[0001] Die Erfindung betrifft ein Waffenrohr, das auf seiner inneren Oberfläche mindestens
in einem Teilbereich mit einer Schutzschicht versehen ist. Die Erfindung bezieht sich
ferner auf ein Verfahren zur Beschichtung der inneren Oberfläche des Waffenrohres.
[0002] Um eine längere Lebensdauer der in der Regel aus Stahl bestehenden Waffenrohre zu
erhalten, ist es bekannt, die innere Oberfläche des jeweiligen Waffenrohres mit einer
Schutzschicht aus z.B. galvanisch abgeschiedenem Hartchrom zu versehen. Es hat sich
allerdings gezeigt, daß insbesondere beim Verschießen leistungsgesteigerter Munition
die relativ spröde Hartchromschicht sich partiell von dem Waffenrohr ablösen kann.
Dadurch ist der Grundwerkstoff des Waffenrohres in diesen Bereichen bei Schußabgabe
den heißen Verbrennungsgasen direkt ausgesetzt und es tritt dort ein starker Erosionsverschleiß
des Grundwerkstoffes auf.
[0003] Aus der
DE 199 19 688 A1 und der
DE 102 43 314 A1 ist es bekannt, hochschmelzende Schichtwerkstoffe auf die innere Oberfläche des Waffenrohres
durch Auftragsschweißen aufzubringen. Als nachteilig hat sich bei diesen Waffenrohren
erwiesen, daß bei dem Auftragsschweißen der Grundwerkstoff des Waffenrohres stark
erwärmt und damit negativ beeinflußt wird.
[0004] Ferner ist aus der
DE 199 26 246 A1 ein Waffenrohr bekannt, bei dem eine Schutzschicht durch Sprengplattieren auf die
innere Oberfläche des Waffenrohres aufgebracht wird. Hierzu ist allerdings ein erheblicher
verfahrensbedingter Aufwand erforderlich, um diebeim Plattieren auftretenden Kräfte
im Rohr aufzufangen. Außerdem treten häufig Bereiche mit einer schlechten Bindung
zwischen Schutzschicht und Grundwerkstoff auf, so dass die Beschichtung in diesen
Bereichen bei Schussabgabe abplatzen kann.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Beschichtung der inneren
Oberfläche des Waffenrohres mit einer Schutzschicht anzugeben, die einfach und kostengünstig
aufbringbar ist, und die sich auch bei hoher Beanspruchung des Waffenrohres nicht
von dem Grundwerkstoff des Waffenrohres löst.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß hinsichtlich des Verfahrens durch die Merkmale
des Anspruchs 1 gelöst. Weitere, besonders vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung
offenbaren die Unteransprüche.
[0007] Die Erfindung beruht im Wesentlichen auf dem Gedanken, durch Kaltgasspritzen eine
Schutzschicht auf die Innenseite des Waffenrohres aufzubringen. Hierzu können alle
bekannten Refraktärmetalle und deren Mischungen sowie keramische Werkstoffe als Schichtwerkstoff
eingesetzt werden. Die Anbindung des Schichtwerkstoffes an den Grundwerkstoff des
Waffenrohres erfolgt durch die hohe kinetische Energie der auf Überschallgeschwindigkeit
beschleunigten Teilchen beim Auftreffen auf das Grundmaterial. Ähnlich wie bei dem
Sprengplattieren treten lokal hohe Drücke und Umformungsgeschwindigkeiten auf. Hierdurch
entsteht, ohne thermisches Aufschmelzen, eine dichte, fest haftende Schutzschicht
aus hochschmelzendem Material.
[0008] Die Erfindung weist also den großen Vorteil auf, dass eine fest haftende Erosionsschutzschicht
in den Waffenrohren erzeugt werden kann, ohne dass Wärmeeinflußzonen gebildet werden
oder eine Oxidation des Beschichtungswerkstoffes auftritt.
