[0001] Die Erfindung betrifft eine Notverriegelung für eine Brandschutztür und eine Rauchklappenentriegelung
gemäß den Oberbegriffen der unabhängigen Patentansprüche.
[0002] Es ist eine Notverriegelung für eine Brandschutztür bekannt. Herkömmliche Brandschutztüren
enthalten eine Zarge und mindestens einen Türflügel, welcher an der Zarge über Scharniere
verschwenkbar gelagert ist. Der mindestens eine Türflügel kann dabei über ein verriegelbares
Einpunktschloss mit der Zarge verschlossen und verriegelt werden. Herkömmlicherweise
ist eine Notverriegelung für eine Brandschutztür derart ausgebildet, dass bei der
Erfassung eines Feuers, beispielsweise mittels eines Rauchmelders, das Einpunktschloss
verriegelt wird. Häufig wird dabei das Einpunktschloss über einen elektrischen Aktuator
verriegelt. Somit kann sichergestellt werden, dass die Brandschutztür während eines
Feuers verschlossen bleibt, so dass sich das Feuer nicht weiter ausbreiten kann. Ferner
wird somit sichergestellt, dass das Feuer nicht durch weitere Sauerstoffzufuhr "ernährt"
wird.
[0003] Brandschutztüren sollen im Brandfall zumindest über eine vorgegebene Zeitspanne das
Ausbreiten des Feuers verhindern. Zur Überprüfung ihrer Schutzvorschriften werden
Brandschutztüren hinsichtlich ihrer Brandhemmfunktion oder allgemein ihrer Feuerschutzfunktion
einem Brandtest unterzogen. Bei diesem Test zeigen sich immer wieder die Auswirkungen
der Flammeneinwirkung auf die Brandschutztüre, wenn nur das Einpunktschloss eingebaut
ist. Die freien Türecken und das Türblatt biegen sich durch die hohe Temperaturdifferenz
zwischen Brandaußen- und -innenseite in Richtung Au-βenseite durch. Dadurch schlagen
zum einen die Flammen durch die Türe und es besteht die Gefahr, dass eine Türverriegelung
der großen Öffnungskraft nicht mehr standhält.
[0004] Bestehen die Türflügel aus Stahl, so können die geforderten Bedingungen hinsichtlich
der zulässigen Wärmedehnungswerte bei den bislang bekannten Türen erfüllt werden,
weil der Wärmeausdehnungskoeffizient von Stahl gering ist. Der Wärmausdehnungskoeffizient
von Leichtmetall, wie zum Beispiel bei Aluminium-Hohlprofiltüren, ist jedoch bekanntlich
wesentlich größer, so dass die Schutzvorschriften nicht in allen Fällen zuverlässig
erfüllt werden können. Es ist nämlich festgestellt worden, dass sich die Türflügel,
insbesondere wenn sie aus Aluminium bestehen, sehr stark verformen, und zwar bedingt
durch den hohen Wärmeausdehnungskoeffizienten. Durch solche in der Regel stark bogenartigen
Verformungen der Türflügel besteht die Gefahr, dass die Türflügel vorzeitig und ungewollt
aufspringen. Somit besteht insbesondere bei Brandschutztüren aus Leichtmetall aber
auch aus Stahl die Gefahr, dass die Flammen durch die Türe schlagen, und dass die
Brandschutzwirkung dann aufgehoben ist.
[0005] Es ist Aufgabe der Erfindung einen Weg zu zeigen, wie kostengünstig, auf einfache
Weise und durch geringen konstruktiven Aufwand eine Notverriegelung ausgebildet werden
können, welche die Brandschutztür bei Feuer wirksam verriegelt, so dass die Brandschutztür
eine hohe Feuerwiderstandsfähigkeit aufweist. Die Erfindung hat ferner die Aufgabe,
eine Rauchklappenentriegelung anzugeben, die zuverlässig und auf einfache Weise ein
Öffnen der Rauchklappe im Brandfall zu ermöglichen.
[0006] Die Lösung dieser Aufgabe ergibt sich aus den Merkmalen der unabhängigen Patentansprüche
Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen
beschrieben.
[0007] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, dass die Notverriegelung für eine
Brandschutztür bzw. die Rauchklappe einen Riegel und ein temperaturaktives Mittel
zur Riegelbetätigung enthält.
