen Fadenspannung abgeleiteten Regelgröße mittels eines Fadenspannungsregelungsmoduls
die Fadenspannung in einem vorgegebenen Fadenspannungsbereich konstant zu halten.
Das Fadenspannungsregelungsmodul umfasst dabei eine Fadenbremse und/oder ein steuerbares
Lieferwerk, mittels denen die Fadenspannung durch Abbremsen und/oder Beschleunigen
der Fadengeschwindigkeit des Garns reguliert wird.
[0005] Üblicherweise wird das Garn durch die rotierende Bewegung einer Abzugsrolle (Abzugslieferwerk)
von der Vorlagespule abgezogen. Die Abzugsrolle umfasst üblicherweise eine von einem
Motor angetriebene Hauptrolle und eine passive Trennrolle, die die Geometrie von Umwicklungen
des Garns um die Hauptrolle festlegt. Um Fadenspannungsvariationen in der Abspulregion
zu vermeiden, ist es bekannt, mittels eines "Nip-Rollers", also einer weiteren Rolle,
eine Presskraft auf die Hauptrolle auszuüben. Dadurch wird das Garn zwischen der Hauptrolle
und der weiteren Rolle eingeklemmt, was dazu führt, dass das Garn mit der Tangentialgeschwindigkeit
der Hauptrolle abgezogen wird. Weiter sind verschiedene Vorspannungssysteme, die zwischen
der Vorlagespule und einem Lieferwerk angeordnet sind, bekannt, um die Fadenspannung
des Garns beim Abziehen von der Vorlagespule zu vergrößern und zu stabilisieren.
Das Garn wird beim Umspulen häufig über Kopf abgezogen. Beim über Kopf Abziehen rotiert
die Vorlagespule nicht selbst, dadurch ist beim über Kopf Abziehen das Arbeiten mit
einer unmittelbar einsatzfähigen Reservevorlagespule möglich.
[0006] Neben den genannten Fadenspannungsspitzen aufgrund von Spiegeln der Vorlagespule
variiert die Fadenspannung des Garns im Fadenlauf beim Umspulen aus verschiedenen
anderen Gründen:
- Dadurch, dass der Durchmesser der Vorlagespule mit der Zeit durch Abspulen des Garns
abnimmt, ändert sich die Geometrie des "Ballons", der von den Garnbewegungen entlang
der Spulenachse gebildet wird, entsprechend, wodurch die Fadenspannung beeinflusst
wird.
- Durch Vergrößerung der Drehzahl des Ballons mit abnehmendem Durchmesser der abzuziehenden
Spule vergrößern sich die auf das Garn im "Ballon" wirkende Zentrifugalkräfte, was
zu einer Fadenspannungserhöhung führt.
[0007] Es hat sich herausgestellt, dass die Fadenspannungsschwankungen bei bekannten Umspulverfahren
unter Beibehaltung einer hohen Umspulgeschwindigkeit nur unzureichend reduziert werden
können, insbesondere treten Spannungsspitzen in Spiegelzonen auf.
[0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung zum
Umspulen von Garnen bereitzustellen, welche die Nachteile des Standes der Technik
vermeiden und insbesondere bei einer hohen Umspulgeschwindigkeit die Herstellung von
Spulen mit Wicklungen hoher Qualität ermöglichen.
[0009] Diese Aufgabe wird durch das Verfahren und eine Vorrichtung der unabhängigen Ansprüche
gelöst. Die abhängigen Ansprüche stellen bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung
dar.
[0010] Beim erfindungsgemäßen Verfahren zum Umspulen von Garnen wird eine Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße
des Garns von der Vorlagespule, bevorzugt im Fadenlauf vor einem eine Abzugsgeschwindigkeit
festlegenden Abzugslieferwerk, ermittelt oder die Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße
des Garns wird zu Beginn des Fadenlaufs vor einem Abzugslieferwerk und/oder einer
Bremse und/oder einer Beölungseinrichtung ermittelt und die Umspulgeschwindigkeit
wird von einem Regelungsmodul in Abhängigkeit von der Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße
geregelt. Das erfindungsgemäße Verfahren basiert auf der Erkenntnis, dass die Ursachen
der meisten Fadenspannungsschwankungen von Parametern der Vorlagespule, bzw. von Parametern,
mit denen das Garn von der Vorlagespule abgespult wird, abhängen. Die Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße
wird in einem Fall von mehreren Möglichkeiten folglich von der Vorlagespule während
des Spulvorgangs ermittelt. Wird über die Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße eine
Erhöhung der Fadenspannung des Garns festgestellt oder erwartet, so wird die Umspulgeschwindigkeit,
z.B. durch Steuern der Aufwickelgeschwindigkeit, temporär erniedrigt. Alternativ kann
z.B. auch die Umspulgeschwindigkeit durch Steuerung der Abzugsgeschwindigkeit geregelt
werden.
