[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Beschichten von Substraten nach
dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Viele Gegenstände des täglichen Bedarfs, sonstige Gebrauchsgüter oder auch gewerblich
oder industriell eingesetzte Gegenstände erhalten ihr äußeres Aussehen erst durch
eine Beschichtung, wobei die Beschichtung sowohl aus ästhetischen Gründen als auch
zur Erzielung einer Schutzfunktion eingesetzt werden kann. Eine weit verbreitete Beschichtungsmöglichkeit
ist durch Lackierverfahren gegeben, bei denen mit einem Beschichtungsstoff auf Basis
eines organischen Bindemittels ein auf einem Untergrund haftender, schützender und
ggf. dekorativer Film, der sog. Lack erzeugt wird. Ein derartiger Beschichtungsstoff
enthält neben makromolekularen oder Makromoleküle bildenden Filmbildnern, Pigmente,
Füllstoffe, Additive und/oder Löse- oder Dispersionsmittel. Unter Lösemittel sind
hierbei sämtliche Flüssigkeiten oder Flüssigkeitsgemische zu verstehen, die den oder
die Filmbildner zu lösen vermögen, wie z. B. Alkohole oder Wasser. Als Dispersionsmittel
versteht man die Flüssigkeiten, die den Filmbildner zwar nicht lösen, jedoch in feiner,
mikroheterogener Verteilung halten, wie z. B. Kohlenwasserstoffe oder Wasser.
[0003] Derartige Beschichtungsstoffe, die allgem. als Lacke bezeichnet werden können, können
durch unterschiedlichste Verfahren auf den zu beschichtenden Gegenständen bzw. Substraten
aufgebracht werden. Als Beispiele hierfür seien die Tauchlackierung, das Streichen
oder Sprühverfahren genannt.
[0004] Insbesondere Sprüh- bzw. Spritzverfahren weisen im industriellen Einsatz eine große
Bedeutung auf, da sie eine automatisierte und industrielle Fertigung mit besonders
gleichmäßiger Lackbildung ermöglichen. Bei den Sprüh- bzw. Spritzverfahren wird der
auf dem Substrat aufzubringende Beschichtungsstoff durch verschiedene Methoden in
eine Vielzahl kleiner Tröpfchen zerstäubt, die dann gleichmäßig auf dem Substrat abgelagert
werden, um dort dann wieder zu einem Film zusammenzufinden. Als Zerstäubungsmethode
ist beispielsweise bekannt den Beschichtungsstoff durch eine Düsenanordnung zu treiben,
wobei er nach dem Verlassen der Düse in viele kleine Tröpfchen zerrissen wird. Hierbei
wird entweder der Beschichtungsstoff selbst unter entsprechendem Druck durch die Düsenanordnung
gepresst (hydraulisch) oder der Beschichtungsstoff wird mittels Pressluft oder Druckluft
(pneumatisch) zerstäubt, wobei die Druckluft zusammen mit dem Beschichtungsstoff aus
der Düsenanordnung austritt.
[0005] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf das Auftragen von Lacken auf Substrate
mittels Sprüh- oder Spritzverfahren, bei dem der Beschichtungsstoff durch eine Düsenanordnung,
beispielsweise eine Lackierpistole, zerstäubt wird.
[0006] Bei diesen bekannten Verfahren besteht das Problem insbesondere bei der Aufbringung
von wasserbasierten Lacken, bei denen also Wasser als Löse- oder Dispersionsmittel
eingesetzt wird darin, dass durch Lufteinschlüsse bei pneumatischer Zerstäubung keine
homogene Beschichtung auf der Substratoberfläche erzielt werden kann. Insbesondere
bei Substraten mit hoher Oberflächenspannung, wie z. B. Kunststoffen, treten Inseln
ohne Beschichtungsstoff in dem Lackfilm auf dem Substrat auf. Dies ist insbesondere
dann problematisch, wenn die Beschichtung aus mehreren Lagen besteht und die Inselbildung
bereits in der Grund- oder Haftschicht auftritt, da sich diese dann mit dem weiteren
Beschichtungsaufbau fortsetzt. Insbesondere bei der Beschichtung von Kunststoffen
mit sog. Haftvermittlern (Primern) mit sehr hohem Wasser- und geringem Festkörperanteil
ist Inselbildung zu beobachten.
[0007] Aus der
GB 455,408,
GB 660,233,
US 4,816,542 und
WO 00/18514 ist es bekannt Beschichtungsstoffe mit Hilfe von Wasserdampf anstelle von Luft zu
zerstäuben. Allerdings beschreibt gerade die
GB 660,233, dass dies nur bei organischen Beschichtungsstoffen eingesetzt werden soll, die nicht
wässrig sind oder nicht wasserlöslich sind.