[0008] Dadurch wird die Brandschutztür mit der Zarge und/oder dem Bodenbereich verriegelt,
wobei der Riegel aber nur im Brandfall, und dann selbsttätig, durch das temperaturaktive
Mittel ausgefahren wird.
[0009] Neben üblichen Brandschutztüren eignet sich die Erfindung auch sehr gut für den Einsatz
bei Karusselltüren, und Schiebetüren für den Brandschutz.
[0010] Eine alternative Verwendung des temperaturaktiven Mittels besteht erfindungsgemäß
darin, dass die Verriegelung von Rauchklappen mittels eines temperaturaktiven Materials
entriegelt werden. Dann können die Rauchklappen beispielsweise durch Federbelastung
in die Offenstellung gebracht werden.
[0011] Vorzugsweise sind mehrere Notverriegelungen entlang der Brandschutztür angeordnet.
Dazu werden gleich mehrere Notverriegelungen, insbesondere im Bereich der Ecken von
der Brandschutztür, angebracht, da sich dort im Brandfalle am ehesten die Verbiegungen
einstellen. Im Gegensatz zum Stand der Technik wird somit die Brandschutztür an mehreren
Punkten, insbesondere an ihren Schwachstellen, verriegelt. Dadurch wird es ermöglicht,
dass auch leichtere Brandschutztüren, beispielsweise aus Aluminium, eine Brandschutzklasse
mit höherer Zeitstandsicherheit aufweisen. Die Notverriegelung erweist sich ferner
dahingehend als vorteilhaft, als dass sie mit nur wenigen Elementen auskommt und somit
kostengünstig ist. Trotzdem arbeitet die Notverriegelung sehr zuverlässig, da sie
bei Wärmeeinwirkung, also im Brandfall, rein mechanisch arbeitet. Die Notverriegelung
kann nämlich unabhängig von Branddetektoren arbeiten, deren Funktion im Brandfalle
unzuverlässig sein kann. So können beispielsweise bei einer herkömmlichen Notverriegelung,
bei denen die Notverriegelung in Ansprechen auf Branddetektoren betrieben wird, Fehlfunktionen
auftreten, da Signalleitungen zwischen der Notverriegelung und den Branddetektoren
beschädigt sein können (beispielsweise durch die Brandeinwirkung).
[0012] In einer vorteilhaften Ausführungsform expandiert das temperaturaktive Mittel bei
einer Wärmeeinwirkung von vorzugsweise 100°C bis 250°C. Somit kann gewährleistet werden,
dass die Brandschutztür auch wirklich nur im Brandfalle wirksam und zuverlässig verriegelt
wird. Fehlfunktionen, welche im Zusammenhang mit zusätzlich bereitgestellten Branddetektoren
auftreten können, werden somit umgangen. Es zeigt sich insbesondere auch als vorteilhaft,
dass eine unnötige Verriegelung der Brandschutztür aufgrund eines Fehlalarms ausgeschlossen
werden kann. Vielfach geben Rauchdetektoren einen Feueralarm aus, obwohl kein Feuer
vorliegt. Die Ursache dafür liegt in vielen Fällen darin begründet, dass die Rauchdetektoren
zwar Rauch und/oder Dampf detektieren, welcher jedoch ohne Feuer oder durch ein kontrolliertes
(kleines) Feuer entstanden ist. Bei vielen Einrichtungen, insbesondere bei Großküchen,
tritt jedoch oft eine Rauch- oder Dampfentwicklung auf, ohne dass ein Feuer vorliegt.
Bei einem Fehlalarm werden dann herkömmlicher Weise Brandschutztüren unnötig verschlossen
und verriegelt und teilweise erst nach Verstreichen einer langen Zeitperiode wieder
entriegelt. Eine solch unnötige Verriegelung ist insbesondere im Arbeitsumfeld lästig,
zeitraubend und somit auch teuer.