[0011] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wird die Fadenspannung in der Abspulregion stabilisiert,
so dass ein regelmäßiges Profil der Fadenspannung über der Zeit, unabhängig von z.B.
dem Durchmesser der Vorlagespule, eingehalten wird. Dadurch wird eine gleichbleibende
Qualität der hergestellten Wicklungen auf dem Garnträger gewährleistet. Weiter wird
eine Steigerung der Produktionsgeschwindigkeit des Herstellungsprozesses, bei gleichbleibender
Qualität, ermöglicht, da Fadenspannungsspitzen vermieden werden.
Die Stabilisierung der Abzugsfadenspannung ist dabei abhängig von der Umspulgeschwindigkeit.
Die Umspulgeschwindigkeit ist dabei die Stellgrösse für die Abzugsfadenspannung. Zielsetzung
ist dabei die Maximierung der Umspulgeschwindigkeit anhand der Abzugsspannung als
Regelgröße. Die Steigerung der Produktionsgeschwindigkeit ist hierbei das primäre
Ziel. Eine Vergleichmässigung der Aufspulspannung ist dabei positiver Nebeneffekt.
Die Fadenspannung kann unabhängig von der Qualität des Garns, vom Durchmesser der
Vorlagespule und von der gewählten Abspulgeschwindigkeit konstant gehalten werden.
Zusätzlich zu der Möglichkeit, die Fadenspannung beim Abspulen, wenn nötig, kontrolliert
zu erhöhen oder zu erniedrigen, kann die Fadenspannung dauerhaft reduziert werden,
wodurch eine höhere Produktionsgeschwindigkeit und Effizienz ermöglicht wird.
[0012] Bevorzugt wird als Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße eine Abzugsfadenspannung,
bevorzugt mittels Messung durch einen Fadenspannungssensor, ermittelt. Dies stellt
eine einfache und kostengünstige Möglichkeit zum Ermitteln der Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße
dar.
[0013] Das Ermitteln der Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße kann vorteilhaft über Sollumspulgeschwindigkeitswerte
in Abhängigkeit von einem aktuellen Durchmesser der Vorlagespule und/oder dem aktuellen
Gewicht der Vorlagespule und/oder der noch auf der Vorlagespule befindlichen Länge
des Garns und/oder von optischen Überwachungsdaten eines Abspulballons der Vorlagespule
und/oder von optischen Überwachungsdaten von Spiegelzonen auf der Vorlagespule erfolgen.
Die restliche noch auf der Vorlagespule befindliche Länge des Garns kann dabei aus
der bereits umgespulten Länge (Lauflänge) des Garns bei bekannter Gesamtlänge ermittelt
werden. Dadurch kann einer Fadenspannungsschwankung bereits vor deren Auftreten durch
Verminderung der Aufwickelgeschwindigkeit begegnet werden. Mittels Durchmessererfassung,
Längenmessung oder Gewichtserfassung kann unmittelbar auf eine Erhöhung der Abzugsfadenspannung
geschlossen werden, da diese mit abnehmendem Radius der Vorlagespule bei gleich bleibender
Umspulgeschwindigkeit zunimmt. Über die Dichte der Spule lassen sich die Durchmesser
auch in Gewichtsbereiche oder Lauflängen umrechnen.
Bei der optischen Erfassung von Spiegelzonen werden in der Wicklung der Vorlagespule
vorhandene Kreuzwinkel ausgewertet. Spiegelzonen treten nur bei wilder Wicklung auf,
bei der die Changiergeschwindigkeit in einem konstanten Verhältnis zur Aufspulgeschwindigkeit
ist. Bei diesem Spulprinzip durchlaufen die Spulen bei bestimmten Durchmessern, insbesondere
abhängig vom Kreuzungswinkel, ganzzahlige Windungsverhältnisse. Man kann daher die
Problemzonen bzw. kritischen Durchmesser bereits anhand des Kreuzungswinkels berechnen.