[0008] Es ist deshalb Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein Verfahren zum Aufbringen von
Lacken auf Substraten bereitzustellen, welches die Probleme der Inselbildung beim
Lackauftrag vermeidet. Gleichzeitig soll dieses Verfahren jedoch einfach und wirtschaftlich
einsetzbar sein, ohne dass große Veränderungen an bestehenden Lackieranlagen vorgenommen
werden müssen.
[0009] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1.
Vorteilhafte Ausgestaltungen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0010] Bei der vorliegenden Erfindung hat es sich überraschend gezeigt, dass die vorstehend
genannten Probleme mit der Inselbildung, insbesondere beim Auftrag von Wasserlacken
auf Kunststoffen in einfacher Weise dadurch vermieden werden können, dass statt der
Luft als Hilfsgas bei der pneumatischen Zerstäubung Wasserdampf eingesetzt wird. Dies
vermeidet die Lufteinschlüsse im Lack und die dadurch erzeugte Inselbildung in der
Lackschicht. Außerdem ist dieses Verfahren in einfacher Weise zu realisieren, da lediglich
statt der Luft Wasserdampf verwendet werden muss, so dass weitgehend die bestehenden
Anlagen weiter verwendet werden können. Lediglich bestimmte, den Wasserdampf führende
Leitungen bzw. Dichtungen müssten entsprechend ausgelegt werden, dass sie dem Wasserdampf
auf Dauer widerstehen können. Hierzu bietet sich beispielsweise an, Keramikdichtungen
in den Lackierpistolen einzusetzen. Anlagentechnisch muss lediglich eine zusätzliche
Einrichtung zur Erzeugung von Wasserdampf vorgesehen werden.
[0011] Vorzugsweise kann der Wasserdampf im Niederdruckbereich von 0,5 bis 2 bar, bzw. im
Hochdruckbereich von 2 bis 10 insbesondere 4 bis 8 bar eingesetzt werden.
[0012] Neben wasserbasierenden Lacken mit Wasser als Lösungs- oder Dispersionsmittel hat
es sich insbesondere bewährt, Wasserdampf auch als Hilfsgas für das pneumatische Spritzen
von im wesentlichen lösemittelfreiem Schmelzlack zu verwenden, da bei diesen Lacken,
die nahezu aus 100 % Festkörper bestehen, der erhitzte Wasserdampf keine Abkühlung
des aufgeschmolzenen Lackes beim Verspritzen bewirkt oder sogar auf eine zusätzliche
Erwärmung oder Erhitzung des Schmelzlacks zur Verflüssigung verzichtet werden kann.
[0013] Neben der Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens für die Aufbringung von insbesondere
Primern auf Kunststoffen kann dieses Verfahren natürlich selbstverständlich für entsprechende
Decklacke, Füllerschichten oder Klarlackschichten auch auf Metallen oder Holzwerkstoffen
eingesetzt werden.
[0014] Vorzugsweise ist in der Spritzpistole nahe der Düsenöffnung eine Einrichtung zur
Vermeidung von Wassertröpfchen im Wasserdampf vorgesehen. Diese kann durch eine Heizeinrichtung
gebildet sein. Die Anordnung ist so zu wählen, dass an der Düsenöffnung nahezu reiner
Wasserdampf zur Verfügung steht. Entsprechend muss die Länge der Heizeinrichtung oder
deren Leistung bemessen sein, um eine ausreichende Temperaturerhöhung zu erreichen.
Gleiches gilt für die Änderung des Drucks.
[0015] Weitere Vorteile, Kennzeichen und Merkmale der vorliegenden Erfindung werden bei
der nachfolgenden detaillierten Beschreibung eines Ausführungsbeispiels anhand der
beigefügten Zeichnungen deutlich. Die rein schematischen Zeichnungen zeigen in
- Fig. 1
- a) und b) die schematische Darstellung von Düsenanordnungen mit Innenmischung (a)
sowie Außenmischung (b) des Beschichtungsstoffs mit dem als Hilfsgas zur Auftragung
verwendeten Wasserdampfs;
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung einer Anlage zum Beschichten von Substraten gemäß der
vorliegenden Erfindung;
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung der Wasserdampfzuführleitung in der Spritzpistole; und
in
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung einer zweiten Ausführungsform der Wasserdampf - zuführleitung
in der Spritzpistole.