[0013] Vorzugsweise ist das temperaturaktive Mittel ein intumeszierendes Material. Ein intumeszierendes
Material ist aus dem Stand der Technik bekannt. Im Brandfall blähen sich intumeszierende
Materialien auf etwa das 5- bis 10-fache des ursprünglichen Volumens auf und bilden
an ihrer Oberfläche eine stabile und harte Kruste aus. Sie sind in Form von Stäben,
Streifen, pastösen Spritzmassen, Anstrichen, Kleber etc. kommerziell erhältlich. Die
bisherige Verwendung intumeszierender Materialien umfasst im wesentlichen ihre Verwendung
als Kalt- bzw. Heißgasdichtungen, d.h. im Brandfall soll die Weiterverbreitung von
heißen Rauchgasen in den damit abgedichteten Bauteilen, wie Plastikrohre, Kabel- und
Lüftungsschächte, verhindert werden.
[0014] In einer weiteren Ausführungsform ist das temperaturaktive Mittel eine Bimetallfeder.
Eine solche Feder besteht aus zwei fest miteinander verbundenen Teilen aus Metallen
oder Metalilegierungen mit verschiedenen Ausdehnungskoeffizienten. Bei Temperaturänderungen
verändern die beiden Teile ihre Ausdehnung verschieden stark. Durch diese Differenz
entsteht eine Form- und/oder Längenänderung.
[0015] Bevorzugt ist das temperaturaktive Mittel eine Shape-Memory-Feder. Eine solche Feder
wird bei Hitzebehandlung mechanisch verformt und kehrt bei Normaltemperatur in ihre
ursprüngliche Form zurück. Sie hat einen Shape-Memory-Effekt, d.h. dass die ursprüngliche
Form bei Normaltemperatur wiederhergestellt wird.
[0016] Die Ausführung, bei welcher das temperaturaktive Material bei Abkühlung in den Ursprungszustand
zurück geht, hat beispielsweise den Vorteil, dass die betreffende Tür nach Abkühlung
mit Löschwasser wieder geöffnet werden kann, und Rettungs- und Löschkräfte Zugang
erhalten.
[0017] In einer weiteren Ausführungsform stellt das temperaturaktive Mittel einen pyrotechnischen
Effekt bereit.
[0018] In einer weiteren Ausführungsform enthält das temperaturaktive Mittel eine rheologische
Flüssigkeit. Rheologische Flüssigkeiten zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Viskosität
durch äußere elektrische Felder im Bereich mehrerer Größenordnungen gezielt beeinflusst
werden kann. Dieses Verhalten beruht auf den durch das Feld hervorgerufenen Strukturveränderungen
innerhalb der Flüssigkeit. Für hinreichend große Feldstärken von üblicherweise einigen
kV/mm erhöht sich die Viskosität der rheologischen Flüssigkeit innerhalb weniger Millisekunden
soweit, dass die Flüssigkeit zu einem elastischen Körper erstarrt und erst oberhalb
einer bestimmten mechanischen Belastungsgrenze, der sogenannten Fließgrenze, wieder
zu fließen beginnt.
[0019] In einer weiteren Ausführungsform enthält das temperaturaktive Mittel ein Kunststoffmaterial.
Dieses Material sollte dabei eine große Weg- oder Volumenänderung bei Wärmeeinwirkung
enthalten.
[0020] In einer weiteren Ausführungsform ist das temperaturaktive Mittel ein elektrochemischer
Aktuator, welcher durch eine Auslösevorrichtung ansteuerbar ist. Bei dieser Ausgestaltung
ist der elektrochemische Aktuator beispielsweise über Signalleitungen mit der Auslösevorrichtung
verbunden. In Ansprechen auf ein Signal von der Auslösevorrichtung expandiert der
elektrochemische Aktuator, wodurch der Riegel ausfährt und die Brandschutztür verriegelt.
[0021] Vorzugsweise ist die Auslösevorrichtung eine Detektorvorrichtung und/oder ein Schalter.
Bei der Detektorvorrichtung kann es sich beispielsweise um einen Rauchmelder handeln,
welcher automatisch bei der Detektion eines Feuers ein entsprechendes Signal an den
elektrochemischen Aktuator ausgibt. Dieser betätigt dann den Riegel. Beim Schalter
kann es sich beispielsweise um einen Notschalter handeln, welcher im näheren Umfeld
der Brandschutztür bereitgestellt ist. Sobald ein Feuer erkannt wird, kann der Notschalter
von einer Person bedient werden. Ferner kann die Brandschutztür auch bei Vorliegen
von weiteren Gefahrenquellen, beispielsweise Wassereintritt, giftigen Gasen, usw.
verriegelt werden. Auch kann eine Verriegelung im Falle eines Einbruchs stattfinden,
wobei die Detektorvorrichtung dann als Einbruchsdetektor, beispielsweise IR-Lichtschranke,
allgemeiner Personendetektor, Glasbruchmelder, usw., ausgebildet ist.