[0014] Besonders vorteilhaft wird zusätzlich eine Fadenlauffadenspannung, bevorzugt eine
Aufwickelfadenspannung, mittels eines Fadenspannungssensors gemessen und die Abzugsgeschwindigkeit
des Abzugslieferwerks in Abhängigkeit von der Fadenlauffadenspannung geregelt und/oder
eine Garngeschwindigkeit im Fadenlauf in Abhängigkeit von der Fadenlauffadenspannung
mittels eines im Fadenlauf angeordneten Fadenbremsmoduls geregelt. Die Aufspulspannung
wird dadurch von der Abzugsgeschwindigkeit getrennt, was insbesondere bei Umspulprozessen
mit zwischengeschalteter Garnbearbeitung vorteilhaft ist.
[0015] Eine erfindungsgemäße Umspulvorrichtung zum Umspulen von Garnen weist auf:
- einer Vorlagespulenaufnahme, eingerichtet zur Aufnahe einer Vorlagespule mit einem
abzuspulenden Garn, und
- einer mit einer Aufwickelgeschwindigkeit rotierbaren Garnträgeraufnahme, eingerichtet
zur Aufnahme eines Garnträgers, auf den das Garn aufwickelbar ist, wobei das Garn
über einen Fadenlauf von der Vorlagespule zum Garnträger führbar ist.
Erfindungsgemäß sind Kontrollgrößenaufnahmemittel vorgesehen, eingerichtet, eine Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße
des Garns von der Vorlagespule zu ermitteln, wobei ein Regelungsmodul vorgesehen ist,
eingerichtet, ein Umspulaggregat zum Regeln der Umspulgeschwindigkeit in Abhängigkeit
von der Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße zu steuern. Das Umspulaggregat ist dabei
bevorzugt eingerichtet die Garnträgeraufnahme mit der Aufwickelgeschwindigkeit zu
rotieren, es ist dann als ein Spulaggregat zum Antrieb der Garnträgeraufnahme ausgebildet.
Das Regelungsmodul ist dann eingerichtet die Umspulgeschwindigkeit durch Steuern der
Aufwickelgeschwindigkeit zu regeln.
[0016] Die erfindungsgemäße Umspulvorrichtung ist eingerichtet, das erfindungsgemäße Verfahren
durchzuführen und stellt damit die Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Verfügung.
[0017] Vorteilhaft ist ein Abzugslieferwerk im Fadenlauf vorgesehen, eingerichtet, eine
Abzugsgeschwindigkeit des Garns festzulegen, wobei die Kontrollgrößenaufnahmemittel
eingerichtet sind, die Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße im Fadenlauf vor dem Abzugslieferwerk
zu ermitteln. Diese Ausführungsform eignet sich insbesondere bei einem über Kopf Abziehen
der Vorlagespule. Das Umspulaggregat kann dabei eingerichtet sein das Abzugslieferwerk
anzutreiben, wobei das Regelungsmodul dann eingerichtet ist die Umspulgeschwindigkeit
durch Steuerung der Abzugsgeschwindigkeit zu regeln.
[0018] Besonders robust und einfach herzustellen ist die erfindungsgemäße Umspulvorrichtung,
wenn die Kontrollgrößenaufnahmemittel einen Fadenspannungssensor aufweisen, eingerichtet,
als Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße eine Abzugsfadenspannung mittels Messung zu
ermitteln.
[0019] Die erfindungsgemäße Umspulvorrichtung kann ein Fadenlauffadenspannungsregelmodul
aufweisen, eingerichtet, eine Fadenlauffadenspannung, bevorzugt eine Aufwickelfadenspannung,
mittels eines Fadenspannungssensors zu messen und die Abzugsgeschwindigkeit eines
Abzugslieferwerks in Abhängigkeit von der Fadenlauffadenspannung zu regeln und/oder
eine Garngeschwindigkeit im Fadenlauf in Abhängigkeit von der Fadenlauffadenspannung
mittels eines im Fadenlauf angeordneten Fadenbremsmoduls zu regeln. Dadurch wird die
Fadenspannung sowohl im Bereich der Vorlagespule, als auch im Bereich des Garnträgers
gemessen und kontrolliert, was bei einem der Umspulung zwischengeschalteten Garnbearbeitungsprozess
vorteilhaft ist.