[0016] Die Fig. 1 zeigt in zwei schematischen Darstellungen zwei unterschiedliche Düsenanordnungen
1, die beispielsweise in einer Spritzpistole verwirklicht werden können, um das erfindungsgemäße
Verfahren durchzuführen.
[0017] Bei der Düsenanordnung 1 des Teilbilds a) weist die Düsenanordnung eine innere Düse
2 und eine äußere Düse 3 auf, wobei die Düsenöffnung 4 der inneren Düse 2 innerhalb
der äußeren Düsenanordnung 3 unmittelbar vor der Düsenöffnung 5 der äußeren Düsenanordnung
3 angeordnet ist. Auf diese Weise wird der in der inneren Düsenanordnung 2 transportierte
Beschichtungsstoff mit dem in der äußeren Düsenanoidnung 3 transportierten Wasserdampf
vor dem endgültigen Verlassen der Düsenanordnung 1 durch die Düsenöffnung 5 der äußeren
Düsenanordnung 3 mit dem Wasserdampf vermischt (Innenmischung).
[0018] Demgegenüber wird bei der Düsenanordnung 1 des Teilbilds b), bei dem die Düsenöffnung
4 der inneren Düsenanordnung 2 auf gleicher Höhe mit der Düsenöffnung 5 der äußeren
Düsenanordnung 3 angeordnet ist, der in der inneren Düsenanordnung 2 befindliche Beschichtungsstoff
erst nach dem Verlassen der Düsenanordnung 1 mit dem Wasserdampf, der die äußere Düsenanordnung
3 durch die Düsenöffnung 5 verlassen hat, vermischt (Außenmischung).
[0019] Diese beiden Arten des Sprüh- bzw. Spritzauftrags des Beschichtungsstoffs mit Hilfe
des Wasserdampfs können für die vorliegende Erfindung eingesetzt werden.
[0020] Die Fig. 2 zeigt in einer rein schematischen Darstellung eine Anlage zum Beschichten
von Substraten gemäß der vorliegenden Erfindung, wobei eine Spritzpistole 1 entsprechend
der Düsenanordnungen der Fig. 1 über eine erste Zuführleitung 6 mit einer ersten Versorgungseinrichtung
8 zum Bereitstellen und Zuführen des Beschichtungsstoffs zur Spritzpistole 1 verbunden
ist, wobei über eine Pumpe 10 der Beschichtungsstoff in der Zuführleitung 6 gefördert
wird.
[0021] Die Spritzpistole 1 ist weiterhin über eine zweite Zuführleitung 7 mit einer zweiten
Versorgungseinrichtung 9 verbunden, welche eine Wasserdampferzeugungseinrichtung umfasst,
mittels der für das erfindungsgemäße Verfahren erforderliche Wasserdampf erzeugt und
zur Spritzpistole 1 befördert werden kann.
[0022] Als Teil der zweiten Versorgungseinrichtung 9 oder wie in der Fig. 2 dargestellt
als separate Einrichtung, kann eine Druckerhöhungs- oder Komprimiereinrichtung, wie
eine Pumpe 11 in der zweiten Leitung 7 vorgesehen sein, um den Wasserdampf auf den
entsprechenden Betriebsdruckbereich von 0,5 bis 10 bar bzw. 1 bis 2 oder 4 bis 8 bar
zu bringen.
[0023] In gleicher Weise kann selbstverständlich die entsprechende Druckerhöhungs- oder
Komprimiereinrichtung 10 auch in der ersten Versorgungseinrichtung für den Beschichtungsstoff
integriert oder separat in der ersten Versorgungsleitung 6 vorgesehen sein (wie dargestellt).
[0024] Selbstverständlich kann auch in der Versorgungsleitung 6 für den Beschichtungsstoff
auf die Pumpe 10 verzichtet werden, wenn durch den Sog des Wasserdampfes ein ausreichender
Transport für den Beschichtungsstoff gewährleistet ist.
[0025] In den Fig. 3 und 4 sind bevorzugte Ausführungsformen der Spritzpistole 1 bzw. der
Wasserdampfzuführleitung 7 schematisch dargestellt.
[0026] Gemäß Fig. 3 wird die Zuführleitung in der Nähe der Abgabeöffnung bzw. Düsenöffnung
5 im Querschnitt verringert, so dass auch kleinste Mengen an Wassertröpfchen, die
aus dem Wasserdampf ausgefallen sein können, wieder verdampft werden und somit nahezu
reiner Wasserdampf für die Applizierung des Beschichtungsstoffes zur Verfügung steht.