[0022] Vorzugsweise enthält die Notverriegelung ferner ein Vorspannmittel, welches mit dem
Riegel in Wirkverbindung steht, wobei das Vorspannmittel durch das temperaturaktive
Mittel entsperrbar ist. Somit wird insbesondere eine rasche und besonders zuverlässige
Verriegelung gewährleistet, da der Riegel schneller und mit einer höheren Kraft in
die Aufnahme eingeschoben wird.
[0023] Vorzugsweise enthält das Vorspannmittel eine vorgespannte Feder. In einer alternativen
Ausführungsform enthält das Vorspannmittel ein komprimiertes Fluid.
[0024] Vorzugsweise enthält die Notverriegelung ferner ein Heizelement, welches in Ansprechen
auf ein Signal von mindestens einer Auslösevorrichtung eine Heizenergie abgibt, wobei
das temperaturaktive Mittel in Ansprechen auf diese Heizenergie expandiert. Somit
kann das temperaturaktive Mittel fernbedient beheizt werden, wenn ein Alarm einer
Brandmeldeeinrichtung oder eine »NOT ZU» bei Gefahr vorliegt.
[0025] Vorzugsweise enthält die Notverriegelung ferner einen Schnappverschluss, welcher
den Riegel und eine zur Aufnahme des Riegels ausgebildete Schnappaufnahme enthält,
wobei der Schnappverschluss derart ausgebildet ist, dass der Riegel im Normalzustand
verriegelungsfrei in die Schnappaufnahme einschnappt, und der Riegel bei Wärmeeinwirkung
durch das temperaturaktive Mittel derart betätigbar ist, dass der Riegel mit der Schnappaufnahme
verriegelt ist.
[0026] Somit kann, neben den zusätzlich angebrachten Riegeln, die in nahezu beliebiger Anzahl
an der Türe angebracht werden können, auch das selbsttätige Verriegeln des Schlossriegels
mittels teleskopartig montiertem Riegel in Verbindung mit intumeszierendem Material
ausgelegt werden, wodurch ein temperaturgesteuertes selbstverriegelndes Schloss aufgebaut
ist. Vorteilhaft hierbei ist auch, dass bei verriegelter Türe eine temperaturgesteuerte
Riegelverlängerung erreicht wird, wobei der Hauptriegel die Vorspannung aufnimmt und
somit der Verlängerungsriegel vorspannungsfrei ausfahren kann.
[0027] Die Erfindung lässt sich anhand eines Ausführungsbeispiels weiter erläutern. Dazu
ist der Beschreibung eine Zeichnung beigefügt. In dieser zeigt:
- Figur 1a
- eine Notverriegelung im Normalfall in einer Querschnittsansicht in Längsrichtung und
in einer dreidimensionalen Darstellung in einer Ausführungsform der Erfindung, wobei
die Notver-riegelung ein temperaturaktives Mittel enthält, welches ein intumeszierendes
Material ist,
- Figur 1b
- die Notverriegelung von Figur 1 a bei Wärmeeinwirkung,
- Figur 2a
- eine Notverriegelung im Normalfall in einer Querschnittsansicht in Längsrichtung und
in einer dreidimensionalen Darstellung in einer Ausführungsform der Erfindung, wobei
die Notver-riegelung ein temperaturaktives Mittel enthält, welches eine Bimetallfeder
ist,
- Figur 2b
- die Notverriegelung von Figur 2a bei Wärmeeinwirkung,
- Figur 3a
- eine Notverriegelung im Normalfall in einer Querschnittsansicht in Längsrichtung und
in einer dreidimensionalen Darstellung in einer Ausführungsform der Erfindung, wobei
die Notver-riegelung ein temperaturaktives Mittel enthält, welches eine Shape-Memory-Feder
ist,
- Figur 3b
- die Notverriegelung von Figur 3a bei Wärmeeinwirkung,
- Figur 4a
- eine Notverriegelung im Normalfall in einer Querschnittsansicht in Längsrichtung und
in einer dreidimensionalen Darstellung in einer Ausführungsform der Erfindung,
- Figur 4b
- die Notverriegelung von Figur 4a bei Wärmeeinwirkung.