[0020] Eine erfindungsgemäße Garnbearbeitungsmaschine weist mindestens eine erfindungsgemäße
Umspulvorrichtung auf.
[0021] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme
auf die Zeichnungen näher erläutert.
[0022] Die Figur 1 zeigt eine erfindungsgemäße Umspulvorrichtung.
Die Figur 2 zeigt die Fadenspannung in Abhängigkeit von der Spulenreise vor dem Abzugslieferwerk
einer Umspulvorrichtung gemäß Stand der Technik.
[0023] Die Figuren der Zeichnungen zeigen den erfindungsgemäßen Gegenstand stark schematisiert
und sind nicht maßstäblich zu verstehen. Die einzelnen Bestandteile des erfindungsgemäßen
Gegenstandes sind so dargestellt, dass ihr Aufbau gut gezeigt werden kann.
[0024] In Figur 1 ist eine erfindungsgemäße Umspulvorrichtung 1 zum Umspulen von Garnen
dargestellt. Das Garn wird von einer Vorlagespule 3, die in einer Vorlagespulenaufnahme
4 zum über Kopf Abziehen angeordnet ist, abgespult. Ein Garnträger 7, auf den das
Garn aufgewickelt wird, ist in einer Garnträgeraufnahme 8 angeordnet. Ein nicht dargestelltes
Umspulaggregat, das als Spulaggregat zum antreiben der Garnträgeraufnahme 8 ausgebildet
ist, treibt die Garnträgeraufnahme 8 derart an, dass sie mit einer Aufwickelgeschwindigkeit
rotiert. Allgemein handelt es sich bei dem Umspulaggregat um einen Elektromotor der
derart mit dem Garn in Eingriff steht, dass er die Umspulgeschwindigkeit zumindest
beeinflussen kann. Das Garn ist beim Umwickeln in einem Fadenlauf 10 von der Vorlagespule
3 zum Garnträger 7 geführt. Im Bereich der Vorlagespule 3 bildet der Fadenlauf 10
einen Abzugsballon 11. Durch eine nicht dargestellte Fadenführung, die eine geordnete
Garnwicklung auf dem Garnträger 7 ermöglicht, wird der Fadenlauf 10 vor dem Garnträger
7 trichterförmig aufgeweitet. Um eine Regelung der Umspulgeschwindigkeit, d.h. im
dargestellten Fall der Aufwickelgeschwindigkeit in Abhängigkeit von Parametern der
Vorlagespule 3 zu ermöglichen, ist als Kontrollgrößenaufnahmemittel ein Fadenspannungssensor
15 im Fadenlauf 10 vor einem Abzugslieferwerk 17, das durch dessen Rotationsgeschwindigkeit
die Abzugsgeschwindigkeit des Garns festlegt, vorgesehen. Der Fadenspannungssensor
15 misst Abzugsspannungswerte der Abzugsfadenspannung des Garns von der Vorlagespule
3 im Fadenlauf 10 vor dem Abzugslieferwerk 17 kontinuierlich. Diese Abzugsspannungswerte
werden als Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße des Garns von einem Regelungsmodul
19 herangezogen um in Abhängigkeit von der Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße die
Aufwickelgeschwindigkeit der Garnträgeraufnahme 8 und damit des Garns auf den Garnträger
7 zu steuern.
Die Umspulvorrichtung 1 weist weiter ein Fadenlauffadenspannungsregelmodul 20 auf.
Dieses Fadenlauffadenspannungsregelmodul 20 ist eingerichtet, eine Fadenlauffadenspannung
im Fadenlauf 10 kurz vor dem Garnträger 7, also eine Aufwickelfadenspannung, mittels
eines weiteren Fadenspannungssensors 22 zu messen. Die Abzugsgeschwindigkeit des Abzugslieferwerks
17 wird von dem Fadenlauffadenspannungsregelmodul 20 in Abhängigkeit von der Fadenlauffadenspannung
geregelt. Weiter kann die Garngeschwindigkeit im Fadenlauf 10 in Abhängigkeit von
der Fadenlauffadenspannung mittels eines im Fadenlauf 10 angeordneten Fadenbremsmoduls
25 geregelt werden.