[0009] Außerdem besteht die Möglichkeit, durch Mischen unterschiedlicher Metallpulver Schutzschichten
aus so genannten Pseudolegierungen herzustellen. Hierbei handelt es sich um Metallmischungen,
welche auf schmelzmetallurgischem Weg nicht herstellbar sind, well die entsprechenden
Metalle im schmelzflüssigen Zustand nicht mischbar sind, oder es zu unerwünschten
Reaktionen wie Phasenausscheidung oder Versprödung kommt.
[0010] Ferner haben Versuche gezeigt, daß der jeweilige Beschichtungswerkstoff eine ausreichend
hohe Duktilität besitzen sollte. So haben sich Schutzschichten aus Tantal als hervorragend
erwiesen, während Schutzschichten aus dem relativ spröden Molybdän weniger geeignet
erschienen. Auch Niob, Vandium oder Wolfram bieten sich hier an.
[0011] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus dem folgenden Ausführungsbeispiel,
welches anhand einer Figur erläutert wird.
[0012] Die Figur zeigt den Längsschnitt eines Teiles eines mit 1 bezeichneten Waffenrohres
einer Panzerkanone. Das Waffenrohr 1 ist auf seiner inneren Oberfläche 2 in einem
Teilbereich 3 mit einer Schutzschicht 4, beispielsweise aus Tantal, versehen.
[0013] Vor Durchführung der Beschichtung wird in den Teilbereich 3 des Waffenrohres 1 eine
Ausnehmung 5 eingebracht. In diese Ausnehmung 5 wird anschließend die Schutzschicht
4 erfindungsgemäß durch Kaltgasspritzen aufgebracht. Hierzu wird eine Vorrichtung
6 mit einer Laval-Düse 7 mittels einer Verfahreinrichtung 15 in den Innenraum 8 des
Waffenrohres 1 eingeschoben. Die Vorrichtung 6 ist dabei über eine erste Leitung 9
mit einer Gasquelle 10 verbunden. Das entsprechende unter Druck austretende Gas (z.B.
Stickstoff) wird in der Laval-Düse 7 auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt. Der
Beschichtungswerkstoff wird aus einem Behälter 11 über eine zweite Leitung 12 der
Vorrichtung 6 als Pulver zugeführt und vor der Laval-Düse 7 in den Gasstrahl injiziert
und durch diesen zur inneren Oberfläche 2 des Waffenrohres 1 hin beschleunigt. Bevorzugte
Partikelgeschwindigkeit sollte rund 600 m/s betragen. Als Gase können neben Stickstoff
auch Brom oder Helium bei ca. 200 °C verwendet werden.
[0014] Eine flächige Beschichtung der inneren Oberfläche 2 des Waffenrohres 1 in dem Teilbereich
3 wird dadurch erreicht, daß die Vorrichtung 6 und das Waffenrohr 1 relativ zueinander
eine spiralförmige Bewegung ausführen. Hierzu kann beispielsweise die Vorrichtung
6 mit Hilfe der Verfahreinrichtung 15 sowohl eine axiale als auch eine rotatorische
Bewegung durchführen. Ferner kann die Vorrichtung 6 durch die Verfahreinrichtung 15
auch nur axial verschoben und das Waffenrohr 1 durch einen nicht dargestellten Antrieb
um seine Seelenachse 13 gedreht werden.
[0015] Nach dem Aufbringen der Schutzschicht 4 erfolgt eine mechanische Nachbearbeitung
der Oberfläche 14 der Schutzschicht 4, da die Schutzschicht 4 eine relativ rauhe Oberfläche
aufweist. Die zunächst auf die innere Oberfläche 2 des Waffenrohres 1 aufzutragende
Schichtdicke der Schutzschicht 4 muß daher größer sein, als die entsprechende Schichtdicke
der Schutzschicht 4 bei dem fertigen Waffenrohr 1. Die Schichtdicke kann zwischen
100 µm bis 2 mm liegen. Die Größe der Partikel des jeweiligen Beschichtwerkstoffes
kann ca. 25 µm betragen.