- Figur 5a
- eine Notverriegelung im Normalfall in einer Querschnittsansicht in Längsrichtung und
in einer dreidimensionalen Darstellung in einer Ausführungsform der Erfindung, wobei
die Notver-riegelung ferner einen Schnappverschluss enthält, und
- Figur 5b
- die Notverriegelung von Figur 5a bei Wärmeeinwirkung.
[0028] Figuren 1a und 1 b zeigen jeweils eine Notverriegelung 10 einer Brandschutztür (nicht
gezeigt) im Normalfall und bei einer Wärmeeinwirkung. Die Notverriegelung 10 weist
einen Riegel 14 auf, der in einer Sacklochausnehmung in der Brandschutztür gelagert
ist. Das Sackloch wird hier von einem hohlzylindrischen Hülsenkörper 12 mit geschlossenem
Boden 13 gebildet auf, in welchem der als Rundbolzen ausgebildete Riegel 14 längsverschiebbar
gelagert ist, wobei der Riegel 14 den offenen Querschnitt des Hülsenkörpers 12 einnimmt
und der Hülsenkörper 12 als Bolzenführung dient. In einer nicht gezeigten Ausführungsform
kann der Riegel auch als Schwenkriegel ausgebildet sein.
[0029] Zwischen der einen Stirnseite des Bolzens 14 und dem Boden 13 des Hülsenkörpers 12
ist ein temperaturaktives Mittel 16 eingebracht. Im Normalzustand (siehe Figur 1a)
ist das temperaturaktive Mittel 16 im komprimierten Zustand. Der Begriff "Normalzustand"
bedeutet hier einen Zustand innerhalb eines normalen Temperaturbereichs. In diesem
Zustand schließt das vordere Ende des Bolzens 14 bündig mit dem vorderen Ende des
Hülsenkörpers 12 ab.
[0030] Die Notverriegelung 10 kann im Falz eines Türflügels, in einer Zarge oder im Bodenbereich
der Brandschutztür eingebaut sein. Zur Montage ist lediglich das Anbringen eines Sacklochs
im Türflügel oder in der Zarge erforderlich. Zum Befestigen weist der Hülsenkörper
an seinem offenen Ende einen Flansch 11 mit Schraubenlöchern 15 auf. Im Normalzustand
stellt die Notverriegelung 10 keinerlei Verriegelungsfunktion bereit. Die Notverriegelung
10 ist in der Weise montiert, dass sie im Normalfall bündig mit der Montagefläche
abschließt.
[0031] Figur 1 b zeigt die Notverriegelung 10 bei Wärmeeinwirkung. Der Begriff "Wärmeeinwirkung"
bedeutet in diesem Fall das Vorliegen eines Brandes in der unmittelbaren Nähe der
Brandschutztür. In diesem Falle liegen Temperaturen von oberhalb 100°C vor. Bei dieser
Wärmeeinwirkung expandiert das temperaturaktive Mittel 16 innerhalb des Hülsenkörpers
12, wodurch der Bolzen 14 ein Stück weit aus dem Hülsenkörper 12 hinausgedrückt wird.
Dabei fährt das vordere Ende des Bolzens 14 in eine nicht gezeigte Riegelaufnahme
hinein und verriegelt somit die Brandschutztür.
[0032] Im Falle, dass die Notverriegelung 10 am Falz des Türflügels angebracht ist, kann
das vordere Ende des Bolzens 14 in eine an der Zarge oder am Bodenbereich der Brandschutztür
angebrachte Aufnahme einfahren. Im Falle, dass die Notverriegelung 10 an der Zarge
oder am Bodenbereich der Brandschutztür angebracht ist, kann das vordere Ende des
Riegels 14 in eine am Falz des Türflügels angebrachte Aufnahme einfahren. In allen
Fällen wird eine sichere und zuverlässige Verriegelung des Türflügels bereitgestellt.