[0025] Die Figur 2 zeigt die Fadenspannung S in Centinewton [cN] in Abhängigkeit von der
Spulenreise t vor dem Abzugslieferwerk einer Umspulvorrichtung gemäß Stand der Technik.
Unter Spulenreise t wird der zeitliche Verlauf des gesamten Abspulprozesses verstanden.
Die Fadenspannung S steigt mit zunehmender Abspulung der Vorlagespule an, wobei deren
Schwankungen stark zunehmen. Der Anstieg der Fadenspannung S hat seine Hauptursache
im kleiner werdenden Vorlagespulenradius, der zu höheren Geschwindigkeiten des Fadens
bei gleicher Abzugsgeschwindigkeit führt. Beim Übergang zwischen verschiedenen Spiegelzonen
der Vorlagespule ergibt sich ein starker kurzzeitiger Fadenspannungsanstieg (Fadenspannungsspitzen
33). Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht durch Steuerung der Umspulgeschwindigkeit,
z.B. der Aufwickelgeschwindigkeit eine weitestgehende Vermeidung von Fadenspannungsschwankungen
insbesondere auch beim in Spiegelzonen während der gesamten Spulenreise t. Die im
Stand der Technik auftretenden Fadenspannungsspitzen 33 entfallen bei Anwendung des
erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0026] Vorgeschlagen wird ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Umspulen von Garnen mit
einer Umspulgeschwindigkeit. Das Verfahren weist folgende Verfahrensschritte auf:
Abspulen eines Garns von einer Vorlagespule 3, und Aufwickeln des Garns auf einen
mit einer Aufwickelgeschwindigkeit rotierenden Garnträger 7, wobei das Garn über einen
Fadenlauf 10 von der Vorlagespule 3 zum Garnträger 7 geführt wird. Eine Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße
des Garns wird von der Vorlagespule 3, bevorzugt im Fadenlauf 10 vor einem eine Abzugsgeschwindigkeit
festlegenden Abzugslieferwerk 17, ermittelt und die Umspulgeschwindigkeit wird von
einem Regelungsmodul 19 in Abhängigkeit von der Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße
geregelt.
[0027] Die Erfindung beschränkt sich nicht auf die vorstehend angegebenen Ausführungsbeispiele.
Vielmehr ist eine Anzahl von Varianten denkbar, welche auch bei grundsätzlich anders
gearteter Ausführung von den Merkmalen der Erfindung Gebrauch machen.
1. Verfahren zum Umspulen von Garnen mit einer Umspulgeschwindigkeit, mit den Verfahrensschritten
- Abspulen eines Garns von einer Vorlagespule (3), und
- Aufwickeln des Garns auf einen mit einer Aufwickelgeschwindigkeit rotierenden Garnträger
(7), wobei das Garn über einen Fadenlauf (10) von der Vorlagespule (3) zum Garnträger
(7) geführt wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße des Garns von der Vorlagespule (3), bevorzugt
im Fadenlauf (10) zu einem Beginn des Fadenlaufs (10), beispielsweise vor einem Abzugslieferwerk
(17), einer Bremse oder einer Beölungseinrichtung, ermittelt wird und die Umspulgeschwindigkeit
von einem Regelungsmodul (19) in Abhängigkeit von der Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße
geregelt wird.
2. Verfahren zum Umspulen von Garnen nach Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet, dass
die Umspulgeschwindigkeit durch Steuerung der Aufwickelgeschwindigkeit geregelt wird.
3. Verfahren zum Umspulen von Garnen nach Anspruch 1 oder 2 ,
dadurch gekennzeichnet, dass
als Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße eine Abzugsfadenspannung, bevorzugt mittels
Messung durch einen Fadenspannungssensor (15) ermittelt wird.
4. Verfahren zum Umspulen von Garnen nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Ermitteln der Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße über Sollumspulgeschwindigkeitswerte
in Abhängigkeit von einem aktuellen Durchmesser der Vorlagespule (3) und/oder dem
aktuellen Gewicht der Vorlagespule (3) und/oder der noch auf der Vorlagespule (3)
befindlichen Länge des Garns und/oder von optischen Überwachungsdaten eines Abspulbalions
der Vorlagespule (3) und/oder von optischen Überwachungsdaten von Spiegelzonen auf
der Vorlagespule (3) erfolgt.