[0016] Die Erfindung ist selbstverständlich nicht auf das vorstehend beschriebene Ausführungsbeispiel
beschränkt. So kann sich das Aufbringen der Schutzschicht sowohl auf Teilbereiche
als auch über die gesamte Rohrlänge erstrecken.
Bezugszeichenliste
[0017]
- 1
- Waffenrohr
- 2
- innere Oberfläche
- 3
- Teilbereich
- 4
- Schutzschicht
- 5
- Ausnehmung
- 6
- Vorrichtung
- 7
- Laval-Düse
- 8
- Innenraum
- 9
- erste Leitung
- 10
- Gasquelle
- 11
- Behälter
- 12
- zweite Leitung
- 13
- Seelenachse
- 14
- Oberfläche
- 15
- Verfahreinrichtung
1. Verfahren zur Beschichtung mindestens eines Teilbereiches der inneren Oberfläche eines
Waffenrohres, mit den Merkmalen:
a) der Beschichtungswerkstoff wird durch Kaltgasspritzen auf die innere Oberfläche
des Waffenrohres aufgebracht;
b) hierzu wird in dem Innenraum des Waffenrohres eine Vorrichtung mit einer Laval-Düse
angeordnet, welche ein Gas auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt, wobei der Beschichtungswerkstoff
als Pulver vor der Düse in den Gasstrahl injiziert und mit diesem auf die innere Oberfläche
des Waffenrohres hin beschleunigt wird;
c) die Vorrichtung wird relativ zum Waffenrohr bewegt, so dass sich eine flächige
Beschichtung (4) der inneren Oberfläche mit dem Beschichtungswerkstoff ergibt; und
(d) der Beschichtungswerkstoff aus einem Refraktärmetall, einer Mischung aus unterschiedlichen
Refraktärmetallen oder einem keramischen Werkstoff besteht.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Waffenrohr (1) mindestens auf seiner der Beschichtung (4) zugewandten Seite aus
Stahl und der Beschichtungswerkstoff aus Tantal besteht.
3. Waffenrohr, hergestellt mit dem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 2.
1. Method for coating at least one subarea of the inner surface of a weapon barrel, having
the following features:
a) the coating material is applied by cold gas spraying to the inner surface of the
weapon barrel;
b) for this purpose, an apparatus with a Laval nozzle is arranged in the interior
of the weapon barrel and accelerates a gas to supersonic speed, with the coating material
being injected as a powder into the gas jet in front of the nozzle, and being accelerated
with it towards the inner surface of the weapon barrel;
c) the apparatus is moved relative to the weapon barrel so as to produce a flat coating
(4) on the inner surface with the coating material; and
d) the coating material is composed of a refractory metal, a mixture of different
refractory metals, or a ceramic material.
2. Method according to Claim 1, characterized in that the weapon barrel (1) is composed of steel at least on its side facing the coating
(4), and the coating material is composed of tantalum.
3. Weapon barrel produced using the method according to one of Claims 1 or 2.
1. Procédé pour le revêtement d'au moins une région partielle de la surface intérieure
d'un tube d'arme,
comprenant les caractéristiques suivantes :
a) le matériau de revêtement est appliqué par pulvérisation de gaz froid sur la surface
intérieure du tube d'arme ;
b) à cet effet, on dispose dans l'espace interne du tube d'arme un dispositif avec
une buse de Laval, qui accélère un gaz à la vitesse des ultrasons, le matériau de
revêtement étant injecté sous forme de poudre dans le jet de gaz avant la buse et
étant accéléré avec celui-ci sur la surface intérieure du tube d'arme ;
c) le dispositif est déplacé par rapport au tube d'arme, de sorte que l'on obtienne
un revêtement plat (4) de la surface intérieure avec le matériau de revêtement ; et
d) le matériau de revêtement se compose d'un métal réfractaire, d'un mélange de métaux
réfractaires différents, ou d'un matériau céramique.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le tube d'arme (1) se compose d'acier au moins sur son côté tourné vers le revêtement
(4) et le matériau de revêtement se compose de tantale.
3. Tube d'arme fabriqué avec le procédé selon l'une quelconque des revendications 1 ou
2.
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