Vorzugsweise werden gleich mehrere Notverriegelungen angebracht und zwar an Stellen
des Türflügels, an denen sich der Türflügel durch Brandeinwirkung durchbiegen kann.
[0033] Als temperaturaktives Mittel wird in dieser Ausführungsform ein intumeszierendes
Material 16 verwendet, welches bei Wärmeeinwirkung expandiert. Vorzugsweise sollte
ein intumeszierendes Material verwendet werden, welches bei einer Temperatur von größer
100°C expandiert.
[0034] Figuren 2a und 2b zeigen eine Notverriegelung 10 jeweils im Normalfall und bei Wärmeeinwirkung.
Diese Notverriegelung 10 weist wiederum Riegel 14 einen Hülsenkörper 12 auf. Gleiche
Teile sind wie bei der oben beschriebenen Notverriegelung 10 mit gleichen Bezugszeichen
versehen. In dieser Ausführungsform enthält die Notverriegelung 10 ein temperaturaktives
Mittel, welches eine spiralförmige Bimetallfeder 18 ist, die zwischen dem Boden 13
des Hülsenkörpers 12 und des Riegels 14 eingeschoben ist.
[0035] Im Normalfall (siehe Figur 2a) ist die Bimetallfeder 18 komprimiert und das vordere
Ende des Riegels 14 schließt bündig mit dem vorderen Ende des Hülsenkörpers 12 ab.
[0036] Bei Wärmeeinwirkung (siehe Figur 2b) ist die Bimetallfeder 18 im expandierten Zustand,
wodurch sie den Riegel 14 ein Stück weit aus dem Hülsenkörper 12 herausdrückt.
[0037] Figuren 3a und 3b zeigen eine Notverriegelung 10 jeweils im Normalfall und bei Wärmeeinwirkung.
Diese Notverriegelung 10 weist wiederum einen Riegel 14 und einen Hülsenkörper 12
auf. Gleiche Teile sind wie bei der oben beschriebenen Notverriegelung 10 mit gleichen
Bezugszeichen versehen. In dieser Ausführungsform enthält die Notverriegelung 10 als
temperaturaktives Mittel eine Shape-Memory-Feder 20, die hier als dreischenklige Blattfeder
ausgebildet ist. Die Blattfeder weist zwei Außenschenkel 19 und einen dazwischen liegenden
Innenschenkel 21 auf, die an ihrem Fußpunkt verbunden sind. Im Normalfall liegen die
Außenschenkel 19 und der Innenschenkel 21 in einer Ebene. Bei Temperatureinwirkung
spreizen sich die Außenschenkel 19 und der Innenschenkel 21 V-förmig auf. Wenn eine
Zwei-Wege-Shape-Memory-Feder eingesetzt wird, nehmen sie bei Abkühlung wieder ihre
ursprüngliche Form an.
[0038] Die freien Enden der Shape-Memory-Feder 20 sind über eine Öffnung 23 im Zylindermantel
des Hülsenkörpers 20 zwischen den Boden 13 des Hülsenkörpers 12 und des Riegels 14
eingeschoben.
[0039] Im Normalfall (siehe Figur 3a) ist die Shape-Memory-Feder 20 komprimiert und das
vordere Ende des Riegels 14 schließt bündig mit dem vorderen Ende des Hülsenkörpers
12 ab.
[0040] Bei einer Wärmeeinwirkung (siehe Figur 3b) ist die Shape-Memory-Feder 20 im expandierten
Zustand, wodurch sie den Riegel 14 ein Stück weit aus dem Hülsenkörper 12 herausdrückt.