5. Verfahren zum Umspulen von Garnen nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Fadenlauffadenspannung, bevorzugt eine Aufwickelfadenspannung, mittels eines
Fadenspannungssensors (22) gemessen wird und die Abzugsgeschwindigkeit eines Abzugslieferwerks
(17) in Abhängigkeit von der Fadenlauffadenspannung geregelt wird und/oder eine Garngeschwindigkeit
im Fadenlauf (10) in Abhängigkeit von der Fadenlauffadenspannung mittels eines im
Fadenlauf (10) angeordneten Fadenbremsmoduls (25) geregelt wird.
6. Umspulvorrichtung (1) zum Umspulen von Garnen mit einer Umspulgeschwindigkeit, mit
- einer Vorlagespulenaufnahme (4), eingerichtet zur Aufnahme einer Vorlagespule (3)
mit einem abzuspulenden Garn, und
- einer mit einer Aufwickelgeschwindigkeit rotierbaren Garnträgeraufnahme (8), eingerichtet
zur Aufnahme eines Garnträgers (7), auf den das Garn aufwickelbar ist, wobei das Garn
über einen Fadenlauf (10) von der Vorlagespule (3) zum Garnträger (7) führbar ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
Kontrollgrößenaufnahmemittel vorgesehen sind, eingerichtet, eine Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße
des Garns von der Vorlagespule (3) zu ermitteln, wobei ein Regelungsmodul (19) vorgesehen
ist, eingerichtet, ein Umspulaggregat zum Regeln der Umspulgeschwindigkeit in Abhängigkeit
von der Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße zu steuern.
7. Umspulvorrichtung zum Umspulen von Garnen nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
ein Abzugslieferwerk (17) im Fadenlauf (10) vorgesehen ist, eingerichtet, eine Abzugsgeschwindigkeit
des Garns festzulegen, wobei die Kontrollgrößenaufnahmemittel eingerichtet sind, die
Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße im Fadenlauf (10) vor dem Abzugslieferwerk (17)
zu ermitteln.
8. Umspulvorrichtung zum Umspulen von Garnen nach Anspruch 6 oder 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Umspulaggregat eingerichtet ist die Garnträgeraufnahme (8) mit der Aufwickelgeschwindigkeit
zu rotieren, wobei das Regelungsmodul (19) eingerichtet ist die Umspulgeschwindigkeit
durch Steuerung der Aufwickelgeschwindigkeit zu regeln.
9. Umspulvorrichtung zum Umspulen von Garnen nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Umspulaggregat eingerichtet ist das Abzugsüeferwerk (17) anzutreiben, wobei das
Regelungsmodul (19) eingerichtet ist die Umspulgeschwindigkeit durch Steuerung der
Abzugsgeschwindigkeit zu regeln.
10. Umspulvorrichtung zum Umspulen von Garnen nach mindestens einem der Ansprüche 6 bis
9,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Kontrollgrößenaufnahmemittel einen Fadenspannungssensor (15) aufweisen, eingerichtet,
als Umspulgeschwindigkeitskontrollgröße eine Abzugsfadenspannung mittels Messung zu
ermitteln.
11. Umspulvorrichtung zum Umspulen von Garnen nach mindestens einem der Ansprüche 6 bis
10,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Umspulvorrichtung (1) ein Fadenlauffadenspannungsregelmodul (20) aufweist, eingerichtet,
eine Fadenlauffadenspannung, bevorzugt eine Aufwickelfadenspannung, mittels eines
Fadenspannungssensors (22) zu messen und die Abzugsgeschwindigkeit eines Abzugslieferwerks
(17) in Abhängigkeit von der Fadenlauffadenspannung zu regeln und/oder eine Garngeschwindigkeit
im Fadenlauf (10) in Abhängigkeit von der Fadenlaufifadenspannung mittels eines im
Fadenlauf (10) angeordneten Fadenbremsmoduls (25) zu regeln.
12. Garnbearbeitungsmaschine mit mindestens einer Umspulvorrichtung nach mindestens einem
der Ansprüche 6 bis 11.