Im gezeigten Ausführungsbeispiel der Fig. 3 wird dies durch einen konischen Bereich
13 in der Zuführleitung 7 erreicht, welcher den ersten Querschnitt der Leitung 7 im
Bereich 12 auf einen zweiten Querschnitt im Bereich 14 reduziert.
[0027] In Fig. 4 ist eine weitere Möglichkeit gezeigt, wie der Bildung von Wassertröpfchen
im Wasserdampf entgegen gewirkt werden kann. Zu diesem Zweck ist unmittelbar vor oder
an der Düsenöffnung 5 eine zusätzliche Heizeinrichtung 15 vorgesehen, mittels der
der Wasserdampf entsprechend erhitzt und überhitzt werden kann, so dass das gesamte
Wasser in Wasserdampfform vorliegt. Als Heizeinrichtung 15 kommen sämtliche bekannte
Einrichtungen, wie elektrische Widerstandsheizungen mit Wicklungen um die Leitung
7 oder Heizkartuschen mit exotherm reaktiven Materialien oder Brennstoffen zum Einsatz
in einen Freiraum der Spritzpistole in Frage.
1. Verfahren zum Beschichten von Substraten mit mindestens einem Beschichtungsstoff,
der zumindest eine organische Komponente umfasst, wobei der Beschichtungsstoff durch
Zerstäuben und Aufspritzen auf dem Substrat aufgebracht wird und der Beschichtungsstoff
durch Wasserdampf zerstäubt wird, dadurch gekennzeichnet, dass der Beschichtungsstoff ein wasserbasierter Lack (Wasserlack) oder ein im Wesentlichen
lösemittelfreier Schmelzlack ist, der als Grundierung (Primer), als Decklack, Füller
oder Klarlack aufgebracht wird, wobei als Substrat Metalle, Kunststoffe oder Holzwerkstoffe
eingesetzt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Beschichtungsstoff durch Verströmen durch eine Düsenanordnung, insbesondere eine
Lackierpistole, mit dem Wasserdampf als Hilfsgas zerstäubt und auf das Substrat gespritzt
wird.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
der Wasserdampf mit (Innenmischung) oder benachbart (Außenmischung), insbesondere
konzentrisch zum Beschichtungsstoff aus einer Düsenanordnung ausströmt, wobei der
Wasserdampf der Düsenanordnung mit einem Druck von 0,5 bis 10 bar, insbesondere 0,5
bis 1 bar oder 4 bis 8 bar zugeführt wird.
1. Method for coating substrates with at least one coating material, which comprises
at least one organic component, wherein the coating material is applied to the substrate
by atomisation and spraying, and the coating material is atomised by water vapour,
characterised by the fact that
the coating material is a waterborne paint or an essentially solventless hot melt
coating, which is applied as a primer, top coat, filler or clearcoat, wherein the
substrates used are metals, plastics or timber-derived materials.
2. Method in accordance with claim 1,
characterised by the fact that
the coating material is atomised by flowing through a nozzle arrangement, especially
a spray gun, with the water vapour acting as auxiliary gas, and is sprayed onto the
substrate.
3. Method in accordance with any of the previous claims,
characterised by the fact that
the water vapour flows out of a nozzle arrangement along with (internal mixing) or
adjacent to (external mixing), especially concentrically with, the coating material,
wherein the water vapour is fed to the nozzle arrangement at a pressure of 0.5 to
10 bar, especially 0.5 to 1 bar or 4 to 8 bar.
1. Procédé pour revêtir des substrats avec au moins un matériau de revêtement qui comprend
au moins un composant organique, le matériau de revêtement étant appliqué sur le substrat
par pulvérisation et application au pistolet et le matériau de revêtement étant pulvérisé
par de la vapeur d'eau, caractérisé en ce que le matériau de revêtement est une laque à base d'eau (laque à l'eau) ou une laque
à faire fondre substantiellement sans solvants, qui est appliquée comme première couche
(primer), couche de finition, matière de charge ou comme laque transparente, des métaux,
des matières plastiques ou des matériaux à base de bois étant utilisés comme substrat.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le matériau de revêtement est pulvérisé avec de la vapeur d'eau comme gaz auxiliaire
en passant par un dispositif à buse, en particulier un pistolet de laquage, et est
pulvérisé sur le substrat.
3. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la vapeur d'eau sort d'un dispositif à buse avec le matériau de revêtement (mélange
intérieur) ou à proximité (mélange extérieur), en particulier de manière concentrique
par rapport au matériau de revêtement, la vapeur d'eau du dispositif à buse étant
amenée avec une pression de 0,5 à 10 bar, en particulier de 0,5 à 1 bar ou de 4 à
8 bar.