[0041] Figuren 4a und 4b zeigen jeweils eine weitere Ausführungsform einer Notverriegelung
10 für ein Schloss im Normalfall (Figur 4a) und bei Wärmeeinwirkung (Figur 4b). In
dieser Ausführungsform ist ein Schlossriegel 14 als zweiteiliger, rechteckiger Flachriegel
ausgebildet. Er umfasst einen Riegelschaft 6, der über eine Zahnung 7 mit einem Schlossmechanismus
(nicht dargestellt) zur Riegelbetätigung zusammenwirkt. In Verlängerung des Riegelschafts
6 ist ein Hauptriegel 8 ausgebildet, auf welchem teleskopartig eine Riegelverlängerung
9 entlang des Riegelwegs verschiebbar gelagert ist. Die Riegelverlängerung 9 ist in
der Art einer Kappe auf dem verjüngten freien Ende 5 des Hauptriegels 8 geführt. Die
Riegelverlängerung 9 bildet mit anderen Worten einen Hülsenkörper 12' um das verjüngte
Ende 5 des Hauptriegels 8. Zwischen dem Boden 13 der Riegelverlängerung 9 und der
Stirnseite des verjüngten Endes 5 ist ein temperaturaktives Mittel angeordnet.
[0042] Als temperaturaktives Mittel wird in dieser Ausführungsform ebenfalls ein intumeszierendes
Material 16 verwendet, welches bei Wärmeeinwirkung expandiert. Vorzugsweise sollte
ein intumeszierendes Material verwendet werden, welches bei einer Temperatur von größer
100°C expandiert.
[0043] Somit kann auch das selbsttätige Verriegeln des Schlossriegels in Verbindung mit
intumeszierendem Material ausgelegt werden, wodurch ein temperaturgesteuertes selbstverriegelndes
Schloss aufgebaut ist. Vorteilhaft hierbei ist dabei, dass bei verriegelter Brandschutztüre,
d.h. bei ausgefahrenem Hauptriegel 8, die Riegelverlängerung 9 betätigt wird, wobei
der Hauptriegel 8 die Vorspannung aufnimmt und somit die Riegelverlängerung 9 vorspannungsfrei
ausfahren kann.
[0044] Figuren 5a und 5b zeigen jeweils eine weitere Ausführungsform einer Notverriegelung
10 im Normalfall (Figur 5a) und bei Wärmeeinwirkung (Figur 5b).
[0045] In dieser Ausführungsform weist die Notverriegelung 10 ferner einen Schnappverschluss
22 auf, welcher den Riegel 14 und eine zur Aufnahme des Riegels 14 ausgebildete Schnappaufnahme
24 umfasst. Die Schnappaufnahme 24 ist federnd gelagert, und zwar derart, dass sie
den in der Figur 5a gezeigten maximalen Weg zwischen A und B zurücklegen kann. Der
Riegel 14 weist an seinem Ende zwei Gleitschrägen 25 auf, die mit der Schnappaufnahme
26 zusammenwirken.
[0046] In dieser Ausführungsform schnappt der Riegel 14 im Normalzustand verriegelungsfrei
in die Schnappaufnahme 24 ein (Figur 5a). Der Ausdruck verriegelungsfrei bedeutet
hier, das der Türflügel zwar verschlossen gehalten bleibt, aber durch leichte Kraftausübung
zur Überwindung der Federkraft geöffnet werden kann, wobei je nach Bewegungsrichtung
eine der Schrägen 25 in der Art eines Keils an der Schnappaufnahme 24 gleitet und
dabei die Schnappaufnahme 24 zurückgeschoben wird.
[0047] Bei geöffneter Tür sind die in der Figur schematisch dargestellten Federn 26 im entspannten
Zustand, und die Schnappaufnahme 24 befindet sich an der Position A. Wird die Tür
geschlossen, so stößt der sich nach außen hin verjüngende Riegel 14 an der Außenkante
der Schnappaufnahme 24 an. Bei einer weiterführenden Schließung der Tür wird dann
die federgelagerte Schnappaufnahme 24 so weit nach außen hin weggedrückt, bis die
Spitze des Riegels 14 an der Außenfläche der Schnappaufnahme 24 entlang läuft (Position
B). Die schematisch dargestellten Federn sind an dieser Position maximal komprimiert.
[0048] Weitergehend greift dann der Riegel 14 in die Öffnung der Schnappaufnahme 24 ein.
In diesem Zustand sind die Federn der Schnappaufnahme 24 wieder entspannt (Position
A), und die Tür wird verschlossen gehalten. Allerdings ist die Tür in diesem Zustand
unverriegelt und kann jederzeit wieder geöffnet werden.
[0049] Bei Wärmeeinwirkung expandiert das im Hülsenkörper 12 eingeschobene intumeszierende
Material 16, so dass der Riegel 14 ein Stück weit aus dem Hülsenkörper 12 herausgeschoben
wird (siehe Figur 5b). Dabei komprimiert der Riegel 14 die Federn der Schnappaufnahme
24 (Position B). An dieser Position angelangt, können die Federn nicht weiter komprimiert
werden, so dass auch die Tür durch einfache Krafteinwirkung nicht mehr geöffnet werden
kann.
[0050] Somit wird sowohl die Funktion eines Schnappverschlusses einer Tür als auch eine
temperaturgesteuerte Verriegelung im Brandfall erreicht.
1. Notverriegelung (10) für eine Brandschutztür mit einem Riegel (14) und einem temperaturaktiven
Mittel (16, 18, 20) zur Riegelbetätigung.
2. Notverriegelung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass ein Schlossriegel zweiteilig mit einem Hauptriegel (8) und einer Riegelverlängerung
(9) ausgebildet ist, dass die Riegelverlängerung (9) längsverschieblich auf dem freien
Ende des Hauptriegels (8) angeordnet ist, und dass zwischen dem Hauptriegel (8) und
der Riegelverlängerung (9) das temperaturaktive Mittel (16, 28, 20) angeordnet ist.
3. Entriegelung für eine Rauchklappe, die mit einem Riegel lösbar in "Geschlossen"-Stellung
gehalten wird, dadurch gekennzeichnet,
dass sie ein temperaturaktives Material aufweist, mit welchem der Riegel mit in seine
"Offen"-Stellung bringbar ist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass mehrere Notverriegelungen (10) entlang der Brandschutztür angeordnet sind.
5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das temperaturaktive Mittel (16, 18, 20) bei Wärmeeinwirkung expandiert und dabei
den Riegel (14) in eine entsprechend bereitgestellte Aufnahme zur Verriegelung bewegt.
6. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das temperaturaktive Mittel (16, 18, 20) bei einer Wärmeeinwirkung von vorzugsweise
100°C bis 250°C expandiert.
7. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das temperaturaktive Mittel ein intumeszierendes Material (16) ist.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass das temperaturaktive Mittel eine Bimetallfeder (18) ist.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass das temperaturaktive Mittel eine Shape-Memory-Feder (20) ist.
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass das temperaturaktive Mittel einen pyrotechnischen Effekt bereitstellt.
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass das temperaturaktive Mittel eine rheologische Flüssigkeit enthält.
12. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das temperaturaktive Mittel ein Kunststoffmaterial enthält.
13. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das temperaturaktive Mittel ein elektrochemischer Aktuator ist, welcher durch eine
Auslösevorrichtung ansteuerbar ist.
14. Vorrichtung nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Auslösevorrichtung eine Detektorvorrichtung und/oder ein Schalter ist.
15. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie ferner ein Vorspannmittel enthält, welches mit dem Riegel (14) in Wirkverbindung
steht, wobei das Vorspannmittel durch das temperaturaktive Mittel entsperrbar ist.
16. Vorrichtung nach Anspruch 15,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Vorspannmittel eine vorgespannte Feder enthält.
17. Vorrichtung nach Anspruch 15 oder 16,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Vorspannmittel ein komprimiertes Fluid enthält.
18. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie ferner ein Heizelement enthält, welches in Ansprechen auf ein Signal von mindestens
einer Auslösevorrichtung eine Heizenergie abgibt, wobei das temperaturaktive Mittel
(16, 18, 20) in Ansprechen auf diese Heizenergie expandiert.
19. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1, 2 und 4 bis 18,
dadurch gekennzeichnet,
dass die sie ferner einen Schnappverschluss (22) enthält, welcher den Riegel (14) und
eine zur Aufnahme des Riegels (14) ausgebildete Schnappaufnahme (24) enthält, wobei
der Schnappverschluss (22) derart ausgebildet ist, dass der Riegel (14) im Normalzustand
verriegelungsfrei in die Schnappaufnahme (24) einschnappt, und der Riegel (14) bei
Wärmeeinwirkung durch das temperaturaktive Mittel (16, 18, 20) derart betätigbar ist,
dass der Riegel (14) mit der Schnappaufnahme (24) verriegelt ist.